Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Mai 2010

Ethikbank: Nachhaltige Wege in die Social Media Welt

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Was die Ökobanken in der Welt der sozialen Netzwerke so treiben, ist noch nicht rekord- verdächtig. Es fehlt etwa oftmals an den personellen Ressourcen, um die Inhalte aufwändig zu pflegen und zu aktualisieren. Das ist eine Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Social Media jenseits eines reinen Marketingansatzes.

Was die deutschen Ökoinstitute angeht, so fallen derzeit vor allem GLS Bank, Triodos – und die Ethikbank mit Blick auf die Nutzung von Social Media auf. Letztere, die Ethikbank,  hatte ich bislang auf diesem Weblog noch nicht beleuchtet. Zur Einführung in die Welt von „Social Media und die grünen Banken“:    

http://blog.oecommunity.de/2010/04/27/wichtige-ethisch-okologische-banken/

Speziell die Ethikbank verfügt bereits über mehrere Sende- und Empfangskanäle:

(http://www.ethikbank.de)
http://www.twitter.com/ethikbank
http://www.youtube.com/ethikbank
http://www.ethikbank.blog.de

Wie die Ethikbank mit „wenig Geld viel bewegt“, das beleuchtet das Weblog Ethicmedia:

http://ethicmedia.org/2010/04/05/wie-die-ethikbank-mit-wenig-viel-bewegt/

Während der Youtube-Kanal noch nicht ausreichend mit eigenen Videos bestückt ist, wen wundert es, das ist schon recht aufwändig, so wird das Weblog einigermaßen regelmäßig aktualisiert. Allerdings sind die zeitlichen Abstände zwischen den Einträgen manchmal ziemlich groß, was die Leserbindung natürlich erschwert.

Aber die Ökoinstitute haben derzeit ja auch alle Hände voll zu tun, das dynamische Wachstum zu bewältigen (plus 30-40 Prozent). Das bindet personelle Ressourcen, über die gerade die gegenüber GLS und Umweltbank doch deutlich kleinere Ethikbank derzeit (noch) nicht verfügt.

Es wird somit deutlich, dass es bei der Ethikbank an personellen Kapazitäten mangelt, um hier aktiv in die fortlaufende Pflege der Kundenbeziehung via Social Media einzusteigen. So bleibt auf Facebook nur die email-Adresse hallo@ethikbank.de zur Rückkoppelung – statt einer personalisierten Kontaktansprache, die jedoch telefonisch über das Kundenzentrum jederzeit möglich ist.

Kurzes Fazit: Die Ökobanken sind mit Blick auf Social Media etwa dort angesiedelt, wo sich auch die meisten anderen konventionellen Banken befindet, nämlich in der vorsichtigen Erprobungsphase.

Schade eigentlich, denn für die „Ökobank 2.0“ wäre es eigentlich angesagt, aufgrund der eigenen Marktpositionierung den direkte(re)n Draht zum Kunden zu suchen – und diesen stärker in die eigene Wertschöpfungskette einzubinden.

Schließlich bedeutet Social Media (Management) ja doch deutlich mehr als Social Media Marketing. Nämlich „user generated content and context“, mit dem die neuen Nachhaltigkeitsbanken doch viel intensiver punkten könnten als jene Geschäftsbanken, die sich stärker an der „Luftblase der Geldspekulation“ befinden – und dadurch weiterhin einem starken öffentlichen Gegenwind ausgesetzt sind.

Written by lochmaier

Mai 17, 2010 at 7:05 am

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Maybrit Illner trifft Josef Ackermann: Deutsche Bank-Chef zelebriert Social Media

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Wer sich am vergangenen Donnerstag abend die Mühe machte, beim ZDF und bei Maybrit Illner vorbei zu schauen, der wurde Zeuge eines historischen Auftritts. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann stand fast eine Stunde lang Rede und Antwort zu Fragen rund um die Bankenkrise, Griechenlands Zahlungs-Black-out, der Staatsverschuldung – bis hin zur Eurokrise.

Hier gibt es das Video in voller Länge, was sich angesichts der derzeit angespannten Situation durchaus lohnt:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1043366/Retten-wir-den-Euro-oder-die-Spekulanten#/beitrag/video/1043366/Retten-wir-den-Euro-oder-die-Spekulanten 

Die Liste der Medienkritiken zu der Diskussion ist lang – auf die Aspekte betreffs der Geschäftsfelder der Deutschen Bank gehe ich jetzt aufgrund der vielen weiteren Analysen nicht weiter an – hier stellt Spiegel online die Frage: Wer ist Josef Ackermann? – eine Frage, auf die ich später noch zurückomme:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694801,00.html

Dabei spielt Ackermann immer mal wieder eine andere Rolle: Er ist das wohl meistbeachtete Orakel für die Finanzbranche im Land, er tritt als Berater auf, der bei der Rettung von Krisenbanken wie der Hypo Real Estate zwischen Politik und Bankenwirtschaft vermittelt. Und er muss beständig als Buhmann für die gesamte Branche herhalten. Das Foto vom Mannesmann-Prozess, bei dem er den Fotografen mit breitem Grinsen ein Victory-Zeichen entgegenstreckte, hat sich den Deutschen ins Gehirn gefressen. Sein Millionengehalt tut ein Übriges.

Interessant ist aber eher dieser Passus hier:

Denn die Entwicklung in den beiden anderen großen Bereichen – dem Privat- und Firmenkundengeschäft sowie der Vermögensverwaltung – lässt zu wünschen übrig. Auch Ackermann weiß das. Deshalb wies er bei Vorlage der Dreimonatszahlen auch ausdrücklich auf die wirtschaftlichen Unsicherheiten hin, die die Geschäfte dieses Jahr begleiten.

Quelle: Spiegel online

Auch der Blicklog widmet sich der Diskussion:

http://www.blicklog.com/2010/05/14/ackermann-besttigt-griechenlanduntersttzung-indirekt-als-bankenhilfe-und-setzt-sich-mit-bankingbashing-klischees-auseinander/

Illner fährt die ganze Bandbreite der aktuellen Bankingbashing-Klischees gegen Ackermann auf, der wie so oft in den vergangenen 24 Monaten, mal wieder den Kopf für die Branche hinhält. Das macht er einmal mehr ausgesprochen souverän, sachlich und vor allem ohne Ausflüchte. Sogar zu mehrfachen Applaus rafft sich das Publikum auf. Das Interview bestätigt aber auch die Defizite in der öffentlichen Wahrnehmung vieler Aktivitäten auf den Finanzmärkten. Und diese Wahrnehmungsdefizite kann nicht allein der ständig den Kopf hinhaltende Josef Ackermann ändern.

Quelle: Blicklog

Kommen wir noch zu dem für mich spannenden Aspekt, den ich darin sehe, dass sich der Chef der größten deutschen Bank auf das Terrain von Social Media begeben hat. Das mag auf den ersten Blick verwirrend klingen, Deutsche Bank und Social Media?

In gewisser Weise ja, denn Märkte sind per Definition Gespräche, und auf die hat sich Josef Ackermann zweifellos in der Fernsehdiskussion eingelassen. Er beantwortete Fragen der Zuschauer zu seiner Bank, er erklärte ruhig die Zusammenhänge auf den Finanzmärkten – und wich clever und geschickt einigen Fettnäpfchen aus, die die Moderation ihm bereitet hatte.

