Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for April 2010

Bankjournalismus 2.0: Preisgekörntes Netzwerk Pro Publica setzt Global Footprint

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Nach dem SEC-Schlag gegen Goldman Sachs droht die nächste Runde, berichtet Handelsblatt Finance: Mehrere Banken sollen dem Hedge Fund Magnetar geholfen haben, Produkte zu vermarkten, die von Vornherein zum Scheitern designt waren. Mit dabei: die UBS. Die Geschichte aufgedeckt hat die amerikanische Website Pro Publica, die erst vor zwei Wochen mit dem Pulitzer-Preis, dem Oscar der Journalisten, ausgezeichnet wurde.

Der Clou daran: ProPublica ist eine Stiftung, die von Spenden lebt und keine Gewinne erwirtschaftet, aber den investigativen Journalismus fördern und unterstützen soll. Viele Medienfachleute sehen in diesem Modell die Zukunft des Journalismus. Hier gehts zur entsprechenden Analyse:

http://www.propublica.org/feature/all-the-magnetar-trade-how-one-hedge-fund-helped-keep-the-housing-bubble

Auf Manager Magazin online findet sich dazu ein ganz interessanter Link zur Deutschen Bank:

Ein weiterer von der Deutschen Bank im November 2006 aufgelegter CDO namens Carina mit einem Volumen von knapp 1,5 Milliarden Dollar erfuhr nicht einmal ein Jahr später den ersten „Event of Default“ und wurde später liquidiert, wie aus einer Aufstellung der Finanzbloggerin Yves Smith hervorgeht.

Hinter Carina stand nicht John Paulson, sondern der Hedgefonds Magnetar, der laut Recherchen des Webdienstes „Pro Publica“ mit 30 CDOs das größte Rad in der Wette auf zahlungsunfähige Hypothekennehmer drehte, zusammen mit Deutscher Bank und acht weiteren Investmentbanken. Auch der erste Magnetar-CDO namens Orion kam mit Hilfe der Deutschen zustande – und ebenso dessen risikoreiche Zusammensetzung. Immerhin erlitt Orion bislang nur Kursverluste, musste aber keinen Offenbarungseid ablegen.

Quelle: manager-magazin.de; http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,690212-3,00.html

Wir bilanzieren: Der Bogen in der Finanzindustrie muss gerade mit Hilfe des Internets neu aufgespannt werden – denn wer sich noch einmal die Studienergebnisse der Otto-Brenner Stiftung ansehen will, wo die Defizite in der Wirtschaftsberichterstattung der Leitmedien liegen, wird ziemlich schnell fündig.

Ganz unten gibt es den Link zu den entsprechenden Presseberichten und Blogs:

http://www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brenner-stiftung/aktuelles/wirtschaftsjournalismus-in-der-krise-zum-massenmedialen-umgang-mit-finanzmarktpolitik.html

Fazit: Was wir brauchen, ist nichts weniger als eine neue Form des „Bankenjournalismus 2.0„, der sich weg von der vordergründigen Analyse und platten Schwarz-Weiß-Malererei bewegt, hin zur fundierten und vielschichtigen Betrachtungsweise, die lösungsorientiert und vernetzt sein sollte. Exklusives Expertentum im geistigen Elfenbeinturm hat ausgedient. Was zählt ist die kreative Vielfalt, denn wer diese nicht schätzt, wird selbst immer einfältiger.

Written by lochmaier

April 21, 2010 at 8:45 am

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Prosper.com: Social Lending-Plattform mit Finanzspritze aus der Krise?

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Sowohl Techcrunch als auch einige andere News-Plattformen berichten, dass die Social Lending-Plattform Prosper.com in den USA jetzt mit einer größeren Finanzspritze von 14,7 Mio. US-Dollar aufgepeppelt werden soll, nachzulesen etwa hier: 

http://www.paymentsnews.com/2010/04/prosper-marketplace-raises-147-million-series-d-financing.html?utm_source=feedburner&utm_medium=twitter&utm_campaign=Feed%3A+PaymentsNews+%28Payments+News%29&utm_content=Twitter

Das durch höhere Zahlungsausfälle sich seit längerem in der schleichenden Krise befindliche – in der Gründungsphase führende Internetportal in der „sozialen Kreditvergabe“ Prosper.com – es erhofft sich nun natürlich neuen Rückenwind, um irgendwann in die profitable Gewinnzone zu kommen, oder wenigstens einige ziemlich drückende Altlasten los zu werden.

Nun kommt sogleich der kleine Haken, nämlich der von Seiten der Konkurrenz, pardon Mitbewerber. Denn der schärfste Widersacher auf dem US-Markt war und ist neben der latenten Neigung der Haushalte, sich hoffnungslos zu überschulden, vor allem die Plattform Lending Club. Und auch die gibt bekannt, dass sie gerade erfolgreich mit einer Wachstumsspritze von 24,5 Millionen US-Dollar in eine neue Finanzierungsphase gestartet ist:

http://www.wiseclerk.com/group-news/countries/us-p2p-lending-service-lending-club-raises-24-5-million-us-series-c-round/

Da kommen beide Kontrahenten aus der Puste. Denn die Summen spiegeln somit auch die tatsächlichen Kräfteverhältnisse beim Social Lending in den USA wider. Es ist halt nicht einfach, wenn es pro Land zwei Unternehmen gibt, die sich um die Vorherrschaft in einem Markt so trefflich streiten, den Gartner beim Social Lending weltweit bis 2013 auf rund fünf Milliarden US-Dollar taxiert.

American Banking News vergleicht die beiden Geschäftsmodelle von Prosper und Lending Club:

http://www.americanbankingnews.com/2010/04/15/lending-club-and-prosper-comparing-two-peer-to-peer-lending-models/

Um an Einfluss in der mittelgroßen Finanzwelt zu gewinnen, sind deshalb zweifelsfrei  leistungsstarke Kooperationen von Vorteil, von denen etwa das deutsche Pendant Smava erst jüngst eine unter Dach und Fach brachte, nämlich mit dem Online-Broker CortalConsors.

http://www.ratenkredit-anbieter.de/news/kooperation-zwischen-cortal-consors-und-smava-unter-dach-und-fach_0072.html

Wie sich die beiden nicht ganz so homogenen Welten der Online-Börse und der Kreditvergabe über ein finanzielles „soziales“ Netzwerk werbetechnisch vertragen und befruchten werden, das bleibt abzuwarten. Dass Social Lending insgesamt in der Finanzwelt an Boden gewinnt und Social Media mehr als nur ein bloßes Accessoire in diesem Entwicklungsprozess darstellt, steht jedoch außer Frage.

Aber Zeit ist Geld, und da ist ohne frisches Kapital für die meisten der mehrere Dutzend Plattformen beim Social Lending weltweit der große Durchbruch in die Gewinnzone nicht zu schaffen.

Oder, wie es britische Marktbeobachter in ihrer lässigen Art des Understatements gerne mal – mit dem Beispiel der einheimischen Variante Zopa – in der Überschrift im Guardian so ausdrücken: „Open Innovation is coming of Age“ – hier kann man nachlesen, was die Formel Eins und die führende britische Plattform von Social Lending verbindet oder trennt:

http://www.guardian.co.uk/technology/2010/apr/14/open-innovation-victor-keegan

The winner of the Open Business award was Zopa, which provides a peer-to-peer lending and borrowing service that has grown strongly during the banking crisis although it is still a small organisation. If, and it is a big if, it can continue to provide a safe alternative to banks even though it doesn’t have a government guarantee (it relies on spreading the risk of loans among dozens of different recipients), then customers will be satisfied and taxpayers could avoid future bailouts.

