Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Januar 2010

Bank 2.0: Neue offene Führungskultur gefragt

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Bislang galt der Grundsatz, Moral und eine reine Ökoweste beim Geldverdienen in der Bank sind solange gut, solange sie das Geschäft nicht stören. Was aber wenn das „Geschäft“ sich ändert, und plötzlich neue Qualifikation in der „Bank 2.0“ gefragt sind – eine vorsichtige erste Antwort darauf versucht ein Handelsblatt-Portrait zu geben:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/karriere/social-banking-gruene-banker-sind-gefragt;2513225

„Alternative Banken, aber auch konventionelle Institute suchen immer mehr Mitarbeiter, die nicht nur wissen, wie sie möglichst hohe Renditen erwirtschaften, sondern auch analysieren, was mit dem angelegten Geld passiert. „Der klassische Banker hat in seiner Ausbildung aber nie etwas über soziale und ökologische Fragestellungen gehört“, sagt Sven Remer, promovierter Finanzwissenschaftler und Tutor am ISB.

Quelle: Handelsblatt

Das ISB, – Institute for Social Banking – in Bochum, wurde in einem Interview von Social Banking 2.0 bereits ausführlich vorgestellt:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/12/interview-wie-das-institute-for-social-banking-sein-profil-versteht/

Für nicht ganz so „sozial ausgewogen“ hält allerdings nicht ganz zu unrecht „Finance 2.0“ Blogger Boris Janek die hohen Gebühren für einen sechssemestrigen Kurs beim Institut for Social Banking – bei dem immerhin 15.000 Euro fällig  werden. Sein Vorschlag in einem Twitter-Eintrag am 17.01.:

„Social Banking Ausbildung- Gut und Wichtig- Aber warum muss das so teuer sein? Bankausbildung ueberarbeiten!“ 

Quelle: http://twitter.com/electrouncle

Da bleibt nur noch festzuhalten: Geld gefährdet jedes Staatswesen, und es agiert per se sozial asymetrisch, da sollten wir uns nichts vormachen – oder einfacher gesagt: Es wird immer wenige geben, die zu viel davon haben, und zu viele, die davon zu wenig haben. Übrigens: es ist tatsächlich so, sofern das „business as usual“ anhält, dass die Banken tatsächlich eine „Gefahr für die Demokratie“ darstellen, wie ein Interview auf NZZ online mit dem Bankenspezialisten Urs Birchler eindrücklich belegt:

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/grossbanken_als_problem_fuer_die_demokratie_1.4515392.html

„Finanzdemokratie 2.0“ ist in der Bank 2.0 angesagt, will sie sich als mehr als nur Marketingblendwerk erweisen. Es gibt übrigens eine ePetition für den deutschen Bundestag, die genau jene Bankengröße auf ein erträgliches Maß zurück stufen will (Danke an die Leserin Susan für diesen Tipp), bis zum 2. März kann man sich noch beteiligen:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?PHPSESSID=420fd9e0023117cf2ad5193cb054cfd9&action=petition;sa=details;petition=9010

Das Problem: Wer A sagt muss auch B sagen. Sprich, wir bräuchten gangbare Alternativen, siehe dazu auch die vielschichtigen Leserkommentare zur obigen ePetition. Insofern geht es hier also nicht um ein paar kleine Farbtupfer oder vordergründigen Aktionismus, sondern schon um eine grundsätzliche Neuorientierung, allerdings bar von plakativen moralischen Kriterien, wer denn nun der bessere „ethische Bankmensch“ sei – eine Diskussion, die letztlich nur an der passenden Lösungsstrategie vorbei führt:

Deshalb ein Zitat aus dem oben bereits aufgeführten Interview der NZZ:

Denn dies ist die politische Zeitbombe: Die Leute ertragen Unterschiede in Vermögen und Einkommen relativ gut, solange sie nachvollziehen können, welche Leistungen dahinterstehen. Aber Umverteilungen, die sie als ungerecht empfinden, ertragen sie schlecht. Wenn sie nun sehen, dass Banker, die grosse Verluste verursacht haben, zuerst vom Staat gerettet werden und dann am Ende auch noch ungeschoren davonkommen, dann ist das unglücklich. 

Quelle: NZZ

Nun stellt sich die Frage, wie denn eine neue Führungskultur beschaffen sein könnte, bei denen Nachhaltigkeit und Renditeorientierung in einem gesunden Verhältnis stehen und sich nicht ausschließen. Wer das noch ausführlichere Video-Interview der NZZ mit Urs Birchler angeschaut hat, erhält  zumindest einige kleine Wegweiser:

Neben einer angemessenen finanziellen Entschädigung, die der Staat von den Banken für die Übernahme der Staatsgarantien einfordern sollte, sollten die Geldinstitute selbst eine probate Strategie zur Eigenmittelvorsorge implementieren, aber auch neue Wege in der Liquidation von bestimmten Geschäftsteilen, die sich zur Gesellschaft kontraproduktiv verhalten, beschreiten. Letztlich bräuchten wir aber kleinere Einheiten, die eine dezentrale Steuerung, auch unter Beteiligung der „niederen Schwarmintelligenz“ mit sich brächten. Und die Banken müssten bereit sein, den Kundendialog auf Augenhöhe zu führen.   

Das widerspricht jedoch den Marktregeln. Geld strukturiert sich nach „asozialen“ Kriterien. Größe scheint sich immer durchzusetzen. Was aber wenn die Netzkultur neue Wertschöpfungsmechanismen in der Wirtschaft ermöglicht – und alte Flaggschiffe dadurch torpediert werden? 

Welcher Führungstyp ist denn künftig gefragt, damit die Bankkultur wieder Bestandteil der produktiv ausgerichteten Wirtschaft und Gesellschaft wird. Sicherlich ist das eine Frage, die sich an uns alle richtet. Oder?

Damit wir jetzt nicht bei einem eher theoretischen Fazit stecken bleiben, sprich der Kaffeesatzleserei, hier noch ein interessantes Video, das verdeutlicht, wohin die Reise in der „Bank 2.0“ gehen wird. Und – die Entwicklung ist bereits voll im Gange:

Siehe dazu auch den Eintrag mit Blick auf den Verfall von Leitindustrien wie der Medienbranche – und was Amerikas Top-Talker Jay Leno und Co. mit den Banken gemeinsam haben:

http://bank2book.wordpress.com/2010/01/17/what-jay-leno-conan-obrien-and-the-banks-have-in-common/

Written by lochmaier

Januar 19, 2010 at 7:18 am

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Islamic Finance (Teil III): Verschmelzung der nachhaltigen Finanzkulturen?

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III. Teil – Peer-to-Peer-Banking und die Verschmelzung der nachhaltigen Finanzkulturen 

Nach einer Einführung in das sogenannte „Hawala-Banking“, das sich nach offizieller Lesart streng vom Islamic Finance und Banking abgrenzt, folgt nun eine abschließende Bewertung, um die Zukunftsperspektiven mit Blick auf die international vernetzte Finanzwelt überhaupt einordnen zu können – und natürlich auch, um einzuschätzen, ob auch in diesem Kulturraum Peer-to-Peer-basierte Mechanismen in der Geldanlage und Kreditvergabe via soziale finanzielle Netzwerke greifen könnten:

Islamic Banking und die Verschmelzung der nachhaltigen (P2P)-Finanzkulturen

Eine arabische, indische oder chinesische Version von kommerziellen P2P-Kreditanbietern wie Prosper, Zopa oder Smava erscheint zunächst nicht nur angesichts der politischen Großwetterlage unrealistisch. Es scheint dazu generell kaum eine Blaupause zu geben, für den Mix zwischen islamischen und buddistischen Ansätzen sowie dem Private Banking moderner westlicher Prägung.

Zwar gestalten westliche Spieler wie der Fahrzeugbauer Daimler ihre Autofinanzierungen auf arabischen Märkten konform zu den Sharia-Regeln gegen den Zinswucher. Dennoch erscheint eine flächendeckende Symbiose zwischen unterschiedlichen Finanzkulturen kaum wahrscheinlich. Zu tief dringt die jeweils andere Geschäftsphilosophie in das gesellschaftliche Regelwerk und Rechtsverständnis ein.

Unabhängig von den Entwicklungen der Finanzmarktakteure auf dem großen Schachbrett wird sich jedoch das Grundprinzip von internetbasiertem Social Banking in unterschiedlichen Spielarten rund um den Globus verbreiten. Und zwar allein deshalb, weil es jenseits eines politischen und kulturellen Kontexts den Kunden finanzielle Vorteile bietet. Den Nutzern kommt in eigener Regie die Aufgabe zu, die soziale und kulturelle Vielfalt ihrer jeweiligen Länder möglichst genau nachzubilden und die Plattformen in einem maßgeschneiderten Modell nach den konkreten Bedürfnissen und Rahmenbedingungen auszurichten.

Dies erfordert eine im Einzelfall aufwändige kulturelle Adaption, so etwa in den arabischen Staaten konform zu den religiösen Grundregeln der Sharia. Deren Eckpfeiler bilden die drei Elemente eines allgemeinen Zins- und Spekulationsverbot sowie der Ausschluss von Glücksspiel. Auch bei Investitionsvorhaben gibt es Ausschlusskriterien wie die Förderung der Prostitution, der Handel mit Alkohol, Schweinefleisch oder pornographischen Produkten.

Eine denkbare Variante im arabischen Kontext wäre etwa ein auf verwandtschaftlichen Beziehungen basierendes Geschäftsmodell (Family and Friends) mit speziellen zwischen geschalteten natürlichen Vertrauenspersonen, die dem jeweiligen kulturellen Kontext entsprechen – und nicht nach westlichen Maßstäben aufgesetzt sind. 

Der konkrete Verwendungszweck müsste sich dann an dem Grundgedanken der Handelsfinanzierung orientieren, um Zinsen als zusätzlichen Kostenfaktor auszuweisen (Murabaha). In Frage kämen außerdem zinslose zweckgebundene Darlehen an Arme (Qard-al-Hassan), die konform zu dem gesellschaftlichen Regelwerk aufgestellt sind.

Dies schließt jedoch nach den allgemeinen Vorgaben von Islamic Banking die Vergabe eines reinen Konsumentenkredits aus. Zugelassen wären stattdessen eine zweckgebundene Mittelverwendung, wie für eine handwerkliche Ausbildung, Geld für die Hausrenovierung oder eine gesundheitliche Heilbehandlung, also durchaus Bereiche, die geradezu fürs Social Banking prädestiniert wären.

Fazit: Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form gerade arabische Länder die von Protagonisten in der westlichen Hemisphäre ins Leben gerufenen Peer-to-Peer-Modelle wie Zopa, Prosper und Smava überhaupt rechtlich zulassen bzw. in welcher Form sie dieses an eigene spezifische Bedingungen anpassen werden. Evtl. bietet der asiatische Markt durchlässigere Varianten für Peer-to-Peer-basierte Modelle an, siehe etwa aufkeimende Pflänzchen wie „Popfunding“:

http://www.koreatimes.co.kr/www/news/biz/2009/11/123_55465.html

Die neuen Spieler aus unserer westlichen Hemisphäre könnten aber zumindest dazu beitragen -, ebenso wie Islamic Finance einen sinnvollen werthaltigen Orientierungsrahmen für Bankmanager bieten kann – dass auch die westliche Finanzwelt zu den Wurzeln einer eigenständigen Tradition von Social Banking zurück findet, ohne sich an andere „Finanzkulturen“ anzubiedern oder diese vereinnahmen zu wollen. 

Selbst Deutsche-Bank Chef Josef Ackermann mahnte neulich zu Jahresbeginn eine neue „Risikomoral“ in der Branche an (man darf gespannt sein, was aus diesem Medienhype jenseits dieser mehr oder minder intelligenten Wortschöpfung entstehen wird):

http://www.deutsche-bank.de/presse/de/content/reden_praesentationen_2010_4720.htm 

Ackermann ordnet darin zumindest dem Risikomanagement sogar eine moralische Dimension zu und spricht auch von „Risikomoral“: „Die richtige Risikomoral zu haben, ist eine zentrale moralische Verpflichtung für jeden Banker“, so Ackermann auf Seite 9.  

Bislang galt in der diskreten Branche das Motto. Der Umwelt- und Sozialgedanke ist gut, solange er das Geschäft nicht stört. Jetzt aber steht zur Debatte, was die gesamte globale Gesellschaft unter „Gemeingütern“ versteht. Das in unterschiedlichen Weltkulturen angelegte Prinzip der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit könnte somit zumindest partiell zu einem neuen Segment im nachhaltig orientierten Finanzsektor verschmelzen, in dem sich westliche, östliche und fernöstliche Elemente wie islamische, buddhistische und das westliche Social Banking auf produktive Weise vermengen.

Dies setzt allerdings voraus, dass politische Barrieren und Grenzen überwunden werden, um die Akteure auf weltweit verbindliche Rahmenziele ausrichten zu können. Ein vorsichtiges Indiz dafür ist, dass westliche Banken in ihren Ursprungsländern zunehmend die Bedeutung leistungsfähiger ausländischer Zuwanderer erkannt haben und damit beginnen, diese Zielgruppen mit multikulturellen Bankdienstleistungen gezielt anzusprechen. Allerdings sind diese Bemühungen oftmals von reinem Marketing getrieben, als von einem tatsächlich „werthaltigem“ Banking. Dies birgt die Gefahr, dass die Verschmelzung der nachhaltigen Finanzkulturen nur auf dem Papier statt findet.

Schaut man sich zudem den Gesamtwert aller nachhaltigen Finanzprodukte weltweit an (das SRI-Volumen beträgt etwa 30 Milliarden Euro), so gelang es allein dem kriminellen Wall-Street-Betrüger Bernie Madoff mit seinem Schneeballsystem, den doppelten Betrag aus dem Geldbeutel seiner Kunden herauszulocken (65 Mrd. US-Dollar).

Insofern wachsen also die Bäume bei jeder Form der nachhaltigen Geldanlage nicht in den Himmel, aber di Zweige sprießen zumindest horizontal, also in die Breite – und es treten in einem „mikroökonomischen Ansatz“ zahlreiche kleine Triebe hervor, die einen zunehmend wichtigen Einfluss auf die Makrooökonomie von Banken und der gesamten Wirtschaft entfalten könnten.

