Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Peer-to-Peer-Kredite: Reformen stehen an, klare Leitlinien beim Social Lending gefragt

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Derzeit beschäftigen sich in den USA die staatlichen Regulierungsbehörden damit, wie sich im Falle von Prosper und Lending Club mehr Sicherheit und Transparenz im kommerziell ausgerichteten Social Lending herstellen lässt. Es gilt, die Interessen zwischen den Konsumenten, Betreibern und der Aufsicht in einen Gleichklang zu bringen.

Als ein Stilmittel dazu dient der Consumer Protection Act, berichtet Businesswire.com:

http://www.businesswire.com/portal/site/home/permalink/?ndmViewId=news_view&newsId=20091211005673&newsLang=en 

Der Markt ist noch jung, und auch ziemlich unreif. In den USA entstand er vor der Finanzkrise, weshalb es viele Lektionen zu lernen gilt, soll das Peer-to-Peer-Lending dort zu einer echten Alternative zur klassischen Kreditwirtschaft heranreifen.

Auch die Probleme bei einigen Betreibern in den USA mit dem Datenschutz verdeutlichen, dass erheblicher Bedarf an einer rechtlichen Feinjustierung bei den dortigen Plattformbetreibern bestehen. Man hätte sich durchaus an ausländischen Standards orientieren können. Jetzt muss an vielen Lecks nachgebessert werden.

Trotz der Schwierigkeiten – der Markt wächst weiter, in den USA im November 2009 generierten die beiden Marktführer Prosper.com und Lending Club ein Kreditvolumen von rund 9,2 Mio. US-Dollar berichtet American Banking News:

http://www.americanbankingnews.com/2009/12/04/u-s-peer-to-peer-lending-firms-originate-9-2-million-in-loan-growth-during-november/

Aber auch hier tauchen neue Fragezeichen auf, denn American Banking News unterstellt etwa, dass die Rückzahlungsraten bei Krediten innerhalb der Familie und von Verwandten im Vergleich zu einer Peer-to-Peer-Kreditbörse deutlich unter dem Branchenschnitt liegen. Sprich: Hört etwa beim Geld die Freundschaft in der Familie doch (manchmal) auf?

http://www.americanbankingnews.com/2009/12/09/why-peer-to-peer-lending-works-when-lending-money-to-friends-doesn%e2%80%99t/

Nun ja, finanzielle soziale Netzwerke sollen genau diese Aufgabe leisten, die Interessen aller Beteiligten sorgfältig auszubalancieren. Angesichts von einigen unausgegorenen Geschäftsmodellen am Markt bei der Kreditvergabe über menschliche soziale Netzwerke ist es jedoch vordringlich, starke Kontrollmechanismen zu etablieren, zum einen aus der Gemeinschaft der Kreditgeber und Kreditnehmer heraus.

Und zum anderen von Seiten der staatlichen Aufsichtsbehörden, um Auswüchse am Markt frühzeitig zu unterbinden, die die gesamte Branche in Misskredit ziehen. Auf die Dauer nicht funktionieren kann ein P2P-Modell in der privaten Kreditvergabe ohne ausreichende Einlagensicherung, Bonitätsprüfung und solide Abwicklungsmechanismen, einschließlich hoher Standards beim Datenschutz und der IT-Sicherheit. Transparente Geschäftsbedingungen und moderate Gebühren sind ein weiterer Baustein für den Erfolg der neuen Plattformen.

Social Banking 2.0 definiert P2P-Kreditvergabe: Klare Spielregeln sind gefragt

Von Seiten der Kreditgeber ist außerdem Augenmaß beim Aushandeln von Kreditkonditionen erforderlich, damit sich das Zinsniveau nach einer Phase der ersten Euphorie nicht allmählich dem der etablierten Banken annähert oder dieses gar überschreitet (bei Lending Club und Prosper.com bereits der Fall, aber auch in Deutschland bei Auxmoney). 

