Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for März 2010

Too big to fail: Argumente jenseits von populistischem Bankenbashing gefragt

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Es reicht tatsächlich nicht aus, nur mit dem großen Finger auf die Banken als die einzig bösen und geldgierigen in dieser Welt zu zeigen.

Hans Kaufmann, Ökonom und Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei , hat eine umfassende Studie zum Thema „Too-big-to-fail“ publiziert. Ergebnis: Viele Regulierungsbemühungen wie Strafsteuern oder Tobin seien „von Neid und Vergeltung geprägte Feldzüge gegen den Finanzsektor“.

Was „to big to fail“ wirklich bedeuten kann, lässt sich stattdessen in einer ausführlichen Branchenanalyse made in Swizzerland hier nachlesen:

http://www.hanskaufmann.ch/?do=download&flush=true&fileID=431

Eine kürzere Kommentierung dazu findet sich auch hier bei finews:

http://finews.ch/news/banken/2946-lneidvolle-feldzuege-gegen-den-finanzsektorr

Ein Zitat, das die Ursachen kurz und bündig auf den Punkt bringt:

«Am Anfang der Finanzkrise standen bekanntlich nicht die Boni und die Banker, sondern eine durch eine lockere Geldpolitik begünstigte globalen Verschuldungsorgie, der weder die Finanzmarktaufsichten noch die Gesetzgeber rechtzeitig entgegentraten. In den USA wurde der Eigenheimbesitz staatlich gefördert und trotz Milliardenverlusten wird die Schuldenmacherei durch die zwei staatsnahen Hypothekarinstitute Fannie Mae und Freddie Mac, die praktisch ohne Eigenkapital arbeiten, weiterhin forciert», so Kaufmann. 

Quelle: Finews.ch

Fazit: Neue Marktmodelle sind gefragt, und keine plumpen Analysen oder fadenscheinige Diskussionen um Alternativen, die sowieso nie kommen werden. Ein Anfang wäre es ja schon, die 1500 Prozent Gewinne am Bankautomaten durch überhöhte Gebühren etwas abzumildern, findet heute sogar der Fernsehsender n-tv:

http://www.n-tv.de/ratgeber/steuernrecht/Gesetz-koennte-Gebuehr-kappen-article781677.html

Mehr dazu in der Presse gibts etwa hier:

http://www.banktip.de/News/24484/bundestag-prueft-hohe-gebuehren-an-geldautomaten.html

Verbraucherschützer fordern nun eine Deckelung auf zwei Euro:

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5j-p549HQEb7myFRom3NcdRB63_iQ

http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article6825461/Verbraucherpolitiker-wollen-Gebuehren-an-Geldautomaten-deckeln.html

 

Written by lochmaier

März 18, 2010 at 2:39 pm

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Die kreative Bankfiliale der Zukunft: Innovation kommt aus dem Netz

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Dank des Online-Bankings kommen immer weniger Kunden in die Filialen. Zunächst waren die Banken froh drum, doch mittlerweile zeigen sich die Nachteile. Die Kundenberater bekommen ihre Kunden nicht mehr zu sehen, berichtet die Süddeutsche Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/786/504003/text/

Briefmarken kaufen, Postkarten aufgeben, Pakete verschicken – solche Geschäfte können die Bundesbürger künftig auch bei Volks- und Raiffeisenbanken erledigen. Die genossenschaftlichen Institute steigen im größeren Stil ins Geschäft mit Postdienstleistungen ein, lässt die Süddeutsche Zeitung durchblicken. Ob das klappt, mit dem Gemischtwarenladen „Bank“, wo sonst noch alles mögliche  bis zum Nasenspray verkauft wird.

Oder anders gefragt: Wie sieht die Bankfiliale der Zukunft wirklich aus? Denn dass die Bankberater kein Vertrauen mehr genießen, davon sind die Zeitungen voll – und irgendwann hält man es einfach nicht mehr mit dem Partner an der Seite aus, eine zerrüttete Ehe, in der man nicht miteinander spricht, wird geschieden.

Hier eine Liste der unzähligen kritischen Artikel, anhand derer man sich fragen kann, warum der eine oder andere den Weg noch in die Bankfiliale antritt, wo es ja das Internet gibt:

http://www.handelsblatt.com/massive-beschwerden-kunden-laufen-sturm-gegen-banken;2535521

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,681776,00.html

http://www.tarife-verzeichnis.de/nachrichten/3200-banken-verlieren-kundenvertrauen.html

Written by lochmaier

März 16, 2010 at 9:22 am

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Börse: Hochfrequenzhandel mit kleinen Aussetzern?

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„High Frequency Trading“ setzt immer ein, oder auch manchmal aus, wie die FTD berichtet:

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:boomende-programme-computer-handel-weckt-aengste-um-boersenkollaps/50065918.html

Einen interessanten Überblick über Chancen, Risiken und Nebenwirkungen, bis hin zu den Nachrichtendiensten von Reuters und Co. gibt es auch hier beim Blicklog:

http://www.blicklog.com/2010/01/27/automatischer-brsenhandel-hochfrequenzinformationen-von-reuters-fr-high-frequency-trader/ 

High Frequency Trading – welche seltsame Formen die computergesteuerte künstliche Schwarmintelligenz annimmt, das habe ich hier schon einmal beleuchtet: 

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/11/high-frequency-trading-seltsame-formen-der-kunstlichen-schwarmintelligenz/

Vielleicht sollte man sich doch auch menschlicher Intelligenz, mit und ohne Schwarm, bedienen, um zu einer Neuordnung der Finanzwelt zu gelangen. Die Preisfrage: Wie gehen wir mit unserem Geld um? Wozu setzen wir es ein? Wie transparent machen die Akteure ihre Wertschöpfungsketten, die einen graduellen Blick ins Innere der Black Box Bank gestatten?

Written by lochmaier

März 14, 2010 at 10:37 am

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Ing-Diba Chef Ben Tellings: Facebook und Co. taugen nicht für Finanzgeschäfte – und zweifelt an Seriösität von Peer-to-Peer-Banking und Social Lending – Smava und Fidor widersprechen vehement

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Im ausführlichen Interview mit Ben Tellings, dem Vorstandsvorsitzenden der größten deutschen Direktbank (ca. 6 Mio. Kunden), werden die Grenzziehungen und Gräben zu den sozialen Netzwerken doch ziemlich deutlich. Das ganze durchaus spannende Interview habe ich auf Heise Telepolis publiziert, es kann hier nachgelesen werden:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32200/1.html

> So manchen Aussagen in dem Interview mit Blick auf die Banken kann man einerseits durchaus zustimmen. Auch ist es sicherlich kein einfaches Unterfangen, über ein soziales Netzwerk seine Bankgeschäfte und die Vermögensverwaltung zu erledigen, allein schon aus Sicherheitsgründen, was ich etwa in einem früheren Eintrag beleuchtet habe.

