Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for November 2009

Was darf’s denn heute sein: Kapitalismus 2.0 oder gleich 3.0?

with 2 comments

Die Debatte um die Zukunft unseres Bankensystems kann manchmal ganz schön ermüdend sein. Vor allem, wenn immer mehr Schlagworte durch den Raum geistern, wie etwa die so eleganten Wortschöpfungen „Kapitalismus 2.0“ und „Kapitalismus 3.0“. Jetzt wird verbal endgültig das große Rad gedreht, wenn der Spiegel darüber berichtet, wie Wolfgang Schäuble die Finanzkrise mit dem Fall der Berliner Mauer vergleicht.

Wolfgang Schäuble hat das Talent, alle Entwicklungen überwachen zu können, jetzt eben als Finanzminister. O-Ton:

Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer. Die Gewichte zwischen Amerika, Asien und Europa verschieben sich dramatisch. Und diese Entwicklung ist längst nicht zu Ende.

Quelle: Spiegel online

Auf die Idee, eine Analogie zwischen scheinbar unverkettbaren Ereignissen herzustellen, kam der Autor dieses Weblogs übrigens auch schon selbst – und zwar in diesem Artikel hier: zur Gründung  der Noa Bank. Die Botschaft darin ist allerdings etwas anders pointiert, als jene der staatsmännisch altklug daher kommenden Top-Entscheider, Top-Wissenschaftler und Top-Politiker. Die wissen letztlich auch nicht mehr darüber wie jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand, wie sie unser turbokapitalistisch überhitztes Wirtschaftssystem wieder auf Normaltemperatur bringen können.

Damit sind wir bei des „Pudels Kern“ angekommen, den der Songwriter Ulrich Roski schon so trefflich ironisch im Jahr 1975 beschrieben hatte:

Nun ja, des Pudels Kern haben wir noch gar nicht gefunden – wir sind immer noch im Kapitalismus 1.0 gefangen, dem so renditegierigen, mit dem alleinigen Schielen auf den Shareholder-Value. Aber es gibt zumindest dem ersten Anschein nach Menschen, die über den engen Gartenzaun hinaus blicken.

Ob sich dadurch die Spielregeln im kapitalistischen Wirtschaftssystem wandeln, ist eine offene Frage. Einer der Vordenker in der interaktiven Geschäftswelt ist Umair Haque. Er leitet die amerikanische Denkfabrik Havas Media Lab. Das neue über das Internet abgespulte Wirtschaftssystem bezeichnet der Medienexperte als „Capitalism 2.0“. Damit gemeint ist nicht nur, dass die Konsumenten künftig die Regie über die Produkte führen und diese im Mitmachweb maßgeblich beeinflussen.

Mehr noch: Die Unternehmen selbst veränderten sich, indem sie sich kritischen Einflüssen und Kommentaren jenseits der Firmenpforte öffnen. Umair Haque sieht danach eine neue Form des „konstruktiven Kapitalismus“ herauf ziehen. Die Eckpfeiler dieser neuen Wirtschaftsordnung für das 21. Jahrhundert beschreibt er wie folgt: An die Stelle von Ausbeutung trete das Prinzip „Erneuerung“, das Streben nach Einnahmen werde um eine „Sinnebene“ erweitert. Als wesentliches Bindeglied dazu sieht der Experte mehr „demokratische Mitbestimmung“, wenn etwa Kunden die Produkte mit gestalteten und unmittelbar über die Geschicke von Unternehmen mit entschieden.

Das klingt oberflächlich betrachtet schlüssig und brilliant. Allerdings ist diese von Umair Haque vorgetragene Zukunftsvision erst ein recht vager Entwurf um einen „virtuellen Kapitalismus 2.0“. Etwas befremdlich mutet an, wenn Haque dann auch noch erklärt, dass wir wohl einer Spekulationsblase 2.0 durch soziale Netzwerke entgegenstreben. Social Banking 2.0 berichtete hier.

Wie denn jetzt? Das Internet spiegelt schließlich die ganze Bandbreite der realen Welt wieder. Legale wie kriminelle Aktivitäten halten sich dort ebenso die Waage wie im „richtigen“ Leben. Warum sollte man das Netz angesichts der Tendenzen in Richtung Tummelplatz für die Drahtzieher von Cybercrime glorifizieren, warum sollte das Netz besser sein können als der Rest der Welt? Ob sich also anhand verbesserter Möglichkeiten zur Partizipation von Menschen eine neue Spielvariante von Kapitalismus 2.0 bildet, das erscheint zunächst in der Tat eine gewagte Spekulation, die Haque keineswegs schlüssig auflösen kann. Gibt es in der Wirtschaft und Politik mehr Demokratie durch die direkte Beteiligung der Nutzer? Oder ist das alles nur ein einziges Marketingtool?