Wer sich analog zum Islamic Banking/Finance noch konkret ein denkbares europäisches Peer-to-Peer-Modell der zinslosen Kreditvergabe – das schwedische JAK-Modell – anschauen möchte, der wird auf dem Infoportal Islamic Finance fündig (auf den Beitrag hat mich Weblog-Betreiber Michael Saleh Gassner aufmerksam gemacht):

http://www.islamicfinance.de/?q=node/585

Written by lochmaier

Januar 18, 2010 at 8:10 am

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Islamic Finance (Teil II): Hoffnungsträger oder Medienhype?

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II. Teil: „Hawala-Banking“ – Informelle Schattenwirtschaft oder besondere Form von Social Banking?

Gestern hatte Gastautor Dirk Elsner vom Blicklog eine kleine Einführung mit vielen nützlichen Links zur Islamic Finance gegeben. Heute nun folgt der zweite Teil, eine Analyse und Standortbestimmung, wie sich dieses Finanzsystem mit seinen zahlreichen formellen und informellen Facetten und Gegensätzen in den Kontext der Banken- und Finanzwelt einordnen lässt.

Beginnen wir mit einer ganz einfachen Frage: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum eine Bank für einen Kredit überhaupt Zinsen verlangt? Wenn nein, dann bietet diese Straßenumfrage auf 95-Fragen v. 11.01. einige interessante Antworten von den Bürgern – Warum muss man Zinsen zahlen, wenn man Geld braucht:

Quelle: beliebteste frage am 11.01.2010 from 95fragen_de on Vimeo.

Zinsen sind ein grundlegender Bestandteil der Bankenökonomie. Beim Islamic Banking ist das Raster – siehe den ersten Teil dieser Serie – jedoch ein sehr enges. Beschäftigen wir uns im zweiten Teil mit weiteren Varianten der Geldwirtschaft, quasi den eher unsichtbareren, und da ist mit Blick auf die Abgrenzung zur Islamic Finance das so genannte „Hawala-Banking“ ganz interessant:

Hawala-Banking: „Unsichtbares“ Geld

Das arabische „Hawala-Banking“ stellt ein System von inoffiziellen Banken dar, bestehend etwa aus Reisebüros, Imbissbuden, Einzelhändlern oder sonstigen Kontaktpersonen. Dieses informelle Transfersystem sollte zunächst los gelöst von dem Vorwurf diskutiert werden, es diene auch der Finanzierung von Terrorismus und Drogenhandel.

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert das Verfahren so: Ein zum Beispiel im Ausland lebender Absender erhält ein Papierstück mit vier Ziffern. Den Inhalt übermittelt er seiner Familie im Heimatland, die sich das Geld gegen Angabe des richtigen Codes in der Heimat beim örtlichen Hawala-Händler abholt.

Die Methode hat sich gerade in politisch wie wirtschaftlich instabilen Regionen wie Südasien oder Pakistan etabliert, die über keine sicheren Wege verfügen, das Geld von A nach B zu transferieren. In Verruf steht dieses undurchsichtige System des zwischenmenschlichen Geldtransfers deshalb, weil damit prinzipiell auch die Geldwäsche beim Drogenhandel oder die Finanzierung anderer krimineller Aktivitäten bis hin zum Terrorismus möglich ist.

Doch ist dies eine relativ einseitige Sichtweise auf die nah- und fernöstlichen Kulturen. Andererseits gelten in arabischen Ländern beim regulären Geschäft über Geldinstitute sogar moralisch deutlich strengere Regelwerke als in westlichen Ländern. Islamic Banking grenzt sich dabei sogar deutlich vom informellen Hawala-System ab.

Über die Koran-konforme Anlagepolitik beispielsweise von Aktienfonds wacht eigens ein Sharia-Rat. Aber auch Hawala-Banking kann durchaus Sinn machen. So gibt es in Deutschland einige von der Bankenaufsicht zugelassene legale Händler, die sich verpflichtet haben, höhere Geldzahlungen an die Behörden zu melden.

Wie vielfältig und manchmal nützlich die Aspekte der Geldgeschäfte oder Überweisungen ohne Banken sind, zeigt auch das Beispiel M-Pesa aus Kenia. Dort überweisen immer mehr Menschen (rund 9 Mio.) sich gegenseitig Geldbeträge per Handy – 200 Millionen Euro pro Monat, weil es oftmals die einzige Möglichkeit ist, es außerdem sicherer ist, relativ billig, und die Wege auf dem Land weit sind. Dies allerdings als sozialen Beitrag für die Armen bzw. zur Armutsbekämpfung anzusehen, führt dann doch ein Stück zu weit, wie ein Artikel in Spiegel online mit einigen interessanten Leserkommentaren am Ende beleuchtet (zumal das System von den Mobilfunkbetreibern kontrolliert wird):

http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,670684,00.html   

Derartige Parallelsysteme wie „Hawala“ zu den Banken lassen sich jenseits von krimineller Energie als eine – nicht nur in der Grauzone – angesiedelte Form von „Social Banking“ begreifen. Denn beim Hawala arabischer Prägung spielt persönliches Vertrauen eine große Rolle, da das System für den Geldtransfer von Fremden und Außenstehenden verschlossen bleibt. Nur wer verwandtschaftliche oder freundschaftliche Beziehungen besitzt, erhält Zutritt. Das kann durchaus sinnvoll sein: Überzogene Bankgebühren gerade bei Auslandsüberweisungen sowie unzuverlässige Bankstrukturen in einigen Ländern lassen gerade in politisch und wirtschaftlich unsicheren Regionen diese informelle Form von Social Banking als nachvollziehbar erscheinen.

Hinzu kommt, dass Überweisungen von Migranten in die Heimat (Remittances), deren Volumen die Weltbank für das Jahr 2008 auf 283 Millarden US-Dollar schätzt, nicht nur teuer sind. Alternative Überweisungswege, etwa um überschüssiges Einkommen von einem Industrieland an Angehörige in einem Land der Dritten Welt zu versenden, spielen auch monopolartige Strukturen der Anbieter in die Hände.

Allein die Western Union Company verfügt über ein Netzwerk von 375.000 Vertriebsstandorten in über 200 Ländern und Territorien. Kein Wunder also, dass auch in weiteren Kulturen jenseits von arabischen Ländern „menschliche Mittlersysteme“ existieren, um der Fremdbestimmung durch (ausländische) Banken zu entgehen. So existiert in Asien das „fliegende Geld“, das mit Begriffen wie Chop, Huikuan oder fei chien bezeichnet wird.

Des Weiteren haben sich in einigen Ländern mit einer starken Parallelwährung informelle Austauschkanäle zum legalen Geldtransfer etabliert, wie in Lateinamerika beim jeweiligen Pendant zum US-Dollar der Fall. Als ein Beispiel gilt Kolumbien, mit dem stillen Transfer zwischen dem Peso und der dominanten amerikanischen Zweitwährung. Der Einfluss der dortigen Drogenmafia auf den Geldkreislauf ist kaum zu übersehen. Ein gewisser Teil des Umlaufvermögens wird sich somit immer der realen Kontrolle entziehen, unabhängig davon, ob es in einer parallelen Schattenwirtschaft geführt oder auf geheimen Konten registriert wird.

In Deutschland schätzen Experten den Anteil von „Schwarzgeld“ außerhalb der realen Ökonomie auf mehrere hundert Milliarden Euro. Ein Großteil davon wird, unabhängig vom kulturellen Kontext, auch weiterhin außerhalb des legalen Spielfelds operieren. Die Akteure bleiben aus den unterschiedlichsten Motiven heraus unsichtbar, statt sich dem Risiko auszusetzen, bei jedem Geldtransfer im Internet und über die offizielle Banküberweisung einen Fingerabdruck zu hinterlassen.

Der dritte Teil dieser kleinen Serie am kommenden Montag widmet sich den Zukunftsperspektiven von Islamic Banking und Finance – und zwar vorrangig unter der Fragestellung, inwieweit sich neue Peer-to-Peer-basierte Geschäftsmmodelle auch auf diesen Bereich übertragen lassen – und welche Chancen eine Verschmelzung der nachhaltigen Finanzkulturen auf den Mainstream der Finanzwelt hat.

Hier gehts dann am Montag zum dritten Teil:

https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/18/islamic-finance-teil-iii-verschmelzung-der-nachhaltigen-finanzkulturen/

Written by lochmaier

Januar 15, 2010 at 8:15 am

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Social Lending: Unregulierter Kreditmarkt – Chance oder dubioser Graumarkt?

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Ein neuer und doch alter Anbieter betritt den virtuellen Raum fürs „Social Lending“, nämlich Lendyland.de, siehe diese Presseankündigung:

http://www.onlinepresse.info/node/15053

Das ist also das Remake von elolly.de – ein Kreditanbieter, der ja neben Smava und Auxmoney (die sich erfolgreich etabliert haben) als einer der ersten „Vorreiter“ am Markt grandios gescheitert ist, weil das Geschäftsmodell nicht seriös aufgestellt war. Zur History von elloly siehe etwa:

http://www.geizkragen.de/magazin/rund-ums-geld/verbraucherzentrale-nrw-warnung-vor-internetseite-elolly/7897.html

Und nun liefert passenderweise der damalige wie heutige Protagonist Dirk Morina eine etwas späte historische Einsicht mit, warum das damals nicht so richtig funktioniert hat:

Der Überhang Geldsuchender gegenüber Geldgebern führte jedoch zu einer Frustration der Geldsuchenden aufgrund nicht ausreichender Geldangebote. Hinzu kam, dass unseriösen „Kredithaien“ eine attraktive „Spielwiese“ geboten wurde, um ihr Unwesen zu treiben.

So kann man es auch ausdrücken. Und in der Presseinformation gibt es dann auch das neue Patentrezept dazu, warum es jetzt viel besser funktionieren soll, mit der neuen Variante Lendyland.de (das klingt aber schon rein begrifflich betrachtet etwas sehr nach „Disneyland 2.0“):

Wir haben das Rad sicherlich nicht neu erfunden, aber eine Möglichkeit geschaffen, beiden Seiten, Geldanfragern und Geldverleihern, eine Plattform zu bieten, auf der sie schufafrei, ohne die Abfrage von Bonitäten und vor allen Dingen ohne eine Bank im Hintergrund, miteinander in Kontakt treten können. Wichtig war uns, dass im Falle eines Kreditausfalls auf der einen Seite der Darlehensnehmer nicht in der Schuldenfalle landet und andererseits der Geldgeber sein Geld nicht verliert. Das ist auch der entscheidende Unterschied zu allen anderen Plattformen. Lendyland garantiert jedem Mitglied ein Geldangebot, wenn Sicherheiten vorhanden sind. Auch hier der Unterschied zu allen anderen. Es wird fast alles an Sicherheiten akzeptiert. Das wichtigste Kriterium warum die Seite erfolgreich sein wird ist, dass das Kapital der Investoren ist zu 100% abgesichert ist. Wo findet man das sonst in Deutschland?

Quelle: Lendyland.de

Fragt sich bloß, welche Art von Sicherheiten das sind, die die Plattform von den Kreditnehmern ohne Schufa-Auskunft fordert? Verpfänden Sie doch Ihre Schwiegermutter, oder zumindest deren Rente oder Auto! Hier gehts zum bunten Strauß an Sicherheiten, die Lendyland akzeptiert:

http://www.lendyland.com/akzeptierte-sicherheiten/

  • Antiquitäten & Kunst  (hätte da einen gefakten silbernen Kerzenständer anzubieten)
  • Audiogeräte (oh je, ein Fernseher, der leider kein flacher ist, aber vielleicht ganz stylish und Kult)
  • PKW & LKW (Golf Baujahr 94, hat aber Umweltzone 4 Plakette, Top-Sache)
  • Motorräder (geht auch ein Fahrrad?)
  • Baumaschinen (Black und Decker Bohrer?)
  • Briefmarken (von der Postbank, biete ich für 49 Cent) 
  • Bücher (nur die, die ich selbst noch schreiben werde)
  • Business & Industrie (hab grad leider keine Pleitefirma zu verkaufen)
  • Computer (stimmt, warum brauche ich eigentlich zwei davon)
  • Foto & Camcorder (reichen 10 Megapixel aus, um in die Liste zu kommen?)
  • Handy (stimmt, brauch ich nicht wirklich, nervt eh)
  • Haushaltsgeräte (mache den Abwasch wieder wie meine Oma von Hand)
  • Immobilien (kann ich auch meine Mietwohnung verpfänden?)
  • Kleidung (dicker Winterpulli, weg damit – der Winter ist eh schon fast vorbei) 
  • Modellbau (hätte da ein total innovative Geschäftsmodell zum „Anbauen“ anzubieten)
  • Möbel ab hier dürfen jetzt die Leser aktiv werden, bitte ergänzen und an mich zurückreichen
  • Münzen ?
  • Musikinstrumente ?
  • Schiffe ?
  • Versicherungen ?
  • Wertpapiere, Aktien ?
  • Uhren & Schmuck ?
  • Alles gecheckt – denken Sie daran, man hat mehr (Müll), pardon, Sicherheiten als man denkt, die man lendyland als seriöse Sicherheit anbieten kann. 

    Nun aber wieder ganz seriös – Sicherlich – einerseits gibt es einen „diskriminierenden Kreditzugang“ – wer mal in der Schufa-Kartei gelandet ist, kommt schwer wieder raus, und nicht jeder gehört da rein, und auch nicht jeder, der da nicht drin stand, zahlt seinen Kredit ordnungsgemäß und pünktlich zurück.

    Aber: Unbesicherte Kredite ohne neutrale und gesetzlich geregelte Zwischeninstanz zu vergeben – kann das funktionieren? Es gibt noch jede Menge weiterer Internetportale, die sich mit der reinen Anbahnung begnügen. Sofern diese nur darauf abzielen, von den Nutzern Vorab-Gebühren zu kassieren, kann man das Modell wohl kaum als seriös bezeichnen – das ist letztlich reine Abzocke. Und da sind wir wieder bei Donald Duck und Disneyland – bzw. Lendyland. Denn da werden gleich 19 Euro an Vorabgebühren fällig  – schufafrei, bonitätsunabhängig, aber schauen Sie doch selbst mal auf die neue Homepage:

    http://www.lendyland.com/preise-kosten/

    Und für die Investoren gibt es hier gleich ein passende Info:

    Spricht Euch möglicherweise das Konzept von Lendyland an? Dann werde Partner, bestimme in Zukunft die Geschicke von Lendyland mit und werde Teil von einer großen Idee. Über Geld spricht man nicht und so möchten wir es auch halten.

