Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Kreditvergabe im Bereich Planet boomt

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Auf dem Weblog der „anderen Bank“ gibt es ein aufschlussreiches Update zur Noa Bank:

http://www.anderebank.de/blog/artikel/das-tagesgeldkonto-planet-ist-ausverkauft/

Einige Zitate vom Gründer Francois Jozic die zeigen, dass der unternehmerische Spagat zwischen den zahlreichen neuen Konten im Tages- und Festgeld, und der komplizierten Kreditvergabe nicht ganz einfach fällt:

Im Themenbereich Region entspricht die Höhe der Einlagen denen aus dem Bereich Planet. Die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten aus diesem Bereich übersteigt die aus dem Bereich Planet aber deutlich. In den Bereichen Leben und Kultur hat die Bank bislang nur einen Bruchteil der im Bereich Planet und Region eingesammelten Einlagen erhalten. Deshalb gibt es für diese Bereiche keine Einschränkung in der Vergabe von Tagesgeldkonten.

Interessant sind die ausführlichen Statistiken und Graphiken, die zeigen, dass die im November neu gestartete Noa Bank im Bereich Planet bislang rund 60 Mio. Euro eingesammelt hat. Nun müssen diese Einlagen nach und nach platziert und in Kredite für klein- und mittelständische Unternehmen umgewandelt werden. Dazu Francois Jozic:

Dies benötigt jedoch Zeit. Denn die Kreditvergabe ist ein langwieriger Prozess. Zurzeit kann die Bank nicht so schnell Kredite vergeben, wie Konten im Bereich Planet eröffnet werden. Deswegen und um die Diskrepanz zwischen Einlagen und vergebenen Krediten im Bereich Planet nicht zu groß werden zu lassen, hat sich die Bank dazu entschieden, die Vergabe von Tagesgeldkonten im Bereich Planet vorübergehend einzustellen. Denn die Bank möchte sicherstellen, dass ihre Philosophie eingehalten wird.

Und etwas weiter unten bremst der Gründer der Noa Bank eine allzu große Wachstumseuphorie:

Das Erfordernis für Festgeld, ist die Fristentransformation, welche die Bank beachten muss. Denn die Bank hält, aufgrund der täglichen Verfügbarkeit von Tagesgeld für die Kunden, ein Drittel des gesamten Bestands an Tagesgeld als Reserve. Bei 60 Mio. € sind das bereits 20 Mio. €, die nicht für Unterstützung der Realwirtschaft genutzt werden können.  

Es ist also auch aufgrund der engen Korsettstrukturen in der Bankenlandschaft gar nicht so einfach, eine „andere Bank“ in der Praxis konsequent umzusetzen. Aber die Kunden zeigen offenbar Verständnis für gewisse durchaus nachvollziehbare Anlaufschwierigkeiten, wie sich beispielsweise auf den Facebook-Seiten nachlesen lässt:

http://www.facebook.com/pages/Noa-Bank/186348625488

 Wer hätte schon damit gerechnet, dass die Noa Bank einen derart fulminanten Start binnen weniger Monate hinlegt. Technische, organisatorische und menschliche Ressourcen sind deshalb bis an die Grenzen und darüber hinaus gefordert. 

So verwundert es kaum, dass es an allen erdenklichen Positionen noch zahlreiche Herausforderungen zu lösen gilt.  Am IT-System bzw. den Girokonten muss beispielsweise noch nachgebessert werden – auch das gehört zum „business as usual“:

http://www.anderebank.de/blog/artikel/statusbericht-und-loesungen-fuer-die-kontenvergabe/

Es gibt somit noch einige, wenn nicht sogar „1000 Grenzen“ zu überwinden, wer den Gründer Francois Jozic in körperlich-tänzerischer Aktion sehen will, kann das in einem Blogeintrag bzw. Video vom 16. März tun – darin besucht der Noa Banker die Berliner Tanzcompany Lis:sanga, um deren Arbeit mit einer Spende zu unterstützen.

