Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Februar 2010

SEB Bank und Social Media: „Ehrlicher Kundendialog ist wichtig“

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Wer sich das aktuelle Ranking der twitternden Banken hier anschaut, wird rasch entdecken, dass die SEB Bank ziemlich weit oben positioniert ist.

http://twitter.com/seb_bank 

Und auch bei der Gestaltung der Webseiten ist die SEB Bank als einzige Privatbank ziemlich vorne dabei, wie horizont.net berichtet:

http://www.horizont.net/aktuell/marketing/pages/protected/Rating-von-Bankenwebsites-Postbank-und-Sparkassen-sind-top_90051.html

Allerdings ist bei keiner Bank der Welt alles gold, was glänzt. So ist der Kostendruck auch bei der SEB Bank enorm, was dazu geführt hat, dass das Unternehmen in Deutschland seine Kundenbetreuung auf allen Frequenzen weiter durch die Wunderwaffe „Outsourcing“ bzw. Übernahme durch branchenfremde Dritte straffen muss, berichtet der Branchendienst Call Center Profi hier.

Und vor dem Gespräch mit den Akteuren der Social Media Präsenz hier noch ein allerdings schon etwas älteres Vorstellungs-Video auf Youtube, direkt aus der Konzernzentrale eingeleitet, und danach eine Vorstellung der weltweiten Aktivitäten auf deutsch:

Vier Unternehmenswerte bilden übrigens das Rückgrat des alltäglichen Geschäftes bei der SEB Bank: Verbindlichkeit, Nachhaltigkeit, Wertschätzung und Professionalität.

Zurück zum heißen Draht direkt zu den Kunden. Im Gespräch mit Social Banking 2.0 gibt Britta Wördenweber von der externen Unternehmenskommunikation nun einen Einblick in Status Quo und Zukunftsperspektiven von Social Media, bei dem sich das schwedische Geldinstitut doch weiter vorwagt als manch andere Bank, die gerade ausländische Niederlassungen nur allzu gerne an der kurzen Leine hält, und diese von oben herunter durch regiert. Dass es auch anders geht, und der „ehrliche Kundendialog“ in der Strategie verankert werden kann, beschreibt Britta Wördenweber:   

Social Banking 2.0: Welche Bedeutung spielt das Web 2.0 und Social Media bei der SEB Bank?

Das Web 2.0 bietet der SEB die Chance, zusätzliche Kanäle in unsere Kommunikationsstrategie einzubinden. Über Social Media erreichen wir eine Zielgruppe, die wir zuvor nicht so leicht ansprechen konnten: eine internetaffine, kommunikationsfreudige, aber auch kritische Gruppe. Darüber hinaus haben wir über Web 2.0-Anwendungen die Möglichkeit, statt Einbahnstraßen-Kommunikation echten Dialog aufzubauen.

Social Banking 2.0: Welches sind die zentralen Kommunikationskanäle, die eine moderne Bank heute beherrschen sollte, um für mehr Kundennähe und Transparenz zu sorgen?

Wir sind davon überzeugt, dass der Weg zu mehr Kundennähe und Transparenz über die Kanäle des Web 2.0 führt. Es bietet Unternehmen die Möglichkeit zu zeigen, dass ihnen der ehrliche Dialog mit ihren Kunden wichtig ist. Kunden erwarten diese Offenheit künftig immer mehr. Unternehmen, die ernsthaft einen Austausch suchen, kommen um Social-Media-Anwendungen nicht herum. Letzten Endes muss jedes Institut diese Frage im Hinblick auf die Unternehmens- und Kommunikationsstrategie für sich beantworten.

Social Banking 2.0: Die SEB Bank nutzt Twitter sehr intensiv, wie sind die Erfahrungen damit?

Nach unserem ersten „Twitter-Geburtstag“ – die SEB ist seit dem 29. Januar 2009 dabei – ziehen wir eine positive Zwischenbilanz. Als eine der ersten Banken, die Twitter in Deutschland nutzt, haben wir intern wie extern viele gute Rückmeldungen erhalten. Unsere Followerzahl ist innerhalb von zwölf Monaten auf über 900 gestiegen. Es hat sich aber auch eines gezeigt: So schnell und simpel Twitter funktioniert ist, so aufwändig ist es doch, einen wirklichen Dialog zu schaffen und den Kanal entsprechend seiner Besonderheiten zu nutzen, um den Empfängern einen echten Mehrwert zu bieten. Das haben wir am Anfang unterschätzt.

Social Banking 2.0: Wie gehen Sie mit kritischen Kommentaren um, was ist erlaubt, was eher nicht?

Wer im  Web 2.0 aktiv ist, muss offen sein für kritische Auseinandersetzungen. Wir sind bemüht schnell, offen und sachlich mit Kritik umzugehen. Die Zahl der kritischen Äußerungen von Nutzern sozialer Netzwerke ist jedoch gering. Trotzdem ist es unerlässlich, im Blick zu behalten, wer über uns wie spricht, um rechzeitig in die Diskussion einsteigen zu können.

Social Banking 2.0: Bislang sind Web 2.0 und Social Media in der konventionellen Bankenlandschaft noch kaum anzutreffen, warum ist das der Fall?

Das hat vielfältige Gründe. Die schlechten Erfahrungen im Web, etwa mit Second Life, sorgen für Vorbehalte gegen die neuen Anwendungen. Banken warten heute ab, ob sich ein soziales Netzwerk tatsächlich dauerhaft am Markt etabliert. Häufig gibt es noch Vorbehalte, weil der Nutzen der sozialen Netzwerke nicht klar und nicht in Euro und Cent auszurechnen ist. Hinzu kommt, dass Banken traditionell eine vorsichtige und kontrollierte Kommunikationspolitik betreiben. Das ist bei Web 2.0 nicht gewährleistet.

Social Banking 2.0:Was hat die SEB Bank künftig noch vor, um die Kundenbindung mit viralen Communities zu stärken, welche Strategien, Maßnahmen und Tools sind geplant?

Der wichtigste Schritt wird sein, die Social Media-Strategie, die unsere Stockholmer Kollegen derzeit erarbeiten, für den deutschen Markt anzupassen. Im nächsten Schritt geht es dann darum, Kanäle zu definieren, die wir neben Twitter nutzen wollen und sie in die bestehenden Kommunikationskanäle zu integrieren.

Social Banking 2.0: Die klassische Kundensegmentierung der Banken scheint sich, angesichts der sozialen Netzwerke, die ja immer mehr alle Altersgruppen erfassen, immer mehr aufzulösen, wie beobachten Sie diesen Trend?

Korrekt: Heute decken die Nutzer von sozialen Netzwerken sehr viel mehr Altersgruppen ab als in den Anfangstagen des Web 2.0. Die Kundenbedürfnisse bleiben jedoch in den einzelnen Lebensphasen bestehen – ob man nun ein Facebook-Profil hat oder nicht. Für Banken besteht also nach wie vor die Herausforderung darin, ihre Zielgruppen dort zu erreichen, wo sie sich tummeln.

