Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Dominospiel im Bankensystem: Griechenland…Spanien…und jetzt?

leave a comment »

Was kann der „Kleinsparer“ aus der Griechenland-Krise für Schlüsse ziehen, um sein Erspartes nicht leichtfertig aus der Hand zu geben, beleuchtet Max Otte in seiner wöchentlichen Finanzkolumne:

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Prof-Otte-Kolumne-Was-heisst-die-Griechenland-Krise-fuer-Sie-785459

Das heißt aber auch, dass der Euro immer mehr von einer Stabilitätsgemeinschaft zu einer Inflationsgemeinschaft wird. Und das ist mittel- und langfristig gut für Sachwerte: Immobilien, Aktien und Gold. Insbesondere Gold ist keinesfalls zu teuer. Sie können durchaus über eine Erhöhung Ihres Goldanteils nachdenken. Ich bleibe in Aktien drin, habe aber meinen Goldanteil leicht aufgestockt.

Quelle: finanzen.net

In der Tat ist in den kommenden Jahren so einiges zu erwarten. Neben den USA, Großbritannien steht auch Deutschland die „Endabrechnung zur Finanzkrise“ noch aus. Machen wir uns nichts vor, ohne zu dramatisieren: Es werden weitere Einschnitte kommen, die uns häppchenweise serviert werden, so dass wir es nicht so auffällig bemerken.

Schaut man sich die Dominoeffekte im Bankensystem an, so ragt derzeit Spanien am weitesten heraus. El Pais beleuchtet den „Ziegelsteineffekt“ (ladrillos), und listet 10 Punkte auf (man nutze den rudimentären Google-Übersetzer), was sich bei den Banken ändern müsste, damit das System die notwendigen Korrekturen einleiten kann.

Und was ist mit Italien, die noch deutlich tiefer im Strudel stecken könnten, als dies zur Zeit in der Öffentlichkeit durchsickert? Ich möchte mich jetzt nicht an den unzähligen Spekulationen beteiligen, die sich mit der Staatsverschuldung befassen. Hier deshalb nur der Verweis auf den aktuellen Anlagekommentar von Wegelin. Fakt ist, wenn der Steuerzahler aus der Mittelschicht auf breiter Front zur Kasse gebeten werden sollte, wird dies neue Verwerfungen und „gesellschaftliche Fragestellungen“ nach sich ziehen.

Deshalb richte ich den Blick auf die Konsequenzen für „Social Banking“.

Als da wären: Die weiteren Wellen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise verstärken den Vertrauensverlust. Banken sind aufgefordert, diesem aktiv entgegen zu wirken. Die vorhandenen Bordmittel, jetzt plötzlich auf Augenhöhe mit den Kunden zu kommunizieren, werden nicht ausreichen. Oder es fehlt überhaupt der Wille zu diesem mutigen Schritt. 

In der jetztigen Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift „die bank“ finden sich einige durchaus lesenwerte Beiträge, so etwa dieser hier zum Thema „Vertrauen – das wichtigste Kapital der Banken“   . Ein Zitat:

Die Macht verschiebt sich unaufhaltsam vom Anbieter zum Nachfrager. Mit der Vernetzung werden die Menschen informierter, aktiver und einflussreicher. Die (Geschäfts-)Beziehungen werden transparenter. Viele klassische Bankinstitute sehen in den Social-Media-Aktivitäten ihrer neuen Konkurrenz immer noch eine Zeiterscheinung, einen vorübergehenden Hype, der sich über kurz oder lang überleben wird oder nähern sich nur mühsam dem revolutionären, weil unvermeidlichen Community-Gedanken mit einer zögerlichen Me-too-Strategie aus der sicheren Distanz archetypischen Schonraums. Neueste Studien zeigen aber, dass die gesellschaftliche Bedeutung der Netzwerke steigt.

Quelle: die-bank.de

Im selben Heft findet sich auch ein Beitrag von mir, in dem ich die bisherige „Innovationspyramide“ der Bankenphilosophie quasi auf den Kopf stelle. Der scheinbar so harmlos daher kommende Beitrag mit dem Titel „Die kommunikative Bankfiliale“ ist derzeit nur im Print-Heft verfügbar (Seite 70ff).

Darin stelle ich die Wertschöpfung der Banken auf den Kopf, und nenne die neue Herausforderung durchaus mit einer gewissen Portion hintergründigem Humor „Hybrid Banking Experience“. Der von mir kreiierte schillernde Begriff sagt nur eines aus: Die Bankfiliale folgt künftig in ihren Ansprüchen der virtuellen Filiale im Netz, oder sie findet gar nicht mehr statt.

