Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank pusht „Finanzdemokratie 2.0“: Mythos oder Chance?

with one comment

Die Noa Bank trifft den Nerv der Zeit, und zeigt weiterhin ein großes Wachstumspotenzial, wie zahlreiche Presseberichte bestätigen. Eine kleine Auswahl, die zeigt, dass sich verstaubte Banken warm anziehen sollten, wenn sie glauben, dass der Kunde wie in einer schlechten Ehe auf ewig die Treue schwört. Irgendwann verlässt selbst der gequälteste Geist seinen Peiniger. Und so sieht der Herausforderer Francois Jozik von der Noa Bank das Geschehen: 

http://www.dasinvestment.com/investments/maerkte/news/datum/2010/01/29/bankgruender-francois-jozic-die-spielen-monopoly/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=98d2a8f7a1

http://www.handelsblatt.com/_d=HB011022912,_p=1174,_t=ft_archive (leider nur kostenpflichtig abrufbar, die Medien ziehen die Daumenschrauben an)

Die Fakten zur Noa Bank: Nach Angaben des Neueinsteigers wächst der Einlagenbestand seit Beginn des Jahres pro Tag um rund eine Million Euro, was rund 100 neuen Kontenanträgen täglich entspricht.

Schon wenige Wochen nach Neugründung wies das Geldinstitut einen Kundenbestand von 2.500 und ein Einlagenvolumen von sechs Millionen Euro aus. Ende Januar 2010 lag die Anzahl der Konten bereits bei 4.700 und der Einlagenbestand betrug 27 Millionen Euro.

Die Kunden sind bei ihrer Geldanlage allerdings frei in der Wahl ihrer Themenkonten. Im Internet gibt das in Düsseldorf und Frankfurt angesiedelte Geldinstitut einen fortlaufenden Überblick, wie es die Gelder einsetzt, also welche aktuelle Zwischenbilanz das jeweilige Themenkonto hat und an welche Unternehmen die Kredite vergeben worden sind. Hier kann man sehen, welche Projekte die Noa Bank mit Firmenkrediten finanziert:

http://www.noabank.de/wo-ihr-geld-hilft/geldverteilung/thema

Welche Konkurrenz hat die Noa Bank? Wie es mit der ethisch-ökologischen Geldanlage aussieht, beleuchtet Thomas Jorberg von der GLS Bank, der das Kundenpotenzial auf 7-10 Millionen Deutsche schätzt, die ihre Geldanlage „nachhaltig umgestalten“ wollen.

http://www.evangelisch.de/themen/wirtschaft/experte-menschen-suchen-nach-ethischen-geldanlagen10924

Sicherlich, einerseits mag es dieses „theoretische Potenzial“ geben, aber in der Praxis gibt es eine große Kluft zwischen dem, was die Menschen, die auf ihren Geldbeutel achten müssen, gerne tun würden, und dem was sie dann tatsächlich tun. 

Oder anders gesagt: Der große Kundenansturm auf die Ökobanken wird wohl nicht kommen, weil sie zu wenig in der Mitte der Gesellschaft verankert sind, und die moralisch-ethischen Atrribute „zu hoch gehängt“ sind, trotz eines teilweise zu erkennenden Paradigmenwandels auf den Finanzmärkten in Richtung mehr Nachhaltigkeit (zumindest solange sie das reguläre Geschäft nicht behindert).

Insofern also dürfte die Zahl der potenziellen Neukunden der Ökobanken auf eine fünf- bis maximal sechsstellige Kategorie beschränkt sein, die sich bislang vor allem aus gut saturierten Kreisen rekrutieren, die sich eine geringere Rendite und ein besseres Gewissen leisten können. Alle anderen aber vergleichen die Konditionen genau:

http://www.ethische-geld-anlage.de/

Immerhin: Die Ethikbank aus Jena greift den Markt jetzt mit eines Tagesgeld-Zins von 2,5 Prozent an, berichtet Börse online, und weist auf einiges Kleingedruckte in diesem Angebot hin:

http://www.boerse-online.de/finanzen/aktuell/:Tagesgeld–Ethischer-Lockvogel/516325.html 

Lang wird das Angebot aufgrund der Kostenstruktur wohl kaum anhalten – Was folgt daraus?

