Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Mai 2010

Kwedit.com: Virtuell kaufen, spielen – und später via Vertrauenswährung bezahlen?

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Venturebeat oder genauer gesagt eine amerikanische Unternehmensberatung berichten über neue disruptive Bankenmodelle im Mix zwischen virtueller und realer Währungswelt: 

http://venturebeat.com/2010/05/05/consumer-finance-errett-maveron/

Als da wäre die „Vertrauenswährung“ Kwedit, über deren erste Erfolge auch Techcrunch berichtet – immerhin fließen mehrere Millionen an Venture-Capital zur Anschubfinanzierung in derartige neue Geschäftsmodelle:

http://techcrunch.com/2010/05/06/kwedit-has-legs-repayment-rate-above-33/

Kwedit is one of the more promising alternate payment methods for social gaming and other virtual good sellers online. If you don’t have a credit card and don’t want to get into the offers/scamville stuff, you don’t have a lot of options. Kwedit allows you to make a promise to pay later – by dropping by a 7-11 and paying cash, or just mailing cash in. If you don’t pay the money back there’s no enforcement against you other than being kicked out of the system.

Quelle: Techcrunch

Näher anschauen kann man sich das neue Bezahlverfahren, mit dem man auch in der Familie und bei Freunden um Unterstützung anfragen kann, hier:

http://kwedit.com/news

Es ist die nicht untypische amerikanische Offenheit für Neues, die zwei Seiten einer Medaille mit sich bringt, aber gerne die eine stärker betont. Denn offenbar scheint das Wagnis, ein Zahlungsversprechen auf die Zukunft zu verschieben, ohne gleich die Daumenschrauben anzulegen, im Ansatz zu funktionieren, laut Techcrunch sei bei Kwedit.com nämlich ein Drittel der versprochenen Beträge bezahlt worden.

The Kwedit experiment seems to be working and is a viable additional payment option for game publishers. Turning away an additional 5%-10% in revenue just isn’t going to happen. Look for more publishers to add Kwedit in the near future.

Quelle: Techcrunch

Nun aber kommt die andere Seite der Medaille, bei dem man deutschen Marktbeobachtern wieder vorhalten wird, sie krittelten an allem Möglichen gerne herum, statt neue Erfahrungen zu sammeln und neugierig zu sein.

In diesem Fall aber gibt es doch einige bedenkenswerte Argumente, denn schließlich ist ein „Kredit“ oder „Kwedit“ per se eine diskussionswürdige Angelegenheit. Dankenswerterweise hat sich ein Weblog diesem Thema mit einigen Risiken und Nebenwirkungen schon mal angenommen, unter der Überschrift „Kwedit – genial und sehr bedenklich“:

http://stefanblog.heike-stefan.de/2010/02/kwedit-genial-und-sehr-bedenklich.html

Als Geschäftsidee ist das natürlich genial, denn es stößt den Markt zu all den Kindern auf, die online gerne Geld ausgeben möchten aber immer erst fragen müssen (und dann meistens ein „Nein“ ernten). Leider wird Kwedit Millionen Kinder und Jugendliche in die Schuldenfalle treiben.

Quelle: „Zen“-Blog

Fazit: Ob Kwedit.com den Begriff „disruptives Bankenmodell“ in der Verschmelzung zwischen realer Geld- und Spielökonomie rechtfertigt, das wird wohl erst die Zukunft zeigen, wenn belastbare Erfahrungen mit der virtuellen Vertrauenswährung vorliegen. Einen unterschwelligen Druck übt das Modell auf die Akteure aus. 

Und die andere Seite der Medaille sollte man deshalb auch in den Überlegungen berücksichtigen, nämlich dass der Hang zur privaten Verschuldung – gerade in den USA sehr ausgeprägt – kein sexy Kavaliersdelikt darstellt, sondern hoffentlich ein Auslaufmodell für die Zukunft.

Denn schließlich wird das Bereinigen von Schuldenmachen auf dem Rücken der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft ausgetragen, wie uns die derzeitige Krise eindrücklich vor Augen führt. Hier noch ein Video, anhand dessen sich jeder einen eigenen Eindruck von Kwedit.com verschaffen kann. 

Written by lochmaier

Mai 7, 2010 at 8:05 am

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Green Washing: In welche Unternehmen soll eine Bank investieren?