Interview: Social Banking 2.0

Written by lochmaier

Februar 18, 2010 at 7:33 am

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Kampagnen: Finanztransaktionssteuer und Spekulationsblase 2.0

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Mit wie wenig Geld aus den prall gefüllten Töpfen der Black Box namens Finanzindustrie sich die scheinbar unausweichlichen Schicksale von Milliarden von Menschen korrigieren ließen, verdeutlicht ein mit den beiden Schauspielern Jan Josef Liefers und Heike Makatsch recht prominent besetztes Kampagnen-Video zur Finanztransaktionssteuer.

http://www.youtube.com/watch?v=ssH9eBsVU_w

Darin wird deutlich, dass nur ein ganz geringer Bruchteil jeder Finanztransaktion in Summe mehrere Billionen Euro oder Dollar weltweit in die Kassen spülen könnte, um sich damit jenseits von Spekulation realwirtschaftlichen Aufgaben und der Armutsbekämpfung zu widmen. Hier gehts zum rund zweiminütigen Video:

Die offizielle Webseite der Kampagne, die von Friends of Earth, Attac und anderen Non-Profit-Organisationen iniziiert wurde, findet sich hier:

www.makefinancework.org

Und die konkreten Forderungen, mit denen man jedoch nicht unisono d’accord sein muss, sind mit Blick auf den nächsten G-20-Gipfel in Toronto (26./27.06.2010) hier aufgelistet:

http://www.makefinancework.org/spip.php?rubrique6&lang=en

Irgendwie darf man schon an den bisher existenten Spielregeln in der Finanzindustrie zweifeln – und Vorschläge wie eine Transaktionssteuer auf die Agenda setzen – denn dass wir durchaus eine „Finanzkrise reloaded“ erleben könnten, bei denen Kreditausfälle für eine Gewerbeimmobilienblase in einem Gesamtvolumen von 1,4 Billionen USD auf dem Spiel stehen, beleuchtet ein Artikel auf Spiegel online:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,678126,00.html

Die Folgen dieser neuen Krise reichen aber noch viel weiter. „Leere Bürogebäude, Hotels und Geschäfte können direkt zu Stellenverlusten führen“, orakelt der Bericht. „Zwangsversteigerungen von Wohnkomplexen können Familien aus ihren Häusern vertreiben, selbst wenn sie nie mit der Miete säumig waren.“ Und Banken würden mit Krediten noch knausriger, was wiederum den Mittelstand erneut mitreiße.

Quelle: Spiegel online

Den US-Kongressbericht zur Gewerbeimmobilienblase kann man hier nachlesen:

http://cop.senate.gov/reports/library/report-021110-cop.cfm

Die Realwirtschaft wird eigene Abwehrmechanismen entwickeln, wie eine Finanzkrise künftig zu vermeiden wäre. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann sich hier den Kommentar der renommierten Professorin Elizabeth Warren, die als „Advokatin der Mittelkasse in den USA“ gilt, zu dem Report „Commercial Real Estate Losses and the Risk to Financial Stability“ ansehen:

Hausgemachtes Problem aus Amerika? Wohl kaum, denn auch in der deutschen Presse rief der Report ein breites Echo hervor:

http://www.investment-on.com/index.php?option=com_content&view=article&id=2185:us-gewerbe-immobilienblase–14-billionen-platzt-auch-fuer-deutsche-investoren&catid=34:people-chat-a-news

http://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien-vorsorge/experten-warnen-immobilienkrise-2-0-im-anmarsch;2529669

Angesichts der weiter anhaltenden Fehlentwicklungen und des „business as usuals“ darf es nicht verwundern, wenn allerorts weitere Kampagnenseiten wie zur Transaktionssteuer aus dem Boden sprießen. Hier ein weiteres Beispiel zur „Robin Hood Tax“ – bei der es sich allerdings nicht um den Rächer für die Armen und Entrechteten geht, sondern um Ansätze, die direkt aus den sozialen Mittelschichten stammen – das Ziel lautet: Turning the crisis for the Banks into an opportunity for the World:

http://robinhoodtax.org.uk/

Auffallend: Die Videos sind alles andere als unprofessionell. Aber sehen Sie doch selbst, welche kleine Lawine da unmerklich ins Rollen kommt:

Written by lochmaier

Februar 17, 2010 at 8:11 am

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Noa Bank: Update – Einlagebestand wächst täglich um zwei Millionen Euro

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Trotz einem in der öffentlichen Diskussion gelegentlich anzutreffenden Gegenwind hat sich die Noa Bank als feste Größe in der deutschen Bankenlandschaft etabliert. Der Gründer Francois Jozic gibt auf den Internetseiten der „anderen Bank“ ein ausführliches – und dankenswerterweise ausgesprochen präzises Update – zum Stand der Dinge (und das auch noch mitten im Karnevalsfieber aus Düsseldorf, dort ist eben nicht jeder ein Jecke):   

http://www.anderebank.de/blog/artikel/ist-die-entwicklung-von-noa-bereits-abgeschlossen/

Einige „harte“ Fakten im Auszug:

In der Planung sind wir davon ausgegangen, im ersten Jahr 25 Mio. € an Einlagen zu erreichen. Mittlerweile, nach 97 Tagen, haben wir bereits 67 Mio. € an Spareinlagen erhalten! In drei Monaten haben wir die für ein Jahr geplanten Einlagen bereits um mehr als das Doppelte überschritten. Unglaublich!

Zu Beginn der Bank wuchsen die Einlagen noch langsam. Ab dem Jahreswechsel war aber ein deutlicher Anstieg bei den Kontoeröffnungen zu verzeichnen. Mittlerweile hat die Bank 4.500 Kunden gewinnen können. Die Summe der Einlagen wuchs ab diesem Zeitpunkt täglich um 1 Mio. €. Seit Ende Januar steigt die Summe der Einlagen sogar um 2 Mio. €.

Fazit: Die transparente Informationspolitik, was gut und was weniger gut gelaufen ist, und wie sich der Gründer Francois Jozic auch immer wieder elegant der Kritik von außen stellt, ist durchaus beispielhaft für einen gelungenen „Best Practice-Ansatz“ von Social Media/Web 2.0 in der Bankenlandschaft.

Meines Wissens gibt es niemanden sonst, der zwischen alten und neuen Spielern derzeit in der Lage ist, eine immer wieder relativ scharf formulierte Kritik an der eigenen Bank zuzulassen – und dann aktiv zu moderieren, etwa zur Firmengeschichte, zu den Verflechtungen zwischen alten und neuen Bestandteilen oder zur Kreditvergabe. Dafür gebührt Respekt.

Am Ende des informativen Updates gibt Francois Jozic auch einen Einblick in die kritischen Filethäppchen:

…Wenn mir vorgeworfen wird, dass noa nur als Refinanzierungsquelle für Quorum dient, kann ich nur sagen: Dieser Vorwurf stimmt! Wenn man aber denkt, dass dies eine günstige Lösung ist, stimmt dies absolut nicht. Denn die Gründung und das Betreiben einer Bank sind sehr zeitaufwendig und vor allen Dingen auch teuer. Man kauft sich ja auch keine Werkstatt, um die Wartungskosten seines Autos zu verringern.

Dazu ein letzter Kommentar: Das Problem in der öffentlichen Wahrnehmung war meines Erachtens weniger die grundsätzliche Zusammenführung zwischen Quorum und Noa Bank, sondern dass dies unbemerkt von der „Nutzergemeinde“ relativ rasch und zeitnah geschah.