Neue  Banken wie eben jene Noa Bank sprechen eben jene undogmatische Mitte der Gesellschaft an, die weiß, dass man sich eine „bessere Welt“ nicht über eine Ökobank kaufen kann. Vor allem sucht die „Generation Y“ mehr Einfluß, mehr Transparenz und mehr Mitbestimmung in der Finanzwelt, wie Boris Janek von Finance 2.0 in seinem sehr interessanten Blogeintrag richtig beleuchtet hat:

http://electrouncle.wordpress.com/2010/01/28/nehmen-wir-einmal-an/

Eine interessante Profilanalyse der Chancen und Grenzen des „Y-Gens“ findet sich auch auf Financialbrand:

http://thefinancialbrand.com/2009/11/10/eds-credit-union-arrival-guide/ 

Übrigens: Nur Twittern, Youtuben oder ein bisschen Facebooken macht noch keine „Bank 2.0“ aus. Das allein wäre nur ein Gimmick. Etwas zurück gefahren scheint die Noa Bank ihre Social Media Aktivitäten zu haben, infolge eines recht vielfältigen Meinungsbildes, das viele interne Ressourcen bindet, kann man diesen Schritt sogar irgendwie nachvollziehen. Denn der anhaltende Kundenansturm bindet IT-Ressourcen und Personal.

Aus Sicht der Anleger zählt natürlich vor allem eines: Sie wollen volle Transparenz nicht nur auf dem Papier, sondern auch hinter den Kulissen.

Insofern sind wir alle gespannt, wie die Noa Bank die neuen Herausforderungen eines dynamischen Wachstums meistert. Aber fest steht auch: Es gibt im Moment auf dem deutschen Markt – wenn nicht sogar international gesehen – kein Geldinstitut, das vom Konzept her so die allgemeine Stimmungslage gegen die Banken trifft, und diese auch noch in einem schlüssigen Geschäftsmodell scheinbar logisch nachvollziehbar abbilden kann.

Damit wären wir bei der „Finanzdemokratie 2.0“ – Mythos oder Chance? Jetzt müssen am Beispiel der Noa Bank den Worten nur noch konsistente Taten über einen längeren Zeitraum folgen, damit wir die erste „Entwicklungsbank“ jenseits von Spekulation und einer Verhaftung in der grünen Nische noch in diesem Jahrzehnt erleben.

Dass die „Finanzdemokratie 2.0“ dennoch vorerst ein Mythos bleibt, das versuche ich hier in einem frisch erschienenen Beitrag auf Heise Telepolis aufzuzeigen:       

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31977/1.html

Aber immerhin, die ersten Schritte in Richtung „Finanzdemokratie 2.0“ sind gemacht. Dies bedeutet keine komplette Umwälzung, in dem Sinne dass sich die Finanzströme „sozialisieren“. Sprich: Die Machthierarchie kehrt sich nicht komplett um, aber das Geschehen wird bunter. Die Menschen beobachten genauer, und immer mehr wüßten gerne, was die Bank mit ihrem Geld macht (oder nicht). 

Es wird genau deshalb übrigens nicht wenige Mitspieler geben, die mit allerlei Mitteln versuchen werden, derartige Newcomer wie die „Noas“ am Aufstieg zu hindern. Man könnte eigentlich eine Imagekampagne gegen die Noa Bank nicht besser aufziehen, wie man hier anschauen kann:

 http://www.osthessen-news.de/beitrag_A.php?id=1177175

Auszug: Die Mahnwelle geht derzeit quer durch die Republik. Das Inkassobüro mit ak-tuellem Sitz in Neu-Isenburg gibt vor, für einen Gewinnspiel-Eintragungsdienst “Tipp House“ eine offene Forderung einzuziehen. Zuzüglich Mahn- und Inkas-sokosten werden 138,61 Euro geltend gemacht, die innerhalb der nächsten sieben Tage auf ein angegebenes Konto bei der noa-Bank überwiesen werden sollen.  