Der Knackpunkt aber war diese Zuschauerfrage nach 45 Minuten hier:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1043796/Zuschauerfrage-zu-Investmentbankern#/beitrag/video/1043796/Zuschauerfrage-zu-Investmentbankern

Oder hier auf dem Youtube-Kanal der Sendung anzuschauen:

http://www.youtube.com/user/maybritillner#p/a/F6245ACF3E7BC0BF/2/eGOc0FjQjJ4

Hier nun die Zuschauerfrage von Patrick Held:

Frage: Wenn ein Investmentbanker in einem halben Jahr soviel Geld verdienen könne, wie ein Durchschnittsbürger nicht einmal in seinem ganzen Leben – wo bliebe da der positive Anreiz, Risiko zu vermeiden, wenn man seine Schäfchen so schnell ins Trockene bringen könne?

Gute Frage – hier die Reposte von Josef Ackermann: Die Vergütungsstruktur sei bereits gestreckt worden, und orientiere sich am Risiko – statt an rein kurzfristigen Boni – außerdem sei jeder begabte junge Mensch eingeladen, selbst Banker zu werden, denn da es wenige qualifizierte Top-Banker gebe, könnten diese dem Markt ihre Bedingungen praktisch aufdiktieren, ähnlich wie beim Sport oder Showbusiness.

Da war sie – die historische Stunde von Social Media. Der Chef der Deutschen Bank spielte den Ball über „die jungen Leute“ elegant an die ganze Gesellschaft zurück: Kommt und werdet Investmentbanker! Gäbe es mehr davon, so Josef Ackermann in einer eleganten Kehrtwendung, dann würden die Gehälter des Einzelnen sinken, je mehr Menschen sich also für diesen Weg entschieden (Er ergänzte noch: ein Beruf, der allerdings mit dem reinen Champagnertrinken wenig gemein habe). 

Das saß. Wer will dem nicht zustimmen? Josef Ackermann nahm die Spielbälle elegant auf, und spielte sie wieder zurück an Wirtschaft und Gesellschaft. Das kann man durchaus elegant orchestrierte „Social Media Kommunikation auf Augenhöhe mit dem Kunden“ nennen.

Die Hinwendung zum offeneren Dialog mit dem Bürger erfolgt allerdings nicht ganz freiwillig. Neben den zahlreichen Imageschäden, die der Deutschen Bank von verschiedenen Seiten drohen, lahmt das Private Banking und die Vermögensverwaltung. Auch das Firmenkundengeschäft könnte besser gehen.  

So erscheint die Flucht nach vorne, um aus Gesprächen (wieder mehr) neue Märkte zu machen, mit Hilfe von „Social Media“, also einen kritisch-konstruktiven Dialog mit Millionen von Zuschauern zu suchen, abgesehen von der Eurokrise durchaus nachvollziehbar. Sicherlich – man hat sich in der Chefetage auch seitens der PR-Strategen diesen gewagten Schritt in der Deutschen Bank wohl genauestens überlegt und die Wirkungen voraus kalkuliert (einschließlich dem kritischen Medienecho).

Abschließend möchte ich nun meinerseits die oben aufgeworfene Frage beantworten: Wer ist Josef Ackermann? Dazu habe ich mir seine Dissertation aus dem Jahr 1977 vollständig ausgedruckt. Die liest sich sehr spannend und ist quasi hoch aktuell, das Thema: Der Einfluß des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen – eine theoretische Analyse. 

Ich zitiere Josef Ackermann aus der Schlußbemerkung (S. 149 oben):

„Unsere Untersuchung hat ergeben, dass die Versuche zur Überwindung der Dichotomie, welche das Geld als ein zusätzliches Gut einführen, das neben und parallel zu den Waren angeboten und nachgefragt wird, Scheinlösungen darstellen, da sie von der Zahlungsfunktion des Geldes abstrahieren.“

Und ganz am Ende der Doktorarbeit bilanziert der Deutsche-Bank-Chef die Forschungsergebnisse mit Blick auf die arbeitsteilige Wirtschaft wie folgt (S. 151):

Das Geld dient vor allem als Zahlungsmittel, während der Wertaufbewahrungsfunktion eine marginale Bedeutung zukommt.

– Die Anerkennung der Zahlungsfunktion des Geldes erfordert die Konstruktion eines zeitlich strukturierten Modells.

– Die Kassenhaltung im Haushaltssektor stellt eine Residualgröße dar und unterliegt nicht dem Nutzenkalkül. Sie kann daher nicht in eine Portfolioanalyse integriert werden.

…..  

Noch Fragen? Hier haben sich auch einige Blogger mit dem Thesen bzw. der Arbeit auseinander gesetzt:

http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/der-denkfehler-des-josef-ackermann/

http://www.weissgarnix.de/2009/04/14/doktor-joe-und-die-schwerkraft/

Es möge über die unterschiedlichen Kanäle im Netz über „Social Media“ eine rege inhaltliche Diskussion zustande kommen, jenseits von sozialen Klischees, wie es der Blicklog zurecht moniert, und jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei – bzw. plumpem Bankenbashing.

Andererseits wird uns „business as usual“, wenn wir die Wertschöpfungsketten in der Finanzindustrie weiter so wie bislang ins Nirwana treiben, auch nicht der Lösung von existenziellen Problemen näher bringen….wer hier die allein selig machende Lösung hat, der werfe den ersten Stein.

Written by lochmaier

Mai 15, 2010 at 8:09 am

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Ausgeleuchtet: Deutsche Vermögensberatung (DVAG) funkt Social Media ans Y-Gen – Früher an später denken!

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Allzu viele Blogger, pardon geschäftstüchtige Tagebuchschreiber, aus den Chefetagen der Finanzwirtschaft gibt es ja hierzulande nicht. Wir lassen es lieber sein, uns aufs virtuelle Glatteis der interaktiven Kundenansprache zu begeben, mag das Credo mancherorts lauten. 

Ein Grund mehr, sich mal das Weblog der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) mit Sitz in Frankfurt am Main anzusehen – dort bloggt der Chef bzw. Vorstand Dr. Helge Lach nämlich persönlich:   

http://www.dvag-unternehmensblog.de/

Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) ist übrigens  laut eigenen Angaben mit 5,4 Millionen Kunden der „größte und bedeutendste eigenständige Finanzvertrieb“. Umsatz in 2009: Rund 1,1 Milliarden Euro. Es sollen dort immerhin rund 37.000 haupt- und nebenberufliche Finanzaußendienstvertriebler im Einsatz sein.

Da bietet sich ein Engagement in sozialen Netzwerken zweifellos an, so auch auf Facebook, wo die DVAG schon recht aktiv ist:

http://www.facebook.com/DVAG.DE

Es macht durchaus Sinn, mal durchzugehen, wer denn die über 2.000 Fans der DVAG-Community nun sind. Zurück aber zum eingangs aufgeführten Weblog. Dort bloggt bekanntlich das Vorstandsmitglied Dr. Helge Lach. Bevor wir in die Diskussion einsteigen, wie innovativ dieses Angebot ist, empfehle ich noch diesen Artikel in dasinvestment.com über „bloggende Finanzvertriebe„. 

Er zeigt, wie schwierig auch in der ideologischen Wahrnehmung der Spagat zwischen Vertriebsmasche und inhaltlicher Information bzw. „Produkt neutraler“ Aufklärung fallen kann.

