Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Prosper.com: Hälfte der Verbraucher schuldet „nur“ um – Kreditsituation spitzt sich weiter zu

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Dass auf der „sozialen“ Kreditplattform von Mensch-zu-Mensch Prosper.com eine ziemliche Schieflage herrscht, darüber hat Social Banking 2.0 mehrfach berichtet. Nun gibt es neue amtliche Zahlen: Mehr als jeder zweite dort zustande gekommene Kredit ist einer, der aus einer Umschuldung stammt. Das zeigt: Die Lage der amerikanischen Verbraucher ist nach der Finanzkrise keineswegs entschärft, sondern es ticken nach wie vor etliche kleine Zeitbomben.

Wer da jetzt etwa an die allzu freigiebige Kreditkartenindustrie denkt, liegt nicht unbedingt falsch. Und wer dann auch noch mit 17 statt mit 10 Prozent Arbeitslosigkeit konfrontiert wird, der lässt irgendwann die Flügel hängen. Erschreckend für hiesige Verhältnisse mutet das hohe zweistellige Zinsniveau an, das die Konsumenten bzw. Kreditnehmer über prosper.com zu bedienen haben.

Ob der Griff in die personale Trickkiste klappt, darf erstmal gespannt erwartet werden: Denn der prominente Neuzugang bei prosper.com heißt Nick Talwar und ist ehemaliger Leiter der Citibank Schweden. Die heißt ja jetzt wegen der kleinen Missgriffe mit den Lehmann-Zertifikaten künftig Targobank. Talwars neues Kommando auf der rostigen Zugbrücke: Als „Chief Revenue Officer“ – gibt’s dafür eigentlich kein deutsches Wort wie „Einnahmeneintreiber“  – will und darf der Banker prosper.com wieder auf Wachstumskurs hoch päppeln.

Wir hegen nun, als gründliche, an allem gerne herum krittelnde Deutschen, noch leise Zweifel: Yes we can, dieser Slogan scheint da kaum mehr angebracht. Denn auch auf dem amerikanischen Pendant Lending Club sind „Rosinenpicker“ unterwegs, also renditeorientierte Menschen, die auf deutlich zweistellige Gewinne setzen, nachzulesen etwa in der American Banking Review:

The first type of investor that the company says its seeing is what they call diversifiers. These investors hope to minimize their exposure to any single loan and try to invest their funds across as many different loans as possible. These investors are hoping to minimize their risk while getting a reasonable rate of return on their money.

The second type of investors that Lending Club has observed is loan pickers. These investors invest larger sums of money into each type of loan, however they do a much more thorough job of reviewing each loan listing’s data and go to the extent of asking borrowers lots of questions about their financial situation and purpose of the loan. These types of investors are generally out to “beat the market” and hope to get better rates of return by being more selective about who they fund loans for.

Quelle: http://www.americanbankingnews.com/2009/12/04/lending-club-highlights-two-types-of-investors/

Es ziert sich sicherlich für den mittelfristigen Erfolg einer Social Lending Plattform, die dieses Etikett sich noch verdienen will, wenn die zweite Gruppe der renditeorientierten Rosinenpicker nicht gänzlich die Kontrolle über die Chefetage der Betreiber übernimmt.  Und natürlich stellt sich auch die Frage, ob da die Rechnung für die privaten Geldverleiher in den kommenden zwei bis drei Jahren noch aufgehen kann.

Wie dem auch sei – Es sind im Falle von Prosper.com kluge und weitsichtige Investoren gefragt, die das Geschäftsmodell reorganisieren und auf eine sachlich vernünftige und transparente Grundlage stellen. Wer die Details der Platzierungen aus der Statistik für November 2009 nachlesen will, wird hier in der aktuellen Pressemitteilung von Prosper.com fündig:

http://www.prosper.com/about/media_press_releases.aspx?t=Prosper_Sees_Spike_in_Borrowers_Seeking_to_Knock_Out_Credit_Card_Debt

Auch die prominente Spendenplattform kiva.org quält sich gerade mit einem Stresstest herum, da sie eine halbe Million US-Dollar vom „falschen“ Unternehmen angenommen hat. Die sprudelnde Geldquelle aus dem Hause Chevron trifft offenbar nicht überall den Nerv der Zeit, weshalb P2P-Banking titelt: Im gemeinsamen Bett mit dem Feind:

http://www.wiseclerk.com/group-news/services-microfinance/kiva-in-bed-with-the-enemy-kiva-chevron-grant/

Und wie ist die Lage im guten alten Europa, das mit dem alt stimmt schon mal, demographisch gesehen zumindest. Nun ja, die dänische Version von Social Lending MyC4 hat schon mal weiterhin eine ziemlich extreme Schieflage, wie man ebenfalls auf P2P-Banking hier nachlesen kann. 

