Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Media: Neues aus der Bunti-Klicki Welt der Banken

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Wieder einmal versucht sich ein Experte an der schwierigen Frage zu reiben, „Would Google make a better Bank?“ – dazu schreibt Brett King in der Huffington Post:

http://www.huffingtonpost.com/brett-king/would-google-make-a-bette_b_443317.html

Dazu meine Antwort: Google ist bereits die erfolgreichste (Internet)Bank der Welt.

Wenden wir uns deshalb trivialeren Dingen zu, nämlich der Betrachtung neuer Trends rund um Social Media und Banken. Fangen wir mit Auxmoney an, der privaten Kreditauktionsplattform, wo Menschen sich gegenseitig Geld ausleihen. Der Betreiber lässt die Leute über ihre Erfahrungen auf einer eigens eingerichteten Internet-Satellitenseite sprechen:

http://www.auxmoney-erfahrungen.de/erfahrungen

Irgendwie komisch – ich habe mir die ganze lange Seite der unzähligen Erfahrungsberichte mit Auxmoney angeschaut – mir ist jedenfalls kein einziger negativer oder kritischer Bericht aufgefallen. Außer ein paar ganz vorsichtige Andeutungen, die aber keinem weh tun, vor allem nicht dem Portal selbst.

Oder anders gesagt: Vom Betreiber vorgestanzte Social Media ist keine Social Media. Die Bunti-Klicki-Welt der alten und neuen Banken ist vielschichtig, keiner kann für sich in Anspruch nehmen, nur positive Erfahrungsberichte zu reklamieren, wie ich dies in einem früheren Beispiel über die Targobank aufgezeigt habe, die früher mal Citibank hieß, und die sich jetzt mit Hilfe von gekaufter Social Media einen völlig neuen Kundenanstrich verpasst – ein absoluter Missgriff (siehe den 2. Teil meines Blogeintrages hier):

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/29/noa-bank-fort_schritte-und-was-fusball-mit-banken-zu-tun-hat/    

Nun ist es aus einem gesunden Eigeninteresse heraus durchaus verständlich, wenn Banken im Web 2.0 nicht wollen, dass andere über sie herfallen. Aber der gesunde Weg liegt in der Mitte, zwischen reiner Selbstdarstellung, und dem offenen und ungeschönten Feed back der Community. Das ist wie im richtigen Leben. Es gibt Fans und es gibt Kritiker. Die richtige Mischung machts, und trägt letztendlich dazu bei, dass auch der Betreiber permanent an seinem Geschäftsmodell feilt und sich verbessert.

Mir gefallen deshalb bodenständige Ansätze weit besser, die Social Media als vielfältigen sozialen Lebensraum begreifen. Als kleine Empfehlungsadresse kann man ja mal einen Blick auf die Youtube-Seiten der spanischen Caja Navarra werfen, die dort viele ziemlich unspektakulär aber nicht weniger wirkungsvoll aufgemachte Beiträge zu Haiti eingestellt  hat.

http://www.youtube.com/user/Canvideos

Wir sollten die Bank ins Wohnzimmer holen, Bankfilialen als sozialen und kulturellen Lebensraum begreifen, und die gesellschaftliche Verantwortung des Bank- und Finanzwesens via Social Media in den Mittelpunkt rücken. Einige unspektakuläre Beiträge, in denen Mitarbeiter der „CAN“ die Lage in Haiti kommentieren, können jenseits einer „Betroffenheitskultur“ zeigen, wie das funktionieren könnte:

Eine Bankmitarbeiterin setzt sich jenseits von Hochglanztuning auf einen Stuhl und berichtet über die (Spenden)Situation in Haiti. Ist das nicht eher „Social Banking Media“, wie wir es jenseits der reinen Fassadenpolitur an der Oberfläche verstehen sollten?

Noch ein Zitat aus einem anderen Video: Unicef recibe 80 mil euros del fondo de emergencias ante catástrofes de CAN para ayudar a Haití. Los 530 mil euros aportados por los clientes de CAN.