Denn noch in einem Interview zu Beginn der Firmengründung kündigte Francois Jozic an, dass dieser Schritt sich erst in einigen Jahren vollziehen würde – wenn derartige Ausblicke dann so rasch revidiert werden, dann löst dies sicherlich bei einigen Experten ein kleines Achselzucken aus.

Siehe dazu den informativen Artikel in „der Westen“ vom 23.11.09:

http://www.derwesten.de/nachrichten/wirtschaft-und-finanzen/Bankgruender-will-neue-Aera-im-Finanzwesen-einleiten-id2134489.html

Zitat aus dem Interview mit Francois Jozic, das die Journalistin Sabine Brendel führte:

Hängen die Noa Bank und Quorum zusammen?

Jozic: Es sind zwei unabhängige Unternehmen, die aber einer Holding gehören: Der Strategis GmbH. Die gehört meinem Partner Frederic Lodewyk und mir. Mein langfristiges Ziel ist aber, Quorum und die Noa Bank zu einem Unternehmen zusammenzuführen, da sich beide Geschäftsbereiche gut ergänzen.

Eigentlich habe auch ich wenig Lust, ständig mit diesem Thema konfrontiert zu werden. Aber mein Job besteht nicht nur darin, meinen eigenen Launen nachzugehen. Ich sehe ein Informationsbedürfnis der Leser jenseits der Schwarz-Weiß-Malerei, bei dem weder alte noch neue Banken über einen Kamm geschoren werden sollen.

Deshalb zu diesem auch für mich nicht ganz durchsichtigen Thema ein letzter Kommentar: „Langfristig“ und damit der neuralgische Punkt ist eben mit Blick auf die Fusion zwischen Noa Bank und Quorum – jetzt www.noafactoring.de etwas anderes:

Der Plan zur raschen Kernschmelze muss bereits zum Zeitpunkt des Interviews in der Schublade ausgearbeitet gewesen sein. Jeder Unternehmer weiß halt, dass solche Schritte eine Vorlaufzeit haben, sollen sie rasch über die Bühne gehen.

Für mich ist das indes kein grundsätzliches Problem, die Fusion zwischen Noa Bank und Quorum kann man auch als „unternehmerische Freiheit“ und durchaus notwendigen Schritt bezeichnen, den auch andere Geldhäuser längst gegangen sind. Jedoch sollte dies dann auch so in der Öffentlichkeit klar kommuniziert oder offen gelassen werden, sonst bringt die Noa Bank sich in Widerspruch zu den eigenen Prinzipien „Transparenz“ und „Mitbestimmung“ für die Kunden.

Und wenn dann auch noch plötzlich mit „Samarys“ ein weiterer von der Noa Bank öffentlich nicht angekündigter Abkömmling unter der gleichen Firmenadresse die virtuellen Pforten öffnet (ohne dass es auf der Homepage einen Querverweis zur Noa Bank gibt), dann wissen wir halt nicht viel darüber, was sich hinter den Kulissen gerade abspielt.

Abgesehen von dem Umstand, dass sich einige Entwicklungen in jüngster Zeit somit doch auf etwas „unberührbare“ Weise hinter den Kulissen abgespielt haben, bleiben die positiven Entwicklungen natürlich bestehen – und verdienen eine wohl wollende Begutachtung. 

Wer möchte der Noa Bank – und damit uns allen – die wir eine Umorientierung des Finanz- und Bankensystems herbei sehnen – nicht Glückauf wünschen? Beim Spagat zwischen unternehmerischem Wachstum und dem Versuch, dieses stärker als auf rein spekulativen Geldmärkten“ an den Interessen der sozial-ökologischen bzw. realwirtschaftlichen Existenzen auszurichten.

Vor diesem Hintergrund gefällt mir der undomatisch-pragmatische Ansatz der Noa Bank, sofern klar ist, wie die einzelnen Zahräder der offiziell existenten oder noch nicht angekündigten Unternehmensteile ineinander greifen.

Und die Idee, die Kunden auch über die Mittelverwendung der Kredite mit bestimmen zu lassen, verdient Beachtung und Rückenwind seitens der Community. 

Denn auch dieser kleine Schritt wäre ein großer Baustein zu einer – sicherlich manches Mal etwas mühselig zu erreichenden – „Finanzdemokratie 2.0“ – und die Noa Bank ist derzeit sicherlich das einzige Geldinstitut in Deutschland mit dem  Potenzial auf unverbrauchtem Terrain, diese Philosophie erfolgreich umzusetzen.          

Written by lochmaier

Februar 16, 2010 at 11:50 am

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Unbelievable: Banken entdecken Ihr „Genossenschaftsgen“

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„Genossenschaftliche Werte sind plötzlich en vogue“, berichtet das Handelsblatt am Beispiel der DZ Bank:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/dz-bank-vorstand-lars-hille-genossenschaftliche-werte-sind-ploetzlich-en-vogue;2530192

Man mag es kaum glauben. Rendite und gutes Gewissen, diese untrennbaren Gegensätze gehen plötzlich marketingtechnisch doch eine fruchtbar-heilende Symbiose ein. Dabei ist es noch nicht lange her, dass gerade die in dem Handelsblatt skizzierte DZ Bank auf dem einen oder anderen nicht ganz so sauberen Spielfeld ordentlich mitgemischt hat. Scheint alles Schnee von gestern – oder? 

Wer mal in das aktuelle Heft der Stiftung Warentest bzw. auf deren Internetseiten schaut, weiß wovon ich rede: Gerade viele „Genossenschaftsbanker“ haben Zertifikate ihren Kunden als sichere Anlageform „verkauft“: 

http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/meldung/-Zertifikate/1844520/1844520/

Ein Auszug einer aktuellen Mitteilung der Stiftung Warentest:

Unsere Leser sind irritiert, weil sie gehört haben, dass die Zertifikate der Volksbanken und der DZ-Bank in der Einlagensicherung sind. Sie fragen, ob die Papiere vergleichbar sind mit anderen einlagengesicherten Produkten wie Festgeld oder Sparbriefe.

Tipp: Lassen Sie sich kein X für ein U vormachen. Welche Risiken ein Zertifikat birgt, hängt in erster Linie davon ab, auf welche Basiswerte es sich bezieht und wie die Bedingungen für die Rückzahlung sind. Nur Garantiezertifikate sind sicher.

Quelle: Stiftung Warentest

Vielleicht besteht das Genossenschaftsgen darin, jetzt die Kunden über die eigene Schwiegermutter verkaufen zu lassen. Das wirkt seriöser als die direkte Irreführung. Noch mehr: Wir entdecken plötzlich „christliche“ Werte: Die Banken gehen  irgendwie zur moralischen „Beichte“ über, und zwar mit einem „Beipackzettel“ (zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Anwalt und Steuerberater), mit dem sie bei ihren Kunden für ihre Glaubwürdigkeit in der transparenten Kundenberatung werben. Jedenfalls wollen sie den Kunden über alle (wirklich alle?) Risiken bei der jeweiligen Geldanlage informieren. Das berichtet die ZEIT:

http://www.zeit.de/wirtschaft/geldanlage/2010-02/banken-geldanlage-beipackzettel

Ganz freiwillig erfolgten beide Schritte nicht. Weder ist das „Genossenschaftsgen“ eine Erfindung der Banken, noch enstpricht der „Beipackzettel“ dem freien Willen. Aber der Zeitgeist ändert sich, und jetzt müssen sich alle turbokapitalistisch-gewandeten Banker ein bisschen sozialverträglich geben. Ob die Masche klappt?