Die Gefahr besteht: Zumal sich große Wirtschaftsunternehmen immer mehr in soziale Netzwerke einkaufen und das Risiko besteht, dass die Werbeindustrie auch dort das Kommando übernimmt und die Rechte der Nutzer untergräbt. Eines aber steht jenseits von großen philosophischen oder gesellschaftlichen Zukunftsentwürfen fest: Das Internet verändert die Art und Weise, wie globale Finanzströme auf unterschiedlichen Spielfeldern investiert, kreditiert und verwaltet werden. Welche Elemente bereiten also einer funktionierenden „Geldcommunity“ im Mitmachnetz den Weg, in welcher Form macht diese überhaupt Sinn?

Gehen wir also mal einen Schritt weiter zum „Kapitalismus 3.0“ – Jawohl, auch der ist möglich, zumindest in der Theorie. Wer gleich ein ganzes Buch zum Kapitalismus 3.0 lesen will, der wird hier bei dem cleveren Geschäftsmann Peter Barnes fündig, der freundlicherweise das ganze Buch gleich zum online Lesen hier eingestellt hat:

http://www.boell.de/downloads/publikationen/Barnes_Kapitalismus_3-0_komplett_Endf.pdf

Worum geht es in wenigen Worten: Es sei Aufgabe der Commons (der ganzen Weltgemeinschaft), den Kapitalismus „vor sich selbst zu schützen“ (S.95), sagt der Unternehmer und Autor Peter Barnes in seinem Buch „Kapitalismus 3.0 – Ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter.“

Barnes geht davon aus, dass die Gemeingüter der Gemeinschaft (den Gemeinschaften) gehören und dass der aus ihnen geschöpfte Reichtum, uns allen zusteht sowie für den Erhalt des Gemeingutsektors eingesetzt werden muss. Er beschreibt zahlreiche Fälle, in denen „der gestiegene Wert des Privatvermögens“ nichts anderes als „erborgter gesellschaftlich geschaffener Wert ist“ (S. 99).

Der Ausweg: Barnes schlägt einen einfachen Mechanismus zur Erweiterung des Gemeingutsektors vor und er durchdenkt die Institutionenfrage, basierend auf einem einfachen Prinzip: Eine Person – Ein Anteil. (statt: Ein Dollar – Ein Anteil.) Er bringt spannende Beispiele eines vitalen Gemeingutsektors. Beispiele, die Mut machen und zum Weiterdenken anregen sollen.

Quelle: http://commonsblog.wordpress.com/2008/10/17/kapitalismus-30-in-der-diskussion/

Mehr zu Peter Barnes gibt es übrigens hier nachzulesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Barnes_(Unternehmer

Es gibt sie also immerhin, die Diskussion über die neuen „Gemeinschaftsgüter“, die der Autor als Ausweg aus unserer systembedingten Dauerkrise vorschlägt. Das klingt toll, ist aber schwer umzusetzen, so schwer wie jede Form der dezentral gesteuerten Demokratie. Auch die gewählten Beispiele sind sehr grobmaschig gestreckt, ein bisschen viel amerikanischer Pathos und Sendungsbewusstsein. Geht man näher ins Detail, wirkt der Ansatz brüchig. Besser wäre es, wenn es der „Markt selbst richten“ würde, oder noch besser: Die Menschen als Marktteilnehmer, die den Markt nach anderen Kriterien gestalten.  

Rücken wir nun deshalb endgültig vor auf „Los“: Gefährdet das Bankensystem die Demokratie?

Große Worte und dramatische Warnungen waren es, mit denen die Frankfurt Euro Finance Week in der Alten Oper zu Ende ging. Nicht weniger als das Fortbestehen der Demokratie sieht der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet gefährdet, sollten die Steuerzahler die Banken in naher Zukunft noch einmal mit derart großen Summen für ihre eigenen Fehler unterstützen müssen.

Deswegen sollten die Banker sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die Krise gründlich aufzuarbeiten und Lehren daraus zu beherzigen. „Wir sind zum Erfolg verpflichtet“, rief er den versammelten Spitzen der Finanzwelt im Mozartsaal. Es sei zu früh, schon über das Ende der Krise zu jubeln, berichtete die FAZ hier

Spannend ist doch dabei die Frage, welche Selbstregulierungsmechanismen aus der Branche heraus selbst iniziiert werden. Und da wirft Chris Skinner auf seinem Weblog Financial Services die Frage auf: Was hat MiFid für die Demokratie gebracht?

Zur Erklärung: Die MiFID (Markets in Financial Instruments Directive, deutsch: Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, ebenso amtlich als Kurzform auch: Finanzmarktrichtlinie) ist eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt. So bewertet Skinner den Status Quo:

Where, in all the developments of MiFID and its best execution, transparency and competitiveness objectives, was the mention of risk?

Where is the focus on real-time risk reporting?

Where, in all the developments of MiFID and its best execution, transparency and competitiveness objectives, was the mention of risk?

Where is the focus on real-time risk reporting?