Auffallend ist tatsächlich der große Kontrast zwischen Themen, die in ihrer conclusio pro Versicherungs- und Finanzvertretungsbranche ausfallen, und neutral verpackten Informationen, die eher pseudowissenschaftlichen Begehrlichkeiten geschuldet sind, untermauert anhand von „Studien“.

Es ist im Prinzip durchaus legitim, hier das Erkenntnisinteresse elegant auf die eigene Firma umzulenken. Man muss und sollte es dann aber nicht unbedingt „Social Media“ nennen, was der Finanzdienstleister hier in einem Kommentar auf thestrategyweb aber doch tut. Zitat: 

Es gibt also durchaus Finanzdienstleister, die die Chancen des Social Web erkannt haben und für sich zu nutzen verstehen. Die DVAG hat sich zeitgemäß aufgestellt und ambitionierte Ideen für die Zukunft!

Quelle: thestrategyweb.com

Nun ja, die DVAG sortiert sich eigentlich eher im recht diffusen „Web 2.0-Milieu“ ein, was aber letztlich kaum einen Unterschied macht.  Denn laut Definition zeichnet sich Web 2.0 vor allem durch interaktive und kollaborative Kanäle aus, statt Einbahnstraßenkommunikation, die oft fälschlicherweise als Social Media bezeichnet sind.

Apropos: Die Möglichkeit Leserkommentare abzugeben, genügt übrigens weder den hohen Ansprüchen des Web 2.0, noch folgt sie jenen noch höheren von Social Media.

Es gibt auf dem Weblog der Chefetage, zweifellos ein verlängerter PR-Arm der unternehmerischen Eigendarstellung, jedoch tatsächlich einige für Marktbeobachter wie evtl. auch Kunden interessante Informationen, was sich bei der DVAG speziell und in der Branche allgemein gerade so tut. 

Dennoch stellt sich die Frage, ob wir bereits von einem originären Web 2.0-Ansatz sprechen können. Letztlich wird das Internet hier immer noch als originärer Marketing- und Vertriebskanal betrachtet, statt als Marktplatz für Gespräche. So weit, so gut. Das Problem: Das Netz hat seine ganz eigenen Gesetze, gerade mit Blick auf Social Media.

Zum einen: Es reicht nicht unbedingt aus, wenn man, wie hier am 11. Mai auf einen „neutralen“ Artikel, etwa im Magazin Brandeins verweist, und diesen dann dazu benutzt, zu sagen: Wir machen das alles bereits richtig bei der DVAG, mit der Kundenansprache unserer Produkte an die „Generation Y“.

Wer den Artikel auf Brandeins gelesen hat, kann die Botschaften anhand einer Zwischenüberschrift überprüfen:

Was junge Mitarbeiter fordern: Vertrauen, Sinn und ein partnerschaftliches Verhältnis zur Firma

Quelle: Brandeins.de

Zugegeben, die DVAG manövriert sich hier in einen gewagten intellektuellen Spagat hinein, denn was die junge „Generation Y“, mit bis dato unbekanntem genetischen Code, von der verschuldeten Welt der Erwachsenen, die die künftige Generation Z wohl begleichen soll, das scheint derzeit für „Versicherungsmathematiker“ kaum anhand von nackten Zahlen voraus zu berechnen.

Oder doch? Nun ja, die Powerpoint-Präsentation des Finanzberaters zu Hause am Küchentisch dürfte bei der Berechnung von Folgekosten für künftige Generationen mit dem üblichen statistischen Achsenmodell glatt versagen.

Und die Beklemmungen der Generation Y nur als Steilvorlage anzusehen, sie dazu aufzufordern, rechtzeitig in die eigene Altervorsorge zu investieren (DVAG-Motto: Lieber früher an später denken!) – dieses allzu simple Patentrezept verfängt gerade bei den kreativen Nutzern von Social Media kaum, die das Internet zweifellos nicht nur als billigen und bequemen Shopping-Kanal interpretieren.  

Es mag zwar nach innen in die Riege der Vertriebler hinein ein gewisses Mobilisierungspotenzial entfalten, und genau das ist wohl in erster Linie das Augenmerk aus der Chefetage mit dem Business-Weblog. Es erweist sich jedoch in der Form der direkten Interaktion mit dem Kunden als ein zu kurz gegriffener strategischer Ansatz. Aber gerade das war wohl auch nicht beabsichtigt.

Schließlich gibt es dafür ja seitens der DVAG noch diese hippe Seite – meist wird der Kunde mit einem  Mainstream-Thema wie z.B. Fußball, Urlaub oder die allgemeine Spendenbereitschaft für soziale Aufgaben adressiert, um ihn mit einem gewissen „Informationsmehrwert“ via „Social Media“ zu versorgen: 

http://www.dvag-aktuell.de/

Meines Erachtens ist auch dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Aber nennen wir es lieber Werbung. Kurzum: Solche Seiten sind nicht unbedingt mit dem Begriff „Social Media“ oder Web 2.0 in Verbindung zu bringen.

Denn im sozialen oder genauer kommunikativen Medienuniversum auf Augenhöhe übernimmt der Kunde bekanntlich zumindest ab und zu die Regie – und greift durch seine Beteiligung in die Wertschöpfungskette ein. Genau darin liegt die Zielmarke im Web 2.0 – und Social Media ist das nützliche Instrument, um es schrittweise zu realisieren.

Bevor jetzt wieder die „German Angst“ vor Neuem und unbekanntem Terrain ausbricht: Der Absender müsste noch nicht mal alle Zügel aus der Hand geben. Auch die kollektive Schwarmintelligenz  kennt ihre Grenzen. Aber sich doch ein Stück weit öffnen, für Verbesserungsvorschläge oder noch mehr, für Kritik, das macht ja Sinn. 

Aber daran wird wohl kaum ein Finanzvertrieb ein ernsthaftes Interesse haben. Es sei denn, er verdient mit Hilfe von „Social Media“ mehr Geld als vorher.

Wie bitte – mehr Profit mit Hilfe von Social Media? Das wäre nun wirklich eine reinrassige „Marketingente 2.0“. Aber auch das mag man als legitimen Interessenkonflikt innerhalb eines hierarchischen Informationsgefälles bezeichnen.

Nur bleibt dann von dem Mythos der „neuen Transparenz in der Finanzbranche“ kaum etwas übrig. So soll bei der DVAG mit Hilfe von „Social Media“ vor allem eines passieren: Nämlich Begeisterung an Themen geweckt werden, die für den normalen Bürger eigentlich „unerschwinglich“ sind.

Zum Beispiel ein Formel-Eins-Auto oder die Teilnahme als Fußball-Nationalspieler an einer Weltmeisterschaft. Denn von diesen Themen gibt es mit Blick auf die Werbepartner jede Menge an Nachrichten und Bildern, etwa über das Teamblog der DVAG:

http://www.dvag-teamblog.de/ 

Wir bilanzieren: Der Spagat zwischen Provisionsorientierung einerseits, beim freien Finanz- und Versicherungsverkäufer, pardon -berater – und dem berechtigten Interesse des Kunden nach ein bisschen Geldvermehrung, er wird sich anhand von kreativen Suchläufen via Social Media kaum entwirren lassen. Die Interessen sind doch recht unterschiedlich gestrickt.