    Quelle: http://www.lendyland.com/investoreninformation/

    Gehts da mit rechten Dingen zu, möchte dieses Weblog fragen, und hat das bei kompetenter Stelle auch versucht. Hier die Antwort: Ja, im Prinzip ist das Ganze erlaubt, sagt die Bafin, allerdings nicht direkt mit Blick auf lendyland, sondern ganz allgemein, sofern es nicht gewerbsmäßig läuft:

    http://www.bafin.de/cln_161/nn_721290/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Service/Merkblaetter/mb__070514__kreditvermittlungsplattform.html?__nnn=true

    Was da im Beamtendeutsch verklausuliert steht, nochmals zum Mitlesen, hier nimmt die BaFin exklusiv für Social Banking 2.0 zu den Anbietern auf dem „Graumarkt“ Stellung, die sich angeblich der „nicht-gewerbsmäßigen“ Kreditvermittlung widmen:

    Die reine Vermittlung von Krediten erfordert regelmäßig keine Bankerlaubnis. Für sich genommen fallen Kreditvermittlungsplattformen daher grundsätzlich nicht unter die Aufsicht der BaFin. Die BaFin prüft jedoch im Einzelfall, ob die Betreiber oder Nutzer einer solchen Plattform erlaubnispflichtige Bankgeschäfte betreiben. Eine Erlaubnis der BaFin benötigt, wer in Deutschland gewerbsmäßig oder in einem kaufmännischen Umfang Bankgeschäfte wie das Kreditgeschäft oder das Einlagengeschäft betreibt. Liegt ein Fall von unerlaubt betriebenen Bankgeschäften vor, geht die BaFin dagegen vor. Dabei kann sie die Geschäfte – sofern erforderlich – förmlich untersagen, deren Abwicklung anordnen und ggf. einen Abwickler bestellen.

    Außerdem kann die Aufsicht nicht nur gegen Personen einschreiten, die ohne die erforderliche Erlaubnis Bankgeschäfte betreiben, sondern auch gegenüber Unternehmen, die in die Anbahnung, den Abschluss oder die Abwicklung dieser Geschäfte einbezogen sind. Sollte die BaFin also feststellen, dass die Nutzer einer solchen Online-Plattform darüber unerlaubte Bankgeschäfte erbringen, kann sie auch gegen die Betreiber der Plattform vorgehen. Bei den bislang untersuchten Plattformen konnte dies bislang nicht festgestellt werden. Allerdings sind die von Ihnen genannten Plattformen davon nur teilweise umfasst, sodass es hier einer weiteren Prüfung unsererseits bedarf.

    Fazit: Die Finanzaufsicht gehört leider nicht zu den Schnellsten, sonst wäre ja auch die Banken- und Finanzkrise etwas moderater ausgefallen. Außerdem fühlt sich so recht keiner zuständig für die Internet-Kreditvermittler. Deshalb hier zum Abschluß noch ein kurzes Donald-Duck Video zum richtigen Umgang mit dem Geld, das sich die Arbeiter mühevoll erkämpfen mussten, in diesem Fall zur amerikanischen „Tax-Propaganda“ :  

    Written by lochmaier

    Januar 14, 2010 at 9:00 am

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    Islamic Finance (Teil I): Hoffnungsträger oder Medienhype?

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    I. Teil – Eine kleine Einführung, was Islamic Finance bedeutet

    In einem Gastbeitrag fühlt Blicklog-Autor Dirk Elsner zunächst aus Sicht der Unternehmen dem Phänomen Islamic Finance auf den Zahn, unter dem Blickwinkel, ob das islamische Finanzsystem tatsächlich einen Weg aus der „Finanzklemme“ weist. Viele weiterführende Links ermöglichen dem Leser das einführende Navigieren in eine komplexe Thematik, die man jenseits von Schwarz- und Weiß-Malerei betrachten sollte.

    Das islamische Finanzsystem: Die Rettung aus der Finanzierungsklemme?

    Von Dirk Elsner 

    Beim “Aufräumen” meiner Beitragsentwürfe während meines Weihnachtsurlaubs bin ich auf eine Textsammlung zum islamischen Finanzsystem gestoßen. So philosophiert die FAZ <http://www.faz.net/s/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE28AC585D/Doc%7EE31FA943F35C84A408B270FC0753E4F95%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html>

    Über die Möglichkeit, durch „Islamic Banking“ die Kreditvergabe zu erleichtern und gleichzeitig enthemmte Spekulation mit Schulden und Hypotheken zu verhindern. Unter Islamic Banking versteht sie “ein Finanzsystem unter Beachtung des islamischen Rechts, das in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Hier ist der Handel mit Schulden unter der Scharia nur mittels eines verbrieften Sachwerts möglich – und auch nur dann, wenn sowohl Schuldner, Gläubiger als auch zukünftiger Schuldner einem Übertrag zustimmen.”

    Etwas leichtsinnig vermutet sie, dass nach diesen Regeln der globale Hypothekenmarkt möglicherweise nie derart implodiert wäre. Diese Aussage hätte Jochen Stahnke wohl nicht gemacht, hätte er den Artikel nach der Dubai-Krise <http://www.blicklog.com/2009/12/02/dubai-erinnerungen-an-hochzeiten-und-vergessene-prognosen-der-experten/>

    geschrieben, wobei ich zugebe , dass ich nicht weiß, nach welchen Bedingungen die Immobilienspekulation finanziert wurde.

    Hier zunächst ein Videobeitrag, der die Prinzipien des islamischen Bankwesens erläutert:

    Auch dieser Videobeitrag wirkt vor dem Hintergrund der Dubai-Krise etwas überzogen, weil Islamic Banking offenbar keine Spekulationsblasen verhindert. Und auch die Aussagen zur “ethischen Kontrolle” der Finanzierungen dürfen kritisch hinterfragt werden. Dennoch lohnt es sich, reinzuschauen und sich näher mit den Finanzierungsprinzipien zu befassen.

    Kritisch setzt sich die Wochenzeitung “Jungle Word” in dem Beitrag “Fromme Blase <http://jungle-world.com/artikel/2009/50/39956.html>” mit der Dubai-Krise und islamischer Finanzierung auseinander  und ebenso das Handelsblatt in “*Zweifel an Islamic Finance <http://www.handelsblatt.com/finanzen/anleihen/anleihen-zweifel-an-islamic-finance;2493051>”.

    *Die Dubai-Krise ist freilich kein Grund, diese auch im Westen mit immer größerem Interesse verfolgte Finanzierungsform gleich zu diskreditieren.

    Es kommt ja auch niemand auf die Idee, einen Porsche 911 zu verdammen, nur weil ein paar Wilde damit nicht umgehen können.

    Ob islamische Finanzierungsprinzipien geeignet sind, die Finanzierungsklemme zu beseitigen, lässt sich letztlich kaum einschätzen. Wichtiger scheint mir aber, dass sich die Geldgeber auch inhaltlich mit der Finanzierung und dem Kapitalsuchenden beschäftigen.

    Sie verlassen sich offenbar nicht allein auf Scoringpunkte, die nach unbekannten Algorithmen in Ratingnoten umgerechnet werden.

    Ein tieferer und vor allem vorurteilsfreier Blick lohnt sich also. Hier daher die Textsammlung zum islamischen Bankwesen:

              Artikel aus Zeitungen

    SZ: Daimler bietet „Halal“-Finanzierung für Muslime

    <http://www.sueddeutsche.de/finanzen/841/490220/text/>

    Spon: Gewinne in Gottes Namen

    <http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,656021,00.html>

    dradio: Investmentbanker Raddatz glaubt, dass „Islamic banking“ ein Weg

    aus der Finanzkrise sein könnte

    <http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1062166/>

    SZ: Islamic Banking Göttliche Gewinne ohne teuflische Zinsen

    <http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/651/347488/text/>

    FAZ: Finanzsystem und Scharia

    <http://www.faz.net/s/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE28AC585D/Doc%7EE31FA943F35C84A408B270FC0753E4F95%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html>

    – Eigenkapital ist gottgefällig – Zinsnahme nicht

    <http://www.faz.net/s/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE28AC585D/Doc%7EE31FA943F35C84A408B270FC0753E4F95%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html>

    SZ: Islamic Banking Mit dem Segen des Propheten

    <http://www.sueddeutsche.de/finanzen/694/409468/text/>

    NDR Info: Koran-konform statt Krise?

    <http://www.ndrinfo.de/programm/sendungen/reportagen/islamicbanking100.html>

    Finanzprodukte für Muslime Im Einklang mit dem Koran

    <http://www.sueddeutsche.de/finanzen/34/428787/text/>

    SZ: Mit dem Segen Allahs im Ländle

    <http://www.sueddeutsche.de/politik/793/498092/text/>

    Telepolis: Islamische Prinzipien haben vor Finanzkrise geschützt

    <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29016/1.html>

    Tagesspiegel: Anlegen mit Allahs Segen: Auch in Deutschland gibt es

    shariakonforme Zertifikate und Indexfonds

    <http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/art271,2979799>

    Telepolis: Die bessere Wirtschaftsphilosophie des Islam?

    <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29003/1.html>

    Telepolis: Zinsen verboten: Das islamische Bankensystem

    <http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16728/1.html>

              Wissenschaftliche Texte

    Eine Übersicht mit wissenschaftlicher Fachliteratur liefert dieses pdf

    der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften

    <http://www.zbw-kiel.de/kataloge/econis_select/archiv/pdf/finanzmaerkte/my_ib.pdf>

    IMF-Working Paper: Islamic Banks and Financial Stability: An Empirical

    Analysis

    <http://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/wp0816.pdf?abstractid=1089682&mirid=3>

    (pdf)

    PwC Islamic Finance blog <http://pwc.blogs.com/islamicfinance/>: How

    risky are Islamic banks?

    <http://pwc.blogs.com/islamicfinance/2009/02/how-risky-are-islamic-banks.html>

    IMF-Working Paper: Introducing Islamic Bank Into Conventional Bank – IMF

    Working Paper

    <http://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/wp07175.pdf?abstractid=1007924&mirid=3>

    al-bab.com: Corporate governance in Islamic banks

    <http://www.al-bab.com/Arab/econ/nsbanks.htm>

    University of Wollongong: Islamic Banking Performance in the Middle

    East: A Case Study of Jordan

    <http://ro.uow.edu.au/cgi/viewcontent.cgi?article=1158&context=commwkpapers>

     Seyed Nezamuddin Makiyan: Risk Management and Challenges in Islamic

    Banks <http://www.ibtra.com/pdf/article3_v4_n3.pdf>

    Quelle: http://www.blicklog.com/2010/01/08/das-islamische-finanzsystem-die-rettung-aus-der-finanzierungsklemme/

    Aktuelle Infos über Markttrends bietet übrigens auch das englischsprachige Weblog „islamicfinance“:

    http://www.islamicfinance.de/

    Im zweiten Teil beschäftigt sich das Weblog Social Banking 2.0 morgen eingehend mit dem Status Quo und den Zukunftsperspektiven von Islamic Finance.

    Morgen gehts also dann hier zum zweiten Teil: Hawala-Banking – informelle Schattenwirtschaft oder besondere Form von Social Banking?

    Written by lochmaier

    Januar 14, 2010 at 7:55 am

    Veröffentlicht in Uncategorized

    Perfect Storm: Wie eDemocracy die Hierarchien (langsam) verändert

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    Seit Sommer diesen Jahres sind in den USA wieder zahlreiche Reporter unterwegs, um die Untiefen der „eDemocracy“ in dem Filmprojekt „US now“ auszuloten, das sich auf die Aspekte „Mass Collaboration, Government und Internet“ fokussiert. Über den aktuellen Stand informiert das Weblog:

    http://blog.usnowfilm.com

    Einige durchaus interessante Videoclips gibt es über die Einstiegsseite zu erschließen:

    http://usnowfilm.com

    Transparenz sei das zentrale Kriterium, das die Unternehmen in Richtung Enterprise 2.0 verändere, sagt Don Tapscott, der bekanntermaßen das Web 2.0 und soziale Netzwerke als Treiber für grundlegende gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen ansieht, siehe das Interview hier:

    Dass die Erwartungen an das Web 2.0 und soziale Netzwerke aber auch überzogen sein können, wenn es etwa darum geht, das Weltklima zu retten, das beleuchtet dieser Beitrag in der Süddeutschen Zeitung:

    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/494238

    Und da bilanziert der Autor der Süddeutschen Zeitung durchaus folgerichtig:

    Leggewie und Welzer setzen auf eine „Apo 2.0“, also eine Art digitale Graswurzelvernetzung. Der ist auf jeden Fall alles Glück der Welt zu wünschen. Aber mit ihrer Begeisterung für den digital engagierten Bürger kommen einem Welzer und Leggewie vor wie erstmalige Besucher eines Bioladens in Berlin Mitte am Samstagnachmittag. Klar ist der Laden voll, aber Bioprodukte machen immer noch nur einen Bruchteil der Lebensmittelbranche aus. Die Welt ändert es nicht.

    Recht nüchtern fällt auch die Bilanz mit Blick auf die Banken aus, „Business as Usual“ konstatiert Autor Alex Rühle eben:

    Seit November vergangenen Jahres, seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, wurden immer wieder Proteste, ja revolutionsähnliche Zustände prognostiziert. Michael Sommer, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, warnte vor „sozialen Unruhen“, Gesine Schwan sah „Gefahr für die Demokratie“. Natürlich sind solche Sätze immer auch als Wahl- oder Klassenkampfrhetorik zu lesen. Dennoch war es verblüffend zu sehen, wie ruhig es am Ende blieb. Es gab vereinzelt Demonstrationen, auf denen die mitliefen, die ohnehin demonstrieren. Die breite Mittelschicht aber blieb zu Hause. Wenn man aber in unzähligen Umfragen liest, dass sich ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit durch immer größere Teile der Gesellschaft frisst und dass die Finanzkrise das Vertrauen in das kapitalistische Wirtschaftssystem so nachhaltig erschüttert hat, wie das vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre, muss einem diese Stille vorkommen wie ein gefährliches Vakuum. Die Menschen, so das Fazit einer Langzeitstudie des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer, verkriechen sich, es breite sich eine „hoffnungslose Unzufriedenheit“ aus, eine Art Mehltau aus Apathie und Depression. Ausgelöst wird diese Lähmung einerseits durch das Gefühl, machtlos zu sein, andererseits durch die Beobachtung, dass die Politik selbst nicht mehr in der Lage zu sein scheint, gestalterisch zu lenken. Das Schockierende an der Finanzkrise war ja, im Nachhinein zu sehen, dass längst eher die Staaten in Märkte als die Volkswirtschaften in staatliche Grenzen eingebettet sind.