Aber: Das muss im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass soziale Netzwerke zur Bedeutungslosigkeit für die Bankenszene verdammt sind. Im Gegenteil. Denn dazu gibt es ja mittlerweile spezialisierte Dienstleister und Plattformen auf dem Markt, wie Smava (Kreditvergabe bzw. Social Lending) oder Fidor (Geldanlage über Community Banking).

Und genau mit jenen geht der Chef der Ing-Diba ziemlich hart ins Gericht. Ein Auszug aus meinem Beitrag auf Heise Telepolis:

Wie stufen Sie die wirtschaftlichen Perspektiven von „sozialen“ Kredit- und Geldanlagegemeinschaften bzw. finanziellen Netzwerken ein – in Deutschland gibt es etwa Smava für die Kreditvergabe, oder Fidor für das Community Banking. Dort übernehmen quasi die Nutzer selbst in einer Art graduellem Outsourcing-Modell die Regie, und die Bank bzw. ein IT-Dienstleister sind „nur“ für den Part der Interessenmoderation zuständig. Bleiben derartige Plattformen im Netz eher eine Randerscheinung, oder haben sie gerade infolge des großen Vertrauensverlustes, dem die etablierte Szene nach wie vor unterworfen ist, eine größere Wachstumsperspektive vor sich?

Die Privatkredit-Börsen werden in ihrer Nische sicherlich Erfolg haben, aber eine Randerscheinung bleiben. Denn wer in diesem Markt als Anleger aktiv werden will, muss sich über den spekulativen Charakter des Investments im Klaren sein. Wer bereit ist, über Online-Kreditplattformen 15 Prozent oder noch mehr Jahreszins zu bezahlen, wird nicht selten von seiner Hausbank mangels Kreditwürdigkeit schon eine Ablehnung seines Kreditantrags erhalten haben.

Ein bisschen verwundert  diese doch recht klare Aussage schon. Und man kann und sollte dies nicht unkommentiert stehen lassen. Ich habe deshalb ein Statement der beiden angesprochenen Firmenchefs von Fidor bzw. Smava eingeholt, um die von der Ing-Diba aufgeworfene Frage für die Leser von Social Banking 2.0 gleich exklusiv zu beantworten.

Die Leitfrage:  Sind soziale Kreditbörsen und das Community Banking tatsächlich nur was für Kunden, die woanders nicht zum Zuge kommen, also letztlich unseriöse Leute? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Innovationsstrategie der Direktbanken in Abgrenzung zu den sozialen Netzwerken und Social Media ganz aufgeht.

Sicherlich sind finanzielle soziale Netzwerke kein Selbstläufer, so wie es vor einem Jahrzehnt den Direktbanken quasi Hand streich artig gelang, mit ihren innovativen Services zum Online-Banking die Welt der Banken doch erheblich durcheinander zu wirbeln. Auch diese Herausforderung nahmen die Traditionalisten anfangs nicht ernst.

Sind jetzt die Direktbanken die neuen Traditionalisten? Denn es stellt sich die Frage: Rollt jetzt eine neue Innovationswelle auch über die reinen Internet-Dienstleister hinweg, die keinen „sozialen“ und kommunikativen Mehrwert in der interaktiven Kundenbetreuung bieten? Sind Direktbanken künftig „sexy“ genug, so dass sie ihre Marktanteile halten, vielleicht sogar ausbauen?

Hier nun die Antworten von Matthias Kröner, Geschäftsführer der Fidor Bank AG, sowie von Alexander Artopé, Geschäftsführer von Smava.

Zunaechst bewertet Alexander Artope von Smava die Aussagen von Ben Tellings:

Artope: Klar ist, dass smava gegenwärtig hinsichtlich der Volumina noch nicht mit einer größeren Bank gleichzusetzen ist. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass smava für jeden Kreditnehmer in Deutschland eine Alternative zum klassischen Bankkredit sein wird. Zwei Dinge sprechen dafür: immer mehr Menschen nehmen online einen Kredit auf. Und immer mehr Menschen interessieren sich dafür, mit WEM und WIE sie ihre Geldgeschäfte tätigen. Dabei gewinnen Angebote wie smava oder Fidor, weil sie Selbstbestimmung und Transparenz ermöglichen.

Sind soziale Kreditbörsen (Zinswucher) bzw. Community Banking (spekulative Investments) tatsächlich nur was für Kunden, die woanders wie bei der Hausbank nicht zum Zuge kommen, also letztlich für unseriöse Leute?

Artope: smava wird auf den ersten Blick manchmal mit einer Plattform verwechselt, die nur Kreditnehmern schlechter Bonität ein Angebot bietet. Das ist mitnichten der Fall. Wer ist denn bei smava? Erstens alle Personen mit guter und mittlerer Bonität, die einen einfachen Online-Kredit wollen. Zweitens Kreditnehmer, die bei Banken häufig durch die klassischen Zielgruppenraster fallen. Hier sind insbesondere Selbständige zu nennen. Drittens Leute, die Geldgeschäfte gerne direkt, transparent und selbstbestimmt tätigen. Die Fakten bestätigen dies: im Februar 2010 war der effektive Durchschnittszins bei smava rund 9,1%, d.h. 7,8% nominal (60 Monate Laufzeit).

Oder anders gefragt: Verändert sich auch die Welt des Online- und Mobile Bankings durch Community Banking und Social Lending?

Artope: Ja, mit Sicherheit.Social Lending wird häufig auf Anbieter wie Kiva, smava oder ZOPA bezogen, obwohl diese sehr unterschiedlich sind. Was sind die Gemeinsamkeiten? Transparenz und Selbstbestimmung. Konkret: in beiden Modellen treten Kreditnehmern nicht als Bittsteller auf, sondern sind gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe. Ebenso können Anleger selbst transparent entscheiden, wem sie ihr Geld geben und wofür. Was sind die Unterschiede? Kiva ist non-profit, smava und ZOPA sind for-profit. „Sozial“ nennt man for-Profit Modelle wie smava aber auch, weil sie zusätzlich zur finanziellen Rendite eine soziale Rendite bieten. Konkret unterstützt man andere Menschen bei der Umsetzung eines Projektes. Häufig sogar Themen, die einem selbst wichtig sind. Teilweise gibt es dazu noch ein persönliches Dankeschön vom Kreditnehmer. Da dies immer mehr Menschen wichtig ist, wird selbst im for-profit Bereich Social Lending eine immer größere Rolle spielen.