Quelle: guardian.co.uk

Written by lochmaier

April 20, 2010 at 8:36 am

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Der kritische Bankkunde: Die „Generation Transparenz“ rückt vor auf Los

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Goldman Sachs – das ist ein neuerliches Lehrbeispiel für irreführende Kundenberatung, die zeigt, wie wenig Transparenz in der Branche immer noch herrscht. Das bilanziert die Süddeutsche Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/684/508825/text/

Die US-Börsenaufsicht SEC verklagt die Investmentbank Goldman Sachs wegen Betrugs. Nach der Klageschrift, die am Freitag in Washington veröffentlicht wurde, führte Goldman Anleger in die Irre, die in komplexe Wertpapiere auf der Basis zweitklassiger Hypotheken investiert hatten. Zu den Opfern gehört die IKB.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Das Handelsblatt sieht heute weiteres Ungemach heraufziehen, da Firmenchef Blankfein erneut in Erklärungnot gerate:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/koepfe/goldman-sachs-blankfein-erneut-in-erklaerungsnot;2564124

Um das ganze Unbehagen der privaten aber auch institutionellen Anleger nicht an einem einzelnen Geldinstitut festzumachen, lohnt sich der Blick nach vorne. Das Bankmagazin rekurriert auf eine aktuelle Studie der Marktforscher von YouGovPsychonomics – und kommt zum Schluss: In der Finanzdienstleistungsbranche hält nun die „Generation Transparenz“ Einzug:

http://www.bankmagazin.de/Aktuell/Nachrichten/202/14639/Die-Transparenz-Generation-kommt.html

Die zentralen Botschaften:

Die Transparenz-Generation wünscht demnach nichts sehnlicher als einen gut funktionierenden Multi-Channel- bzw. CRM-Ansatz, der ihr die ganzen Vorteile der neuen Medien bietet. Dennoch bleibt der Wunsch bestehen, sich an einen persönlichen Berater zum Beispiel für höherwertige Beratungen oder Serviceanlässe wenden zu können. Dieser sollte dann nur über die zwischenzeitlichen Kundenaktivitäten an anderen Kontaktpunkten informiert sein.

Als erfolgskritischster Punkt erweist sich der Faktor der tatsächlich erlebten Individualität der Service- und Beratungsleistung. Fällt diese nicht zur Zufriedenheit des Kunden aus, und hat dieser den Eindruck, seine gespeicherten Kundendaten werden nicht ausreichend berücksichtigt und zu seinen Gunsten eingesetzt, sinkt die Transparenzbereitschaft rapide.

Quelle: Bankmagazin/YouGovPsychonomics AG

Was ist dran an der „Generation Transparenz“ – denn wie oben zitiert ist es mit der „erlebten Individualität der Service- und Beratungsleistung“ so eine Sache. Mal ehrlich, wo und wie findet diese überhaupt statt? Denn letztendlich sind Bankartikel Massenprodukte und keine individuellen Dienstleistungen.

Erst ab Beträgen jenseits einer halben Million Euro im Kundendepot beginnt so langsam   
die Individualität, und der Berater wird hellhörig (oftmals natürlich wegen der Provisionen). Beide Segmente, das Retailgeschäft für die breite Masse als auch das Private Wealth Management für die etwas besser Betuchten stehen jedoch durch das Web 2.0 und Social Media unter Beobachtung und somit auf dem Prüfstand.

Die „Generation Transparenz“ umfasst somit nicht nur junge und hippe Gruppen – sie umfasst die ganze Gesellschaft, und nur wer diesem neuen Grundbedürnis jenseits von vordergründigem Marketing öffnet kann profitieren. Weniger schick ist nämlich das gelegentlich anzutreffende informelle Motto: Wir Banker legen alle Karten auf den Tisch, nur nicht die wirklich wichtigen Infos. 

Tatsächlich aber, es ist kaum zu übersehen, der Kunde übernimmt zwar noch nicht die Regie, er greift aber immer mehr ins bis dato wenig durchschaubare Räderwerk der großen Finanzindustrie ein.

Neue Spieler, die mit Offenheit, Kreativität und aktiver Kommunikation auf Augenhöhe sich mit dem Kunden im selben Tauchrevier tummeln, die sehen auch die bunten Fische besser unter der Wasseroberfläche, die bald nach oben schwimmen werden. Hier sei die Präsentation von Finance 2.0 anlässlich der Internetworld empfohlen, zum Thema „Social Media bringt die Bank zum Menschen zurück“ von „Electrouncle“, hier nachzulesen:

http://electrouncle.wordpress.com/2010/04/15/social-media-bringt-die-bank-zuruck-zum-menschen/

Und zum Abschluß noch ein kurzes Lehrvideo für angehende „Transparenz-Manager“ auf dem vielseitig bestückten Banking-Korallenriff, das zeigt, dass sich dort doch viele Spezies tummeln, die man allesamt respektieren sollte, um sie für den eigenen Schwarm zu begeistern:

Written by lochmaier

April 19, 2010 at 9:11 am

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Twitter und das Geld: Hashtoxx etabliert virtuelle Trendbörse – Wie viel ist die re:publica „wert“?

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So viel Geld ist die heute zuende gegangene Blogger-Konferenz re:publica im Netz wert, wenn man der Plattform Hashtoxx folgt, die eine Art virtuelle Börse für Twitter-Trends darstellt:

http://hashstoxx.eu/market/view/stock.php?stock=RP10

Wir lesen, dass die re:publica am Freitag abend gegen 17 Uhr einen „Börsenwert“ von 221.000 Dollar aufweist, der stieg in den letzten Tagen laut Chart auf insgesamt rund 700.000 US-Dollar  

Hier sieht man das ganze Bild, wie Hastoxx die einzelnen Twitter-Schwergewichte an der virtuellen Kurzbild-Infodrehscheibe einschätzt:

http://hashstoxx.eu/market/view/market.php

Gute Idee – oder nur ein kurzfristiger Infohype?

Written by lochmaier

April 16, 2010 at 2:55 pm

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Neues aus der Bunti-Klicki-Welt von Banken

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Man muss zwar nicht alles im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu den Banken gesehen haben, manchmal aber kommt doch der eine oder andere durchaus bedenkenswerte Gedanke für jemand zustande, der wie dieses Weblog, sich das Leitmotiv „Der Kunde übernimmt die Regie“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Und da bietet sich aus der Bunti-Klicki-Welt von Banken, bei dessen Kleingedrucktem meist keiner durchblicken kann und soll, mal die letzte Sendung von Frontal21 an:

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/4/0,1872,8061764,00.html

Denn da konnte man Zeuge werden, was passiert, wenn bei der Kreditvergabe die Bank sich nicht nur rausnimmt, die Zinsen nach Gutsherrenart variabel zu gestalten – natürlich zum eigenen Vorteil. Noch mehr: Es wird auch noch intransparent und teilweise falsch abgerechnet, so dass sich der Kreditnehmer schon mal wundert, dass er erstens nicht von den Schulden runterkommt, und zweitens immer so hübsch-hohe Abbuchungen von seinem Konto hat.

Auf dem Markt der intransparenten Kreditvergabe mischen leider auch die Sparkassen und Volksbanken mit. Aber Abhilfe naht, versprach die ZDF-Doku. Tipp der Redaktion: Kunden hätten durchaus eine Chance gegen die Kreditinstitute mit Hilfe von Sachverständigen und der Verbraucherzentralen vorzugehen. Denn die Sachwalter der Kundeninteressen holten im Schnitt fast 70 Prozent der veruntreuten Zinsen von den Instituten zurück.

Verzockt, verloren, verstaatlicht – Wer nochmal sehen will, wie die HRE im großen Stile versucht hatte, in der großen weiten Finanzwelt mitzumischen, findet hier eine halbstündige Doku beim Ereigniskanal Phoenix, das war dann wirklich wörtlich gemeint, denn wer die Hoffnung hegte, der Staat könne besser mit dem Geld umgehen als die angeblich so verhassten Privatbanken, der dürfte bei dieser Case Study eines Besseren belehrt worden sein:

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/dokumentationen/292930

Das führt direkt zur Frage, warum es gerade in der Bankenwelt keine allzu leichte Unterscheidung in Gut und Böse geben kann. Das von Attac veranstaltete Berliner Bankentribunal versuchte ja so einige Verantwortliche des Milliarden-, oder war es ein Billionen-Desaster, symbolisch vor den Kadi zu bringen. Der Freitag berichtet:

http://www.freitag.de/politik/1014-banken-tribunal-krise-merkel-aufarbeitung

Ein Zitat, das der Freitag im obigen Text rezitiert: „Gier allein ist so wenig strafbar wie Dummheit. Und Risiken gehören zur Grundlage des Bankgeschäfts“, hat vor einiger Zeit der Spiegel geschrieben. 

Nun ja, wer tiefer gräbt, kann im Originalartikel vom Spiegel online nochmals das ganze Zitat im Kontext nachlesen, das zeigt, wie sehr Anspruch und Realität in der rein moralischen Bewertung einer ganzen Branche auseinander klaffen:

Die Materie ist so hochkomplex wie die früher so gern verkauften Finanzprodukte – und zudem juristisch umstritten: Gier allein ist so wenig strafbar wie Dummheit. Und Risiken gehören zur Grundlage des Bankgeschäfts.

Haben die Geldmanager die Grenze zur Kriminalität überschritten? Wann wird aus Risikobereitschaft eine Pflichtverletzung? Haben sie gewusst, was sie anrichten – also vorsätzlich gehandelt? Haben sie bestehende Vorschriften missachtet und Kontrollgremien getäuscht? Das muss nun in jedem Einzelfall geprüft und vor Gericht dann auch noch bewiesen werden.

Quelle:  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68885083.html

Die Haftungsfrage – Eine Sisyphosarbeit, durch die derjenige, der den Stein den Berg hoch rollt, selten etwas gewinnt. Andererseits gewinnt auch nicht immer derjenige Banker, der auf „business as usual“ setzt, wie sich am Beispiel der schweizerischen UBS zeigt, der die Aktionäre kräftig die Leviten lasen, und über die Arbeit der Führungsspitze sich gar nicht erfreut zeigten, berichtet das Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/magazin/presseschau/presseschau-die-rache-der-ubs-aktionaere;2561999

Zitat: Die Bank beklagt sich über anhaltend hohe Kaptitalabflüsse. Mich wundert das nicht: Wenn man die Opfer der Bank anständig behandeln würde, würden sie vielleicht sogar bleiben. Aber das geschieht eben nicht“, kritisiert der Anwalt.

Quelle: Handelsblatt

Aber auch da, wo man es am wenigstens vermutet, ist nicht immer alles in Ordnung, nämlich bei den alten wie neuen „Sozialbanken“. So beklagte sich kein Geringerer als der Friedensnobelpreisträger M. Yunus kürzlich darüber, dass bei den Mikrokrediten auch nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, nachzulesen über die New York Times in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Arm und Abgezockt“:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/424/508568/text/

Merke: Ein Kredit ist per se für den Darlehensnehmer ein eher „asoziales Geschäft“, er hängt an dem Tropf, am Hahn, den andere speisen, hoch- oder abdrehen. Von einer Spekulationsblase der Marke „Social Banking“ seien wir allerdings, so bilanziert die SZ, trotz „Räuberzinsen“, die leider auch unter den Mikrokreditinstitutionen üblich seien, noch entfernt.

Zumindest aber müssen sich alle Hoffnungsträger erst einmal bewähren. Neue Ideen zur virtuellen Geldökonomie gibt es so einige, unter anderen präsentierte auf der diesjährigen re:publica die Plattform Flattr ihr Konzept für Micropayments, mit Videointerview hier auf golem.de nachzulesen und zu -sehen:

http://www.golem.de/1004/74495.html

Flattr befindet sich noch in der Testphase – und auch hier ist es noch ein langer Weg, bis neue Modelle des internetbasierten Austausches von Dienstleistungen anhand von virtuellen Währungseinheiten sich als marktreif und praktikabel erweisen. Eine spannende Entwicklung ist es allemal.

Written by lochmaier

April 16, 2010 at 7:54 am

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Bank 2.0: Social Media Newsdesk als neues Standardtool?

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Wer sich die gerade frisch und neu gestaltet ins Netz gegangenen Seiten der schwedischen SEB Bank ansieht, stellt fest, dass sich doch eine stärkere Integration von „Social Media“ in das Kerngeschäft abzeichnet:

http://newsroom.sebgroup.com/en/

Stellen wir zunächst die Frage: Was ist eigentlich eine Social Media News? Zunächst einmal ist es eine virtuelle Schaltkonsole für unterschiedliche Kanäle und Frequenzen, wie man bei der SEB Bank unschwer erkennen kann. Da gibts Pressemeldungen, Nachrichten und Blogs, alles abgerundet und aufgewertet durch Videos. War’s das schon?

Zweifellos lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie man die unterschiedlichen Kanäle auf einer zentralen Einstiegsseite bündelt. Meist fällt die Unterscheidung zwischen News und Presseinformation für den Leser schwer. Denn beides sind ja Kanäle von der Bank zum Kunden, die sich jedoch deutlich unterscheiden. Ob da für den Kunden „Tag-Wolken“ mit wichtigen Schlagworten, auf die man dann klicken kann, schon die notwendige Übersicht und Orientierung bieten?

Wie also sieht ein stimmiges Gesamtkonzept zum Social Media Newsdesk aus? Das bleibt ein spannendes, freilich von den Finanzinstituten erst noch zu erkundendes Terrain. Aber soviel steht fest, der Kunde sollte eigentlich derjenige sein, der in einigen Schaltflächen auch selbst die Regie übernimmt und sich aktiv mit Fragen und Bedürfnissen einbringen kann.

Und da ist man in den Chefetagen insgesamt doch noch sehr vorsichtig, die kollektive Schwarmintelligenz der privaten Anleger ins eigene Social Media-Beiboot mit herein zu nehmen, so dass im Universum der sozialen Mediennutzung nicht nur die Bank selbst durch die Finanzreviere paddelt. Zweifellos ist der Ansatz der SEB Bank aber einer, der in die richtige Richtung weist.

Ein Artikel in der Internetworld aus dem letzten Jahr zeigte bereits auf, dass eine Bank durch produktiven und konstruktiven Dialog mit ihren Kunden eigentlich nur eines kann, nämlich an Farbe und Glaubwürdigkeit gewinnen:

http://www.internetworld.de/Nachrichten/Trends/Banken-ignorieren-Social-Media-Trend

Immerhin – sowohl auf der diesjährigen re:publica in Berlin, als auch auf der Internetworld in München waren und sind diese Woche die neuen Protagonisten auf den Podien vertreten, und man darf gespannt sein, wie die Neuerungen allmählich die Mitte der Bankenwelt erreichen.

Mein Eindruck – als ich mir die Vorträge von Peter Kruse und Jeff Jarvis gestern anhörte, war der: Zweifellos wird Social Media unsere Wirtschaft und Gesellschaft prägen – und die Welt der Banken erreichen und verändern. Natürlich wird eine Bank aufgrund des komplexen aufsichtsrechtlichen Umfelds eine sehr individuelle Vorgehensweise entwickeln.

