Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Dezember 2009

Vertrauen für jedermann: Facebook treibt virtuelles Bezahlverfahren „Credits“ voran

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Parallel zur Ausbreitung und Verschmelzung zwischen mobilen und internetbasierten Bezahlverfahren stellt sich die Frage, ob sich Bezahlvarianten auch direkt über soziale Netzwerke verbreiten, in denen die Nutzer selbst mit ihren Ideen aktiv werden.

Der dafür prädestinierte Vorreiter wäre natürlich das amerikanische Netzwerk Facebook, in dem sich laut Einschätzung vom Betreiber im Sommer 2009 weltweit mehr als 250 Millionen Menschen registriert haben, davon allein in Deutschland rund 3,3 Millionen Menschen.

Auf einen finanziellen Gegenwert von 300 bis 500 Millionen US-Dollar kalkulieren Experten den über die hauseigene Währungseinheit ‚Facebook Credits’ generierten Austausch von Gütern und Dienstleistungen. Diese virtuelle Bezahlvariante funktioniert so: Die Nutzer „tauschen“ seit der ersten Testphase im November 2008 anhand des neuen Zahlungsmittels mit anderen Nutzern ihre Produkte, wie Spiele, Musik, Bücher und vieles mehr.

Die Mitglieder bezahlen die jeweiligen Produkte in der virtuellen Auslage des Facebook-Geschenkeladens jedoch nicht in US-Dollar oder in Euro, sondern mit ‚Credits’, die diese gegen Bargeld eingetauscht haben. Seit dem Frühjahr 2009 hat das soziale Netzwerk Facebook die virtuelle Währung ‚Credits’ in einer längeren Testphase von Drittanbietern in deren geschäftliche Anwendungen und Online-Shops integrieren lassen, und zwar als gleichberechtigte Zahlungsweise neben der Kreditkarte.

Bislang hat das System in seiner Bedeutung für den Kauf- und Verkauf von virtuellen oder realen Gütern zwar nur eine begrenzte Bedeutung. Jedoch stellt Facebook Credits als eines der derzeit einflussreichsten Entlohnungssysteme in der virtuellen Geldökonomie ein wichtiges Element dar, denn die Nutzer können sich gegenseitig ‚Credits’ vergeben, gerade wenn sie Geschenke für andere kaufen.

Das Fernziel dürfte eine Art „virtueller Tauschring“ sein, der auf einer Balance zwischen sozialen und monetären Komponenten basiert. Auch technologisch rüstet der soziale Netzwerkbetreiber Facebook weiter auf. Seit August 2009 können die Nutzer ‚Credits’ auch über mobile Telefone und Applikationen wie Zong ordern.

Aber: Letztlich stellt dies jedoch für die Betreiber und Gründer der Plattform jedoch vor allem ein Mittel zur Kundenbindung dar, als eine alternative Währungseinheit, die den monetären Kreislauf umgestaltet. Nun kommt das große Fragezeichen, worüber sich trefflich spekulieren lässt: Das Augenmerk von Facebook dürfte demzufolge kaum darauf ausgerichtet sein, ein komplett eigenes Bezahlsystem zu entwickeln, oder eine virtuelle Standardwährung zum realen Cash bereit zu stellen.

Vielmehr könnten ‚Facebook Credits’ die Wegstrecke zwischen den Entwicklern und Nutzern von zusätzlichen kreativen Webshopelementen (Apps) beschleunigen – und somit deren geschäftliche Interaktion ohne Zwischenstation beflügeln. Oder ist doch mehr dran an den virtuellen Währungseineinheiten?

Schwer voraus zu sehen wie das Orakel von Delphi. Aber: Andere werden nachziehen, so hat die deutsche Community StudiVZ bereits angekündigt, ab dem zweiten Quartal 2010 ein Bezahlsystem einzuführen, damit Nutzer virtuelle Güter kaufen und verkaufen können.

Virtuelle Währungen sind eine Art von kreativer „Bankdienstleistung“, die Zeit des rein verwalterisch gehandhabten Online-Bankings wird um neue Zusatzelemente bereichert. Vielleicht ersetzt das mobile Telefon irgendwann teilweise die Kreditkarte. Und hierin liegt das evolutionäre Potential von virtuellen Währungen wie Facebook Credits, sie treiben individuelle Spielarten von „Personal Finance“ voran, ein Markt, der in den USA schon erheblich fortgeschrittener ist als hierzulande.

Und bekanntlich schwappt irgendwann jeder Trend zu uns über den großen Teich, wie ich schon am Beispiel von Mint.com gezeigt habe. In der Facebook-Community sind laut offiziellen Angaben vom Betreiber bereits 43.000 Fans versammelt. 

Gesellschaftlich gesehen spielt dem Trend nicht primär das Bedürfnis nach sozial-ökologischen Spielvarianten in die Hände (Stichwort Regionalwährungen) , als vielmehr die zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich, die insbesondere aus den unteren und mittleren sozialen Schichten heraus neue Modelle und Bankdienstleistungen hervor bringen wird. Auch hier stellt die USA die Blaupause für die künftige Entwicklung dar.

Written by lochmaier

Dezember 11, 2009 at 8:12 am

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Prosper.com: Hälfte der Verbraucher schuldet „nur“ um – Kreditsituation spitzt sich weiter zu

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Dass auf der „sozialen“ Kreditplattform von Mensch-zu-Mensch Prosper.com eine ziemliche Schieflage herrscht, darüber hat Social Banking 2.0 mehrfach berichtet. Nun gibt es neue amtliche Zahlen: Mehr als jeder zweite dort zustande gekommene Kredit ist einer, der aus einer Umschuldung stammt. Das zeigt: Die Lage der amerikanischen Verbraucher ist nach der Finanzkrise keineswegs entschärft, sondern es ticken nach wie vor etliche kleine Zeitbomben.

Wer da jetzt etwa an die allzu freigiebige Kreditkartenindustrie denkt, liegt nicht unbedingt falsch. Und wer dann auch noch mit 17 statt mit 10 Prozent Arbeitslosigkeit konfrontiert wird, der lässt irgendwann die Flügel hängen. Erschreckend für hiesige Verhältnisse mutet das hohe zweistellige Zinsniveau an, das die Konsumenten bzw. Kreditnehmer über prosper.com zu bedienen haben.

Ob der Griff in die personale Trickkiste klappt, darf erstmal gespannt erwartet werden: Denn der prominente Neuzugang bei prosper.com heißt Nick Talwar und ist ehemaliger Leiter der Citibank Schweden. Die heißt ja jetzt wegen der kleinen Missgriffe mit den Lehmann-Zertifikaten künftig Targobank. Talwars neues Kommando auf der rostigen Zugbrücke: Als „Chief Revenue Officer“ – gibt’s dafür eigentlich kein deutsches Wort wie „Einnahmeneintreiber“  – will und darf der Banker prosper.com wieder auf Wachstumskurs hoch päppeln.

Wir hegen nun, als gründliche, an allem gerne herum krittelnde Deutschen, noch leise Zweifel: Yes we can, dieser Slogan scheint da kaum mehr angebracht. Denn auch auf dem amerikanischen Pendant Lending Club sind „Rosinenpicker“ unterwegs, also renditeorientierte Menschen, die auf deutlich zweistellige Gewinne setzen, nachzulesen etwa in der American Banking Review:

The first type of investor that the company says its seeing is what they call diversifiers. These investors hope to minimize their exposure to any single loan and try to invest their funds across as many different loans as possible. These investors are hoping to minimize their risk while getting a reasonable rate of return on their money.

The second type of investors that Lending Club has observed is loan pickers. These investors invest larger sums of money into each type of loan, however they do a much more thorough job of reviewing each loan listing’s data and go to the extent of asking borrowers lots of questions about their financial situation and purpose of the loan. These types of investors are generally out to “beat the market” and hope to get better rates of return by being more selective about who they fund loans for.

Quelle: http://www.americanbankingnews.com/2009/12/04/lending-club-highlights-two-types-of-investors/

Es ziert sich sicherlich für den mittelfristigen Erfolg einer Social Lending Plattform, die dieses Etikett sich noch verdienen will, wenn die zweite Gruppe der renditeorientierten Rosinenpicker nicht gänzlich die Kontrolle über die Chefetage der Betreiber übernimmt.  Und natürlich stellt sich auch die Frage, ob da die Rechnung für die privaten Geldverleiher in den kommenden zwei bis drei Jahren noch aufgehen kann.

Wie dem auch sei – Es sind im Falle von Prosper.com kluge und weitsichtige Investoren gefragt, die das Geschäftsmodell reorganisieren und auf eine sachlich vernünftige und transparente Grundlage stellen. Wer die Details der Platzierungen aus der Statistik für November 2009 nachlesen will, wird hier in der aktuellen Pressemitteilung von Prosper.com fündig:

http://www.prosper.com/about/media_press_releases.aspx?t=Prosper_Sees_Spike_in_Borrowers_Seeking_to_Knock_Out_Credit_Card_Debt

Auch die prominente Spendenplattform kiva.org quält sich gerade mit einem Stresstest herum, da sie eine halbe Million US-Dollar vom „falschen“ Unternehmen angenommen hat. Die sprudelnde Geldquelle aus dem Hause Chevron trifft offenbar nicht überall den Nerv der Zeit, weshalb P2P-Banking titelt: Im gemeinsamen Bett mit dem Feind:

http://www.wiseclerk.com/group-news/services-microfinance/kiva-in-bed-with-the-enemy-kiva-chevron-grant/

Und wie ist die Lage im guten alten Europa, das mit dem alt stimmt schon mal, demographisch gesehen zumindest. Nun ja, die dänische Version von Social Lending MyC4 hat schon mal weiterhin eine ziemlich extreme Schieflage, wie man ebenfalls auf P2P-Banking hier nachlesen kann. 

