Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Newcomer bleibt trotz Medienkritik auf Expansionslinie

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Die derzeit wichtigsten Fragen mit Blick auf den Newcomer lauten: Worin besteht das Geschäftsmodell – wie verdient die Bank ihr Geld? Und wie geht es mit der bislang etwas schleppenden Kreditvergabe in der Noa Bank voran?

Darüber berichtet die Bank selbst in einem neuen Weblog-Eintrag am 1. Mai mit dem Titel „Noa Bank erhöht die Transparenz“:

http://www.anderebank.de/blog/artikel/die-noa-bank-erhoeht-die-transparenz/

Ich empfehle jedem, sich die dort präsentierten Inhalte jenseits des medialen Gewitters zwischen Schwarz-und-Weiß-Malerei mal genauer anzuschauen. Interessant ist  diese Aussage hier zur Profitablität des Geschäftsmodells, neben der Vorgeschichte der Noa Bank und der Integration des Factoring-Dienstleisters Quorum, einer der des öfteren geäußerten Kritikpunkte:

Die Einlagen, welche zurzeit noch nicht für die Finanzierung von Unternehmen verwendet werden, hat die Bank als verfügbare Liquidität gekennzeichnet. Diese zur Finanzierung von Unternehmen bereitstehende Liquidität, wird zwischenzeitlich bei anderen Banken angelegt. Hierzu zählen die Commerzbank, GLS Bank,WGZ Bank, Dexia Bank, die Deka Bank und die Deutsche Bundesbank.

Durch die beschriebene Verwendung der Spareinlagen, sind die Erträge der Bank höher als ihre Kosten auf die Einlagen. Die Zinserträge der Bank liegen bei 3,01 % und die derzeitigen Zinskosten bei 2,23 %. Der dadurch erzielte Zinsgewinn der noa bank liegt im Moment bei 0,78 % auf 233.329.717 Euro.

Quelle: Noa Bank Blog

Wieweit die Bank mit Blick auf die gesamten Initial-, und die laufenden Fix- und Personalkosten tatsächlich bereits profitabel arbeitet, lasse ich mal dahin gestellt. Aber der Anfang scheint gemacht. Und nun kommt die wirklich spannende Weiterentwicklung.

Denn über die „Geldverteilung“ informiert die Noa Bank über diesen Link    – dort findet sich ein Überblick über die derzeit finanzierten Unternehmen, der zeigt, dass jetzt nicht mehr das „kleinteilige“ Kreditgeschäft mit Firmenkunden im Fokus steht, sondern auch größere Unternehmensanleihen. Das muss nicht verwundern, denn der offenbar große Andrang bei den Kundeneinlagen hat dazu geführt, dass größere Summen „am Markt“ platziert und nach und nach in Kredite überführt werden müssen.

In der Riege der illustren Kreditnehmer/Unternehmensanleihen im Bereich von rund einer Million Euro reihen sich immerhin einige prominente Namen ein, wie Lufthansa, Hella, HeidelbergCement, Porsche, LanXess, Peri, Voith, Rhön Klinikum und Windanlagenbauer Vestas. 

Dem einen oder anderen sind die Firmenkredite bestimmt nicht „grün“ genug (Lufthansa, die fliegt immer noch mit Kerosin statt mit der Brennstoffzelle), bei Porsche wird der Sozialneid neu aufbrechen (schließlich haben die noch kein reines Ökoauto entwickelt, sondern vertreiben nur Luxuskarossen) – oder: Warum kann man Häuser und Industriegebäude nicht mit Ökohölzern statt mit Zement bauen? (HeidelbergCement).

Ja, man kann es auch noch weiter treiben: Ist nicht der Transport von Windkraftanlagen an die See oder zu anderen Standorten an Land ein ganz und gar umweltschädliches Unterfangen? Dann frage ich zurück: Worin darf und soll man überhaupt noch investieren? Natürlich, die Noa Bank kann man nicht als strenge „Ökobank“ betrachten, dazu sind die Unterscheidungsmerkmale gegenüber einer GLS Bank doch recht markant. Denn die Noa Bank reiht sich eher in die Riege der an den Bedürfnissen der „Realwirtschaft“ orientierten Geschäftsbanken ein.

Auch das Kundenklientel der Noa Bank ist etwas anders strukturiert als bei der neben der Umweltbank führenden deutschen Ökobank.  Wohl gemerkt, es geht hier nicht um Vorlieben für die eine oder andere Variante, sondern um eine Bestandsaufnahme, zu dessen inhaltliche Weiterführung ich die Leser anregen möchte.

Was bleibt von dem Label „Ökobank“, in das auch die Medien die Noa Bank nur allzu gerne eingereiht haben? Ich beschäftige mich als Wirtschaftsjournalist bereits seit Jahren mit Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien und der Energieffizienz.

Ich kann nur sagen: Den reinen „Umweltengel“ gibt es nur für Moralisten, die für sich ein altrustisches Menschenbild und für andere ein materialistisches zeichnen. So ähnlich jedenfalls formulierte dies DM-Unternehmenschef Götz Werner auf der diesjährigen Fachkonferenz zu den Leitthemen im Netz, der re:publica. 