Und hier gibt Matthias Kroener von Fidor sein Statement zu den Aussagen der Ing-Diba ab:

Kroener: Es mag ein Teil der Wahrheit sein, dass diese spezifischen Kunden bei einer Bank kein Geld bekommen. Manches mal aus nachvollziehbaren Gründen. Manches Mal aus weniger nachvollziehbaren Gründen – was wiederum eine Diskussion für sich wäre. Es wird der Sache jedoch nicht gerecht, eine derartige Innovation rein auf das Produkt-faktische und die Diskussion der Kreditwürdigkeit zu reduzieren.

Vielmehr steckt auch eine Verhaltensveränderung dahinter. Es gibt Menschen in unserem Land, die einfach nicht mehr mit einer Bank reden wollen, aus vielerlei Gründen. Man braucht hierzu nur einen Blick in die Medien werfen.

Die Aufgabe von Finanzdienstleistern ist es, das Vertrauen der Bürger wieder zurück zu gewinnen. Über welchen Weg dies nun geht, ist ja jedem Konzept selbst überlassen. Manche Konzepte, wie eben SMAVA und FIDOR haben sich für Transparenz und Kundenintegration entschieden.

Abgesehen davon wage ich folgende These aufzustellen: Ich sehe es eigentlich in der Verantwortung eines Finanzdienstleisters, sich Gedanken zu Produkten und Dienstleistungen zu machen, die auch und vor allen Dingen finanzschwächere Kundengruppen ansprechen, Da wäre mal Innovation gefragt -. Statt nur zu sagen: Ist nichts, machen wir nicht, haben wir noch nie gemacht.

Sind soziale Kreditbörsen (Zinswucher) bzw. Community Banking (spekulative Investments) tatsächlich nur was für Kunden, die woanders wie bei der Hausbank nicht zum Zuge kommen, also letztlich für unseriöse Leute?

Kroener: Das ist natürlich eine starke Verkürzung des faktisch Geschehenden und läßt ahnen, wie weit die Banken vom web 2.0 und damit vom Kunden weg sind. Es erinnert mich sehr stark an die Aussagen eines Frankfurer Privatkundenvorstands, als wir 1994 die DAB gegründet haben: „Dafür ist der deutsche Kunde nicht reif“. Ich denke, das sollte man auch den Kunden selbst überlassen. Und dann sollte man uns z.b. die Zeit geben, die Vision, die Idee erst einmal vernünftig umzusetzen und in den Markt zu bringen.

Aus Sicht der FIDOR BANK kann ich sagen, dass gegenwärtig vielleicht 10% von dem sichtbar sind, was wir uns als „finales“ Bild einer FIDOR BANK selbst skizziert haben. Und diese Skizze wird immer größer, denn nun diskutieren unsere User und Kunden mit! Und diese Leute haben Lust darauf, Finanzdienstleistung mitzugestalten. Ob das ein Zeichnen einer schlechten Kreditwürdigkeit ist, wage ich zu bezweifeln.

Rollt jetzt eine neue Innovationswelle auch über die reinen Internet-Dienstleister (Online Banking) hinweg, die keinen Mehrwert in der interaktiven Kundenkommunikation und -betreuung bieten?

Kroener: Nein auf keinen Fall. Ich kann allen Entscheidungsträgern nur empfehlen, unbedingt bei den bisherigen Ansätzen zu bleiben.

Oder anders gefragt: Verändert sich auch die Welt des Online- und Mobile Bankings durch Community Banking und Social Lending?

Kroener: Nun, mir wurde einmal mitgeteilt, dass 2/3 des Internet Contents mittlerweile user created sind –  auf das gesamte Internet bezogen. Im Rahmen der Finanzdienstleistung sind es keine 5%. Was fällt uns daran auf? Nachdem Amazon-Kunden auch Bankkunden sind, nachdem Holiday-Check-User auch Bankkunden sind, nachdem Ebay-Nutzer auch (noch) Bankkunden sind, nachdem Facebook User auch (noch) Bankkunden sind, nachdem wir das alles wissen, was macht uns als Banker so hoffnungsfroh, dass web 2.0 und all seine Konsequenzen die Finanzdienstleistung „verschonen“ wird? Was läßt uns glauben, dass der User, der auf allen anderen Internet-Angeboten und Seiten gewisse (web 2.0) Verhaltensweisen ausübt, diese Verhaltensweisen an der Tür zu seiner Bank ablegt und sich ausgerechnet dort ad infinitum mit einem „gestrigen“ Kommunikationsansatz zufrieden gibt?

————-

> Soweit die Originalkommentare der Betroffenen von Smava und Fidor. Die Diskussion wird anhalten, welchen Stellenwert Social Media in unserer Wirtschaft und Gesellschaft spielt.

Im übrigen verweise ich nochmals auf meinen längeren Beitrag zum Thema „Warum Direktbanken das soziale Internet verschlafen„:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/18/social-media-warum-direktbanken-das-soziale-internet-verschlafen/

Written by lochmaier

März 11, 2010 at 7:37 pm

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Zitat des Tages: Zu Gast bei McDonalds Fast Food 2.0

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Ab und an reicht es auch, wenn man viel unterwegs ist, einige kleine Zitate zum Nachdenken zu posten, pardon, zu schreiben. So habe ich mir heute, obwohl ich persönlich kein Fan der Fast Food Cuisine bin, mal einen guten Gedankenblitz aus der Führungsspitze von McDonalds entliehen:

„Our head of Social Media is the customer.“

Mehr Infos zur Strategie, bei der man sich nicht verschlucken sollte, gibt es etwa hier:

http://www.viralblog.com/social-media/mcdonalds-social-media-marketing-strategy/

Auch auf Deutsch gibts ein paar kleine Häppchen, was sich hinter Social Media und Fast Food 2.0 verbirgt, etwa hier:

http://socialwhat.posterous.com/social-media-marketing-mit-mcdonalds

… Und wer jetzt darüber nachdenkt, warum Banken Social Media eher klein halten, auch der findet in dem obigen Zitat seine Antwort. Vielleicht soll ja der Kunde gar nicht in den Mittelpunkt rücken, die Regie über die Produkte mit übernehmen. Zu tiefe Einblicke in die Geldwelt sind eben nicht gewünscht, auch muss der Kunde Kompetenzen mitbringen, will er der Bank via Social Media auf Augenhöhe begegnen. Aber was nicht is(s)t, das kann ja noch gekocht werden.

Written by lochmaier

März 11, 2010 at 1:02 pm

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Liquid Democracy und Finanzen: Aufstand der kreativen Mittelschicht?