Aber es gibt natürlich neben Schatten auch noch etwas Licht. Der Grundgedanke von Social Lending kann auch auf längere Sicht funktionieren. Wie gut etwa wirtschaftet Zopa in Großbritanien, wo sich im einen Auge des Finanzorkans gerade die Balken kräftig biegen, und die Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise erst begonnen haben?

Keine Fata Morgana aus dem fernen Osten ist es sicherlich, dass Indien bald seine Ex-Mutter als Ex-Satellit wirtschaftlich überholen dürfte, wie der Spiegel online in seinem Beitrag „Großbritannien schrumpft zur Mini-Macht“ feststellt:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,666166,00.html

Nun ja, zumindest der britische Humor funktioniert noch zuverlässig. Oder wie lässt sich mit Zopa titeln: Neugestaltete Richtlinien „not zo bad“ – Während das amerikanische Pendant Prosper.com ums Überleben kämpft, – dort kann man der Marke nur kreative Macher wünschen, die den Kern durch eine klare Umstrukturierung vor dem Verfall retten – zeichnet sich bei der britischen Peer-to-Peer-Kreditbörse Zopa nämlich eine kreative Umgestaltung an. Darüber berichtet der britische Telegraph mit der kreativen Nebenzeile „not zo bad“:

http://www.telegraph.co.uk/finance/personalfinance/comment/iancowie/6616037/Savers-need-not-suffer-rotten-returns.html 

Worum geht es letztlich? Natürlich um die Ausfallraten der Kredite. Diese müssen möglichst gering gehalten werden, damit die Anleger, aber auch die ganze virtuelle Kreditgemeinschaft, solide wirtschaften, also das ganze System keine Schieflage erhält. Leider kann sich nicht jede Firma ihre Kundschaft aussuchen, und das gilt auch für die Plattformbetreiber.

Warum nicht einen neuen Anlegertyp von der Stange weg neu designen? Lending Club hat es schon mal mit dem Ansatz eines „Diversipicker“ versucht, und hofft dadurch auf Anlegerseite auf einen Mix zwischen dem ganz renditegierigen und dem vielleicht etwas zu vorsichtigen Geldmenschen. Leider klappt es dann mit der Umsetzung der Strategie noch nicht so richtig, weil es viel Arbeit verursacht, die dann auf viele Schultern verteilten Darlehen gezielt zu sondieren.

Wohl kaum die bislang nur theoretisch avisierte Zielgruppe der „Diversipicker“ im Blick haben dürfte die zweite deutsche Social Lending-Plattform Auxmoney. Dort sind vor allem die „Rosinenpicker“ (loan picker), die nach hohen Renditen streben, gern gesehene Gäste als Investoren. Mit dem Ursprungsgedanken von zumindest ein bisschen „social“ im Social Banking 2.0 hat das kaum mehr zu tun. Man wünscht sich in der Tat eine Redefinition in Richtung Common Banking

So gesehen darf also weiter am virtuellen Geldmenschen 2.0 geköchelt und hoffentlich nicht gezündelt werden. Ganz andere Probleme hat da derzeit das deutsche Pendant Smava. Dort halten sich die Renditeversprechen bislang in einem mittleren Bereich, der die Interessen zwischen Kreditnehmer und Darlehensgeber in einem soliden Geschäftsmodell austariert.

Nicht nur dass das Peer-to-Peer-Kreditgeschäft über eine neue Partnerschaft von www.smava.pl auch so langsam im Nachbarland Polen anzurollen scheint, auch auf dem Heimatmarkt hat sich die Wachstumskurve seit diesem Frühjahr deutlich beschleunigt. Da bleibt jetzt für die gestressten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum mehr selbst die Zeit, um sich auch noch als kreative Werbetexter zu betätigen.

Den Werbepitch 2.0 um einen neuen Werbeslogan auf der Plattform – der den bisherigen Kredite von Mensch-zu-Mensch ersetzen soll – hat Smava kurzerhand an die Community ausgelagert, für den Gewinner gibt es sogar ein kleines Preisgeld. Bis zum Ende des Votings am 15.12. kann der Social lender oder Social Voter zwischen fünf Vorschlägen auswählen, wovon einer am Ende das Rennen machen soll:

http://www.smava-blog.de/2009/12/09/abstimmung-fuer-den-besten-smava-slogan/

Written by lochmaier

Dezember 10, 2009 at 7:55 am

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Mint.com: Personal Finance Plattform spielt kreativ mit US-Arbeitslosigkeit

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Dass die Arbeitslosenzahl in den USA nur offiziell bei rund 10 Prozent liegt, inoffiziell aber weit höher, nämlich bei rund 17 Prozent, das verdeutlicht die Plattform für Online Finance Management Mint.com in einem gut gemachten Sensibilisierungsvideo auf Youtube:

Was es mit der Aktion so alles auf sich hat, darüber berichtet auch das Weblog readwriteweb:

http://www.readwriteweb.com/enterprise/2009/12/mintcom-the-unemployment-game.php

Mint.com ist in der Tat eine der erfolgversprechendsten Anbieter auf dem bislang noch recht diffusen Markt für Dienstleistungen rund ums Social Banking 2.0.  Schon spekulieren Insider in den USA wie auf der Plattform Seeking Alpha ersichtlich darüber, ob Mint.com die Revolution im Consumer Banking einleitet.

http://seekingalpha.com/article/177257-might-the-consumer-banking-revolution-be-coming

Ein kleiner Auszug der entscheidenden Pointe zu Mint.com:

It’s built up an enormous dataset over the years — $3 trillion of transactions from 23 million users have been cleaned up and put into a huge database by 500 employees — and it’s now going to open up that database to software developers around the world. People like Josh will be able to write applications, or “widgets”, which will allow people do do things with their personal finances which until now simply haven’t been possible.

Immerhin, die Plattform ist mit finanzkräftigen Investoren gut aufgestellt, seitdem sie der Hersteller von Standardsoftware Intuit für 170 Millionen US-Dollar im September übernommen hat – und sie weist somit das Potenzial auf, den gesellschaftlichen Mainstream in den nächsten Jahren zu erreichen. Wer weiß, vielleicht werden ja Konten im Online-Banking künftig viel individueller und kreativer geführt als heute.

Vielleicht haben sich dann auch die zwar effizient arbeitenden, aber irgendwie aufgrund von Ideenlosigkeit etwas in die Jahre gekommenen Direktbanken überlebt. Und vielleicht beginnt dann via kreativ geschriebener Zusatzanwendungen und Plattformen wie Mint.com, Yodlee, Geezeo – oder über Facebook usw., die neue Ära der Direktbank 2.0, bei der sogar zur Abwechslung mal die Nutzer die Hauptregie führen, oder? Andererseits ist nicht jede Software automatisch gut, die einen kompletten Überblick über alle Ausgaben und Einnahmen vermittelt.

Dennoch: Während sich hierzulande noch eine kleine Schar von wenigen hundert Außerirdischen als Anhänger auf einzelnen Social Banking Plattformen tummelt, sieht es in den USA, glaubt man zumindest den offiziellen Zahlen, doch etwas fortgeschrittener aus. Mint.com zählt etwa auf Facebook rund 43.000 Fans in der Community. Und wie wir zu unserem Trost wissen, schwappen die Trends aus dem Land der mittlerweile begrenzten Möglichkeiten irgendwann – im guten wie im schlechten – zu uns nach good old Europe herüber. Wer mehr wissen will, wird u.a. hier im Weblog von Mint.com fündig:

http://www.mint.com/blog/

Written by lochmaier

Dezember 9, 2009 at 5:37 pm

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Auxmoney: Von goldenen Kreditkarten, Schufa-losen Krediten, hohen Renditen, und neuen Kooperationen

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Wer sich auf dem zweitgrößten deutschen Portal zur menschlichen Kreditvergabe ohne Banken umschaut, findet schon das eine oder andere kuriose Exempel, dass sich die alte von der neuen Finanzwelt nicht wirklich unterscheidet. Fangen wir mal mit den Renditeversprechen auf der Plattform Auxmoney an, denn es sind schon 14 bis 15% drin, wenn Anleger dort ihre Einlagen investieren, um hernach Kredite an die dürstend-suchende Schar auszureichen. Wie wär es mit einem Kredit für das zweite Gebiss oder den dritten rassigen Edelhund im Haushalt?

Nicht schlecht eigentlich, fragt sich nur, wer zu solch exorbitanten Zinssätzen ein Darlehen aufnehmen muss, die deutlich über den gängigen Anbietern auf dem klassischen Kreditmarkt liegen. Im Fachjargon basiert dieses Geschäftsmodell wohl auf einer Art „sozialen Schließung“, in diesem Fall tendiert der Sog leider steil nach unten. Im Berliner Tagesspiegel findet sich ein ganz interessanter Vergleich und Beschreibung zum „Social Lending“:

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Finanzen-Onlinekreditboersen;art130,2959447

Wer die beiden Varianten nüchtern und eher bilanztechnisch gesehen etwas genauer vergleichen will, wird hier im aktuellen Eintrag bei P2P-Kredite fündig:

http://www.p2p-kredite.com/auxmoney-smava-kredite-vergleich-vorteile-nachteile-und_2009.html 

Hier nun stelle ich mit Auxmoney die Preisfrage: Sind Sie ein renditeorientierter bis -gieriger Anleger, der von den niedrigen Guthabenzinsen auf dem Tagesgeld- oder Festzinsgeldkonto endgültig gefrustet ist? Bitte schön – reichen Sie den schwarzen Peter doch an andere weiter – hier erhalten Sie ganz locker ein paar Tipps, wie sie ihre Rendite bei Auxmoney nach oben schrauben können:

http://www.firmenpresse.de/pressinfo139134.html

All das geschieht trotz der Einbindung via „Zertifizierung seitens der SWK Bank letztlich ohne jegliche wirklich bindende Garantie, versteht sich, denn die Plattform hat ja vorab ihre Gebühren schon kassiert (immerhin 9,95 Euro pauschal und dann noch 1,95 % von der Kreditsumme oben drauf, wenn das Geschäft klappt), und der Anleger muss dann zusehen, wie und ob es gut für ihn ausgeht, denn schließlich gibt es auf Auxmoney auch Kredite ohne Schufa-Auskünfte.

