Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Spiegel Online setzt zum Angriff an

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Wer meinen gestrigen Beitrag zur Noa Bank gelesen hat, der wird heute kaum überrascht sein, dass Spiegel online, und der Autor Günter Heismann, sich endlich aus der Deckung getraut haben, um heute ihre Frontalattacke gegen die Noa Bank zu starten – Headline: “ Noa in der Kritik: Ethik-Bank mit dubiosen Gründern“ :

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,687774,00.html

Einige kurze Zitate auszugsweise:

Im Gegensatz zu den etablierten Öko-Banken ist bei Noa von den versprochenen Investitionen in Umwelttechnologien, erneuerbare Energien oder Bio-Landwirtschaft derzeit allerdings noch sehr wenig zu sehen: Lediglich 225.000 Euro flossen bislang in den Umweltschutz. Noch magerer sieht die Bilanz für die Themenfelder Leben und Kultur aus.

Interessant ist jedoch vor allem diese Passage, in dem Spiegel online einen Bankmitarbeiter quasi zum Kronzeugen ernennt, um den Angriff gegen das im November gegründete Institut zu starten:

Recht verwundert beobachtet von Stechow, wie ruppig Bank-Gründer Jozic in seinem Internet-Blog mit Kritikern verfährt. Der rüde Ton erinnert an die zuweilen etwas fragwürdige Vergangenheit der beiden Noa-Banker. 2004 gründeten Jozic und Lodewyk in Düsseldorf die Factoring-Gesellschaft Quorum AG. Sie kauft Forderungen an, die Unternehmen an andere Firmen haben. Hierzu braucht Quorum eine Bank, die das Geschäft vorfinanziert. In der Finanzkrise drehten viele Kreditinstitute jedoch den Geldhahn zu.  

Quelle: Spiegel online

Zu dem letzten Absatz oben kann man eigentlich nur sagen, dass der angeblich rüde Ton, mit dem die Noa Bank gegen Kritiker vorgeht, bislang irgendwo anders geortet werden muss. Hätte sich der Autor mal ohne Vorbehalte die Blogseiten durchgelesen, so wäre vielleicht das Urteil heraus gekommen, dass es sich hier um eine andere Bank, das ist jetzt wörtlich gemeint, handeln muss.

Denn in punkto Transparenz und offenem Dialog mit dem Kunden kann man Francois Jozik nun wirklich nichts vorwerfen. Er legt die Karten offen auf den Tisch. Natürlich kann man das auch clever und diplomatisch geschickt nennen. Daraus aber ein konkretes Tatmotiv der Veruntreuung oder des Betrugs zu konstruieren, ist schon sehr gewagt.     

Fazit: Dass Spiegel online Fragen stellt, ist völlig legitim, auch ich habe zahlreiche durchaus auch kritische Beiträge über die Vorgeschichte der Noa Bank auf diesem Weblog publiziert. Letztlich aber ist das, was das angeblich führende deutsche Nachrichtenmagazin an Faktenlage präsentiert, reine Spekulation. Denn dass die Bankenaufsicht die Noa Bank beobachtet, ist nun wirklich kein Geheimnis, dass ein führender Bankmitarbeiter ausscheidet, auch das ist kein Novum.

Was bleibt zurück anhand der präsentierten Fakten? Natürlich werden jetzt einige der Noa Bank den Rücken kehren, wer eine Brandspur legt, wird immer seinen Erfolg ernten. Aber wer sich am Ende bemühen muss, den Bankenverband und die Bafin als Kronzeugen gegen die Noa Bank in Stellung zu bringen, der stellt sich doch ziemlich einseitig auf die Seite des Establishments.

Insofern war mein gestriger Beitrag, in dem ich einen Vergleich zwischen Noa und Deutscher Bank mit Blick auf die öffentliche Wahrnehmung geschrieben habe, tatsächlich genau das, was sich heute auf Spiegel online manifestiert hat. Eine Sternstunde des investigativen deutschen Wirtschaftsjournalismus ist dies kaum, wenn anhand von einzelnen Urteilen – von denen es zu jeder x-beliebigen Bank – auch zu den Genossenschaftsbanken und Sparkassen – jede Menge gibt, eine strafrechtliche Fallgeschichte konstruiert wird.

Oder anders ausgedrückt: Der deutsche Wirtschaftsjournalismus hat sich stark auf opportunistische Gewässer begeben. Die Top-30 oder Top-100, die Dax-Unternehmen, die großen Player lässt man meist ungestört ziehen, während man die kleinen wie die Noa Bank in den Schwitzkasten nimmt. Gegen eine Deutsche Bank oder eine andere Großbank hätte sich das führende deutsche Nachrichtenmagazin eine derartige Verbalattacke ohne wirklich ausreichende Fakten nie getraut, aus denen man tatsächlich ein strafrechtlich hieb- und stichfestes Konstrukt ableiten könnte.

Das ist die schlechte Nachricht zur Medienlandschaft:  Kreative Zerstörer sind auch im Mainstream-Journalismus kaum gefragt. Was wohl die bunt schillernde Blogosphäre zu diesem Fall sagen wird…..?

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Written by lochmaier

April 8, 2010 um 9:40 am

Veröffentlicht in Uncategorized

6 Antworten

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  1. […] einen Kommentar » Das Thema Noa Bank zieht nach meinem Eintrag heute früh auch am Nachmittag seine Kreise, und da es ein Schlaglicht auf die Bankenszene einschließlich der […]

  2. […] der neuen Banken, in zwei Blogbeiträgen mit dem Spiegel Artikel zur noa bank befasst (siehe “Noa Bank: Spiegel Online setzt zum Angriff an” und Noa Bank: Wie verdient das Finanzinstitut eigentlich sein Geld?). Für diese deutlich […]

  3. Letztendlich bleibt doch wenig Substanz in dem SPIEGEL-Artikel. Die Vorwürfe, die berechtigt sind (Kunden-Abzocke), führten bereits in der Vergangenheit zu Verbesserungen. Was übrig bleibt ist a) dass noch nicht alles Geld verliehen wird (schlimmer wäre es, wenn die Bank das Geld ohne Prüfung an irgendwelche Anthro-Klitschen in Lampukistan verschleudern würde), b) dass die Aufsicht „sehr genau hinschaut“ (schlimmer wäre es doch wohl, wenn die Aufsicht nicht genau hinschaut, siehe HRE).

    Die Bemerkung mit dem Einlagensicherungsfonds ist im Kern durchaus berechtigt, siehe http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578638,00.html

    Natürlich wäre es schöner wenn Noa Mitglied des Fonds wäre. Aber ich denke, es fällt den meisten Kunden nicht schwer, ihre Einlagen auf 50000 zu begrenzen!

    Also locker bleiben 🙂

    Tilman

    April 9, 2010 at 2:29 pm

  4. Für mich als Kunden ist es interessant zu beobachten, wie die Bank reagiert. Und das gefällt mir nicht. Es begann mit dem detaillierten Blogbeitrag, inzwischen entwickelt es sich zu einem Kleinkrieg mit dem Journalisten.

    Das alles wäre nicht erwähnenswert. Wenn, ja wenn es nicht aufzeigen würde, wie aufgesetzt dieses tolle Web-2.0-Auftreten inkl. Transparenz und direkter Kommunikation ist. Über Twitter: Funkstille. Im Blog: verzögerte Freischaltung der Kommentare, später gar keine Freischaltung mehr, Antworten auf berechtigte Fragen, die viel Licht ins Dickicht bringen könnten, kommen nicht. D.h. Kommunikation findet kaum mehr statt.

    Alles in allem bin ich erstmal froh die Entscheidung getroffen zu haben, meine Gelder dort temporär abzuziehen.

    So beobachtet sich die Entwicklung entspannter.

    Thomas

    April 17, 2010 at 11:29 pm

  5. […] der neuen Institute, in zwei Blogbeiträgen mit dem Spiegel Artikel zur noa bank befasst (siehe “Noa Bank: Spiegel Online setzt zum Angriff an” und Noa Bank: Wie verdient das Finanzinstitut eigentlich sein Geld?). Für diese deutlich […]


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