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Für Anarchopunks sind Unternehmer, Vermieter und Politiker die Bösen. Ohne die gabe es aber eine feudalistische Plutokratie. Intelligente Punks dagegen versuchen, sich mit kreativen Ideen von den Konventionen der Mittelschicht zu verabschieden. Ich nenne sie Investmentpunks.

> Dieses Zitat stammt von Gerald Hörhan. Er ist Investmentbanker und geht auf Heavy-Metal-Festivals. Im „Presse“-Interview erklärt er, warum die Mittelschicht in einem Hamsterrad läuft und sich ausbeuten lässt:

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/541230/index.do?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

Bilanzieren wir: „Liquide“ Demokratie mit dem Transmissionsriemen der Mittelschicht beginnt bei den Finanzen – oder sie kommt gar nicht. Die kreative Mitte der Gesellschaft entscheidet hoffentlich, sofern sie ihr strategisches Potenzial und ihre Bedeutung als Brückenkopf zwischen Unter- und Oberschicht erkennt, wohin die Geldströme fließen (sollten), und wohin vielleicht eher nicht.

Was ist zu tun? Nur wer die Verantwortung für das eigene Geld und das der anderen übernimmt, ist ein produktives Glied in der Wertschöpfungskette, und dient den Interessen der „Realökonomie“ – und damit jenen der gesamten Umwelt und Gesellschaft. Denn allein mit Investmentpunks werden wir kaum die richtige Richtung einschlagen.

Kommt jetzt der intelligente „Aufstand der kreativen Mittelschicht, die in das undurchsichtige Räderwerk der Finanzindustrie eingreift? Als philosophischer Ausstieg deshalb die Schlussrede in dem künstlerischen Meisterwerk von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1940: Der große Diktator, eine mehr als gelungene Persiflage auf Hitler, die später von der Realität so deutlich übertroffen wurde, dass Chaplin diesen Film am liebsten nie gedreht hätte.

Zunächst eine Szene aus der Mitte des Films, in dem der große Dikator mit unserem Erdball mehr oder minder elegant spielt, bis er zerplatzt, hier kann man durchaus Analogien zu den Exzessen an den Finanzmärkten nach dem Motto „Alles oder nichts“ sehen:

Die Schlussszene hat auch heute mit Blick auf die Finanz- und Bankenwelt keine Silbe an Aktualität verloren:

Written by lochmaier

März 9, 2010 at 3:40 pm

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Internet-Bezahldienste: PayPal spürt Gegenwind – (nicht nur) deutsche Kunden sind unzufrieden

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In einem längeren Beitrag in der Fachzeitschrift „die bank“ (03-2010) beleuchte ich die Zukunftsperspektiven der Internet-Bezahldienste, hier ist ja die an eBay angehängte PayPal das Maß der Dinge – der Titel des Beitrags lautet:

Internet Payment Systems: PayPal spürt Gegenwind

Hier gehts zum Inhaltsverzeichnis, online gibt es den Beitrag, der im aktuellen Heft 03/2010 erschienen ist, noch nicht einzusehen:

http://www.die-bank.de/inhaltsverzeichnis-1/03-2010

Wer meine Gedanken etwas zwischen den Zeilen liest, wird am Ende auf die Einflüsse von Facebook & Co. aufmerksam werden, so wird die Szenerie der mobilen und Internet-basierten Verfahren durch „Facebook Credits“ bereichert, dessen strategische Bedeutung  ja auch PayPal schon erkannt hat. Leider fehlte mir der Platz, diese Facette  ausführlicher zu beleuchten.

Ich habe aber für den deutschen Ableger der amerikanischen Newsplattform CNET schon einmal die nicht ganz einfache Rolle von PayPal im Konzert der Online-Finanzökonomie beleuchtet. Titel des Beitrags: PayPal – Sicherer Datendienst oder dubiose Datenkrake?

http://www.zdnet.de/sicherheits_analysen_paypal_sicherer_bezahldienst_oder_dubiose_datenkrake_story-39001544-39153525-1.htm

Es empfiehlt sich durchaus, sich mal die Kommentare direkt unter meinem Fachbeitrag auf zdnet.de anzuschauen. Man kann sich fragen: Was hat sich seit dem Jahr 2007 geändert?

Fazit: Einerseits herrscht eine große Euphorie, manche Experten wie Chris Skinner meinen, dass PayPal die Welt der finanziellen sozialen Netzwerke maßgeblich beeinflußt, andere wiederum stehen dieser potenziellen Hegemonie eher kritisch gegenüber:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,680448,00.html

Am Ende bilanziert eine der vielen Tageszeitungen, die derzeit durch Stellenstreichungen und sinkende Werbeerlöse ins Trudeln geraten, nämlich die Stuttgarter Nachrichten:

Eins, zwei, drei – Raus!

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stuttgarter_nachrichten.html/id/fddab209-70fb-4d66-a000-85cb8b1b6ad9

Ob das allerdings für den Platzhirschen am Markt, für PayPal gilt, darüber kann zur Zeit nur trefflich und kontrovers spekuliert werden. Deshalb abschließend ein viel sagender Auszug aus dem Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom 06.03.10:

So will das Auktionshaus seinen expandierenden Finanzservice, der bereits für rund ein Drittel des Konzernumsatzes sorgt, in Deutschland weiter durchsetzen. Dadurch werden die Auktionen teurer (um mindestens 1,9 Prozent des Umsatzes plus 35 Cent). Zudem gilt Paypal wegen Sicherheitsbedenken und mangelnder Transparenz als umstritten. Das Internet ist voll von Beschwerden, in denen Kunden klagen, dass Paypal trotz ordnungsgemäßer Lieferung die Weitergabe der bezahlten Summe verweigert. Die Google-Suche nach der Wortkombination Paypal und Probleme bringt 2,6 Millionen Treffer. Derzeit prüft das Bundeskartellamt die Koppelung von Verkauf und Zahlungsmethode bei Ebay.

Verwunderlich ist es somit nicht, dass ein Redner auf der letzten Mitglieder-Konferenz „Ebay Live“ in Chicago klagte: „We are running out of Germans“ – „Uns gehen die Deutschen aus . . .“.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten

Written by lochmaier

März 7, 2010 at 12:20 pm

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Noa Bank und die Medien: Sie küssten und sie schlugen ihn

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Wer den Filmklassiker von Francois Truffaut aus dem Jahr 1959 gesehen hat: Sie küssten und sie schlugen ihn, der sieht sich mit einem interessanten Plot konfrontiert. Der 14-jährige Antoine wird von seiner Umwelt als »schwieriges« Kind beurteilt. In der beklemmenden Enge der elterlichen Wohnung sieht sich Antoine mit einem schwächlichen Vater und einer verständnislosen Mutter konfrontiert.