Der Unmut  über die Banken nimmt weiter zu, und auch der Staat gerät ins Schussfeld, wenn er nicht solide wirtschaftet. So nimmt in Deutschland der Unmut gegen die Unterstützung Griechenlands zu, die schließlich durch eigene Korruption und Vetternwirtschaft in die Misere hinein geriet.

Jetzt soll es die Europäische Union richten, berichtet die New York Times in dem Beitrag „Opposition Grows in Germany to Bailout for Greece“, und sieht gerade in unserem Land eine geringe Bereitschaft, erneut zum „Rettungsanker“ für eine aus dem Ruder gelaufene Finanzindustrie degradiert zu werden:

http://www.nytimes.com/2010/02/16/world/europe/16germany.html?src=tptw

Written by lochmaier

Februar 16, 2010 at 8:10 am

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USA: Kleine Regionalbanken graben Wallstreet das Wasser ab

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Wie der ARD-Weltspiegel v. 14.02. berichtet, graben kleine Regionalbanken wie die Midsouth Bank der Wallstreet leise und still immer mehr das Wasser ab. Der Grund: Die Bürger vertrauen dem unscheinbaren gläsernen Banksystem nicht mehr.

Ursprünglich dachte und hoffte eine ganze Branche, wieder redlich genährt vom Geiste des „Business as usual“, dieser Kelch möge doch an uns vorüber ziehen. Tut er aber nicht, wie die sechsminütige Reportage eindringlich verdeutlicht:

http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag_dyn~uid,scecyv0bwixbzgmp~cm.asp  

Hier gehts zur Videoaufzeichnung der Sendung:

http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/3831762?pageId=&moduleId=329478&categoryId=&goto=&show=

Einige Zitate von Rusty Cloutier, Vorstandschef Midsouth Bank:

„Warum sollte der Staat so viel Verantwortung tragen?“, sagt er. „Warum sollen wir jeden Abend für zehn Banken-Bosse beten, damit sie nicht bis zum nächsten Morgen das ganze Land ruinieren?“

Die Wallstreet-Bosse wollen den Schutz als Kundenbanken und zugleich Hochrisikogeschäfte machen“, klagt er. „Das ist, als würde ich all Eure Ersparnisse auf ein Football-Team verwetten.“

„Die einzigen, die wirklich beaufsichtigt werden, sind doch die Regionalbanken. Die Wall Street weiß doch gar nicht, was das ist. Aber ich kann halt nicht mal eben den Chef der Notenbank oder den Präsidenten anrufen.“

Quelle: ARD

Fazit: Obwohl auch die Midsouth Bank mit anonymen Schaltern und einem Kundenkontakt, der nur über Bildschirm und Monitor stattfindet, auf den ersten Blick optisch nicht gerade allzu Vertrauens erweckend wirkt, sind die Bankkunden veränderungswillig. Die Uhr beginnt anders zu ticken. 

Der Trend ist unübersehbar, dass es nicht beim verbalen Bankenbashing bleibt. Allmählich verschieben sich die Machtgewichte, kleine dezentrale, flexible Bankeinheiten, gewinnen an Bedeutung.

Deren Strahlkraft nimmt in dem Maße zu, wie sie die Bedürfnisse der lokalen Wirtschaft und Gesellschaft besser abdecken als die Black Box Wall Street, bzw. die als gefräßig und anonym beschriebenen großen Geschäftsbanken. Man darf gespannt sein, wie diese Entwicklung die Landschaft neu prägen wird.

Written by lochmaier

Februar 16, 2010 at 7:41 am

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Rap zur Spekulationsblase: Gib dem Börsenlöwen frischen Zucker

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„Fear the Boom and Bust“ heißt der fast achtminütige Film, in dem John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek, zwei der größten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, wieder zum Leben erwachen und an einer Konferenz zur Wirtschaftskrise teilnehmen, berichtet die Wirtschaftswoche:

http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/mc-keynes-und-flashmaster-hayek-erklaeren-die-wirtschaft-422206/ 

Vor dem Beginn der Tagung tauchen die beiden ein ins Nachtleben und schildern in einem Rap-Song, warum man Angst vor dem „Boom-und-Bust-Zyklus“ haben sollte – ein Lehrstück mit fetten Beats. Laut Wirtschaftswoche ist einer der Initiatoren und Autoren des Videos, Russ Roberts, hauptberuflich Ökonomie-Professor an der renommierten George Mason University (GMU) und Fellow in Stanford – Econstories.tv sei ein eigenes Projekt der GMU.

Mehr Infos zu dem Projekt Econstories TV, das fortgesetzt werden soll, gibt es hier:

http://www.econstories.tv/home.html

Written by lochmaier

Februar 15, 2010 at 9:55 am

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Die Facebook-Bankfiliale: Hype oder technologische Killerapplikation?

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Zunächst die Fakten zur „Facebook-Filiale“ von Banken:

Rund zwei von drei Kreditinstituten investieren in den nächsten drei Jahren in die Kundenkommunikation über soziale Internetnetzwerke. Kunden könnten in Zukunft beispielsweise auf Community-Portalen wie Facebook Zugriff zu ihrem persönlichen Konto- und Finanzmanagement erhalten. Die Institute zeigen sich damit zunehmend dort, wo sich ihre Kunden immer häufiger aufhalten. Web-2.0-basierte Konzepte, bei denen die Kunden Produkte und Konditionen mit gestalten können, rücken ebenfalls in den Fokus. Das sind Ergebnisse der Studie „Branchenkompass 2009 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting,die in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut durchgeführt wurde.

Nun der Kommentar: Ich persönlich halte die Idee, dass Banken direkt eine „Facebook-Filiale“ eröffnen werden, für überbewertet. Allein schon aus Sicherheits- und Datenschutzgründen würde dies der Verwässerung der eigenen Marke Tür und Tor öffnen. Zudem wird keine Bank freiwillig Kontrolle und damit auch „Marktanteile“ an externe Dritte abgeben bzw. aussteuern.

Wichtig ist jedoch etwas anderes: Banken müssen von den sozialen Netzwerken lernen, wie man kommuniziert und sich vernetzt, andernfalls werden sie selbst von der Spitze der Pyramide nach unten durchgereicht, und zum Dienstleister niederer Rangordnung degradiert. Und selbst das können IT-Dienstleister noch besser, sofern sie nicht von ihrer anbieterlastigen Bunti-Klicki-Brille verblendet sind.

Zu den „Facebook-Bankfilialen“ siehe auch mein Beitrag auf meinem Weblog Social Banking 2.0:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/06/facebook-filiale-b…

Hier nun vorab in Auszügen meine kurze Vision der künftigen sozial interaktiven „Bankfiliale“, die ich demnächst in einem ausführlichen Beitrag noch genauer skizzieren werde: Die hybride Bankfiliale der Zukunft muss sich auf Augenhöhe mit einer modernen Erlebniswelt bewegen, die in punkto Bedienkomfort, Bequemlichkeit und Nutzerfreundlichkeit mit jener zu konkurrieren hat, wie sie gerade jüngere Nutzer im Internet und künftig immer mehr auch auf mobilen Endgeräten vorfinden.

