Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Neues aus der Bunti-Klicki-Welt von Banken

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Man muss zwar nicht alles im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu den Banken gesehen haben, manchmal aber kommt doch der eine oder andere durchaus bedenkenswerte Gedanke für jemand zustande, der wie dieses Weblog, sich das Leitmotiv „Der Kunde übernimmt die Regie“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Und da bietet sich aus der Bunti-Klicki-Welt von Banken, bei dessen Kleingedrucktem meist keiner durchblicken kann und soll, mal die letzte Sendung von Frontal21 an:

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/4/0,1872,8061764,00.html

Denn da konnte man Zeuge werden, was passiert, wenn bei der Kreditvergabe die Bank sich nicht nur rausnimmt, die Zinsen nach Gutsherrenart variabel zu gestalten – natürlich zum eigenen Vorteil. Noch mehr: Es wird auch noch intransparent und teilweise falsch abgerechnet, so dass sich der Kreditnehmer schon mal wundert, dass er erstens nicht von den Schulden runterkommt, und zweitens immer so hübsch-hohe Abbuchungen von seinem Konto hat.

Auf dem Markt der intransparenten Kreditvergabe mischen leider auch die Sparkassen und Volksbanken mit. Aber Abhilfe naht, versprach die ZDF-Doku. Tipp der Redaktion: Kunden hätten durchaus eine Chance gegen die Kreditinstitute mit Hilfe von Sachverständigen und der Verbraucherzentralen vorzugehen. Denn die Sachwalter der Kundeninteressen holten im Schnitt fast 70 Prozent der veruntreuten Zinsen von den Instituten zurück.

Verzockt, verloren, verstaatlicht – Wer nochmal sehen will, wie die HRE im großen Stile versucht hatte, in der großen weiten Finanzwelt mitzumischen, findet hier eine halbstündige Doku beim Ereigniskanal Phoenix, das war dann wirklich wörtlich gemeint, denn wer die Hoffnung hegte, der Staat könne besser mit dem Geld umgehen als die angeblich so verhassten Privatbanken, der dürfte bei dieser Case Study eines Besseren belehrt worden sein:

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/dokumentationen/292930

Das führt direkt zur Frage, warum es gerade in der Bankenwelt keine allzu leichte Unterscheidung in Gut und Böse geben kann. Das von Attac veranstaltete Berliner Bankentribunal versuchte ja so einige Verantwortliche des Milliarden-, oder war es ein Billionen-Desaster, symbolisch vor den Kadi zu bringen. Der Freitag berichtet:

http://www.freitag.de/politik/1014-banken-tribunal-krise-merkel-aufarbeitung

Ein Zitat, das der Freitag im obigen Text rezitiert: „Gier allein ist so wenig strafbar wie Dummheit. Und Risiken gehören zur Grundlage des Bankgeschäfts“, hat vor einiger Zeit der Spiegel geschrieben. 

Nun ja, wer tiefer gräbt, kann im Originalartikel vom Spiegel online nochmals das ganze Zitat im Kontext nachlesen, das zeigt, wie sehr Anspruch und Realität in der rein moralischen Bewertung einer ganzen Branche auseinander klaffen:

Die Materie ist so hochkomplex wie die früher so gern verkauften Finanzprodukte – und zudem juristisch umstritten: Gier allein ist so wenig strafbar wie Dummheit. Und Risiken gehören zur Grundlage des Bankgeschäfts.

Haben die Geldmanager die Grenze zur Kriminalität überschritten? Wann wird aus Risikobereitschaft eine Pflichtverletzung? Haben sie gewusst, was sie anrichten – also vorsätzlich gehandelt? Haben sie bestehende Vorschriften missachtet und Kontrollgremien getäuscht? Das muss nun in jedem Einzelfall geprüft und vor Gericht dann auch noch bewiesen werden.

Quelle:  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68885083.html

Die Haftungsfrage – Eine Sisyphosarbeit, durch die derjenige, der den Stein den Berg hoch rollt, selten etwas gewinnt. Andererseits gewinnt auch nicht immer derjenige Banker, der auf „business as usual“ setzt, wie sich am Beispiel der schweizerischen UBS zeigt, der die Aktionäre kräftig die Leviten lasen, und über die Arbeit der Führungsspitze sich gar nicht erfreut zeigten, berichtet das Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/magazin/presseschau/presseschau-die-rache-der-ubs-aktionaere;2561999

Zitat: Die Bank beklagt sich über anhaltend hohe Kaptitalabflüsse. Mich wundert das nicht: Wenn man die Opfer der Bank anständig behandeln würde, würden sie vielleicht sogar bleiben. Aber das geschieht eben nicht“, kritisiert der Anwalt.

Quelle: Handelsblatt

Aber auch da, wo man es am wenigstens vermutet, ist nicht immer alles in Ordnung, nämlich bei den alten wie neuen „Sozialbanken“. So beklagte sich kein Geringerer als der Friedensnobelpreisträger M. Yunus kürzlich darüber, dass bei den Mikrokrediten auch nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, nachzulesen über die New York Times in der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Arm und Abgezockt“:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/424/508568/text/

Merke: Ein Kredit ist per se für den Darlehensnehmer ein eher „asoziales Geschäft“, er hängt an dem Tropf, am Hahn, den andere speisen, hoch- oder abdrehen. Von einer Spekulationsblase der Marke „Social Banking“ seien wir allerdings, so bilanziert die SZ, trotz „Räuberzinsen“, die leider auch unter den Mikrokreditinstitutionen üblich seien, noch entfernt.

Zumindest aber müssen sich alle Hoffnungsträger erst einmal bewähren. Neue Ideen zur virtuellen Geldökonomie gibt es so einige, unter anderen präsentierte auf der diesjährigen re:publica die Plattform Flattr ihr Konzept für Micropayments, mit Videointerview hier auf golem.de nachzulesen und zu -sehen:

http://www.golem.de/1004/74495.html

Flattr befindet sich noch in der Testphase – und auch hier ist es noch ein langer Weg, bis neue Modelle des internetbasierten Austausches von Dienstleistungen anhand von virtuellen Währungseinheiten sich als marktreif und praktikabel erweisen. Eine spannende Entwicklung ist es allemal.

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Written by lochmaier

April 16, 2010 um 7:54 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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