    Quelle: Süddeutsche Zeitung

    Dass man als Bank die allmählich aus dem Gerede gekommene Finanzkrise sogar nutzen kann, um „unproduktive“ Berater auszusortieren, die nicht mindestens 750.000 US-Dollar pro Jahr erwirtschaften, das zeigt sich am Beispiel der UBS Bank, die die Daumenschrauben für ihre Mitarbeiter deutlich angezogen hat, berichtet Finews.ch:

    http://finews.ch/news/banken/2478-ubs-banker-muessen-mehr-produzieren

    Die jüngste Taktik der UBS weckt Erinnerungen an die Ursachen der Krise. Bei anhaltendem Erfolgsdruck werden Finanzberater dazu gezwungen, ihren Kunden möglichst viele Produkte zu verkaufen, auch wenn dies nicht unbedingt im Interesse des Kunden liegt. Von genau solchen Verhaltensmustern wollte man sich bei der Präsentation der letzten Quartalszahlen noch verabschieden und den Fokus voll und ganz auch den Kunden richten. Dies war jedoch letztes Jahr.

    Quelle: finews.ch

    So gesehen reichen also ein paar hippe und coole Demos, die die Macht von Web 2.0-basierten Netzwerken zeigen, a la Carrot- oder Flashmob (noch) nicht aus, um hier nachhaltige Akzente in Richtung einer werthaltigen Ökonomie, Politik und Gesellschaft zu setzen. Andererseits, wenn man sieht wieviel Geld der Staat nutzlos ausgibt, um die Bürger zu überwachen (Beispiele wären Elena, Vorratsdaten etc.), oder um die Pharmaindustrie zu füttern (34 Millionen Euro in die Impfampullen für die Schweinegrippe), und um Rettungspakete für die Banken zu schnüren, für die der Bürger als Bürge für „Gemeinschaftsgüter“ haftet, während andernorts Gewinne munter privatisiert werden, dann wird das schlummernde Potenzial des „Perfect Storms“ in Richtung eDemocracy ziemlich deutlich. 

    Auf dem neuen Jugendmagazin von Arte TV – Yourope – kann man sich übrigens etwas konkreter anschauen, welche Chancen und Grenzen die „eDemocracy“ in politischer Hinsicht bietet. Einerseits lassen sich Aktionen erheblich dezentraler organisieren, andererseits schafft die direkte Demokratie 2.0 auch komplexe Entscheidungsprozesse und Organisationsrituale, die von den Akteuren etwa bei Studentenprotesten erst einmal bewältigt werden müssen.

    Dennoch empfehlenswert  – hier gehts zur kompletten Erstsendung der Arte Reportage von 26 Minuten, die am 10.01. gesendet worden war:

    http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3011576,scheduleId=2993782.html

    Dazu passt auch die einführende Rezension von Spiegel online:

    http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,670692,00.html

    Wie zumindest eine halbwegs durchgängig „digital vernetzte Stadt“ aussieht, kann man am Beispiel von Birmingham begutachten:

    http://www.digitalbirmingham.co.uk/

    Was aber eDemokratie wirklich für den Umgang mit Autoritäten bedeutet, das beleuchtet FAZ-Autor Thomas Strobl:

    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E69316840F

    0C849FDAF2328186A7D8734~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Zitat: Mit dem Internet findet eine Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt, die bereits mit dem Buchdruck begann: Gesellschaftliche Kommunikation vollzieht sich nicht mehr entlang von Hierarchien sondern „heterarchisch“. Die Ära der reinen Informationsdistribution ex cathedra ist damit definitiv vorbei. Darin liegt auch das ganze Elend der traditionellen Massenmedien, soweit sie als bloße „Verbreitungsmedien“ aufgestellt sind. Die Öffentliche Meinung wird so um zahlreiche neue Unterscheidungen bereichert, die Welt, von der wir immer nur einen Ausschnitt als Realität wahrnehmen, wird bunter. Aber damit auch komplexer.

    Quelle: FAZ-net.

    Nun ja, begrifflich ist das, was derzeit passiert, etwas schwer in Worte zu fassen. Einer der Vordenker fürs 21. Jahrhundert – Jeremy Rifkin – versucht es in der Huffington Post mal mit der Wortschöpfung „empathische Zivilisation“:

    http://www.huffingtonpost.com/jeremy-rifkin/the-empathic-civilization_b_416589.html

    Der Wettbewerb um die besten Ideen und Kopfgeburten in diesem Jahrzehnt ist somit bereits voll entbrannt, hoffentlich kann die Realität da noch mithalten.  Dem Internet und der Informationstechnologie fällt laut Rifkin natürlich die Schlüsselrolle zu:

    In this new era of distributed energy, governing institutions will more resemble the workings of the ecosystems they manage. Just as habitats function within ecosystems, and ecosystems within the biosphere in a web of interrelationships, governing institutions will similarly function in a collaborative network of relationships with localities, regions, and nations all embedded within the continent as a whole. This new complex political organism operates like the biosphere it attends, synergistically and reciprocally. This is biosphere politics. 

     Quelle: Huffingtonpost

    Written by lochmaier

    Januar 13, 2010 at 7:56 am

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    Interview: Wie das Institute for Social Banking sein Profil versteht

    with 2 comments

    Im Gespräch mit Social Banking 2.0 erläutert Sven Remer vom 2006 gegründeten Bochumer Institute for Social Banking, was es mit dem Begriff Social Banking so alles auf sich hat, welche Chancen und Grenzen sich bei nachhaltigen Bankdienstleistungen bieten, etwa mit Blick auf die Weiterbildungsperspektiven der Mitarbeiter- und wie ein neues Finanz-Ökosystem beschaffen sein könnte.

    Und natürlich wollen wir wissen, wie Sven Remer, der die Aktivitäten mit konzipiert und organisiert, das Profil und die Arbeit des Instituts versteht, das sich zwar in Nachbarschaft zur GLS Bank befindet, aber grundsätzlich offen ist für Teilnehmer aus allen Strömungen der Bankenwirtschaft.

    Social Banking 2.0: Herr Remer, welchen Bedeutungswandel sieht das Institut for Social Banking in der sozial-ökologischen Geldanlage. Das Thema Social Banking, bei dem Rendite und nachhaltige Ziele eher auf einen Gleichklang ausgerichtet sind, scheint allmählich doch die Mitte der Gesellschaft zu erreichen?

    Zunächst würde ich gerne betonen, dass ich hier nicht für das Institute for Social Banking sprechen kann, sondern nur als Privat-Person, die die Entwicklungen im Banken- und Finanzbereich seit einiger Zeit mit großem Interesse verfolgt und vielleicht deshalb beim Institute for Social Banking arbeitet.

    Aus dieser Perspektive würde ich zustimmen: Ja, Social Banking – und mit ihm die sozial-ökologische Geldanlage ­- stoßen ganz offensichtlich auf wachsendes Interesse in der Gesellschaft.

    Allerdings befanden sich diese Themen ja bereits lange „mitten unter uns“. Zumindest das sozial-orientierte Bankwesen, z.B. in Form der genossenschaftlichen Raiffeisenbanken, hat in Deutschland bereits eine lange Tradition. Seine Wurzeln reichen bis in die Mitte des 19. Jhdt. Aber auch wenn viele seiner ursprünglichen Ideen und Ideale seither aufgegeben wurden: es gibt bereits seit ca. 35 Jahren zumindest eine Bank in Deutschland, die sich konsequent sozial und ökologisch orientiert –  und das grund-solide und sehr erfolgreich. Ihr ohnehin schon gutes Wachstum der vergangenen Jahre verstärkte sich nun „dank“ der allgemeinen Finanzkrise noch einmal. Immer mehr Kunden wechseln nicht nur ihre Einstellung gegenüber Banken allgemein – sondern immer häufiger auch Ihr Bank-Konto. Sie beginnen zu verstehen, dass das Bank- und Finanzgeschäft wie es von den meisten Häusern betrieben wurde, nicht nur keinen Sinn macht, sondern unsinnig viel Schaden anrichten kann. Entsprechend stimmen sie nun mit den Füssen ab. Nicht ohne eine gewisse Freude habe ich die Frage meiner Großmutter vernommen, ob ich ihr nicht eine „gute Bank“ empfehlen könnte zu der sie von Ihrer bisherigen – internationalen – Hausbank wechseln könnte, bei der sie die vergangenen 40 Jahre Kunde war. Ich konnte.

    Social Banking 2.0: Welche Rolle spielt denn die Finanzkrise im Bewusstseinswandel der Menschen, wie sie die Aufgabe von Banken wahr nehmen?

    Wenn der Anlass für die aktuellen Entwicklungen nicht so ein schrecklicher wäre, der – insbesondere für die Menschen, die nicht an der Misere der Finanzmärkte schuld waren – katastrophale Konsequenzen hat, dann könnte man sich natürlich darüber freuen, dass die Krise etwas in Bewegung gebracht hat. So sehe ich der Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen.

    Gleichzeitig mache ich mir allerdings auch nichts vor. Natürlich haben die jüngsten Entwicklungen einen sehr, sehr schweren Stein ins Rollen gebracht: unsere allgemeine Blindheit gegenüber der Bedeutung des Bankwesens für die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.

    Aber ich bin mir nicht so sicher, ob dieser Stein genügend lange und weit rollt um nicht doch wieder das alte Moos anzusetzen. Je mehr von den großen Banken, die die Krise verursacht haben, vom Staat gerettet werden und je unverblümter ihre Lobbyisten wieder Einfluss auf Regierung und Regulierung nehmen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir als Gesellschaft die Chance, die sich auftat, ein wirklich nachhaltiges Bankwesen auf breiter Basis zu entwickeln, vertun.

    Wenn wir nicht sehr aufpassen, werden Wachstum und Rendite auch in Zukunft von der grossen Mehrheit wider ausschliesslich monetär verstanden – und mit den altbekannten Methoden verfolgt. Wirklicher Wohlstand geht dann weiter verloren.

    Social Banking 2.0: Kommt also kein größerer Stein ins Rollen?

    So gesehen bin ich nicht zu optimistisch, dass wir den Durchbruch zu einem wirklich nachhaltigen Bankwesen bereits geschafft haben. Aber ein Anfang ist sicherlich gemacht und ich hoffe und glaube, dass sich die Uhr nicht mehr ganz zurückdrehen lassen wird. Man, d.h. die Gesellschaft, hat begonnen die Sinnhaftigkeit und die Werte des Bankwesen zu hinterfragen. Das war überfällig und wenn wir alle nicht von einer kollektiven Demenz erfasst werden, dann besteht doch noch etwas Grund zur Hoffnung. Wichtig ist, dass wir es schaffen die Diskussion und den Dialog darüber in Gang welche Leistungen wir von dem „Dienstleister Bank“ erwarten und welche nicht.

    Um mit dem Mit-Gründer der GLS Bank zu sprechen: „Die Angst vor einer Zukunft, die wir nicht wollen, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen“. Das wird unsere zentrale Aufgabe sein: Bilder von einem Bank- und Finanzwesen zu entwerfen und dann zu realisieren, das nicht nur unsinnig viel Profit sondern echten Sinn macht 

    Social Banking 2.0: Die gerade frisch gegründeten Institute Noa Bank und Triodos Bank Deutschland zeigen, dass sich auch die sozial-ökologische Marktnische weiter ausbreitet, gleichzeitig aber auch die Konkurrenz zwischen den nachhaltig orientierten Geldhäusern wächst, wie nehmen Sie den Trend wahr?

    Erstmal würde ich meinen „der Kuchen ist gross genug für viele“, und zwar noch lange. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele – oder besser: wie wenige – Kunden die sozial-ökologischen Banken-Pioniere derzeit haben, dann sieht man, dass „da noch was drin ist“ in dieser wachsenden „Nische“. Dies umso mehr, wenn man bedenkt, dass der Trend in der Bevölkerung deutlich hin zu einem größeren Nachhaltigkeits-Bewußtsein in der Lebensführung und im Konsum geht.

    Nicht umsonst empfiehlt z.B. die Bank-Management-Beratung zeb, die sich bislang noch nicht durch ihr übermäßiges Engagement für die soziale und ökologische Sache ausgezeichnet hat, mit Blick auf den gesellschaftlichen Wertewandel, ihren derzeitigen und potentiellen Kunden nun auch, die „Kreditinstitute sollten wachsende Nachfrage nach „Social Banking“ ernst nehmen“.

    In diesem Zusammenhang sehe ich das Hauptproblem nicht in dem Eintritt einiger neuer Akteure. Etwas Konkurrenz schadet bestimmt nicht. Für bedenklich halte ich aber, dass eine Zunahme dieser Banken u.U. zu einer Abnahme der Qualität mit Blick auf die sozial-ökologische Mittelverwendung führt. Dabei denke ich nicht an die Triodos Bank, die ja bereits über langjährige einschlägige Erfahrung verfügt. Aber bei manch anderem der neuen Akteure – aber auch der alten Akteure in neuem Gewand – bin ich mir noch nicht so sicher.

    Dabei ist natürlich von Bedeutung, dass die Neu-Einsteiger und Alt-Umsteiger schlichtweg (noch) nicht das notwendige Know-How haben (können), das erforderlich ist, um sich als Bank wirklich konsequent nachhaltig zu engagieren.

    Wenn eine Bank heute ernsthaft dazu beitragen will unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten, dann muss sie einerseits die Hand am Puls der Zeit haben, also dort wo die Probleme spürbar sind. Andererseits muss sie bereit sein neue Wege, mit denen (mit-) zu gehen, die Lösungsansätze haben könnten, sowohl im sozialen als auch im ökologischen Bereich neue Ideen und Ansätze zu fördern.