http://www.auxmoney.com/kredite/Darlehen-Kredit+ohne+SCHUFA-Kredit+ohne+Schufa%2C+g%FCnstige+Kredite+auch+ohne+Schufa%2C+Kredit+ohne+Schufa+bei+auxmoney.com.htm

Da könnte sich in den nächsten zwei bis drei Jahren, analog zu Prosper.com in den USA, schnell ein kleiner Überhang an „faulen Krediten“ aufbauen, deren Geld irgendwann im Nirwana verpufft, statt wie vereinbart, an den Anleger zurück zu fließen.  Gut für alle jene, die schon vorher kassiert haben, als die Renditen noch hoch waren. Aber bei Prosper.com sieht man deutlich, wo die Reise hingeht, wenn nicht ein paar beherzte Investoren mit Weitblick einspringen:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/19/usa-prosper-com-verliert-weiter-an-bodenhaftung/

Übrigens: Nicht dass der falsche Eindruck entsteht, Social Banking 2.0 fände die Schufa als Alleinherrscher über die deutsche Kreditwürdigkeit wirklich toll, aber die eine oder andere Rückprüfung, ob ein Kredit einschließlich dem Verwendungszweck überhaupt Sinn macht, ist schon nützlich. Es muss nicht nur das berechtigte Interesse des Geldgebers geschützt werden, sondern manchesmal auch ein allzu leichtfertiger Kreditnehmer vor sich selbst.  

Sprich, nicht jeder Wunschtraum im Leben, muss wahr werden, wenn er sich danach in einen Alptraum verwandelt. Und der Betreiber, bzw. eine Bank dahinter zur Einlagensicherung, wie beim seriösen Pendant Smava der Fall, ist ein Muss. Das sieht bekanntlich seit Jahren auch die Stiftung Warentest so, die von der Plattform Auxmoney eher ab- und zum Gebrauch von Smava eher zurät. Die letzte „Warnmeldung“ datiert übrigens vom November dieses Jahres,

http://www.test.de/themen/steuern-recht/meldung/-Kredite-im-Internet/1822643/1822643/ 

Die auxmoney GmbH fiel laut Stiftung Warentest nicht nur mit einer ziemlich dreisten Werbung auf, wobei man die Strippenzieher der Plattform namentlich nicht mal wirklich dingfest machen kann. Auch beim Rechteklau tat sich der Betreiber hervor, als er einen Bericht von Finanztest aus dem Internetangebot der Stiftung Warentest kopierte und auf der eigenen Homepage feilbot. Die Stiftung Warentest hat beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung erwirkt, um den Artikelklau zu unterbinden. Aber mehr noch: Auxmoney verfälscht auch die Kernbotschaft der Stiftung Warentest, bei der aus einer Warnung ein Einladungsschreiben wird, berichtet der Antiabzockenet.blogspot hier:

http://antiabzockenet.blogspot.com/2009/11/finanztest-warnt-vor-auxmoney.html

Wem aber nun all diese kleine Renditeversprechen und netten Anhängsel nach der Finanzkrise noch nicht zur individuellen Lernkurve ausreichen, und wer gerne das „Business as usual“ in der Finanzindustrie nach dem wenig transparenten Regelwerk von Auxmoney weiterspielen möchte, für den gibt es auf dem Auxmoney Blog noch eine goldene Kreditkarte oben drauf, na klar, wir wussten es, natürlich völlig ohne jegliche Kosten:

http://www.auxmoney-blog.de/blog/

Die Mastercard Gold sollte man natürlich auch so benutzen, wie es viele Amerikaner getan haben, die meist gleich mehrere davon beim Einkaufen mit dabei hatten – bis zur Finanzkrise natürlich nur – und die am Ende den kompletten Überblick verloren hatten, wieviel Miese sich dann plötzlich auf dem privaten Gemeinschaftskonto der Familie angesammelt haben.

Aber denken wir in Deutschland mal positiv amerikanisch: 10.000 Euro auf der Sollseite aufgelaufen – no Problem – wir haben ja unseren sicheren Job, oder hatten wir den nicht eher? Kredit fürs Auto, fürs Haus, für den Rasenmäher, all das lässt sich doch sicherlich auch weiter bedienen, wenn der monatliche Gehaltsscheck höher ist als der Gegenwert eines Big Burgers.

Um den Marktführer Smava, der seit den beiden Jahren nach Gründung in 2007 rund 18 Mio. Euro Kredite ausgereicht hat, endlich zu überholen, darf man gespannt sein, was sich Auxmoney noch so alles ausdenken wird.  Falls die selbst verwaltete Risikostreuung für den Anleger doch mal schiefgeht – zu den Partnern der SWK Bank zählen unter anderem die Cigna Versicherung, die die  Restkreditversicherung für  Kreditnehmer von Auxmoneyanbietet.

Wie wäre es mit einer neuen Kooperation – einem Zweit- und Drittmarkt für ausgefallene Kredite, schließlich könnte da so einiges auflaufen in nächster Zeit? Und da wäre es doch nicht schlecht, wenn keiner mehr rückverfolgen könnte, aus welcher Ursprungsquelle das Darlehen mal gespeist worden ist.  Aber das ist jetzt eine andere Geschichte, nämlich die der „Finanzblase 2.0 reloaded“, herbei geführt mit Hilfe von „sozialen“ finanziellen Netzwerken. Und diese Finanzkrise wollen wir doch jetzt nicht künstlich herbeireden, oder?

Übrigens: Heute, am Dienstag, den 08.12., kurz nach dem Mittagessen, lese ich über Twitter den folgenden Weckruf von Auxmoney: „Wir werden in Kürze eine neue bedeutene Kooperation bekanntgeben, die noch weiteres Anlegerwachstum bedeutet! Kreditnehmer: Good News!“

Kommentar: Viel Erfolg muss man Auxmoney angesichts dieser „bedeutenden Kooperation“, die in Bälde beginnt, wohl nicht mehr wünschen. Wir werden die Nachricht, wie es sich für die friedliche Adventszeit mit den vielen geschlossenen Türchen so gehört, natürlich sofort an die leicht zur Seite geneigte Lesergemeinde von Social Banking 2.0 nachreichen….

Written by lochmaier

Dezember 8, 2009 at 1:54 pm

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Interview – Wie die GLS Bank auf Social Media setzt

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Sie ist das bislang größte deutsche Institut unter den Ökobanken, und hat erst jüngst mit der ersten deutschen Niederlassung von Triodos in Frankfurt einen starken Mitbewerber um die nachhaltige Kundenklientel erhalten. Es ist die Rede von der GLS Gemeinschaftsbank in Bochum.

Johannes Korten leitet den Online-Vertrieb und erläutert im Gespräch mit Social Banking 2.0, wie das nachhaltige Institut sich den Herausforderungen der Zukunft stellt, und zwar insbesondere mit Blick auf die Einbettung von sozialen Medien, wie also „Social Media“ auf Augenhöhe den Kundendialog auf einer breiten Nutzerbasis konstruktiv verankern könnte.   

Social Banking 2.0: Welcher Rolle spielen denn soziale Medien bei der führenden deutschen Ökobank GLS Gemeinschaftsbank heute bereits?

Die GLS Bank legt schon seit ihrer Gründung größten Wert auf Transparenz und dialogische Kundenkommunikation. Soziale Medien sind mittlerweile fester Bestandteil im Kommunikations- und Marketing-Mix. Soziale Medien sind für uns eine konsequente Fortsetzung dessen, was wir bisher schon in „konventionellen“ Kundenmedien wie unserem dreimal jährlich erscheinenden Bankspiegel gelebt haben. Dort veröffentlichen wir jeden Kredit, den wir vergeben, und nehmen uns regelmäßig gesellschaftspolitisch relevanter Themen an, die sich um menschliche Grundbedürfnisse wie Energie, Ernährung, Wohnen, Bildung, Gesundheit und Umweltschutz drehen. Dies weiten wir nun mehr und mehr auch auf die sozialen Medien aus.

Social Banking 2.0: Welches Feedback erhalten Sie von den Kunden, das sich unmittelbar auf die Geschäftspolitik und die Produkte auswirkt, gibt es dazu praktische Beispiele?

Positives Feedback bezüglich unseres Geschäftsmodells erreicht uns regelmäßig, produktbezogenes Feedback gab es bisher eher in Ausnahmefällen. Das mag auch daran liegen, dass wir unsere Angebote nicht allzu sehr in den Mittelpunkt unserer Kommunikation in sozialen Medien stellen. Soziale Medien sind in unseren Augen eher Kommunikations- und Dialogmedien, als klassische „Werbekanäle“. Es haben uns auch schon Anregungen beispielsweise via twitter erreicht, die dazu geführt haben, dass wir Prozesse überprüft und verändert haben. Wir nutzen die sozialen Medien gezielt zum Zuhören. Anregungen greifen wir auf und prüfen sie beispielsweise in unserem normalen Angebotsentwicklungsprozess dahingehend, ob wir tatsächlich einen Markt für das Angebot identifizieren und ob wir es vor allem auch technisch/prozessual umsetzen können.

Social Banking 2.0: Oder anders gefragt: Ist der Einsatz eher „end of pipe“ angesiedelt, oder ist geplant, Social Media künftig noch direkter in den konstruktiven Kundendialog einzubeziehen?