So ähnlich, gehasst und von den Medien gleichzeitig geliebt zu sein, ergeht es derzeit wohl Francois Jozic, dem Gründer der Noa Bank. Er ist mittlerweile, auch aufgrund einer clever aufgesetzten Werbekampagne zu dem im November gegründeten neuen Institut (Social Banking 2.0 berichtete hier) von den Wirtschaftsmedien akzeptiert, ja sogar als kreatives Unruheelement geliebt.

Das Handelsblatt und andere Leitmedien haben ihn längst akzeptiert, die guten Konditionen für Tages- und Festgelder haben ihr übriges getan.  

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass „David jetzt gegen Goliath in die Offensive“ geht, um aus seiner Sicht unberechtigte Vorwürfe, die das Geschäftsgebahren der Noa Bank betreffen, aus dem Weg zu räumen, nachzulesen heute auf dem Weblog der „anderen Bank“: 

http://www.anderebank.de/blog/artikel/goliath-versucht-david-zu-toeten-teil-1/

Dazu ein Kommentar von Social Banking 2.0: Ich hatte selbst in jüngster Zeit eine schwierige Gratwanderung zu bewältigen, einerseits kritisch über die Vorgeschichte der Noa Bank zu berichten, worüber ich in zahlreichen Blogeinträgen berichtet habe. Ich bin nicht blind, auch mich haben einige Unklarheiten irritiert.

Andererseits, und das ist wieder die Kehrseite der Medaille, entspricht es nicht meiner  Arbeitsweise und meiner journalistischen Ethik, ohne jegliche konkreten Befunde eine Vorabverurteilung der Noa Bank als unseriöse Bank auszusprechen. Der WDR ist auch an mich heran getreten, weil ich in meinem Blog diverse kritische Einträge zur Noa Bank verfasst hatte.

Meiner Sorgfaltspflicht bin ich nach gekommen, und habe alle Fakten, die mir selbst zur Noa Bank bekannt waren, und die ich via Netz recherchieren konnte, an die Leser von Social Banking 2.0 weiter gereicht. Nicht mehr und nicht weniger. Eine Kommentierung zum aktuellen Geschäftsgebahren der Noa Bank kann und will ich allerdings nicht abgeben. Mir fehlen dazu die Informationen, um dies seriös und fundiert zu bewerten.

Man hätte mich ebenso gut zu einer anderen deutschen Großbank befragen können, und wenn ich hier nichts Stichhaltiges habe, werde ich dazu keinen Kommentar abgeben. Dem WDR hatte ich übrigens selbstverständlich angeboten, auf meinem Weblog eine Stellungnahme zu den Vorwürfen abzugeben, die der Noa Bank Gründer Francois Jozic seinerseits in den Raum gestellt hat (Cocktail der Manipulationen, wenig unabhängige Journalisten).  

Ansonsten regte ich jedoch an, sich intensiver in einer fundierten Reportage mit dem Status Quo und den Zukunftsperspektiven der Finanzindustrie und dem Social Banking auseinander zu setzen. Das wäre ein spannender Job, den bisher keiner erledigt hat. Das ist viel harte, akribische Detailarbeit.

Ich muss gestehen: Ich mag die vielen tollen Bilderfluten, denen der Magazinjournalismus im Fernsehen sich heute unterwirft, nicht besonders. Alles putscht die Emotionen hoch, meist bleibt der Zuseher dann allein zurück. Ich respektiere die Arbeit von Journalisten, auch jene vom WDR, die sicherlich nicht einfach ist.

Es müssen aber neue Wege her, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. Weder bringt uns reines „Bankenbashing“ gegen die Arrivierten weiter, da dies nur ablenkt von den konkreten Lösungsoptionen. Man sollte jedoch die kritischen Punkte deutlich ansprechen, um das alte Bankensystem, das sich zu weit von der Realwirtschaft weg bewegt hat, nicht zu rechtfertigen.

Und um den Kreis zwischen den Polen, sie küssten und sie schlugen ihn, noch weiter zu schließen, sollte man neue Ansätze aus dem Social Banking weder glorifizieren, noch vorschnell verdammen. Die Zeit ist aber definitiv gekommen, für konstruktive neue Wege in der Bankenlandschaft.

Das Vertrauen ist dahin, und wir alle sind gefordert, an einem besseren Geldfluss mitzuarbeiten, der die Menschen und die produktive Arbeitskraft in den Mittelpunkt stellt.

Wenn wir weiter machen wie bisher, werden die virtuellen spekulativen Geldströme jenseits der realen Wertschöpfung unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig erodieren lassen, ja vielleicht sogar den Zusammenhalt in der Mittelschicht, die die Hauptlasten zu tragen hat, zerstören.

Social Banking ist ein Hoffnungsträger, und solange nicht erwiesen ist, dass einer der Spieler, und das gilt für alle, nicht vorsätzlich gegen Gesetze verstoßen hat, gibt es keinen Grund, eine endgültige negative Bewertung vorzunehmen.

Ich war in Deutschland übrigens der erste Kommentator, der sich im vergangenen Herbst mit der Noa Bank auseinander gesetzt hat, und das sehr kritisch. Das Geschäftsmodell, das damals auf der Webseite präsent war, fiel mir durch den Tipp eines Experten auf. Daraufhin habe ich es durchleuchtet, und viele kritische Anmerkungen dazu gemacht. Vieles dort Präsente schien mir damals hektisch und undurchsichtig gemacht.

Kurz darauf suchte Francois Jozic, der Gründer der Noa Bank, das Gespräch mit mir, und ich berichtete über die Argumente, die wir ausgetauscht haben, öffentlich. Ich sah mich einem engagierten Diskutanten gegenüber sitzen, der leidenschaftlich für seine Sache und die Noa Bank eintritt. Der Gründer erläuterte mir, er habe – wie hoffentlich jeder von uns – durch die Finanzkrise viel gelernt. Sie hat uns tatsächlich alle an den Rand des Abgrunds gebracht. Und es gibt keine Garantie, dass sich dies nicht wiederholen könnte. 

Wo also stehen wir? Zunächst einmal gibt es vielerorts eine Sympathie für neue Modelle, wie dasjenige der Noa Bank, den Ökobanken, oder einer Smava und Fidor, die die Welt mit der Peer-to-Peer basierten Kreditvergabe und Vermögensverwaltung bereichern. 

Das von der Noa Bank verfolgte Geschäftsmodell beschreibt Jozic wie folgt: Jenseits von Spekulation die Kundeneinlagen seriös verwalten, und Kredite an die Realwirtschaft, das heißt an die klein- und mittelständischen Unternehmen ausreichen. An diesen Zielen muss sie sich jetzt messen lassen. 

