Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Die Bank sind wir: Finance-Blogger beleuchten die Finanzkrise (Teil I)

with one comment

Vergangene Woche habe ich – kurz vor der neuerlichen Verschärfung der „Griechenland-Verschuldungskrise“ – den Klappentext für mein Buchprojekt zu den Chancen und Zukunftsperspektiven von Social Banking überarbeitet. Die letzte Zeile lautet so:

Lesenswert für alle, die beruflich und privat einen Blick hinter die „Black Box Bank“ werfen wollen — und daran glauben, dass nicht mehr staatliche Regulierung und Eigenkontrolle die Zukunft im Bankwesen darstellen, sondern neue und bessere Geschäftsmodelle, bei denen der Nutzer die Regie führt. Wir stehen am Anfang einer spannenden Entwicklung, die unsere Bankenlandschaft und Finanzindustrie prägen wird.

Die Frage, wie unser Bank- und Finanzsystem aussehen wird, ist noch nicht einmal im Ansatz diskutiert. Vielleicht liegen die Horizonte ja jenseits des derzeit Vorstellbaren, und hier sind kreative Ideen gefragt. Ist Social Banking die neue Leitwährung und ein Korrektiv – oder ist das ein paar Etagen zu hoch gegriffen?

Nun ja, erst einmal gilt es für die Beteiligten, neue Wege zu gehen, neue Möglichkeiten zu entdecken, damit zu experimentieren, und aus nicht immer nur positiven Erfahrungen zu lernen.  Nicht alles kann indes in einem Buch Platz finden, das nicht zu umfangreich und auch nicht zu teuer sein soll.

Deshalb gebe ich in einer kleinen Serie quasi als Preview zu meinem Buchprojekt „Die Bank sind wir“ – bei Amazon hier vorbestellbar – die Sichtweise der Wirtschafts- und Financeblogger zur Finanzkrise wieder – und zwar mit Blick auf die Zukunftsperspektiven von Social Banking.

Hier also nun die Ergebnisse der im Sommer 2009 durchgeführten Umfrage in der finanziellen Blogosphäre (zunächst die erste Frage – Fortsetzung folgt) zur Themenstellung: Wie sieht die „Bank der Zukunft“ denn aus?

1. Was stört Sie an den Banken, so wie sie derzeit funktionieren, am meisten?

Blicklog: Banken nehmen derzeit ihre wesentlichen Funktionen, insbesondere die für die Transformation von Informationen, Risiken und Liquidität nicht bzw. nur eingeschränkt war. Das mag theoretisch klingen, hat aber ganz praktische Auswirkungen, die man z.B. in der Vertrauens- und Finanzierungskrise für Unternehmen spürt. Insbesondere die bestehenden Finanzierungsprobleme gehen Banken nur sehr eingeschränkt an, statt aktiv und selbstbewusst nach Lösungen zu suchen. Um hier nicht falsch verstanden zu werden. Ich erwarte nicht, dass die Banken in allen Risikoklassen selbst Kredite vergeben. Ich erwarte aber, dass sie ihre Risikotransformationsfunktion in der Weise erfüllen, dass sie Kapitalsucher und Kapitalgeber zusammenbringen. Darüber hinaus irritiert mich, dass bisher keine Bank die geschäftlichen Möglichkeiten nutzt, die sich aus den Folgen der Finanzkrise ergeben. Dabei gibt es hier abseits der Forderungen nach verstärkter Kreditvergabe jede Menge Möglichkeiten, vor allem im Vermögens- und Risikomanagement.

Eachtradingday: Ein Unternehmen, dass durch die intensive Nutzung von Fremdkapital sehr anfällig auf Fehler reagiert und es schnell zum Scheitern dieser Unternehmung kommen kann, gehen mir die Banken mit dem Thema Risiko – Leverage einfach zu sorglos um. Die Tipps und Ratschläge, die sie ihren Kunden geben, werden in ihrem eigenen Handeln ignoriert! Die Institutionen sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst, verteidigen sich aber mit dem „Totschlag“-Argument „Das macht jeder so, da müssen wir mitziehen, ansonsten sind wir international nicht mehr Wettbewerbsfähig“. Mir persönlich scheint es so, als wäre es den Banken und ihren Mitarbeitern nicht klar, welche gesellschaftliche Verantwortung sie gegenüber den Bürgern haben. Ihre Geschäftsmodelle beruhen zum Großteil auf dem blinden Vertrauen von Kunden und da kann ich über diese Arroganz, mit dem dieses Thema nicht behandelt wird, nur ungläubig den Kopf schütteln. Mit fremden Geld als Sicherheit zu investieren kann jeder, doch wer sich dem Risiko nicht klar ist, da wird es als zocken beschrieben und das tun die Banken – sie zocken!

