Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Hoffnungsträger zieht die Notbremse

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Wo gibt es sowas: „Die Bank, die kein Geld mehr will“ (und keiner weiß ganz genau warum) – so titelt es jedenfalls heute n-tv online:

http://www.n-tv.de/ratgeber/anlegensparen/Die-Bank-die-kein-Geld-mehr-will-article954981.html 

Immerhin rund 290 Millionen Euro haben Kunden der Noa Bank in den vergangenen neun Monaten seit Gründung anvertraut. Die anfängliche Euphorie über ein transparentes Banking jenseits von Spekulation und Gewinnmaximierung traf gerade nach der Finanzkrise den Nerv der Zeit und jenen der Anleger. Nun berichtet Nachrichtensender n-tv:

Neu Kunden werden schon seit einigen Wochen nicht mehr akzeptiert. Doch jetzt können selbst Bestandskunden auf ihr Tagesgeldkonto kein Geld mehr transferieren. In der Praxis soll dies dazu führen, dass Überweisungen auf Tagesgeldkonten zurückgewiesen werden und Sparpläne, wo ein monatlicher Betrag zugunsten eines Tagesgeldkontos transferiert wird, ausgesetzt werden. Wie lange dieser Zustand andauert, ist noch unklar.

Quelle: n-tv.de

Fazit: Die Schwierigkeiten, die unternehmerische Wachstumsdynamik produktiv und verlässlich zu managen, scheinen sich nun auszuweiten. Deutlich wird dies in einem Blogeintrag vom 24.06., in dem der Gründer Francois Jozic den Kunden mitteilt, dass die noa bank  „aufgrund des enormen Wachstums  die Festgeldvergabe und die Tagesgeldannahme einfriert“.

Wer sich die Kommentare der irritierten Kunden ganz unten etwas genauer durchliest, wird feststellen, dass die Verunsicherung doch deutlich wächst, weil nicht klar ist, welche unternehmerischen Horizonte die Bank anpeilt.

Ein Grund: Social Media wird nicht regelmäßig und systematisch genug eingesetzt, um die Kunden in die „Black Box Bank“ wirklich hinein blicken zu lassen. Das ist aber gerade in der frühen Wachstumsphase notwendig, um das zarte Pflänzchen namens Vertrauen zu binden. Vertrauen muss man sich permanent erarbeiten.

Die Noa Bank teilt jedoch weder genau mit, wann wieder Geld angenommen wird, noch welche sonstigen strategischen Schritte eingeleitet werden, um das Wachstum – und hier vor allem die Kreditvergabe – in Gang zu bringen, um einen Gleichklang zwischen den unterschiedlichen geschäftlichen Aktivitäten herzustellen (einschließlich Noa Factoring).

Die Folge sind weitere Presseartikel, die die Verunsicherung verstärken:

http://www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/weblog/20100630/noa-bank-setzt-tagesgeldkonto-fuer-neu-und-bestandskunden-aus.php

http://www.tagesgeld-uebersicht.de/news/news_1277871540.htm

Das Bankingportal stellt nun die Frage: Sieht so ein neues Banken-Geschäftsmodell aus?

http://www.bankingportal24.de/finanzredaktion/595/ausverkauft-die-dritte-noa-bank-stellt-festgeld-ein-/

Dieses Weblog hat in den vergangenen Monaten immer wieder versucht, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei das Potenzial aber auch die Kritikpunkte an der Noa Bank aufzugreifen. Mit Blick auf die neuen Entwicklungen muss leider gesagt werden: Hier mangelt es an Transparenz. Folge: Wo konkrete Informationen fehlen, wachsen die Gerüchte.