Genau das wäre tatsächlich die Aufgabe von Banken, sich als Dienstleister der Wirtschaft und Gesellschaft zu verstehen. Dafür dürfen auch Gewinne erwirtschaftet werden, wenn sie nicht nur exklusiv in den Taschen einiger weniger Spieler landen.    

Ich selbst lasse mich von keiner Seite vereinnahmen, weder von den klassischen Medien, noch von einer Bank. Ich sehe meine Aufgabe in diesem Weblog darin, möglichst neutral und jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei über die alte und neue Bankenszene zu berichten. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der ich mich jeden Tag aufs neue stelle.

Es motiviert mich, nicht die ausgetrampelten Pfade anderer zu benutzen, und auch an der Neuerfindung des „Bankenjournalismus 2.0“ mitzuarbeiten.

Viele positive Kommentare haben mich in den vergangenen Monaten motiviert, in dieser Aufgabe fortzufahren. Es gab auch kritische Stimmen, manchmal hatte ich das Gefühl aufgeben zu sollen, und mich wieder in den Strom der unauffälligen Masse einzureihen, wo es bequemer ist, weil man nirgendwo aneckt. Das aber wäre vergeudete Lebenszeit. Ich will mich nicht mit mir selbst langweilen.

Mittlerweile ist mein Buch zum Social Banking fertig.  Dieses Weblog hat dazu beigetragen, dass ich viel gesendet und noch mehr Signale empfangen habe. Es war ein vielschichtiger Chor, viele Stimmen, die mich erreichten, und aus denen ich das aus meiner Sicht wichtige Material  zu selektieren hatte. Die Aufgabe hat gerade erst angefangen. Sie ist spannend, wenn man bereit ist, sich auf die zahlreichen Unwägbarkeiten einzulassen.

Es gibt keine Helden und keine Sündenböcke, das wäre zu einfach. Ich weiß, wie jeder andere auch nicht, wie sich die Geschicke der Noa Bank entwickeln werden. Sie wird unter Beweis stellen müssen, dass sie seriös arbeitet. Sie wird sich mit neuen und alten Vorwürfen konfrontiert sehen. Ich selbst möchte daran glauben, dass alternative Wege in der Finanzwirtschaft, die das Etikett Social Banking zurecht tragen, möglich sind.

Oder einfacher formuliert: Nicht jeder Mensch, der Visionen hat, sollte gleich zum Arzt gehen. Hier deshalb abschließend einige Originalszenen des Films von Francois Truffaut: „Sie küssten und sie schlugen ihn“:

Written by lochmaier

März 5, 2010 at 10:21 am

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Die Bank sind wir: Buch zum Social Banking frei zur Vorbestellung

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Ab und an ist auch Werbung in eigener Sache erlaubt – Mittlerweile ist mein Buchprojekt „Die Bank sind wir – Chancen und Zukunftsperspektiven von Social Banking“ (Heise Telepolis), das im dpunkt-Verlag erscheinen wird, online vorzubestellen:

http://www.dpunkt.de/buecher/3270.html

Das Titelbild sagt ja schon mal aus, dass es um Geld geht, das Menschen sich gegenseitig in die Hand geben. Wie wir uns also von der Black Box Banking Mentalität verabschieden können.

Mal sehen, wieweit die unterschiedlichen neuen Modelle Schule machen, und wie diese die Industrie neu beeinflussen. Die Endproduktion durch die Verlagsschleifen wird sich noch einige Wochen hinziehen, wenn alles klappt, dann erscheint das Buch im Mai.

Und wer schon mal einige Eindrücke erhalten möchte, wie es um Social Banking an der Schnittstelle zwischen alter und neuer Bankenwelt bestellt ist, dem empfehle ich, sich übers Wochenende noch einmal den rund 50-minütigen Videostream von der Cebit Webciety anzuschauen, auf der ich mit auf dem Podium saß – und eine spannende Diskussion mit einigen Vertretern aus der Branche geführt habe.

http://webciety.de/?page_id=2703 (= Archivfunktion, runter scrollen bis zur Veranstaltung Finance 2.0 am 02.03, und klicken, dann öffnet sich das Video automatisch).

Written by lochmaier

März 5, 2010 at 8:24 am

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Quirin Bank im Interview: Wie erfolgreich ist Social Media in der Honorarberatung?

with one comment

Zweifellos gehört die Quirin Bank mit einem Geschäftsmodell, das auf Honorar- statt Provisionsberatung basiert, zu jenen Instituten in der „neuen Szene“, die ein frisches und belebendes Element darstellen.

Im vergangenen Herbst hat insbesondere die recht aufwändige (und sicherlich nicht ganz billige), recht clever ineinander verzahnte Web- und Print basierte Werbekampagne zum Verbot der Provisionsberatung für einen der „Hingucker“ gesorgt. War das nun eher eine klassische Kampagne, oder doch vielmehr eine virale auch mit Hilfe von Social Media gesteuerte Aktion? – so lautet nun die Eingangsfrage.

Zunächst zur Einführung eine Retrospektive: Ein Einblick, wie die Werbeslogans entstanden sind, wie dieser hier: Lieber Herr Westerwelle, machen Sie es wie die Engländer: Schaffen Sie Provisionen ab! – das kann man hier nachlesen:

http://www.jppr.de/news-service/news-0909_content_d.asp?f=185&lan=d

Zur Kampagnenwebsite „Provisionsverbot“ geht es hier:

http://quirinnews.de/provisionsverbot/

Nun bilanziert Vorstandsvorsitzender Karl Matthäus Schmidt den Status Quo, nicht nur zur Honorarberatung, sondern er skizziert eben auch jene Chancen und Grenzen von Social Media, in einer nicht ganz alltäglichen Bank. Hier das Gespräch exklusiv für die Leser von Social Banking 2.0:  

Social Banking 2.0: Herr Schmidt: Bevor wir etwas gebetsmühlenartig die Königsfrage nach der Qualität der Bankberatung adressieren, erst einige aktuelle Aufhänger. Im vergangenen Herbst war die Quirin Bank in den Print- und Online-Medien stark präsent mit ihrer Kampagne zur Honorarberatung, oder genauer gesagt, mit der Kampagne zur Abschaffung der Bankprovisionen. Wenn Sie einige Monate später die Zielrichtung und die erzielten Erfahrungen bilanzieren, was kam dabei heraus?

Zielsetzung unserer Kampagne war es, für mehr Anlegerschutz und Kundenfreundlichkeit in der Bankenbranche zu werben. Deshalb haben wir die Bundesregierung aufgefordert, Provisionen und versteckte Kosten im Privatkundengeschäft der Banken abzuschaffen und für mehr Transparenz und Fairness für alle Privatanleger zu sorgen.