Smava-Blog: Im Web 2.0 Zeitalter haben sich die Bedürfnisse der Verbraucher verändert. Der Konsument von heute gibt sich nicht mehr mit dem zufrieden, was ihm von Dienstleistern vorgesetzt wird. Er macht sich schlau und bestimmt selbst, was er konsumiert, wie er konsumiert und was er dafür bezahlt. Das trifft auch auf Finanzdienstleistungen zu. Nicht ohne Grund erleben Plattformen wie sharewise.com einen so regen Zulauf. Wie sich Kunden ihre Bank wünschen und was sie in Zukunft von ihr erwarten, lässt sich also schon erahnen: Den Banken fehlt es vor allem an Transparenz.

Wirtschaftsthemen.net: Banken, wie wir sie heute kennen, sind stark gewinnorientierte Unternehmen. Sie arbeiten mit ihren Kunden nur dann zusammen, wenn ein Geschäft Profit verspricht. Heutige Banken fühlen sich dabei eher ihren Aktionären als ihren Kunden verpflichtet. Die Folgen sind dramatisch. Filialnetze schrumpfen, persönliche Betreuung und Beratung wird reduziert und der Kunde kommuniziert vorrangig mit Internet und Service-Terminals. Ältere Menschen haben kaum mehr eine Chance, ihre Bank noch persönlich zu erreichen. Handelt es sich dabei auch noch um eine klassische Privatgeschäftsbank mit Filialnetz, bleiben die Kosten für den Kunden unverändert hoch. Die Banken verlagern ihre Aufgaben und ihren Service auf die Kunden, aber geben Kostensenkungen nicht weiter. Beispiel wäre der Preisunterschied im Wertpapierhandel zwischen Privatgeschäftsbank und Online-Broker. Hinzu kommt der Unsinn mit Kreditverkäufen. Banken gehen Risiken ein und stehlen sich durch Verkäufe wieder aus ihrer Verantwortung. Die Kunden haben das Nachsehen, sobald der Investor, welcher die Kredite erwarb, Kasse macht, die Zinsen erhöht oder Kredite kündigt und vollstreckt. Des Weiteren sind Banken mit einer lächerlichen Eigenkapitalquote, wie zum Beispiel die der Deutschen Bank (1,4 Prozent), für Anleger, Kreditkunden und Gesellschaft ein erhebliches Risiko. Ich würde dort mein Geld sofort abziehen und alle Konten schließen.

Finance 2.0: Ich würde hier grundsätzlich unterscheiden. Für mich gibt es die Banken eigentlich nicht. Einige Banken machen meiner Meinung nach innerhalb eines sicherlich hinterfragungswürdigen Gesamtsystems ganz gute Arbeit. Das Modell der Volksbanken Raiffeisenbanken halte ich beispielsweise für das Modell mit dem größten Potential für ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Bankenmodell. Das gilt für alle Genossenschaftsbanken. Schauen Sie sich zum Beispiel die GLS Bank an, deren aktueller Erfolg ja auch nicht von ungefähr kommt. Was mich dann an vielen anderen Banken stört ist, dass der Verbraucher schon lange nicht mehr im Mittelpunkt steht- wenn er das jemals tat – . Banken haben heute sehr großen wirtschaftlichen Einfluss. Das Scheitern der Banken kann – was wir ja aktuell sehen – das Wirtschaftssystem gefährden. Wenige große Einheiten profitieren, die Mehrheit der Bevölkerung erleidet Schaden. Banken sind darüber hinaus – was man aktuell erlebt – nicht lernfähig und auch nicht lernwillig. Allein auf makroökonomischer Ebene, könnte man hier noch Einiges schreiben. Insgesamt muss man ohnehin sagen, dass Banken sich in dieser Hinsicht solange nicht verändern werden, wie sich die gesamte Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem nicht verändern möchten. Im täglichen Kontakt mit den Banken, also aus Kundensicht gibt es ebenfalls viele Dinge, die man bemängeln könnte. Wobei Intransparenz, Provisionsmodelle, mangelnder Kundenservice, eine nur geringe soziale Verantwortung und zu starke Selbstbezogenheit sehr wesentliche Mängel sind. Viele Banken sehen sich nicht als Helfer der Kunden in allen Lebenslagen. Also sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Banken müssten sich beispielsweise auch darauf einstellen, dass wir zukünftig in einer Gesellschaft ohne Wachstum leben werden und bei immer mehr Kunden eher Mangel verwaltet werden muss. Über das Aussehen der Filialen müssen wir hier gar nicht reden. Aber auch diese Liste wäre noch weiter fortführbar.

Quelle: Blogs/Social Banking 2.0

Advertisements

Written by lochmaier

April 25, 2010 um 9:19 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Die Bank sind wir: Finance-Blogger beleuchten die Finanzkrise (Teil I) […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: