Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Green Washing: In welche Unternehmen soll eine Bank investieren?

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Ein lesenswerter Beitrag zum Thema „Banken und green washing“ findet sich auf dem Weblog der Triodos Bank. Dort gibt Geschäftsführer Georg Schürmann einen Einblick in die interne Diskussion zu diesem Thema, das man sicherlich kontrovers diskutieren kann:

Für private Verbraucher bzw. Anleger ist kaum zu erkennen wie nachhaltig ein Unternehmen ist oder ob es sich um „Greenwashing“ handelt. Ich glaube trotzdem nicht, dass uns ein „schwarz-weiß-Denken“ zu einer nachhaltigeren Wirtschaft führt. Und schließlich ist das das Ziel.

Quelle: Triodos Blog

In der Tat ist es sehr schwierig, aus Sicht von Banken, die sich im engen oder weiteren Sinne der (ökologisch-sozialen) Nachhaltigkeit verpflichtet sehen, zu erkennen, wo überhaupt die Zutrittsbarriere liegt, ob also ein Investment noch im „grünen“ Bereich liegt. Eine Lösung aus diesem Dilemma scheint fast nur auf dem Papier möglich.

Zudem lässt sich das Thema schwer mit reinen „Negativkriterien“ lösen, also einer Art Ausschlußverfahren, in welche Unternehmen man am Ende doch ausschließlich „politisch korrekt“ nicht investieren darf und soll. Und der Rest der Unternehmen oder Projekte wären dann in einer Art ideologischem Grobraster die „guten Unternehmen“.

Leider funktioniert die Welt nicht ganz nach diesem simplen Erklärungsmuster.

Es ist ein bisschen wie beim Computerspam, den unerwünschten Nachrichten, die unsere virtuellen Postfächer im Überfluss verstopfen. Es gibt „weiße Listen“ für gewünschte mails, und „schwarze Listen“ für die unerwünschten. Trotzdem beträgt der Anteil von Spam in unseren E-Mail-Postfächern mehr als 80 Prozent. Nur gibt es dort einen vorgeschalteten Filter, der das Gros der unerwünschten Nachrichten vorher aussortiert.

In der Bankenlandschaft scheint eine strikte Wertung nach dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“ eine schwierige Gratwanderung. Auch die Triodos Bank Deutschland stellt sich deshalb in- und außerhalb des eigenen Unternehmens der offenen Diskussion:

Da ich aber etwas bewegen möchte und die Wirtschaft insgesamt nachhaltiger ausrichten möchte, halte ich den Weg, mit traditionellen Unternehmen in den Dialog zu gehen und wenn bestimmte Standards erfüllt sind, auch zu investieren, für zielführender.

Jedoch ist sich die Ökobank der damit verbundenen Gratwanderung bewusst:

Dies sehe ich auch vor dem Hintergrund, dass es nur ein sehr geringes Angebot an Wertpapieren von öko-sozialen Unternehmen gibt. Man kann eben das Angebot auch dadurch erweitern, dass traditionellen Unternehmen nachhaltiger werden. Wichtig ist mir diese dynamische Komponente. Die Gefahr von Intransparenz ist natürlich nicht zu übersehen.

Quelle: Triodos Blog

Ganz am Ende des Beitrags, den man in voller Gänze lesen sollte, regt die Triodos Bank nun eine offene Diskussion an, der man sich nur anschließen kann. Denn einige Scheuklappen zum Thema „green washing“ gibt es sicherlich noch zu überwinden.

Andererseits ist natürlich auch kaum zu übersehen, dass es noch viel Aufklärungsbedarf erfordert, um die Transparenz im Anlageverhalten einer Bank zu befördern, so dass „green washing“ nicht zum reinen „window dressing“ missbraucht wird. Verbunden damit sind auch brennende Fragestellungen, wie etwa: Wem ist die Bank letztlich mehr verpflichtet, den Investoren und/oder den Kunden? Die Balance unterschiedlicher manchmal auch gegenläufiger Interessen ist aber auch mit Blick auf die Mitarbeiter nicht leicht zu finden. 

Kurzum: Eine einfache und kosistente Lösung der Marke „Bank handelt vollkommen nach dem White-listing-Prinzip“ wird es wohl kaum geben. Ob man im Zweifelsfall die Kunden über Grenzfälle abstimmen lassen sollte – oder wäre das ein Stückchen zu viel „direkte Finanzdemokratie 2.0“?

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Written by lochmaier

Mai 6, 2010 um 7:44 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] 2.0 mittragen müsste. Die wäre freilich für alle Beteiligten ziemlich anstrengend, und einfache Patentrezepte für das „Black- oder Whitelisting“ von sauberen grünen Krediten wird es nicht […]


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