Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Wie verdient das Finanzinstitut eigentlich sein Geld?

with 3 comments

Das Thema Noa Bank zieht nach meinem Eintrag heute früh auch am Nachmittag seine Kreise, und da es ein Schlaglicht auf die Bankenszene einschließlich der daran angeschlossenen Medien wirft, widme ich aus gutem Grunde dem Thema erneut einige Zeilen (mehr).  

Man darf bald schon eines erwarten: Funk, Fernsehen, Internet und Printmedien haben ihren Kronprinzen und Punchingball gefunden – Sie küssten und sie schlugen ihn, so wird die Beziehung von Francois Jozic die nächste Zeit zu den Medien aussehen, wie ich hier bereits beleuchtet habe.

Kurzum: Die Medienszene hat sich jetzt endgültig im Positiven wie im Negativen auf die Noa Bank eingeschossen. So legte heute am späten Nachmittag Caspar Dohmen von der Süddeutschen Zeitung gleich nach, und gibt hier – kaum einen halben Tag nach dem Erscheinen des Beitrags auf Spiegel online – seine Sicht zum Fall zum Besten:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/945/508095/text/

Wirklich neue Fakten kann auch er nicht präsentieren, es bleibt aber zumindest bei einer deutlich vorsichtigeren und sachlich ausgewogeneren Einschätzung als bei Spiegel online der Fall, was man durchaus als soliden Journalismus bezeichnen kann – ein Auszug aus dem Beitrag „Flecken auf der grünen Weste“:

Für zusätzliche Unruhe sorgte am Donnerstag Friedrich-Leopold Freiherr von Stechow, der Geschäftsführer der Noa Bank. Der langjährige Genossenschaftsbanker, der unter anderem bei der DG Bank arbeitete, sollte bei Jozics Noa Bank Aufbauhilfe leisten. Nun gibt er seinen Job als Vorstand der Noa Bank bereits wieder auf. Ein Sprecher beschwichtigte am Donnerstag auf Anfrage und sprach von einem geplanten Schritt. Zudem dementierte er, von Stechow habe die Vorgehensweise von Bankgründer Jozic als ruppig bezeichnet. Entgegen Marktgerüchten untersucht die Aufsicht noch nicht die Eignung von Jozic als Bankinhaber. Derzeit gebe es keine Überprüfung der Inhaber der Noa Bank, sagte ein Sprecher der Süddeutschen Zeitung.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Übrigens: den meisten Medienmenschen mag es entgangen sein, aber die Noa Bank und ihr Gründer haben sich selbst nie das exklusive enge Gutmenschen-Etikett „Ökobank“ umgehängt, das haben die Wirtschaftsblätter schon selbst erledigt. Die Bank wirbt vor allem mit einer Geldanlage jenseits der Spekulation, die sie in Kredite für die Realwirtschaft umwandelt.

Das Thema Noa Bank polarisiert auch die Blogger-Szene, die Riege teilt sich jetzt noch stärker in Kritiker und Befürworter auf, wird etwa anhand eines Beitrags auf finanznachrichten.info deutlich:

http://www.finanznachrichten.info/banken/180-die-noa-bank-gegen-den-rest-der-banken-welt/

Der Autor sieht vor allem in der Kritik der Noa Bank an dem Einlagensicherungsfonds der Banken einen verbalen Querschuss, der auf den Absender zurück fallen könnte, etwa sogar in eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen David gegen Goliath (die institutionalisierten privaten Banken):

Diese Aussage könnte die noa Bank teuer zu stehen kommen, da sie zu einem Rechtsstreit führen könnte. Beim Bankenverband stößt diese Aussage auf ein klares Dementi: “Der Einlagensicherungsfonds ist keinesfalls insolvent. Diesbezügliche Aussagen sind haltlos”, wird der BdB im „Spiegel“ zitiert. Dass der Bundesverband deutscher Banken eine solche, öffentlich gemachte, Aussage, nicht auf sich sitzen lassen wird, davon ist fast auszugehen.   

Quelle: finanznachrichten.info

Das Weblog Newsjungle setzt noch einen drauf, und textet: Noa Bank legt sich mit dem Bundesverband deutscher Banken an, hier nachzulesen:

http://newsjungle.de/bm/die-noa-bank-legt-sich-mit-dem-bundesverband-deutscher-banken

Erstaunlich: Bei Google hat es Spiegel online mit seinem Bashing der Noa Bank bereits vor die Homepage des neuen Instituts geschafft, auch so kann man sein Geld verdienen, nachzulesen auf dem Weblog Optimal-banking:

http://www.optimal-banking.net/2010/noa-bank/

Offenbar haben die Blogbetreiber auch ihr Konto bei der Noa Bank bereits gekündigt. Doch der Herdentrieb, der sich jetzt weiter ausbreiten und sich in zwei Lager polarisieren wird, könnte auch eine weitere Blüte hervorbringen: Nämlich, dass am Ende in einem Nullsummenspiel auch neue Kunden dazukommen, während alte abwandern.

Denn der Bekanntheitsgrad der Noa Bank wird durch die Medienkampagne sicherlich noch steigen. Darauf verlassen sollte sich jedoch niemand. Letztlich kann es die neue Bank auch in ihren Fundamenten erschüttern, so dass am Ende ein kleiner oder großer Scherbenhaufen für alle Beteiligten übrig bleibt, dessen Wahrheitsgehalt nach wie vor heftig umstritten ist. Oder anders gesagt: Wo Informationen fehlen, sprießen die Gerüchte, wie durch das Echo in den Bergen verstärkt, noch lauter aus dem Boden.       

Das Hauptaugenmerk liegt deshalb weiterhin auf den Medienmechanismen, die sich hinter der Auseinandersetzung um die Noa Bank verbergen. Wenn man den letzten kritischen Artikel auf Spiegel online über die angeblichen kriminellen Machenschaften der Noa Bank sich hier nochmals aufmerksam durchliest, dann fällt auf, dass es Spiegel online wohl mehr um die kalkulierte öffentliche Aufmerksamkeit gegangen sein dürfte – sprich die klickenden Zahlen der irritierten Leser, die natürlich von zwei Seiten polarisierend die virtuelle Printauflage in die Höhe treiben.

Das kann man so machen, obwohl es zeigt, dass die Medien fast nur noch rein opportunen Strickmustern folgen. Man muss kein Gutmensch sein, um professionellen Journalismus zu betreiben. Eine solide Recherche, und stichhaltige Fakten hätten genügt. Oftmals steht gerade bei Spiegel online im Text sogar noch was anderes drin, als in der Überschrift. Aber was soll’s – heute geht alles, im Internet kann man ja zur Not nochmal schnell nachbessern.

Fakt ist deshalb: Inhaltliche Argumente, so verdeutlicht auch die Diskussion auf dem Forum von Spiegel online, waren für den Gehalt des heutigen Beitrags zur Noa Bank wohl eher von untergeordneter Bedeutung. Die Mehrzahl der Leser bzw. der Einträge, wenngleich diese natürlich nicht repräsentativ sind, mochte deshalb bislang den doch etwas vage und betriebswirtschaftlich allzu simpel gestrickten Argumenten des Autors nicht Folge leisten.

Und das aus gutem Grund: Auch ich war schon gleich zu Beginn meines Studiums Mitte der achtziger Jahre von einer Diskussion an der Universität im Fachbereich Geschichte mehr als genervt: Der damalige Historikerstreit drehte sich nämlich letztlich darum, wer am Ende von Hitler und Stalin der schlimmere von beiden Diktatoren war. Fürwahr eine Nobelpreis verdächtige und gleichwohl ziemlich überflüssige Fragestellung, an der sich viele Experten unterschiedlicher Lager geistig, und vielleicht einige auch finanziell, gesund gestoßen haben.

Wie wir spätestens seit dem allgemeinen, weich gespülten Wunschkonsens zu jugendlichen Missbrauchsskandalen wissen, gibt es gerade dort am wenigsten Moral und Gutmenschentum, wo man es eigentlich erwarten müsste. Und darin liegt das Fatale an der Kritik zur Noa Bank. Oder um im symbolischen Feintuning zu bleiben: Tja, so läuft das, den Splitter im Auge des anderen siehst du wohl, das geistige Dünnbrett vor dem eigenen Spiegel im Kopf übergehst du nur allzu gerne.

Viel spannender als diese Diskussion, bei der sich wieder mal die Opportunisten und geistigen Extremisten hemmungslos für die Niederungen jeder Talk Show wappnen, und verdächtig im Medienstream die Köpfe raufen, ist doch eine andere Frage. Worauf basiert denn das Geschäftsmodell der Noa Bank, wie verdient sie ihr Geld?

Ein Leser immerhin auf dem Spiegel Forum äußerte sich zumindest zu dieser Fragestellung:

Die Herren von Quorum / Noa sind genial. Im Rahmen des Factorings werden Forderungen zu 3,5% – 4,5% angekauft (ob gar auch noch zusätzlich Zinsen erhoben werden, weiß ich allerdings nicht). Bei einer durchschnittlichen Factoringgebühr von 4% und einem Zahlungseingang von 40 Tagen macht das dann einen Effektivzins von 36% aus.  

Unterstellt man, dass an Rückversicherungs- und Vertriebskosten rund 1% anfallen, ergibt sich immer noch eine stolze Verzinsung für Noa von 27%. Da kann ich den Investoren locker 3% anbieten. Wenn die Factoringkunden in die öko-soziale Zielgruppe passen (zB Spediteur fährt mit Bio-Diesel) dann werden die Kundengelder auch wunschgemäß eingesetzt.