Der spannende Live-Stream des Vortrags einschließlich der präsentierten Folien (einschließlich einige neuer Forschungsergebnisse) von Peter Kruse auf der gestrigen re:publica sei jedem hier noch einmal wärmstens ans Herz gelegt. Dafür gab es großen Beifall und reges Interesse jenseits von Schwarz-Malerei, die derzeit gerade in unzähligen Talk-Shows dominiert, wenn es um eine letztlich fruchtlose Wertediskussion mit Blick auf die Nutzung des Internets geht:

http://re-publica.de/10/2010/04/15/peter-kruse-ist-die-nutzung-des-internets-eine-glaubensfrage/

Written by lochmaier

April 15, 2010 at 8:12 am

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Staat, Kirche und Geld: Wie sich die „Scheinmoral“ produktiv bewältigen lässt

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Es scheint eine gute Nachricht zu sein, die Menschen vertrauten den Banken wider, insbesondere den Deutschen, behauptet zumindest das Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/finanzen/anleihen/bilanzen-investoren-trauen-banken-wieder-ueber-den-weg;2560349 

Das klingt gut – stimmt es wirklich? Immerhin kommt der Strom meist aus der Steckdose, woher aber sprudeln die Gewinne bei Banken? Dieser Frage versucht sich Lucas Zeise im Zeit online Blog anzunähern:

http://blog.zeit.de/herdentrieb/2010/04/08/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678

Und woher die Gewinne bei den Banken herrühren, und wie hoch sie in den letzten Dekaden geklettert sind, das lässt sich anhand dieses Zitats aus dem Weblog unschwer erkennen:

Die anhaltend hohen Gewinne im Finanzsektor stellt Dieter anhand einer Graphik dar, wonach der Anteil des Finanzsektors an den gesamten Unternehmensgewinnen in den USA seit Ende des 2. Weltkriegs von etwa 10 Prozent trendmäßig gestiegen ist und 2002 einen Wert von 40 Prozent erreicht hat. Im ersten Halbjahr 2009 waren es immer noch 28 Prozent. Dieter zitiert für Deutschland das Statistische Bundesamt, wonach die Gewinne der Kreditinstitute 2008 nicht weniger als 18,5 Prozent der Gewinne aller Kapitalgesellschaften ausgemacht haben.

Quelle: Zeit Blog

Aus dem Gesagten leitet Lucas Zeise nun eine durchaus spannende Frage ab:

Wie kommt es, dass die Gewinne im Finanzsektor hoch bleiben, obwohl das Angebot an Kredit und Finanzdienstleistungen durchaus reichlich vorhanden ist, es also durchaus Konkurrenz gibt?

Und die Antwort lässt nicht lange auf sich warten:

… an den entscheidenden Stellen verfügt die Hochfinanz über den Hebel, um die ökonomische Regulierung durch den Staat zu ihren Gunsten ablaufen zu lassen.

Noch einmal ein Zitat von Lucas Zeise:

Ein höherer Verschuldungsgrad der Volkswirtschaft führt dazu, dass ein höherer Anteil der Profite in Richtung Banken, oder generell in Richtung Finanzsektor fließt. 

Quelle: Zeit Blog

Nun, über Geld spricht man eigentlich nicht so gerne, und zwar überall dort, wo es im Überfluss verdient wird. Dass auch die Kirche die einen oder anderen Sünder in den eigenen Reihen fürstlich unterhält, ist seit langem ein offenes Geheimnis.

Es ist halt im Angesicht der unzähligen Missbrauchsskandale nicht angesagt, einen eigenen Rechtsstaat unter dem Deckmantel der sündigen Verschwiegenheit zu unterhalten, aber am Ende nichts konkret an den Verhältnissen zu ändern.

Ganz einfach ist auch nicht das Verhältnis zwischen Rendite und höherer Moral. Denn eine gute Absicht verkehrt sich durch schlechte Auführung in ihr Gegenteil. Mehr noch: Wer die Welt ausschließlich nach moralischen Gutmenschen-Kategorien in Gut und Böse einsortiert, weiß am Ende selbst nicht mehr, wo es wirklich lang geht.

Dass die Finanzwirtschaft und die Kirche jedoch nach der Finanzkrise gemeinsam ihre heilenden Kräfte entfalten können, darüber berichtet die FTD in einem ganz aufschlussreichen Kommentar:

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:kolumne-tobias-bayer-nonnen-gegen-die-wall-street/50096968.html

Da steht beispielsweise zu lesen:

Nonnen und Derivate? Kirche und Finanzkrise? Das passt eigentlich nicht zusammen. Wenn sich der Klerus überhaupt äußert, dann meistens mit Phrasen wie „Der Markt muss dem Menschen dienen“. Spekulation wird stets gegeißelt.

Hier bilanziert der Autor eine Vorschläge der Schwestern an die Citibank und weitere Banken zur Stärkung der eigenen Transparenz auf den volatilen Märkten:

Mögen die Banken die Forderung der Nonnen auch besserwisserisch ablehnen, so treffen die Sisters einen wunden Punkt des gesamten Finanzsystems. Hedge-Fonds und andere Investoren hinterlegen bei den Banken Wertpapiere als Sicherheiten („Collateral“), beispielsweise für Derivatewetten. Vor der Krise war es üblich, dass die Geldhäuser die Papiere für die eigene Refinanzierung weiterverliehen. Das ging so lange gut, bis Lehman Brothers zusammenbrach. Da das britische Insolvenzrecht keinen Schutz für solche Sicherheiten vorsieht, kamen zahlreiche Hedge-Fonds lange Zeit nicht an ihr Kapital. Daher waren sie gezwungen, Positionen zu schließen, was den Abwärtssog an den Märkten verstärkte.

… Und etwas weiter unten im Kommentar der FTD wird das delikate Bank- und Beichtgeheimnis endgültig entblättert:

Zu begrüßen ist es allemal, dass sich kirchliche Stimmen mit konkreten Vorschlägen zu Wort melden. Es schadet nichts, wenn sich Geistliche mit den Mechanismen des Derivatehandels auseinandersetzen. Das verleiht ihnen Praxisnähe und Gehör. Allgemeine Botschaften an die Nächstenliebe verhallen meist im gleichgültigen Konsenskanon. In der Enzyklika des Papstes finden sich viele Gedanken, denen jeder zustimmen kann, ohne irgendetwas an seinem Verhalten ändern zu müssen.

Quelle: FTD

Wir halten jenseits von Buße und Beichte mal die Fakten fest: Nonnen machen konkrete Verbesserungsvorschläge für die Wall Street und die komplizierten Finanzprodukte, das ist eigentlich gar keine so schlechte Idee, vor allem wenn sie nicht vom hohen moralischen Ross herab erfolgt, sondern tatsächlich auf der Auseinandersetzung mit Fakten und Börsentrends basiert.

Da muss man oder frau sich schon intensiv mit dem Kleingedruckten wie CDS und andere Derivate beschäftigt haben, um durchzublicken. Warum eigentlich nicht, denn wer mitreden will, sollte sich jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei tatsächlich mit dem einen oder anderen Thema genauer, wer die Instrumente zu welchem Zweck und welcher Nutzung wie erfunden hat und nutzt.

So lässt sich beispielsweise im eingangs zitierten Artikel vom Handelsblatt folgender Zusammenhang nachlesen:

CDS (Credit Default Swaps) sind Kreditausfallversicherungen: Investoren schützen sich gegen den Ausfall des Schuldners und zahlen dem Versicherer eine in Basispunkten ausgedrückte Prämie. Ein Spread von 100 Basispunkten bedeutet, dass der Investor jedes Jahr der Laufzeit ein Prozent des zu versichernden Betrags zahlt. 

Was das mit Blick auf Griechenland bedeutet, wird sodann auch gleich erklärt:

Die Spreads auf den Kreditderivate-Märkten haben sich am Montag durch den konkretisierten Notfallplan für Griechenland eingeengt. Der iTraxx-Senior-Financials-Index, der die Risikoprämie von 25 europäischen Finanzinstituten misst, lag am Nachmittag bei 77 Basispunkten und damit nur leicht über dem Jahresanfang – obwohl die Werte aufgrund der Laufzeitverlängerung des am 22. März neu aufgelegten Indexes nur eingeschränkt vergleichbar sind. Bei einigen Schuldnern hatte die Unsicherheit um die Staatsfinanzen Griechenlands in den vergangenen Wochen jedoch zu einer so deutlichen Ausweitung der Spreads geführt, dass diese nach einem Höhepunkt Mitte Februar nicht wieder auf ihr Ausgangsniveau im Januar gesunken sind.

