Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Bashing-Kampagne gewinnt an Fahrt – Warum ein Wirtschaftsjournalist und Bankwatcher nicht mit dem WDR kooperiert

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Nach dem gestrigen Spiegel-Artikel gegen die Noa Bank ist nun die FTD auf den opportunistischen Zug aufgesprungen, und reiht sich in die Riege der ziemlich plumpen Bankenbasher und Kampagnenmacher ein, mit der Überschrift „Gebrochene Versprechen“:  

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:gebrochene-versprechen-noa-bank-holt-der-alltag-ein/50098372.html

Es ist schon interessant, wie schnell die wirtschaftlichen Leitmedien ihre Linie um 180 Grad drehen. Was interessiert schon der Artikel von gestern, da wollte ich noch nicht recherchieren, sondern die neue Bank hochjubeln, so etwa hier am 18.12.2009 auf der FTD unter der Überschrift „noch ein sauberes Kreditinstitut“:

http://www.noabank.de/presse/artikel/titel/18-noch-ein-sauberes-kreditinstitut

Schon damals habe ich mich darüber gewundert, dass kein einziger Journalist sich die Mühe machte, sich über die durchaus schillernde Vorgeschichte der Bank zu informieren. Man hätte sich ja auch in die Niederungen der Blogosphäre begeben müssen, die man sich aber aufgrund des eigenen Einflussverlusts immer noch scheut, hin und wieder mal zu zitieren. Ist ja auch nur niederer Bürgerjournalismus.

Bei mir auf Social Banking 2.0 wäre man ohne großen Aufwand fündig geworden, denn im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Leitmedien habe ich deutlich tiefer gegraben, um ein differenziertes Bild des Chancen- und Risikoprofils anzufertigen, das sich gerade mit der Noa Bank verbindet.  

Aber so läuft das Mediengeschäft gar nicht. Das Strickmuster ist viel einfacher: Zuerst hochjubeln, dann vernichten – und damit zweimal Auflage und Kasse machen. There is no better Show Business than Media Business! 

Wer sich die Presseschau auf der Homepage der Noa Bank ansieht, wird sehen, dass sich unzählige am Hochjubeln beteiligt haben. Jetzt wechseln die damaligen Opernsänger sprunghaft die Seite, so wie mancher Vorzeigesozialist sich nach der deutsch-deutschen Einheitswende rasch umgewandete, so dass mancher Partner in unmittelbarer Schlagdistanz erschrecken musste, wen er da eigentlich geheiratet hatte. Bin ich nun mit Mr. Hyde oder Dr. Jekyll liiert?

Noch vor wenigen Wochen hatte man – ich betone „nur“ – Interesse an tollen Hochglanzstories. Es wäre besser gewesen, schon zu diesem Zeitpunkt etwas intensiver zu recherchieren und den gestrigen Spiegel-Artikel nicht nur nachzubeten. Denn auch die FTD bringt nichts wirklich Belastendes gegen die Noa Bank hervor.

Was bleibt, ist viel verbrannte Erde.

Es gibt aber auch ein kritisches Medienecho zur Bashing-Kampagne gegen die Noa Bank, die beispielsweise der Blicklog hier aufgreift. Das Fazit: 

Unfreiwillig liefert die noa bank aber einen starken Grund dafür, warum es für Banken besser ist, weiter intransparent zu bleiben. Wenn man viel informiert, dann liefert man auch mehr Angriffsfläche. Wenn man schweigt, dann kann höchstens das Schweigen kritisiert werden. Aber Schweigen ist in Deutschland ja bekanntlich Gold wert.

Quelle: Blicklog

Wer meine letzten Beiträge gelesen hat, der sieht, dass die Bankenwelt, etwa zwischen einer Noa und einer Deutschen Bank – tatsächlich mit etwas verschrobenen Maßstäben von den Medien gemessen wird. 

Ich gebe nun ungeachtet der zur Zeit grassierenden allgemeinen medialen Auflagentreiberei statt sachdienlicher Aufklärung – jenseits von reiner Schwarz-Weiß-Malerei – zur Noa Bank einige weitere Einblicke in den meines Erachtens fragwürdigen Recherchestil der Leitmedien, und möchte meine Kollegen zu einem verantwortlichen Umgang mit den eigenen Ergebnissen anregen. 

Einige Inneneinsichten: Ich berichtete bereits in einem früheren Weblog-Eintrag darüber, dass mich der Westdeutsche Rundfunk (WDR) vor einigen Wochen informell um eine Art „Amtshilfe“ ersuchte, weil er eine Geschichte zum vorgeblich unseriösen Geschäftsgebahren der Noa Bank erstellen wollte.

Dazu suchte der Sender nach einer Art „Kronzeuge“, der sich vor der Kamera negativ zur Bank äußern sollte. Dies sollte eigentlich bereits anlässlich einer Podiumsdiskussion zur Computermesse Cebit in einer Art Überraschungscoup geschehen, bei der man den Gründer Francois Jozic überraschend vor der Kamera mit einigen Fakten konfrontieren wollte. Ich hätte dann das negative Bild als Experte abrunden sollen und dürfen, der die Arbeit der Bank kritisch beleuchtet, durch meine Aussage in einem weiteren „belastenden Statement“. 

Ich kam also unter Druck, wer wollte mich jetzt schon wieder für seine Zwecke vereinnahmen? Ich lehnte dieses denkbare Ansinnen, mutmaßlich für eine wirtschaftliche Magazinsendung zur Primetime zu kooperieren, schriftlich ab – obwohl auch ich in meinem Weblog kritisch über die Vorgeschichte der Noa Bank berichtete hatte, was mich einige Zeit kostete, hier immer wieder die Details zusammen zu tragen. 

Für die goldene Mitte interessiert sich in der marktschreierischen Medienwelt kaum ein Mensch. Oder man unterstellt dies zumindest, um ungestört Auflage zu machen. Entweder man schreibt eine Bank in den Glückshimmel, um sie hernach völlig ungeniert wieder wie eine Laus am Boden zu zertreten.

Um es aber ganz deutlich zu sagen: Ich konnte im Gegensatz zum WDR keine konkreten Hinweise erkennen, um die neue Bank wegen unseriöser Methoden pauschal in Grund und Boden zu verdammen. 

Als Wirtschaftsjournalist und „Bankwatcher“ sah ich nämlich auch, dass es viele Neider gab, die nur ein alzu verständlich-großes Interesse daran hatten, der Noa Bank zu schaden, denn sie war erfolgreich gestartet. So gab es sogar hochrangige Banker (auch aus dem Genossenschaftsmilieu), die dem Gründer allerlei Absurdes vorwarfen, etwa er gehöre der Scientology-Sekte an.

Ich hatte es nur zu oft erlebt, wie gerade im hoch regulierten Bankenmilieu die Konkurrenz aus dem Weg geräumt werden kann. Hetze die Regulierungsbehörden auf deinen Feind, sorge dafür, dass er sich nicht mehr um sein Kerngeschäft kümmern kann, sondern teure Rechtsanwälte alimentieren muss, und du hast die Kuh vom Eis und hast selber mehr Futter auf der Wiese.   

Auch die privaten Banken hatten natürlich kein großes Interesse, die Noa Bank beispielsweise in den Einlagensicherungsfonds aufzunehmen. Wer erfolgreich ist, der hat gerade in Deutschland keine Freunde, weil Gewinnstreben im Gegensatz zu den liberaleren Ökonomien per se verdächtig ist.

Ich finde, dass die hohen Privilegien und Versorgungsdienstleistungen, die beispielsweise der deutsche Beamtenstatus mit sich bringt, der Marktwirtschaft auch angesichts des demographischen Wandel viel mehr schaden, als ein kreativer aber natürlich „geschäftemacherischer“ weil geschäftstüchtiger Unternehmer, der unzählige Risiken tragen muss, und den fragenden Mitarbeitern dabei in die Augen sehen muss, wenn etwas nicht so gut läuft.

Sie sehen liebe Leser: Es gibt mehrere Wahrheiten, nicht nur eine. Es ist gut, sich nicht vereinnahmen zu lassen, weder von einer Bank, einer anderen Interessengruppe, noch von einem Medienhaus. Deshalb führe ich nun der Vollständigkeit halber, damit die Leser von Social Banking 2.0 sehen, dass man die Thematik von vielen Seiten betrachten sollte, hier mein Schreiben per mail vom 01.03.2010 an einen Redakteur des WDR noch einmal wörtlich auf:

Was Ihre Recherche zur Noa Bank angeht, so hatte ich Ihnen ja mitgeteilt, dass man den Bogen thematisch weiter ziehen sollte, nicht um abzulenken, sondern jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei eine Standortbestimmung der Branche vorzunehmen. Ich selbst werde den Weg der Noa Bank weiterhin kritisch verfolgen und kommentieren, aber ohne jegliche Vorab-Verurteilung, für die mir im Moment jedenfalls keine klaren Indizien vorliegen.

Ich hatte Ihnen ja bereits angeboten, auf Social Banking 2.0 Ihre Sicht der Dinge einmal darzulegen. Mein Weblog ist das Forum, in dem ich die relevanten Trends recherchiere und kommentiere. Spannend wäre eine ambitionierte Reportage, die sich sachlich und fundiert mit den Zukunftsperspektiven der Banken und Finanzindustrie auseinander setzt. Sollte der WDR sich also entscheiden, hier etwas Weitergehendes auf die Beine zu stellen, so können Sie mich gerne kontaktieren.