Überhaupt – hier gibt es eine Übersicht über alle – nicht immer ganz nachvollziehbar als „Webzwonull- bzw. Social Media- Frequenzen“ klassifizierte Interaktionskanäle der DVAG mit, oder sollen wir besser sagen, zu den Kunden:

http://www.dvag.com
http://www.dvag-aktuell.de
http://www.dvag-unternehmensblog.de
http://www.dvag-teamblog.de
http://www.dvag-magazin.de
http://www.dvag-geschäftsbericht.de
http://www.youtube.com/user/DVAGfilme
http://www.twitter.com/dvag_de (ca. 130 Follower, folgt nur 5 Accounts)
http://www.flickr.com/photos/dvag_de
http://www.mister-wong.de/user/dvag

Und hier kann man noch sehen, wie sich das Unternehmen kürzlich beim Vermögensberater-Tag 2010 anhand der Angabe von beeindruckenden Größenordnungen inszeniert hat – und mit welch gigantischem Energieverbrauch (4,5 Millionen Watt Stromverbraucher laut Video) sich eine derartige Veranstaltung abspielt – das ist nun wirklich kein „smarter Social Media Ansatz“: 

Hier noch die allgemeine Definition von Social Media auf Wikipedia :

Social Media (auch Soziale Medien) ist ein Schlagwort, unter dem soziale Netzwerke und Netzgemeinschaften verstanden werden, die als Plattformen zum gegenseitigen Austausch von Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen dienen. Kaplan und Haenlein definieren Social Media als „eine Gruppe von Internetanwendungen, die auf den ideologischen und technologischen Grundlagen des Web 2.0 aufbauen und die die Herstellung und den Austausch von User Generated Content ermöglichen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Media

Written by lochmaier

Mai 14, 2010 at 6:02 am

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Bank 2.0: Wie sexy kann der Geldtransfer sein?

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Zu obiger Frage gibt es eine ganz interessante These, die man nicht mit vielen Worten erklären muss, sondern in einem knappenVideo zeigen kann. Es geht indirekt um die Frage, ob sich die “Fun Theory” auf das Internetgeschäft von Banken übertragen lässt – dazu gibt es auf Youtube ein gutes Beispiel einer Rolltreppe, made by Volkswagen:

Natürlich bleibt die Frage, ob der Transfer von Marketingbotschaften aus der Welt der neuen Mobilität (deshalb stammt das Beispiel aus dem Hause Volkswagen) sich auch auf die bislang so hierarchisch organisierte Finanzwelt herüber deklinieren lässt.

Und da kann der virtuelle Geldtransfer ja nur dann Spaß machen, wenn der Kunde nicht nur mit schicken Apps und anderen mobilen Tools bestückt wird, sondern wenn dahinter ein erkennbarer Mehrwert steht.

Dann könnte die „Fun Theory“ sogar auch im Bankenmilieu funktionieren, vorausgesetzt man hat nicht nur das Kleingeld, um sich „diesen Spaß“ auch leisten zu können. Der Spaßfaktor für einen Kreditnehmer wird sich – trotz eines an sich sinnvollen Vorhabens – jedoch immer innerhalb gewisser Grenzen halten.

Einen ersten Eindruck, dass eine Bank 2.0 durchaus Spaß machen kann und zumindest ein bisschen sexy sein darf (trotz Finanz- und Schuldenkrise, die über uns schwebt), diesen virtuellen Mix gibt es hier anhand der Fidor-Bank auf dem Weblog „Hafner on CRM“ zu bestaunen:

http://hafneroncrm.blogspot.com/2010/05/zwei-ganz-unterschiedliche-bank.html

Und hier das Video der Macher von der Fidor Bank AG unter dem Motto „Community macht Freude“ zur Begutachtung gleich dazu. Es zeigt, dass der Alltag zwischen Bank und Kunde nicht immer so bierernst sein muss – die Kunden äußern aber auch konkrete Wünsche, wie sich die Zusammenarbeit auf Augenhöhe vorstellen:

Written by lochmaier

Mai 13, 2010 at 11:58 am

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Mikro-Monetarisierung von Inhalten: Sind Kachingle oder Flattr eine Geld werte Option?

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Mikro-Bezahlsysteme wie Kachingle oder Flattr könnten – so ist auf dem Medien-Ökonomie-Blog nachzulesen –  einen Ausweg aus dem Finanzierungsproblem für Inhalte im Internet sein. Sie seien auf größtmögliche Einfachheit hin angelegt, „und sollen Leser so animieren, ihren Lieblingsseiten freiwillig Geld zu spenden. Die Beiträge, um die es geht, sind noch dazu so gering, dass es kaum wehtut.“

http://stefanmey.wordpress.com/2010/04/26/kachingle-deutscheng-charts/

Dass gute Blogs ihr Geld wert sind, davon ist jedenfalls Sascha Pallenberg, einer der erfolgreichen Protagonisten aus der mittlerweile internationalisierten Blogger-Szene, überzeugt:

http://stefanmey.wordpress.com/2010/04/22/sascha-pallenberg-du-kannst-jedes-blog-monetarisieren/

Einen interessanten Überblick zu den Perspektiven von Micro-Bezahlvarianten in der Kreativarbeit von geistigen Schwärmen – jenseits der oftmals unausweichlichen Selbstausbeutung  – gibt ein Artikel im Spiegel „Danke für die Spende, Leser!:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,690127,00.html  

Thematisiert wird darin auf der zweiten Seite des Beitrags auch die strategische Position von Flattr:

Für journalistische Großprojekte wie das von Sheri Fink begännen da schon wieder die Probleme: Wirklich aufwendiger Journalismus ist so teuer, dass er mit kleinen Spenden finanziert wohl unbezahlbar bliebe. Schwarm-Payments belohnen bereits erbrachte Leistungen, sie ermöglichen sie aber nicht.

Denkbar wäre Sundes Modell dagegen als ergänzendes Refinanzierungsmodell für Online-Medien: Der Leser würde zum Mäzen seines Mediums, das sich dessen Zuwendung erarbeiten und verdienen müsste.

Quelle: Spiegel online

Fast steht sicherlich, dass soziale und berufliche Netzwerke an Bedeutung in der Selbstvermarktung von Wissen bis hin zu neuen Produkten gewinnen, das bilanziert jedenfalls Medial Digital:

http://medialdigital.de/2010/04/11/gute-nachrichten-fur-autoren-im-eigenverlag-netzwerke-wichtiger-als-klassische-buchvermarktung/ 

Aber die spannende Frage lautet nun: Welchen Einfluss hat die „Internet-Ökonomie“ auf unser Geldsystem? Wie wird kreative Arbeit künftig von oben wie von unten entlohnt? Dies sind Fragen, wo derzeit noch fast alle im Nebel herum stochern. Sind originäre virtuelle Währungseinheiten nicht doch nur ein buntes und hübsches Accessoire ohne Einfluss auf den vitalen „realen“ Geldkreislauf?

Kommentare dazu sind gerne erwünscht.

Written by lochmaier

Mai 13, 2010 at 7:36 am

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biw-Bank adressiert Public Finance: Heimatinvest – Interessante Form von Bürgerkredit 2.0?

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Schon mal den Namen „biw Bank“ gehört? Genau, denn unter anderem steht das Institut über „Whitel Labeling“ hinter der „sozialen“ Kreditbörse Smava.de.  Auch beim Brokerhaus Flatex ist die biw AG aktiv, man verschaffe sich nur einen Überblick auf der Homepage.  