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Ein lesenswerter Beitrag zum Thema „Banken und green washing“ findet sich auf dem Weblog der Triodos Bank. Dort gibt Geschäftsführer Georg Schürmann einen Einblick in die interne Diskussion zu diesem Thema, das man sicherlich kontrovers diskutieren kann:

Für private Verbraucher bzw. Anleger ist kaum zu erkennen wie nachhaltig ein Unternehmen ist oder ob es sich um „Greenwashing“ handelt. Ich glaube trotzdem nicht, dass uns ein „schwarz-weiß-Denken“ zu einer nachhaltigeren Wirtschaft führt. Und schließlich ist das das Ziel.

Quelle: Triodos Blog

In der Tat ist es sehr schwierig, aus Sicht von Banken, die sich im engen oder weiteren Sinne der (ökologisch-sozialen) Nachhaltigkeit verpflichtet sehen, zu erkennen, wo überhaupt die Zutrittsbarriere liegt, ob also ein Investment noch im „grünen“ Bereich liegt. Eine Lösung aus diesem Dilemma scheint fast nur auf dem Papier möglich.

Zudem lässt sich das Thema schwer mit reinen „Negativkriterien“ lösen, also einer Art Ausschlußverfahren, in welche Unternehmen man am Ende doch ausschließlich „politisch korrekt“ nicht investieren darf und soll. Und der Rest der Unternehmen oder Projekte wären dann in einer Art ideologischem Grobraster die „guten Unternehmen“.

Leider funktioniert die Welt nicht ganz nach diesem simplen Erklärungsmuster.

Es ist ein bisschen wie beim Computerspam, den unerwünschten Nachrichten, die unsere virtuellen Postfächer im Überfluss verstopfen. Es gibt „weiße Listen“ für gewünschte mails, und „schwarze Listen“ für die unerwünschten. Trotzdem beträgt der Anteil von Spam in unseren E-Mail-Postfächern mehr als 80 Prozent. Nur gibt es dort einen vorgeschalteten Filter, der das Gros der unerwünschten Nachrichten vorher aussortiert.

In der Bankenlandschaft scheint eine strikte Wertung nach dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ eine schwierige Gratwanderung. Auch die Triodos Bank Deutschland stellt sich deshalb in- und außerhalb des eigenen Unternehmens der offenen Diskussion:

Da ich aber etwas bewegen möchte und die Wirtschaft insgesamt nachhaltiger ausrichten möchte, halte ich den Weg, mit traditionellen Unternehmen in den Dialog zu gehen und wenn bestimmte Standards erfüllt sind, auch zu investieren, für zielführender.

Jedoch ist sich die Ökobank der damit verbundenen Gratwanderung bewusst:

Dies sehe ich auch vor dem Hintergrund, dass es nur ein sehr geringes Angebot an Wertpapieren von öko-sozialen Unternehmen gibt. Man kann eben das Angebot auch dadurch erweitern, dass traditionellen Unternehmen nachhaltiger werden. Wichtig ist mir diese dynamische Komponente. Die Gefahr von Intransparenz ist natürlich nicht zu übersehen.

Quelle: Triodos Blog

Ganz am Ende des Beitrags, den man in voller Gänze lesen sollte, regt die Triodos Bank nun eine offene Diskussion an, der man sich nur anschließen kann. Denn einige Scheuklappen zum Thema „green washing“ gibt es sicherlich noch zu überwinden.

Andererseits ist natürlich auch kaum zu übersehen, dass es noch viel Aufklärungsbedarf erfordert, um die Transparenz im Anlageverhalten einer Bank zu befördern, so dass „green washing“ nicht zum reinen „window dressing“ missbraucht wird. Verbunden damit sind auch brennende Fragestellungen, wie etwa: Wem ist die Bank letztlich mehr verpflichtet, den Investoren und/oder den Kunden? Die Balance unterschiedlicher manchmal auch gegenläufiger Interessen ist aber auch mit Blick auf die Mitarbeiter nicht leicht zu finden. 

Kurzum: Eine einfache und kosistente Lösung der Marke „Bank handelt vollkommen nach dem White-listing-Prinzip“ wird es wohl kaum geben. Ob man im Zweifelsfall die Kunden über Grenzfälle abstimmen lassen sollte – oder wäre das ein Stückchen zu viel „direkte Finanzdemokratie 2.0“?

Written by lochmaier

Mai 6, 2010 at 7:44 am

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Tatort Marfin Egnatia Bank: Griechisches Drama nimmt seinen Lauf

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Die Schlagzeilen, die heute zur Mittagszeit über die Presseticker laufen, berichten über mehrere Tote in einer griechischen Bank. So berichten mehrere Medien über die tödliche Eskalation der griechischen Massenproteste gegen das nationale Sparprogramm. Es findet aufgrund der Staatsverschuldung damit einen vorläufigen traurigen Höhepunkt:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,693155,00.html

http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/politik/Toedliche-Proteste-in-Athen-article857390.html

http://www.ftd.de/politik/international/:massenproteste-gegen-sparpaket-drei-tote-in-brennender-athener-bank/50110369.html

Warum hat es gerade diese „griechische Bank“ am Athener Omonoia-Platz als Schauplatz für einen tragischen Zwischenfall mit mehreren Toten getroffen? Nun ja, die Banken werden von vielen Menschen als problematische Mitverursacher der Krise angesehen, für die jetzt die breite Bevölkerung haften soll. Der heutige Zwischenfall hätte im Prinzip jede Bank treffen können.

Dennoch bleiben Fragen: Hier gibt es eine kurze Einführung auf Wikipedia zur gesamten griechisch-zypriotischen Bankengruppe, deren geschäftliche Aktivitäten bis in zahlreiche östliche Länder hinein reichen – und deren aktueller Stand sich nicht endgültig verifizieren lässt – dennoch gibt dieser Link hier einen ersten Eindruck über das doch recht weit verzweigte Firmengeflecht:

http://en.wikipedia.org/wiki/Marfin_Popular_Bank   

Man werfe aber auch und vor allem einen Blick auf die Homepage der Marfin Egnatia Bank, in deren Filiale sich der tödliche Zwischenfall heute ereignet hat – in einer Pressemitteilung vom März 2010 steht u.a. folgendes drin:

http://www.marfinegnatiabank.gr/MarfinEgnatia/En/Docs/GrafeioTypou/ShowPressRelNew.aspx?RelID=585

The Board of Directors also decided to recommend to the Annual General Meeting, a dividend payment of €0.08 per share in cash. Total dividend represents 40% of the Group’s 2009 net profit, while the dividend yield is expected to reach approximately 4%.

Quelle: Marfin Egnatia Bank

Das Institut verfügt übrigens laut eigenen Angaben über 183 Filialen. Die Börsennotierung ist bereits im ersten Halbjahr schon kräftig abgesackt, ein derartiger Vorfall  wie die heutige griechische Tragödie mit mehreren Toten bei einer Protestdemonstration wird weitere Spuren nicht nur im griechischen Bankwesen hinterlassen.

Für die im Finanzprozess Beteiligten gilt es einerseits kühlen Kopf zu bewahren, andererseits auch die richtigen Lehren aus vielen Fehlentwicklungen zu ziehen, denen mit einem „business as usual“ Ansatz  wohl kaum zu begegnen sein dürfte.

Denn Geld spiegelt auch die Methoden der modernen Kriegsführung wider – letztlich handelt es sich immer um soziale Verteilungskämpfe, und wenn die Schieflage mit Blick auf die arbeitende Mittelschicht zu groß ausfällt, so ist das gesamte System und seine Stabilität auf mittlere Sicht in seinen Grundankern gefährdet.

Das aber ist nun wirklich keine Überraschung angesichts von gravierenden – und strukturell weiter bestehenden – Fehlentwicklungen und Asymmetrien. Es wird Zeit, dass ein neues Zeitalter der Geldverteilung auf Augenhöhe anbricht. Kurzum: Der Kunde sollte mit am Regiepult sitzen, damit das Geld in die produktiven Kanäle von Gesellschaft und Wirtschaft investiert wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Written by lochmaier

Mai 5, 2010 at 2:05 pm

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Mikrofinanzierung: Markt für unternehmerische Kleinkredite boomt

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Die Wirtschaftswoche online berichtet:

Seit Januar fördert das Bundesarbeitsministerium die Vergabe von gewerblichen Kleinstkrediten. Der Andrang bei den Vermittlern der Darlehen ist größer als erwartet. Jetzt werden mit Hochdruck Mikrofinanzierer geschult.