Nachzulesen ist dies an einer wachsenden Zahl von Kommentaren, die mittlerweile auch die Blogoshäre erreichen:

„Eigentor geschossen“ – auf dem Online-portal biallo.de http://www.biallo.de/finanzen/Geldanlage_Fonds/tagesgeld-bei-der-noa-bank-eigentor-geschossen.php    

Eingehende Zahlungen werden also gegebenenfalls zurücküberwiesen. Daueraufträge auf Tagesgeldkonten und Geldeinzüge im Rahmen eines monatlichen Sparplans sind ebenfalls von der Maßnahme betroffen.“

Dies jedoch dürfte der Bank mit derzeit 15.000 Kunden juristische Probleme bereiten. Denn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) heißt es zum Tagesgeld: „Einzahlungen sind in jeder Höhe (…) möglich“. Einschränkungen sind in den AGB nicht ersichtlich.

Quelle: biallo.de

Auch das Weblog „kurz-nachgedacht“ macht sich so seine Gedanken:

Den meisten Kunden war das egal so lange der Zinssatz stimmte, schickten Sie Euro um Euro an die Noa Bank, die nun bei einem Stand von 290 Mio. Euro die Reißleine zieht und ganz einfach keine neuen Kundeneinlagen mehr auf Tagesgeld- oder Festgeldkonto akzeptieren möchte.

Wie das möglich ist – und wie z.B. mit Sparplänen auf Noa Bank Tagesgeld Konten umgegangen wird, ist nicht bekannt. Die Bank hat nach dem überraschenden Schritt eher wenig unternommen um die Irritation der Kunden aufzulösen, dabei wäre es doch so einfach den Kapitalfluss zu mindern: Würden die Tagesgeldkonto Zinsen deutlich sinken, würden viele Kunden die Einlagen wieder abziehen und das Problem wäre beseitigt. Aber das machen ja alle – die Noa Bank ist ja schon auch irgendwie anders,

Quelle: http://www.kurz-nachgedacht.de/geld/noa-bank-nimmt-keine-kundengelder-mehr-an/

Wir bilanzieren: Mehr Transparenz gilt auch für ein neues Geschäftsmodell, das sich fortlaufend weiter entwickelt. Und hier sind seitens der Geschäftsleitung auch die Kanäle zu bedienen, die das Institut selbst ins Leben gerufen hat.

Sicherlich kann auch bei der Noa Bank nicht immer klar sein, wohin die Reise geht, aber eine deutlich profilierte Kommunikation mit mehr Inneneinblick, was die Kunden auf der Zeit- und Agendaachse erwarten dürfen und was eher nicht, wäre wünschenswert, wenn nicht sogar dringend geboten. 

    

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Written by lochmaier

Juni 30, 2010 um 11:04 am

Veröffentlicht in Uncategorized

14 Antworten

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  1. Es hätte eigentlich schon bei der Gründung der Noa Bank klar sein müssen, dass es Probleme geben kann, wenn das Online-Banking auf der Einlagenseite mit modernem Marketing (und attraktiven Zinsen) verknüpft wird, während das Kreditgeschäft auf die herkömmliche (traditionelle) Art aufgezogen werden muss. Dass jetzt die Notbremse gezogen wird, ist zwar einerseits ehrlich, andererseits aber für Kunden mit Sparplänen schon bitter: Worauf soll man sich da noch verlassen können?

    Den Fehler, dass in solchen Situationen über die Social Media Kanäle zu wenig (in der Tiefe) und zu unregelmäßig (in der Frequenz) informiert wird, machen viele Startups. So schnell Twitter- und Facebook-Accounts aufgesetzt sind, so schwierig bleibt doch ein gutes Community-Building. Da hilft es dann auch nicht mehr, wenn man mit Agenturen zusammen arbeitet, die selbst erst so ihre Gehversuche mit Social Media machen…

    Matthias Schwenk

    Juli 1, 2010 at 11:37 am

    • Bin sehr gespannt, wie die Noa Bank diesen „Innovationsstau“ wieder beheben will. Aber Social Media wäre zweifellos das strategisch einzig sinnvolle Instrument (jenseits von Agenturen), um den hohen Ansprüchen nach Transparenz mit Blick auf die verunsicherten Kunden einigermaßen Rechnung zu tragen. Von außen ist der Status Quo schwer zu beurteilen, wie das Management jetzt zwischen dynamischem Wachstum und sorgsamem Risikomanagement die Brücke schlagen möchte.

