Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Klimagipfel: Schein der „Ökoasketen“ trügt manchmal

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Nachdem in Kopenhagen beim Klimagipfel die große Politik den Wandel trotz vieler Nachtsitzungen verschlafen hat, sind jetzt wir dran: Neben täglicher Fitness für die niedrigen Krankenkassenbeiträge dürfen wir nun auch noch die Welt mit  unseren nach unten getunten persönlichen CO2-Vermeidungsbilanzen retten. 

Dass dies ein wohlig-kuscheliges Gefühl ist, das die Welt kaum rettet, beleuchtet Spiegel online in diesem Beitrag hier: Ich will! Ich will! Ich will!: Das konsumistische Manifest –

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,668298-2,00.html 

Wir haben es schon geahnt – es handelt sich um eine Art von „Pseudoasketismus – das Phänomen ist offensichtlich: Lohas bedeutet  Lifestyle of Health and Sustainability. Lifestyle auf Basis von Gesundheit und Nachhaltigkeit also. Der Marktslogan: LOHAS Lifestyle verändert die Wirtschaft  und Gesellschaft. Stimmt das wirklich?

Dass man nicht alles, und vor allem sich selbst nicht immer ganz so bierernst als überzeugter Loha nehmen sollte, das zeigt eine hintergründige Glosse in der Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift Neue Energie auf, die der freie Journalist Marcus Franken hier verfasst hat:

http://www.neueenergie.net/index.php?id=2029

Darin beschreibt er durchaus zutreffend, dass der Schein der „Ökoasketen“ manchmal trügt, dass das nach außen allzu offensichtlich zur Schau getragene Umweltbewusstsein eher eine Spielvariante der modernen Konsumgesellschaft darstellt, als ein wirklich relevanter Schritt zu einer neuen, ökologisch geprägten Gesellschaft und Wirtschaftsordnung. Lesenswert.  Kurzer Auszug mit Blick auf das konsumorientierte „Social Banking“:

Finanzkrise? Die Statistik sagt: Der Weihnachtsumsatz ist eine sichere Bank. In den beiden Jahresendmonaten geben die Deutschen seit zehn Jahren zwischen 71 und 75 Milliarden Euro aus. Und auch in diesen klimabewegten Zeiten wünschen sich die spontan befragten Büronachbarinnen ein Klavier, eine Kurzreise oder Snowboard Fahren in der Kunstschneehalle. Ein mobiler TFT-Bildschirm, ein iPhone oder Werkzeug darf es für die Männer sein. Auf immerhin 20 Prozent schätzen Marktforscher das Potenzial der Menschen, die beim Einkaufen auch auf Klimabilanz und Nachhaltigkeit blicken.

Quelle: Neue Energie

Sicherlich – auch in der Diskussion um die Lohas gibt es etwas Positives, das nach vorne weist. Viel spannender im Gegensatz dazu wäre jedoch eine Revision, was in der Gesellschaft über Geld mit welchem Preis versehen wird. Der Spiegel greift ab und an mal durchaus ein passables Thema auf, so etwa eine britische Studie, die zeigt, dass eine Putzfrau weit mehr zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beiträgt als ein Banker (das ist natürlich etwas provokativ, aber nicht ganz falsch):

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,666917,00.html#ref=top

Es stimmt also: Eine Reinigungskraft in einem Krankenhaus leistet demnach mehr für die Gesellschaft als ein Spitzenbanker im Finanzdistrikt. Ein Zitat und eine ganz interessante Schlussfolgerung:

 

Selbst Reinigungskräfte in einem Krankenhaus tragen laut der Studie mehr zum Wohl der Gesellschaft bei als die geschmähten Banker. „Für jedes Pfund, das wir ihnen zahlen, generieren sie mehr als zehn Pfund an gesellschaftlichem Wert“, schreiben die Autoren. Die gesellschaftliche Anerkennung für ihre Leistungen bliebe den Putzkräften aber verwehrt, die Löhne extrem niedrig.

Es sei daher schlicht falsch, von einer hohen Bezahlung auf die gesellschaftliche Leistung zu schließen. Der oftmals angenommene Zusammenhang zwischen hohen finanziellen Anreizen und Beiträge zum Allgemeinwohl müsse vielmehr in Frage gestellt werden, schreiben die Autoren. Sie argumentieren, dass gerade diejenigen Wirtschaftszweige mit den höchsten Einkommen sich nicht an den Kosten beteiligen, die der Gesellschaft tatsächlich durch sie entstehen.

Quelle: Spiegel online

Hier liegt die eigentliche Diskussion, die zeigt, wie extrem schief die Anreizsysteme jenseits der ökologisch-sozialen Fassadenpolitur in unserer Gesellschaft sind. Die Diskussion um die gnädigen Mindestlöhne von 6 oder 7 Euro zeigt, dass es an einem vernünftigen Koordinatensystem fehlt. Denn nur zwei Dinge sind wirklich produktiv in der kapitalistischen Gesellschaft: Der kreative Mensch und der hart arbeitende Mensch, also die menschliche Arbeitskraft in ihren unterschiedlichen Facetten.      

Mit Spenden allein ist es also nicht getan, wir sollten vor allem intelligent investieren. Der Bürger allein kann aber nicht den übermächtigen CO2-Sack schultern. Wer aber jetzt vor Weihnachten doch noch etwas spenden möchte, der kann sich vorher noch mein Interview anhören, das ich am Samstag auf Deutschlandradio Kultur (Breitband) gegeben habe.

Im Gespräch erläutere ich, was es mit den Online Giving Marketplaces wie Betterplace so auf sich hat, und wo die Tücken und  Fallstricke liegen, wenn man übers Netz spendet statt über eine klassische Hilfsorganisation. Der Kollege Moritz Metz hat dankenswerterweise noch einen Selbstversuch dazu unternommen und das Online-Spenden persönlich getestet (der Beitrag beginnt nach Anmoderation und einem Musikstück nach etwa drei bis vier Minuten):

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/12/19/drk_20091219_1410_67ae421f.mp3

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Written by lochmaier

Dezember 21, 2009 um 8:02 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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