Gelingt es den Architekten und Designern, einen kommunikativen Mehrwert zu schaffen, dann wäre sogar die kleinere Hausbank vor Ort durchaus repräsentativ. Allerdings nicht auf der Basis hoch gestochener und teurer Archtektur-Visionen, sondern auf Basis von unkomplizierten Sitz- und Verweilgruppen, die den Dialog mit dem Kunden auf Augenhöhe fördern.

Dies setzt jedoch voraus, sich von einer funktionalen Betrachtungsweise des Bankkunden zu lösen, die darauf abzielt, den Passanten – ob virtuell oder real – nur möglichst rasch und geschickt an den richtigen Knotenpunkt zu lotsen, um ihn hernach mit den eigenen Bankprodukten zu überhäufen.

Fazit: Den Generalschlüssel zur Kundenansprache von Banken direkt über soziale Netzwerke wird es so nicht geben. Dazu sind die Ziele zwischen Nutzer und Geldinstitut – aber auch IT-Dienstleister – einfach zu konträr. Auch Facebook als „Moderator“ dazwischen könnte zerrieben werden, oder zumindest logistisch von der eigenen Filialpräsenz überfordert sein. Was kommt, sind vielleicht einige Marketing-Satelliten, die einige Schnittstellen lose aneinander koppeln, aber letztendlich wird das sensible Online-Banking auch weiterhin allein schon aus Sicherheitsgründen direkt über von den Banken auch rechtlich verantwortete Seiten zu administrieren sein.

Oder wollen Sie Facebook um Entschädigung beim Online-Kontenklau via Phishing bitten? Na dann, willkommen in der „Bunti-Klicki-Welt“ der neuen wie alten Banken. Deshalb abschließend ein Leserkommentar von Thomas Hönscheid, dem Autor der Internetseiten www.direktbank-marketing.de, der den neuen Markenauftritt der Commerzbank wie folgt kommentiert:

Nachdem der neue Markenauftritt der Commerzbank bei mir etwas gesackt ist, macht sich insgesamt doch etwas Enttäuschung breit. Ich habe nach dem Riesen-Merger irgendwie mehr von der neuen Marke erwartet.

 Die Bildmarke lasse ich mal außen vor, die ist zwar nicht besonders innvoativ, aber sehr naheliegend und wird so auch funktionieren. Eine ganz andere Meinung habe ich aber zu der Wortmarke „Gemeinsam mehr erreichen“. Ein Rundblick in die deutsche Bankenlandschaft hätte schnell gezeigt, dass das Thema Gemeinsamkeit schon von der DZ Bank gut besetzt ist. So lautet der Claim beim Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken folgerichtig „Zusammen geht mehr“. 

Ich persönlich habe den Beraterbank-Ansatz der Dresdner als sehr prägend und wertig wahrgenommen. So hätte ich auch vermutet, dass die Commerzbank die Marktposition „Beraterbank“ übernimmt und weiterspinnt. Jetzt ist es aber eine ganz andere, weniger klare Positionierung geworden.

Written by lochmaier

Februar 15, 2010 at 8:14 am

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Design Rethinking: Wie Karstadt Quelle zur Valovis Commercial Bank AG mutierte

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Wer kennt sie nicht, Karstadt Quelle, natürlich aus der Fernsehwerbung. Wer sich noch traut, den Einschaltknopf in Richtung der Öffentlich-Entrechteten Kanäle zu betätigen, bei denen man vieles nur noch schwammig sieht, der freut sich kurz vor der Tagesschau jeden Tag aufs Neue, nämlich auf die Wetterprognose für den kommenden Arbeitstag. Sind wir nun Mehr- oder Minderleister, was die Richtigkeit der Wetterprognosen angeht? Hier gehts zum Youtube Kanal der Karstadt Quelle Versicherungen, die jetzt Ergo Direktversicherungen heißen:

http://www.youtube.com/kqvtv

Form follows function, heißt ein Designprinzip. Man sollte es nicht zu wörtlich nehmen. „Ergo“ sum – also bin ich – das prognostizieren kurz vor den wichtigsten Nachrichten dieser Welt diverse Achorwomen und Anchormen in der ARD ja bekanntlich den gut aufgelegten Bürgern in ihren selbst gebastelten Testimonials. Da gehts natürlich um die Karstadt Quelle Versicherung, aber auch das hat ja etwas mit einer Bank zu tun, wie wir spätestens seit der Verschmelzung von Allianz und Dresdner Bank wissen. Oder war es jemand anderes, wer hat eigentlich wen gekauft, die Versicherung eine Bank oder umgekehrt?

Macht nix, man muss nicht alles wissen aus der weiten Welt der Black Boxes namens Bank. Man könnte die nun folgende Pointe sogar fast als geniale Social Media Strategie bezeichnen. Denn es bleibt schon was hängen, wenn der bürgerliche Wetterfrosch um 19.50 Uhr zur besten Sendezeit vor dem Einschlafen einem das Ambiente für den nächsten Tag hustet.

Das Kalkül der Medienstrategen dahinter: Die Bank, oder genauer gesagt die Karstadt Quelle Versicherung, wird quasi von unsichtbarer Geisterhand wie der Frosch zum Prinzen wachgeküsst. Das ist beste Markenwerbung und -pflege – mal abgesehen von diesem Winter, der etwas sibirisch aus dem Ruder läuft, so dass wir eigentlich vom Wetter derzeit gar nichts mehr wissen wollen (außer die Kinder).

Nun aber kommt es leider noch dicker. Bank oder Versicherung, mit wem haben und hatten wir es bei Ex-Karstadt eigentlich zu tun. Man könnte es nicht besser machen, denn plötzlich nennt sich nun auch wieder zum x-ten Male die Karstadt Quelle Bank in Valovis Bank AG um, wie sich unschwer in der offiziellen Pressemitteilung vom 8. Februar nachlesen lässt:   

http://www.kqb.de/presse/pressemitteilungen/?newsid=20

Au weia – Noch nicht einmal eine Begründung wird uns für die feine in exklusiven Hinterzimmern von teuer bezahlten Rechtsanwälten und Unternehmensberatern geköchelte Namensänderung serviert, in deren Genuss wir nun ab dem 8. März kommen dürfen:

Mit dem neuen Namen unterstreicht die KarstadtQuelle Bank ihre Eigenständigkeit. Für ihre Kunden ändert sich dadurch nichts. Alle Verträge bleiben unverändert zu den gleichen Bedingungen und Konditionen bestehen. Alle Kreditkarten behalten ihre Gültigkeit. Geldanlagen jedes einzelnen Kontos sind auch künftig bis zu einer Höhe von 14 Millionen Euro durch die Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds abgesichert.

Auch unter dem neuen Namen Valovis Commercial Bank bietet die Bank ein umfassendes Portfolio an Finanzdienstleistungen an: von Dispokrediten über Tagesgeld bis hin zu Sparbriefen. Zudem sind weiterhin alle etablierten Kreditkartenvarianten auch unter der neuen Firmierung erhältlich.

Bei Fragen zur Umbenennung und den Leistungen der Bank steht der Kundenservice gerne zur Verfügung.

