Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Diskussion um (un-)seriöses Geschäftsmodell hält an – Deutsches Factoring-Portal kritisiert Spiegel online wegen irreführender Recherche

with 6 comments

Da gerade vieles zur Noa Bank passiert, halte ich die Leser in höherer Taktfrequenz als üblich auf dem Laufenden. Ein wirklich bemerkenswerter Eintrag ging soeben auf dem Deutschen Factoring-Portal online.

Darin wehrt sich der Betreiber ESB auf seiner Homepage, in der sich diverse Anbieter von entsprechenden Dienstleistungen gruppiert haben, gegen entsprechende Einlassungen, durch die der Autor des Spiegels-Artikels das Internetportal ohne dessen Rückendeckung unfreiwillig quasi als Kronzeuge gegen die Noa Bank in Stellung gebracht hatte.

Hier ist der Eintrag nachzulesen:

http://www.deutsches-factoring-portal.de/factoring-blog/richtigstellung-und-korrektur-eines-artikels-bei-spiegel-online-de-95

Einige Auszüge:

Falls Sie hier, wie bei Spiegel-Online behauptet, Informationen über die Noa Bank oder Quorum AG suchen, so müssen wir Sie leider enttäuschen. Die Behauptungen des Artikels bei Spiegel-Online oder anderen Blogs und Informationen, der sich auf das Deutsche Factoring-Portal bezieht wurde von dem jeweiligen Autor definitv falsch recherchiert. Es wurde auf dem Deutschen Factoring-Portal NOCH NIE etwas, und schon gar nicht negatives, über die Noa Bank oder die Quorum AG behauptet und diskutiert. Dies wird auch in Zukunft so bleiben. 

Und weiter unten kritisiert das Deutsche Factoring Portal ganz offen den Urheber des Beitrags auf Spiegel online in deutlichen Worten:

Es ist schade, dass man diese Richtigstellung überhaupt schreiben muss. Anscheinend wird bei Jounalisten einfach mal etwas behauptet ohne darüber nachzudenken was man überhaupt schreibt und welche Folgen dies haben kann. So geschehen in dem veröffentlichten Artikel auf Spiegel-Online. In dem Artikel werden einfach diverse Behauptungen aufgestellt ohne jeglichen direkten Nachweis.

Quelle: Deutsches Factoring-Portal

Ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Qualität sogenannter deutscher Leitmedien. Auch auf dem Business-Netzwerk Xing diskutieren die Insider aus der Bankenszene seit dem Artikel auf Spiegel online intensiv – und recht kontrovers über die Noa Bank:

https://www.xing.com/app/forum/seoparser/bankkunden/fragen-antworten-164174/noabank-26486714/29295651/

Nicht jeder lässt sich indes von der Hysterie der Leitmedien anstecken, die sich die Noa Bank als Steilvorlage und Opfer fürs Banken-Bashing (Motto mit garantiertem Preisgeld für alle Basher: Auch die neuen Banken sind alle unseriös) zur Brust genommen haben:

http://suttnerblog.blogspot.com/2010/04/spiegel-online-uber-die-noa-bank-ein_5694.html

Hier immerhin das Zitat eines Kunden der Noa Bank, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen möchte:

Von den rund 75 Millionen Euro im Bereich „Planet“, wo auch mein Tagesgeld liegt, wurden bislang nur etwas über 200.000 Euro investiert. Wen wundert es: Kredite vergeben sich nicht von selbst. Besonders, wenn man sich die Kreditnehmer nach ethischen Kriterien aussucht. Und sollten Teile der Einlagen an Kunden der noa factoring AG (ehemals Quorum AG) fließen, stört mich das nicht, solange sie zum Konzept der Noa Bank passen und öffentlich gemacht werden.

Schade, dass der Spiegel solch reißerischen Journalismus nötig hat. Ich bin jedenfalls froh, dass mein Tagesgeld sich nicht auf Kosten von Mensch und Umwelt vermehrt. Vielleicht ziehe ich bald auch mit meinem Gehaltskonto zu einer ethischen Bank.

Quelle: Suttnerblog.de

— An dieser Stelle habe ich einen früher veröffentlichten Beitrag auf Wunsch des Absenders wieder entfernt —

 

Wir bilanzieren das Spekulierte, das über das Gesagte plötzlich zur Wahrheit wird. Nun ja, wie sagt schon ein altes deutsches Sprichwort: Wer den Schaden hat, braucht für den (in voraus eilenden Gehorsam eintreffenden) Spott nicht mehr zu sorgen. Denn die Fakten, die der Spiegel online aufgeworfen hat, sind ja noch nicht bewiesen, so dass man das Eins-zu-Eins übernehmen kann.

An unzähligen Beiträgen jenseits der Schuldfrage sieht man, unabhängig vom im Raum stehenden Vorwurf, dass die Mechanismen der Medienindustrie recht gut ineinander greifen. Der zweite zitiert den ersten, und der dritte hängt sich ganz bequem hinten dran. Eigenständiges Denken und Handeln ist Fehlanzeige.

Um Licht in das seltsame Paarungsverhalten der spekulativen Medienindustrie zu geben, die keinen Deut besser agiert als die Banken zur Hochzeit der Finanzkrise, zitiere ich mal aus Schumpeter:

Jedes abweichende Verhalten eines Gliedes der sozialen Gemeinschaft begegnet der Missbilligung der übrigen Glieder. Wenn man sich anders kleidet als die übrigen Individuen derselben Gesellschaft oder desselben Gesellschaftskreises, wenn man in Benehmen und Lebensgewohnheiten von ihnen absticht, so reagieren sie dagegen…. Der einzelne, besonders in unserem kulturellen Milieu und hier wiederum in den „freien“ Berufen, wird sich von ihm losmachen können. Die Mehrzahl der Wirtschaftssubjekte kann ihn nicht ignorieren.  