Allein in diesem Jahr will das BMAS 900 Mikrokredite vergeben, das sind bis zu 18 Mio. Euro. Zum Vergleich: Von 2006 bis 2009 vergab die GLS-Bank Kleinstkredite im Wert von drei Mio. Euro. Die Bank arbeitet mit dem Zertifizierungspartner Deutsches Mikrofinanz-Institut (DMI) zusammen. Dort sind bislang nur 17 Mikrofinanzierer akkreditiert.

Link: http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/kleinunternehmer-stuermen-die-anlaufstellen-428749/

Interessant ist auch dieser Passus hier, der den Wandel vom „sozialen Nischenmarkt“ zu einer professionellen (kostenpflichtigen) Dienstleistung unterstreicht: 

Doch die Fondshöhe sei nicht der Grund für den Ansturm. Erstmals erhalten die Mikrofinanzierer für die Vermittlung der Darlehen eine Provision, die sich an den Kredittilgungen bemisst.

Quelle: wiwo.de

Es verwundert derzeit angesichts des nicht immer transparenten Mixes aus Gewinnerzielung, sozialen Motivlagen und öffentlichen Zuschüssen kaum, dass eine rege Diskussion um die Instrumente der Mikrofinanzierung in Gang gekommen ist, deren unterschiedliche, teils auch ideologisierte Aspekte, nachzulesen sind etwa in einem ausführlichen Interview mit dem Filregisseur Peter Strigel in der Süddeutschen Zeitung     (die dort veröffentlichten Videointerviews sind ganz interessant).

Wie erfolgreich und gleichzeitig sozial sind also alternative Finanzierungsinstrumente? Die Frage lässt sich derzeit kaum pauschal beantworten. Fest steht, der Markt scheint zu boomen, mit der Gefahr der Überhitzung. Die FTD beleuchtet hier die Chancen und Risiken:

http://www.ftd.de/karriere-management/management/:mikrofinanzierung-klein-unternehmertum-en-gros/50097228.html

So eine innovative und engagierte Managerin wie Canalda brauchen Mikrofinanzinstitute, sagt WWB-Chefin Mary Ellen Iskenderian. Durch den Einstieg von kommerziellen und institutionellen Fonds sei der Mikrofinanzsektor professioneller geworden. Die Entwicklung gebe aber auch Anlass zu der Sorge, dass die Institute durch den verstärkten Gewinndruck von ihrem Ziel abkommen, den Armen zu helfen. „Es reicht nicht, wenn Mikrofinanzmanager dieselben Führungskompetenzen haben wie die Kollegen in anderen Finanzinstituten“, sagt Iskenderian. „Sie müssen langfristig ergebnisstarke Institute führen und gleichzeitig in der Lage sein, die soziale Mission aufrecht zu erhalten, mit der alles begann.“ Iskenderian sagt, die Branche leide unter einem Mangel an qualifizierten Führungskräften, insbesondere Frauen, die Institute durch diese Zeit schnellen Wandels und Wachstums führen können. Deshalb hat das WWB ein Center for Microfinance Leadership gegründet, das unter anderem Führungskräfteschulungen für Frauen anbietet.
 
Quelle: FTD
Fakt ist, der Trend wird auch in der Europäischen Union weiter Schule machen, berichtet Wall Street online, mit allen Risiken und Nebenwirkungen:
 
Im vergangenen Dezember beschloss die EU-Kommission, ab 2010 sozial benachteiligten Menschen mit Mikrokrediten bei der Existenzgründung zu helfen. Bis 2014 sollen so 100 Millionen Euro an Gründer innerhalb der Europäischen Union fließen. 
 
Quelle: Wallstreet online

Written by lochmaier

Mai 5, 2010 at 6:40 am

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Dominospiel im Bankensystem: Griechenland…Spanien…und jetzt?

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Was kann der „Kleinsparer“ aus der Griechenland-Krise für Schlüsse ziehen, um sein Erspartes nicht leichtfertig aus der Hand zu geben, beleuchtet Max Otte in seiner wöchentlichen Finanzkolumne:

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Prof-Otte-Kolumne-Was-heisst-die-Griechenland-Krise-fuer-Sie-785459

Das heißt aber auch, dass der Euro immer mehr von einer Stabilitätsgemeinschaft zu einer Inflationsgemeinschaft wird. Und das ist mittel- und langfristig gut für Sachwerte: Immobilien, Aktien und Gold. Insbesondere Gold ist keinesfalls zu teuer. Sie können durchaus über eine Erhöhung Ihres Goldanteils nachdenken. Ich bleibe in Aktien drin, habe aber meinen Goldanteil leicht aufgestockt.