Quelle: www.kqb.de

Sollen wir wirklich beim Kundenservice mal durchklingeln, um zu fragen, ob es beim Wetter und bei der Börse nach oben oder unten geht? So langsam kann man sich all diese vielen neuen „Bunti-Klicki-Banknamen“ gar nicht mehr merken: Die Citibank heißt jetzt bald Targobank, und jetzt das mit Karstadt – nun ja, gibt’s halt leider nicht mehr – ab sofort heißt’s Valovis. Wer hat’s erfunden – keine Ahnung. Das klingt irgendwie nach Sprudel, pardon prickelndem Mineralwasser. Sicherlich wird es bald eine Kampagne geben, um uns diese neue Markenwelt schmackhaft zu machen, und den Begriff Valovis „neu zu besetzen“.

Ist aber gar nicht notwendig, denn Valovis ist „Design Rethinking reloaded“. A propos neu besetzen – wissen Sie, was ein „Valovis“ ist – nein kein Velovis – so was wie ein Fahrrad für zwei, die sich gegenübersitzen, aber leider gibts auch das nicht wirklich. Alles reine Phantasienamen, obwohl die auch aus einer Eingeborenen-Sprache stammen könnten, einer längst verloren gegangenen Kultur, die man auch in unseren wirtschaftlich (noch) verwöhnten Breitengraden wieder neu beleben sollte.

Jetzt sind wir, glaube ich, auf der richtigen Spur. Was eine „Commercial Bank“ ist, das wissen Sie sicherlich schon? Na ja, eine Bank, die wohl Geschäfte macht, wer hätte das gedacht. Ob da in der Erlebnisfiliale bei Valovis überhaupt noch irgend jemand richtiges (Hoch)Deutsch spricht?

Macht nix, in der „Bank der Zukunft“ sprechen wir  alles, außer der Sprache des Kunden.

Wer mal auf Wikipedia nachschaut, wird feststellen, dass es die Valovis Bank schon seit 2007 gibt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Valovis_Bank

Das ganze „Valovis-Gemälde“ war also schon immer ein Teil von Karstadt,  oh je, der x-mal neu und wieder verschachtelte Skandalmanager Thomas Middelhoff lässt grüßen, der an Dreistigkeit in der Bilanzfrisur jedem allzu gierigen  Bankmanager noch  Bewunderung abgerungen hätte. Aber die Karawane ist längst weiter gezogen, um das nächste Kamel durchs Nadelöhr zu führen:

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,667919,00.html

Es gibt übrigens neues brisantes Material, berichtet die Süddeutsche Zeitung, und eigens deshalb musste mal wieder kurzfristig eine aufrührerische Fernsehdoku verschoben werden:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/511/500774/text/

Zu Risiken und Nebenwirkungen der Geschäfte um die virtuellen Buchungsakrobaten Middelhoff und Co. fragen Sie bitte Ihren Insolvenzberater:

http://www.insolvenz-ratgeber.de/25-millionen-fuer-in-not-geratene-karstadt-mitarb/2010/01/26/

Kein Wunder, dass die frustrierten Ex-Mitarbeiter da zur Eigentherapie nur noch den Gang ins Theater bevorzugen, im Quelle-Abend am Theater Fürth erfährt man jedenfalls, wie es wirklich zugegangen ist im Kaufhaus der vielen Möglichkeiten und noch mehr verpassten Chancen:

http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=1166623&kat=49

In der Mediathek von 3 SAT online kann man sich den Beitrag zu dieser kreativen Aufarbeitung der „Bankgeschichte“ von Seiten der Betroffenen nochmals ansehen:

http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=9285&mode=play 

Ach ja – da gab es übrigens auch mal größere Streitigkeiten wegen der Betriebsrenten, na ja, die Mitarbeiter sind heute sowieso nicht mehr allzu viel wert, wie das Handelsblatt über „das Zünglein an der Waage bei den Arcandor-Renten“ berichtete:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/valovis-das-zuenglein-bei-den-arcandor-renten;2384280   

Wer jetzt beim nächsten Wetterbericht nicht mehr klare Sicht hat – an oder vor der virtuellen Mattscheibe, der sei auf die neue Homepage http://vcbank.de/ verwiesen – aus der „Valovis Commercial Bank“, meiner verzwickten Analyse gemäß, hat sich über Nacht, vermutlich aus einer Art  Hundekreuzung auf zwei Beinen das Kürzel „VC Bank“ heraus mutiert, zwischen altehrwürdigem Lateiner, (verschuldetem) Griechen und deutschem Wetterflüsterer.

Noch Fragen? So kann man sich irren, und ich dachte immer „VC“ bedeutet Venture Capital, also Wagniskapital(geber).  Damit wären Karstadt Quelle Versicherung/Bank/und alle weiteren Konzernderivate dann tatsächlich eine Art „Venture Capital Bank“ – auch das klingt eigentlich nicht schlecht.

Ich möchte aber den Verantwortlichen dieses Rebrandings und der klug orchestrierten Design Rethinking Kampagne nicht konzeptionell in die Parade fahren. Denn es kann ja durchaus unterschiedliche Auffassungen geben, worin ein „Abenteuer“ bei einer Bank heute überhaupt noch besteht. Ein Abenteuer ist ein Ereignis, auf das wir uns mit ungewissem Ausgang freiwillig oder auch unfreiwillig einlassen. Das ist bei so mancher Bank nicht der Fall. Denn der Ausgang dieses Abenteuers ist schon vorher klar. Der Kunde landet im Abseits.    

Deshalb abschließend die Begriffserklärung auf Wikepdia zum „Abenteuer“ (Venture):

Als Abenteuer (v. lat.: adventura = Ereignis; mittelhochdt.: aventiure) wird eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein Erlebnis bezeichnet, das sich (meistens) stark vom Alltag unterscheidet – also ein Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes, um etwas (riskantes) zu unternehmen, bei dem der Ausgang ungewiss ist. In diesem Sinne gelten und galten Expeditionen ins Unbekannte zu allen Zeiten als Abenteuer. 

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Abenteuer

Mir gefällt die Formulierung, dass sich ein Abenteuer stark vom Alltag abhebt. Das stimmt, denn wenn man zur Bank geht, so hat das mit dem Auftrag: „Alltagsbewältigung“ kaum was zu tun. Hoffentlich stimmt die Rendite wenigstens bei den Wetterflüsterern. Noch Fragen zur Valovis Commercial Bank AG?

Written by lochmaier

Februar 12, 2010 at 7:55 am

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EU-Parlament kippt SWIFT: Keine Bankdaten an die USA – Thema erfasst nur Spitze des Eisbergs

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Barack Obama wird darüber insgeheim vielleicht nicht so erbost sein wie so mancher Zeitchronist denkt. Viele Hardliner in den USA werden jedoch not amused reagieren: Das Europäische Parlament hat SWIFT gekippt, wie Spiegel online berichtet.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,677232,00.html

Das Europaparlament hat das umstrittene Swift-Abkommen über die Weitergabe von EU-Bankdaten an die USA gestoppt. Mit 378 zu 196 Stimmen lehnten die Abgeordneten am Donnerstag die Vereinbarung ab. Damit ist das bereits vom EU-Ministerrat und den USA unterzeichnete Abkommen ungültig. Die Abgeordneten schlagen vor, eine neue Vereinbarung auszuhandeln.

Quelle: Spiegel online

Auch Netzpolitik.org wertet diese Entscheidung als vorläufigen Erfolg:

Das ist ein großer Erfolg für Bürgerrechte in Europa und ein historischer Tag für das EU-Parlament. Seit 2001 wurde zum ersten Mal mit großer Mehrheit wieder für mehr Datenschutz in Europa gestimmt.