Mit freundlichen Grüssen

Lothar Lochmaier

In meinem früheren Weblog-Eintrag hatte ich mit Blick auf den WDR bereits folgendes kommentiert:

Ich hatte selbst in jüngster Zeit eine schwierige Gratwanderung zu bewältigen, einerseits kritisch über die Vorgeschichte der Noa Bank zu berichten, worüber ich in zahlreichen Blogeinträgen berichtet habe. Ich bin nicht blind, auch mich haben einige Unklarheiten irritiert.

Andererseits, und das ist wieder die Kehrseite der Medaille, entspricht es nicht meiner  Arbeitsweise und meiner journalistischen Ethik, ohne jegliche konkreten Befunde eine Vorabverurteilung der Noa Bank als unseriöse Bank auszusprechen. Der WDR ist auch an mich heran getreten, weil ich in meinem Blog diverse kritische Einträge zur Noa Bank verfasst hatte.

Meiner Sorgfaltspflicht bin ich nach gekommen, und habe alle Fakten, die mir selbst zur Noa Bank bekannt waren, und die ich via Netz recherchieren konnte, an die Leser von Social Banking 2.0 weiter gereicht. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Kommentierung zum aktuellen Geschäftsgebahren der Noa Bank kann und will ich allerdings nicht abgeben. Mir fehlen dazu die Informationen, um dies seriös und fundiert zu bewerten.

Man hätte mich ebenso gut zu einer anderen deutschen Großbank befragen können, und wenn ich hier nichts Stichhaltiges habe, werde ich dazu keinen Kommentar abgeben. Dem WDR hatte ich übrigens selbstverständlich angeboten, auf meinem Weblog eine Stellungnahme zu den Vorwürfen abzugeben, die der Noa Bank Gründer Francois Jozic seinerseits in den Raum gestellt hat (Cocktail der Manipulationen, wenig unabhängige Journalisten).  

Ansonsten regte ich jedoch an, sich intensiver in einer fundierten Reportage mit dem Status Quo und den Zukunftsperspektiven der Finanzindustrie und dem Social Banking auseinander zu setzen. Das wäre ein spannender Job, den bisher keiner erledigt hat. Das ist viel harte, akribische Detailarbeit.

Ich muss gestehen: Ich mag die vielen tollen Bilderfluten, denen der Magazinjournalismus im Fernsehen sich heute unterwirft, nicht besonders. Alles putscht die Emotionen hoch, meist bleibt der Zuseher dann allein zurück. Ich respektiere die Arbeit von Journalisten, auch jene vom WDR, die sicherlich nicht einfach ist.

Es müssen aber neue Wege her, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. Weder bringt uns reines “Bankenbashing” gegen die Arrivierten weiter, da dies nur ablenkt von den konkreten Lösungsoptionen. Man sollte jedoch die kritischen Punkte deutlich ansprechen, um das alte Bankensystem, das sich zu weit von der Realwirtschaft weg bewegt hat, nicht zu rechtfertigen.

Am Ende dieses Beitrags bleibt neben viel verbrannter Erde, von der vor allem die Wirtschaftsmedien zum erneuten Mal durch Auflagensteigerungen – dieses Mal via Grabschändung – profitieren, nur eine Frage: Whose side are you on – Mr. Jekyll oder Dr. Hyde?

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Written by lochmaier

April 9, 2010 um 7:39 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Guter Artikel, was man von den meisten Artikeln der Leitmedien wirklich nicht behaupten kann. Es ist erschreckend, wie schlecht da manche Artikel sind, was man meist dann erkennt, wenn man sich in dem Thema gut auskennt.

    Jan

    April 9, 2010 at 10:16 am

  2. Zitat- Unfreiwillig liefert die noa bank aber einen starken Grund dafür, warum es für Banken besser ist, weiter intransparent zu bleiben. Wenn man viel informiert, dann liefert man auch mehr Angriffsfläche. Wenn man schweigt, dann kann höchstens das Schweigen kritisiert werden. Aber Schweigen ist in Deutschland ja bekanntlich Gold wert. /-Zitat

    Was will den hiermit gesagt werden? Zurück auf die Bäume?
    Wenn einer eine nachhaltige Weiße-Weste-Bank gründet, sollte er auch eine ebensolche aufweisen können.

    Das Finanzhandwerk hat jetzt einen neuen Anspruch, ohne die alten Haltungen: keine Waffen, kein Atomquatsch, keine Ausbeutung, keine Naturverheerungen, kein Gift, und, nein, auch keine schwer zu durchschauenden Kundenverträge, sondern Transparenz.

    Das ist doch nachvollziehbar, oder? Was gibt es denn da zu rechtfertigen?

    Frank

    April 16, 2010 at 12:16 pm


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