    Das erfordert nicht nur Mut und Weitblick, sondern auch eine gehörige Portion Erfahrung einschließlich guter und vertrauensvoller Beziehungen zu den relevanten Netzwerken. Die bringen die Ein-/Umsteiger in den meisten Fällen vermutlich nicht mit. Mal ganz abgesehen von neuen Konzepten im sozialen Leben, die für konventionelle Banken ohnehin nicht interessant weil nicht lukrativ waren, sie haben sich lange Zeit nicht einmal im Bereich neuer Technologien engagiert, die sie für „zu unbedeutend “ und/oder „zu riskant“ hielten. Stattdessen überließen sie das Feld den flexibleren Risiko-Kapitalgebern (die uns zur Jahrtausendwende in die Technologie-Blase geführt haben) und eben den spezialisierten ökologisch orientierten Banken. Erst als diese gezeigt hatten, dass es möglich ist mit der Finanzierung neuer Technologien, wie z.B. Windkraft, erfolgreich zu sein, sprangen die Grossen auf.

    Aber die sozialen und ökologischen Herausforderungen, denen wir uns als Gesellschaft gegenüber sehen, hören nicht auf. Entsprechend ist auch nicht damit getan, einfach weitere Windparks zu fördern. Es geht vielmehr um die kontinuierliche und konsequente Förderung wirklich innovativer Ansätze in Bereichen, die so zahlreich und verschieden sind wie die Probleme vor denen wir stehen.

    Das, fürchte ich, werden die meisten Neu-/Umsteiger nicht schaffen und nicht einmal versuchen. Ihnen geht es vermutlich eher darum auf einen Zug aufzuspringen, den sie eigentlich schon längst verpasst haben. Aber von ihrer DNA her sind sie nicht wirklich an diese „Nische“ – ich würde es eher „schöne neue Welt“ nennen – angepasst. Sie haben nicht die notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten – und nicht die notwendigen Werte, die es Ihnen erlauben würden die fehlenden Ressourcen und Fähigkeiten glaubwürdig zu entwickeln. Stattdessen, werden die meisten von Ihnen versuchen mit einzelnen grünen Produkten oder nachhaltigen Fonds irgendwie „mitzuschwimmen“. Gestalten werden sie nichts.

    Social Banking 2.0: Wie würden Sie denn den Begriff Social Banking definieren?

    Klar ist, dass in Zukunft nicht überall wo „Social Banking“ drauf steht auch „Social Banking“ drin sein wird. Damit besteht die Gefahr einer Verwässerung – um nicht zu sagen Vernebelung. Es gibt kein Social Banking Güte-Siegel. Aber das wäre meiner Ansicht nach auch nicht der richtige Weg, oder zumindest nicht der alleinig seelig machenden.

    Meiner Meinung nach gibt es nicht DIE Defintion von „Social Banking“. Social Banking ist kein in Stein gehauenes Gesetz. Es ist eine Grundhaltung, die die Dienstleistung am Menschen und die Sicherung seiner langfristigen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Das kann und muss auf verschiedenen immer wieder neu zu suchenden Wegen geschehen.

    Dennoch gibt es ein paar Dinge, die ich als typisch für Social Banking herausheben möchte. Dazu gehören insbesondere die „Transparenz“ und der „Dialog“. Transparenz, v.a. in der Mittelverwendung/Kreditvergabe, ist essentiell, um den Kunden ein Urteil über Nachhaltigkeit – einschliesslich dem nicht-monetären Profit – der vergangenen Geschäftstätigkeit zu erlauben. Dialog ist essentiell um den bestehenden und zukünftigen Kunden ein Mitgestaltungsmöglichkeit zu geben – und in diesem Zusammenhang auch Ihre jeweiligen Spezial-Kenntnisse „anzuzapfen“. Aber das Wort Transparenz wird vielen Banken heute immer noch eine Schauer über Ihre Gläserne – aber hoch-intransparente – Fasade jagen. Und ein echter Dialog dürfte auch nicht gerade einfach sein für Unternehmen, deren Wertesystem so einfach war, dass es kaum einer Diskussion darüber bedurfte und die in ihrer Inneren und äußeren Kommunikation entsprechend quasi-autistisch waren.

    Dabei möchte ich betonen, ich spreche vom System der Groß-Banken insgesamt. Einzelne Häuser, u.v.a. einzelne Menschen in diesen Häusern sind sicher anders geartet. Ich zähle mittlerweile einige Mitarbeiter aus Großbanken in Deutschland und England zu meinen Freunden, die mir im Privaten zu verstehen geben, für wie sinnlos und in-human sie dieses Metier halten. Manche von ihnen bleiben im System, um davon zumindest finanziell zu profitieren – und manche um es von innen heraus zu verändern. Aber manchen von Ihnen wechseln auch ganz einfach ihren Arbeitgeber.

    Social Banking 2.0: Kann es eine Art effizient agierende Öko-Direktbank 2.0 geben, die nachhaltig aufgestellt ist, aber auch günstige Konditionen etwa für Girokonten, Tages- und Festgelder anbietet?

    Ich bin davon überzeugt, dass es über kurz oder lang eine effizient agierende „Öko-Direktbank 2.0“ geben kann, die behauptet nachhaltig aufgestellt zu sein und gleichzeitig günstige Konditionen anbietet. In der einen oder anderen Form hört man das ja schon heute. Aber die Frage ist doch, was verbirgt sich hinter dieser „Öko-Direktbank 2.0“? Wie „öko“ wird sie sein, wie „direkt“ und wie „2.0“? Erst wenn ich dazu mehr weiss, kann ich – einen gewissen Sachverstand vorausgesetzt – das Gesamtpaket beurteilen, dass sich hinter diesem Word-Ungetüm verbirgt. Das erfordert aber auch viel Transparenz und Dialog seitens dieser „Wunderbank“.

    Gleichzeitig denke ich, dass die sozial-ökologischen Pioniere nicht so schrecklich weit von diesem Ideal entfernt sind. Sie bemühen sich konsequent um Nachhaltigkeit, sie arbeiten als Direktbanken und sie setzen nicht nur auf größtmögliche Transparenz, sondern auch verstärkt auf moderne 2.0 Technologien. Natürlich können sie bei diesem Aufwand nicht auch noch die allergünstigsten Angreifer-Konditionen bieten – obwohl Sie sich in der Regel  mit den Konditionen im guten Mittelfeld bewegen. Und als Gesamtpaket sind sie damit aus meiner Sicht unschlagbar effizient und günstig: Mein Geld fließt dort nicht nur in Sinn-bringende Projekte, es tut dies sogar noch zu marktüblichen Konditionen.

    Kurzum, ich glaube, es gibt Beispiele von Banken, die der in der Frage skizzierten Beschreibung schon ziemlich nahe kommen. Und ich glaube auch, dass die 2.0 Technologien zwar von allen Banken in verstärkten Masse aufgegriffen werden werden, aber Ihrer „Natur“ nach am besten zu den sozial- und ökologisch orientierten Pionieren passen, für die sie die Möglichkeit bieten den schon längst begonnen Dialog mit Ihren Stakeholdern in einer weiteren, der virtuellen, Dimension auszubauen. Insofern würde ich davon ausgehen, dass sie am meisten von diesen neuen Technologien profitieren werden. Nichtsdestotrotz sehe ich auch eine gewisse Gefahr eben in der Virtualisierung des Dialoges. Wenn die Kontakte zwischen Bank und Umwelt immer mehr mittelbar stattfinden, ergibt sich automatisch ein Sich-Entfernen. Darunter werden konventionelle Grossbanken weniger zu leiden haben, da sie ja schon längst weit entfernt von Ihren Stakeholdern sind. So gesehen, können Grossbanken natürlich auch bis zu einem gewissen Grad von diesen Technologien profitieren.

    Social Banking 2.0: Was hat sich seit der Finanzkrise beim Institute for Social Banking getan, hat sich das Interesse vergrößert, und wenn ja, mit welchen Motiven kommen denn die (jungen) Banker zu Ihnen, die auf einer anderen Welle in den beruflichen Erfolg reiten wollen?

    Das Interesse an unseren Aktivitäten hat sich im Laufe der vergangenen drei Jahre mit Sicherheit vergrößert. Gerne würde ich behaupten, dass das nur an unserer tollen Arbeit liegt, die wir erst vor gut drei Jahren, also ein gutes Jahr vor Beginn der aktuellen Krise aufgenommen und seither kontinuierlich weiterentwickelt haben. Aber ich befürchte, die Krise selbst hat natürlich auch dazu beigetragen. Das ist besonders deutlich mit Blick auf die Anfragen, die wir seitens Rundfunk und Presse für Interviews und schriftliche Beiträge erhalten. Mit Blick auf unsere verschiedenen Aus- und Fortbildungsangebote gestaltet sich die Nachfrage hingegen etwas differenziert.

    Zunächst muss man sagen, dass sich m.E. nach bisher kaum mehr „junge Banker“ aus dem konventionellen Bereich für unser Haupt-Angebot, den Masters „Social Banking and Social Finance“ interessieren. Das liegt vermutlich mindestens an dreierlei. Erstens sind wir ein winziges Institute mit sehr kleinem Budget für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Zweitens ist unser Master nicht nur von seinen Inhalten her weltweit einmalig, sondern auch von seiner Methode, der Aktionsforschung, her sehr ungewöhnlich. Die Kombination von beidem verlangt dem „normalen“ Banker aus einer konventionellen Großbank natürlich schon etwas ab. Drittens haben viele Mitarbeiter aus den konventionellen Häusern schlichtweg Angst um Ihren Arbeitsplatz. Da fällt es natürlich nicht besonders leicht beim Vorgesetzten um Unterstützung für eine dreijährige, berufsbegleitende Masters-Ausbildung nachzufragen. Trotzdem, wir haben auch in unsrem Masters einige Mitarbeiter aus konventionellen Banken und es funktioniert sehr gut.

    Bei unseren anderen, kürzeren Angeboten verhält sich die Nachfrage seitens Mitarbeitern aus konventionellen Bereichen hingegen etwas anders. Zum Beispiel haben wir bereits jetzt zahlreiche Interessenbekundungen aus dem konventionellen Umfeld für eine Teilnahme an unserer nächsten Summer School „Social Banking“ vom 18. Bis 23 Juli 2010 in Florenz.

    Auch hatten wir bei einer von uns mit-organisierten Ringvorlesung sowie bei zwei Wochenend-Seminaren im Dezember unerwartet hohen Zulauf aus dem konventionellen Umfeld. Besonders schön fand ich in diesem Zuammenhang die Begegnung mit einem „Equity-Trader“ einer Grossbank , also aus Sicht der orthodoxen Social-Banker dem „Bad-Banker“ schlechthin – der per Zufall auf unser Angebot gestoßen war, an einem Seminar teilnahm und sich nun besonders stark um die Fortführung – mittels 2.0 Technologie ! – des dort begonnen Dialoges mit den anderen Seminar-Teilnehmern bemüht. Das machte auch mir deutlich, wie leicht es ist in negative Vorurteile abzudriften und wie wichtig es ist, diese per Dialog zu beseitigen.

    Insgesamt habe ich aber bislang nicht festgestllt, dass die zu uns kommenden Normalo-Banker durch uns auf einer anderen Welle in den beruflichen Erfolg reiten wollen. Bislang hatte ich erst eine Anfrage, die diesen Verdacht bei mir erweckte. Nach einem längeren Gespräch entschied sich die betreffende Person dann aber doch noch mal dafür ihr Glück in einem konventionellen Unternehmen zu suchen. Das Gros der Interessenten hat hingegen echte, nicht selten existenzielle Fragen. Viele halten die Selbstverleugnung nicht aus, die sich aus der Diskrepanz ihrer privaten Werte von denen ihres Arbeitgebers ergibt. Sie hoffen auf eine berufliche Weiterentwicklung, die sich nicht an klassischen Karriere-Maßstäben bemisst, sondern an der – berechtigten – Hoffnung auf eine sinnhaltige Tätigkeit in einem menschengerechten Unternehmen.

    Nicht wenige aber sind einfach neugierig. Sie haben irgendwo von den sozial-ökologisch orientierten Banken gehört und sind nun neugierig darauf, wie die so „ticken“. Erst nach einem besseren Kennenlernen entwickelt sich bei einigen von Ihnen der Gedanke an einen beruflichen Wechsel.

    Social Banking 2.0: Immer noch ist der Begriff Social Banking sehr heterogen besetzt, denn einerseits verknüpfen sich damit sozial-ökologische Ziele, andererseits kann man darunter auch den völlig von sozialen Zielen los gelösten Einsatz von „Social Media“ verstehen, also lediglich die Einbettung von sozialen Netzwerken und Kommunikationsmechanismen in die alltägliche Arbeit als Mittel zum Zweck. Liegt hierin nicht ein großer Widerspruch begründet?

    Um ehrlich zu sein, habe selbst dort zunächst einen Widerspruch gesehen, der fast dazu geführt hätte, dass ich das Thema und das Potential von Social Banking 2.0 verschlafen hätte. Das hat sich – auch dank Ihres Blogs – geändert.

    Wie vorhin erwähnt, denke ich, dass die 2.0 Technologien insbesondere gut zu den wirklich sozial-ökologisch ausgerichteten Häusern passen. Wenn sie es mit dieser Ausrichtung ernst meinen, dann bieten ihnen die neuen Technologien die Möglichkeit zu einem noch breiteren aber auch intensiveren Dialog mit Ihren Stakeholdern. Sie bekommen schnell Feedback auf  ihre Aktivitäten und können das Wissen dieser ohnehin schon engagierten Stakeholder noch besser nutzen. Gleichzeitig fördert dieser Austausch natürlich auch die Transparenz des Unternehmens – und wird von Ihr gefördert. Nicht zu vergessen ist auch das Potential dieser Technologien „direkte“ Kontakte, z.B. zwischen Anleger und Kreditnehmer, zu erstellen. Während über Jahrhunderte hinweg die Aufgabe der Bank genau in dieser Vermittler-Rolle lag, kann ein Teil davon natürlich auch durch moderne Kommunikationstechnologie übernommen werden – insbesondere dann, wenn die Vermittler-Rolle der Bank sehr standardisiert ist und sich auf das schnelle Abhaken von Checklisten reduziert.