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2009/11/what-has-mifid-done-for-democracy.html

Das wird also wohl nix, mit dem von oben oktroyierten Kapitalismus 2.0 oder 3.0. Des Pudels Kern dürfte wohl auch nicht  in der mehr oder minder freiwilligen Selbstregulierung und Selbstbeschränkung der Bankenbranche selbst liegen. Den Versuch, aus der pragmatischen Mitte heraus einen Lösungsansatz vorzustellen, unternimmt immerhin Robert Shiller – hier beleuchten Social Banking 2.0 bzw. der Blicklog seinen Ansatz – in einem Beitrag auf Manager Magazin online:

Einige Kernaussagen aus dem Interview mit Robert Shiller

US-Senator Christopher Dodd hat jüngst ein Gesetz eingebracht, das eine Verbraucherschutzagentur vorsieht. Das ist Teil der Demokratisierung des Finanzsystems, wenn Finanzprodukte, die an Endkunden verkauft werden, zuerst getestet werden, ob sie ausbeuterisch oder betrügerisch sind. Die Emittenten von Wertpapieren dürfen nicht mehr gute Noten bei den Ratingagenturen einkaufen. Da lag wirklich einiges im Argen. Die Demokratisierung des Finanzwesens sollte viel revolutionärer sein als das, was bisher läuft. Ich habe vorgeschlagen, Finanzberatung für jedermann zu subventionieren.

Aber dieser Vorschlag hier klingt wenig praktikabel:

Jeder sollte einen persönlichen Berater haben, der ihn über die Jahre begleitet, keine Produkte verkauft und keine Provisionen bekommt, nur einen vom Staat bezuschussten Stundenlohn. Das ist nur eine der Ideen, wie man das Finanzwesen in den Dienst der Menschen stellen kann. Auch die vielgeschmähten Derivate würde ich nutzen, damit die breite Bevölkerung sich genauso gegen Risiken versichern kann wie die Banken es jetzt schon tun. 

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,661821,00.html

Was also tun? Wo liegt des Pudels Kern? Finden wir es doch einfach selbst heraus: Der Kunde übernimmt beim Social Banking 2.0 selbst die Regie. In einem Interview legt Matthias Kröner von Fidor schon mal eine erste Fährte für die Pilzsucher im Walde, die vor lauter Bäumen selbigen nicht mehr erkennen:

Social Banking 2.0: Wie kann das von Fidor propagierte Motto „Banking unter Freunden und Gleichgesinnten “ funktionieren. Eigentlich hört doch meist beim Geld die Freundschaft auf, selbst in der eigenen Familie (spätestens wenn es ans Verteilen der Erbschaft geht), oder?

Na ja, das geht in manchen Familien mal so, in anderen anders. Auch sehen wir doch eine klare Bewegung hin zur Nachhaltigkeit. Aber, darauf wollen wir uns nicht alleinig verlassen.

Die Technik des Internets und dabei herausragend des Web 2.0 funktioniert, wenn sie richtig angewendet wird, wie eine regionale Vor-Ort-Community. Nennen wir es DORF. In einem Dorf ist jeder mehr oder weniger gezwungen sich nachhaltig zu verhalten, da er ansonsten aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird. Ohne das Bild zu weit zu strapazieren, weil da ansonsten sehr schnell auch die falschen Assoziationen hochkommen, kann man sagen, dass das im Web 2.0 auch funktioniert.

Denn letztlich kann es im Internet bei Fehlverhaltensweisen zu ähnlichen Gesprächen kommen, wie auch in einem Dorf. Das Beispiel eBay zeigt, wie das geht, indem Käufer und Verkäufer sich bewerten können. Das geht ja bereits in diese Richtung und wird von uns sicher aufgegriffen werden.

Quelle: https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/19/fidor-interview-was-ist-eigentlich-community-banking/

Also – ich traue dem global-lokalen Dorf mehr zu als den großen Staatslenkern, vor allem wenn diese sich, wie die Deutschen Abgeordneten im Deutschen Bundestag, sich „Luxus-Füllfederhalter im Wert von 68.000 Euro je Stück leisten, wie der Spiegel hier berichtet. Wer so schön schreibt, braucht sich um die eigene Zukunft keine Sorgen zu machen, benimmt sich aber wie der französische Landadel vor der Revolution. Hier geht’s zum „Geheimnis des Luxus“, den sich der Bundestag gönnt, der aber auch allzu leicht wieder vom Tisch rutschen kann, wie dieses kleine Video auf Youtube zeigt:

Durchgerutscht? So sieht die „Mont Blanc Boheme“ nochmals zum Anfassen aus:

Reden wir Klartext und nehmen den Begriff „Kapitalismus reloaded“ mal ganz wörtlich: Es sind nicht nur die Banken, sondern auch andere Wirtschaftsreviere, in denen sich gewisse Exzesse in der wundersamen Geldvermehrung vollziehen. So manch einer unter den neuen Glückspropheten, die uns, wie ARD-Börsenexperte Michael Best in seinem Buch, einen besseren „Kapitalismus reloaded“ nach der neoliberalen Marktglobalisierung versprechen, entpuppt sich nämlich beim genauen Hinsehen nur als ziemlich geschickter Selbstvermarkter.