Wir nutzen unsere Aktivitäten im Bereich sozialer Medien bereits heute für den direkten Dialog mit Menschen. Bisher haben wir unsere Bemühungen jedoch noch nicht umfassend in unseren Internetauftritt integriert. Noch bilden Twitter, Blog und Facebook eher Insellösungen. Hier werden wir im neuen Jahr jedoch einen deutlichen Schritt in Richtung Integration gehen. Wir erhoffen uns hiervon auch eine deutlich stärkere Nutzung der Medien im Kundensegment. Bisher erreichen wir überwiegend neue Zielgruppen. Ob Kunden künftig unmittelbar in den Angebots­entwicklungsprozess einbezogen werden, vermögen wir heute noch nicht zu sagen. Das hängt auch ganz entscheidend ab, wie konstruktiv sich die Nutzerinnen und Nutzer der sozialen Medien in diese Prozesse einbinden und einbringen. Bisher stellen wir an dieser Stelle eher Zurückhaltung fest.

Social Banking 2.0: Welche Chancen, aber auch welche Grenzen bietet Social Media im Bankenumfeld, was geht, was geht eher nicht?

Wenn Banken wirklich transparent werden und offen kommunizieren wollen, bergen soziale Medien große Chancen. Es ist immer eine Frage von Inhalten, die aktiv kommuniziert werden. Eine echte, tiefgehende Kundenberatung lässt sich über soziale Medien sicher nicht realisieren, denn für eine fundierte Beratung ist der unmittelbare persönliche Kontakt am Telefon oder in der Filiale unabdingbar. Allerdings können sehr wohl Serviceprozesse verlagert und verbessert, Empfehlungen ausgesprochen und Kundenfragen z.B. zu Angeboten beantwortet werden. Auch im Bereich Support ist der Einsatz bestimmter sozialer Medien wie Twitter oder Skype denkbar.

Social Banking 2.0: Wie lange soll denn die Leine sein, den die GLS Bank mit Blick auf ungeschönte Kommentare etwa via Twitter oder Facebook etc. dem Kunden lassen will?

Die „Leine“ ist prinzipiell immer so lang, wie Kommunikation von gegenseitiger Wertschätzung und gegenseitigem Respekt geprägt sind. Auch wenn es um vermeintliche Fehler oder Kritik geht, sollte die Form gewahrt werden. Hierzu bedarf es dann klarer Positionen in Einzelfällen, was geht und was nicht geht. Wir sehen uns in den sozialen Medien auf unseren Plattformen als „Gastgeber“. „Gastgeber“ dürfen selbstverständlich konstruktiv kritisiert und/oder hinterfragt werden. Gleiches gilt natürlich auch für die Kommunikation der „Gäste“ untereinander. Insbesondere unter Beachtung von Bankgeheimnis und Datenschutzvorschriften ist es schwierig, Einzelfallentscheidungen öffentlich zu diskutieren. Hier muss im Einzelfall genau abgewogen werden, wie weit man eine Diskussion führen kann bzw. darf.

Social Banking 2.0: Wodurch unterscheidet sich denn die GLS Bank von zwei anderen Banken, die in Deutschland gerade an den Start gegangen sind, der Noa Bank einerseits, und der Triodos Bank, die kürzlich in Frankfurt die erste deutsche Filiale eröffnet hat?

Die Abgrenzungsdiskussion gegenüber den genannten Banken wollen wir nicht führen, da sie unseres Erachtens weder für die Bank noch für die Kunden zielführend sein kann. Grundsätzlich bringt jeder Wettbewerb frischen Wind mit sich und sorgt für eine erhöhte Aufmerksamkeit, wenn es um das Anliegen sozial-ökologischer Geldanlage und Mittelverwendung geht, für das wir seit 35 Jahren stehen. Das ist gut und das begrüßen wir sehr, ist es doch eine Bestätigung unserer Arbeit. Wir haben seit jeher eine klare Position, wie wir Bankgeschäft betreiben. Diese stellen wir transparent dar und daran lassen wir uns gerne messen. Unser Kundenzulauf zeigt, dass wir damit sehr gut für die Zukunft aufgestellt sind. Wenn unser Anliegen damit mehr und mehr aus der Nische tritt und die Art, wie wir Bankgeschäft betreiben, zunehmend in der Mitte der Gesellschaft ankommt, dann ist das ein positiver Effekt. Denn letztlich geht es uns darum, eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung zu fördern.

Social Banking 2.0: Und eine Bilanz: Welche Rolle spielen denn künftig im nachhaltigen Bankensegment die sozialen Medien als direktes Fenster zum Kunden, so dass dieser, stärker als bisher der Fall, das jeweilige Geldinstitut als eines zum „Anfassen“ und Mitgestalten erlebt?

Gerade bei den nachhaltigen Banken wird die Nutzung sozialer Medien sicher integraler Bestandteil der Kommunikation und Marktentwicklung sein. Zumindest, wenn sie ihre Kundinnen und Kunden ernst nehmen. Schließlich müssen diese Banken die Transparenz nicht fürchten. Dabei wird der Medienmix und die Art der Nutzung sicher variieren, aber für eine moderne, sozial-ökologische Bank führt unseres Erachtens kein Weg an sozialen Medien vorbei. Wichtig wird dabei sein, die Unternehmenspersönlichkeit authentisch und glaubwürdig zu transportieren.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Dezember 8, 2009 at 8:14 am

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Mikroversicherungen 2.0: Weltweit ein Milliardenmarkt?

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Bislang sind gerade Menschen in unteren gesellschaftlichen Schichten kaum gegen Risiken versichert. Sie sind schlicht nicht „kreditwürdig“ und stellen damit ein zu hohes Risiko für die Versicherungsbranche dar.

Ist das wirklich so? Für das margenträchtige Bankengeschäft mag dies stimmen. Nun aber lässt sich etwa auf dem Internetportal Finanznachrichten.de folgende vermeintlich kleine Randnotiz nachlesen:

In der letzten Woche veröffentlichte Lloyds eine neue Studie des
Microinsurance Center (MIC), in deren Rahmen die Grösse dieses
Marktes auf 1,5 bis 3 Milliarden Versicherungspolicen geschätzt wird.
Zudem zeigt die Studie, dass etwa 135 Millionen Menschen bereits
durch Mikroversicherungen geschützt werden, und dass die jährliche
Wachstumsrate über 10 % beträgt, wobei lediglich 5 % des Marktes
durchdrungen werden konnten. Daher ergeben sich in diesem Bereich
beträchtliche Möglichkeiten.

Quelle: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2009-11/15564926-fuehrender-globaler-rueckversicherer-scor-investiert-in-den-wegweisenden-mikroversicherungs-fonds-leapfrog-006.htm

Also gibt es doch einen Markt für Mikroversicherungen an ausgewählte, scheinbar unterprivilegierte Personengruppen? Jedenfalls deutet in diese Richtung auch ein Artikel in der Wirtschaftswoche, in dem die beiden deutschen Schwergewichte Allianz und Münchner Rückversicherung sich entsprechend positiv über die „39-Cent-Police“ äußern:

http://www.wiwo.de/finanzen/die-39-cent-police-392255/

Man darf gespannt sein, ob aus dem weltweit prognostizierten Volumen auch reale Taten folgen, bzw. vor allem, ob es auch Modelle geben wird, im Sinne sich selbst organisierender Mikronetzwerke. Denn schließlich könnte die „Community“ sowas auch in eigener Regie managen, das erfordert aber ausgesprochen professionelle Strategien beim Chancen-Risikomanagement.

Und falls wir es doch selbst nicht hinkriegen sollten – da bedarf es auch der Hilfe von professionellen Organisationen, möchte man meinen, sofern diese den Überblick vor Ort behalten, was dort gerade manchesmal so passiert, oder eben nicht passiert. Jedenfalls hat die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) schon mal angekündigt, hier quasi die amtliche Regie für eine entsprechende Initiative mit dem Titel „Access to Insurance Initiative“ zu übernehmen:

http://www.gtz.de/de/29324.htm

Written by lochmaier

Dezember 7, 2009 at 8:00 am

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Kanada: Wie Schüler auf Cartoons lernen, mit Geld umzugehen

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Handelsblatt Finance Today berichtet, dass Kanada zwar zu den Ländern mit einem exzellenten Bildungssystem zählt, doch Wissenschaftler entdeckten nun andere Defizite: Eine Umfrage unter Schülern und Studenten zu ihren Fähigkeiten im Umgang mit Geld zeige erschreckende Ergebnisse. Weniger als die Hälfte der Befragten wüßten, wie man ein Budget aufstelle. Nur ein Drittel war überzeugt, gute Finanzentscheidungen zu treffen und nur 38 Prozent glaubten, über genug Finanzwissen zu verfügen, um nach dem Abschluss zurecht zu kommen.

Die Gefahr, dass diese Schüler und Studenten schlechte Angewohnheiten bezüglich ihrer Finanzen entwickeln, sei groß. Der Investor Education Fund hat deshalb eine Cartoon-Serie gestartet, damit die Zielgruppe Einblick in die Finanzwelt erhält und lernt, mit Geld umzugehen. Mehr Infos dazu:

http://www.getsmarterwithfunnymoney.ca/

http://money.canoe.ca/Columnists/Boggs/2009/11/27/11953766-cp.html

Vielleicht auch ein gutes Beispiel, das man hierzulande ausbauen könnte, denn über Geld wissen immer noch die wenigsten Bescheid. Das ist aber auch gut so, mag sich da der eine oder andere in der Finanzwirtschaft denken, der von diesem Unwissen oder blinden Glauben immer noch profitiert. Insofern fragt man sich, bis zu welchem Grad die Banken ein Interesse am autonomen Verbraucher haben. Social Banking 2.0 wird das Thema noch ausfuehrlicher behandeln.