    So gesehen kann ich einen gewissen möglichen Widerspruch am ehesten darin erkennen, dass die neuen Technologien zum einen virtuell sind und zum anderen eher „beschleunigend“ wirken. Beides steht eher im Gegensatz zu den Idealen des Social Bankings wie es von den Pionieren betrieben wird. Dort geht es – m.E. zu recht – um den direkten Kontakt von Menschen und auch um einen Entschleunigung dieser Kontakte. Aber das ist m.E. eher eine Frage der richtigen Verwendung der neuen Technologien. Und dies betrifft die Pioniere ebenso wie die konventionellen Häuser. Allerdings dürfte es den konventionellen Häusern bedeutend schwerer fallen, das für einen gewinnbringenden Dialog notwendige Vertrauen (und Interesse) ihrer Kunden zu gewinnen, mit denen sie ja so lange gar keinen Dialog wollten.

    Insofern würde ich davon ausgehen, dass die neuen sozialen Medien für alle Banken nützlich sein können, aber insbesondere gut zum Social Banking passen, wie es die sozial- und ökologisch orientierten Pioniere verstehen.

    Social Banking 2.0: Man kann mit Hilfe von Börsencommunities schließlich auch eine andere Form von Social Banking betreiben, indem man etwa Communities gründet, bei denen die Anleger sich die besten Tipps für Aktien oder andere auf dem virtuellen Parkett gehandelte Produkte geben. Rechnen Sie diese Form der Geldanlage auch zum Social Banking?

    Das kommt sehr darauf an. Grundsätzlich würde ich eher nein sagen. Wenn diese Communities das ausschließliche Ziel haben den finanziellen Profit ihrer Mitglieder zu steigern, rechnete ich diese Form ausdrücklich nicht zum Social Banking.

    Nach meiner Arbeitsdefinition verstehe ich unter Social Banking eine Art des Bankwesens, das sich als Dienstleister für die Menschen und für die Sicherung ihrer langfristigen Bedürfnisse, d.h. auch eine intakte Umwelt, engagiert. Zu diesem Verständnis passt eine rein auf Spekulation ausgerichtete zumeist kurzfristig orientierte Geldanlage nicht, und schon gar nicht, wenn sie rein virtuell d.h. ohne Bezug zur Realwirtschaft stattfindet. Wohin diese Art der Spekulation führt haben wir nun schon in diversen Krisen gut beobachten können. Anderenfalls müsste man ja auch Bloomberg Terminals etc. als Tools des Social Banking bezeichnen. Ich denke, das ginge zu weit.

    Gleichzeitig soll das aber nicht heißen, dass derartige auf 2.0 Technologie basierende Communities per se schlecht bzw. „un-social“ sein müssen. Beispielsweise könnten sie sich ja zuammen finden, um sich gegenseitig zu warnen, wenn eine Bank „Mist macht“ und z.B. in ein sozial und/oder ökologisch schädliches Projekt investiert. Oder die Mitglieder könnten sich auch auf nachhaltige Projekte hinweisen, für die es entsprechende Gelder zu sammeln gilt. Wenn sich Community Mitglieder derartige (Aktien-) Tips geben könnte man das meiner Ansicht nach sehr wohl zum Bereich Social Banking zählen.

    Social Banking 2.0: Welches Marktpotenzial sehen Sie denn für nachhaltige Bankdienstleistungen, eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung ZEB hat in Deutschland ein Potential von 10 bis 12 Millionen Verbrauchern bis zum Jahr 2020 identifiziert. Stimmen Sie dem zu, bzw. in welcher Form werden denn die Kunden Social Banking nutzen, nur als ergänzenden Teil für ein paar Prozent ihres Portfolios, oder doch mehr?

    Ich bin kein Marktforscher und kein Soziologe. Aber rund 10 % der Bevölkerung in dem genannten zeitlichen Rahmen von 10 Jahren als potentielle Kunden des Social Bankings zu betrachten halte ich für durchaus realistisch. Natürlich setzte das einen anhaltenden Werte- und Konsum-Wandel in der Gesellschaft voraus. Ich könnte mir jedoch gut vorstellen, dass die Probleme, vor denen wir stehen, diese Entwicklung beschleunigen. Gleichzeitig werden vermutlich verschiedenen Trends miteinander in Wechselwirkungen treten und sich positiv wie negativ beeinflussen. Vieles wird z.B. davon abhängen, wie schlimm die gegnwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise national und international noch wird, bzw. wann die nächste derartige Krise zuschlägt. Sollte sich die Wirtschaft erholen und „nur“ das Klima kollabieren, wird die  Bereitschaft der Kunden zum sozial-ökologischen Banking  zu wechseln, größer sein, als wenn neben dem Klima auch die Wirtschaft kollabiert.

    Insgesamt denke ich beim Thema Social Banking immer wieder an das, was ich im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre im Umweltbereich beobachtet habe. Dort fingen in den 70er Jahren die Öko-Aktivisten – von allen belächelt – damit an sich für konsequenten Umweltschutz einzusetzen. Zunächst war das ihre Privat-Angelegenheit. Große Unternehmen interessierte nur was Gewinn brachte oder Kosten sparte. Umwelt- und Ressourcen-Schutz zählte lange nicht dazu. Erst als die Umwelt-Situation so unerträglich wurde, dass auch der Gesetzgeber einschritt, um Mindestanforderungen einschließlich entsprechender Strafen und Gebühren durchzusetzen, begannen die Unternehmen umzudenken. Zunächst nur reaktiv und in einzelnen Bereichen, später mehr pro-aktiv und systematisch, z.B. durch die Erstellung von internen Ökobilanzen und die Einführung von innerbetrieblichen Umweltmanagement-Systemen. Noch später, und vor allem als Antwort auf ein sich änderndes Konsumentenverhalten, kam es dann langsam auch zu Änderungen im Design einzelner Produkte. Im Automobil-Bereich z.B. führte das zur Einführung des für „unbezahlbar“ gehaltenen Katalysators vor rund 20 Jahren und zur Entwicklung der ersten für „unmöglich“ gehaltenen 3l Autos vor gut 10 Jahren. Mittlerweile ist der Katalysator Standard und die meisten Kunden (mit Ausnahme vielleicht derer, die auch Kunden im Private Wealth Management Banking sind) schauen bei der Anschaffung Eines Automobils heute auf seinen Verbrauch. Die Hersteller versuchen Ihren „Flottenverbrauch“ zu reduzieren und schauen sich auch die gesamte Value Chain Ihrer Produkte genauer an. Das Elektro-Auto steht vor der Tür und der gesamte Carbon-Footprint eines Fahrzeuges wird bald zentrales Herstellungs- und Kauf-Kriterium werden. Aber nur ein paar wirklich innovative Automobil-Hersteller arbeiten aktiv nicht nur an der Entwicklung neuer Automobile sondern an neuen formen von Mobilitäts-Systemen, die u.U. nicht mehr auf dem dauerhaften Besitz sondern nur noch temporären Nutzungsrechten an Fahrzeugen basieren.

    Social Banking 2.0: Wie also lautet ihr Ausblick auf die Zukunft, wie wird sich der Bankensektor verändern?

    Ich bin überzeugt davon, dass sich das gerade beschriebene Szenario mit einer gewissen zeitlichen Differenz von vielleicht 10-15 Jahren, und beschleunigt durch die gegenwärtige Finanzkrise, auch im Banken-Sektor abspielen wird. So gesehen, wäre ich nicht überrascht, wenn wir in 10 Jahren auch ein größeres Kundensegment für Social Banking sehen würden. Dann würde ich aber auch hoffen, dass wir neue Formen des Bankings erleben, mit vielen Innovationen, die heute noch von den meisten (konventionellen Banken) für undenkbar gehalten werden, obwohl sie schon vor Jahrzehnten von den sozial- und ökologisch orientierten Pionieren entwickelt wurden, wie. z.B. das Zinslose und/oder Sektor-spezifische Anleger-Konto, der Direkt-Kredit, die Schenk- und Leihgemeinschaft, an strikten Nachhaltigkeits-Kriterien orientierten Fonds etc.

    Gleichzeitig erwarte ich, dass sich sozial-ökologisch orientierte Innovationen in den verschiedensten Bereichen des Finanzsektors etablieren werden, so dass über kurz oder lang ein sozial-ökologisches Finanz-Ökosystem ensteht, in dem Social Banks für die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft eine wichtige, aber nicht mehr die wichtigste Rolle spielen.

    Social Banking 2.0: Und noch eine persönliche Frage: Was motiviert Sie, sich in einer nachhaltigen Einrichtung wie dem Institute for Social Banking zu engagieren, sicherlich kann man woanders doch immer noch mehr Geld verdienen, oder?

    Schwer zu sagen. Sicher kann man woanders viel mehr Geld verdienen. Viele meiner Freunde und Bekannten mit ähnlicher Ausbildung machen das auch. Vielleicht habe ich mich einfach zu doof angestellt, aber bisher ist mir noch nichts besseres angeboten worden. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich noch nicht nach etwas besserem gesucht habe.

    An Fragen der Nachhaltigkeit war ich schon sehr lange interessiert – ursprünglich mit starkem Fokus auf Umweltschutz, weshalb ich auch Biologie und Ökologie studierte. Aber dann wurde mir spätestens während meines MBAs und meiner Promotion in London während der Technologieblase zur Jahrtausendwende klar, nicht nur wie absurd und irrational unser konventionelles Finanzsystem ist – sondern auch wie antiquiert und autistisch unser diesbezügliches Ausbildungssystem. 

    Ich möchte mit meiner Arbeit nicht nur Profit machen sondern auch Sinn. Entsprechend wäre für mich eine Rückkehr in den konventionellen Finanz- und/oder Ausbildungsbereich eigentlich undenkbar – und ich hoffe, dass wir mit unsren Angeboten am ISB ein wenig dazu beitragen, dass auch andere eine Rückkehr zu „business and craziness as usual“ für unmöglich halten. Aber nichtsdestotrotz und entgegen aller besseren Vorsätze: ich hätte gern mehr Geld ;o(

    Interview: Lothar Lochmaier

    Kontakt: sven.remer@social-banking.org

    Written by lochmaier

    Januar 12, 2010 at 8:33 am

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    Noa Bank: Kritische Nachfragen zum Firmengeflecht Quorum Targas

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    Zweifellos hat die Noa Bank einen fulminanten Start hingelegt. Ende Dezember waren es 2.500 Kunden, die dem Anfang November gegründeten Institut rund sechs Millionen Euro an Kundeneinlagen anvertrauten. Die Bank mit dem Touch einer „Community Bank“ trifft den Nerv der Zeit, weil sie verspricht, jenseits von Spekulation als Bank das zu tun, was man von vielen anderen erwartet, was aber nur wenige leisten.

    Nämlich die Wirtschaft zu fördern, und nicht nur Luftschlösser zu bauen. Soweit der hohe Anspruch, den die Kunden offenbar bereits in den ersten zwei Monaten nach Gründung ausgiebig honorieren.  Es gibt jedoch leider auch mehrere kleine und größere Fragezeichen, die besonders „historische Altlasten“ betreffen, denn die Gründer der Noa Bank sind ja auch die Gründer des deutschen Factoring-Dienstleisters Quorum AG – und sie sind auch sonst noch in das weitere Marktgeschehen involviert.

    Doch der Reihe nach: Das weiterhin aufstrebende Geschäft beim Leasing- und Factoring-Business beleuchtet das Handelsblatt hier:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/kreditersatz-leasinganbieter-profitieren-von-geschwaechten-banken;2502689

    Nun, es ist kein Geheimnis, dass eine Bank unterschiedliche Töchter gründet, um das Geschäft auf eine breite Grundlage zu stellen. Dazu gehört vielerorts auch das Factoring, durch das sich mittelständische Betriebe neue Finanzierungsquellen und mehr Spielräume – etwa durch Abtretung von Forderungen an professionelle Dienstleister versprechen.

    Auch Banken wie die SEB Bank haben längst Tochterunternehmen wie das Leasing & Factoring gegründet, um die wachsende Nachfrage nach gemischten Unternehmensfinanzierungen mit neuen Marktmodellen zu beantworten. Klar, dass neue Mitspieler nicht unbedingt willkommen sind. Darum geht es aber zunächst nicht: Denn die Verbindungen zwischen dem einen und dem anderen Geschäftsbereich sollten für die Kunden transparent sein, so auch im Falle der Noa Bank, die bereits angekündigt hat, dass die Aktivitäten zwischen Noa Bank und Quorum AG irgendwann verschmelzen könnten. Sprich: Aus mehreren Unternehmen würde dann eins, und das Ganze wäre dann mehr wert als die Summe seiner Teile.

    Und wenn es hier bislang mit Blick auf die Vorläuferaktivitäten zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein sollte, so tangiert dies natürlich auch die Vertrauensbasis, die Anleger dem neuen Konstrukt Noa Bank entgegenbringen sollen, das ja bekanntlich demnächst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. War das also wirklich mit der Noa Bank ernst gemeint, keine Spekulation und Profitmaximierung auf dem Rücken anderer zu betreiben?

    In einem Fachartikel in der Bankenzeitschrift „GI Geldinstitute“ (Ausgabe 6/2009) zum Thema Social Business/Microfinance – was tut sich da gerade?, definiere ich einen ganz einfachen Anspruch an die Noa Bank, der im Sinne einer nur allzu brüchigen flüssigen Moderne (liquid modernity) nicht nur für ein paar Monate oder zwei bis drei Jahre gilt, um das Konstrukt hernach „beliebig“ an die Einnahmensituation anzupassen.  Ein Zitat aus meinem Beitrag:

    Die gerade in Deutschland frisch gegründete Noa Bank hat sich dem hohen Anspruch zu stellen, für die Anleger jenseits von Spekulation und Kapitalmarktorientierung eine transparente Alternative zu den gängigen Finanzinstituten darzustellen. 

    Quelle: http://www.geldinstitute.de/data/beitrag/Artikel-Social-Business-Was-tut-sich-da-_4378390.html

    Siehe dazu auch meinen Artikel auf Heise Telepolis, in dem ich nach einem kritischen Artikel in meinem Weblog – und einem klärenden Gespräch mit dem Gründer Francois Jozik die Absichten der Noa Bank ausführlich skizziert habe:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31456/1.html

    Das von Francois Jozik im persönlichen Gespräch mit Social Banking 2.0 präsentierte Geschäftsmodell klang zunächst gar nicht schlecht. Die Idee ist geradezu verführerisch, die Noa Bank entdeckte einen neuen Markt – und sie hat ihn bislang konsequent mit einer aufwändigen direkt auf den Gründer zugeschnittenen personalisierten Werbekampagne besetzt, nämlich Geld von Privatanlegern einsammeln, zu transparenten Konditionen in Tages- und Festgeldern anzulegen, und damit dann die Wirtschaft jenseits der Spekulation mit „gesunden“ Krediten zu versorgen. 