Nicht immer lief jedes Engagment bisher glatt, kein Wunder, es handelt sich um neue Geschäftsmodelle. Ein weiteres recht interessantes Konzept ist dieses hier: 

http://www.heimatinvest.de/

Heimatinvest ist eine neuartige Plattform, die es interessierten Bürgern ermöglicht, ihr Geld in ihrer Kommune zu investieren und sich so aktiv an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben in ihrem eigenen Lebensumfeld zu beteiligen. Das bedeutet, dass jeder Bürger mit seinem Bürgerdarlehen helfen kann, seine Kommune zu finanzieren. Heimatinvest ermöglicht einerseits den Kommunen eine günstige Finanzierung und anderseits den Bürgern der Kommune eine gute Verzinsung in einer äußerst sicheren Anlage.

Quelle: heimatinvest.de

Und hier wird das Geschäftsmodell der Bürgerbeteiligung „Public Finance 2.0“ genauer erklärt:

Über Heimatinvest sprechen interessierte Städte ihre Bürger an und beschreiben auf dieser Seite detailliert ihren Finanzbedarf – also Darlehenshöhe, Dauer und Verzinsung. Bürger die Teile der Finanzierung übernehmen wollen, eröffnen bei der abwickelnden Bank, der biw AG, ein zweckgebundenes Konto und geben ein Gebot für ihr Bürgerdarlehen ab (Mindestsumme: 5.000,- €). Wenn die Summe aller Gebote den gewünschten Darlehensbetrag erreicht oder überstiegen hat, gewährt die biw AG der Kommune das Darlehen.

Nun werden nicht wenige fragen, kann das Geschäftsmodell funktionieren, so dass alle Partner profitieren? Ist das rechtlich konform? Nun ja, auf den ersten Blick klingt das Ganze schlüssig:

Danach gibt die biw AG die Darlehensforderung gegen die Kommune entsprechend des zuvor vom jeweiligen Anleger festgelegten Wunschbetrages an die Bürger weiter. Die biw AG fungiert im Anschluß als „Verwalter“ der Darlehensforderung, kontrolliert die Zahlung von Zins und Tilgung und gibt diese direkt an die Anleger weiter. Bei Fälligkeit des Darlehens erhält die biw AG das Geld treuhänderisch von der Kommune und zahlt es an die Anleger aus. 

Die Idee stammt übrigens aus der Lernkurve einer „eigentlich“ fehl geschlagenen öffentlichen Finanzierung der Stadt Quickborn. Eine Übersicht über die mit diesem Projekt verbundenen Presseberichte gibt es hier:

http://www.heimatinvest.de/quickborn_darlehen.html

Die Stadt Quickborn hat es im Jahr 2009 bereits erfolgreich vorgemacht und von ihren Bürgern in kürzester Zeit 4 Millionen Euro eingesammelt. Einziges Problem – die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht untersagte das Projekt, weil das Gesetz für die Aufnahme von Krediten eine Bankerlaubnis voraussetzt. Eine Kommune ist aber keine Bank. Durch Heimatinvest wird die gute Idee ermöglicht. Heimatinvest gehört der biw AG, die als
Kreditgeber fungiert. Damit sind die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, die Kommune kann sich wie geplant günstig refinanzieren, die Bürger können ihr Geld sicher anlegen.

Quelle: heimatinvest.de

Fazit: Die spannende Frage wird sein, wieweit sich Elemente der „Bürgerkredite 2.0“ als eine neue Variante im öffentlichen Haushaltswesen etablieren. Die Risiken: der Staat stopft klamme Löcher über zusätzliche Einnahmen, eine Bank klemmt sich dazwischen, und schöpft den Profit bzw. Mehrwert ab?

Die Chancen: Bürger könnten selbst eingreifen, um sinnvolle Vorhaben aktiv zu fördern – und so die Sensibilität erhöhen, wie sich Geld solide und produktiv am vitalen Puls von Gesellschaft und Wirtschaft anlegen lässt.

Eine Preisfrage aber bleibt: Stimmt die Rendite auch für den Bürger, wenn er aktiv in den Kreislauf der Öffentlichen Hand bis hin zur Vergabe von Steuermitteln eingreift – oder sind die Erwartungen zu hoch geschraubt? Gibt es dazu ergänzende Kommentare…

Wie dem auch sei, es soll wohl bald ein neues Vorhaben in der Stadt Willich in Gang gebracht werden, man darf gespannt sein, wie das konkret aussieht, und wie sich die Wertschöpfungskette unter den „Partnern“ genau aufteilt: 

http://www.heimatinvest.de/willich_darlehen.html

http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2010/0321/buergerkredit.jsp

Written by lochmaier

Mai 12, 2010 at 7:46 am

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Singapur trifft Hamburg: „Kindergeld 2.0“ macht Schule!

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Während bei uns die Kita-Gebühren beispielsweise in Hamburg fortlaufend steigen – und uns so mancher Politiker dies als gesellschaftliche Innovation verkaufen will, schließlich steige ja auch die Servicequalität mit den Gebühren – Wie wäre es stattdessen mit einem Schulbesuch Ihres Kindes in der „Moneyclinic“ ? 

Kein Problem, das gibt es wirklich – und hier wird Ihren Liebsten nicht der Zahn der Zukunft gezogen, sondern es soll ein besseres Verständnis gelehrt werden, was Geld in unserer Gesellschaft bedeutet, wie man es (hoffentlich solide) erwirtschaftet und sogar noch ein bisschen vermehrt.

Das Ganze gibt es seit ein paar Tagen in Singapur zu bestaunen – für zahlungskräftige Eltern nicht ganz so armer Kinder – und zwar bereits in der frühkindlichen Einstiegsphase:   

http://www.moneyclinic.sg/

Die spielerischen Computertools in der privaten Bildungsarbeit rund um die „Kindergeldschule 2.0“ können sich in der gerade frisch eröffeneten Money Clinic durchaus sehen lassen:

  • Balancing risk and return
  • Portfolio selection
  • Real-time advanced trading simulations
  • Virtuoso student investment portal
  • Investment role-playing presentations
  • Virtuoso prize-reward system
  • Übrigens gibt es auch über Social Media-Kanäle einen direkten Zugang zu der Kindergeldklinik, etwa über Twitter (habe mich schon mal als dritter Follower bei dem zarten Pflänzchen eintragen lassen):

    http://twitter.com/the_moneyclinic

    Was könnten wir davon lernen? Bei uns gab es früher in den Dörfern oder Stadtbezirken mal den netten Herrn oder die leicht übergewichtige Dame von der Volksbank oder Sparkasse, die einem das kleine Einmal-Eins-der-Geldwelt in der Schule erklärte. Natürlich gab es neben ein paar Geschenken auch oft schon neben Bonbons und Luftballons ein (nicht ganz kostenfreies) Bankkonto dazu.

    Oder man sollte – obwohl noch nicht im vollen Besitz des geistigen Überblicks – schon einen Bausparvertrag vor dem 18. Geburtstag abschließen.

    Nun aber revolutioniert sich möglicherweise auch die „kleine“ noch nicht flügge gewordene Finanzwelt. Was für eine Unverschämtheit – denn die Kinder glauben wohl spätestens seit der nun schon wiederholte Male aufgeladenen „Spekulations- und Kreditblase“ nicht mehr an die klassischen Institutionen. Das fängt schon im Kindergarten an.

    Mehr noch: Letztlich glauben die heutigen Kids nicht ganz zu Unrecht ihren eigenen Eltern nicht mehr so richtig, denn die reden meist über die Vergangenheit und übers vergängliche Wirtschaftswunder, als sich intensiv mit der unsicheren Zukunft auseinander zu setzen.