Quelle: http://www.netzpolitik.org/2010/eu-parlament-lehnt-swift-ab/ – dort kann man sich auch nochmals die Historie zur SWIFT-Debatte ansehen.

Nun zum Kommentar und zur Bewertung in einem größeren Kontext – Bankdaten sind nur die sensible Spitze des Eisbergs, wenn ich ein Konto auf Facebook oder Google eröffnen würde – wer hätte über Data-Mining Zugriff auf meine Daten?

Doch kehren wir lieber erstmal, statt bequem auf den bösen Big Brother USA zu zeigen, vor der eigenen Haustüre – im Klartext:

Überblick – Jüngste Entwicklungen in der Ausweitung staatlicher Auskunftsbefugnisse

> Das so genannte „Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz“ vom 9. Januar 2007 regelt Anfragen seitens des Bundesamtes für Verfassungsschutz, des Bundesnachrichtendienstes sowie des Militärischen Abschirmdienstes. Betroffen davon sind insbesondere Luftfahrtunternehmen, sowie Kredit- und Finanzdienstleister.

> Automatisierte Kontenabrufe durch das Bundeszentralamt für Steuern für die Finanzbehörden. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 13. Juni 2007 erklärt die Möglichkeit des Abrufes durch die Finanzbehörden als verfassungskonform.

> Erweiterung des Auskunftsrechts des Diensteanbieters in §14 Abs. 2 TMG und §15 Abs. 5, Satz 4, TMG

> Herausgabe der Vorratsdaten nach den Entwurfsvorschriften der §§113b. ff TKG-E

Die Folgen

> Staatliche Stellen greifen zur Informationsbeschaffung immer umfangreicher auf Datenbestände bzw. Verarbeitungsmöglichkeiten privater Unternehmen zu.

> Unternehmen müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, ob und wie sie auf die Zugriffe und Informationsbegehren reagieren.

> Im Mittelpunkt steht die Frage, wie jenseits von „Beschlagnahmeanordnungen“, Rasterfahndung und automatisiertem Kontenabruf mit „einfachen“ Auskunftsersuchen umgegangen wird.

Fragen an der Schnittstelle Datenschutz/IT-Sicherheit:

> Ist dem Auskunftsersuchen ohne „Wenn und Aber“ Folge zu leisten?

> Besteht eine eigenständige Prüfpflicht, noch bevor Kunden- bzw. Mitarbeiterdaten offeriert werden?

> Welchen Umfang nimmt die daraus resultierende Prüfpflicht ggfs. ein?

> Wie kann das Unternehmen sicherstellen, dass Auskunftsersuchen unter Beachtung einer etwaigen Prüfungsverpflichtung datenschutzkonform bearbeitet werden?

Wie sieht das neue Zusammenspiel zwischen Datenschutz und IT-Sicherheit aus?

Nach der „Ölfleck-Theorie“ breiten sich Überwachungstendenzen auf immer mehr Bereiche des öffentlichen, wirtschaftlichen und privaten Lebens aus. Selbst die Vertrauenswürdigkeit beim E-Government kann unterminiert sein, wenn der Staat „überall“ den Datenzugriff erhielte. Die Daten und Bewegungsprofile privater Nutzer geraten ins Visier von Händlerringen, die schwunghaften Handel mit IP-Adressen, E-Maildaten und Nutzerprofilen betreiben.

Auf der anderen Seite scheinen aber auch die Unternehmen nicht unbedingt prädestiniert dafür, sich gegen ausufernde Tendenzen zu schützen. Das jedenfalls zeigen Fälle wie Lidl & Co. Offenbar verspricht sich so mancher Unternehmenslenker mehr Erfolg, wenn er Unternehmenskultur durch eine „Überwachungskultur“ ersetzt. Der betriebliche Datenschutz ist dadurch etwas in die Jahre gekommen. Oftmals ist diese Funktion infolge der allgemeinen Aufweichungstendenz, forciert auch durch moderne Informationstechnologien á la Web 2.0, kaum mehr organisatorisch gestärkt bzw. dementsprechend tief unten in der Hierarchie platziert.

Übersicht – Aktueller denn je: Datenschutzparagraphen im Web-2.0-Zeitalter

Auszug – Datenschutzrechtliche Gefährdungspotenziale im Unternehmen:

> Fehlende Zuverlässigkeit

> Nichteinhaltung der Zweckbindung

> Überschreitung des Erforderlichkeitsgrundsatzes

> Fehlende/unzureichende Datenvermeidung/-sparsamkeit

> Verletzung des Datengeheimnisses

> Fehlende oder nicht ausreichende Vorabkontrolle

> Gefährdung der Rechte Betroffener

> Fehlende/unzureichende Absicherung der Auftrags-Datenverarbeitung

> Fehlende Transparenz für den Betroffenen und die Datenschutzkontrollinstanzen

> Gefährdung vorgegebener Kontrollziele

> Fehlende/unzureichende Absicherung der Datenverarbeitung im Ausland

> Gefährdungen bei automatisierten Einzelfallentscheidungen oder automatisierten Abrufen

> Fehlende oder unzureichende Datenschutzkontrolle

Leitende Fragestellungen für die Verantwortlichen:

 > Welche Maßnahmen sind für Datenschutz erforderlich?

> Wie hoch ist der Schutzbedarf der Daten/Datenkategorien?

> Welche Maßnahmen speziell sind erforderlich (z.B. Passwortlänge etc.)?

> Welche Maßnahme gehört zu welcher Anforderung?

> Wie sieht der neue Datenschutzbaustein aus?

Modul 7 regelt die Umsetzung:

> Verpflichtung/Unterrichtung der Mitarbeiter

> Organisatorische Verfahren zur Sicherstellung der Rechte der Betroffenen

> Führung von Verfahrensverzeichnissen und Erfüllung der Meldepflichten

> Datenschutzrechtliche Freigabe

> Meldung und Regelung von Abrufverfahren

> Regelungen zur Auftragsdatenverarbeitung

> Regelungen zur Verknüpfung und Verwendung von Daten

 Quelle: Social Banking 2.0

Written by lochmaier

Februar 11, 2010 at 2:33 pm

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Piratenpartei: Entern „digital natives“ den Bundestag?

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Piratenpartei: Partei der „digital natives“? Dieser Frage widmet sich eine Analyse der Genese und Etablierungschancen der Piratenpartei, und zwar ausgerechnet und sinnigerweise aus der Feder einer der CDU zugerechneten Stiftung, siehe:

http://www.kas.de/wf/doc/kas_18785-544-1-30.pdf?100208080609

Es ist noch gar nicht lang her – und noch vor kurzem berichtete netzpolitik.org darüber, wie die CDU die digital natives „vergraule:

http://www.netzpolitik.org/2009/die-cdu-vergrault-die-digital-natives/ 

Woher so plötzlich der Sinnenwandel, um neues etwas frustiertes Stimmvieh einzufangen. Vermutlich liegt es daran, dass „die digital natives“ längst zum Jedermann-Internet geworden sind. Da reift etwas heran, das wir wissenschaftlich handhabbar machen und bändigen müssen, so wohl die Erkenntnis in den Denkfabriken der Parteien. Auch die SPD hat sich ja bekanntlich mit dem twitternden Hubertus Heil schon mit zweifelhaftem Ruhm bekleckert. Bei allen Parteien sieht es mau aus mit der „Demokratie 2.0“.