    Das traf gerade nach der Finankrise den Nerv der Zeit und den der frustrierten Anleger. Dafür darf die Noa Bank dann auch gute Renditen erwirtschaften, von denen alle Beteiligten gleichermaßen profitieren. Die Betonung liegt aber auf „gleichermaßen“. 

    Oder geht es letztlich nur darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld einzusammeln, den Wert des Unternehmensgeflechtes zu steigern, und etwa durch einen Management Buy-Out , Management-Buy-In – oder einen Börsengang möglichst rasch „Profit zu machen“?

    Es wäre schade, wenn wir es hier bei der Noa Bank mit einer neuen „Black Box“ zu tun hätten, die die allgemeine negative Stimmung gegen die Banken nur marketingtechnisch eher auf eine Sicht von maximal drei bis vier Jahren für sich ausnutzte. Haftungsrechtlich ist das Firmengeflecht jedenfalls schwer zu durchschauen. 

    Und mit Targas  – einer Aktiengesellschaft, gibt es ein weiteres Konstrukt, in dem sich der Gründer der Noa Bank engagiert, und das sich laut Homepage einem ganz klaren Ziel widmet:

    Die größtmögliche Zahl an kleinen und mittelständischen Firmen verkaufen! 

    Quelle: http://www.targas-ag.de/targas_AG-ueber-targas.html

    Der Gründer der Noa Bank ist übrigens Aufsichtsratsvorsitzender bei Targas in Frankfurt. Da läge es doch nahe, aus der allgemeinen Kreditklemme in vielfältiger Form in erster Linie für das eigene Firmenkonstrukt Nutzen zu ziehen. Kapitalistischer Ehrgeiz und Spieltrieb  sind gut – aber wir wissen doch gerne, mit wem wir es zu tun haben, und was das neue Konstrukt so alles plant.

    Da liegt definitiv ein Business-Plan und eine Roadmap in der Schublade, denn die Akteure sind keine blutigen Amateure, sondern beherrschen das Geschäft der Unternehmensfinanzierung und -Veräußerung. Was passiert, wenn die ersten Firmen, die von der Noa Bank ausgereichten Kredite nicht mehr bedienen können? Kein Problem, schon stehen Quorum, Targas und Co. bereit, aber natürlich gegen entsprechende Gebühr, die dann den KMU’s und kleinen Selbstständigen unter Druck auferlegt werden könnte. 

    Und die Noa Bank wäre dann nur das marketingtechnische Fenster zum Hof, um die in die Not geratenen Unternehmen angesichts der zögerlichen Kreditvergabe von Banken einzusammeln, und dann je nach Lage in das eigene Konglomerat einzusortieren. Rückfragen und gewisse Zweifel sind mehr als erlaubt, obwohl es natürlich laut Firmen-Homepage auch euphorische Kundenkommentare zur Arbeitsweise von Targas gibt:

    http://www.targas-ag.de/targas_AG-Kunden.html?PHPSESSID=3f931f2848a6044c8d924c9f82294e83

    Also stellen wir hier die Frage: Abzocke oder seriöses Geschäftsmodell? Erste Antworten und Einsichten dazu finden sich auf dem von einigen „Geschädigten“ eingerichteten Targas-Forum, etwa einen Verweis auf einen Bericht der ZDF-Redaktion von Wiso – wonach Targas sich gegen Vorwürfe verteidigt, ein unseriöses Geschäftsgebaren an den Tag zu legen:  

    http://www.targas-forum.com/2008/10/targas-abzocke/ 

    http://www.targas-forum.com/zdf-wiso-und-targas/

    Hier ein Erfahrungsbericht, der zeigt, dass sich Targas seine „Bemühungen“ auch jenseits der erfolgs abhängigen Bezahlung offenbar gut bezahlen lässt:

    http://www.targas-forum.com/kontakt/

    Fazit eines Betroffenen: „Wer in dieser Branche seriös arbeitet nimmt nicht gleich zum ersten Termin einen Abbuchungsauftrag mit.“

    Offenbar wurde auch rechtlich gegen einige Kritiker vorgegangen, das zumindst deutet ein Eintrag auf dem Targas-Forum an – und zwar mit dem Verweis, dass die im Internet präsenten Mahner den Firmennamen missbräuchlich verwendet hätten:

    http://www.targas-forum.com/conex-ag-und-targas-ag/ 

    Noch ist all dies mit Blick auf die Noa Bank eine Art Puzzlespiel in die Zukunft hinein. Dennoch: Die etwas wackelige Vorgeschichte der Quorum AG  fordert definitiv kritische Nachfragen zur Transparenz des Geschäftsmodells heraus – das meinen auch die Leser von Social Banking 2.0, die zum konstruktiven Dialog ermuntern, und einige kritische Anmerkungen mit Blick auf die Noa Bank vorgelegt haben:

    Konzept auf den ersten Blick stimmig, aber leider vermisse ich die Transparenz, der man sich verschrieben hat. Leider habe ich keine Angaben dazu gefunden, was mit dem Geschäftmodell der übernommenen Vorgänger Bank geschieht, noch wer genau unterstützt wird. Einen personellen Umbau an der Spitze gab es bisher nicht, deshalb bin ich mir unsicher, ob man mit den Personen, die früher ein Bankgeschäft im „Dunstkreis“ von „Heuschrecken“ und einer bekannten Lichtensteiner Bank für „Steueroptimierer“ bewegt haben, einen solch radikalen Schnitt mitmachen kann. Klar, die Bank hat gerade erst eröffnet und man muß ihr eine Chance geben.

    Sicherlich ein hartes Urteil – und noch zwei weitere Leserkommentare:

    Die grundsätzlichen Aussagen und die dahintersteckende Idee sind in Ordnung, allerdings sollte man sich auch das Geschäftsgebahren des im gesellschafstrechtlichen „Dunstkreis“ des Gründers befindlichen Factoringanbieters genauer ansehen. Hier gibt es leider nicht so viele positive Ergebnisse zu berichten, vor allem der Umgang mit den (potentiellen) Kunden stand häufig in deutlichem Gegensatz zu den doch so heren Zielen der neugegründeten Bank ( Ausübung psychologischen Drucks, extrem hohe und marktunübliche Abschlußgebühren etc.). Selbst im Fernsehen wurde über die ungewöhnlichen Verkaufs-Schulungsmaßnahmen für die Mitarbeiter berichtet. Aus diesem Grund habe ich persönlich trotz der guten Vorsätze absolut kein Vertrauen in diese Bank.

    Und eine letzte kritische Einlassung:

    Mir stellt sich die Frage, ob die neugegründete Bank evtl. die Fortführung eines – wenn auch clever angelegten – Schneeballsystems ist.

    Quelle: Social Banking 2.0

    Soweit die negative Sichtweise > Bleiben wir aber zunächst, statt permanent neue Vorwürfe (teils nicht wirklich nachprüfbar) in den Raum zu stellen, mal jenseits von reiner Schwarz-Weiß-Malerei am Ball. Denn es gibt natürlich neben einiger Kritik auch viel Lob für die Noa Bank, die den Mut besitzt, sich ganz dem Bereich der Unternehmensfinanzierung und Kreditvergabe an klein- und mittelständische Betriebe zu widmen. Das ist unternehmerischer Wagemut. 

    Deshalb der journalistischen Fairnis halber auszugsweise zwei positive Würdigungen, damit jeder selbst einschätzen kann, ob das Glas halb voll (Neustart in eine transparentere Bankenwelt) oder halb leer (Geschäftsmodell eines für niemanden nachvollziehbaren Wachstums in einem inneren Zirkel von ein paar Eingeweihten nach dem Motto „quick and dirty“) ist:

    Ich habe bisher ein Konto bei der Ethik-Bank, der Ansatz der Ansatz der noa bank (völlige Transparenz) gefällt mir aber noch besser. Habe heute die Kontoeröffnungsunterlagen angefordert.

    Auch wenn die Noa Bank nur eine clevere Marketingidee ist, so hat sie mit der ganzen Kampagne erreicht, dass ein neues Bewusstsein in die deutsche Bankenlandschaft kommt.

    Quelle: Social Banking 2.0

    > Es geht demzufolge nicht darum, das Geschäftsmodell und die an sich gute Idee bzw. das durchaus stimmige Gesamtkonzept der Noa Bank schon kurz nach dem Start zu zerreißen, sondern den konstruktiv-kritischen Dialog zu suchen. Und hier soll den Lesern nichts vorenthalten werden, was Unsicherheit und Verwirrung schaffen könnte.

    Letztendlich ist die Noa Bank an ihren Taten zu messen, nicht an ihren Versprechen. Das erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. 

    Zu den Hintergründen: Ausgangspunkt der negativen Berichterstattung über die Quorum AG war neben allgemeinem Branchengeflüster vor allem eine Fernsehreportage im Westdeutschen Rundfunk im Sommer 2008, die hier in der Mediathek nochmals angeschaut werden kann. Hier nochmals der komplette Link dazu:

    http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2008/07/22/aks_04.xml;jsessionid=F9ED9919

    6284D9FC971238A860EBFBF3.mediathek4

    Eine rege Diskussion dazu kann man sich auch auf den Seiten des Deutschen Factoring-Forums ansehen:

    http://www.deutsches-factoring-forum.de/index.php?action=recent   

    Es lässt sich natürlich – mal vom entgegengesetzten Standpunkt aus betrachtet – trefflich darüber spekulieren, wieweit auch oder gerade einige Mitbewerber eine Art Pressekampagne gegen die Quorum AG aus dem Hintergrund mit gesteuert haben.

    Wie dem auch sei – jedenfalls sah sich auch der Factoring-Anbieter selbst gezwungen, ein Pressestatement zu den damaligen Vorwürfen zu veröffentlichen – leider ist diese Pressemitteilung von den offiziellen Seiten wieder verschwunden, dennoch kann sie hier nochmals nachgelesen werden – hier der komplette Text:

    Düsseldorf, 21.07.08 – Die Gebühren des Düsseldorfer Factoringanbieters Quorum AG bewegen sich im branchenüblichen Rahmen. Neben der Factoringgebühr zwischen 0,5 und 2,9 Prozent des Umsatzes wird lediglich für die anfängliche Bonitätsprüfung des Kunden und seiner Kunden eine Startgebühr erhoben, die einen geringen Prozentsatz des vereinbarten Finanzierungslimits ausmacht. Eine solche Startgebühr wird auch von anderen Factoringunternehmen im deutschen Markt verlangt.
     
    Das Provisionssystem für die im Auftrage der Quorum AG tätigen Außendienstmitarbeiter zielt darauf, langfristig zufriedene Kunden zu gewinnen. Jeder Kunde wird zum Beispiel im Anschluss an die erste Auszahlung zu seiner Zufriedenheit befragt. Ist er unzufrieden, entfällt die Provision, ist er begeistert, wird ein Zuschlag gezahlt. Außerdem sind die Außendienstler im ersten Jahr an den laufenden Umsätzen beteiligt, so dass sie ein großes Interesse an einer reibungslosen Zusammenarbeit haben.
     
    „Wir können nur mit zufriedenen Kunden erfolgreich sein. Deshalb suchen wir auch dann eine einvernehmliche Lösung, wenn es einmal zu Problemen kommt,” erläutert Vorstand Frédéric Lodewyk die grundsätzliche Politik der Quorum AG. „Gelingt es uns nicht, einen Kunden zufrieden zu stellen, bieten wir eine einvernehmliche Auflösung des Vertrages an. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass keine Unregelmäßigkeiten vorliegen und wir das Geld zurückerhalten, mit dem wir den Geschäftsbetrieb des Kunden finanziert haben.”
     
    Sowohl die vom WDR zitierte Firma Hoheisel als auch andere in der Öffentlichkeit in Erscheinung getretene ehemalige Kunden der Quorum AG haben in erheblichem Maß vertragliche Verpflichtungen verletzt, so dass eine Kündigung seitens der Quorum AG unausweichlich wurde. Selbst in solchen Fällen ist es in der Vergangenheit gelungen, spätestens im gerichtlichen Verfahren eine einvernehmliche Lösung zu erzielen.

    Quelle: Quorum AG   

    Fazit und Ausblick: Am Ende soll jeder Interessierte selbst entscheiden, wie er die Puzzleteile zusammen fügt. Eine erste Referenzquelle dazu ist der Noa Bank-Blog, in dem der Gründer seine persönliche Motivation erläutert, die zur Gründung geführt hat:

    http://www.anderebank.de/blog/artikel/warum-habe-ich-die-noa-bank-gegruendet/

    Ein kleiner Auszug:

    … So wurde in 2004 das Factoring-Unternehmen Quorum AG aus der Taufe gehoben. Fünf Jahre später finanzierte diese Firma annähernd 500 KMU in ganz Deutschland. Darauf bin ich sehr stolz, denn wir haben hart kämpfen müssen. Wir mussten Vorurteile besiegen. Wir mussten diese spezielle Art und Weise der Finanzierung kennen und meistern lernen. Wir mussten die verbissenen Medienkampagnen unserer Wettbewerber ertragen – übrigens fast alles Banken-Töchter. Es stimmt – unsere Firma hat die Art der Finanzierung revolutioniert, hat manchen Fehler begangen, aber unser hauptsächliches Ziel haben wir erreicht: die Finanzierung der kleinen und mittleren Unternehmen. Seit dem Frühjahr 2008 musste ich allerdings einsehen, dass unsere Mittel zu sehr limitiert sind. Wenn wir mehr Betriebe finanzieren wollten, mussten wir auch mehr Mittel haben. Tatsächlich – ich habe begriffen, dass wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir selber eine Bank werden. Die Ereignisse des Septembers 2008 und das, was wir heute die Finanzkrise nennen, haben mir die Gelegenheit dazu gegeben.

    Quelle: Noa Bank

    Transparenz ist für alle Spieler – die alten und die neuen – gefragt, was natürlich das gesunde Eigeninteresse der Noa Bank nicht verleugnen muss. Denn so mancher Kommentar ist auch von fremder Geisterhand gesteuert, zumindest scheint es mit dem Reagieren im Web 2.0 ganz gut bei der Noa Bank zu klappen, wie das Weblog Cyber-Junk hier beleuchtet:

    http://www.cyber-junk.de/kommentiert/praxisbeispiel-reagieren-im-web-2-0-die-noa-bank/

    Da hat sich offenbar herausgestellt, dass ein kritischer Nestbeschmutzer auf der Facebook-Seite der Noa Bank von einer Konkurrenzbank inspiriert worden war. Fazit des Autors: Die noa bank hat durch direkte Ansprache es geschafft ihr Gesicht zu wahren und ihre Ziele auch im Dialog mit dem Kunden durchzusetzen. Zensur (Löschung von Einträgen) wurde nicht als Mittel gewählt. D.h. das Projekt Zuhören ist gelungen. Die YYYY Bank sollte noch etwas Nachhilfe hinsichtlich Transparenz nehmen, dann wird das aber bestimmt auch.

    Wir bilanzieren: Das Glas mit Blick auf die Noa Bank und das damit verbundene Firmengeflecht ist sowohl halb leer als auch halb voll. Ich weiß, das ist derzeit ein unbefriedigendes fast pseudo-salomonisches Urteil. Damit sollten wir uns also noch ganz nicht zufrieden geben.

    Sprich, die Aufgabe dieses Weblog ist es nun zum Abschluß dieses kontroversen Beitrags, den Hauptbeteiligten selbst zu befragen: Francois Jozik, der Gründer der Noa Bank, nimmt auf Anfrage von Social Banking 2.0 zur Geschichte der Quorum AG nur kurz Stellung (eine weitere Kommentierung ist von dort aus jedenfalls nicht mehr gewünscht):  

    I have no issue talking about quorum and i am very proud of this company. We have done some mystakes but there were also a lot of manipulation organised by our competitors.

    Quelle: Noa Bank

    Auf weitere bereits am 18.12.09 schriftlich übermittelte Nachfragen antwortet der Gründer der Noa Bank trotz Nachhakens bislang leider nicht – weshalb ich hier für alle Leser zum transparenten Mitverfolgen den aktuellen Stand der offenen Diskussionspunkte weiter reiche (falls es dazu bald Antworten gibt, reiche ich die unten dann nach): 

    Update Noa Bank Activities – how transparent can a new bank be?

    Social Banking 2.0: Noa Bank plans to be a „Aktiengesellschaft“ next year – why this step?

    Social Banking 2.0: Is it influenced by some regulation aspects (Compliance etc.)- f.e. through (Bafin), or was it a proper decision made only by the owners of Noa Bank?

    Social Banking 2.0: If moving towards a Aktiengesellschaft, what about speculation, when going to the stock exchange market?

    Social Banking 2.0: You were saying, there is no speculation in Noa Banks Business Model?

    Social Banking 2.0: Do you see some conflicts of interest between Factoring-Business through Quorum and Noa Bank Acitivities?

    Social Banking 2.0: Or in other words: Is there a mix of activities, you announced already, that both parts could stick together in a few years?

     Social Banking 2.0: How do plan to locate the business loans for SMEs?

    Social Banking 2.0: What are the criteria?

    Social Banking 2.0: Is the community and customer somehow involved in that process (you mentioned some kind of voting system), or is it finally just Noa Bank itself, who selects the right SMEs?

    Social Banking 2.0: How do you prevent higher credit default risk then?

    Social Banking 2.0: Noa Bank is going on very well, in a few weeks more than  six millions of euro collected and 2.500 customers – what is your perception for the next year, will it grow faster or are there some „natural“ barriers“?

    Redaktioneller Nachtrag am 30.08.2010: Da der obige Beitrag zur Aufarbeitung der aktuellen Geschehnisse rund um die Noa Bank weiterhin auf starkes öffentliches Interesse stößt, verweise ich auf zwei weitere im Januar publizierte Weblog-Einträge, in denen der Gründer auf die von mir immer wieder aufgeworfenen Fragen eingeht, ohne jedoch letzte Zweifel am Geschäftsmodell und den eigenen unternehmerischen Zielen ausräumen zu können. Siehe dazu:

    Noa Bank erläutert detailiert die Firmengeschichte v. 27.01.:

     https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/27/noa-bank-erlautert-detailliert-die-firmenhistorie/

    sowie: Noa Bank: Gründer Francois Jozic gibt Statusbericht v. 19.01.2010:

    https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/19/noa-bank-grunder-francois-jozik-gibt-statusbericht/

    Written by lochmaier

    Januar 10, 2010 at 12:10 pm

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    In eigener Sache: Copyright-Verstoß auf Online-Artikel.de

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    Ich freue mich wirklich über jeden Artikel, der übers Social Lending erscheint, gerne auch mit einem kurzen Vorspann und dem Link zum Ursprungsartikel – in diesem Fall bitte auf meine eigenen Seiten zum Social Banking 2.0 oder einem von mir veröffentlichten Fachartikel als Wirtschaftsjournalist in der Ursprungsquelle.

    Das hier aber ist ein ganz klarer Copyright-Verstoß, bei dem sich die Autorin Corinna Friedrich (geb. Wienert) hemmungslos und ohne jeglichen Respekt bei mir bedient, Gedanken, die ich mir erst mühsam erarbeiten müsste, und die jetzt eins-zu-eins in einer Pressemitteilung landen, die die Autorin als die eigene ausgibt. Man kann den Begriff „Social lending“ eben auch zu wörtlich nehmen.

    Und zwar auf einer Plattform, auf der sich kostenlos News und Pressemitteilungen einstellen lassen. Offenbar wurde hier der Begriff „kostenlos“ so interpretiert, dass man sich wie im Mittelalter beim geistigen Kreuzzug auch die Ideen anderer hemmungslos zu eigen machen kann.

    http://www.online-artikel.de/article/social-lending-plattformen-kredite-von-privat-36132-1.html

    Da fällt mir eigentlich nicht mehr viel dazu ein, außer der Frage: Frau Wienert, wie einigen wir uns finanziell? Bitte rasch zu mir Kontakt aufnehmen.

    P.S. Bedient hat sich die Autorin offenbar vor allem bei einem Artikel, den ich bei Heise online (Telepolis) verfasst habe, aber auch direkt in meinem Weblog Social Banking 2.0, bei dem ich Social Lending als vierte Säule des (informellen) Bankwesens eingehend skizziert habe – und diese wie auch die weiteren Formulierungen, die Frau Friedrich gerne im „Umsonst-und-Kostenlos-Selbstbedienungsprinzip“ sich ziemlich dreist aneignet, stammen definitiv und exklusiv aus meiner Feder. Z.B:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30032/1.html 

    Sie sind an der Reihe, Frau Friedrich. Nachtrag: Ziel des Artikels war wohl die Promotion der privaten Kreditplattform www.privatkredite.nu, die Frau Friedrich neben einem Antikgeschäft und Internetservices betreibt. Anmerkung: P2P-Plattformen, die private Kredite untereinander lediglich gegen eine Vorabgebühr ohne Haftung anbahnen, sind keine seriöse Variante beim Social Lending. Insofern passt der Copyright-Verstoß also ins Bild. 

    Nachtrag: Der Betreiber der Plattform www.privatkredite.nu weist darauf hin, dass es sich um einen kostenlosen Service handelt, da jeder Nutzer nur einmal einen Kredit vergeben oder ausleihen kann (s. unten), es sich somit also nicht um eine „gewerbsmäßige Kreditvermittlung oder -anbahnung“ handelt, die von der Bafin laut Kreditwesengesetz (KWG) untersagt wäre. Ich werde mich in einem eigenen Blog-Eintrag noch separat den reinen Online-Kreditvermittlern ohne eine Bank im Hintergrund wie bei Smava annehmen, um etwas Licht in dieses P2P-Marktsegment in der Grauzone zu bringen, zu dem die Plattform privatkredite.nu offenbar nicht gehört, da der Betreiber nach eigenen Angaben keinerlei Gewinnerzielungsabsichten verfolgt.  

    Weg mit dem Ärger – hier geht es weiter zur heute von mir veröffentlichten Statusanalyse von Social Lending weltweit:

    https://lochmaier.wordpress.com/2010/01/08/osterreich-p2p-kreditborse-bankless-life-erfolgreich-gestartet-und-gleich-wieder-geschlossen-social-lending-wachst-dynamisch/

    Update am 11.01.10: Frau Friedrich entschuldigt sich in einer Stellungnahme für die Verletzung des Coyprights bei Social Banking 2.0 – und weist darauf hin, dass es sich bei Ihrer ins Leben gerufenen Plattform privatkredite.nu um einen kostenlosen Service handelt – hier der Wortlaut:

    Vereinbarungsgemäß habe ich gestern den Antrag auf Löschung des Artikels auf Online-Artikel.de gestellt, der Text des Antrags ist als Anhang beigefügt. Zusätzlich unglücklich bin ich über die Tatsache, dass Sie auf Ihrem Blog schreiben, es würde eine Gebühr für unser Angebot erhoben. Wir haben uns mit Beginn der „Finanzkrise“ das Hirn zermartert, was eine kleine Gruppe tun könnte und diese Internetseite als fast persönliches Anliegen gemacht. Die rechtlichen Bestimmungen werden eingehalten, da die Nutzung jedem Benutzer nur ein Mal gestattet ist. Wir versuchen nur, ohne eine Vermittlungsleistung das zu tun, was maximal auf dieser Basis getan werden kann: Eine kostenlose Plattform zu bieten. Social Lending ist nur zu unterstützen und könnte irgendwann vielleicht die Hebelwirkung eines kleinen Korrektivs im Finanzbereich bekommen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihren Blogeintrag irgendwie positiver gestalten könnten und entschuldige mich nochmals aufrichtig.

    Update am 15.01.: Mittlerweile ist der Text von der Autorin entsprechend geändert worden, und der Fall somit beigelegt.

    Written by lochmaier

    Januar 8, 2010 at 9:11 am

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    Österreich: P2P-Kreditbörse Bankless Life erfolgreich gestartet und gleich wieder geschlossen – Social Lending wächst dynamisch

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    Gut gestartet und schon wieder geschlossen – Nachdem vor kurzem auch in Österreich der erste P2P-Online-Kreditanbieter Bankless Life an den Start gegangen ist, schien sich schon kurz nach dem Start eine positive Nachfrage abzuzeichnen. Jedenfalls berichtete der Kurier, dass bereits mehr als 40 Projekte mit einer Gesamtsumme von 100.000 Euro ausgegeben worden seien. Mehr Infos dazu:

    http://www.kurier.at/geldundwirtschaft/geld/1967415.php

    Doch offenbar hatten die Macher der Plattform, die im Rahmen einer etwas wackligen Vereinsstruktur angelegt war, nicht mit den Regulierungsbehörden gerechnet. Die nahmen Bankless Life kurz vor Weihnachten wieder vom Netz und zogen den Stecker. Die offizielle Mitteilung vom Betreiber dazu findet sich hier:

    https://www.bankless-life.at/LinkClick.aspx?fileticket=31Bw1KXA2Zc%3d&tabid=39

    Auch das Weblog P2P-Kredite berichtete über diesen herben Rückschlag:

    http://www.p2p-kredite.com/aufsichtsbehoerde-fma-untersagt-bankless-life-kreditvergabe_2010.html

    Andererseits: Es glitzern derzeit vielen angesichts der guten Marktaussichten von Social Lending Plattformen rasch die Augen, und die Macher vergessen, akribisch und sorgfältig bei der Ausarbeitung der formalen Genehmigungen zu arbeiten. 

    Was das kosten kann, das musste vor allem der früherer Marktführer Prosper.com in den USA erfahren, der längst seine Vormachtsstellung verloren hat, auch wegen permanenter Auseinandersetzungen mit den gesetzlichen Regulierern. 

    Dazu passt die Meldung der Marktforscher von Gartner, die die Wachstumsprognosen bei den sozialen Kreditbörsen (P2P-Lending bzw. Social Lending) aus dem Jahre 2008 zunächst etwas nach unten korrigieren mussten (dort war ein Anteil am Geschäft von Private Banking von zehn prozent prognostiziert worden):

    http://www.wiseclerk.com/group-news/uncategorized-banks-to-loose-10-market-share-to-social-lending-by-2010/  

    Jetzt gibt es eine neue und etwas vorsichtigere Prognose: Und zwar soll die Kreditvergabe über soziale finanzielle Netzwerke im Jahr 2013 weltweit ein Volumen von fünf Milliarden US-Dollar erreichen.

    http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=1272313

    http://www.wiseclerk.com/group-news/uncategorized-gartner-p2p-lending-will-be-5-billion-us-in-2013/

    Schaut man sich die Wachstumskurven der internationalen Anbieter an, so erscheint diese Prognose einigermaßen der Realität angepasst. Fakt ist: Der Nischenmarkt wird weiter dynamisch wachsen und auch die Mitte der Gesellschaft erreichen, insbesondere da Banken das „Vakuum“ in der sozialen Kreditvergabe außer Acht lassen, das bilanziert jedenfalls American Banking News:

    http://www.americanbankingnews.com/2010/01/06/new-gartner-study-predicts-peer-to-peer-lending-to-grow-to-5-billion-by-2013/

    Interessant ist auch diese Nachricht hier, wonach in den USA Prosper.com inzwischen deutlich vom Rivalen Lending Club abgehängt worden ist. Deutliches Zeichen: Die einen ziehen gerade in einen neuen Standort um, um sich zu vergrößern, und die anderen (Prosper.com) schlagen sich auch weiterhin mit exzessiven Ausfallraten der Kredite herum, und auch das vermittelte Volumen beträgt monatlich höchstens ein Drittel im Vergleich zum direkten Wettbewerber:

    http://www.businesswire.com/portal/site/home/permalink/?ndmViewId=news_view&newsId=20100106005480&newsLang=en

    Von einer wirklichen Revolution am Bankenmarkt sind wir allerdings noch ein großes Stück entfernt, aber wenn der Vertrauensverlust der Bürger in staatliche und wirtschaftliche Akteure sich vergrößert, dann dürfte den neuen Spielern beim von den Nutzern selbst ins Leben gerufenen informellen Bankenmarkt – in der Geldanlage und Kreditvergabe über soziale Netzwerke – ein solides zweistelliges Wachstum pro Jahr beschieden sein. Die von Gartner oben avisierte Zielmarke von weltweit fünf Milliarden US-Dollar erscheint durchaus greifbar.

    Written by lochmaier

    Januar 8, 2010 at 8:27 am

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