Quelle: finanzen.net

In der Tat ist in den kommenden Jahren so einiges zu erwarten. Neben den USA, Großbritannien steht auch Deutschland die „Endabrechnung zur Finanzkrise“ noch aus. Machen wir uns nichts vor, ohne zu dramatisieren: Es werden weitere Einschnitte kommen, die uns häppchenweise serviert werden, so dass wir es nicht so auffällig bemerken.

Schaut man sich die Dominoeffekte im Bankensystem an, so ragt derzeit Spanien am weitesten heraus. El Pais beleuchtet den „Ziegelsteineffekt“ (ladrillos), und listet 10 Punkte auf (man nutze den rudimentären Google-Übersetzer), was sich bei den Banken ändern müsste, damit das System die notwendigen Korrekturen einleiten kann.

Und was ist mit Italien, die noch deutlich tiefer im Strudel stecken könnten, als dies zur Zeit in der Öffentlichkeit durchsickert? Ich möchte mich jetzt nicht an den unzähligen Spekulationen beteiligen, die sich mit der Staatsverschuldung befassen. Hier deshalb nur der Verweis auf den aktuellen Anlagekommentar von Wegelin. Fakt ist, wenn der Steuerzahler aus der Mittelschicht auf breiter Front zur Kasse gebeten werden sollte, wird dies neue Verwerfungen und „gesellschaftliche Fragestellungen“ nach sich ziehen.

Deshalb richte ich den Blick auf die Konsequenzen für „Social Banking“.

Als da wären: Die weiteren Wellen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise verstärken den Vertrauensverlust. Banken sind aufgefordert, diesem aktiv entgegen zu wirken. Die vorhandenen Bordmittel, jetzt plötzlich auf Augenhöhe mit den Kunden zu kommunizieren, werden nicht ausreichen. Oder es fehlt überhaupt der Wille zu diesem mutigen Schritt. 

In der jetztigen Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift „die bank“ finden sich einige durchaus lesenwerte Beiträge, so etwa dieser hier zum Thema „Vertrauen – das wichtigste Kapital der Banken“   . Ein Zitat:

Die Macht verschiebt sich unaufhaltsam vom Anbieter zum Nachfrager. Mit der Vernetzung werden die Menschen informierter, aktiver und einflussreicher. Die (Geschäfts-)Beziehungen werden transparenter. Viele klassische Bankinstitute sehen in den Social-Media-Aktivitäten ihrer neuen Konkurrenz immer noch eine Zeiterscheinung, einen vorübergehenden Hype, der sich über kurz oder lang überleben wird oder nähern sich nur mühsam dem revolutionären, weil unvermeidlichen Community-Gedanken mit einer zögerlichen Me-too-Strategie aus der sicheren Distanz archetypischen Schonraums. Neueste Studien zeigen aber, dass die gesellschaftliche Bedeutung der Netzwerke steigt.

Quelle: die-bank.de

Im selben Heft findet sich auch ein Beitrag von mir, in dem ich die bisherige „Innovationspyramide“ der Bankenphilosophie quasi auf den Kopf stelle. Der scheinbar so harmlos daher kommende Beitrag mit dem Titel „Die kommunikative Bankfiliale“ ist derzeit nur im Print-Heft verfügbar (Seite 70ff).

Darin stelle ich die Wertschöpfung der Banken auf den Kopf, und nenne die neue Herausforderung durchaus mit einer gewissen Portion hintergründigem Humor „Hybrid Banking Experience“. Der von mir kreiierte schillernde Begriff sagt nur eines aus: Die Bankfiliale folgt künftig in ihren Ansprüchen der virtuellen Filiale im Netz, oder sie findet gar nicht mehr statt.

Man muss etwas zwischen den Zeilen lesen, um die beiden Case Studies Umpqua Bank und vor allem die Caja Navarra richtig einzuordnen.  Es geht nicht um ein paar hippe technische Accessoires und ein bisschen Mobile Banking, es geht um eine neu justierte Kundenbeziehung, bei der der Kunde plötzlich mit am Regiepult sitzt. Wie das funktionieren kann, kann man ganz am Ende meines Beitrags in ersten visionären Ansätzen erkennen.

