Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Deutsche Bank(enmoral): Josef Ackermann positioniert sich als Social Banker

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Bei den großen Medienhäusern ist die Deutsche Bank durchaus beliebt: Die Journalisten schätzen an der Deutschen Bank besonders ihre gewollte Staatsferne (die als Ausdruck von Selbstbewusstsein verstanden wird), die Stärke des Investmentbankings und ihr Risiko-Management, berichtet das PR-Journal.

In der Hauptversammlung der Deutschen Bank-Aktionärsgemeinde letzte Woche wurde anhand der Rede von Josef Ackermann deutlich, dass sich seit der Finanzkrise jenseits von window dressing doch einige  vorsichtige Neubewertungen der strategischen Positionierung ergeben haben.

Mit Blick auf das Private Banking sind die Zahlen (s. Präsentationsfolie 4 hier ) gegenüber dem Investmentbanking allerdings nicht wirklich überzeugend. Woran liegt das? Fehlt das Vertrauen in die Beratungsqualität. Da stünde es gut, es zurück zu gewinnen, durch mehr Transparenz – aber wie?

Die ganze Rede gibt es hier zum Download. Vor allem wird der Schwenk in der Öffentlichkeitsarbeit 2.0 sichtbar, so etwa in den Kurzvideos auf Youtube:

http://www.youtube.com/user/DeutscheBankGruppe#p/u/2/xRBWcmyuGzg

Zitat Josef Ackermann: Banken seien ein Teil der Gesellschaft: „Wir können in einer Parallelwelt nicht gedeihen“. Siehe dazu auch dieses Youtube-Video.

Das neue Mindsetting saß. Fragt sich nur, was kommt in den unteren Vertriebseinheiten beim Private Banking von der neuen Bankenmoral an, bei der sich Gewinn/Rendite und gesellschaftliche Verantwortung  jenseits von Sonntagsreden befruchten sollen?

In der Praxis mag es beim Investmentbanking noch an an der einen oder anderen Stelle eine Stellschraube geben (z.B. reduzierter Eigenhandel). Oder anders ausgedrückt: Woran wir Citizen Banker oder Common Banker die Deutsche Bank mit Blick auf das Private Banking messen sollten, das lässt sich anhand des Zitats von  Claus Lehmann in seiner Rezension aus meinem Buch „Die Bank sind wir“ so ausdrücken:

In den Fokus rücken in der Diskussion um die Zukunftsmodelle der Banken vor allem die Daten selbst. Wer diese intelligent nutzt, befindet sich im Vorteil. Eine Bank stellt kaum mehr als einen Verarbeiter von Informationstechnologie das, der danach trachtet, möglichst effizient zu arbeiten. Viele Potentiale in der industriellen Automatisierung von Großbanken sind bereits ausgereizt. In den Vordergrund rückt ein anderes Element als das rein technisch und buchhaltärisch geprägte Selbstverständnis einer effizienten Bank. Das entscheidende Element liegt in der phantasievollen Interaktion zwischen dem Absender einer Botschaft, dem “Botschafter”, der sie überbringt und dem einzelnen Kunden, der Signale zurücksendet. Dieser Akt der “kulturellen Wertschöpfung” von Geld ist den Banken weitgehend fremd weshalb weniger hierarchisch geprägte Spieler in der internetbasierten Wertschöpfungskette im Vorteil sind. 

Quelle: p2p-kredite/Social Banking 2.0

In der Tat ist dieser aus meinem Buch zitierte Passus einer der wichtigen Botschaften für die Bankmanager. Denn es bleibt die spannende Frage, wie die Deutsche Bank das Privatkundengeschäft so strukturieren will und kann, so dass am Ende das Wohl und Interesse des Kunden im Mittelpunkt stehen, und nicht die Vertriebsvorgaben, die dem einzelnen Berater kaum Spiel lassen, etwas anderes zu tun als bisher: Nämlich möglichst viele profitable Abschlüsse zu erwirtschaften, bis spätestens am Abend eines jeden Werktages der Controller an die Türe klopft.

Wer verzichtet schon freiwillig auf Gewinne – mögen sie gesamt gesellschaftlich noch so wertvoll sein? Wir sind also gespannt, wie Markt, Moral und neue Geschäftsmodelle künftig bei der Deutschen Bank auf kreative Art und Weise fusionieren… denn nur wer mit dem Kunden auf Augenhöhe (inter)agiert und den Dialog statt das reine Verkaufsgespräch sucht, verdient das Prädikat Social Banker.

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Written by lochmaier

Juni 1, 2010 um 6:45 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] This post was mentioned on Twitter by Dirk Elsner, Frank-J. Oehrlein. Frank-J. Oehrlein said: RT @blicklog: SB 2.0: Deutsche Bank(enmoral): Josef Ackermann positioniert sich als Social Banker http://tinyurl.com/354vufx […]

  2. […] online nachlesen kann. Dabei positionierte sich doch gerade Josef Ackermann kürzlich auf der Hauptversammlung der Aktionäre als „Social Banker“. Wenn es aber ums große Geld geht, sieht die Welt hinter den Kulissen doch meist etwas anders […]


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