Aber es gibt natürlich neben Schatten auch noch etwas Licht. Der Grundgedanke von Social Lending kann auch auf längere Sicht funktionieren. Wie gut etwa wirtschaftet Zopa in Großbritanien, wo sich im einen Auge des Finanzorkans gerade die Balken kräftig biegen, und die Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise erst begonnen haben?

Keine Fata Morgana aus dem fernen Osten ist es sicherlich, dass Indien bald seine Ex-Mutter als Ex-Satellit wirtschaftlich überholen dürfte, wie der Spiegel online in seinem Beitrag „Großbritannien schrumpft zur Mini-Macht“ feststellt:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,666166,00.html

Nun ja, zumindest der britische Humor funktioniert noch zuverlässig. Oder wie lässt sich mit Zopa titeln: Neugestaltete Richtlinien „not zo bad“ – Während das amerikanische Pendant Prosper.com ums Überleben kämpft, – dort kann man der Marke nur kreative Macher wünschen, die den Kern durch eine klare Umstrukturierung vor dem Verfall retten – zeichnet sich bei der britischen Peer-to-Peer-Kreditbörse Zopa nämlich eine kreative Umgestaltung an. Darüber berichtet der britische Telegraph mit der kreativen Nebenzeile „not zo bad“:

http://www.telegraph.co.uk/finance/personalfinance/comment/iancowie/6616037/Savers-need-not-suffer-rotten-returns.html 

Worum geht es letztlich? Natürlich um die Ausfallraten der Kredite. Diese müssen möglichst gering gehalten werden, damit die Anleger, aber auch die ganze virtuelle Kreditgemeinschaft, solide wirtschaften, also das ganze System keine Schieflage erhält. Leider kann sich nicht jede Firma ihre Kundschaft aussuchen, und das gilt auch für die Plattformbetreiber.

Warum nicht einen neuen Anlegertyp von der Stange weg neu designen? Lending Club hat es schon mal mit dem Ansatz eines „Diversipicker“ versucht, und hofft dadurch auf Anlegerseite auf einen Mix zwischen dem ganz renditegierigen und dem vielleicht etwas zu vorsichtigen Geldmenschen. Leider klappt es dann mit der Umsetzung der Strategie noch nicht so richtig, weil es viel Arbeit verursacht, die dann auf viele Schultern verteilten Darlehen gezielt zu sondieren.

Wohl kaum die bislang nur theoretisch avisierte Zielgruppe der „Diversipicker“ im Blick haben dürfte die zweite deutsche Social Lending-Plattform Auxmoney. Dort sind vor allem die „Rosinenpicker“ (loan picker), die nach hohen Renditen streben, gern gesehene Gäste als Investoren. Mit dem Ursprungsgedanken von zumindest ein bisschen „social“ im Social Banking 2.0 hat das kaum mehr zu tun. Man wünscht sich in der Tat eine Redefinition in Richtung Common Banking

So gesehen darf also weiter am virtuellen Geldmenschen 2.0 geköchelt und hoffentlich nicht gezündelt werden. Ganz andere Probleme hat da derzeit das deutsche Pendant Smava. Dort halten sich die Renditeversprechen bislang in einem mittleren Bereich, der die Interessen zwischen Kreditnehmer und Darlehensgeber in einem soliden Geschäftsmodell austariert.

Nicht nur dass das Peer-to-Peer-Kreditgeschäft über eine neue Partnerschaft von www.smava.pl auch so langsam im Nachbarland Polen anzurollen scheint, auch auf dem Heimatmarkt hat sich die Wachstumskurve seit diesem Frühjahr deutlich beschleunigt. Da bleibt jetzt für die gestressten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum mehr selbst die Zeit, um sich auch noch als kreative Werbetexter zu betätigen.

Den Werbepitch 2.0 um einen neuen Werbeslogan auf der Plattform – der den bisherigen Kredite von Mensch-zu-Mensch ersetzen soll – hat Smava kurzerhand an die Community ausgelagert, für den Gewinner gibt es sogar ein kleines Preisgeld. Bis zum Ende des Votings am 15.12. kann der Social lender oder Social Voter zwischen fünf Vorschlägen auswählen, wovon einer am Ende das Rennen machen soll:

http://www.smava-blog.de/2009/12/09/abstimmung-fuer-den-besten-smava-slogan/

Written by lochmaier

Dezember 10, 2009 um 7:55 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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