http://www.anderebank.de/blog/artikel/tanzend-grenzen-ueberwinden-lissanga-dance-company/

Überhaupt – man gewinnt den Eindruck, dass soziales Engagement, das sich anhand der Noa Bank auf dem Youtube-Kanal nachverfolgen lässt, nicht nur dem „window dressing“ und der Imagepflege dienen.

http://www.youtube.com/user/anderebank

Der Gründer Francois Jozic nimmt sich einige wertvolle Zeit für die Termine, und man darf tatsächlich hoffen, dass es gelingen kann, eine „neue Bank“ künftig stärker am Puls der arbeitenden Menschen und der Realwirtschaft auszurichten.

Bilanzieren wir: Banker zum Anfassen, sie sind im Kommen, und sie sind nicht mehr aufzuhalten. Denn irgendwann setzt sich Besseres und Neues am Markt durch. Und dazu gehört auch eine neue Philosophie im Umgang mit dem Bankkunden.

Mit dieser großen Erwartungshaltung nach der Finanzkrise sehen sich einige Vorreiter wie Smava, Fidor oder eben die Noa Bank konfrontiert, siehe den Eintrag zuvor zum Update der beiden erst genannten. 

https://lochmaier.wordpress.com/2010/03/30/smava-und-fidor-schalten-mit-direkt-kredit-und-e-wallet-den-finanzturbo-ein/

Und die neuen Spieler, sie nehmen diese unternehmerische aber auch gesamt gesellschaftliche Herausforderung an, über die dieses Weblog regelmäßig berichtet, und die Geschäftsführer etwa von Smava, Fidor und der Noa Bank und natürlich auch einigen anderen, sie haben sich eine zeitgemäße Bank auf Augenhöhe mit den Kunden auf die Chefagenda geschrieben.

Deswegen darf man mit Fug und Recht trefflich nicht nur mit Geld sondern auch mit Gedanken spekulieren: Die Bankenszene wird sich jenseits von „business as usual“ doch mehr verändern als dies manche glauben oder sich wünschen. Und das ist doch eine gute Nachricht.

Innovation und Farbvielfalt ziehen ein in eine bislang hermetisch verschlossene Finanzindustrie, die es sich gerne hinter verschlossenen Türen gemütlich machte. Nun aber ist die Klimaanlage ausgefallen, und es kommt frischer Wind von draußen herein.

Written by lochmaier

März 30, 2010 um 9:06 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Der Kunde übernimmt die Regie – kann er das überhaupt (schon)?

    Ich glaube, diese Frage darf man mal so stellen. Der Kunde legt ein in Tagegelder „Planet“. Was heisst das?
    Soll die Bank Tageskredite vergeben? Welche Verbindlichkeit hat der Kundenwunsch bei täglich künd-/abziehbaren Einlagen? Da muß schon mal die „ausverkauft“ Notbremse gezogen und auf die längerfristigen Einlagen in dem Bereich hingewiesen werden. Wenn knapp 0,5% der Einlagen als Kredit vergeben sind, zeigt das im Grunde das Dilemma jeder Bank: Geld kommt schneller rein, als es ausgeliehen werden kann. Die Möglichkeit, dass es auch schnell wieder abgezogen werden kann, steht der Notwendigkeit, es längerfristig verbindlich ausleihen zu müssen gegenüber.

    Fristen- und Risikotransformation sind Bankenfunktionen, die am besten in einem durchmischten Markt funktionieren, nicht aber in einem Markt, wo die Einlage „lauernd“ auf bessere Möglichkeiten nur kurz getätigt wird, der kreditnehmende Unternehmer aber mittel- bis langfristige Kalkulierbarkeit für seine Unternehmung braucht.

    Wissen kann zu Verantwortung werden. Ich hoffe immer noch auf den informierten Bankkunden!

    Hans-Florian Hoyer

    März 30, 2010 at 6:31 pm


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