Fazit: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das oben beschriebene Konto bei der Noa Bank von Inkasso-Geldeintreibern ist sicherlich keine besonders elegante Art, der Konkurrenz auf den Leibe zu rücken. Wer etwas Neues versucht, dem pinkeln die Arrivierten kräftig ans Bein, und sie sind in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich. Aber innovative Ideen setzen sich letztlich immer durch, wenn die Zeit reif ist.  

Andererseits bleiben immer noch – oder schon wieder – einige ungeklärte Fragen mit Blick auf die Noa Bank offen, so etwa ob und in welcher Form die Gründer auch in ein frisch gegründetes Unternehmen namens Samarys involviert sind, das sich dem M&A-Geschäft widmet, also der Veräußerung von Unternehmen.  

Dazu gibt auch Gründer Francois Jozik in einem neuen Blogeintrag Auskunft (ganz unten):

http://anderebank.de/blog/artikel/21-things-to-make-a-banker-happy/

Allen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen scheinen die neuen Konditionen fürs Festgeld bei der Noa Bank – immerhin 2,3 Prozent für sechs, und 2,4 für 12 Monate (bzw. 3,5 Prozent für 60 Monate):

http://www.noabank.de/festgeld

http://www.anderebank.de/blog/artikel/noa-bank-erhoeht-die-konditionen-auf-festgeld.-warum/

Das Glas ist also wieder einmal halb voll und halb leer. Social Banking 2.0 hält die Leser weiter auf dem Laufenden, im Sinne der Philosophie, eine möglichst große Transparenz im Informationsfluss herzustellen, sowohl was die „alten“ als auch die „neuen“ Banken angeht, damit sich „Finanzdemokratie 2.0“ nicht als leeres Marketingversprechen entpuppt, das sich nur den allgemeinem Bankenfrust beim Kundenfang vordergründig zunutze machen will. Jeder Form von „Black Box Bank“ soll es nicht mehr ganz so leicht fallen erfolgreich zu sein, oder?

Der Gründer Francois Jozik – nimmt nun dankenswerterweise gleich persönlich für die Leser von Social Banking 2.0 Stellung, zu den neuen angeblichen Verbindungen zwischen Noa Bank und Samarys, und gibt auch Auskunft darüber, wie die Kreditlinie der Noa Bank befüllt wird:

I am not sure it is right to permanently try creating the amalgam between Quorum – Noa bank and other companies. I would communicate openly if it was the case.

As you know I am now only involved in noa bank and Quorum, which has now legally changed its name to noa factoring AG.

I have seen the comments on your website, and I can only tell you that it is not my role, neither my intention to enter into any polemic about targas.

My only focus is noa.

Regarding the credit aspect, I can confirm you that  what is shown on the website are indeed financings made by the bank, with the deposits of the savers. Which is the purpose of the bank.

Quelle: Social Banking 2.0

Und hier der Vollständigkeit und Transparenz halber noch meine heutige Antwort auf diese Ausführungen von Francois Jozik:

You can believe me that it is not my attention to throw „Amalgam“ between us. But I have a neutral duty to do, to inform the readers about all positive and sometimes critical aspects of „Social Banking“. So I have to be the „voice“ for different angles of the topic.

I am just wondering that the new company is in the same location than Noa Bank – so you should understand, that there are questions coming, if you are not involved in that new thing, this is a clear answer, if you are, you should comment that openly, there is nothing bad in it, to create a new value chain, and to open different business models. I know there is a split between openess and security. But the people who deposit Money into Noa Bank, they have the right, not to find a „black box“ – and you should just inform, where the money is going into, and what the whole value chain is like. Not more and not less.

