Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Beipackzettel de luxe: Banken fordern gesetzliche „Pflicht“ zur Altersvorsorge

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Die Nachricht lässt durchaus aufhorchen: Ein Artikel in „die Welt“ beleuchtet die Zukunft der Alterssicherung, bei der die Banken den Kunden im Sinne einer gesetzlichen Selbstverpflichtung zur privaten Vorsorge die Daumenschrauben anziehen wollen – statt evtl. selbst an ihren eigenen, transparenten und besseren Produkten zu feilen:

http://www.welt.de/finanzen/article6445524/Banken-fordern-Pflicht-zur-privaten-Altersvorsorge.html#reqRSS 

Das Wichtigste: Um die betriebliche Altersvorsorge zu stärken, plädiert ein Sprecher des Bankenverbandes für das sogenannte Opting-Out-System. Das heißt, Arbeitnehmer sollen automatisch in die Vorsorgesysteme der Betriebe aufgenommen werden, allerdings mit einer Option, auszusteigen.

Die Retourkutsche der Verbraucherschützer ließ in dem Beitrag allerdings nicht lange auf sich warten:

Josephine Holzhäuser, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland Pfalz weiß, dass viele Verbraucher heute nicht ausreichend für später vorsorgen. „Aber der Hauptknackpunkt muss sein, die Leute für das Thema Altersvorsorge zu sensibilisieren und nicht sie zu bevormunden.“

Quelle: welt.de

Kommentar: Oh die arme Versicherungsbranche – die Produkte werfen meist nach Abzug aller Kosten nur eine minimale Gesamtrendite ab, die mit dem Sparstrumpf unter dem Kopfkissen vergleichbar ist – und es ist nur allzu offensichtlich, dass es darum geht, die aus triftigen Gründen nicht von allen geliebte Riester-Rente wieder einmal in den Markt hinein zu pushen. Der Deal mit dem Staat: Ihr werbt mit Steuergeschenken beim Bürger für Akzeptanz, und wir übernahmen das Kommando auf der Schiffsbrücke in das neue Zeitalter der privaten Vorsorge.  

Obwohl hier die Grenze von 13 Mio. Abschlüssen bereits überschritten wurde, reicht dies offenbar den Vertriebsspezialisten nicht aus:

http://www.vorsorge-und-finanzen.de/Ratgeber-Altersvorsorge/100217-Altersvorsorge-Riester-Rente–knackt-13-Millionen-Grenze.html

Jetzt dürfen wir damit rechnen, dass über weitere lobbyistische Aktivitäten dem ja doch so unmündigen Bürger die Daumenschrauben seitens der Versicherungsindustrie weiter angezogen werden. Wie war das noch, mit dem Kehren vor der eigenen Haustüre in Sachen transparenter Anlage- und Finanzberatung?

Links (beim Verbraucher) blinken – und dann rechts (auf der Lobbyspur) überholen, lautet das Prinzip. Dass die Rendite bei Riester – bei vielen Produkten – in erster Linie in die Provisionen des Vertriebs fließt, das hat ja die politisch der Subversion kaum verdächtige Stiftung Warentest immer wieder festgestellt.

Dazu ein Zitat, das ich ausnahmsweise als unabhängig denkender „Social Banker“ mal der linken Presse entnehmen darf: „Bei Finanzmärkten geht es nicht nur um neue, riskante Geschäftsmodelle, sondern um die zunehmende Macht der Finanzinstitute über die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Politik“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/165602.kapitalismuskritik-heute.html

Demokratisierung der Wirtschaft und Finanzmärkte? Mir dämmert es so langsam, warum es eine gesetzliche Pflicht zur privaten Altersvorsorge geben sollte. Damit kein Bürger mehr unbequeme Fragen stellt, und einfach das Geld jeden Monat vom (betrieblichen) (Arbeitszeit)-Konto abgebucht werden kann. Da erübrigen sich nämlich auch Beratungsprotokolle, jetzt im Fachjargon der Banken etwas abschätzig als „Beipackzettel“ bezeichnet. Zu Risiken und Nebenwirkungen, fragen Sie doch bitte Ihren Gesetzgeber, der ihnen aber auch keine Auskunft geben kann.  

Da bleibt dem Riester gehörnten Kunden wohl nicht viel mehr übrig, als selbst eine andere Finanzindustrie zu erfinden. Denn wie soll der Kunde ein paar Warnhinweise beachten, wenn er ohnehin am kürzeren Hebel sitzt: 

http://www.stock-world.de/analysen/3274184-Bankberatung_Das_muessen_Sie_beachten.html 

Übrigens, die These, dass der Kunde geldgierig sei, wie es neulich die Börsenzeitung in einem Kommentar behauptet, halte ich geradezu für zynisch, denn letztlich versucht die arbeitende Mittelschicht das beste aus ihren Möglichkeiten zu machen.

Den Bock zu gärntern, das ist also eine allzu billige Abwehrvariante gegen das Bankenbashing – aber lesen Sie doch kurz selbst, wie alle möglichen Beipackzettel in unserer Soll-Bilanz auf dem privaten Konto landen:

http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=10275

Da tun sich also neue Abgründe und Gräben auf, die man auch mit künstlerischen Mitteln sichtbar machen kann. Für alle, die den letzten Eintrag vom Wochenende verpasst haben, hier nochmals abschließend mein kleines Bildungs- und Sensibilisierungsvideo zum Social Banking. Einfach mal reinhören in die Texte des Songs zur „Banking Wall“:

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Written by lochmaier

Februar 22, 2010 um 9:13 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Beipackzettel de luxe: Banken fordern gesetzliche “Pflicht” zur Altersvorsorge […]


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