Solche Reports wie jener von der Adenauer Stiftung werden sicherlich geschrieben, weil die Arrivierten und uninspirierten Politeliten, die unser Land längst in ein drittklassiges Management geführt haben, jetzt Angst haben, ob ihr Spiel noch weiter so funktioniert. Der Bürger soll den Gürtel enger schnallen, und selbst bedient man sich eifrig, und lässt sich – ebenso wie nicht wenige  Bankmanager – das eigene Versagen mit hohen „Bonizahlungen“ vergüten.

Durch das Internet holen „digital natives“ die große Politik und deren Mechanismen jedoch ins Wohnzimmer der Bürger. Eigentlich wäre dies ein Bildungsauftrag, den die großen Medienhäuser aber längst nicht mehr leisten können, die ebenso uninspiriert agieren wie die Volksvertreter, deren Arbeit noch nicht einmal den niederen Ansprüchen einer soliden Fach- und Sacharbeit mehr genügt.  

Bevor wir diesen Gedanken weiter verfolgen, erst nochmal zurück zum Report der Adenauer-Stiftung: Der Parteienmonitor trifft Aussagen zur Genese der Partei, dem Debattenstand und den Erfolgsbedingungen der Piratenpartei. Der eingangs erwähnte Report enthält durchaus nützliche Quellen und inhaltliche Querverweise.

Ob es der CDU und den anderen arrivierten nicht digital geerdeten Politmenschen indes gelingt, mit dem Rückenwind dieser Expertise den sozialen Aufstieg der Piratenpartei zu verhindern? Ich muss zugeben, es ist überhaupt etwas gewagt, von „den digital natives“ zu sprechen, denn das gerade in der Piratenpartei versammelte Spektrum von Menschen und Interessen ist ebenso breit und bunt, wie der Begriff digitale Erdenbürger ein ziemlich leeres Schlagwort darstellt.

Wie sich diese soziale Bewegung in ihren vielfältigen Formen Ausdruck verleiht, lässt sich in Deutschland an der „Piratenpartei als das Sammelbecken eines Teils der digitalen Bewegung ablesen, die Datenschutz und Bürgerrechte als untrennbare Einheit ansieht. Gelingt es den etablierten Lenkern nicht, die Bedeutung des Internets als eigenständigen und schützenswerten Lebensraum zu erkennen, dann erscheint es wahrscheinlich, dass die „Piraten“ bei der nächsten Bundestagswahl die Fünf-Prozent-Hürde überspringen.

Die zentralen Anliegen von Datenschutz und Datenhoheit beim Bürger lassen sich auch auf die virtuellen Finanzmärkte übertragen. Als Folge einer traditionell in Europa stärker als in den USA ausgeprägten Datenschutzbewegung erscheint es kaum wahrscheinlich, dass beim Social Banking amerikanische Spieler gänzlich die Kontrolle übernehmen, wie Google, Twitter, Facebook, Microsoft, eBay und andere.

Hat die Piratenpartei und eine über virale Mechanismen im Internet sich selbst organisierende kollektive Schwarmintelligenz eine wirkliche Machtperspektive? Jedenfalls ist kaum zu übersehen, dass alle anderen Parteien bislang jenseits des billigen Kopierens von Web 2.0-Mechanismen es nicht verstehen, das Internet als produktives Instrument nutzen, um ihre politische Willensbildung zu organisieren.

Da etablierte Strukturen in der Gesellschaft das Internet als eigenständigen Regeln folgenden kulturellen Lebensraum noch gar nicht entdeckt haben, bleibt es nicht nur interessant, wie das Netz in den politischen Raum hinein wirkt. Auch in der Wirtschaft verändern sich allmählich die Hierarchiestrukturen in den Unternehmen. Vieles hängt jedoch von der produktiv genutzten „kollektiven Intelligenz“ der Internetgemeinschaft ab, also wie diese die neuen Möglichkeiten und Spielräume zur Bürgerbeteiligung im world wide web nutzen kann.

Es birgt eine große Aura der Unberechenbarkeit in sich, um zu prognostizieren, wie der Bürger im Netz zwischen den Polen von mehr staatlicher Überwachung, Werbemüll und mehr Nutzerautonomie hin- und her pendelt. Welche Wege die digitale Generation in der Politik beschreiten wird, auch das wird wieder eine Rückkoppelung auf das Finanzwesen entfalten.

Konkrete Prognosen erscheinen gewagt, angesichts einer historischen Übergangsphase, angesichts der neben dem Modernen Staat auch die drei führenden wirtschaftlichen Leitreviere der Banken-, Automobil- und Medienindustrie einem gravierenden Wandel unterworfen sind.

Versagen die staatlichen Institutionen und die Akteure in der Wirtschaft in den nächsten Jahren bei der Bewältigung von Zukunftsaufgaben gleichermaßen, und schwindet das Vertrauen der Menschen in das demokratisch von oben regierte System weiter, dann dynamisieren sich nicht nur über eine neue soziale Bewegung die Elemente von Bürgerbeteiligung und Selbstverwaltung. Die Bürger als Akteure könnten auch direkt in die Geldkreisläufe in der Wirtschaft durch selbst steuernde Mechanismen eingreifen.

Organisationspsychologe Peter Kruse prognostiert mit den digital natives eine Bewegung, die stärker sein wird als die Ökobewegung der achtziger Jahre. Vordergründig erinnert das bunte Spektrum in der Piratenpartei in der Tat an die ersten basisdemokratischen Aufbrüche der Grünen. Aber nur vordergründig, denn das Internet als eigenständiger Lebensraum folgt einem eher pragmatisch-undogmatischen Ansatz der direkten Bürgerbeteiligung (Liquid Democracy).

Also bleibt eine spannende Frage offen: Wird die Piratenpartei die Fünf-Prozent-Hürde bei der nächsten Bundestagswahl überspringen – und zum eigenständigen (heterogenen) Bestandteil einer politischen Parteienlandschaft werden, der in der Lage ist, unterschiedliche Strömungen der staatsbürgerlichen Unzufriedenheit mit etablierten Strukturen sinnvoll zu kanalisieren und zu steuern?

Gibt es dazu Kommentare?

Hier noch eine Dokumentation auf 3SAT, die verdeutlicht, wie „Digital Natives“ (angeblich) ticken. Der erste Teil:

Hier kann man sich die weiteren Teile anschauen:

http://www.youtube.com/view_play_list?p=E9F3870D8BA4261B

Und wer wissen will, wie die junge Generation „Demokratie 2.0“ machen will, wird hier bei netzpolitik.org fündig, wo man sich ein interessantes längeres Radiofeature anhören kann:

http://www.netzpolitik.org/2010/demokratie-2-0-wie-die-internetgeneration-politik-macht/

Auf der diesjährigen Cebit und evtl. auch auf der re:publica, dem who is who der Netzkultur, wird das Thema „Finanzdemokratie 2.0“ bzw. Social Banking auch eine Rolle spielen, siehe die Ankündigung hier:

http://webciety.de/?page_id=2702&pid=1769

Written by lochmaier

Februar 11, 2010 at 8:25 am

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