    Aber immerhin bemühen sich die meisten Eltern noch, ihren Kindern den Weg durch die schiefe Ebene zu bereiten, so hoffen wir doch. Wenn es aber ums Allerwichtigste geht, ums liebe Geld, dann sind definitiv andere „Schulbesucher“ als die Banken gefragt, denn auch die Genossenschaftsbanken sind momentan nicht in der Lage, die gesellschaftliche Innovation zu erkennen, geschweige denn daraus einen interessanten von sich selbst los gelösten neuen Bildungsauftrag abzuleiten. Das muss aber nicht schlecht sein. 

    Des einen Versagen ist die Chance der anderen. Zweifellos: Mutige und kreative Bildungseinrichtungen könnten sich vielleicht sogar zu Recht Ihr „Kindergeld 2.0“ verdienen – sofern es sich dabei um etwas mehr als einen Hort für verwöhnte Sprösslinge reicher Eltern handelt, bei denen es mehr um den genüsslich zelebrierten Sozial- und Ökolifestyle handelt, also wieder eine Kaste, die im Ausschlußverfahren ihren Kleinen den selektiven Umgang mit den Finanzen (von oben nach unten durch regiert) beibringt.

    Ach ja, es gibt natürlich nicht nur in Asien sowas wie die Money Clinic – abgesehen von Deutschland, wir diskutieren ja noch, was uns etwa im Internet verdummt oder nicht, wo doch schon klar ist, dass allein die Diskussion darüber nicht gerade intelligent geführt ist.

    Also nehmen wir gedankliche „Geldanleihen“ doch lieber aus dem Ausland – hier habe ich etwa schon mal darüber berichtet, wie Schüler in Kanada anhand von Cartoons sich mit dem Thema Geld auseinander setzen:

    https://lochmaier.wordpress.com/2009/12/04/kanada-wie-schuler-auf-cartoons-lernen-mit-geld-umzugehen/ 

    Fazit: Unabhängiges, wirtschaftlich wie gesellschaftlich fundiertes Finanzwissen, ist in der „Kindergeldschule 2.0“ gefragt – statt plumpes Marketing bunt schillernder Akteure aus Eigeninteresse durch die Hintertüre, wie bei den tollen Handytarifen und Klingeltönen, die unsere Kleinen quasi heute schon mit der Mutter- und Vatermilch aufsaugen.

    Denn heute kaufen und morgen bezahlen, das war gestern. Es gibt schon zu wenige Gläubiger, die hohe Renditen fordern, und immer mehr „Schuldner“, die diese bedienen sollen. Die Kleinen haben das längst kapiert und werden es uns Erwachsenen schon noch auf die eine oder andere (nicht immer angenehme) Art beibringen. Das wird bereits in der „Kindergeldschule“ beginnen, wo die Kleinen uns mit quirrligen Fragen nerven.

    Wie vermehrt sich eigentlich Geld? Bringt es der liebe Storch?

    Und sollten die menschlichen Produkte unserer „Kindergeldschule 2.0“ jetzt auch noch aktiv in Deutschland gegen die hohen Kita-Gebühren demonstrieren wollen, so wäre das doch gar keine so schlechte Idee. Ab welchem Alter darf man eigentlich für die eigenen Interessen demonstrieren?

    Einen politisch nicht ganz korrekten Vorgeschmack angesichts der weiter schwelenden Kita-Krise in Hamburg auf eine – allerdings von Erwachsenen angezettelte Kinderdemo, mit einem „Dankeslied“ an bzw. gegen die HSH Nordbank – gibt es hier auf Youtube zu sehen: 

    http://www.youtube.com/watch?v=HQRiay9Xk74

    Denn man fragt sich durchaus, ob wir überhaupt noch einen Sinn dafür haben, wo die Prioritäten in unserer Gesellschaft angesiedelt sind. Es gibt zwar viele Agenden, aber keine Chefs mit Durchblick, was der Begriff „real existierende Gesellschaft und Wirtschaft“ noch bedeutet.

    Wie war das noch mit dem Lippenbekenntnis „Kinder sind unsere Zukunft!“  – aber nur, wenn sie selbst und deren Eltern noch daran glauben.

    Die ganze Broschüre zur neuen „Money Clinic“ in Singapur gibt es hier zum Download:

    http://www.moneyclinic.sg/TheMoneyClinic_eBrochure.pdf

    Written by lochmaier

    Mai 11, 2010 at 12:40 pm

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    Ökobanken im Aufwind: GLS – Umweltbank – Triodos – Wer macht das Rennen?

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    Die im Marktsegment der „nachhaltigen Geldanlage“ tätigen Institute sind im Aufwind. Eine direkte Konkurrenzsituation scheint es derzeit angesichts des flächendeckenden Wachstums nicht zu geben. Die Umweltbank hat ebenso wie die GLS Bank bislang von der Finanzkrise profitiert. Über die „nackten“ Zahlen berichtet finanznachrichten.de:

    Die Umweltbank trotzt weiterhin der weltweiten Finanzkrise. Anleger suchten gerade in schwierigen Zeiten eine sinnhafte und sichere Geldanlage und seien daher 2009 gezielt zur Umweltbank gewechselt, berichtete Vorstandschefs Horst Popp am Dienstag bei der Vorlage der Jahresbilanz in Nürnberg.

    Der Trend zur nachhaltigen Geldanlage ließ nach Popps Angaben im Jahr 2009 das Anlagevolumen um 40,1 Prozent auf knapp 998 Millionen Euro hochschnellen. Das Kreditgeschäft konnte dagegen nicht im gleichen Tempo Schritt halten. Die Summe der in Anspruch genommenen Kredite kletterte im Vergleich zum Jahr 2008 um 13,6 Prozent auf 1,038 Milliarden Euro.

    Quelle: finanznachrichten.de

    Dividenden könnten jetzt erhöht werden. Ebenso sprunghaft nach oben verläuft das Geschäft bei der GLS Bank, es zeichnet sich ein gewisser Gleichklang zwischen den beiden arrivierten Ökoinstituten ab. In einem Interview mit der TAZ  gibt GLS-Bank-Vorstand Thomas Jorberg Auskunft über den schwierigen Spagat zwischen „normaler“ und ökologischer Anlagephilosophie.

    Die Umweltbank plant jetzt, eine Reihe von Genußscheinemissionen aus den Bereichen Wind und Solar auszureichen – und erwartet aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase eine rege Nachfrage im Kreditsektor.

    Nun zur GLS Bank, die bereits im Februar die Geschäftszahlen für 2009 verkündet hat:

    Die Kundennachfrage der GLS Bank wächst kontinuierlich: Im letzten Jahr entschieden sich 11.000 neue Kunden für eine Geldanlage bei der nachhaltigen Bank. Insgesamt verzeichnete sie Ende 2009 damit 73.000 Kunden. Mit 33% Wachstum steigerte die GLS Bank ihre Bilanzsumme auf 1,35 Mrd. Euro und auch das Geschäftsvolumen der GLS-Gruppe mit Stiftungen und Beteiligungen konnte in zwei Jahren nahezu verdoppelt werden: Ende des Jahres betrug es 1,6 Mrd. Euro.