Die Kampagne wurde mit einer Petition an den Gesetzgeber verbunden und von knapp 2000 Menschen unterschrieben sowie von zahlreichen Experten aus der Finanz- und Wirtschaftsbranche, der Politik und dem Verbraucherschutz unterstützt. Darüber hinaus haben wir enormen Zuspruch von vielen Privatkunden bekommen und zahlreiche Anleger haben uns von ihren persönlichen Erfahrungen erzählt. Diese offene Kommunikation mit Kunden und Interessierten ist uns sehr wichtig, da sie in unserer Geschäftspolitik einen besonderen Stellenwert einnimmt.

Social Banking 2.0: Was hat sich denn konkret daraus ergeben?

Seit Ende Dezember befindet sich unser Antrag in der parlamentarischen Prüfung. Seitdem ist das Thema von vielen Verbänden, wie z.B. dem VDH oder den Verbraucherzentralen aufgegriffen worden. Die Honorarbetung als Alternative zum Provisionsbanking ist aus der öffentlichen Diskussion nicht mehr wegzudenken.

Social Banking 2.0: Ist es überhaupt ein realistisches Unterfangen, die Bankprovisionen abzuschaffen, oder geht die Zielrichtung nicht letztlich am Problem vorbei, nämlich generell nur Bankprodukte zu vertreiben, die neben den Kunden sogar die Bankberater bis hinunter in die kleinsten Vertriebseinheiten verstehen?

Es wäre schön, wenn das so einfach wäre. Das Problem liegt aber tiefer. Banken haben in der Regel kein Interesse daran, ihre Produkte so transparent und einfach zu gestalten, dass sie auch von den Kunden verstanden werden. Der Grund dafür ist ganz einfach: je verständlicher ein Produkt ist, desto weniger lassen sich darin Gebühren und Provisionen verpacken. Umgekehrt gilt: je komplexer und schwieriger ein Produkt, zu verstehen ist– denken Sie etwa ein Zertifikat – desto leichter kann man darin Gebühren verstecken. Und Gebühren  will die provisionsorientierte  Bank einnehmen, weil sie damit ihr Geld verdient. Es kann also – systembedingt – gar nicht im Interesse der Bank liegen, Produkte einfach und verständlich zu gestalten. Die Bank wird ihren Informations- und Gestaltungsvorsprung immer nutzen, um daraus einen Vorteil für sich zu ziehen. Entsprechende Initiativen des Gesetzgebers, wie etwa die MiFID oder die Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie  haben deshalb auch leider nicht zu mehr Transparenz und Verbraucherschutz sondern zu mehr Informationsflut und Bürokratie für die Verbraucher geführt.

Social Banking 2.0: Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Deshalb setze ich mich für eine Abschaffung des Provisionssystems in Deutschland ein. Ich persönlich glaube fest daran, dass sich der Interessenskonflikt, indem jeder Bankberater heute zwangsläufig steckt, nur auflösen lässt, wenn Kunden keine versteckten Provisionen sondern offene Honorare zahlen.

Jeder Kunde, der sich heute mit den tatsächlichen Kosten seiner Geldanlage befasst, und versteht, dass Bankberatung in Wirklichkeit nicht umsonst ist, begreift sehr schnell, dass sich eine unabhängige Honorarberatung unter dem Strich auch für ihn  persönlich besser rechnet.

Social Banking 2.0: Wie erfolgreich sind denn die Berater bei der Quirin Bank, eine Garantie für ein erfolgreiches Abschneiden kann es ja nirgendwo geben, was macht also das unverwechselbare Element aus?

Die Tatsache, dass unsere Berater nicht von Provisionen leben, sondern unabhängig beraten, ist das einzigartige Merkmal unseres Beratungsmodells. Unsere Kunden können ganz entspannt sein, denn Sie wissen: Für die Beratungsleistung zahlen Sie ein Honorar wie beim Anwalt oder beim Steuerberater. Der Berater hat keine „versteckte Agenda“, weil er ständig an seine Provisionen denken und dem Kunden ein Produkt verkaufen muss. Er kann sich vielmehr voll auf die Belange seines Gegenübers konzentrieren. Auf dieser Basis lassen sich langfristig vertrauensvolle und nachhaltige Beziehungen aufbauen.

Social Banking 2.0: Zum Massenphänomen hat es bislang aber nicht gereicht?

Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile dieses Konzepts. So konnten wir  unsere Kundenzahl allein im letzen Jahr um 70 Prozent steigern und betreuen inzwischen knapp 6.000 Kunden. Wir verwalten mehr als 1,5 Milliarden Euro an Kundengeldern.

Dabei ist die Honorarberatung als überlegenes Geschäftsmodell die eine Seite und die Qualität der Beratung die andere Seite der Medaille. Hier konnten wir in den vergangenen zwei Jahren beweisen, dass wir unser oberstes Gebot, das Vermögen unserer Kunden zu erhalten, auch eingehalten haben. Trotz eines schwierigen Börsenumfelds haben wir in der Vermögensverwaltung kontinuierlich positive Renditen erwirtschaftet.

Social Banking 2.0:  Sie haben des öfteren beschrieben, dass in den USA die Honorarberatung gesellschaftlich erheblich besser akzeptiert wird als hierzulande. Ist das ein grundsätzliches Mentalitätsproblem oder nur eine Frage der Zeit, bis sich das Bezahlen einer qualitativ guten Dienstleistung auch hierzulande als Standardservice verbreitet?

In den Vereinigten Staaten  ist die Honorarberatung mit knapp 15 Prozent tatsächlich deutlich weiter verbreitet als in Deutschland,  wo wir mit unter einem Prozent Marktanteil, gemessen am verwalteten Vermögen, noch ganz am Anfang stehen.

Das hat sicher auch mit unterschiedlichen Mentalitäten zu tun: Die Deutschen waren es bisher gewohnt, dass der Staat sie in Fragen der Altervorsorge absichert, in USA sind die Menschen dagegen angehalten, eigenverantwortlich vorzusorgen. Ich denke allerdings, dass in Deutschland seit einiger Zeit ein Mentalitätswandel stattfindet.

Die Menschen sind gezwungen,  in Fragen der finanziellen Vorsorge die Dinge stärker selbst in die Hand zu nehmen und sich intensiver mit Finanzthemen auseinanderzusetzen. Dabei hilft die Honorarberatung, weil sie sich als unabhängiger und fairer Partner in allen Finanzfragen anbietet. Entsprechend besagt eine Studie von Simon-Kucher& Partners, dass über zwei Drittel der Entscheidungsträger aus der Finanz- und Bankbranche von einer Etablierung der Honorarberatung bis spätestens 2015 ausgehen.

