Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Die Bank sind wir: Finance-Blogger beleuchten die Finanzkrise – Teil III

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Und hier der dritte Teil der Umfrage in der Finance-Blogosphäre zum Thema „Wie sieht die Bank der Zukunft“ aus:

3. Wird sich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise bei den Banken etwas ändern oder machen diese weiter wie bisher?

Blicklog: Die Notwendigkeit für Änderungen besteht. Verhaltensänderungen sehen wir aber nur in Zeitlupe. Die Behäbigkeit im Veränderungswillen der Banken hat ihre Ursachen in den umfangreichen Regulierungs- und IT-Organisationsanforderungen und übrigens auch im Verhalten der Kunden. Durch den kollektiven Vertrauensverlust stellt sich aktuell kaum eine Bank schlechter, weil Kunden bisher kaum Alternativen haben. Vielleicht ist das Verhältnis zwischen Banken und Kunden vergleichbar mit einer angeschlagenen Ehe. Es wird auch nicht jede zerrüttete Ehe sofort geschieden. Man hat sich auf bestimmte Art und Weise bequem eingerichtet in seinem Leben und mit seiner „ungeliebten“ Bank. Da wechselt man nicht sofort wegen einem Ausraster und ein paar Marotten den Partner. Dieses Trägheit gepaart mit einer Mentalität, die alles billig will und möglichst hohe Rendite bei geringem Risiko, macht es den Banken einfacher, nicht zu reagieren. Allerdings bietet das auch Chancen für etablierte Institute, die jetzt aktiv werden mit neuen Produkten, Prozessen und einer transparenteren Konditionenpolitik.

Eachtradingday: Bisher sind keinerlei Veränderungen feststellbar. Banken geben sich weiterhin als verschlossener Haufen und informieren über tatsächliche Risiken nicht. Das von vielen Seiten beschuldigte Anreiz-System wurde nicht verändert und führt zu der wahnwitzigen Situation, dass viele internationale Banken in diesem Jahr ihren Angestellten Rekordgehälter auszahlen werden. Hier zeigt sich für mich persönlich am deutlichsten, dass die Banker nichts gelernt haben oder noch schlimmer, ihnen die Signale, die sie damit an die Gesellschaft senden, einfach völlig egal sind. Die vielen Milliarden, die den Banken vom Staat zur Rettung übergeben wurden, sind meist ohne Bedingungen ausgehändigt worden. Dies rächt sich nun, da es sich zeigt, dass sich die Banken bereits jetzt gegen anstehende Veränderungen zu mehr Transparenz in nicht öffentlichen Bereichen wie z.B. dem CDS-Handel vehement dagegen stemmen.

Wirtschaftsthemen.net: Hier fällt mir der Film „Das Geld anderer Leute“ (Other People’s Money) ein, als der Wall Street-Hai Lawrence Garfield (Danny DeVito) der Rechtsanwältin Kate Sullivan, erklärt: „Ihr könnt die Regeln ändern, aber niemals das Spiel stoppen.“ Unsere Gesellschaft ist von Egozentrikern in Machtpositionen durchsetzt. Psychologische Studien belegen, sobald Menschen Macht über andere erhalten, nutzen sie diesen Vorteil für sich und gehen dabei teilweise rücksichtslos vor. Niemand kann Gesetze so wasserdicht gestalten und dazu noch durchsetzen, als dass sich nicht doch eine Lücke fände. Im Zweifel kommt das Argument „systemisches Risiko“. Der Staat müsste konsequentes Risikomanagement betreiben, Klumpenrisiken auflösen und die Größe von Banken als lebenswichtige Säulen der Wirtschaft deckeln. Das einzelne Institut müsste jederzeit ersetzbar sein. Bis dahin sehe ich kaum eine Chance, dass gewinnorientierte Geldhäuser ihre Größe und Macht aus eigenem Antrieb dem Interesse der Gesellschaft unterordnen. Josef Ackermann als Chef-Lobbyist und Politikberater hat Berlin fest im Griff und ist in Brüssel für seine Interessen sicher auch nicht untätig. Solche Leute wollen sich beweisen. Sie wollen gewinnen. Sie wollen zu den Besten gehören und tun alles, um ihr Ziel zu erreichen. Denen sind Gesellschaft und Aktionäre völlig egal. Es geht dabei weder um Kommunismus oder Verstaatlichung, sondern schlicht um das, was Banken selber ihren Investoren empfehlen – um Diversifikation von Risiken. Ob sich etwas ändert, hängt von der Gesellschaft selbst ab. Zu den Großbanken gibt es genug Alternativen, wie Privatbankiers, Sparkassen, Volksbanken auch eine Hypovereinsbank und alle die, die nicht am Wall Street-Casino beteiligt waren. Die meisten Bürger benötigen keine Investmentbank mit zugekauftem Privatkundengeschäft. Das erfordert natürlich öffentliche Aufklärung. Bis dahin sehe ich für eine Besserung der Situation keine Chance. Es wird eher schlimmer. Die Rettung der HRE war eine klare Botschaft: Geht an den Finanzmärkten etwas schief, haftet der Steuerzahler.

Finance 2.0: Die großen Banken werden nur das verändern, was Ihnen von staatlicher Stelle vorgegeben wird. Ansonsten werden sie sicherlich Kleinigkeiten ändern. Diese Veränderungen dienen aber lediglich der Legitimation. Es werden Legitimationsfassaden sein, die die Möglichkeit bieten sollen, so oder fast so weiter zu machen wie bisher. Bei den Sparkassen vor allem aber den Genossenschaftsbanken sehe ich die Chance, dass diese ihr Profil schärfen und vor allem auch unter Verwendung des sozialen Internets die Chance nutzen werden, nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und Services anzubieten. Prinzipiell geht es dann nur darum Werte zu schaffen, die wirklich zählen und für die die Kunden bereit sind etwas zu zahlen. Ich halte es da mit Umair Haque.

Quelle: Blogs/Social Banking 2.0

Welche Rolle das „soziale Internet“ bei den Veränderungen auch in der Bankenlandschaft spielen könnte, das wird hier in einer längeren Präsentation von nextpractice (Peter Kruse und Co.) deutlich, die zwischen „digital residents“ und „digital visitors“ unterscheidet – während erstere die Entwicklung voran treiben, „fremdeln“ letztere immer noch mit den Eigentümlichkeiten im Netz, was viele nicht immer Ziel führende Diskussionen in der Öffentlichkeit erklärt:
Lotus Jam Camp

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Written by lochmaier

April 28, 2010 um 7:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] Die Bank sind wir: Finance-Blogger beleuchten die Finanzkrise – Teil III […]

  2. Es wird sich meiner Meinung nach nichts ändern, da sich die Politik weder einmischen kann noch dies tun wird.

    Wirklich super Artikel nochmal.

    Danke

    MfG

    Kredit ohne Schufa

    Mai 10, 2010 at 10:10 am


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