Allmählich scheint die neue Diskussion um die gesellschaftliche „Legitimation von Banken“ auch die Etage der Manager zu erreichen. Es herrscht Handlungsdruck, aber auch große Unsicherheit. tun wir das Richtige, setzen wir auf Social Media – oder lassen wir von diesem heißen Eisen lieber die Finger? Ganz getreu dem Motto, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold (das war jetzt keine Anlageempfehlung). Hier beleuchtet ebenfalls in „die bank“ eben jene größte Deutsche Bank die Herausforderungen mit Blick auf den „Corporate Citizen“

http://www.die-bank.de/banking/die-neue-legitimation-der-banken?searchterm=Die+neue+Legitimation

Die Finanzkrise hat zu einem grundsätzlichen Misstrauen in der Gesellschaft gegenüber der Geschäftstätigkeit der Banken geführt. Dieses Misstrauen kann nur durch eine neue Legitimation des Geschäftsmodells überwunden werden. Dafür muss die Verantwortung für den Kunden – und damit untrennbar verbunden auch die gesellschaftliche Verantwortung – neben dem Aktionärsnutzen integrierter Bestandteil der Unternehmenssteuerung werden.

Vor der Finanzmarktkrise wurde im deutschen Privatkundengeschäft oft von „Kundenorientierung“ gesprochen. Als Folge der neuen Realität in der Bankenbranche wird dieser Begriff weiter mit Substanz versehen: Kundenorientierung bedeutet heute die Schaffung von konkretem Kundennutzen. Erst aus einer höheren Transparenz der Produkte und einer besseren Qualität der Beratung entsteht Leistung für den Kunden. Daran werden sich Kunden beim Kauf von Finanzprodukten zukünftig stärker orientieren als am Preis.

Quelle: die-bank.de

Der neue Ansatz klingt auf den ersten Blick – rhetorisch betrachtet – schlüssig und konsequent. Es kommt freilich nicht auf Absichtserklärungen an, sondern auf die Umsetzung. Man fremdelt immer noch in der diskreten Branche mit der Gesellschaft, der die Banken doch eigentlich als Dienstleister verpflichtet sind.

Kann „Social Banking“ in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen eine Alternative sein? Ja und nein. Auch hier gilt es noch viele Erfahrungen mit neuen vor allem internetbasierten Geschäftsmodellen zu sammeln.  

In der aktuellen soeben erschienenen Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“ gebe ich am Beispiel der geschichtlichen Entwicklung in der „Kreditvergabe über soziale Netzwerke“ eine Einführung in das Thema: Was ist Social Banking? Darin wird die Kernaufgabe von Banken deutlich. Sie brauchen nicht gänzlich auf Gewinne zu verzichten, ein Zinsverbot scheint unrealistisch und zudem wirtschaftlich kontraproduktiv.

Was in der historischen Rückschau freilich deutlich wird, ist gleichzeitig das Fazit meines Beitrags:

Die soziale Gratwanderung aus der Historie der ersten „Social Banks“ verlagert sich somit in die Neuzeit hinein. Oder anders ausgedrückt: Auch in selbst organisierten Netzwerken zur Geldanlage und Kreditvergabe tritt ein soziales Machtgefälle auf. Einerseits fordert der ambitionierte Renditeanspruch der Anleger seinen Tribut, und andererseits tritt das ebenso verständliche Begehren der Kreditnehmer auf den Plan, ein Darlehen jenseits der „Wucherzinsen von Banken“ aus der sozialen Kreditgemeinschaft zu erhalten.

Und mit dieser gesellschaftlichen Gratwanderung, die sich damit längst von der Armenfürsorge in die ökonomisch unter Druck geratenen Mittelschichten hinein verlagert hat, schließt sich der Kreis zu den historischen Ursprüngen von Social Banking. Die spannende Frage lautet: Gelingt den neuen Internetplattformen der Spagat, sich einerseits als soziale Instrument gegen Zinswucher zu etablieren, und andererseits für alle Beteiligten ökonomisch profitable Geschäfte zu ermöglichen, aufgrund derer sich die Menschen mit Hilfe von finanziellen Netzwerkgemeinschaften zur „sozialen“ Kreditvergabe oder Geldanlage verabreden.