Written by lochmaier

Dezember 4, 2009 at 9:45 am

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Wall Street und Community Banks: Teil des Problems, Teil der Lösung

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Es gibt nirgendwo auf dieser Welt ein Land, in dem ein den Menschen eher „freundlich“ verbundenes Bankensystem – „Community Banks“ – derart verbreitet ist wie in den USA. Der Sektor mit seinen dezentral aufgestellten Banken beeinflußt zwar nicht die große Welt von Wall Street & Co. Schaut man aber auf die Zahl und Volumina, so verwundern die Maßstäbe doch ein wenig, wie sich auf den Internetseiten der Independant Community Bankers of America (ICBA) nachlesen lässt:

With nearly 5,000 members, representing more than 20,000 locations nationwide and employing nearly 300,000 Americans, ICBA members hold $1 trillion in assets, $800 billion in deposits, and $700 billion in loans to consumers, small businesses and the agricultural community.

Quelle: http://www.icba.org/aboutICBA/index.cfm?ItemNumber=527  

Und noch etwas ist erstaunlich: Von den insgesamt 8.195 Banken in den USA seien fast 8.000 Community Banks, berichtet ICBA. Wer genauer wissen will, wie die regionale und monetäre Verteilung in den USA ausfällt, wird hier fündig:

http://www.icba.org/aboutICBA/index.cfm?ItemNumber=527

Erst kürzlich hat das ICBA sogar ein „Lending Community Bank Programm“ ins Leben gerufen, das auf „low cost“ Studentenkredite abzielt:

http://www.icba.org/news/newsreleasedetail.cfm?ItemNumber=65029&sn.ItemNumber=1733

Hier erläutert ICBA die Vorteile bzw. Grundcharakteristika von den landesweit verstreuten „Community Banks“:

  • Community banks focus attention on the needs of local families, businesses, and farmers. Conversely, many of the nation’s megabanks are structured to place a priority on serving large corporations.
  • Unlike many larger banks that may take deposits in one state and lend in others, community banks channel most of their loans to the neighborhoods where their depositors live and work, helping to keep local communities vibrant and growing.
  • Community bank officers are generally accessible to their customers on site. CEOs at megabanks are often headquartered in office suites, away from daily customer dealings.
  • Community bank officers are typically deeply involved in local community affairs, while large bank officers are likely to be detached physically and emotionally from the communities where their branches are located.
  • Many community banks are willing to consider character, family history and discretionary spending in making loans. Megabanks, on the other hand, often apply impersonal qualification criteria, such as credit scoring, to all loan decisions without regard to individual circumstances.
  • Community banks offer nimble decision-making on business loans, because decisions are made locally. Megabanks must often convene loan approval committees in another state.
  • Because community banks are themselves small businesses, they understand the needs of small business owners. Their core concern is lending to small businesses and farms. The core concern of the megabank is corporate America.

Quelle: ICBA

———————————

Die Schattenseiten von Community Banks

Das klingt alles gut – soweit also die positive Seite der Medaille. Die Kehrseite: Auch Community Banks sind in den Strudel der Finanzkrise geraten. So haben sich in diesem Jahr etwa, um nur zwei Beispiele zu nennen, nicht ganz ohne Grund, wie die Community Bank of Arizona oder die Community Bank of Nevada, in die Reihe der US-Bankenpleiten eingereiht. Das zeigt: Auch sie sind nicht nur ein Teil der Lösung, sondern gelegentlich auch ein nicht ganz unbeträchtlicher und darum ebenso verletztlicher Teil des gesamten Finanzsystems.

Kurzum: Wie so oft, hilft auch hier eine Schwarz-Weiß-Brille nicht weiter. Ein durchaus komplexes Beispiel wird hier in einem Fachbeitrag im Handelsblatt skizziert, der Autor Professor Harald Uhlig, der ein Experten-Weblog für das Wirtschaftsmedium führt, skizziert dabei seine Bedenken vor einer Überregulierung der Finanzmärkte:

http://blog.handelsblatt.com/oekonomie/2009/11/28/warnung-vor-uberregulierung-der-finanzmarkte

Spannend mit Blick auf die oben skizzierten „Community Banks“ in den USA ist vor allem die folgende Passage:

Nehmen wir den Markt für Hypotheken an Haushalte mit geringen Einkommen und hohen Risiken in den USA, möglicherweise der Auslöser für die “subprime crisis” und die Weltfinanzkrise von 2008. Interessanterweise gibt es seit 1977 in den USA den “Community Reinvestment Act”, der Banken dazu anhält, Hypotheken an solche Haushalte zu vergeben! Die “CRA-Performance” wird regelmäßig überprüft etc etc. Das ist sicher nicht die ganze Geschichte – aber wenn hier mit dem Finger gezeigt wird, dann muß man auch auf diese Regulierungen zeigen.  

Quelle: Handelsblatt

Es zeigt sich einmal mehr: Die Dinge in der Bankenwelt sind kaum mit einer schwarz-weiß-gemalten Sicht der Welt zu erfassen. Es gibt überall graue Pastelltöne. Wenn Community Banks mit dazu beigetragen haben, dass blindlings Kredite an nicht rückzahlungsfähige Haushalte in den USA vergeben werden, dann muss auch hier rejustiert werden. In diesem Beitrag habe ich bereits die Bedeutung des Community-Reinvestment-Aktes für die Entwicklung von Social Banking aufgezeigt:  

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/25/diskussion-wie-aus-social-banking-2-0-common-banking-werden-konnte/

Interessant ist auch dieser Leserkommentar zum von mir im Banken-Manifest angeregten Begriff eines neu definierten Social Bankings = „Common Banking“:

Common Banking: „Freundliches Banken-Manifest“: Übernahme der allzu gefräßigen großen Finanzindustrie durch die niedere menschliche Schwarmintelligenz

Das mit der Übernahme der „niederen Schwarmintelligenz“ hat natürlich eine etwas undeutsche, feine Brise von ironischem Humor. Hoffentlich ist das im Land der (oft nur formal) politisch Korrekten überhaupt erlaubt. Hier also der Kommentar von Leser Andreas Mankel zum freundlichen Banken-Manifest: 

Irgendwie fühle ich mich ins Jahr 1866 zurückversetzt. Damals schrieb Friedrich-Wilhelm Raiffeisen das Buch „Die Darlehenskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung“ Ich besitze die überarbeitete Auflage aus dem Jahr 1966.

Das Prinzip ist immer das Gleiche:

– Menschen glauben si sind in einem System gut aufgehoben

– sie sind damit überfordert es zu druchschauen, glauben aber daran das es für sie gut ist

– kommen in eine Situation die sie nicht mehr selbst bewältigen können

– benötigen fremde Hilfe, z . B. von einer Bank

– werden dann vom System im Stich gelassen

– die scheinbar funktionierenden Netzwerke oder Dienstleistungen erweisen sich als nicht tragfähig und wenden sich auch noch gegen die Hilfsbedürftigen

Fazit: wenn man funktioniert ist man gut genug Geld in die Kassen zu spülen, wenn amn Hilfe braucht und ein Risiko darstellt ist man allein Um dieser Fehlentwicklung entwas entgegen zu setzen muß man wieder kleine, regionale Systeme einführen die unabhängig von den großen Unternehmen funktionieren – die Mikrofinanz in der dritten Welt macht es vor.

Fazit: Auch in einer kleinen Dorgemeinschaft steht nicht alles zum Besten, und es wird einige Anstrengungen erfordern, den Gedanken eines sozial- und ökologisch auch nur einigermaßen gesellschaftskonformen Bankwesens institutionell zu verankern, als auch die Menschen aktiv in die nachhaltig repositionierten Geldströme einzubinden.

Aber das „globale Internetdorf“ lebt, wie das Beispiel Fidor Bank  auch in Deutschland belegt, und derartige Internetplattformen sind dazu da, dem Gedanken der Community Banks oder genauer jenen des Community Bankings frisches Leben einzuhauchen. 

Natürlich ist dies ein kommerzieller Ansatz, aber auch das gehört dazu, warum soll man unten „in der niederen Schwarmintelligenz“ nur zuschauen, wie oben das große Geld im virtualisierten Geldkreislauf verdient wird. Cloud Computing at it’s best. Die Wertschöpfung findet nur noch „in der Wolke“ statt.

Das Verlangen der frustrierten Bankkunden ist Ausdruck, auch an der Wertschöpfungskette in Gesellschaft und Wirtschaft zu partizipieren, und es ist nicht nur die äußere Form der reinen „Renditegier“.

Und hier geht’s zum Interview mit Fidor-Geschäftsführer Matthias Kröner, der erläutert, was er unter „Community Banking“ versteht, und das ist schon etwas anders, sprich marktwirtschaftlicher, akzentuiert, als das staatliche Modell der Community Banks. „Am Markt“ bewähren müssen sich indes beide Varianten:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/19/fidor-interview-was-ist-eigentlich-community-banking/  

Fragt sich bloß am Ende noch, was der „Markt“ künftig ist, denn soviel Spielgeld wie derzeit in die falschen Kanäle fließt, lässt sich nur durch konsequentes Umsteuern der Geldströme in die – auch lokaler geprägte – Realwirtschaft wieder in einen nützlichen Verwendungszweck zurückführen. Ich drücke dies bewusst so formalistisch aus. Denn Common Banking mit einem soliden „Rettungsfallschirm“ für die Realökonomie hat nur eine Chance, wenn sich ein breites Umdenken in der Gesellschaft ergibt.

Oder – wie „Electrouncle“ Boris Janek es in einem Interview mit Social Banking 2.0 hier zu seiner Vision einer „Genossenschaftsbank 2.0“ beschreibt:

Diese zweite Seite der Medaille zeigt, dass durch die Digital Natives nicht automatisch Social Banking in die Welt gebracht werden wird. Wenn man Social Banking ernsthaft betreiben möchte, muss man tiefer, muss man institutionell, gesellschaftlich und wohl auch kulturell ansetzen.

Wer darf Finanzprodukte entwickeln?