Der Glaube an die reine Ökolehre fehlt mir etwas, seitdem ich viel Licht aber auch einigen Schatten gesehen habe. Morgen früh bin ich als Pressebeobachter auf dem Gipfel der Bundeskanzlerin zum Elektroauto akkreditiert. Noch ist kein reines Ökoauto auf unseren Straßen unterwegs, mit dem Angela Merkel bis nach Griechenland in den Urlaub fahren könnte. Ich habe in den letzten Jahrzehnten vieles gelernt, neue Ideen brauchen Zeit, innovative Konzepte bis zur Praxistauglichkeit erst recht.

Auch dass im Firmengeflecht die Noa Factoring AG zu den Kreditnehmern gehört, und laut Blogeintrag der Noa-Bank 26,85 Mio. Euro erhalten hat (also quasi eine interne Refinanzierung von Noa Bank Richtung Noa Factoring), dieser Vorgang wird erneut Kritiker von außen auf den Plan rufen.

Hier könnte die Unternehmensspitze durchaus noch mehr Aufklärung leisten. Zwar gibt es auf einer speziellen Internetseite eine statistische Übersicht über das Noa Factoring nach geographischen Regionen gegliedert, die aber bezüglich ihrer inhaltlichen Aussagekraft durchaus ausbaufähig wäre. Denn sicherlich ist hier ein „know-how-Transfer“ aus der alten Quorum AG in die neue Noa Factoring enthalten.

All dies sind notwendige und kritische Fragen, die auch ich in der Vergangenheit immer wieder gestellt habe, als die Medien das Thema neue Banken und speziell die Noa Bank noch gar nicht entdeckt hatten.  Wer aber glaubt, fertige Antworten darauf geben zu können, sollte den zweiten Blick riskieren.

Einstweilen gilt für mich die Maxime: Wer tiefe Einsicht in die Bücher der Noa Bank hat, kann sich gerne bei mir melden, damit wir den gordischen Knoten endgültig entwirren. Bis dahin berichte ich lieber über spannende Neuentwicklungen.

Denn das ist jenseits von Hochglanz-Magazinen und Karrierejournalen, die ein übertrieben positives Bild zeichnen, aber auch los gelöst von der gegenteiligen medialen Kritik, die tatsächliche Aufgabe der Noa Bank, an der wir sie messen sollten. Wie bewältigt sie ihr unternehmerisches Wachstum? Welche herausfordernde Tätigkeit allein dieses Spielfeld darstellt, verdeutlicht diese Stellenbeschreibung eines „Key Accounters für die Umweltbranche“:

http://www.greenjobs.de/angebote/k_o.html?id=27910

Fazit: Es wird nicht leicht für die Noa Bank sein, die durch die recht hohen Einlagen ausgelöste kurzfristige Wachstumsdynamik produktiv zu bewältigen, wenn man gleichzeitig Gas geben sollte und bremsen muss, damit das Chancen-Risikomanagement-Profil einigermaßen in Balance bleibt.

http://www.kredit-engel.de/2010/04/30/noa-bank-stoppt-tagesgeld-und-setzt-auf-kredite/

Die Tagesgeldkonten im Bereich „Planet“ sind bereits „ausverkauft“, auch dies wird neben vielen anderen Aspekten aus der Integration alter Unternehmensteile in die neue Bank wieder durchaus berechtigte Rückfragen nach sich ziehen. Aber es sieht auf den ersten Blick nicht so aus, als ob die negativen medialen Berichte dazu geführt hätten, dass die Kunden der Noa Bank in Scharen den Rücken zugedreht hätten.

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Written by lochmaier

Mai 2, 2010 um 3:00 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] Noa Bank: Newcomer bleibt trotz Medienkritik auf Expansionslinie […]

  2. Wenn es heisst:
    „Durch die beschriebene Verwendung der Spareinlagen, sind die Erträge der Bank höher als ihre Kosten auf die Einlagen. Die Zinserträge der Bank liegen bei 3,01 % und die derzeitigen Zinskosten bei 2,23 %. Der dadurch erzielte Zinsgewinn der noa bank liegt im Moment bei 0,78 % auf 233.329.717 Euro.“

    rechnen wir mal einen Dreisatz: wenn 0,78% 233,329717 Millionen € sind, sind 100% (Also die mit 0,78% verzinsten Anlagen, die 233 Mio Gewinn ergeben) wieviel?

    Dass die noa 30 Milliarden Einlagen hat, ist bisher nicht so richtig rübergekommen.

    Ich würde mir wünschen, dass nicht so komische Titelzeilen herauskommen wie:
    Konzept des transparenten Kredit geht nicht auf (Rolf Liebert, FTD), nur weil nicht professionell vorgegengen wird. Das ärgert mich. Das Konzept des transparenten Kredites ist nicht tot, nur weil die noa ein Konto für ausverkauft erklärt.

    Hans-Florian Hoyer

    Mai 5, 2010 at 11:25 pm


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