Quelle: Handelsblatt

Zweifellos: Die Expertise aller Gesellschaftsmitglieder ist  gefragt. Auch „die Presse“ berichtet, wie Nonnen jetzt plötzlich an die Finanzfront vorrücken:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/556561/index.do?from=simarchiv

Das Interfaith Center on Corporate Responsibility will der überall grassierenden „Scheinmoral“ (vermutlich auch in den eigenen Reihen) den Kampf ansagen, um die Gesellschaft wieder auf den rechten Pfad des soliden Wirtschaftens zurück zu führen:

http://www.iccr.org/

Nun ja, wir bilanzieren zumindest, dass sich derzeit an einigen Fronten so manches bewegt. Und das ist schon mal eine gute Nachricht, wenn es nicht nur bei vagen Absichtserklärungen bleibt, für die ja nicht nur die Banken im Sinne von vagen Selbstverpflichtungen zur „freiwilligen Eigenkontrolle“ bekannt sind. Der Arm des Gesetzgebers ist nur kurz.

Zahlreiche andere, nach korporativen, das heißt nach innen verschlossenen Mechanismen aufgestellte Gruppierungen, sie könnten ebenfalls den Mantel des Schweigens lüften,der freilich das Aufheben eines jedweden Beichtgeheimnisses erforderte, um tatsächlich als Außenstehender einen Blick hinter einige nicht immer so erlauchte Kulissen werfen zu dürfen.

Written by lochmaier

April 13, 2010 at 8:36 am

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Noa Bank: Gründer Francois Jozic bezieht Stellung zur Medienkampagne gegen Newcomer – Blogosphäre differenziert statt nur einseitig wie die Leitmedien zu polarisieren

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In der Blogosphäre wird ziemlich deutlich, dass viele Beobachter vom Ausmaß einer Medienkampagne gegen eine kleine Bank wie den Newcomer Noa Bank doch sehr überrascht waren, siehe meine ausführlichen vorherigen Analysen.

https://lochmaier.wordpress.com/2010/04/09/noa-bank-diskussion-um-un-serioses-geschaftsmodell-halt-an-deutsches-factoring-portal-kritisiert-spiegel-online-wegen-irrefuhrender-recherche/

https://lochmaier.wordpress.com/2010/04/09/noa-bank-bashing-kampagne-gewinnt-an-fahrt-warum-ein-wirtschaftsjournalist-und-bankwatcher-nicht-mit-dem-wdr-kooperiert/

https://lochmaier.wordpress.com/2010/04/08/noa-bank-wie-verdient-das-finanzinstitut-eigentlich-sein-geld/

Und hier der Link vom Beitrag zum Ursprung der nun sicherlich anhaltenden Medienkontroverse, dem Artikel in Spiegel online vom vergangenen Donnerstag – unter der Überschrift „Noa in der Kritik: Ethik-Bank mit dubiosen Gründern”:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/04/08/noa-bank-spiegel-online-setzt-zum-angriff-an/

Von Seiten dieses Weblogs Social Bankings 2.0 vorerst nur soviel: Ich werde in den nächsten Tagen mit einer ausführlichen Analyse nochmals die Mechanismen in der heutigen Medienwelt am Beispiel der Noa Bank genauer darstellen.

Alle Beteiligten können und sollen etwas lernen, vor allem die so genannten Leitmedien, die diesem Titel mit dieser Geschichte sicherlich keine Ehre machen, aber auch die Blogosphäre der Wirtschaftsblogger kann einen kreativen Schub und Lerneffekt erhalten. Mein berufliches Selbstverständnis sowohl als Blogger als auch als Journalist, ist jedenfalls ein ganz anderes, als das was sich derzeit im Mainstream der öffentlichen Wahrnehmung zeigt.

Zunächst aber soll erst einmal vorab der Betroffene selbst die Chance haben, gegen die von Spiegel online doch recht massiv geäußerten Behauptungen, bei dem Newcomer Noa Bank handle es sich um unseriöse Gründer und damit ein unseriöses Unternehmen, ausführlicher Stellung zu nehmen.

Hier also ein persönliches Statement von Francois Jozic:   

For me the Spiegel story is no big surprise, I know since the beginning that if noa bank would get any kind of success, the competition or the establishment would try to „kill“ the success story.http://www.anderebank.de/blog/artikel/warum-habe-ich-die-noa-bank-gegruendet/

Already at the end of my very first blog entry in November I said:

„Heute weiß ich, dass der Weg hin zu dieser Vision lang und voller Tücken sein wird (die mächtigen Lobbies unserer Wettbewerber erwarten uns schon). Aber das ist der Weg, den ich eingeschlagen habe, und die Menschen, die mich begleiten, die diesen Enthusiasmus mit mir teilen, werden von Tag zu Tag mehr.“

I am however a bit suprised and disappointed that FTD and SZ have taken all arguments from G. Heismann without checking the facts behind.

Moreover those arguments are ridiculous: the statements of Mr Von Stechow are just incorrect and have never been confirmed, the Bafin story makes just no sense (by the way, Bafin supervises all banks in Germany very carefully – this is their mission), the statement from Mr Heismann about the Deutsche Factoring Portal is just a joke, the legal case mentioned about Quorum is actually a case where Quorum sues the client and not the opposite, etc, etc.

I have many other interview requests for the next days which demonstrate that a lot of journalists are willing to hear all arguments before writing. This is a very good sign.

What is extremely interesting according to me is to see how social media and blogs work now as a real counter-power to the classical media. Most of the people have read my blog entries and other blogs beside the Spiegel article to make their own opinion.

Noa is really showing also new ways in terms of communication and relationship to the media. I hope it will inspire a lot of other companies, not only in the banking sector. This is also a real innovation.

Now concretely the main acceptable criticism to noa bank is to say that we have not yet granted enough credits compare to our level of deposits. So the focus of the bank is definitely to increase our credit activities in all the 4 themes and stop the collection of deposits wherever we believe we have too much money. We have already set our Tagesgeld Planet „ausverkauft“. We could do it for other themes in the coming weeks also.

The only reaction for me and the noa people is to develop twice the efforts to execute our vision and strategy:

– lending to the real economy: small and medium sized companies but also to larger companies
– being even more pro-active in all our 4 themes
– increase again our level of transparency
– communicate as much as we can regarding the activities of the bank.

I must say that beside some negative comments, a lot of people have been very supportive to noa bank. The large majority of the people understands that it takes time to build bank, even more a new type of bank.

This is very encouraging !

Quelle: Social Banking 2.0

Update am 14.04.2010:

Nachdem oben der betroffene Gründer der Noa Bank zu dem im Beitrag von Spiegel online erhobenen Vorwürfen auf diesem Weblog Stellung nahm, meldet sich am 14. April der Autor Günter Heismann schriftlich bei mir – und fordert seinerseits eine Richtigstellung auf diesem Weblog Social Banking 2.0. Hier der Wortlaut: 

Die Statements, die Sie unter dem Namen von Herrn Francois Jozic veröffentlichen, enthalten folgende eindeutig falsche, ehrverletzende Tatsachen-Behauptungen:

1. Herr Jozic wird zitiert mit der Aussage:

„the statements of Mr Von Stechow are just incorrect and have never been confirmed“.

Die Aussagen und Zitate von Herrn Prof. Dr. Friedrich-Leopold von Stechow, Geschäftsführer der Noa Bank GmbH & Co. KG, sind absolut korrekt. Sie wurden mir von ihm zweimal in Gesprächen am 6. und am 9. April 2010 bestätigt.