Wer  bietet  Finanzprodukte an?

Welchen persönlichen Lebenszielen dienen diese Finanzprodukte?

Welche Produkte muss ich unbedingt haben, welche soll oder kann ich haben?

Mit wem spreche ich über Finanzen?

Welchen Stellenwert haben Finanzen?

Quelle: Social Banking 2.0

 

Written by lochmaier

Dezember 3, 2009 at 7:08 am

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Interview – So könnte die „Genossenschaftsbank 2.0“ aussehen

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Boris Janek trägt den Kunstnamen „Electrouncle“ – Er bloggt  und twittert seit 2007 regelmäßig auf seinem Weblog Finance 2.0. über neue Finanztrends in der Online-Welt. Im Mittelpunkt stehen die Themen: Social Media, Finance 2.0 und Social Banking. Im Hauptberuf arbeitet er als Manager Online Marketing + Strategie bei der Internetgesellschaft der Volksbanken Raiffeisenbanken.

Im Gespräch mit Social Banking 2.0 erläutert Boris Janek seine Vision, wie eine „Genossenschaftsbank 2.0“ aussehen könnte, die mit dem Kunden auf Augenhöhe und mit Hilfe von modernen Kommunikationsmitteln interagiert.

Social Banking 2.0: Herr Janek, wie sähe die Vision eines Genossenschaftsmodells 2.0 aus, bei dem Social Media und  Private Banking zu einem Geschäftsmodell verschmelzen, bei dem sich Rendite, Nachhaltigkeit und Sozialorientierung nicht ausschließen?

Das  Genossenschaftsmodell 2.0 erfordert eine Rückbesinnung auf die basalen Werte der Genossenschaften: Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung.   Die Genossenschaftsbank 2.0 folgt darüber hinaus dem Prinzip des verantwortungsbewussten Wirtschaftens. Sie tut dies auch im Eigeninteresse, weil eine andere Form des Wirtschaftens, die Basis ihres geschäftlichen Erfolges auffrisst.

Die genossenschaftlichen Werte wird zeitgemäß erneuert und angewandt. Auf dem Weg zum Genossenschaftsmodell 2.0 kommen auf die Banken und deren Mitarbeiter dabei auch einige schmerzhafte Einschnitte zu.  Gerade durch das Internet verlieren die Banken ihre ursprünglichen USPs und müssen mit immer mehr Wettbewerbern unter Internet-  Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten konkurrieren. Dennoch ist gerade das Internet eine herausragende Chance für die genossenschaftliche Idee und genossenschaftlich organisierte Banken.

Social Banking 2.0: Wie könnte das mit Blick auf die Filiale konkret aussehen?

Die Teilnahme an bzw. das Leben in Social Media ist für die Genossenschaftsbank 2.0 selbstverständlich, denn es existiert eine beinahe vollständige Übereinstimmung der Basiswerte der genossenschaftlichen Idee mit den Grundprinzipien des Internets.  Die Bank ist überall dort, wo sich Menschen mit dem Thema Finanzen beschäftigen und bietet diesen Menschen Antworten auf ihre Probleme an. Die Bank löst sich damit in ihrer klassischen Gebäudemetapher weitgehend auf. Der Kunde muss nicht mehr zur Bank kommen.   Die Bank kann zum Kunden kommen . Die Regionalität und Eigenständigkeit der einzelnen  Banken bleibt erhalten und ist Online auch abbildbar, findet aber auf einem neuen abstrakterem Niveau statt.

Social Banking 2.0: Welche Rolle spielt der Umgang mit den neuen Medien in diesem Prozess? 

Social Media steht darüber hinaus für das Leben von absoluter Transparenz, Ehrlichkeit, Authentizität und die Beteiligung von Mitgliedern, Kunden oder allgemein gesagt: Menschen. Dabei werden die Mitbestimmungsrechte  der Mitglieder und Kunden weit über das hinaus gehen, was diesen heute an Möglichkeiten geboten wird. Denkbar ist, dass sich die Bank in vielen Bereichen auf ihre heute noch relevanten Kernkompetenzen zurückzieht. Sie schafft einen Rahmen, in dem sie vor allem für die Themen Sicherheit und Risiken zuständig ist, ermöglicht und fördert ansonsten aber alle durch die Community erzeugten Finanzlösungen, insofern sie zu den Grundwerten der Finanz Community „Genossenschaftsbank2.0“ passen. Sie stellt damit die Leitplanken bereit und fördert die Vernetzung im Sinne der Community.  Die Genossenschaftsbank 2.0 folgt damit einem Basis Prinzip des sozialen Internets: Es wird Miteinander gehandelt. Probleme werden Miteinander gelöst. Die Bank erbringt ihre Leistung nicht für oder an den Menschen, sondern zusammen mit Diesen.

Social Banking 2.0: Wie sieht es mit dem Zielkonflikt zwischen der reinen Gewinnmaxierung und der reinen Sozialorientierung aus, wie kann er gelöst werden?

In der Genossenschaftsbank 2.0 geht Sozialorientierung  vor Gewinnorientierung . Sozialorientierung schließt und ökonomische Erfolge nicht aus, sie wird zukünftig sogar zum Motor ökonomischer Erfolge. Social Banking (Sozialorientierung) ist zwar nicht auf das Internet  angewiesen. Allerdings schafft das Internet Rahmenbedingungen, die  das Erfordernis verantwortungsbewussten Wirtschaftens sichtbarer machen.  Zusätzlich wird die Verfolgung gemeinsamer Interessen und die Bildung neuer Gruppierungen und Wege zur Lösung gesellschaftlicher Fragen erleichtert. Das Internet verbessert auch die Möglichkeiten hierarchiefreierer Koordination menschlichen Handelns.

Der gegenwärtig in der genossenschaftlichen Gruppe noch dominierende Glaube mit der stärkeren Nutzung des Internets verliere die Bank die Nähe zum Menschen und gäbe möglicherweise ihre Sozialorientierung auf, ist nicht haltbar. Das Gegenteil ist der Fall. Das Verhalten der Menschen hat sich verändert.  Eine transparente und wertorientierte Bank nutzt gerade das Internet und begegnet dem  Menschen dort auf Augenhöhe. Nähe ist ab einer bestimmten Größe der Bank und des Geschäftsgebietes sogar nur noch über das Internet effektiv herstellbar.

Die Bank hat nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbshilfe“ die Aufgabe, dass finanzielle Wohlbefinden ihrer Kunden und Mitglieder zu optimieren. Im Blickpunkt stehen alle Kunden.  Es gilt eine Mischung aus attraktiven und auch für die Bank lukrativen Angeboten und Angeboten der Grundversorgung zu finden, welche schlechter gestellte Kunden mittelfristig oder langfristig in die Lage versetzen auf  gehobenere  Produkte aufzusteigen.   Der Bank kommt zusätzlich die Aufgabe zu die finanzielle Freiheit und Selbstbestimmung  ihrer Kunden und Mitglieder zu vergrößern. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche und lebenslange Hilfe und nicht das einzelne Produkt. Der Erfolg der Bank und des Bankberaters wäre insofern auch an den Erfolg des Menschen oder des Kunden zu binden.

Social Banking 2.0: Wann ist ein Bankberater denn als erfolgreich zu bezeichnen?

In jedem Fall kann es hier nicht mehr um isolierte Mengenziele gehen.  Kunde, Berater, Bank und Region ( Umwelt) müssen als ganzheitlicher Rahmen für die Bewertung der Leistung herangezogen werden. Die Genossenschaftsbank 2.0 lebt absolute Transparenz , dazu werden herausragende und überzeugende Lösungen angeboten werden, die sich deutlich von den Angeboten anderer Banken unterscheiden.  

Social Banking 2.0: Wie könnte denn die halbwegs krisenfeste „Bank der Zukunft“ aussehen?

Die Banken der Zukunft sind nicht mehr vergleichbar mit den Banken der Vergangenheit. Banking als Form menschlichen Handelns wird es immer geben, aber Banken als Institution mit Mauern ( echten und gedachten), mit Eingängen und Ausgängen, innerhalb derer Bankmitarbeiter an Nicht-Bank-Mitarbeiter Finanzprodukte verkaufen, sind ersetzbar. Banking wird immer stärker prozessual gedacht und betrieben werden.

Social Banking 2.0: Kommt dabei auch das Regionalprinzip als essentieller Baustein zum Tragen?

Die Verantwortung für die Region und deren wirtschaftliches und kulturelles Wohlbefinden bleibt als Wert auch bei einer intensiveren Nutzung des Internets erhalten. Hier werden neue Modelle der Zusammenarbeit denkbar. Die Förderung von Unternehmen, Vereinen und regionalen Aktivitäten orientiert sich  an dem Prinzip der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit würde in vielerlei Dimensionen: Mensch, Region, Ökologie, etc.  zur Leitlinie des Genossenschaftsmodells 2.0 erhoben werden.  Der Erfolg der Bank wäre an diesen Prinzipien zu messen. Die für die Realisierbarkeit eines Genossenschaftsmodells2.0 entscheidende Frage ist natürlich: Wie kann ich mit einem solchen Angebot eigentlich Geld verdienen?  Ohne ein wenig unternehmerischen Optimismus wird es zu einem Genossenschaftsmodell 2.0 realistisch gesehen nicht kommen.

Auf Basis der aktuellen ökonomischen Gegebenheiten ist eine gewisse Skepsis nicht unangebracht. Die Zukunft der kapitalistisch geprägten Gesellschaften hängt aber von einem neuen nachhaltigem Wirtschaftsmodell ab. Die Zeit würde demnach für das genossenschaftliche Modell arbeiten.

Die Genossenschaftsidee 2.0 braucht aber einen langen Atem. Erforderlich ist eine behutsame Überführung des aktuellen in das zukünftige Geschäftsmodell, angelehnt an die rechtliche, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung .

Social Banking 2.0: Welche Ansatzpunkte sehen Sie in der Geschichte von Genossenschaften wie der Volks- und Raiffeisenbanken, um jetzt einen probaten Lösungsansatz aus der Bankenkrise aufzuzeigen?

Die heutige Situation ist der Situation, die zur genossenschaftlichen Idee und deren Erfolgsgeschichte geführt hat, nicht unähnlich. Friedrich Wilhelm Raiffeisen schreibt 1866:

„Die in vielen Gegenden auffallende zunehmende Verarmung der ländlichen Bevölkerung erheischt kräftige Abhilfe. Erfahrungsgemäß ist dazu zweierlei nötig. Geld und die Kenntnisse dieses möglichst nutzbar anzuwenden. Die möglichen Kenntnisse werden erlangt durch zweckentsprechenden Unterricht; das erforderliche Geld kann durch Vereine beschafft werden. Die hier vorgeschlagenen Vereine gründen sich auf die unbedingteste Selbsthilfe. Letztere bewirkt die Entfaltung, sowie die möglichst ausgedehnteste Anwendung und Nutzbarmachung der Kräfte der Bevölkerung und des  Bodens.“

Was war passiert?

Die genossenschaftliche Idee  wurde sozusagen aus  der Not heraus geboren. Viele  Bauern und kleine Handwerksbetriebe gerieten  im Verlauf der industriellen Revolution  in Not. Missernten und Hungersnöte kamen hinzu und der Zugang zu Bankdienstleistungen fehlte. Die Folge: Verschuldung bis hin zum Verlust der wirtschaftlichen Existenz, nicht zuletzt auch, weil man auf private Geldverleiher angewiesen war, deren Antrieb in der Regel die eigene Gewinnmaximierung war.

Social Banking 2.0: Welche analogen Schlussfolgerungen lassen sich auf die heutige Krise beziehen?

Heute ist das Bankgeschäft selber in eine Krise geraten. Wenn man in unsererem Land auch noch nicht von einer ähnlichen Situation wie im 19. Jahrhundert sprechen kann, so bereiten  die Grundwerte der genossenschaftlichen Bewegung Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung den Weg in eine gerechtere und bessere Bankenbranche.

Eine Bank gegründet von Menschen für Menschen, die Ihren Mitgliedern dabei hilft ihre finanzielles Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Eine Bank, an welcher die Menschen beteiligt sind, die gemeinsam darüber entscheiden, wohin sich die Bank entwickeln soll. Eine Bank in der Solidarität gelebt wird und die regional eingebunden ist. Eine Bank, die angesichts leerer kommunaler Kassen mehr Verantwortung für die positive Entwicklung der Regionen übernimmt.

Social Banking 2.0: Welchen positiven Druck können denn die genossenschaftlichen und ökologisch bzw. sozial-orientierten Geldinstitute auf die etablierten Geschäfts- und Privatbanken entfalten?   

Heute stimmen viele Experten darin überein, dass im Zuge der Globalisierung flexible Verbünde wie Kooperationen den zentral gesteuerten Großkonzernen überlegen sind. Flexibilität,  kurze Entscheidungswege, schnelle Reaktionszeiten und unbürokratische Netzwerkstrukturen sind Basisvorteile der genossenschaftlichen Idee, die ergänzt um regionale Verantwortlichkeit und eine eher lokal angelegte Strategie, zur Bewältigung der Finanz – und Vertrauenskrise beitragen werden.

Social Banking 2.0: Wie könnte das Prinzip von Genossenschaften, als Sachwalter und Mitgestalter des öffentlichen Interesses aufzutreten, denn mit Hilfe vom Mitmachweb wiederbelebt werden?

Mir fällt bei fast allen innovativen Ansätzen im Mitmachweb – egal, ob es sich um Innovationen im Bankenumfeld oder in anderen Branchen handelt – der enge Bezug zur genossenschaftlichen Idee auf. Manchmal sprechen die Unternehmen dies dezidiert aus, manchmal wissen sie noch nicht mal etwas von derNähe zu dieser – nach Internetjahren – steinalten Idee.  Deshalb bietet das Mitmachweb nahezu in allen Teilbereichen herausragende Chancen für die Banken ihre Rolle als Sachverwalter und Mitgestalter des regionalen öffentlichen Interesses zu leben und zu modernisieren. Denn das Internet ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang von Selbstverwaltung und Selbshilfe.

Ich versuche mal meine Vision einer internetgestützten genossenschaftlichen Bank  zu skizzieren. Ein idealer Ausgangspunkt ist dabei das Prinzip Mitgliedschaft. Die Volksbanken-Raiffeisenbanken haben insgesamt mehr als 16 Millionen Mitglieder. Dieser Mitglieder können nicht nur Anteile an ihrer Volksbank erwerben, sie können diese auch nutzen, um die Geschäftspolitik der Bank zu beeinflussen.  Es ist technisch kein Hexenwerk dieses Mitgliedschaftsprinzip auch regional abzubilden und die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder entsprechend zu vergrößern.  Es wäre deshalb extrem einfach eine regionale Online Community Bank aufzubauen, deren Mitglieder ähnlich intensiv an der Entwicklung von Produkten und der strategischen Zukunft der Bank beteiligt wären, wie es aktuell die Mitglieder der Fidor Bank Community tun. Das einzige, was die Banken heute von diesem Schritt abhält, ist ihre Vergangenheit. Also einerseits die Tatsache, dass das existierende Geschäftsmodell noch funktioniert und andererseits die offenbar im Menschen angelegten Beharrungskräfte, die meistens erst dann ins Wanken geraten, wenn es schon zu spät ist.

Eine von den Mitgliedern beeinflusste Geschäftspolitik sollte und würde dann auch die Verantwortung der Bank für die Region als Leitlinie des geschäftlichen Handelns fixieren. Nicht, dass dies nicht auch heute schon möglich wäre und auch so praktiziert würde. Online wären die Möglichkeiten allerdings viel weitreichender: Volksbanken Raiffeisenbanken könnten ihr klassisches Kreditgeschäft durch p2p-Kredite ergänzen. 

Was wäre, wenn Mitglieder einfach und unkompliziert Kredite an andere Mitglieder vergeben könnten. Nicht jeder Kredit muss über eine Bank abgewickelt werden, aber für fast alle Kredite ist es sinnvoll eine entsprechend sichere, einfache und im Risiko minimierte Abwicklung zu gewährleisten. Solcherart könnten auch Projekte unterstützt werden, die heute keine normale Geschäftsbank finanziert. Mikrokredite und Mikrokonten für Privatleute und Unternehmen wären ein interessantes und ideal zur Gruppe passendes Angebot.  Eine regionale Bank, die das Ziel verfolgt sozial verantwortlich und nachhaltig zu agieren, ist auch ein Teil der Grundversorgung. Insofern müssen auch Kunden akzeptiert werden, die für viele Banken nicht attraktiv sind.

Die Aufgabe einer entsprechenden Online Community wäre dann auch die Vermittlung von finanziellem Grundwissen. Das Ziel ist dabei der mündige Kunde, der sein finanzielles Leben selbstständig, im Zweifel auch ohne Bank gestalten kann. Hierzu kann der Kunde sowohl auf den ausgebildeten Berater als auch auf die Mitglieder der Community zurückgreifen.

Regionale Banken könnten durch stärkere regionale Investitionen  auch neue Produktkategorien schaffen, die nachhaltiger und durchschaubarer für den Menschen sind. In regionalen Kontexten könnte auch mit neuen   Währungen experimentiert werden.  Ich denke hier gar nicht an regional Währungen, sondern eher an Prinzipien wie z.B. Time Banking, oder Online Währungen wie Aufmerksamkeit und Reputation, die angesichts leerer kommunaler Kassen durchaus dabei helfen könnten, Lösungen für kommunale Probleme zu finden.

Social Banking 2.0: Gibt es denn schon einige konkrete Beispiele im Genossenschaftsbereich, die zeigen, wie eine nachhaltige und sozial verantwortliche Bank aussehen kann, die trotzdem auch geschäftlich funktioniert?

Es ist schwer bzw. unmöglich diese Frage fallabschliessend mit „Ja“ zu beantworten. Man muss bei einer Bewertung immer auch berücksichtigen, dass Volksbanken Raiffeisenbanken immer noch an vielen Orten von ihrer früheren Vormachtstellung profitieren. Es lässt sich dann im Einzelnen nicht feststellen, ob der Erfolg einem nachhaltigem und sozial verantwortlichem Bankenmodell zuzuschreiben ist, oder, ob er einfach der Tatsache geschuldet ist, dass es für Volksbanken Raiffeisenbanken und auch für Sparkassen noch vor 15 Jahren eigentlich keine nennenswerte Konkurrenz gab.

Es gibt heute einige Volksbanken Raiffeisenbanken, die in sehr kleinen regionalen Märkten  sehr erfolgreich agieren und dabei  sehr stark mit den Grundwerten der genossenschaftlichen Idee punkten. Von einer solchen Bank hat vor kurzer Zeit z.B. die Zeit hier berichtet.  Bei dieser  Bank spielt das Internet offenbar bewusst eine nur untergeordnete Rolle, da – so die Philosophie der Bank – sich Nähe nur persönlich leben lasse.  

Es gibt weitere Beispiele, die teilweise sogar etwas anachronistisch anmuten, wie z.B. die Volksbank Gammelsfeld oder Aktivitäten einer anderen Volksbank,  die mit der Ethikbank eine eigene nachhaltige Bank ausgegründet haben und auf dem Weg zu einer nachhaltigen, ökologischen und gesellschaftlich verantwortlichen Bank sind. Andere übernehmen kommunale Aufgaben, die weit über finanzielle Themen oder typische Bankthemen hinausgehen.

Social Banking 2.0: Gibt es auch bremsende Faktoren?