    Und was die Schwerpunkte in diesem Jahr angeht, so hebt sich vor allem der Bereich der Mikrofinanzierung hervor:

    Im laufenden Jahr wird die GLS Bank einen besonderen Schwerpunkt auf den flächendeckenden Ausbau des Mikrokreditgeschäfts in Deutschland legen. Die Bundesregierung hatte der Bank erst kürzlich den Auftrag erteilt und 100 Mio. Euro für den Mikrokreditfonds Deutschland zur Verfügung gestellt. Die GLS Bank verfügt über eine zehnjährige Erfahrung in diesem Bereich. 

    Quelle: gls.de

    Was die Erklärung des großen Zustroms an Neukunden angeht, so gibt es hier übrigens auf Börse online einen ganz interessanten erweiterten Erklärungsansatz:

    Arno Gottschalk, Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Bremen. „Diese Angebote sind aber marketinggetrieben.“ Gottschalk führt das große Interesse an Ökobanken auf das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Anleger zurück. „Viele, die nachhaltig anlegen, wollen als erstes ihr Geld sicher verwahrt wissen. Erst im zweiten Schritt geht es ihnen um ethische, ökologische und soziale Faktoren“, so Gottschalk.

    Quelle: boerse-online.de

    In der Tat, die Ökobanken sind eine Art „Krisenanker“ – wieweit der gesellschaftliche Paradigmenwandel tatsächlich generische grüne Anlagemodelle in die Mitte der Gesellschaft befördert, bleibt abzuwarten.

    Es bleibt nun abschließend die spannende Frage, wieweit Neueinsteiger Triodos Bank Deutschland – immerhin ist Triodos die in Europa führende Ökobank – auf dem heimischen Terrain Schritt halten kann mit den beiden längst etablierten Instituten.

    Oder anders gefragt: Wie sieht die Zwischenbilanz ein halbes Jahr nach der Gründung der ersten Filiale in Frankfurt aus? Zur Einstimmung sei zunächst das Interview empfohlen, das ich für die Fachzeitschrift GI Geldinstitute mit der Geschäftsleitung geführt habe. 

    Zur aktuellen Stimmungslage gibt Triodos Deutschland einige weiterführende Einblicke – die Triodos Bank-Gruppe kommuniziert Halbjahresergebnisse zwar offiziell erst im Rahmen der üblichen Fristen. Aber einige vorläufige Einschätzungen gibt es hier:

    Was fragen die Kunden nach? Worin wird am meisten investiert?

    Triodos: Aktuell primär Tagesgeld, wir verzeichnen auch bereits ein Interesse an dem Thema Girokonto, welches wir ja noch nicht anbieten. Grundsätzlich stellen wir fest, dass sich Interessenten relativ ausführlich mit uns als Bank beschäftigen, sehr detaillierte Nachfragen zu unserer Philosophie und Strategie stellen, bevor sie Kunde werden. Sie machen diesen Schritt sehr bewusst, inhaltlich getrieben, das Produkt spielt eine sekundäre Rolle. Die durchschnittlichen Anlagebeträge sind dadurch auch relativ hoch. 

    Kann man mit Blick auf die Wachstumsraten mit GLS und Umweltbank Schritt halten?

    Triodos: Als Triodos Bank-Gruppe haben wir mit 30% ein ähnliches Wachstum in 2009 verzeichnet wie GLS und Umweltbank. In Deutschland befinden wir uns in der Newcomer-Position. Es geht erst einmal darum, den Namen Triodos Bank hierzulande bekannt zu machen. Wir sind mit der bisherigen Entwicklung im Rahmen unserer Erwartungen. Dies ist eine nachhaltige, solide Entwicklung. 

    Wer sind die „neuen“ Kunden von Triodos Deutschland?

    Triodos: – mehr Männer als Frauen (61% zu 39%)
    – Alter: vorwiegend zwischen 30 und 60 Jahre (relativ ausgewogene Verteilung zwischen den  Kategorien 30-40, 40-50, 50-60
    – bisher kein Schwerpunkt bei den Banken zu erkennen, von denen die Kunden kommen
    – bisher kein geographischer Schwerpunkt zu erkennen.

    Quelle: Triodos/Social Banking 2.0

    Fazit: Das Wachstum der klassischen Ökobanken dürfte noch einige Zeit anhalten, ein Selbstläufer freilich ist das nicht. Denn der Wettbewerb wird sich parallel dazu intensivieren, einmal über die Konditionen, andererseits über die Servicequalität. Und da werden die Kunden künftig sicherlich jenseits von „Green Labels“ noch etwas genauer hinschauen und vergleichen.

    Written by lochmaier

    Mai 11, 2010 at 10:39 am

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    Euro-Krise und Rating-Agenturen: Zukunft zwischen Heilsbringer, Sündenbock und Krisentreiber?

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    Das ganze Leben ist ein Fußballspiel und dauert mehr als 90 Minuten – so auch vergangene Nacht, als die Europäische Union die Kuh der drohenden Eurowertvernichtung gerade noch vom Eis gezogen hat. Doch der Burgfriede zwischen Politik und Finanzmärkten ist einstweilen trügerisch.

    In einem Gastartikel auf Spiegel online widmet sich Ökonom Thomas Straubhaar dem Thema Ratingagenturen – und kommt zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass es nicht gut ist, wenn die Fußballspieler direkt den Schiedsrichter damit beauftragen, das Spiel zu leiten.

    Soweit so gut. Normalerweise beteiligt sich dieses Weblog nicht an der oberflächlichen Diskussion um die Fremd- und Selbstregulierung einer ganzen Branche. Warum? Ganz einfach, ich setze eher auf neue Geschäftsmodelle, die freilich erst in Ansätzen erkennbar sind.

    Und da stach mir doch ein Satz in dem Kommentar des Professors für Volkswirtschaft an der Universität Hamburg und Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) ins Auge. Der lautet so:

    Besser – und längst überfällig – wäre es jedoch, die Rating-Agenturen endlich von ihrem nahezu hochrichterlichen Ross der Unfehlbarkeit herunterzuholen. Sie sollten zu ganz normalen Mitspielern auf dem Parkett der Finanzmärkte degradiert werden. Mit anderen Worten: Banken, Anleger und andere Marktakteure sollten die Rating-Agenturen einfach nicht zu ernst nehmen. Denn deren Meinung ist nur eine von vielen.

    Quelle: Spiegel online

    Ein interessanter Kommentar. Denn allein die Agenturen zum Sündenbock und Krisentreiber abzustempeln, das führt auch nicht unbedingt weiter. Es lenkt sogar von den konkreten Lösungsoptionen ab, wenn man angesichts des derzeit kritischen Szenarios sich vordergründig betrachtet nur damit begnügte, ein europäisches Pendant zu den amerikanisch dominierten Ratingagenturen ins Leben zu rufen.  

    Und da gilt es die Informationshierarchie entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der „Finanzindustrie“ zu dehierarchisieren und zu dezentralisieren.Wie das funktionieren kann, ohne neue unrealistische Konzepte ins Leben zu rufen? Kommentare dazu sind gerne erwünscht.

    Auch die Wochenzeitung die „ZEIT“ legt die Hand in die Wunde:

    Theoretisch würden die Ratingagenturen die Werte der Aktiva deutlich machen, sagte André Orléan, Forschungsdirektor des Instituts CNRS und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Pariser Börsenaufsicht AMF. «Doch sie sind nicht unabhängig. Sie sind auch nicht autonom» von Marktinteressen. Die Ratingagenturen gäben den Marktschwankungen sogar noch mehr Widerhall. «Sie sind gleichzeitig Richter und Partei.» Man brauche für die Bestimmung von Börsenwerten Institutionen mit dem «Blick von außen». 