Quelle: Joseph Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Nachdruck der 1. Auflage von 1912, 2006, Duncker & Humblot, Berlin, Seite118f.

Zu den unfreien Wirtschaftssubjekten gehören die Leitmedien definitiv. Spätestens wenn der dritte Leitstern nach Spiegel, Süddeutscher Zeitung und FTD negative Gerüchte gegen die Noa Bank übernommen hat, sind diese zur allgemein gültigen und rechtlich verbindlichen Faktenlage hoch stilisiert worden. Der Bürger oder zumindest die breite unkritische Masse folgt ihnen fast blind. Es muss ja stimmen.

Eine Prüfung, wer was gesagt hat, und ob das als Gerücht in den Raum gestellte tatsächlich „stimmen“ kann, findet dann nicht mehr statt. Der Beschuldigte wird von der medialen Flut einfach überrollt. Und genau diese virtuelle Schere greift nun auch bei den Redakteuren im Kopf aufgrund der Steilvorlagen. Man braucht nur noch zu folgen. Wer will da noch prüfen – am Ende heißt es, wenn die Noa Bank dann abgewickelt werden sollte, wir haben es schon immer gewusst, das konnte nicht gut gehen, das war nicht seriös.

Eine Chance, dies wirklich unter Beweis zu stellen, wäre somit vernichtet. Dabei haben viele vermeintliche Medienwächter zuerst das Luxusgrab mit ausgehoben, in dem sie ihr Opfer später zum eigenen Vorteil beerdigen. Schade, es wäre besser, die Noa Bank, sie müsste beweisen, ob sie tatsächlich ihre eigenen Vorgaben wird einhalten können.

Was wird nun passieren, wo die Reihen der Gegner und Befürworter noch enger wie in einer Art virtuellem Glaubenskrieg die Köpfe zum gemeinsamen Schwur zusammen stecken?

Die giftigen Wogen der öffentlichen Wahrnehmung tanzen wie auf dem weiten Ozean auf und ab. Annette Rehm vom Internetportal Geldmagazin.de bringt die Ungereimtheiten in alle Richtungen auf dem Xing-Forum so auf den Punkt:

Ich habe mir auch die Infos auf dem noabank-Blog durchgelesen, und da sieht es so aus, als hätte der Spiegel online-Journalist bewußt nur in eine Richtung recherchiert. Vorsichtig bei Bankenneugründungen sollte man trotzdem immer sein, aber auch das Thema „Einlagensicherung“ so negativ darzustellen, wie es der Spiegel-Autor tut (und dabei verschweigt, dass es genug andere, alteingesessene deutsche Banken gibt, die ebenfalls keinem Einlagensicherungsfonds angehören, z.B. SWK-Bank) …. das hat für mich schon ein Geschmäckle ….

… Andere aus der Blogsophäre spekulieren wiederum, ob die Kundenbetreuung direkt von Spanien aus (übrigens der nicht per se verwerfliche private Wohnsitz des Gründers) fast nur über eine einzelne Kundenbetreuering erfolgt – nun ja, auch andere Banken unterhalten Call-Center im Ausland:

http://www.optimal-banking.net/2010/noa-bank-agnes-pustul/

Erlaubt ist derzeit fast alles, der Bashing-Kandidat Noa Bank ist jetzt entblößt zum finalen Abschuss frei gegeben. Jeder Sportschütze(in), ob mit oder ohne Schein, darf ran. Man weiß nicht, ob man weinen oder nur gequält lachen soll.

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Written by lochmaier

April 9, 2010 um 11:52 am

Veröffentlicht in Uncategorized

6 Antworten

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  1. Ich kann Ihnen nur zustimmen – eine differenzierte Berichterstattung ist angesichts dieses unreflektierten Medien-Tsunamis kaum mehr möglich. Auf Geld-Magazin.de hatten wir im November die noabank – mit Vor- und Nachteilen für den privaten Kunden – dargestellt. Seit gestern bin ich damit beschäftigt, anonyme (!) unqualifizierte (!) Kommentare zu löschen, die uns der „Lobhudelei“, der kostenlosen Werbung für die noabank beschuldigt und die Redaktion auffordert „man sollte vorher mal sein Gehirn einschalten“. Wir haben ein update des Artikels geschaltet, und freuen uns über jeden kritischen Kommentar, aber vor allem auch über Journalisten wie Sie, Herrn Lochmaier, die sich nicht einfach vor einen „Bashing-Karren“ spannen lassen.
    Gruß Anette Rehm, Geld-Magazin.de

    Anette

    April 9, 2010 at 12:26 pm

  2. […] SB 2.0: Noa Bank: Diskussion um (un-)seriöses Geschäftsmodell hält an – Deutsches Factoring-Por… […]

  3. Naja der Spiegel hat hier nicht wirklich objektiv berichtet.

    Factoring

    April 23, 2010 at 4:36 pm

  4. […] SB 2.0: Noa Bank: Diskussion um (un-)seriöses Geschäftsmodell hält an – Deutsches Factoring-Por… […]

    • Hallo, Noa Factoring hat nach eigenen Angaben heute morgen Insolvenzantrag gestellt !

      Gefira

      August 18, 2010 at 12:03 pm


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