Insgesamt muss man jedoch leider feststellen, dass einige Volksbanken Raiffeisenbanken sicherlich unter dem Wettbewerbsdruck der vergangenen Jahre aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen nahezu gezwungen waren, sich von den Grundwerten der genossenschaftlichen Idee zu entfernen. Im harten Konditionen Wettbewerb der letzten Jahre, konnten Teile des Kundenklientels  der Volksbanken Raiffeisenbanken nicht mehr gehalten werden. Der Gewinn von Neukunden war nahezu unmöglich.  Dies hat teilweise dazu geführt, dass einige Banken eigene Direktbanken-Zweige gegründet haben.  Heute – wo es durch verschiedenste äußere Anlässe – wieder eine neue Chance für die genossenschaftliche Bankengruppe und deren Grundwerte gibt, muss an vielen Stellen das Selbstvertrauen der Gruppe erst wieder aufgebaut werden, dass man eigentlich das nachhaltigere und zukunftsfähigere Bankenmodell besitzt.

Social Banking 2.0: Welche positive Rolle könnte Social Media in diesem Veränderungsprozess denn spielen?

Bezieht man die Frage auf  die Nutzung des sozialen Internets, dann nutzen natürlich einzelne Banken inzwischen die entsprechenden Kanäle. Die Volksbank Bühl ist hier  am weitesten, da sie erkannt hat, dass das genossenschaftliche Bankenmodell perfekt zum Internet passt. Diese Bank verfolgt eine regionale Social Media Strategie, in welcher der Mensch schrittweise stärker in die Entwicklung der Bank einbezogen wird.

Dabei wird Social Media eben nicht als Marketing Instrument verstanden, sondern als eine Möglichkeit, Bank als ein gemeinsames Projekt von Menschen aus einer Region für Menschen dieser Region zu leben.  Hier werden authentische, offene und ehrliche Gespräche auf regionalen Märkten (Online + Offline) geführt. Und dies kommt in der Region sehr gut an.

Social Banking 2.0: Sind es letztlich die „digital natives“, die das Genossenschaftsmodell 2.0 voran bringen, oder wird es der Unterstützung anderer Gruppen bedürfen, damit Social Banking in die Mitte der Bankenwelt vordringen kann?

Grundsätzlich werden die Digital Natives mit einer Form der Koordination menschlichen Handelns groß, die durchaus an die Genossenschaftsidee erinnert  und zu dieser passt. Diese Formen entstehen durch das Internet und werden durch dieses vermittelt.  Im Zuge der Sozialisation mit und in diesem Medium entstehen  Wertprinzipien, die auch innerhalb der genossenschaftlichen Bewegung wiederzufinden sind. Insofern wird die genossenschaftliche Idee dadurch eine Renaissance erfahren.

Auf der anderen Seite werden bzw. wurden die Digital Natives aber auch in einer Welt groß, in der sich eine dominierende Form herausgebildet hat, die vorgibt, bzw. kanalisiert, wie „das finanzielle Leben“ zu gestalten ist. Dies bedeutet, dass es bis heute eine in der Regel nicht weiter hinterfragte Form gibt, die festlegt:

Wer darf Finanzprodukte entwickeln?

Wer  bietet  Finanzprodukte an?

Welche persönlichen Lebenszielen dienen diese Finanzprodukte?

Welche Produkte muss ich unbedingt haben, welche soll oder kann ich haben?

Mit wem spreche ich über Finanzen?

Welchen Stellenwert haben Finanzen?

Diese zweite Seite der Medaille zeigt, dass durch die Digital Natives nicht automatisch Social Banking in die Welt gebracht werden wird. Wenn man Social Banking ernsthaft betreiben möchte, muss man tiefer, muss man institutionell, gesellschaftlich und wohl auch kulturell ansetzen.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Dezember 2, 2009 at 7:46 am

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Triodos Bank Deutschland: Start mit Liebeshymne an sich selbst

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Die Triodos Bank Deutschland  geht morgen offiziell in Deutschland an den Start; Und zwar nicht nur mit einem recht aufwändig inszenierten Eröffnungsevent in Frankfurt, sondern auch mit einer ganz persönlich gemachten Liebeserklärung via Videobotschaft an sich selbst:

Fazit: Das ist durchaus eine Bank auf (Augen)Höhe der Zeit, und die Mitarbeiter sind „Banker zum Anfassen“. Dieses Weblog Social Banking 2.0 hatte jedoch in einem früheren Beitrag bereits Kritik geäußert, dass ausgerechnet zur Eröffnungsveranstaltung – wohl mit Blick auf einflussreiche Investorengruppen oder einfach schlicht nur um durch viel Preis und Ehr mehr Menschen anzulocken – es ausgerechnet der teuren Unterstützung von externen Moderatoren aus dem gesellschaftlichen Mainstream bedarf, allen voran Börsenexperte Michael Best von der ARD, sowie Corinna Wohlfeil von n-tv.

Wir erinnern uns: So fing es mit dem inneren Verfall der SPD unter Gerhard Schröder auch einmal an, als sie begann, das hohe Lied, die Ode, vom neoliberalen Marktmodell eifrig nachzusingen. Oder anders gesagt: Wer vergisst, woher er kommt, wem er den Erfolg zu verdanken hat, der weiß irgendwann nicht mehr, wohin er die weißen Segel auf offener See setzen soll.

Die etwas übersteigerte Inszenierung, über die sich (nicht nur) vielleicht manch einer der über Triodos mit Krediten finanzierten 500 Ökolandwirte wundern könnte, trübt den insgesamt sicherlich positiven Gesamteindruck der in Europa führenden nachhaltigen Bank.  Wie dem auch sei, Glück auf, wir alle sollten uns täglich verbessern.

Hier aus der aktuellen heutigen Presseinformation noch die neuesten Informationen, was Triodos in Deutschland konkret in nächster Zeit so alles vor hat:

Als Direktbank wird die Triodos Bank deutschen Privatkunden in einem ersten Schritt ein Tagesgeldkonto und einen Sparplan anbieten. Deutsche Unterneh-men, Institutionen und Projekte aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Kultur können bei der Triodos Bank Kreditfinanzierung erhalten, die auf der Basis von Nachhaltigkeitskriterien erfolgt. Für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bietet die Triodos Bank ebenfalls nachhaltige Anlagemöglichkeiten.

Im Bereich der Kreditfinanzierung kann die Triodos Bank bereits ein deutsches Portfolio von 60 Millionen Euro vorweisen. Denn es gab schon seit 2005 mit der Triodos Finanz GmbH eine Repräsentanz für Kreditvermittlung in Deutschland, die nun in die neue Niederlassung in Frankfurt am Main eingebracht worden ist.

Die Geschäftsleitung der Triodos Bank in Deutschland besteht aus Georg Schürmann (47) und Alexander Schwedeler (45). Schürmann, der für das Privatkundengeschäft zuständig ist, war zuvor 20 Jahre bei der Deutschen Bank tätig. Schwedeler, zuständig für Geschäftskunden, blickt auf eine bereits 10-jährige Karriere bei der Triodos Bank zurück.

 Georg Schürmann über die Ziele der Triodos Bank in Deutschland: „Wir planen im Laufe von 2010 unsere Produktpalette sukzessive für Privatkunden zu erweitern um ein Girokonto und Investmentfonds. Auch Zahlungsverkehrsprodukte für Geschäftskunden sind geplant. Wir wollen bis Ende des kommenden Jahres für unsere Kunden die Rolle einer Hausbank spielen können.“

Alexander Schwedeler ergänzt: „Wir stellen auf der Kreditseite eine sehr hohe Nachfrage fest. Unseren Geschäftskunden aus den Bereichen Ökologie, Soziales und Kultur ist es wichtig, mit einer Nachhaltigkeitsbank zusammenzuarbeiten. Dies ist zum einen die konsequente Fortsetzung ihrer Unternehmensphilosophie, zum anderen bringen wir als Triodos Bank ein 30-jähriges Wissen über die Branchen und entsprechenden Geschäftsmodelle unserer Geschäftskunden mit.“

             Quelle: Triodos

Dass es marketingtechnisch so langsam auch in der Ökonische etwas enger wird, und sich die Protagonisten genau überlegen müssen, mit welchen Stilmitteln sie gerade beim Einsatz von Social Media übers Internet sich selbst und ihre Produkte inszenieren, das zeigen die beiden folgenden Artikel in der Süddeutschen Zeitung bzw. die Welt:

http://www.sueddeutsche.de/75O38u/3167444/Es-wird-eng-in-der-Ethik-Nische.html

http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article5364841/Mit-Tagesgeld-Oekogaense-zuechten.html

Fazit: Der Wettbewerb wird künftig auch über die marktgängigen Zinsen entschieden, hier hinkt die GLS Bank derzeit noch hinterher, Triodos bewegt sich etwas höher, und die Noa Bank befindet sich beim Tages- und Festgeld derzeit in der Pole Position, die sie auch aufgrund ihres schlanken und flexiblen Verwaltungsapparats einnimmt.

Da wird es spannend sein, wie die nachhaltigen Institute den Spagat zwischen intensiver Kundenbetreuung, die bekanntlich etwas kostet, bewältigen, und wie sie trotzdem mit attraktiven Zinsen die Masse der (aufgeschlossenen) Anleger erreichen.

Und oben in der Pressemitteilung hat Geschäftsführer Georg Schürmann ja die Messlatte recht hoch gelegt: Denn Triodos will nichts weniger als die Hausbank der Menschen sein. Also dürfte dies ein recht eindeutiges Votum des ehemaligen Managers von der Deutschen Bank sein, sich etwas stärker aus der sogenannten „Ökonische“ herauszuwagen, die es ja ohnehin nicht mehr so richtig trennscharf gibt.

Written by lochmaier

Dezember 1, 2009 at 3:13 pm

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