Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Spanien: Die nächste Bankenkrise? – und wo Alternativen liegen

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Wie steht es um den angeschlagenen spanischen Bankensektor? Erneut machen Gerüchte die europäische Runde, die EU wolle Hilfen aus dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm von EU und IWF locker machen, berichtet Handelsblatt Finance.

Außerdem hätten sich die Finanzminister der G7 am Telefon auf eine Spanien-Strategie verständigt. Von offizieller Seite bestätigt wurde dies nicht, wohl aber, dass die EZB spanischen Banken im Mai die Rekordsumme von 85,6 Milliarden Euro ausgeliehen hat, weil die Institute im Interbankenverkehr als nicht kreditwürdig gelten – ein zweifelhafter Rekord seit 1999.

Indes haben sich unter der Last fauler Immobilienkredite sieben weitere Sparkassen zusammengeschlossen. Über 90.000 Angestellte seien derzeit von Fusionsverhandlungen in Spanien betroffen, berichtet die Wirtschaftszeitung Expansion. Am Ende der überstürzten „Notfusionen“ würden wohl kaum mehr als ein Dutzend Kassen unter der spanischen Sonne übrig bleiben, erwartet die Presse.

Jetzt sei die Entpolitisierung fällig, fordert die Frankfurter Rundschau den Einstieg von Privatkapital in die halböffentlichen Sparkassen. Nun aber kommt das Entscheidende, der Vertrauensverlust lässt keine Rückkehr zum „business as usual“ mehr zu. (Nicht nur) in der Bevölkerung Spaniens wächst jedenfalls der Unmut, für die Versäumisse der eigenen Banken geradestehen zu müssen.

Das kennt man auch von Deutschland. Passend dazu kann man in neueren Artikeln sehen, dass die Menschen mittlerweile ernsthaft nach Alternativen Ausschau halten, und eine neue Philosophie im Umgang mit dem Geld heran wächst. Die Erwartungshaltungen an eine neue Anlegergeneration sind hoch.  

So berichtet BBC News in einem Atemzug über die britische Peer-to-Peer-Plattform Zopa und die deutsche Noa Bank – zwei zarte (eigentlich nicht wirklich direkt vergleichbare) Neueinsteiger, denen die Finanzkrise eher genutzt als geschadet hat.

Einige Zitate aus dem lesenswerten BBC-Artikel:

„What is wrong is when a bank speculates and does not tell its clients. That is not transparent.“ Francois Jozic – Noa Bank

Dem kann man nur zustimmen. Dieses Credo gilt natürlich für alle alten wie neuen Banken (1.0 und 2.0). Ein weiteres Zitat:

We are less interested in the actual purpose of the loan, we are interested in our assessment of the individual’s ability to repay it“.  Giles AndrewsZopa

Auch diesem Befund kann man nur zustimmen. Aber auch das Schicksal der Peer-to-Peer-Kreditbörsen hängt daran, wie sie das Management des Interessenausgleichs zwischen den Ansprüchen der Geldgeber und Kreditnehmer (und den eigenen) souverän moderieren.

Oder anders ausgedrückt: Man kann höhere Ausfallraten bei Smava, Prosper, Zopa, Lending Club, Auxmoney und Co. sicherlich durch größere Risikoaufschläge bis zu einem gewissen Grad auffangen, jedoch sind die Anleger irgendwann verunsichert, wenn es hier zu große Ausreißer bzw. Unwägbarkeiten gibt. Hier darf der systemische Ansatz des Ganzen nicht unterschätzt werden.

Fest steht aber auch: Kleinere Banken und innovative IT-Dienstleister sind im Aufwind, wie auch das Handelsblatt unter der Überschrift „Wie kleine Banken Imagepflege betreiben“ vor allem am Beispiel der in Deutschland neu gegründeten Triodos Bank beleuchtet. Einige essentielle kurze Zitate:

Äußerlich hat Schürmann das klassische Banker-Bild nicht abgestreift. Während sein Konkurrent François Jozic von der Noa Bank auch mal Turnschuhe trägt, bevorzugt Schürmann Anzug und Scheitel.

Doch so verschieden Jozic und Schürmann erscheinen, verkaufen sie doch beide auch ein Lebensgefühl. Das Empfinden, etwas Gutes zu tun. Die Kunden der neuen, guten Banken nehmen dafür sogar einen geringeren Zins in Kauf. Eine perfekte Markengeschichte.

„Der Vertrauensverlust der traditionellen Banken ist auch wegen mangelnder Transparenz entstanden und bietet eine neue Chance der Gründung“, sagt Thomas Hartmann-Wendels, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Köln. „Es gibt Menschen, die bereit sind, auf Geld zu verzichten, um bestimmte Projekte oder Bereiche zu fördern.“ Entscheidend sei allerdings der Mehrwert der Transparenz. „Ohne ihn können sich die Banken nicht etablieren.“

Quelle: handelsblatt.com

Etwas scheint wichtig: Der Mehrwert der Transparenz muss für den Kunden erkennbar sein, so dass er z.B. kleine Renditeabschläge bewusst in Kauf nehmen kann. Auch muss die Richtung klar sein, wohin die Reise bei den neuen Alternativen geht. Die Segel sind aber bereits gesetzt, und es ist durchaus spannend mitzureisen, um irgendwann neue Horizonte auf offener und gelegentlich stürmischer See anzusteuern.  

Wir hoffen natürlich, dass bei den Alternativen ein bisschen mehr Wind unter den Segeln ist, als es uns dies ein alter Campari-Kinowerbespot mit Blick auf die Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus im Jahre 1492 vermitteln mag.  

Und hier mit Blick auf Spanien einige kleine Wegweiser:

http://wochenblatt.es/1000002/1000001/0/21630/article.html

https://lochmaier.wordpress.com/2009/12/16/die-bank-als-sozialer-lebensraum-caja-navarra-macht-es-vor/

http://www.die-bank.de/it-und-kommunikation/die-kommunikative-filiale

http://www.cnnexpansion.com/emprendedores/2010/06/11/todos-ponen-para-pagar-tus-cuentas

http://www.biallo.de/finanzen/Geldanlage_Fonds/angriff-der-spekulanten-warum-spanien-nicht-griechenland-ist.php

Und last but not least ein Ausblick auf den seit 1492 immer wieder neu entdeckten Kontinent nach Südamerika, denn auch in Brasilien, ein viel versprechender wirtschaftlicher Zukunftsmarkt, an dem sich viele Investoren neben Asien derzeit orientieren.

Denn auch dort gewinnen neue Modelle nach dem Peer-to-Peer-lending allmählich an Bedeutung – seit kurzem ist dort etwa der neue P2P-Anbieter Fairplace am Start:

http://economia.estadao.com.br/noticias/not_20592.htm

Um es  noch einmal am Ende zu betonen: Denkbare Alternativen zur nächsten Bankenkrise oder exzessiven staatlichen Verschuldungsszenarien können nur im sorgsamen und  verantwortlichen Umgang mit dem Geld liegen. Und zwar auf allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen, nicht nur bei den Banken.

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Written by lochmaier

Juni 17, 2010 um 6:49 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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