 Apart from that I hope that your Business will grow, and that everything is going on well.

Quelle: Social Banking 2.0

So –  damit wäre dieses Thema vorerst aus Sicht der Noa Bank und Social Banking 2.0 kommentiert. In meinem bald erscheinenden Buch „Die Bank sind wir“ – Chancen und Zukunftsperspektiven von Social Banking – versuche ich einige Anregungen zu geben, zur „Finanzdemokratie 2.0“ zwischen Mythos und Realität. Das Buch wird hier erscheinen:

https://www.dpunkt.de/buecher/3270.html

Und nun kommt abschließend die kleine Preisfrage: Jener Leser, der die folgende allerdings leicht Nobelpreis verdächtige Frage in sich schlüssig  beantworten kann, erhält ein Gratisexemplar der Publikation (maximal drei Freiexemplare wären zu vergeben):

Finanzdemokratie 2.0 – Lässt der Kapitalfluss sich als Gemeinschaftsgut jenseits von Ideologien (Kapitalismus- und Sozialismuskritik) überhaupt „vergesellschaften“, und wenn ja, in welcher Form?

Oder etwas anders ausgedrückt: 

Wie sähe eine Finanzdemokratie 2.0 zwischen Renditestreben einerseits und sozialem Ausgleich andererseits aus, bei der sich letztlich nicht neuer Wein in alten Schläuchen reproduziert, also nur ein etwas hip und schick maskiertes hierarchisches Machtgefüge von oben nach unten, schließlich lässt sich „Kapital“ nicht mit Hilfe des Web 2.0 demokratisieren, oder doch?

Hier zwei kleine kontroverse Wegweiser zum hoffentlich „konstruktiven Protestpotenzial 2.0“:

http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article6214290/Protest-2-0.html

Ein Auszug: Dieses Brummen ist auch für Joana Breidenbach, Mitgründerin der Spendenplattform betterplace.org, wichtig. Der Gedanke „Wenn mehr Freunde davon wissen würden, würden sich mehr Menschen engagieren“ liegt ihrer Plattform zugrunde. Dieser Multiplikatoreffekt des Web ist die eine Sache. Ein anderer ist die Effizienz des Internet: Traditionelles Fundraising verschlinge ein Drittel der Spenden, sagt sie. Bei Betterplace würden 100 Prozent der Einnahmen weitergeleitet. Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz: Ein Klick genügt für den Kontakt zwischen Spender und Empfänger. Und Begünstigte haben angefangen, eigene Projekte zu starten. Ihr Ziel: „alternative Vertrauensmechanismen entwickeln“.

Quelle: welt.de

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-02/soziale-netzwerke-elite-facebook

Auszug: „Das Problem mit Seiten wie Facebook ist“, sagt smallworld-Erfinder und Ex-Banker Erik Wachtmeister, „dass einige ‚High-Profile‘-Mitglieder permanent kontaktiert werden, während andere diese Seiten als bequeme Möglichkeit sehen, sich mit attraktiven und erfolgreichen Menschen zu verbinden.“ Die gesellschaftliche Hackordnung, sie funktioniert auch im Netz. Und die da oben wollen von denen da unten bloß in Ruhe gelassen werden.

Quelle: Zeit.de

Freue mich auf spannende Antworten. Aber das Thema ist nicht unbedingt etwas für  einen Schnellschuss, den man einfach so mal in die Tastatur reinhackt.

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Written by lochmaier

Februar 4, 2010 um 8:05 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Baustein zu einer – sicherlich manches Mal etwas mühselig zu erreichenden – “Finanzdemokratie 2.0” – und die Noa Bank ist derzeit sicherlich das einzige Geldinstitut in Deutschland mit […]


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