Dazu gehört – das ist leider jetzt eine ziemlich deutliche Kritik an den derzeitigen Spielregeln in der Medienindustrie – auch Michael Best von der ARD-Börsenredaktion. Denn schließlich ist der Experte mit unseren Steuermillionen „groß“ geworden. Der Gebührenzahler darf dann im Gegenzug kurz vor der Tagesschau den sicherlich solide-bodenständigen Marktanalysen zum Börsengeschehen des studierten Volkswirtschaftlers und Philosophen lauschen.   

Aber warum müssen wir dafür eigentlich doppelt bezahlen? Michael Best wird von uns doch schon über die Steuergelder subventioniert, und kann auf dieser Basis, indem wir ihn als Fernsehzuschauer aufs hohe Ross heben, dann sein Buch zum „Kapitalismus reloaded“ überhaupt erst schreiben, und hochpreisig mit entsprechender Auflage verhandeln und vermarkten. Aber: Auch dafür kassiert Michael Best ein hohes Honorar, das er praktisch dem Steuerzahler verdankt. Spendet er das nun komplett an die Gemeinschaft zurück?

Wohl kaum. Und dem ganzen setzt das hier noch ein kleines Highlight oben drüber: Denn er kassiert auch noch gutes Geld für seine Vorträge zu diesem Buch. Über derartige Exzesse von Journalisten, die die öffentlich-rechtlichen Medien nur als Vehikel zur Selbstvermarktung benutzen, hatte vor kurzem schon das Medienmagazin Zapp berichtete. Da mutiert das eigentliche Gehalt doch glatt zur „ordnungsgemäß angemeldeten Nebentätigkeit“.

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/ethik_journalismus/nebenverdienste102.html

Einer aber blieb bislang außen vor: Michael Best. Denn auch er steht auf der Referentenliste von Econ, wo auch schon andere wohl klingende prominente Namen – nicht selten aus dem „Ersten“ und „Zweiten“ – vertreten sind:

http://www.econ-referenten.de/redner/best-michael-fernsehjournalist-boersenexperte   

Zwischen fünf und 25.000 Euro werden da beim kreativen Gedankenskizzieren schon mal fällig.

Wie hoch fällt wohl für Michael Best das bescheidene kleine Zusatzhonorar aus, für das wir Steuerzahler gleich dreimal zahlen: 1. Fernsehgebühren“; 2. Kauf des Buches; 3. Honorare für Vorträge.

Okay, letzteres übernehmen die Firmen oder sonstigen Veranstalter, die solche Koryphäen natürlich benötigen, um a) den Schein zu wahren – und b) den Eindruck nach draußen ans Volk zu vermitteln, wir können uns sogar diesen hochdekorierten Experten leisten. Und drittens: Das zeigt, wir spielen in der Wirtschaft ganz vorne mit, wir sitzen in der „ersten Reihe“.

Wenn das keine gewinnträchtigen Synergien für die Beteiligten sind. Da sind keine Kurschwankungen wie an den Börsen zu befürchten. Will heißen: Die Mechanismen der Banken- und der Finanzkrise lauern überall, auch wenn wir ein Buch kaufen, das uns eine vermeintliche Alternative zum renditegierigen Kapitalismus aufzeigt.

Wie die Nebentätigkeit für die Öffentlich-Entrechteten aussieht, darüber berichtet Michael Best am 20.11.09 in der ARD um 19.55 Uhr – die Börse sei heiß wie der „Tanz auf dem Vulkan“:

http://boerse.ard.de/idx_tv.jsp?go=tv

Aber vielleicht tun wir dem ARD-Börsenexperten Michael Best ja jetzt gänzlich unrecht, und er spendet (fast) alles von seinen zusätzlichen Honoraren (das ARD wird ihm ja auch noch irgendwie ein bisschen Geld für seine Auftritte kurz vor der Tagesschau geben). Es wäre aber schön, darüber eine klare Auskunft zu erhalten. Waren nicht mehr „Transparenz“ und „Selbstregulierung“ jetzt das Zauberwort der Stunde in der Bankenbranche, worüber wir ja, dem epochalen Meisterwerk „Kapitalismus reloaded“ folgend, gebannt den Worten von Michael Best andächtig zulauschen sollten? 

Hier als kleiner Denkanstoß und irgendwie auch als Nachweis, dass all dies nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zwei Beispiele von derzeit mit dem Referenten Michael Best hochkarätig ausstaffierten Veranstaltungen. Darunter befindet sich beispielsweise die Frankfurt School of Finance. Sieht nach einem ziemlich vollen Terminkalender aus – Michael Best spricht etwa hier am 3. Dezember:

http://www.frankfurt-school.de/content/de/news/newsfolder/2009/12/03122009_v 

Es gibt viel in der knappen Freizeit zu tun, um ein Buch wie dieses auszuarbeiten. Der normale Job vor der Tagesschau läuft aber vielleicht auch schon zu gut, quasi wie geschmiert. Einen Tag zuvor referiert der ARD-Börsenexperte nämlich als „Stargast“, und zwar bei der auf ökologische Nachhaltigkeit spezialisierten Triodos Bank Deutschland, die am 1. Dezember in Frankfurt offiziell an den Start gehen wird. Darüber hat Social Banking 2.0 bereits hier berichtet.