Quelle: Spiegel online

Die Fakten sind natürlich nicht zu überprüfen, auch nicht die Behauptung – Nehmen wir aber den gewissen Unterton in der obigen Aussage mal heraus, so bleibt doch der Umstand als diskussionswürdig, dass gerade durch die Verbindung zwischen attraktiven Guthabenzinsen für die Anleger, der Kreditvergabe an klein- und mittelständische Unternehmen, bis hin zum Factoring-Geschäft, sprich der Forderungsübernahme, evtl. auch noch der Weiterverkauf von Unternehmen,  das intelligente Geschäftsmodell der Noa Bank als hinreichend beschrieben ist.

Aber auch das ist keine bahn brechende Neuigkeit, denn diese strategische Aufstellung in der bankentechnischen Wertschöpfungskette verfolgen auch zahlreiche andere Geldhäuser. Aber davon hat der Autor von Spiegel online wahrscheinlich nur ganz am Rande gehört. Da kämen ziemlich interessante Fakten ans Licht, die dann natürlich im Einzelfall auch mal in dubio pro Noa Bank ausfallen könnten. Bilanzierungstechnisch gibt es allerorts Diskussionen, sie werden aber selten öffentlich.

Manchmal agieren die ehelichen und unehelichen Factoring-Töchter der Banken mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg. Einige Factoringanbieter sind auch ins Trudeln geraten. Die Margen stehen unter Druck, ebenso wie die Unternehmen, die infolge der Wirtschaftskrise natürlich genau überlegen, wie weit sie ins Soll und in Vorleistungen gehen können, oder auch müssen. 

Allerdings halten die Banktöchter zum Teil einen wesentlich aufwändigeren und wenig schlanken Verwaltungsapparat vor, als es bei der Noa Bank der Fall sein dürfte. Mehr Einblicke wären  sicherlich gewünscht. Aber bieten andere Spieler diese Inneneinsichten? Einerseits also dürfte die Noa Bank hier sicherlich mit Blick auf die Transaktionskosten ganz gut aufgestellt sein, jedoch vermutlich um den Preis einer schleppenden Kreditvergabe, die natürlich manuell in einem aufwändigen Prozesse erfolgen muss.

Finanziell nachteilig für die Bank ist das freilich zunächst nicht unbedingt, wenn das Geld erst einmal geparkt werden darf, ja muss. Auch ein Verstoß gegen gesetzliche oder regulatorische Auflagen ist dadurch nicht per se gegeben.

Was bleibt unter dem Strich nach dem Lesen des Artikels bei Spiegel online hängen – außer dem Vorwurf, es handle sich beim Gründer Francois Jozic und seinem Partner um „Geschäftemacher„, eine kleine verbale Einlassung des Spiegel-Autors, die jeder kreative Unternehmer übrigens auch als Kompliment seiner eigenen Geschäftstüchtigkeit auffassen könnte?   

Ein weiterer Kommentar der Leser von Spiegel online ist noch interessant:

Einzig die Eingliederung der Quorum AG als Factoringgesellschaft in eine Öko-soziale Bank wirft ein sehr großes Fragezeichen auf.

Genau – diese Fragestellung war seinerseits auch für mein Weblog Social Banking 2.0 der Anlass, beim Gründer Francois Jozic mit einigen Fragestellungen in die Tiefe zu gehen. Denn hier sollten die Anleger natürlich informiert sein, welche Altlasten oder auch Guthaben in welcher Form in die neue Firmenstruktur übergegangen sind. 

Da sind Rückfragen zur bilanzierungstechnischen Flurbereinigung ohne jeden Zweifel erlaubt – und sogar gewünscht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer aber von den anderen Konkurrenten, pardon Mitbewerbern, Banken und marmorierten Medienhäusern ohne jedwede Sünde ist, der hebe jetzt bitte die Hand und werfe den ersten Stein, und zwar zur Abwechslung mal auf sich selbst.

Advertisements

Written by lochmaier

April 8, 2010 um 4:27 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Spiegel Artikel zur noa bank befasst (siehe “Noa Bank: Spiegel Online setzt zum Angriff an” und Noa Bank: Wie verdient das Finanzinstitut eigentlich sein Geld?). Für diese deutlich differenziertere Sichtweise interessieren sich aber weder FTD noch […]

  2. […] Spiegel Artikel zur noa bank befasst (siehe “Noa Bank: Spiegel Online setzt zum Angriff an” und Noa Bank: Wie verdient das Finanzinstitut eigentlich sein Geld?). Für diese deutlich differenziertere und keinesfalls unkritische Sichtweise interessieren sich […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: