Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Perfect Storm: Wie eDemocracy die Hierarchien (langsam) verändert

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Seit Sommer diesen Jahres sind in den USA wieder zahlreiche Reporter unterwegs, um die Untiefen der „eDemocracy“ in dem Filmprojekt „US now“ auszuloten, das sich auf die Aspekte „Mass Collaboration, Government und Internet“ fokussiert. Über den aktuellen Stand informiert das Weblog:

http://blog.usnowfilm.com

Einige durchaus interessante Videoclips gibt es über die Einstiegsseite zu erschließen:

http://usnowfilm.com

Transparenz sei das zentrale Kriterium, das die Unternehmen in Richtung Enterprise 2.0 verändere, sagt Don Tapscott, der bekanntermaßen das Web 2.0 und soziale Netzwerke als Treiber für grundlegende gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen ansieht, siehe das Interview hier:

Dass die Erwartungen an das Web 2.0 und soziale Netzwerke aber auch überzogen sein können, wenn es etwa darum geht, das Weltklima zu retten, das beleuchtet dieser Beitrag in der Süddeutschen Zeitung:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/494238

Und da bilanziert der Autor der Süddeutschen Zeitung durchaus folgerichtig:

Leggewie und Welzer setzen auf eine „Apo 2.0“, also eine Art digitale Graswurzelvernetzung. Der ist auf jeden Fall alles Glück der Welt zu wünschen. Aber mit ihrer Begeisterung für den digital engagierten Bürger kommen einem Welzer und Leggewie vor wie erstmalige Besucher eines Bioladens in Berlin Mitte am Samstagnachmittag. Klar ist der Laden voll, aber Bioprodukte machen immer noch nur einen Bruchteil der Lebensmittelbranche aus. Die Welt ändert es nicht.

Recht nüchtern fällt auch die Bilanz mit Blick auf die Banken aus, „Business as Usual“ konstatiert Autor Alex Rühle eben:

Seit November vergangenen Jahres, seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, wurden immer wieder Proteste, ja revolutionsähnliche Zustände prognostiziert. Michael Sommer, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, warnte vor „sozialen Unruhen“, Gesine Schwan sah „Gefahr für die Demokratie“. Natürlich sind solche Sätze immer auch als Wahl- oder Klassenkampfrhetorik zu lesen. Dennoch war es verblüffend zu sehen, wie ruhig es am Ende blieb. Es gab vereinzelt Demonstrationen, auf denen die mitliefen, die ohnehin demonstrieren. Die breite Mittelschicht aber blieb zu Hause. Wenn man aber in unzähligen Umfragen liest, dass sich ein tiefes Gefühl der Ungerechtigkeit durch immer größere Teile der Gesellschaft frisst und dass die Finanzkrise das Vertrauen in das kapitalistische Wirtschaftssystem so nachhaltig erschüttert hat, wie das vor kurzem noch undenkbar gewesen wäre, muss einem diese Stille vorkommen wie ein gefährliches Vakuum. Die Menschen, so das Fazit einer Langzeitstudie des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer, verkriechen sich, es breite sich eine „hoffnungslose Unzufriedenheit“ aus, eine Art Mehltau aus Apathie und Depression. Ausgelöst wird diese Lähmung einerseits durch das Gefühl, machtlos zu sein, andererseits durch die Beobachtung, dass die Politik selbst nicht mehr in der Lage zu sein scheint, gestalterisch zu lenken. Das Schockierende an der Finanzkrise war ja, im Nachhinein zu sehen, dass längst eher die Staaten in Märkte als die Volkswirtschaften in staatliche Grenzen eingebettet sind.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Dass man als Bank die allmählich aus dem Gerede gekommene Finanzkrise sogar nutzen kann, um „unproduktive“ Berater auszusortieren, die nicht mindestens 750.000 US-Dollar pro Jahr erwirtschaften, das zeigt sich am Beispiel der UBS Bank, die die Daumenschrauben für ihre Mitarbeiter deutlich angezogen hat, berichtet Finews.ch:

http://finews.ch/news/banken/2478-ubs-banker-muessen-mehr-produzieren

Die jüngste Taktik der UBS weckt Erinnerungen an die Ursachen der Krise. Bei anhaltendem Erfolgsdruck werden Finanzberater dazu gezwungen, ihren Kunden möglichst viele Produkte zu verkaufen, auch wenn dies nicht unbedingt im Interesse des Kunden liegt. Von genau solchen Verhaltensmustern wollte man sich bei der Präsentation der letzten Quartalszahlen noch verabschieden und den Fokus voll und ganz auch den Kunden richten. Dies war jedoch letztes Jahr.

Quelle: finews.ch

So gesehen reichen also ein paar hippe und coole Demos, die die Macht von Web 2.0-basierten Netzwerken zeigen, a la Carrot- oder Flashmob (noch) nicht aus, um hier nachhaltige Akzente in Richtung einer werthaltigen Ökonomie, Politik und Gesellschaft zu setzen. Andererseits, wenn man sieht wieviel Geld der Staat nutzlos ausgibt, um die Bürger zu überwachen (Beispiele wären Elena, Vorratsdaten etc.), oder um die Pharmaindustrie zu füttern (34 Millionen Euro in die Impfampullen für die Schweinegrippe), und um Rettungspakete für die Banken zu schnüren, für die der Bürger als Bürge für „Gemeinschaftsgüter“ haftet, während andernorts Gewinne munter privatisiert werden, dann wird das schlummernde Potenzial des „Perfect Storms“ in Richtung eDemocracy ziemlich deutlich. 

Auf dem neuen Jugendmagazin von Arte TV – Yourope – kann man sich übrigens etwas konkreter anschauen, welche Chancen und Grenzen die „eDemocracy“ in politischer Hinsicht bietet. Einerseits lassen sich Aktionen erheblich dezentraler organisieren, andererseits schafft die direkte Demokratie 2.0 auch komplexe Entscheidungsprozesse und Organisationsrituale, die von den Akteuren etwa bei Studentenprotesten erst einmal bewältigt werden müssen.

Dennoch empfehlenswert  – hier gehts zur kompletten Erstsendung der Arte Reportage von 26 Minuten, die am 10.01. gesendet worden war:

http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3011576,scheduleId=2993782.html

Dazu passt auch die einführende Rezension von Spiegel online:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,670692,00.html

Wie zumindest eine halbwegs durchgängig „digital vernetzte Stadt“ aussieht, kann man am Beispiel von Birmingham begutachten:

http://www.digitalbirmingham.co.uk/

Was aber eDemokratie wirklich für den Umgang mit Autoritäten bedeutet, das beleuchtet FAZ-Autor Thomas Strobl:

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E69316840F

0C849FDAF2328186A7D8734~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Zitat: Mit dem Internet findet eine Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt, die bereits mit dem Buchdruck begann: Gesellschaftliche Kommunikation vollzieht sich nicht mehr entlang von Hierarchien sondern „heterarchisch“. Die Ära der reinen Informationsdistribution ex cathedra ist damit definitiv vorbei. Darin liegt auch das ganze Elend der traditionellen Massenmedien, soweit sie als bloße „Verbreitungsmedien“ aufgestellt sind. Die Öffentliche Meinung wird so um zahlreiche neue Unterscheidungen bereichert, die Welt, von der wir immer nur einen Ausschnitt als Realität wahrnehmen, wird bunter. Aber damit auch komplexer.

Quelle: FAZ-net.

Nun ja, begrifflich ist das, was derzeit passiert, etwas schwer in Worte zu fassen. Einer der Vordenker fürs 21. Jahrhundert – Jeremy Rifkin – versucht es in der Huffington Post mal mit der Wortschöpfung „empathische Zivilisation“:

http://www.huffingtonpost.com/jeremy-rifkin/the-empathic-civilization_b_416589.html

Der Wettbewerb um die besten Ideen und Kopfgeburten in diesem Jahrzehnt ist somit bereits voll entbrannt, hoffentlich kann die Realität da noch mithalten.  Dem Internet und der Informationstechnologie fällt laut Rifkin natürlich die Schlüsselrolle zu:

In this new era of distributed energy, governing institutions will more resemble the workings of the ecosystems they manage. Just as habitats function within ecosystems, and ecosystems within the biosphere in a web of interrelationships, governing institutions will similarly function in a collaborative network of relationships with localities, regions, and nations all embedded within the continent as a whole. This new complex political organism operates like the biosphere it attends, synergistically and reciprocally. This is biosphere politics. 

 Quelle: Huffingtonpost

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Written by lochmaier

Januar 13, 2010 um 7:56 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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