Nachhaltigkeit umgestellte Finanzwirtschaft aus. Stellen wir deshalb abschließend mal folgende harmlose Frage: Kommt das von Michael Best vereinnahmte Geld nur dem Ferienhaus im Süden und der eigenen Familie bzw. blutsnahen Verwandtschaft zugute, oder erhält der Steuerzahler auch etwas von dem vor allem durch ihn hauptsächlich mit gesponserten Geld zurück – das nun – zumindest bis wir anderes hören werden – ausschließlich als privat vereinnahmter Kuchen endet?

Wie war das noch? Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren, das machen nicht nur Banken, auf die man gerne mal als die derzeit einzig bösen Buben zeigt. Dann atmen alle auf – wir sind  beim Bankenbashing fein raus und können ungeniert weiter im Verborgenen unser Unwesen treiben. Die wahre Ware ist aber die: Nur allzu viele Besitzstandwahrer und Vermögensmaximierer wahren immer den schönen „Schein“, Political Correctness at it’s worst case. 

Übrigens: Das mehr oder minder stilvoll inszenierte „Bluffen“ konnten schon die einen oder anderen unter den „Alt-68-ern“ mit ihrer Kapitalismuskritik ganz gut: Auch sie praktizierten jene Doppelmoral, die Spielregeln zu kritisieren, von denen nicht wenige darunter ganz gut lebten. Motto: Ich singe nicht Euer Lied, aber ich nehme das Brot, das ihr mir reicht. 

Wie geht es weiter mit unserer „verruchten“ Welt, die fast überall aus dem vernünftigen Gleis gesprungen ist. Ein (fast) leistungsloses Grundeinkommen für alle übermäßig Privilegierten, das wird nicht mehr lange so funktionieren. Der dritte Weg wird kommen, aber anders, als viele sich dies derzeit vorstellen, die auf der (finanziell) sicheren Seite des Lebens stehen, der nur vermeintlich ökologisch beschienenen Sonnenseite.

Und damit sind wir endgültig wieder bei der Analogie zwischen Berliner Mauer und der Finanzindustrie und allen anderen gut gepolsterten Machtrevieren: Die Lösungspfade der Zukunft, sie werden nicht von den etablierten Eliten gesetzt werden, sondern Innovationen, ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich, sie entstehen durch kreative Menschen, die einer neuen „geistigen Elite“ entstammen, die sich auch und gerade im Zuge der Finanzkrise gebildet hat. 

Nicht jeder Dichter und Denker statt Bachelor und Banker will nämlich die bisherigen Spielregeln weiterspielen, die Frage ist nur, wie groß der Einfluß der neuen Stiltreiber in der Bankenwirtschaft ausfällt. Viele werden jetzt abwinken, wird schon nicht so schlimm kommen. Aber Kleinvieh macht auch Mist. Das Motto der neuen Elite: Kleine Inseln verbinden, statt die große, leicht zur Schlagseite neigende Lippe riskieren.

Spielen wir doch zum Abschluß – wie die kleinen Kinder – das große Bankenspiel: Denn Kinder und Narren sagen bekanntlich (fast) immer die Wahrheit. Übrigens ist der folgende Beitrag auch ein Produkt der Öffentlich-Rechtlichen Medien (NDR), deren besten Programme tatsächlich diejenigen sind, die für die kleinen und noch gänzlich unmündigen Staatsbürger gemacht sind.   

Written by lochmaier

November 22, 2009 at 9:18 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Noa Bank: Mehr als 1000 Neukunden sind bereits im Boot

leave a comment »

Die mit einer kreativen Marketingkampagne vor kurzem unter der Führung von Francois Jozic gestartete Noa Bank lässt heute über die Nachrichtenagentur AFP vermelden, dass sie bereits mehr als 900 Neukunden gewonnen hat:

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5hsDezCuPcESInLo_qD3zu72pRDXw  

Gegenüber Social Banking 2.0 erklärt Francois Jozik, dass sich zudem noch mehrere hundert Anträge in der Bearbeitung befänden. Vor allem Studenten nutzten das Einstiegsangebot mit dem kostenlosen Girokonto. Die Summe der Kundeneinlagen habe bereits die Millionengrenze überschritten. Geplant sei nun eine Ausweitung der Werbekampgane und eine Kapitalerhöhung um rund fünf Millionen Euro.

Und für welche Themenbereiche interessieren sich die Anleger konkret?  

Die Mehrheit  der Kunden entschieden sich für die Vergabe von Krediten an regionale Unternehmen, wie die Noa Bank mitteilte. 54 Prozent der Anleger hätten sich für diesen Verwendungszweck entschieden, rund ein Drittel (34 Prozent) stelle sein Geld für Firmen aus dem Bereich Ökologie zur Verfügung. Weitere elf Prozent hätten ihre Einlagen zur Vergabe von Darlehen an Unternehmen aus dem Gesundheitssektor freigegeben, nur ein Prozent habe sich für die Unterstützung von Firmen aus dem Kultursektor entschieden.

