Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Media deluxe: Clevere Vermögensberater treffen noble Kunden in ihren angestammten Milieus

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Bankberater jagt dem vermögenden Kunden auf elegante Weise an exklusiven Schauplätzen hinterher, um diesen, emotional wohl getunt, auf seine Produkte aufmerksam zu machen. So ähnlich liest sich dieses Szenario des modern gewandeten CRM-Spezialisten jedenfalls auf finews.ch. Einige Zitate aus dem Interview mit einem Vermögensberater, der sich auf das Marktsegment der exklusiven Anlegerschaft spezialisiert hat:

Vor allem Veranstaltungen oder Zusammenkünfte welche einen hohen Faszinationswert bei den Prospects haben oder als Money-can’t-buy-Events dastehen. In Monte Carlo findet jedes Jahr die «Top Marques» statt – eine Ausstellung für Super-Sportcars.

Auf Einladung von Fürst Albert von Monaco (Bild unten) kommen da viele wohlhabende Leute zusammen, so genannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI). Dieser Anlass ist eine einmalige Plattform für die Kundenakquisition. Wir sorgen dafür, dass der Bankberater über diverse Shake-Hands eine ganze Reihe von vermögenden Personen trifft. Darüber hinaus kann er in weiteren informellen Gesprächen noch andere potenzielle Kunden anpeilen.

Quelle: finews.ch

Da fragt man sich doch gleich, wo der Bankberater jetzt nach der Finanzkrise wirklich den hippen Kunden trifft, wenn der doch nur noch virtuell im Netz verkehrt, und nicht mehr im Golfclub oder in Monte Carlos neben der Rennpiste anzutreffen ist. Vielleicht hilft dann ein virtuelles Golfmeeting, inklusive Animationen von Tiger Woods und dem teuren Scheidungskrieg mit seiner Frau.    

Manche von uns haben nun wirklich andere Probleme, sie haben Angst von der Mittelschicht in die „New Poor“ durchgereicht zu werden, wie die New York Times berichtet. An der Stellschraube hat auch die Wells Fargo Bank kräftig mitgedreht, die sich gerade durch ihre Aktivitäten im Bereich Social Media immer wieder positiv hervor tat.

Aber auch die Deutsche Bank ist ziemlich tief in die amerikanische Immobilienkrise verstrickt, wie man in einem lesenswerten längeren Beitrag auf Spiegel online nachlesen kann. Dabei positionierte sich doch gerade Josef Ackermann kürzlich auf der Hauptversammlung der Aktionäre als „Social Banker“. Wenn es aber ums große Geld geht, sieht die Welt hinter den Kulissen doch meist etwas anders aus.

Man merke: Ein Social Media gleich ob auf dem Golfplatz in Monaco oder im virtuellen Stelldichein auf Youtube – all das macht noch keinen richtigen Sommer. Deren Präsenz  könnte sich sogar als kontraproduktives window dressing entpuppen, wenn dahinter nicht auch die Produkte auf die Interessen des Kunden ausgerichtet sind. Das aber gilt für den exklusiven Vermögensberater auf den Golfplätzen dieser Welt erst recht, der das Putten nicht wirklich von der Pike auf gelernt hat.

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Written by lochmaier

Juni 10, 2010 um 6:55 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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