      Lothar Lochmaier

      Juli 1, 2010 at 11:50 am

      • Der „Stau“ ist handwerklich zu lösen. Eine Bank vergibt die Einlagen zum möglichst großen Teil als Kredite, den Rest legt sie rentierlich sicher an als Liquiditätsreserve. Ein Einlagestopp ist möglicherweise ein Hinweis auf mangelnde Handwerklichkeit. Je länger er anhält, desto wahrscheinlicher wird diese Interpretation.
        Ich habe im Augenblick keine Vorstellung davon, wie dieses handwerkliche Manko mit social media gelöst werden kann. Da braucht es kompetente Mitarbeiter in der Kreditabteilung und Nachfrage nach Kredit.
        Unkonventionell ist der Einlagestopp allemal. Noa ist diesbezüglich wirklich eine andere Bank.

        Hans-Florian Hoyer

        Juli 1, 2010 at 5:24 pm

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Matthias Schwenk, Social Media Expert. Social Media Expert said: http://tinyurl.com/37hflqj Noa Bank: Hoffnungsträger zieht die Notbremse […]

  3. Was ich sehr bemerkenswert finde ist die Art der Kommunikation – bzw. der Mangel derselben seit einigen Wochen. Was sehr offen und kommunikationsfreudig begann, ist in letzter Zeit offenbar nur noch das berühmte Schweigen im Walde. Man schaue sich mal nur den Blog und den Twitterstream an.

    Selbst bei so drastischen Schritten wie dem jetzigen wird man als Kunde(!) nur kurz mit einer Email abgespeist, die mehr Fragen offenlässt als beantwortet.

    Wo vorher Herr Jozic (bwz. wohl eher ein Mitarbeiter in seinem Namen) sehr auskunftsfreudig war, ist nun nur noch schweigen da.

    Als Kunde würde ich mich da doch sehr unwohl fühlen und fragen, ob ich nicht mein Geld da abziehen sollte.

    Möglicherweise ist dieser Effekt gewollt, aber für eine Bank die Transparenz predigt ist das doch quasi eine Kapitulationserklärung. Das Vertrauen vieler Bestandskunden dürfte nachhaltig erschüttert sein, vor allem da wie gesagt die Kommunikation von Seiten der Noabank nicht (mehr) existent zu sein schein.

    cmi

    Juli 1, 2010 at 6:13 pm

  4. Ich finde diesen Einlagestop bemerkenswert. Die Noa-Bank wurde überrollt von Einlagen und verfügt im Kreditgeschäft (noch?) nicht über die Ressourcen. Vermutlich wird die Kreditnachfrage bei der Noa-Bank hoch sein, jedoch muss das Institut auch hier traditionelle Beurteilungskriterien anlegen und kann die Gelder nicht leichtfertig heraus geben. Auch „soziale Projekte“ müssen sich aus Sicht einer Bank tragen.

    dels

    Juli 2, 2010 at 5:13 am

    • Wenn ich mir die nachdenklichen Kommentare durchlese, so besteht eine der zentralen Herausforderungen wohl darin, eine professionelle Kreditvergabe zu etablieren. Das erfordert Ressourcen und fundiertes Know-how, das von der „grünen Wiese“ aus erst sukzessive aufgebaut werden muss. Da sind andere Banken natürlich weit voraus, die derartige interne Strukturen bis hin zum Risikomanagement bereits etabliert haben. Auch Social Media kann diesen unternehmerischen Spagat nicht auflösen.