              Quelle: Google/AFP

Wer mehr über die Noa Bank wissen will, der kann sich hier in der Presserundschau noch einen kleinen Überblick verschaffen:

http://www.forium.de/redaktion/noa-bank-verzichtet-komplett-auf-spekulation-francois-jozic-gruender-der-noa-bank-im-interview/

http://www.boerse-online.de/finanzen/aktuell/:noa-bank–Hohe-Zinsen-&%23×2013%3B-hoher-Anspruch/514086.html

Siehe dazu auch meinen Kommentar: Es gibt sie – „Banker zum Anfassen“:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/20/kommentar-banker-zum-anfassen-so-sieht-die-direktbank-2-0-aus/

 

 

Written by lochmaier

November 21, 2009 at 9:18 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Kommentar: Banker zum Anfassen – So sieht die Direktbank 2.0 aus?

with 6 comments

Es gibt sie also doch: Die Banker, die aus der „Black Box“ namens anonyme Bankgesellschaft heraustreten. Bislang sah man sie nur hinter versteckten Gardinen. Denn die Strippenzieher in der großen Finanzindustrie arbeiteten gerne im Verborgenen, ähnlich wie eine Schattenwirtschaft. Keiner von uns normalen Bürgern sollte und wollte sich allzu viele Gedanken machen, in welchem Ausmaß die Billionen-Jongleure wirklich die Fäden in der Hand hielten.

Das hat sich seit der Finanzkrise etwas geändert. Der Umgang mit Geld rückt plötzlich in die Mitte des öffentlichen Bewusstseins. „Was macht Ihre Bank mit Ihrem Geld?“ – so lautete der Titel einer Werbekampagne von der Noa Bank, die Social Banking 2.0 bereits mehrfach ausführlich vorgestellt hat.

Der neue Firmenchef der Noa Bank, Francois Jozic, er kommt zum Beispiel ganz ohne strenge Kravatte daher, sicherlich auch für manchen Journalisten noch ein ungewohntes Bild. Ebenso gilt dies für die Gründer von Smava oder Fidor. Denn ein Banker muss schon eine große Distanz zum Volke ausstrahlen, sonst glaubt man ihm nicht(s). Und jetzt erst recht nicht, wenn die Banker jetzt als „lockere Typen“ daher kommen. Das kann und darf nichts Seriöses sein?  

Und jetzt startet auch noch der niederländische Anbieter Triodos mit einer deutschen Niederlassung in Frankfurt durch. Es tut sich was, sicherlich die großen Geschäfts- und Privatbanken streuben sich noch anzuerkennen, dass der Kunde plötzlich in der Bankenwelt gemeinsam mit Ihnen die Regie führen könnte.

Irgendwann werden auch sie sich mit der neuen Realität auseinandersetzen müssen. Es gilt nicht, dem Social Banking Paroli zu bieten, sondern zu lernen, wie man die Geldkreisläufe wieder nah am Puls der Realwirtschaft platzieren kann. Eine Art Vorbildfunktion nehmen in Deutschland sicherlich die Genossenschaftsbanken und die Öko- und Ethikbanken ein, denen man aber mit den Worten des großen Dichters Goethe zurufen möchte:

Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen

Dieser Satz gilt aber auch in gleicher Weise für die Direktbanken, die zwar die erste Internetrevolution mit einem maßgeschneiderten Vertriebsmodell eingeleitet haben, den Trend des sozialen Internets aber bislang komplett ignorieren. Die Gründe dafür habe ich in einem längerem Beitrag vor kurzem hier auf diesem Weblog dargelegt.

Sicherlich, die Kommunikation zum Kunden haben Erfolgsgaranten wie die Ing-Diba auf eine transparente und effiziente Grundlage gestellt. Jetzt braucht es aber deutlich mehr, um auch künftig am Markt jenseits guter Zinsen fürs Tages- und Festgeld zu bestehen – die intelligente Kommunikation zwischen effizienten Vertriebswegen, und kreative Ideen, wie sich nachhaltige Dienstleistungen am Markt platzieren lassen.

Geld kann plötzlich sexy sein, und auch ein Banker darf das, zumindest ein bisschen. Die von oben herab staatsmännisch zelebrierte Distanz, der große Vorhang zum Volk, bei dem keiner hinter die Kulissen der Bankenwirtschaft blicken sollte, er fällt allmählich, und es kommt etwas Neues zum Vorschein.

Aber es ist auch eine Reise ins Unbekannte: Der Kunde bleibt unberechenbar, neue Lebensstile und Umgangsformen mit Geld erschweren den Machern, die Zielscheibe in Marketing und Werbung wirklich fein zu justieren. Das ist ja gerade das Spannende. Die Zukunft ist nicht die Gegenwart, alte sozialen Klischees haben ausgedient, Lebensstile und Anlageverhalten gehen Symbiosen ein, die sich manche bislang kaum vorzustellen wagen.

Was ist Social Banking? Diese spannende Frage werden die Kunden selbst beantworten, denn sie sitzen in diesem Theater künftig mit an den Hebeln der Regie. Sie orchestrieren die Dramaturgie. Die Bank der Zukunft wird nicht in kalten gläsernen Wolkenkratzern erfunden, sie wird auch nicht in der kleinen Filiale um die Ecke geprägt.