2. Herr Jozic wird weiter zitiert mit der Aussage:

„the Bafin story makes just no sense“

Die „Story“ macht sehr wohl Sinn. Wie ich in insgesamt drei Gesprächen mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungssaufsicht (Bafin) im Lauf des März und April 2010 erfahren habe, wird die Noa Bank in der Tat „sehr genau“ beobachtet.

3. Herr Jociz wird zitiert mit der Aussage:

„The statement from Mr Heismann about the Deutsche Factoring Portal is just a joke“

Auf der Website „Deutsches Factoring Forum“, die Teil des Angebots des „Deutschen Factoring Portals“ ist und den gleichen Betreiber und Domain-Inhaber hat, wurden in den vergangenen Jahren von verschiedenen Bloggern die Geschäftspraktiken der Quorum AG heftig kritisiert. Nach der Veröffentlichung des Artikels auf „Spiegel Online“ wurde dieses Forum plötzlich gesperrt.

4. Ferner behauptet Herr Jozic:

„The legal case mentioned about Quorum is actually a case where Quorum sues the client and not the opposite“

Dieses zivlrechtliche Verfahren vor dem Landgericht Düsseldorf steht in engem Zusammenhang mit einem anhängigen Strafverfahren vor dem LG Düsseldorf, dass auf eine Anzeige der beklagten Firma zurück geht. Zu den Beschuldigten in diesem Strafverfahren gehört Herr Francois Jozic. Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Düsseldorf lautet der Vorwurf auf Untreue (Aktenzeichen 30j S 9551/09).

Hamburg, 14. April 2010

Günter Heismann

Written by lochmaier

April 11, 2010 at 8:17 pm

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Noa Bank: Diskussion um (un-)seriöses Geschäftsmodell hält an – Deutsches Factoring-Portal kritisiert Spiegel online wegen irreführender Recherche

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Da gerade vieles zur Noa Bank passiert, halte ich die Leser in höherer Taktfrequenz als üblich auf dem Laufenden. Ein wirklich bemerkenswerter Eintrag ging soeben auf dem Deutschen Factoring-Portal online.

Darin wehrt sich der Betreiber ESB auf seiner Homepage, in der sich diverse Anbieter von entsprechenden Dienstleistungen gruppiert haben, gegen entsprechende Einlassungen, durch die der Autor des Spiegels-Artikels das Internetportal ohne dessen Rückendeckung unfreiwillig quasi als Kronzeuge gegen die Noa Bank in Stellung gebracht hatte.

Hier ist der Eintrag nachzulesen:

http://www.deutsches-factoring-portal.de/factoring-blog/richtigstellung-und-korrektur-eines-artikels-bei-spiegel-online-de-95

Einige Auszüge:

Falls Sie hier, wie bei Spiegel-Online behauptet, Informationen über die Noa Bank oder Quorum AG suchen, so müssen wir Sie leider enttäuschen. Die Behauptungen des Artikels bei Spiegel-Online oder anderen Blogs und Informationen, der sich auf das Deutsche Factoring-Portal bezieht wurde von dem jeweiligen Autor definitv falsch recherchiert. Es wurde auf dem Deutschen Factoring-Portal NOCH NIE etwas, und schon gar nicht negatives, über die Noa Bank oder die Quorum AG behauptet und diskutiert. Dies wird auch in Zukunft so bleiben. 

Und weiter unten kritisiert das Deutsche Factoring Portal ganz offen den Urheber des Beitrags auf Spiegel online in deutlichen Worten:

Es ist schade, dass man diese Richtigstellung überhaupt schreiben muss. Anscheinend wird bei Jounalisten einfach mal etwas behauptet ohne darüber nachzudenken was man überhaupt schreibt und welche Folgen dies haben kann. So geschehen in dem veröffentlichten Artikel auf Spiegel-Online. In dem Artikel werden einfach diverse Behauptungen aufgestellt ohne jeglichen direkten Nachweis.

Quelle: Deutsches Factoring-Portal

Ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Qualität sogenannter deutscher Leitmedien. Auch auf dem Business-Netzwerk Xing diskutieren die Insider aus der Bankenszene seit dem Artikel auf Spiegel online intensiv – und recht kontrovers über die Noa Bank:

https://www.xing.com/app/forum/seoparser/bankkunden/fragen-antworten-164174/noabank-26486714/29295651/

Nicht jeder lässt sich indes von der Hysterie der Leitmedien anstecken, die sich die Noa Bank als Steilvorlage und Opfer fürs Banken-Bashing (Motto mit garantiertem Preisgeld für alle Basher: Auch die neuen Banken sind alle unseriös) zur Brust genommen haben:

http://suttnerblog.blogspot.com/2010/04/spiegel-online-uber-die-noa-bank-ein_5694.html

Hier immerhin das Zitat eines Kunden der Noa Bank, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen möchte:

Von den rund 75 Millionen Euro im Bereich „Planet“, wo auch mein Tagesgeld liegt, wurden bislang nur etwas über 200.000 Euro investiert. Wen wundert es: Kredite vergeben sich nicht von selbst. Besonders, wenn man sich die Kreditnehmer nach ethischen Kriterien aussucht. Und sollten Teile der Einlagen an Kunden der noa factoring AG (ehemals Quorum AG) fließen, stört mich das nicht, solange sie zum Konzept der Noa Bank passen und öffentlich gemacht werden.

Schade, dass der Spiegel solch reißerischen Journalismus nötig hat. Ich bin jedenfalls froh, dass mein Tagesgeld sich nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt vermehrt. Vielleicht ziehe ich bald auch mit meinem Gehaltskonto zu einer ethischen Bank.

Quelle: Suttnerblog.de

— An dieser Stelle habe ich einen früher veröffentlichten Beitrag auf Wunsch des Absenders wieder entfernt —

 

Wir bilanzieren das Spekulierte, das über das Gesagte plötzlich zur Wahrheit wird. Nun ja, wie sagt schon ein altes deutsches Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für den (in voraus eilenden Gehorsam eintreffenden) Spott nicht mehr zu sorgen. Denn die Fakten, die der Spiegel online aufgeworfen hat, sind ja noch nicht bewiesen, so dass man das Eins-zu-Eins übernehmen kann.

An unzähligen Beiträgen jenseits der Schuldfrage sieht man, unabhängig vom im Raum stehenden Vorwurf, dass die Mechanismen der Medienindustrie recht gut ineinander greifen. Der zweite zitiert den ersten, und der dritte hängt sich ganz bequem hinten dran. Eigenständiges Denken und Handeln ist Fehlanzeige.

Um Licht in das seltsame Paarungsverhalten der spekulativen Medienindustrie zu geben, die keinen Deut besser agiert als die Banken zur Hochzeit der Finanzkrise, zitiere ich mal aus Schumpeter:

Jedes abweichende Verhalten eines Gliedes der sozialen Gemeinschaft begegnet der Missbilligung der übrigen Glieder. Wenn man sich anders kleidet als die übrigen Individuen derselben Gesellschaft oder desselben Gesellschaftskreises, wenn man in Benehmen und Lebensgewohnheiten von ihnen absticht, so reagieren sie dagegen…. Der einzelne, besonders in unserem kulturellen Milieu und hier wiederum in den „freien“ Berufen, wird sich von ihm losmachen können. Die Mehrzahl der Wirtschaftssubjekte kann ihn nicht ignorieren.  

Quelle: Joseph Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Nachdruck der 1. Auflage von 1912, 2006, Duncker & Humblot, Berlin, Seite118f.

Zu den unfreien Wirtschaftssubjekten gehören die Leitmedien definitiv. Spätestens wenn der dritte Leitstern nach Spiegel, Süddeutscher Zeitung und FTD negative Gerüchte gegen die Noa Bank übernommen hat, sind diese zur allgemein gültigen und rechtlich verbindlichen Faktenlage hoch stilisiert worden. Der Bürger oder zumindest die breite unkritische Masse folgt ihnen fast blind. Es muss ja stimmen.