Quelle: Social Banking 2.0/Humane Wirtschaft 
   

Written by lochmaier

Mai 4, 2010 at 7:07 am

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Noa Bank: Newcomer bleibt trotz Medienkritik auf Expansionslinie

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Die derzeit wichtigsten Fragen mit Blick auf den Newcomer lauten: Worin besteht das Geschäftsmodell – wie verdient die Bank ihr Geld? Und wie geht es mit der bislang etwas schleppenden Kreditvergabe in der Noa Bank voran?

Darüber berichtet die Bank selbst in einem neuen Weblog-Eintrag am 1. Mai mit dem Titel „Noa Bank erhöht die Transparenz“:

http://www.anderebank.de/blog/artikel/die-noa-bank-erhoeht-die-transparenz/

Ich empfehle jedem, sich die dort präsentierten Inhalte jenseits des medialen Gewitters zwischen Schwarz-und-Weiß-Malerei mal genauer anzuschauen. Interessant ist  diese Aussage hier zur Profitablität des Geschäftsmodells, neben der Vorgeschichte der Noa Bank und der Integration des Factoring-Dienstleisters Quorum, einer der des öfteren geäußerten Kritikpunkte:

Die Einlagen, welche zurzeit noch nicht für die Finanzierung von Unternehmen verwendet werden, hat die Bank als verfügbare Liquidität gekennzeichnet. Diese zur Finanzierung von Unternehmen bereitstehende Liquidität, wird zwischenzeitlich bei anderen Banken angelegt. Hierzu zählen die Commerzbank, GLS Bank,WGZ Bank, Dexia Bank, die Deka Bank und die Deutsche Bundesbank.

Durch die beschriebene Verwendung der Spareinlagen, sind die Erträge der Bank höher als ihre Kosten auf die Einlagen. Die Zinserträge der Bank liegen bei 3,01 % und die derzeitigen Zinskosten bei 2,23 %. Der dadurch erzielte Zinsgewinn der noa bank liegt im Moment bei 0,78 % auf 233.329.717 Euro.

Quelle: Noa Bank Blog

Wieweit die Bank mit Blick auf die gesamten Initial-, und die laufenden Fix- und Personalkosten tatsächlich bereits profitabel arbeitet, lasse ich mal dahin gestellt. Aber der Anfang scheint gemacht. Und nun kommt die wirklich spannende Weiterentwicklung.

Denn über die „Geldverteilung“ informiert die Noa Bank über diesen Link    – dort findet sich ein Überblick über die derzeit finanzierten Unternehmen, der zeigt, dass jetzt nicht mehr das „kleinteilige“ Kreditgeschäft mit Firmenkunden im Fokus steht, sondern auch größere Unternehmensanleihen. Das muss nicht verwundern, denn der offenbar große Andrang bei den Kundeneinlagen hat dazu geführt, dass größere Summen „am Markt“ platziert und nach und nach in Kredite überführt werden müssen.

In der Riege der illustren Kreditnehmer/Unternehmensanleihen im Bereich von rund einer Million Euro reihen sich immerhin einige prominente Namen ein, wie Lufthansa, Hella, HeidelbergCement, Porsche, LanXess, Peri, Voith, Rhön Klinikum und Windanlagenbauer Vestas. 

Dem einen oder anderen sind die Firmenkredite bestimmt nicht „grün“ genug (Lufthansa, die fliegt immer noch mit Kerosin statt mit der Brennstoffzelle), bei Porsche wird der Sozialneid neu aufbrechen (schließlich haben die noch kein reines Ökoauto entwickelt, sondern vertreiben nur Luxuskarossen) – oder: Warum kann man Häuser und Industriegebäude nicht mit Ökohölzern statt mit Zement bauen? (HeidelbergCement).

Ja, man kann es auch noch weiter treiben: Ist nicht der Transport von Windkraftanlagen an die See oder zu anderen Standorten an Land ein ganz und gar umweltschädliches Unterfangen? Dann frage ich zurück: Worin darf und soll man überhaupt noch investieren? Natürlich, die Noa Bank kann man nicht als strenge „Ökobank“ betrachten, dazu sind die Unterscheidungsmerkmale gegenüber einer GLS Bank doch recht markant. Denn die Noa Bank reiht sich eher in die Riege der an den Bedürfnissen der „Realwirtschaft“ orientierten Geschäftsbanken ein.

Auch das Kundenklientel der Noa Bank ist etwas anders strukturiert als bei der neben der Umweltbank führenden deutschen Ökobank.  Wohl gemerkt, es geht hier nicht um Vorlieben für die eine oder andere Variante, sondern um eine Bestandsaufnahme, zu dessen inhaltliche Weiterführung ich die Leser anregen möchte.