Die nachhaltige Bankenwelt kann auch nicht durch mehr staatliche Regulierung und Überwachung herauf beschwört werden. Dazu ist vieles gesagt, aber noch nicht von jedem. Die Bank der Zukunft kann sich nur aus der Mitte der Gesellschaft heraus bilden, wenn möglichst viele dem Leitstern einer „modernen und nachhaltigen Direktbank“ folgen.

Die Diskussion um den Begriff „Social Banking“ soll deshalb für alle Leser dieses Weblogs eine passende Steilvorlage sein, sich an dem von Social Banking 2.0 iniziierten „freundlichen Banken-Manifest“ zu beteiligen -, in welcher Form auch immer, in Wortbeiträgen, Kunstprojekten.

Kurzum: Beteiligen Sie sich in ganz unterschiedlicher, in kreativer und undogmatischer Weise, die einen neuen Blickwinkel und neue Antworten auf unseren Umgang mit Geld in Verbindung mit dem eigenen Lebensstil geben könnten. Denn wir wissen: Die Bank sind wir – und der einzige systemimmanente Rettungsfallschirm in der Bankenwelt ist die menschliche Kreativität und Arbeitskraft.   

        

Written by lochmaier

November 20, 2009 at 8:19 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Triodos: Ökologische „Direktbank“ startet deutsche Niederlassung

with 4 comments

Am 01. Dezember 2009 eröffnet die Triodos Bank als die nach eigenem Bekunden in Europa führende Nachhaltigkeitsbank die erste Niederlassung in Deutschland. Eine entsprechende Internetpräsenz gibt es ohnehin schon seit längerem. Jetzt folgt aber auch die „Bank zum Anfassen“: Und zwar in Frankfurt am Main.

Von dort aus will die „ökologische Direktbank“  eine Alternative bieten, sowohl für Privatkunden, als auch als Partner für nachhaltige Unternehmen, Institutionen und Projekte. Die Triodos Bank hat in den ersten sechs Monaten des Jahres ihre Bilanzsumme um 13% auf 2,7 Mrd.€ steigern können. Die Einlagen wuchsen im gleichen Zeitraum um 15%. Das Kreditvolumen konnte um 12% gesteigert werden. Das Betriebsergebnis belief sich auf € 5,7 Mio. im ersten Halbjahr 2009. Die Zahl der Mitarbeiter belief sich per 30.06.2009 auf 526.

Triodos Bank Deutschland positioniert sich mit einem zu erwartenden modernen Banking-Ansatz irgendwo in der Mitte zwischen GLS Bank und der gerade frisch gegründeten Noa Bank. Es ist interessant zu sehen, wie sich hier die sogenannten Marktnischen unter den alternativen Spielern am Bankenmarkt weiter ausdifferenzieren, und diese gleichzeitig insgesamt weiter wachsen.

Von zentraler Bedeutung für den künftigen Markterfolg wird dabei der Umgang in der Kommunikation zu den Kunden via „Social Media“ sein, wieweit also Transparenz und dezentrale Hierarchien sich tatsächlich im direkten Kundenkontakt widerspiegeln. Und natürlich, welche spannenden Produkte und Ideen dem an sich so drögen Geldthema neues Leben einhauchen. 

So könnte irgendwann aus der „Microfinance 2.0“ eine Art „Kapitalismus 3.0“ werden. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich ambitioniert, müssten wir dabei doch den „Kapitalismus 2.0“ gleich überspringen, den wir bekanntlich auch noch nicht geschafft haben.

Aber so hoffen es zumindest die Initiatoren der neuen Triodos Bank Deutschland, so wie es auch der Titel des ersten Triodos-Bank-Dialogs verspricht. Motto: Wie wirtschaften wir heute für morgen? Wer mehr über die niederländische Triodos Bank wissen will, der kann sich hier das Video auf Youtube anschauen:

Hinter der Kreativ-Kampagne in Deutschland stecken so kreative Köpfe wie der Business-Coach und Social Media-Berater  Helge Thomas und die Szugger Kommunikation Labs, eine Agentur für wirkungsvolle Kommunikation in Wiesbaden. Für die Kampagnengesamtkonzeption zeichnet übrigens die Agentur KontextKommunikation verantwortlich.

[Update: Hier noch die harten Fakten – aufs Tagesgeld will Triodos Deutschland 1,5 % Zinsen gewähren, beim Sparplan ab mindestens einem Jahr (mit dreimonatiger Kündigungsfrist) gibt es 1,25% Zinsen.] 

Die Kalkulation dahinter dürfte vermutlich so aussehen: Man stelle sich auf eine Ebene – etwa mit der Ing-Diba – und dann kommen die oder ein Teil der etwas aufgeschlosseneren Kunden von dort schon herüber, da die „nachhaltige Direktbank 2.0“ doch viel attraktiver ist. Das könnte klappen. Mal schauen, wie die Verzahnung zwischen klassischer und viraler Marketingkampagne strategisch angelegt ist, und ob der neue Spieler seine Zielgruppe genau ausgelotet hat. 