      Dennoch: Die Kommunikationskultur sollte die Kunden deutlich mehr auf dem Laufenden halten, als dies derzeit der Fall ist, sonst schaukeln sich negative Resonanzwellen auf, die einer als Hoffnungsträger gestarteten Neugründung große Probleme bereiten.

      lochmaier

      Juli 2, 2010 at 6:25 am

  5. Ein solches Vorgehen wünsche ich mir auch bei anderen Banken. Risikominimierung und Anlegerschutz sollten immer an erster Stelle stehen und erfordern doch nicht viel mehr als gesunden Menschenverstand, den viele Banker scheinbar selten benutzen. Dennoch bemerkenswert, dass es auch anders geht,

    Josef Mertens

    Juli 3, 2010 at 6:46 pm

    • Auch wenn man Risikominimierung und Anlegerschutz immer an erster Stelle sieht, muß man nicht soweit gehen, den Banken zu empfehlen, ihre Funktion in der Gesellschaft dafür temporär ganz aufzukündigen. Es gibt sehr viele Banken, die können beides schon ziemlich lange: Einlagen entgegennehmen und verantwortungsvoll Kredite zu vergeben.

      Hans-Florian Hoyer

      Juli 5, 2010 at 6:39 pm

  6. Ich habe als Tagesgeld-Anleger bei der noa bank auch das eMail mit Link auf einen Blog-Eintrag erhalten, nachdem die Annahme von Tagesgeld bei Bestandskunden ausgesetzt wird.
    Dies ist unkonventionell und entspricht leider nicht den AGB (Mitteilung in Textform zwei Monate vor Änderungen) und auch auf der Homepage kann man heute noch lesen,dass Tagesgeld jederzeit eingezahlt werden kann.
    Ob sich die Bank nicht einen Bärendienst erwiesen hat, wenn Sie das Kreditgeschäft ausweiten will? Als Kreditkunde würde ich mir überlegen, ob ich das Risiko eingehen will, dass mir die Bank evtl. auch ganz cool per Blog (das hat man wohl heute)den Kredit kündigt oder die Konditionen ändert.

    Franz

    Juli 5, 2010 at 8:53 pm

  7. Und hier hat mich noch per mail am 10.07. ein interessanter Kommentar erreicht:

    über ihr Blog verfolge ich bereits seit längerem die Entwicklung bei der Noa Bank. Ich selbst bin derzeit noch Kunde dieser Bank.
    Nachdem bei Biallo eine „Anleitung“ zu lesen war, wie Konden der Noa Bank Schadensersatz geltend nachen können (Verstoß gegen die eigenen AGB, Differenz zum Zinssatz anderer Banken) scheint die Noa Bank still und heimlich reagiert zu habe. Die Anlagebeträge und der Zinssatz wurde angepasst – ohne dass die Kunden informiert wurden. Auch im „Transparenz-Blog“ ist über die Zinsanpassung nichts zu lesen. Ich selbst bin nur durch Zufall auf die Zinsanpassung aufmerksam geworden.
    Unter http://www.noabank.de/tagesgeld/konditionen ist der neue Zinssatz zu lesen. Durch die Anpassung der Anlagebeträge dürfte die efektive Verzinsung ihres Anlagebetrags für viele unter den derzeitigen Höchstsatz von 1,5 % p.a. (bis 50.000 EUR) fallen.

    lochmaier

    Juli 12, 2010 at 8:55 am

  8. Heute früh ging noch ein neuer Blogeintrag auf den Internetseiten der Noa Bank online, der das Absenken der Tagesgeldzinsen erstmals etwas ausführlicher begründet, jedoch erneut einige Fragen mit Blick auf die Transparenz – siehe den Kommentar zuvor – offen lässt – und auch handwerkliche Unsicherheiten in der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells erkennen lässt. Man gewinnt den Eindruck der selektiv gesteuerten partiellen Transparenz. Sicherlich erfährt der Kunde nicht immer alles zuerst, aber er sollte auch nicht das letzte Rad am Wagen sein. Siehe:
    http://www.anderebank.de/blog/artikel/die-noa-bank-senkt-die-tagesgeldzinsen/

    lochmaier

    Juli 12, 2010 at 9:06 am

  9. […] nachzulesen hier auf sharewise.com – um eine Bank, die es mit der Transparenz wie schon in meinem letzten Blogeintrag skizziert, nicht so genau nahm, wie es der eigene selbst gesteckte Anspruch vermuten […]


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