Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Ökobanken im Aufwind: GLS – Umweltbank – Triodos – Wer macht das Rennen?

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Die im Marktsegment der „nachhaltigen Geldanlage“ tätigen Institute sind im Aufwind. Eine direkte Konkurrenzsituation scheint es derzeit angesichts des flächendeckenden Wachstums nicht zu geben. Die Umweltbank hat ebenso wie die GLS Bank bislang von der Finanzkrise profitiert. Über die „nackten“ Zahlen berichtet finanznachrichten.de:

Die Umweltbank trotzt weiterhin der weltweiten Finanzkrise. Anleger suchten gerade in schwierigen Zeiten eine sinnhafte und sichere Geldanlage und seien daher 2009 gezielt zur Umweltbank gewechselt, berichtete Vorstandschefs Horst Popp am Dienstag bei der Vorlage der Jahresbilanz in Nürnberg.

Der Trend zur nachhaltigen Geldanlage ließ nach Popps Angaben im Jahr 2009 das Anlagevolumen um 40,1 Prozent auf knapp 998 Millionen Euro hochschnellen. Das Kreditgeschäft konnte dagegen nicht im gleichen Tempo Schritt halten. Die Summe der in Anspruch genommenen Kredite kletterte im Vergleich zum Jahr 2008 um 13,6 Prozent auf 1,038 Milliarden Euro.

Quelle: finanznachrichten.de

Dividenden könnten jetzt erhöht werden. Ebenso sprunghaft nach oben verläuft das Geschäft bei der GLS Bank, es zeichnet sich ein gewisser Gleichklang zwischen den beiden arrivierten Ökoinstituten ab. In einem Interview mit der TAZ  gibt GLS-Bank-Vorstand Thomas Jorberg Auskunft über den schwierigen Spagat zwischen „normaler“ und ökologischer Anlagephilosophie.

Die Umweltbank plant jetzt, eine Reihe von Genußscheinemissionen aus den Bereichen Wind und Solar auszureichen – und erwartet aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase eine rege Nachfrage im Kreditsektor.

Nun zur GLS Bank, die bereits im Februar die Geschäftszahlen für 2009 verkündet hat:

Die Kundennachfrage der GLS Bank wächst kontinuierlich: Im letzten Jahr entschieden sich 11.000 neue Kunden für eine Geldanlage bei der nachhaltigen Bank. Insgesamt verzeichnete sie Ende 2009 damit 73.000 Kunden. Mit 33% Wachstum steigerte die GLS Bank ihre Bilanzsumme auf 1,35 Mrd. Euro und auch das Geschäftsvolumen der GLS-Gruppe mit Stiftungen und Beteiligungen konnte in zwei Jahren nahezu verdoppelt werden: Ende des Jahres betrug es 1,6 Mrd. Euro.

Und was die Schwerpunkte in diesem Jahr angeht, so hebt sich vor allem der Bereich der Mikrofinanzierung hervor:

Im laufenden Jahr wird die GLS Bank einen besonderen Schwerpunkt auf den flächendeckenden Ausbau des Mikrokreditgeschäfts in Deutschland legen. Die Bundesregierung hatte der Bank erst kürzlich den Auftrag erteilt und 100 Mio. Euro für den Mikrokreditfonds Deutschland zur Verfügung gestellt. Die GLS Bank verfügt über eine zehnjährige Erfahrung in diesem Bereich. 

Quelle: gls.de

Was die Erklärung des großen Zustroms an Neukunden angeht, so gibt es hier übrigens auf Börse online einen ganz interessanten erweiterten Erklärungsansatz:

Arno Gottschalk, Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Bremen. „Diese Angebote sind aber marketinggetrieben.“ Gottschalk führt das große Interesse an Ökobanken auf das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Anleger zurück. „Viele, die nachhaltig anlegen, wollen als erstes ihr Geld sicher verwahrt wissen. Erst im zweiten Schritt geht es ihnen um ethische, ökologische und soziale Faktoren“, so Gottschalk.

Quelle: boerse-online.de

In der Tat, die Ökobanken sind eine Art „Krisenanker“ – wieweit der gesellschaftliche Paradigmenwandel tatsächlich generische grüne Anlagemodelle in die Mitte der Gesellschaft befördert, bleibt abzuwarten.