    Quelle: zeit.de

    Auch einige Wirtschaftsblogs widmen sich dem Thema, so stellt etwa „Wirtschaftsblase“ die Frage, wem die Rating-Agenturen eigentlich gehören:

    Ist es eine konzentrierte Aktion um den Fokus von den Problemen in den USA auf Europa zu richten? Denn allein die Verschuldung des Staates Kalifornien ist um einiges höher als Griechenland und trotzdem hat die USA ein Tripple A (höchste Kreditwürdigkeit) und Griechenland nur noch einen Ramschstatus. Das ist nicht verwunderlich, so Dirk Müller, wenn man überlegt wem die Rating- Agenturen eigentlich gehören.

    Quelle: Wirtschaftsblase.de

    In der allerorts lärmenden Medienschlacht den Überblick zu behalten, wer welche Gerüchte aus welchen Motiven in die breite Öffentlichkeit streut, fällt derzeit schwer. Die Sachargumente gehen nicht selten dabei unter – berichtet auch der Blicklog  jenseits simpler Schuldzuweisungen. 

    Und erst wenn sich der Nebel allmählich lichtet, werden wir wohl etwas tiefer in die Lösungsdiskussion einsteigen können. Als da wären: Der Staat sollte als öffentlicher Verwalter von Finanzen den Finger auch in die eigenen Wunden legen – und sein Geld sinnvoll „anlegen“. Diese Frage sollten sich derzeit viele stellen, was es bedeutet, verantwortlich mit den ihnen anvertrauten Finanzen umzugehen.

    Die richtigen Stellschrauben zur Bewältigung einer  Staatschuld, die allein in Deutschland bei rund 1,7 Billionen Euro liegt, sind noch nicht einmal im Ansatz diskutiert und umgesetzt. Es gilt einerseits, menschliche Arbeit vernünftig zu entlohnen und nur mit dem notwendigen Maß zu belasten, und andererseits den Fokus jenseits einer Spekulationsmaschinerie auf die produktiven Gebiete in Wirtschaft und Gesellschaft zu richten.

    Es wäre natürlich schön, wenn die Finanzmärkte einen Blick mehr auf die Existenzgrundlagen unserer modernen Gesellschaft richten würden. Der „ehrwürdige Kaufmann“ ist kein Luxusprodukt einer Überflussgesellschaft, sondern wird bald eine dringliche Notwendigkeit sein, um unser System überhaupt in einer sozialen Balance zu halten.  

    Dazu sollten sowohl die Akteure an den Finanzmärkten als auch der Staat ihren Beitrag leisten. Vermeintlich simpel und schlüssig klingende Patentrezepte und Schuldzuweisungen werden uns dem Ziel indes kaum näher bringen, den Menschen als einzig systemrelevante Ressource im Finanz- und Wirtschaftssystem wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Neue Wege sind gefragt, die alten Trampelpfade haben ausgedient.

    Written by lochmaier

    Mai 10, 2010 at 6:46 am

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    High-Frequency-Trading: Wenn die Wall Street sich vertippt

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    Kursabsturz an der Wallstreet – aber worin liegt die Ursache? Darüber spekulieren die Medien noch in einem ziemlich weiten Feld, so u.a. auch Spiegel online: 

    Geradezu reflexartig reagierten US-Politiker auf den Vorfall und forderten noch am Donnerstag schärfere Kontrollen für den Computerhandel. Es sei wieder die Gefahr deutlich geworden, dass „Hochgeschwindigkeits-Computer falsche Geschäfte generieren und am Markt Chaos erzeugen“, erklärte der demokratische Senator Edward Kaufman.

    Quelle: Spiegel online

    In der Tat – es lässt sich „beim Kampf der Algorithmen“ trefflich spekulieren über den Hochgeschwindigkeitshandel, der nicht immer beherrschbar sein muss. Die Ursachenforschung geht sicherlich noch weiter.

    http://www.aktiencheck.de/artikel/analysen-Marktberichte-2057923.html

    Zweifelsohne hätten computergesteuerte Algorithmen (High Frequency Trading) für beispiellose Kursverwerfungen (Aktien seien von 47 USD auf 0 USD gefallen) gesorgt, wodurch die Bewegungsdynamik nochmals erhöht worden sei. Andererseits sei die extrem schnelle Aufholrally (der Dow sei von seinem Tief bei 9.869 Zählern wieder auf 10.520 Punkte geklettert) sicherlich auch ein Produkt der Computerprogramme. Laut Medienberichten solle jedoch die Wahrscheinlichkeit hoch sein, dass die Börsen eine ganze Reihe von Trades nachträglich stornieren würden. Wohl aber nur, wenn der Kursverlust mehr als 60% betragen habe.

    Quelle: aktiencheck.de

    Auch in der wirtschaftlichen Blogosphäre widmen sich einige dem Thema, so etwa hier auf Egghats Blog, wo man zwar keine schlüssige Ursachenforschung erhalten kann, da sieht wohl noch kein menschlicher Vertipper außer dem möglichen Verursacher dahinter – aber zahlreiche interessante Links, Querverbindungen und Updates beleuchten das Thema von unterschiedlichen Blickwinkeln:

    http://egghat.blogspot.com/2010/05/warum-kam-es-gerade-zum-crash_06.html

    In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „die bank“ gibt es übrigens einen Artikel zum Thema „Schneller als der Blitz“, eine immerhin dreiseitige Analyse (Seite 22ff.) über die Geschäftmodelle im Hochfrequenz-Handel (online noch nicht verfügbar). Immerhin: Jeder Broker handelt beim Deal via High-Frequency täglich bis zu 1 Mrd. Wertpapiere. 

    Bis zu 5.000 Geschäfte an guten Tagen schafft bloß der kleine Mensch – und die Maschine? Na ja, 60 Mio. Kauf- und Verkaufsaufträge sind bei entsprechender Laune drin in einem einzigen Computerprogramm bis sich die Sonne in den unterschiedlichen Erdteilen wieder hebt und senkt (also 24×7) – und da wird man oder frau sich doch mal „vertippen“ dürfen, oder?

    Nur, jeder kleine Vertipper hat so seine Folgen: Experten kalkulieren den Anteil des „Algo-Handels“ am US-Aktienhandel auf über 60 Prozent im vergangenen Jahr. Der Anteil am Xetra-Volumen soll ebenfalls schon knapp die Hälfte betragen. Achtung Rutschgefahr. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie am besten … jetzt fällt mir gerade auch nichts Geistreiches dazu ein.

    Es gibt unterschiedliche Strategien von Cross-Asset, über Pairs Trading, statistische Arbitrage, Volatilitäts-Handel, bis hin zu Block Trades. Da kann schon mal was schiefgehen, wenn die Geschäfte eben „schneller sind als der Blitz dies erlaubt“. Fragt sich nur, wer am Ende davon profitiert oder verliert?  

    In einem früheren Artikel habe ich das Phänomen „Seltsame Formen der künstlichen Schwarmintelligenz“ schon einmal beleuchtet (mit vielen Links):

    https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/11/high-frequency-trading-seltsame-formen-der-kunstlichen-schwarmintelligenz/

    Written by lochmaier

    Mai 7, 2010 at 10:11 am

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