Was bleibt von dem Label „Ökobank“, in das auch die Medien die Noa Bank nur allzu gerne eingereiht haben? Ich beschäftige mich als Wirtschaftsjournalist bereits seit Jahren mit Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien und der Energieffizienz.

Ich kann nur sagen: Den reinen „Umweltengel“ gibt es nur für Moralisten, die für sich ein altrustisches Menschenbild und für andere ein materialistisches zeichnen. So ähnlich jedenfalls formulierte dies DM-Unternehmenschef Götz Werner auf der diesjährigen Fachkonferenz zu den Leitthemen im Netz, der re:publica. 

Der Glaube an die reine Ökolehre fehlt mir etwas, seitdem ich viel Licht aber auch einigen Schatten gesehen habe. Morgen früh bin ich als Pressebeobachter auf dem Gipfel der Bundeskanzlerin zum Elektroauto akkreditiert. Noch ist kein reines Ökoauto auf unseren Straßen unterwegs, mit dem Angela Merkel bis nach Griechenland in den Urlaub fahren könnte. Ich habe in den letzten Jahrzehnten vieles gelernt, neue Ideen brauchen Zeit, innovative Konzepte bis zur Praxistauglichkeit erst recht.

Auch dass im Firmengeflecht die Noa Factoring AG zu den Kreditnehmern gehört, und laut Blogeintrag der Noa-Bank 26,85 Mio. Euro erhalten hat (also quasi eine interne Refinanzierung von Noa Bank Richtung Noa Factoring), dieser Vorgang wird erneut Kritiker von außen auf den Plan rufen.

Hier könnte die Unternehmensspitze durchaus noch mehr Aufklärung leisten. Zwar gibt es auf einer speziellen Internetseite eine statistische Übersicht über das Noa Factoring nach geographischen Regionen gegliedert, die aber bezüglich ihrer inhaltlichen Aussagekraft durchaus ausbaufähig wäre. Denn sicherlich ist hier ein „know-how-Transfer“ aus der alten Quorum AG in die neue Noa Factoring enthalten.

All dies sind notwendige und kritische Fragen, die auch ich in der Vergangenheit immer wieder gestellt habe, als die Medien das Thema neue Banken und speziell die Noa Bank noch gar nicht entdeckt hatten.  Wer aber glaubt, fertige Antworten darauf geben zu können, sollte den zweiten Blick riskieren.

Einstweilen gilt für mich die Maxime: Wer tiefe Einsicht in die Bücher der Noa Bank hat, kann sich gerne bei mir melden, damit wir den gordischen Knoten endgültig entwirren. Bis dahin berichte ich lieber über spannende Neuentwicklungen.

Denn das ist jenseits von Hochglanz-Magazinen und Karrierejournalen, die ein übertrieben positives Bild zeichnen, aber auch los gelöst von der gegenteiligen medialen Kritik, die tatsächliche Aufgabe der Noa Bank, an der wir sie messen sollten. Wie bewältigt sie ihr unternehmerisches Wachstum? Welche herausfordernde Tätigkeit allein dieses Spielfeld darstellt, verdeutlicht diese Stellenbeschreibung eines „Key Accounters für die Umweltbranche“:

http://www.greenjobs.de/angebote/k_o.html?id=27910

Fazit: Es wird nicht leicht für die Noa Bank sein, die durch die recht hohen Einlagen ausgelöste kurzfristige Wachstumsdynamik produktiv zu bewältigen, wenn man gleichzeitig Gas geben sollte und bremsen muss, damit das Chancen-Risikomanagement-Profil einigermaßen in Balance bleibt.

http://www.kredit-engel.de/2010/04/30/noa-bank-stoppt-tagesgeld-und-setzt-auf-kredite/

Die Tagesgeldkonten im Bereich „Planet“ sind bereits „ausverkauft“, auch dies wird neben vielen anderen Aspekten aus der Integration alter Unternehmensteile in die neue Bank wieder durchaus berechtigte Rückfragen nach sich ziehen. Aber es sieht auf den ersten Blick nicht so aus, als ob die negativen medialen Berichte dazu geführt hätten, dass die Kunden der Noa Bank in Scharen den Rücken zugedreht hätten.

Written by lochmaier

Mai 2, 2010 at 3:00 pm

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