Es bleibt nun abschließend die spannende Frage, wieweit Neueinsteiger Triodos Bank Deutschland – immerhin ist Triodos die in Europa führende Ökobank – auf dem heimischen Terrain Schritt halten kann mit den beiden längst etablierten Instituten.

Oder anders gefragt: Wie sieht die Zwischenbilanz ein halbes Jahr nach der Gründung der ersten Filiale in Frankfurt aus? Zur Einstimmung sei zunächst das Interview empfohlen, das ich für die Fachzeitschrift GI Geldinstitute mit der Geschäftsleitung geführt habe. 

Zur aktuellen Stimmungslage gibt Triodos Deutschland einige weiterführende Einblicke – die Triodos Bank-Gruppe kommuniziert Halbjahresergebnisse zwar offiziell erst im Rahmen der üblichen Fristen. Aber einige vorläufige Einschätzungen gibt es hier:

Was fragen die Kunden nach? Worin wird am meisten investiert?

Triodos: Aktuell primär Tagesgeld, wir verzeichnen auch bereits ein Interesse an dem Thema Girokonto, welches wir ja noch nicht anbieten. Grundsätzlich stellen wir fest, dass sich Interessenten relativ ausführlich mit uns als Bank beschäftigen, sehr detaillierte Nachfragen zu unserer Philosophie und Strategie stellen, bevor sie Kunde werden. Sie machen diesen Schritt sehr bewusst, inhaltlich getrieben, das Produkt spielt eine sekundäre Rolle. Die durchschnittlichen Anlagebeträge sind dadurch auch relativ hoch. 

Kann man mit Blick auf die Wachstumsraten mit GLS und Umweltbank Schritt halten?

Triodos: Als Triodos Bank-Gruppe haben wir mit 30% ein ähnliches Wachstum in 2009 verzeichnet wie GLS und Umweltbank. In Deutschland befinden wir uns in der Newcomer-Position. Es geht erst einmal darum, den Namen Triodos Bank hierzulande bekannt zu machen. Wir sind mit der bisherigen Entwicklung im Rahmen unserer Erwartungen. Dies ist eine nachhaltige, solide Entwicklung. 

Wer sind die „neuen“ Kunden von Triodos Deutschland?

Triodos: – mehr Männer als Frauen (61% zu 39%)
– Alter: vorwiegend zwischen 30 und 60 Jahre (relativ ausgewogene Verteilung zwischen den  Kategorien 30-40, 40-50, 50-60
– bisher kein Schwerpunkt bei den Banken zu erkennen, von denen die Kunden kommen
– bisher kein geographischer Schwerpunkt zu erkennen.

Quelle: Triodos/Social Banking 2.0

Fazit: Das Wachstum der klassischen Ökobanken dürfte noch einige Zeit anhalten, ein Selbstläufer freilich ist das nicht. Denn der Wettbewerb wird sich parallel dazu intensivieren, einmal über die Konditionen, andererseits über die Servicequalität. Und da werden die Kunden künftig sicherlich jenseits von „Green Labels“ noch etwas genauer hinschauen und vergleichen.

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Written by lochmaier

Mai 11, 2010 um 10:39 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Hallo,

    die Argumentation von Herrn Gottschalk kann ich so nicht ganz nachvollziehen, hier geraten meiner Meinung nach zwei Dinge durcheinander.

    Klar, der Kunde möchte sein Geld mit der größtmöglichen Sicherheit anlegen. Für Bankeinlagen gibt es zwischen den meisten „herkömmlichen“ und den ethisch ausgerichteten Banken jedoch keinen Unterschied in Sachen Sicherheit – beide sind i.d.R. an einen Sicherheitsfond angeschlossen (z.B. BVR oder BdB), zudem gilt für Beträge bis 50.000,- Euro die gesetzliche Einlagensicherung.

    Das vergleichsweise positive Abschneiden von ökologisch-ethisch ausgerichteten Fonds während der Finanzkrise (die Verluste waren i.d.R. geringer) dürfte zwar zu einer verstärkten Nachfrage dieser Produkte führen, dies dürfte jedoch kaum steigende Kundenzahlen zur Folge haben.

    Weitere Infos zu ethischen Banken gibt es übrigens hier: http://www.ethische-geld-anlage.de

    Viele Grüße,
    Tillmann Lübker

    Tillmann Lübker

    Mai 27, 2010 at 6:41 pm


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