Und von den Darlehensnehmern kann erwartet werden, dass diese imstande sind, ihre Kredite innerhalb des vorgegebenen Rahmens zurück zu bezahlen. Im Folgenden als Diskussionsgrundlage stellt Social Banking 2.0 zehn Leitlinien bereit, für eine nachhaltige P2P-Kreditvergabe:

Erstens: Der Betreiber erhebt keine Vorab-Gebühren, sondern erhält nur eine Vergütung, wenn die Kreditvergabe zustande kommt und das Darlehen ausbezahlt worden ist.

Zweitens: Der Betreiber sorgt für transparente Geschäftsbedingungen, indem er alle Kosten und laufenden Gebühren für Kreditnehmer und Darlehensgeber offen legt.

Drittens: Der Betreiber sorgt für eine ausreichende Einlagensicherung. Im Idealfall garantiert ein Bankinstitut im Hintergrund diesen Mechanismus. Haftungsrechtlich darf der Betreiber sich nicht leichtfertig aus der Affäre ziehen können, indem er die Geschäfte nur anbahnt, jedoch nicht fortlaufend kontrolliert.

Viertens: Die Kreditnehmer werden mit einem ausgefeilten Scoring-Modell auf ihre Bonität geprüft. Der Verwendungszweck sollte stichprobenartig geprüft werden, um nicht in bestimmten Bonitätsklassen deutlich erhöhte Kreditausfälle zu generieren.

Fünftens: Der Betreiber sorgt für eine überschaubare Gruppierung der einzelnen Risikogruppen (Clustering), damit die Nutzer die Risiken und Chancen ihrer jeweiligen Anlageklasse überblicken können. Die Verteilung der Gelder in einem breit gestreuten Anlegerpool stellt eine wirksame Methode zur Risikominimierung dar.

Sechstens: Auch der Verwendungszweck spielt eine Rolle. Sinnvolle Projekte sollten im Vordergrund stehen, statt die Vermittlung von Konsumkrediten in den Mittelpunkt zu stellen.

Siebtens: Datenschutz und IT-Sicherheit seitens der Betreiber und Nutzer genießen oberste Priorität. Weder darf der Zugang zu den Online-Angeboten für fremde und unautorisierte Personen zugänglich sein, noch darf es beim Betreiber einen laxen Umgang mit persönlichen Informationen geben. Die unautorisierte Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte – zu welchem Zwecke auch immer – ist ein absolutes Tabuthema.

Achtens: Um ein Ausufern der Renditeansprüche seitens der Kreditgeber (und Plattformbetreiber) zu begrenzen, empfiehlt es sich, analog zu den länderspezifischen Rahmenbedingungen, sinnvolle Obergrenzen für die Zinsgestaltung und Tilgungspraxis einzuführen. Anbieter mit internationalen Verflechtungen sind vom Gesetzgeber mit Blick auf ein transparentes Geschäftsgebaren zu überprüfen, etwa mit Blick auf etwaige Haftungslücken.

Neuntens: Der soziale Netzwerkgedanke mit persönlichem Touch endet hier: Kreditnehmer und Darlehensgeber müssen und sollen sich nicht persönlich mit Namen und Wohnort kennen, um zu einer soliden Entscheidung bei der Kreditvergabe zu gelangen. Hohe Standards beim Datenschutz verhindern, dass persönliche Fehden über das Netz ausgetragen werden.

Zehntens: Grundsätzlich ist von Vermittlungsbörsen abzuraten, die ohne einen rechtlich in der Verantwortung stehenden Moderator und Betreiber funktionieren, der für einen fairen Interessenausgleich zwischen Anleger und Kreditnehmer sorgt. Nur in Verbindung mit den zuvor beschriebenen Mindeststandards lässt sich der Schutz von Anlegern und Kreditnehmern auf die Dauer gewährleisten.

Elftens:     Hier könnte Ihr Beitrag stehen!

Quelle und Copyright: Social Banking 2.0 – und der Rest der Welt.

Written by lochmaier

Dezember 13, 2009 um 10:03 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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