Man muss etwas zwischen den Zeilen lesen, um die beiden Case Studies Umpqua Bank und vor allem die Caja Navarra richtig einzuordnen.  Es geht nicht um ein paar hippe technische Accessoires und ein bisschen Mobile Banking, es geht um eine neu justierte Kundenbeziehung, bei der der Kunde plötzlich mit am Regiepult sitzt. Wie das funktionieren kann, kann man ganz am Ende meines Beitrags in ersten visionären Ansätzen erkennen.

Allmählich scheint die neue Diskussion um die gesellschaftliche „Legitimation von Banken“ auch die Etage der Manager zu erreichen. Es herrscht Handlungsdruck, aber auch große Unsicherheit. tun wir das Richtige, setzen wir auf Social Media – oder lassen wir von diesem heißen Eisen lieber die Finger? Ganz getreu dem Motto, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold (das war jetzt keine Anlageempfehlung). Hier beleuchtet ebenfalls in „die bank“ eben jene größte Deutsche Bank die Herausforderungen mit Blick auf den „Corporate Citizen“

http://www.die-bank.de/banking/die-neue-legitimation-der-banken?searchterm=Die+neue+Legitimation

Die Finanzkrise hat zu einem grundsätzlichen Misstrauen in der Gesellschaft gegenüber der Geschäftstätigkeit der Banken geführt. Dieses Misstrauen kann nur durch eine neue Legitimation des Geschäftsmodells überwunden werden. Dafür muss die Verantwortung für den Kunden – und damit untrennbar verbunden auch die gesellschaftliche Verantwortung – neben dem Aktionärsnutzen integrierter Bestandteil der Unternehmenssteuerung werden.

Vor der Finanzmarktkrise wurde im deutschen Privatkundengeschäft oft von „Kundenorientierung“ gesprochen. Als Folge der neuen Realität in der Bankenbranche wird dieser Begriff weiter mit Substanz versehen: Kundenorientierung bedeutet heute die Schaffung von konkretem Kundennutzen. Erst aus einer höheren Transparenz der Produkte und einer besseren Qualität der Beratung entsteht Leistung für den Kunden. Daran werden sich Kunden beim Kauf von Finanzprodukten zukünftig stärker orientieren als am Preis.

Quelle: die-bank.de

Der neue Ansatz klingt auf den ersten Blick – rhetorisch betrachtet – schlüssig und konsequent. Es kommt freilich nicht auf Absichtserklärungen an, sondern auf die Umsetzung. Man fremdelt immer noch in der diskreten Branche mit der Gesellschaft, der die Banken doch eigentlich als Dienstleister verpflichtet sind.

Kann „Social Banking“ in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen eine Alternative sein? Ja und nein. Auch hier gilt es noch viele Erfahrungen mit neuen vor allem internetbasierten Geschäftsmodellen zu sammeln.  

In der aktuellen soeben erschienenen Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“ gebe ich am Beispiel der geschichtlichen Entwicklung in der „Kreditvergabe über soziale Netzwerke“ eine Einführung in das Thema: Was ist Social Banking? Darin wird die Kernaufgabe von Banken deutlich. Sie brauchen nicht gänzlich auf Gewinne zu verzichten, ein Zinsverbot scheint unrealistisch und zudem wirtschaftlich kontraproduktiv.

Was in der historischen Rückschau freilich deutlich wird, ist gleichzeitig das Fazit meines Beitrags:

Die soziale Gratwanderung aus der Historie der ersten „Social Banks“ verlagert sich somit in die Neuzeit hinein. Oder anders ausgedrückt: Auch in selbst organisierten Netzwerken zur Geldanlage und Kreditvergabe tritt ein soziales Machtgefälle auf. Einerseits fordert der ambitionierte Renditeanspruch der Anleger seinen Tribut, und andererseits tritt das ebenso verständliche Begehren der Kreditnehmer auf den Plan, ein Darlehen jenseits der „Wucherzinsen von Banken“ aus der sozialen Kreditgemeinschaft zu erhalten.

Und mit dieser gesellschaftlichen Gratwanderung, die sich damit längst von der Armenfürsorge in die ökonomisch unter Druck geratenen Mittelschichten hinein verlagert hat, schließt sich der Kreis zu den historischen Ursprüngen von Social Banking. Die spannende Frage lautet: Gelingt den neuen Internetplattformen der Spagat, sich einerseits als soziale Instrument gegen Zinswucher zu etablieren, und andererseits für alle Beteiligten ökonomisch profitable Geschäfte zu ermöglichen, aufgrund derer sich die Menschen mit Hilfe von finanziellen Netzwerkgemeinschaften zur „sozialen“ Kreditvergabe oder Geldanlage verabreden.

Quelle: Social Banking 2.0/Humane Wirtschaft 
   

Advertisements

Written by lochmaier

Mai 4, 2010 um 7:07 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: