Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Promi-Testimonials und Banken: So investier(t)e ich mein Geld

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Schauspielerin Stefanie Stappenbeck (35, bekannt aus der Fernsehserie „Polizeiruf 110“) hat offenbar aufgrund der Finanzkrise umgedacht. O-Ton: „Ich habe mein Konto aufgelöst und mein Geld bei einer ‚Ethikbank‘ angelegt. Die gehen damit sinnvoll um, spekulieren nicht, sondern investieren z.B. in Windkraft“, sagte sie „Bunte“.

Quelle: BZ-Berlin – http://www.bz-berlin.de/archiv/namen-co-article680449.html

Nun ja, prominente Zugpferde, die für die Banken gegen gutes Honorar Zeugnis ablegten, gab es eigentlich immer genug, aber sie haben sich nach der Finanzkrise etwas rar gemacht. Wer hält schon sein Gesicht gerne in die Kamera, wenn doch der allgemeine Bankenfrust die Republik fest im Griff hat.

Spätestens seitdem sich Schauspieler Manfred Krug als reuiger Sünder geoutet hat, der den Bürgern nie wieder eine T-Aktie empfehlen würde, muss man gerade als wählerischer A-Promi schon zweimal überlegen, für welches Finanzinstitut man so gerne strahlt, weil das Geld sich angeblich wie von selbst vermehrt. Fragt sich bloß für wen. O-Ton Manfred Krug, der sich beliebig oft reproduzieren ließe:

„Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Manfred-Krug-bezeichnet-Werbespots-fuer-T-Aktie-als-Fehler-140785.html

Sogar das eher in der drögen gesellschaftlichen Mitte verortete Wirtschaftsmagazin Focus titelte vor drei Jahren fast schon revolutionär: „Als Manfred Krug die Deutschen verführte“  – 

http://www.focus.de/finanzen/news/tid-13707/wirtschaftskrisen-als-manfred-krug-die-deutschen-verfuehrte_aid_382010.html

Gibt es nicht doch neue Heroen am Horizont, die sich für die vom Bankenbashing so geplagten leider ganz unersetzlichen Finanzinstitute in die Bütt werfen? Es gibt sie tatsächlich, vielleicht nicht A-Klasse, aber doch B-und C-Promis. 

Werfen wir doch z.B. mal über das gleißende Scheinwerferlicht einen Blick auf Niki Lauda, dessen Gesicht seit seinem schweren Unfall in der Formel Eins einige tiefe Furchen aufweist, die man aber jetzt plötzlich nach dem Finanztsunami auch als markante Gräben ansehen kann, sprich als wettbewerbs differenzendes und belebendes Marketingelement.

Seit kurzer Zeit wirbt der Rennexperte nun für die Ing-Diba Austria. Offizielle Begründung:

Er soll als „Testimonial“ im Werbe-Relaunch der Bank auftreten. Lauda soll „in für ihn typisch humorvoller Art zum Ausdruck bringen, dass er immer und überall ein cleverer Sparer ist, der schließlich nichts zu verschenken hat“, heißt es in der Aussendung der ING-DiBa.

„Mit Niki Lauda assoziiere man Innovationskraft bei gleichzeitiger Beständigkeit, einen durch und durch wirtschaftlich denkenden und handelnden Menschen und einen sympathischen Österreicher – Werte, die hervorragend zu den Botschaften und der Geschäftsphilosophie der ING-DiBa Austria passen“, meint Katharina Herrmann, CEO und General Manager der Bank.

Quelle: http://www.oe24.at/leute/Niki-Lauda-wirbt-fuer-ING-DiBa-0541864.ece

Niki Lauda ist tatsächlich ein Glücksfall für die Banken. Denn er zeigt symbolisch betrachtet, wie man nach einem fast tödlichen Autounfall wieder wie Phönix aus der Asche zum Leben erwacht, und sich nicht unterkriegen lässt. Das gilt ja bekanntlich im übertragenen Sinne auch für die Finanzindustrie.

Wir aber fragen uns, wo ist eigentlich Günther Netzer, der Fußballgenius und ARD-Chefexperte – er warb mal für die zur Dresdner Bank gehörige Fondsgesellschaft DIT, geblieben? Auf dem Weblog Off-the-Record kann man nachlesen, dass der Privatanleger, der der Fußballlegende Netzer vor ein paar Jahren ohne groß nachzudenken folgte, nur bei extrem richtigen Timing finanziell einen halbwegs guten Schnitt gemacht haben dürfte:

http://off-the-record.de/2008/02/19/spiesser-alfons-grueezi-und-glueckwunsch-guenter-netzer/

Es war für die meisten Anleger eher ein verlorenes Jahrzehnt, den Markt schlagen zu wollen. Tja, in der Tat bleibt derzeit so manches mit den Promi-Testimonials – wenn sie nicht gerade wie oben bei Stefanie S. im trendigen Sinne einer grün-sozialen Ökobank ausfallen – lieber „off-the-record“ – vieles ist nicht mehr geblieben von der schönen Werbewelt, von den vor Kraft nur so strotzenden Großbanken. Kurzum: Bei Sabine Christiansen und Co., die man gerne mit Live-Testimonials in Corporate Publishing Produkten von Finanzzeitschriften bewundern konnte – ist der Lack inzwischen ziemlich abgeblättert:

http://www.muehlhausmoers.de/agentur/mehrwert/index_20060412180431.html

Wir ahnen es, es dämmert nicht nur den Göttern, die geschädigte T-Aktie sind wir alle, doch wo sind die Werbeträger, die sich ähnlich wie der aus der Ex-DDR stammende Fernsehstar Manfred Krug mit einer reuigen Beichte beim Bürger outen?

Wie sagt man so schön, über Geld spricht man nicht, weil man selbst auf hohem Niveau selbst was davon eingebüßt hat – und wenn doch, dann nur im Sinne eines scheuen Rehs hinter vorgehaltener Hand. Wir warten also auch weiterhin auf das nächste Coming Out eines reuigen Bankengewerbe-Promi-Testimonal-Sünders, der sein Geld jetzt nur noch an eine Öko- oder Genossenschaftsbank vergibt.

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Written by lochmaier

Januar 6, 2010 um 8:43 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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