Übersetzt: Über 80 Millionen Euro hat die Caja Navarra über die Unicef bereits beigesteuert. 530.000 Euro haben die Klienten der Bank dazu beigetragen. Ich will die spanische „Sparkasse“ nicht glorifizieren, überall gibt es Licht und Schatten – aber sie zeigt die Richtung auf:  Keine vom Rest der Gesellschaft isolierten marmornen Hochglanzfassaden, sondern ein nach allen Seiten atmendes organisches Finanzwesen.  

Wer mehr darüber wissen möchte, wie sich die Bankfiliale als sozialer und kultureller Lebensraum jenseits einer künstlichen Bunti-Klicki-Ausstattung wiederbeleben lässt, wird in einem früheren meiner Blogeinträge zur „CAN“ fündig:

Die Bank als sozialer Lebensraum – Caja Navarra macht es vor:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/12/16/die-bank-als-sozialer-lebensraum-caja-navarra-macht-es-vor/

Wie eine „Web 2.0-Bank“ aussehen kann, zeigt sich am Beispiel von Fidor. Dort hat sich der Publikumsverkehr seit geraumer Zeit drastisch erhöht. Das liegt zum einen an den guten Zinsen fürs Tagesgeld (3.01 Prozent), aber auch an den Nutzern selbst, die ja für ihre Tipps mit einem Bonussystem entlohnt werden (bis dato über 22.000 Euro). Etwas zurückgefahren sind klassische Blogfunktionen, die einfach zu statisch sind:

http://blog.fidor.de/

Kurzum: Die Musik spielt hier, auf den Community-Seiten, wo die Bewohner immer mehr Finanzberater und Produkte bewerten:

http://community.fidor.de/

Natürlich ist dies noch keine Garantie für plötzlich eintretenden Reichtum über Nacht. Aber man sieht, Märkte sind (offene) Gespräche – und der Betreiber Fidor ist nicht derjenige, der Signale sendet, sendet, sendet. Sondern er moderiert die Drehscheibe der finanziellen Webgemeinschaft, das heißt die Finanzgemeinschaft 2.0 sendet, empfängt und sendet.

Es köchelt in erster Linie die Community selbst – es gilt die richtigen Fragen zu stellen, z.B.:

  • Was macht einen modernen Bankingansatz aus?
  • Was muss eine moderne Bank leisten?
  • Wie sieht eine Bank im Jahr 2020 aus?
  • > Hier kann man sich die Gewinner des Fidor-Video-Wettbewerbs „Banking 2.0“ anschauen:

    http://fidor.de/wettbewerb 

    Welche Aufgabe hat der Portalbetreiber Fidor in diesem kreativen Prozess wiederum, bei dem die Nutzer die Regie führen: Er verteilt, verteilt, verteilt, er dient sozusagen als Motivator, Ideengeber und Wegweiser durch den Finanzdschungel. Er hat für faire Austauschbedingungen und eine kultivierte Kommunikationskultur zu sorgen. Die Messlatte für einen Social Media Ansatz sollte also deutlich höher liegen, als nur in einer schönen neuen „Bunti-Klicki-Welt“ -,  einer nur vermeintlich interaktiven Bank 2.0.

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    Written by lochmaier

    Februar 8, 2010 um 8:07 am

    Veröffentlicht in Uncategorized

    2 Antworten

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    1. […] This post was mentioned on Twitter by HUMANE WIRTSCHAFT and people-string, Lothar Lochmaier. Lothar Lochmaier said: Die "Bunti-Klicki-Welt" der Bank 2.0: https://lochmaier.wordpress.com/2010/02/08/social-media-neues-aus-der-bunti-klicki-welt-der-banken […]

    2. […] bei der Börse nach oben oder unten geht? So langsam kann man sich all diese vielen neuen “Bunti-Klicki-Banknamen” gar nicht mehr merken: Die Citibank heißt jetzt bald Targobank, und jetzt das mit Karstadt […]


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