Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Die Bank sind wir: Finance-Blogger beleuchten die Finanzkrise – Teil II

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Und weiter geht’s mit den Finance- und Wirtschaftsbloggern – Teil II, die der Finanzkrise und den Banken im vergangenen Sommer auf den Puls gefühlt haben. Keine Frage, alle in der Umfrage behandelten Themen sind nach wie vor hoch aktuell.

2. Wie stellen Sie sich eine kundenfreundliche Bank auf Höhe der Zeit vor?

Blicklog: Eine kundenfreundliche Bank nimmt ihre Kunden ernst, hört ihnen zu und versucht unter Berücksichtigung der eigenen unternehmerischen Ziele, Lösungen und Leistungen für die Kundenbedürfnisse zu entwickeln. Dazu gehört ein aktiver Dialog, in dem die Banken zunächst ihren Kunden zuhören. Das geschieht in einigen Kundenklassen im Privatkundensegment aus verschiedensten Gründen nur sehr eingeschränkt. Im Großkundensegment funktioniert dies allerdings besser, als dies Medienmeldungen über Beratungsqualität vermuten lassen. Dies mag am Wettbewerbs- und Margendruck in diesen Geschäftsbereichen liegen. Im Privatkundensegment und zum Teil in der Vermögensverwaltung dagegen zeichnen sich die Banken durch maximale Intransparenz aus (hier wird jeweils nur das gesetzlich Geforderte getan). Hier wird weder das an Informationen zur Verfügung gestellt, was möglich ist, noch auf die Kundenbedürfnisse geachtet. Ein kundenfreundliches Institut kommuniziert darüber hinaus über moderne Kommunikationsmittel mit den Kunden und schafft Rückkanäle, die nicht nur für Vertrieb genutzt werden.

Eachtradingday: Kundengelder gehören in Zukunft generell aus der Bankhaftung ausgeschlossen. Geld, das ich auf einem Girokonto habe, bedarf dann keines Sicherungsfonds mehr, sondern mit diesem Geld kann die Bank nichts mehr anfangen. Die Sicherungsfonds scheitern in einer Krise wie dieser, da hier der Staat und mit ihm die Kunden einspringen müssen, damit das System nicht zusammenbricht. Dies würde zu einem anderen Umgang mit Risiken führen, da den Banken dadurch weniger Sicherheiten für ihre Transaktionen zur Verfügung stehen würden.

Wirtschaftsthemen.net: Zunächst müssen Bankmitarbeiter und -manager wieder lernen, dass der Kunde ihr Gehalt zahlt und nicht der Steuerzahler. Der Kunde muss im Gegenzug akzeptieren, dass es Service für lau nicht gibt. Banken müssen ihre Risiken selbst managen und begreifen, dass Größe allein nicht alles ist. Ich verlange von meiner Bank solides wirtschaften und dass sie bei der ersten Brise nicht gleich umfällt. Bankgeschäfte sind kein Selbstzweck sondern Dienst am Kunden. Die kleinen Privatbanken beweisen, dass Josef Ackermann in seinem Rendite-Wahn falsch liegt. Eine moderne Bank muss persönliche Erreichbarkeit mit sinnvoller Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse verbinden. Für alltägliche Bankgeschäfte, wie Zahlungsverkehr oder einfache Geldanlage von Konto A nach Konto B genügt Online-Banking. Wer jedoch 100.000 Euro investieren, ernsthaft ein Vermögen aufbauen oder sein Haus finanzieren will, ist auf solide und persönliche Beratung angewiesen, die erstmal etwas kosten darf, aber sich letztlich auszahlt. Dabei muss der Vertriebsdruck auf die Bankmitarbeiter einer konsequenten Kundenorientierung weichen. Wobei Kundenorientierung auch bedeutet, dass eine Bank ihre „notleidenden Kredite“ nicht einfach verkauft, verramscht oder kündigt, sondern gemeinsam mit ihren Kunden nach Lösungen im beiderseitigen Einvernehmen sucht.

Finance 2.0: So wie die Volksbanken Raiffeisenbanken. Aber in der Version 2.0. Da gibt es noch Einiges zu tun. Allerdings gibt es hier die besten Voraussetzungen. Man wird sehen müssen, wie sich die Unternehmen im Bereich Finance2.0 entwickeln. Hier habe ich gerade in Deutschland auch eine gewisse Skepsis. Alle Modelle, die es hier gibt, sind am Ende des Tages ja auch durch klassische Banken gestützt. Und wenn ich dann z.B. ein Tagesgeld eröffne, stolpere ich über ähnliche Dinge, wie bei den etablierten Banken. Ich kann mir da auch nicht helfen, in einer Banken Community erwarte ich andere Sicherheitsstandards wie bei Facebook und Co. In einer Banken Community würde ich mich z.B. nie mit Mitgliedern austauschen, deren E-Mail Adresse einen Phantasienamen hat. Und am Ende des Tages entscheidet auch hier ein gutes bzw. attraktives Produkt, was ja auch etwas Unterschiedliches ist. Denn die Konditionen spielen nun mal eine große Rolle. Ich bin mir nicht sicher, dass mehr Transparenz dadurch entsteht, dass ich mich mit anderen Laien oder Alltagsprofis über Finanzen unterhalte. In Deutschland gibt es auch wenig Tradition darin sich mit Freunden oder Verwandten über Gelddinge zu unterhalten. Das ist vielfach noch ein Tabu und ich bin skeptisch, dass sich daran was ändert. Allerdings bin ich ein großer Anhänger des „Social Bankings“.

Quelle: Blogs/Social Banking 2.0

Wie war das noch – der Kunde ist doch der König, wo bleibt dann der Bankadel? Nun ja, dessen Stern oder genauer gesagt, dessen Margen, sie werden möglicherweise in einigen Geschäftsfeldern sinken. Und hier skizziert Bankenexperte Brett King die Zukunft und denkbare Gestaltungselemente einer kundenfreundlichen „Bank 2.0“ in einem Videointerview auf Bloomberg TV:

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Written by lochmaier

April 27, 2010 um 7:28 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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