Eine Prüfung, wer was gesagt hat, und ob das als Gerücht in den Raum gestellte tatsächlich „stimmen“ kann, findet dann nicht mehr statt. Der Beschuldigte wird von der medialen Flut einfach überrollt. Und genau diese virtuelle Schere greift nun auch bei den Redakteuren im Kopf aufgrund der Steilvorlagen. Man braucht nur noch zu folgen. Wer will da noch prüfen – am Ende heißt es, wenn die Noa Bank dann abgewickelt werden sollte, wir haben es schon immer gewusst, das konnte nicht gut gehen, das war nicht seriös.

Eine Chance, dies wirklich unter Beweis zu stellen, wäre somit vernichtet. Dabei haben viele vermeintliche Medienwächter zuerst das Luxusgrab mit ausgehoben, in dem sie ihr Opfer später zum eigenen Vorteil beerdigen. Schade, es wäre besser, die Noa Bank, sie müsste beweisen, ob sie tatsächlich ihre eigenen Vorgaben wird einhalten können.

Was wird nun passieren, wo die Reihen der Gegner und Befürworter noch enger wie in einer Art virtuellem Glaubenskrieg die Köpfe zum gemeinsamen Schwur zusammen stecken?

Die giftigen Wogen der öffentlichen Wahrnehmung tanzen wie auf dem weiten Ozean auf und ab. Annette Rehm vom Internetportal Geldmagazin.de bringt die Ungereimtheiten in alle Richtungen auf dem Xing-Forum so auf den Punkt:

Ich habe mir auch die Infos auf dem noabank-Blog durchgelesen, und da sieht es so aus, als hätte der Spiegel online-Journalist bewußt nur in eine Richtung recherchiert. Vorsichtig bei Bankenneugründungen sollte man trotzdem immer sein, aber auch das Thema „Einlagensicherung“ so negativ darzustellen, wie es der Spiegel-Autor tut (und dabei verschweigt, dass es genug andere, alteingesessene deutsche Banken gibt, die ebenfalls keinem Einlagensicherungsfonds angehören, z.B. SWK-Bank) …. das hat für mich schon ein Geschmäckle ….

… Andere aus der Blogsophäre spekulieren wiederum, ob die Kundenbetreuung direkt von Spanien aus (übrigens der nicht per se verwerfliche private Wohnsitz des Gründers) fast nur über eine einzelne Kundenbetreuering erfolgt – nun ja, auch andere Banken unterhalten Call-Center im Ausland:

http://www.optimal-banking.net/2010/noa-bank-agnes-pustul/

Erlaubt ist derzeit fast alles, der Bashing-Kandidat Noa Bank ist jetzt entblößt zum finalen Abschuss frei gegeben. Jeder Sportschütze(in), ob mit oder ohne Schein, darf ran. Man weiß nicht, ob man weinen oder nur gequält lachen soll.

Written by lochmaier

April 9, 2010 at 11:52 am

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Noa Bank: Bashing-Kampagne gewinnt an Fahrt – Warum ein Wirtschaftsjournalist und Bankwatcher nicht mit dem WDR kooperiert

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Nach dem gestrigen Spiegel-Artikel gegen die Noa Bank ist nun die FTD auf den opportunistischen Zug aufgesprungen, und reiht sich in die Riege der ziemlich plumpen Bankenbasher und Kampagnenmacher ein, mit der Überschrift „Gebrochene Versprechen“:  

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:gebrochene-versprechen-noa-bank-holt-der-alltag-ein/50098372.html

Es ist schon interessant, wie schnell die wirtschaftlichen Leitmedien ihre Linie um 180 Grad drehen. Was interessiert schon der Artikel von gestern, da wollte ich noch nicht recherchieren, sondern die neue Bank hochjubeln, so etwa hier am 18.12.2009 auf der FTD unter der Überschrift „noch ein sauberes Kreditinstitut“:

http://www.noabank.de/presse/artikel/titel/18-noch-ein-sauberes-kreditinstitut

Schon damals habe ich mich darüber gewundert, dass kein einziger Journalist sich die Mühe machte, sich über die durchaus schillernde Vorgeschichte der Bank zu informieren. Man hätte sich ja auch in die Niederungen der Blogosphäre begeben müssen, die man sich aber aufgrund des eigenen Einflussverlusts immer noch scheut, hin und wieder mal zu zitieren. Ist ja auch nur niederer Bürgerjournalismus.

Bei mir auf Social Banking 2.0 wäre man ohne großen Aufwand fündig geworden, denn im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Leitmedien habe ich deutlich tiefer gegraben, um ein differenziertes Bild des Chancen- und Risikoprofils anzufertigen, das sich gerade mit der Noa Bank verbindet.  

Aber so läuft das Mediengeschäft gar nicht. Das Strickmuster ist viel einfacher: Zuerst hochjubeln, dann vernichten – und damit zweimal Auflage und Kasse machen. There is no better Show Business than Media Business! 

Wer sich die Presseschau auf der Homepage der Noa Bank ansieht, wird sehen, dass sich unzählige am Hochjubeln beteiligt haben. Jetzt wechseln die damaligen Opernsänger sprunghaft die Seite, so wie mancher Vorzeigesozialist sich nach der deutsch-deutschen Einheitswende rasch umgewandete, so dass mancher Partner in unmittelbarer Schlagdistanz erschrecken musste, wen er da eigentlich geheiratet hatte. Bin ich nun mit Mr. Hyde oder Dr. Jekyll liiert?

Noch vor wenigen Wochen hatte man – ich betone „nur“ – Interesse an tollen Hochglanzstories. Es wäre besser gewesen, schon zu diesem Zeitpunkt etwas intensiver zu recherchieren und den gestrigen Spiegel-Artikel nicht nur nachzubeten. Denn auch die FTD bringt nichts wirklich Belastendes gegen die Noa Bank hervor.

Was bleibt, ist viel verbrannte Erde.

Es gibt aber auch ein kritisches Medienecho zur Bashing-Kampagne gegen die Noa Bank, die beispielsweise der Blicklog hier aufgreift. Das Fazit: 

Unfreiwillig liefert die noa bank aber einen starken Grund dafür, warum es für Banken besser ist, weiter intransparent zu bleiben. Wenn man viel informiert, dann liefert man auch mehr Angriffsfläche. Wenn man schweigt, dann kann höchstens das Schweigen kritisiert werden. Aber Schweigen ist in Deutschland ja bekanntlich Gold wert.

Quelle: Blicklog

Wer meine letzten Beiträge gelesen hat, der sieht, dass die Bankenwelt, etwa zwischen einer Noa und einer Deutschen Bank – tatsächlich mit etwas verschrobenen Maßstäben von den Medien gemessen wird. 

Ich gebe nun ungeachtet der zur Zeit grassierenden allgemeinen medialen Auflagentreiberei statt sachdienlicher Aufklärung – jenseits von reiner Schwarz-Weiß-Malerei – zur Noa Bank einige weitere Einblicke in den meines Erachtens fragwürdigen Recherchestil der Leitmedien, und möchte meine Kollegen zu einem verantwortlichen Umgang mit den eigenen Ergebnissen anregen. 

Einige Inneneinsichten: Ich berichtete bereits in einem früheren Weblog-Eintrag darüber, dass mich der Westdeutsche Rundfunk (WDR) vor einigen Wochen informell um eine Art „Amtshilfe“ ersuchte, weil er eine Geschichte zum vorgeblich unseriösen Geschäftsgebahren der Noa Bank erstellen wollte.

Dazu suchte der Sender nach einer Art „Kronzeuge“, der sich vor der Kamera negativ zur Bank äußern sollte. Dies sollte eigentlich bereits anlässlich einer Podiumsdiskussion zur Computermesse Cebit in einer Art Überraschungscoup geschehen, bei der man den Gründer Francois Jozic überraschend vor der Kamera mit einigen Fakten konfrontieren wollte. Ich hätte dann das negative Bild als Experte abrunden sollen und dürfen, der die Arbeit der Bank kritisch beleuchtet, durch meine Aussage in einem weiteren „belastenden Statement“. 