Social Banking 2.0:  Würden Sie die Honorarberatung als einen Teil des sich neu formierenden Marktes um Dienstleistungen beim Social Banking einsortieren, und wenn ja, wo liegen die Schwerpunkte, und wo grenzt sich die Quirin Bank eher vom Social Banking ab, mit Blick auf Kernelemente von Transparenz, Mitbestimmung und den Einsatz von Social Media? Oder anders gefragt: Wie nehmen Sie die Perspektiven von „Social Banking 2.0“ wahr, in diesem Sinne definiert als die Chance, gerade über das Internet den direkten und transparenten Dialog mit dem Kunden zu suchen, und die Produkte nicht von oben herab im Massengeschäft durch zu drücken, sondern den Klienten produktiv in die eigene Produktphilosophie und Gestaltung der „Bank 2.0“ einzubinden?

Wenn mit Social Banking gemeint ist, dass Bankberater im Sinne des Kunden handeln, also die Bank wieder für die Menschen da ist; kann man die Honorarberatung sicher als „Social Banking“ definieren. Unser Bankberater beraten ihre Kunden nach dem „Customer Advocate Prinzip“, also wie ein Anwalt, fair, unabhängig und transparent. Das Verhältnis zwischen Kunde und Berater ist partnerschaftlich und gleichberechtigt.

Die Kommunikationskanäle, die wir dabei benutzen sind breit gestreut und natürlich nutzen wir als junge und moderne Bank auch Social Media. Wir sind allerdings keine Internetbank, sondern eine Bank, die primär auf den  persönlichen Dialog mit ihren Kunden setzt.

Dennoch unterscheiden wir uns vom Social Banking insofern, als wir Kunden bisher noch nicht direkt in die Entwicklung von Finanzprodukten mit einbeziehen. Wir sind jedoch in vielfältiger Form im Internet unterwegs, um Anleger auf uns aufmerksam zu machen und mit Interessenten zu kommunizieren. 

Dabei kommt es entscheidend auf die Inhalte an. Wenn die relevant sind, bietet das Web 2.0 ein demokratisches und transparentes Medium für interaktiven Dialog, für die Aufnahme von Trends und Strömungen und auch für die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen an.

Social Banking 2.0: Seit dem Ende der Kampagne vor Weihnachten ist es etwas ruhiger geworden um die Quirin Bank, warum twittert die Bank seit dem 21.11. nicht mehr, ist der Aufwand auf die Dauer zu hoch? Oder anders gefragt: Ist Twitter eher nur ein gutes Kampagneninstrument denn ein langfristiges Standardtool?

Die quirin bank kommuniziert über sehr viele Kanäle, unter anderen auch über Twitter. Wir freuen uns, dass die Anzahl unserer follower ständig steigt. Twitter ist auch für uns ein gutes Medium, um schnell zu kommunizieren. Allerdings nimmt der persönliche Kontakt und Dialog mit dem Kunden in unserem Hause nach wie vor den höchsten Stellenwert ein.

Vor Weihnachten waren wir sehr stark in Zeitungen und Zeitschriften sowie im TV vertreten. Inzwischen sind wir fast wöchentlich in den klassischen Print- und online-Medien präsent, das ist für uns als kleine Bank mit noch geringem Bekanntheitsgrad sehr wichtig.

Unser Engagement via Twitter werden wir weiter verfolgen, dabei ist Twitter ein kleiner Baustein im Rahmen unserer gesamten Kommunikation. Wir sind darüber hinaus auch auf Bewertungs- und Diskussionsforen im Internet aktiv, engagieren uns bei Facebook und natürlich auch über unsere eigene Website.  

Social Banking 2.0: Wie verorten Sie Ihre persönliche Bilanz zur bisherigen Entwicklung der Quirin Bank, würden Sie sagen, es lohnt sich, für die Honorarberatung einzutreten, oder gleicht dies eher einem Kampf wie bei Don Quichote gegen die übermächtigen Windmühlen?

Klares Ja, es lohnt sich für die Honorarberatung in Deutschland einzutreten, denn ich bin der festen Überzeugung, dass wir damit für viele Anleger in Deutschland Nutzen stiften zu können. Das ist für mich die Haupttriebfeder, die mich jeden Morgen mit Begeisterung aus dem Bett und in die Bank treibt. Ich möchte einfach einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen fair und anständig beraten werden. Dabei hilft mir, dass ich im Laufe meines beruflichen Werdegangs gelernt habe, gegen allerhand Widrigkeiten anzukämpfen. Der stetige Erfolg der quirin bank ist eine tolle Bestätigung und motiviert mich, den langen Weg zu mehr Kundenfreundlichkeit und Transparenz in der Bankberatung gemeinsam mit meinem Team konsequent weiterzugehen.

Social Banking 2.0: Abschließend noch ein Ausblick: Wenn Sie sich szenarioartig vorstellen sollten, wie die Bankenlandschaft in zehn Jahren aussähe, was erwarten sie, was bleibt eher Hype, welche Änderungen werden sich in der doch ziemlich statisch aufgestellten Finanzindustrie möglicherweise doch freiwillig oder unfreiwillig ergeben?

Ich denke, dass sich die Honorarberatung als Geschäftsmodell und als Alternative zum provisionsorientierten Bankgeschäft etabliert haben wird. Warum? Weil die strikte Ausrichtung am Kundennutzen darüber entscheiden wird, welche Banken Anleger für glaubwürdig und für vertrauenswürdig halten. Die Menschen haben längst verstanden, welches Spiel die Banken mit ihnen treiben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis diese Erkenntnisse in konkretes Handeln umgesetzt werden.

Interview: Lothar Lochmaier

P.S. Vielleicht war es die unbeabsichtigte Inspiration via Social Banking 2.0 – vielleicht auch Zufall – seit dem 03. März twittert die Quirin Bank wieder, nach einer längeren Pause, und zwar hier:

http://twitter.com/quirinbankAG

Abschließender Kommentar: Sicherlich ist das Geschäftsmodell der Quirin Bank kein Social Banking im engeren Sinne, wie Vorstandsvorsitzender Karl Matthäus Schmidt im obigen Interview selbst bestätigt.

Aber es geht hier nicht um enge und kleinkarierte Begrifflichkeiten. Es ist erfreulich, dass die Quirin Bank ihre Stimme erhebt, denn es geht in der Bankenindustrie ja letztlich darum, den Kunden ernst zu nehmen, und darauf ein Geschäftsmodell aufzubauen. Und da ist die Honorarberatung zweifellos eines der frischen und belebenden Elemente, das eine produktive Rückkoppelung auf die Finanzwirtschaft entfalten kann, von der alte und neue Spieler profitieren.

Written by lochmaier

März 4, 2010 at 7:31 am

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