Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Banking = Soziale Kontakte via „Peer-to-Peer“ monetarisieren?

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In der jüngsten Folge der (Münchner) Isarrunde sprachen die Social Media Spezialisten Michael Reuter, Michael Praetorius und Christoph Elzer über die Monetarisierung ihrer Kontakte in sozialen Netzwerken. Lässt sich damit wirklich „Kohle machen“?

Oder anders gefragt, mit der Isarrunde: Sagen Freundschafts- und Geschäftsverbindungen in sozialen Netzwerken etwas über die Kreditwürdigkeit aus? Welche Bedeutung hat Peer-to-Peer-Banking jenseits einer vielleicht allzu freigiebigen „Peanuts-Ökonomie“? Hier das Video:

http://www.isarrunde.de/isarrunden/80/1/1/17/social_banking.html

Zunächst einmal ist der Gedanke nachdenkenswert, jedes einzelne Nutzerkonto in einem sozialen Netzwerk schon als eine kleine Basiszentrale fürs „Social Banking“ zu bezeichnen. Wer sich das rund 12 Minuten lange Video mal genauer angesehen hat, wird jedenfalls einige interessante Fragestellungen darin entdecken.

Allerdings wurde auch klar: Ein klarer Horizont, wie die Nutzer gegenseitig ihre Kontakte in den diversen sozialen Netzwerken auf seriöse Art und Weise „zu Geld machen“, ist derzeit noch nicht erkennbar. Dazu sind fundierte Kenntnisse nicht nur aus der verhaltensbasierten Finanzökonomie erforderlich, sondern auch ein Grundverständnis von sozialen Netzwerkmechanismen. 

Dazu gab es übrigens auf der Internetkonferenz „next 10“ einen interessanten Vortrag von der Antropologin Joanna Broadbent, deren einfache Botschaft so lautet: Die gesellschaftliche Hierarchie (und damit auch der Geldbesitz) spiegeln sich auch in den sozialen Netzwerken. Anders ausgedrückt: Die weiter oben angesiedelten Menschen fordern Aufmerksamkeit (und damit auch Geld bzw. „soziale“ Rendite) von anderen, die weiter unten postierten sind bereit, anderen eher passiv zu folgen.  

Somit steht fest: Es kann nicht ohne weiteres eine so genannte „Killerapplikation“ beim Social Banking in der Urform des zwischenmenschlichen Austausches (von Geld) geben. Denn der reine Zahlungsaustausch von kleineren Beträgen, z.B. über mobile Telefone (P2P-Payments), ist allein noch kein bahn brechendes Epochenerlebnis.

Dennoch gibt es unzählige Möglichkeiten, wie der „Zementblog“ hier mit Blick auf Flattr und etwa neben Kachingle eine weitere deutsche Alternative PayMeCredit beleuchtet – einem Bezahlsystem auf freiwilliger Basis:

http://www.zementblog.de/2010/05/19/lob-und-dank-per-klick/ 

Es verbergen sich somit viele kleinteilige ökonomische Möglichkeiten dahinter. Aber wir reden hier ja nicht nur über eine neue „Spendenkultur 2.0“. Schon wenn es um größere Summen geht, ist fragwürdig, ob die in den Netzwerken vorhandene Vertrausebene (ab dem zweiten Grad der etwas periphereren Kontakte, wie die Isarrunde zurecht anmerkt) ausreicht, um über den realen –  und leider nicht immer so sozialen Cash – „ins Geschäft“ zu kommen. 

Insofern also scheint es daher auch im dezentralen Netzwerkzeitalter letztlich fast immer eine Art von Moderator als möglichst neutrale Zwischeninstanz zu brauchen, der dafür sorgt, dass die Interessen von jemandem, der einen kleinen Deal anbietet, mit den Absichten übereinstimmt, von demjenigen, der etwas „abnimmt“.

Kurzum: Es gilt, die an sich „asoziale Funktion von Geld“ auf seriöse Art und Weise auszubalancieren und fortlaufend zu managen. Unabhängig, ob es um ein kleines oder großes Netzwerk handelt. Man kann nun trefflich darüber streiten und philosophieren, ob beim Geld die Freundschaft beginnt oder bereits aufhört. Es gibt beide Sichtweisen.

Insofern findet der Fortschrittsglaube an virtuelle Währungseinheiten bis hin zu Facebook Credits eine natürliche Barriere vor. Man kann sich schließlich immer noch drum streiten, wieviel Äpfel ich für wieviele Birnen von der Gegenseite als Guthaben auf mein Konto schreiben lassen kann. Es gilt die Formel: Wenn zwei Menschen miteinander reden, gibt es mindestens drei Meinungen. 

Dennoch darf man gespannt sein, wenn in den nächsten Jahren im Netz ein neuer Umgang mit dem Geld sich allmählich kreativen Freiraum verschafft, wie die „starken“ und „schwachen“ Kontakte, die jeder einzelne in seinen Social Networks vorfindet, sich in der realen Geldökonomie niederschlagen werden.

Und hier noch ein Beitrag auf futurezone.at, der die Chancen und Grenzen der menschlichen Schwarmintelligenz aufzeigt:

http://futurezone.orf.at/stories/1648338/

Demnach haben die Forscher der US-Denkfabrik 16 „Schwarmgene“identifiziert: Ein wichtiges sei das „Crowd-Gen“, ein anderes das „Hierarchie-Gen“, es gibt aber auch das „Konsens-Gen“ und das „Wählen-Gen“. Nun ja, wohl dem, der da den Überblick beim Ausnutzen der kollektiven Schwarmintelligenz an den Finanzmärkten nicht verliert, deren Chancen und Nebenwirkungen ich schon mal hier beleuchtet habe:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/09/30/financial-croudsourcing-2-0-wie-gut-ist-die-schwarmintelligenz-wirklich/

Fazit: Es dürfte also noch ein steiniger Weg werden, bis die Urform von Social Banking, nämlich der Austausch von Gütern und Dienstleistungen via internetbasierter P2P-Payments, also direkt zwischen den Menschen, anhand von schlüssigen Geschäftsmodellen einigermaßen ins Lot kommt. Preisfrage: Brauchen wir trotzdem dazu einen Moderator, damit Geld uns mehr verbindet als trennt?

Weiterführende Quelle: Eine ganz interessante Quelle zu den unterschiedlichen Forschungsansätzen der verteilten Peer-to-Peer-Ökonomien (danke an Michael Gassner für den Hinweis) ist dieser Beitrag hier auf der Webseite der P2P-Foundation:

http://blog.p2pfoundation.net/goteo-research-on-creative-currencies-and-p2p-financing/2010/05/24

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Written by lochmaier

Mai 28, 2010 um 11:45 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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