Ich kam also unter Druck, wer wollte mich jetzt schon wieder für seine Zwecke vereinnahmen? Ich lehnte dieses denkbare Ansinnen, mutmaßlich für eine wirtschaftliche Magazinsendung zur Primetime zu kooperieren, schriftlich ab – obwohl auch ich in meinem Weblog kritisch über die Vorgeschichte der Noa Bank berichtete hatte, was mich einige Zeit kostete, hier immer wieder die Details zusammen zu tragen. 

Für die goldene Mitte interessiert sich in der marktschreierischen Medienwelt kaum ein Mensch. Oder man unterstellt dies zumindest, um ungestört Auflage zu machen. Entweder man schreibt eine Bank in den Glückshimmel, um sie hernach völlig ungeniert wieder wie eine Laus am Boden zu zertreten.

Um es aber ganz deutlich zu sagen: Ich konnte im Gegensatz zum WDR keine konkreten Hinweise erkennen, um die neue Bank wegen unseriöser Methoden pauschal in Grund und Boden zu verdammen. 

Als Wirtschaftsjournalist und „Bankwatcher“ sah ich nämlich auch, dass es viele Neider gab, die nur ein alzu verständlich-großes Interesse daran hatten, der Noa Bank zu schaden, denn sie war erfolgreich gestartet. So gab es sogar hochrangige Banker (auch aus dem Genossenschaftsmilieu), die dem Gründer allerlei Absurdes vorwarfen, etwa er gehöre der Scientology-Sekte an.

Ich hatte es nur zu oft erlebt, wie gerade im hoch regulierten Bankenmilieu die Konkurrenz aus dem Weg geräumt werden kann. Hetze die Regulierungsbehörden auf deinen Feind, sorge dafür, dass er sich nicht mehr um sein Kerngeschäft kümmern kann, sondern teure Rechtsanwälte alimentieren muss, und du hast die Kuh vom Eis und hast selber mehr Futter auf der Wiese.   

Auch die privaten Banken hatten natürlich kein großes Interesse, die Noa Bank beispielsweise in den Einlagensicherungsfonds aufzunehmen. Wer erfolgreich ist, der hat gerade in Deutschland keine Freunde, weil Gewinnstreben im Gegensatz zu den liberaleren Ökonomien per se verdächtig ist.

Ich finde, dass die hohen Privilegien und Versorgungsdienstleistungen, die beispielsweise der deutsche Beamtenstatus mit sich bringt, der Marktwirtschaft auch angesichts des demographischen Wandel viel mehr schaden, als ein kreativer aber natürlich „geschäftemacherischer“ weil geschäftstüchtiger Unternehmer, der unzählige Risiken tragen muss, und den fragenden Mitarbeitern dabei in die Augen sehen muss, wenn etwas nicht so gut läuft.

Sie sehen liebe Leser: Es gibt mehrere Wahrheiten, nicht nur eine. Es ist gut, sich nicht vereinnahmen zu lassen, weder von einer Bank, einer anderen Interessengruppe, noch von einem Medienhaus. Deshalb führe ich nun der Vollständigkeit halber, damit die Leser von Social Banking 2.0 sehen, dass man die Thematik von vielen Seiten betrachten sollte, hier mein Schreiben per mail vom 01.03.2010 an einen Redakteur des WDR noch einmal wörtlich auf:

Was Ihre Recherche zur Noa Bank angeht, so hatte ich Ihnen ja mitgeteilt, dass man den Bogen thematisch weiter ziehen sollte, nicht um abzulenken, sondern jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei eine Standortbestimmung der Branche vorzunehmen. Ich selbst werde den Weg der Noa Bank weiterhin kritisch verfolgen und kommentieren, aber ohne jegliche Vorab-Verurteilung, für die mir im Moment jedenfalls keine klaren Indizien vorliegen.

Ich hatte Ihnen ja bereits angeboten, auf Social Banking 2.0 Ihre Sicht der Dinge einmal darzulegen. Mein Weblog ist das Forum, in dem ich die relevanten Trends recherchiere und kommentiere. Spannend wäre eine ambitionierte Reportage, die sich sachlich und fundiert mit den Zukunftsperspektiven der Banken und Finanzindustrie auseinander setzt. Sollte der WDR sich also entscheiden, hier etwas Weitergehendes auf die Beine zu stellen, so können Sie mich gerne kontaktieren.

Mit freundlichen Grüssen

Lothar Lochmaier

In meinem früheren Weblog-Eintrag hatte ich mit Blick auf den WDR bereits folgendes kommentiert:

Ich hatte selbst in jüngster Zeit eine schwierige Gratwanderung zu bewältigen, einerseits kritisch über die Vorgeschichte der Noa Bank zu berichten, worüber ich in zahlreichen Blogeinträgen berichtet habe. Ich bin nicht blind, auch mich haben einige Unklarheiten irritiert.

Andererseits, und das ist wieder die Kehrseite der Medaille, entspricht es nicht meiner  Arbeitsweise und meiner journalistischen Ethik, ohne jegliche konkreten Befunde eine Vorabverurteilung der Noa Bank als unseriöse Bank auszusprechen. Der WDR ist auch an mich heran getreten, weil ich in meinem Blog diverse kritische Einträge zur Noa Bank verfasst hatte.

Meiner Sorgfaltspflicht bin ich nach gekommen, und habe alle Fakten, die mir selbst zur Noa Bank bekannt waren, und die ich via Netz recherchieren konnte, an die Leser von Social Banking 2.0 weiter gereicht. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Kommentierung zum aktuellen Geschäftsgebahren der Noa Bank kann und will ich allerdings nicht abgeben. Mir fehlen dazu die Informationen, um dies seriös und fundiert zu bewerten.

Man hätte mich ebenso gut zu einer anderen deutschen Großbank befragen können, und wenn ich hier nichts Stichhaltiges habe, werde ich dazu keinen Kommentar abgeben. Dem WDR hatte ich übrigens selbstverständlich angeboten, auf meinem Weblog eine Stellungnahme zu den Vorwürfen abzugeben, die der Noa Bank Gründer Francois Jozic seinerseits in den Raum gestellt hat (Cocktail der Manipulationen, wenig unabhängige Journalisten).  

Ansonsten regte ich jedoch an, sich intensiver in einer fundierten Reportage mit dem Status Quo und den Zukunftsperspektiven der Finanzindustrie und dem Social Banking auseinander zu setzen. Das wäre ein spannender Job, den bisher keiner erledigt hat. Das ist viel harte, akribische Detailarbeit.

Ich muss gestehen: Ich mag die vielen tollen Bilderfluten, denen der Magazinjournalismus im Fernsehen sich heute unterwirft, nicht besonders. Alles putscht die Emotionen hoch, meist bleibt der Zuseher dann allein zurück. Ich respektiere die Arbeit von Journalisten, auch jene vom WDR, die sicherlich nicht einfach ist.

Es müssen aber neue Wege her, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. Weder bringt uns reines “Bankenbashing” gegen die Arrivierten weiter, da dies nur ablenkt von den konkreten Lösungsoptionen. Man sollte jedoch die kritischen Punkte deutlich ansprechen, um das alte Bankensystem, das sich zu weit von der Realwirtschaft weg bewegt hat, nicht zu rechtfertigen.

Am Ende dieses Beitrags bleibt neben viel verbrannter Erde, von der vor allem die Wirtschaftsmedien zum erneuten Mal durch Auflagensteigerungen – dieses Mal via Grabschändung – profitieren, nur eine Frage: Whose side are you on – Mr. Jekyll oder Dr. Hyde?

Written by lochmaier

April 9, 2010 at 7:39 am

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