Wer jetzt so richtig neugierig geworden ist, dem lege ich nochmals meinen Artikel aus dem April dieses Jahres ans Herz: Social Banking: Zündet die nächste Stufe der Internetrevolution? Dort ist auch die Triodos Bank als einer der Trendsetter in der neuen Welt der nicht nur kurzfristig durchdachten Finanzdienstleistungen kurz beschrieben. Ein kleiner Auszug:

Die Menschen hätten aus den Augen verloren, was sie mit ihrem Geld alles bewirken können, argumentierte Firmendirektor Matthijs Bierman von Triodos Nederland neulich in einem Fernsehbeitrag auf Arte TV, einem der wenigen noch verbliebenen Sender mit Bildungsinhalten.

Zum Kommentar von Social Banking 2.0 zu dieser Neugründung können Sie hier abbiegen:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/20/kommentar-banker-zum-anfassen-so-sieht-die-direktbank-2-0-aus/

Written by lochmaier

November 20, 2009 at 7:41 am

Veröffentlicht in Uncategorized

USA: Prosper.com verliert weiter an Bodenhaftung

with 2 comments

American Banking News kommt zu einem relativ eindeutigen Ergebnis beim Vergleich der beiden führenden US-Anbieter Prosper.com und Lendingclub:

To get a loan on Lending Club, you have to have at least a 660 credit score. Borrowers on Prosper.com must have a credit score of at least 640.

Somit habe Lendingclub das eindeutig bessere und seriösere Geschäftsmodell – und sei der klare Sieger, da nicht nur die Zinssätze niedriger ausfielen, sondern das ganze Prozedere für die Kunden auch erheblich transparenter abliefe: 

Which company is a better deal for you will vary based on your credit score, loan amount, and purpose for the loan. With Lending Club, you’ll know up-front what interest rate you’re paying. With Prosper.com, you’ll have to wait until the bidding period is over.

Hier gibt’s den Beitrag in voller Länge:

http://www.americanbankingnews.com/2009/11/18/prosper-marketplace-announces-2-2-million-3rd-quarter-loss-running-low-on-capital/

Zum allmählichen Ausbluten von Prosper.com passt leider auch diese Meldung, nachdem die Plattform im dritten Quartal dieses Jahres einen Verlust von immerhin 2,2 Millionen US-Dollar eingefahren hat:

http://www.americanbankingnews.com/2009/11/18/prosper-marketplace-announces-2-2-million-3rd-quarter-loss-running-low-on-capital/   

Fazit: „Never change a running system“ – diese allzu simpel nach amerikanischem Erfolgscredo gestrickte Lösung dürfte im Falle von Prosper.com nicht mehr allzu lange gut gehen, schaut man sich etwa hier auf der Plattform P2P-Banking die von einer ziemlich großen strategischen Schieflage geprägten Statistiken an. 

Fragt sich nur, wer den (Geld)Hahn am Ende zudreht und das Licht endgültig ausknipst, die Nutzer, die Investoren – oder die oberste Regulierungsbehörde SEC.

Written by lochmaier

November 19, 2009 at 10:57 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Diskussion: Was ist oder was könnte Social Banking sein?

with 3 comments

In seinem Weblog Finance 2.0 stellt Boris Janek den Begriff „Social Banking“ zur Diskussion. Die Präsentation, was sich hinter diesem neuen Zauberwort, das die von der Finanzkrise gefrusteten Massen glücklich  machen soll, kann man sich hier ansehen:

http://electrouncle.wordpress.com/2009/11/18/social-banking-was-ist-das-eigentlich/

Nehmen wir den Spielball auf – In der Tat, man kann unter Social Banking alles und nichts verstehen. Es kann sozial sein, es kann aber auch ziemlich „unsozial“ sein, wie diese folgende Randbemerkung gleich aufzeigen wird: Man kann nämlich seine Follower im sozialen Netzwerk einfach auslöschen, oder in englisch ausgedrückt „unfrienden“ – was für ein hässliches Wort.

Kein Wunder also, dass das New Oxford English Dictonary (OED) gleich auf die Idee kam, den Social-Media-Begriff “unfriend” zum englischen Wort des Jahres 2009 zu küren:

http://www.medialotse.com/szene/2009/unfriend-social-media-gibt-den-ton-an/4536 

Damit sind wir bei der „sozialen Sprengkraft“ des Begriffs Social Banking angekommen. Denn das Social Banking der „zweiten Generation“, wie ich es nenne, hat mit der ersten Generation der sozialen Fürsorge für vernachlässigte gesellschaftliche Randgruppen nur wenige Schnittstellen gemein. Deren Prominentester Vertreter ist die „Bank der Armen“, die vom Friedensnobelpreisträger Muhamad Yunus gegründete Grameen Bank.

In meinem Beitrag auf Heise Telepolis zum Visionsummit in Berlin habe ich den Paradigmenwandel in der Welt der sozialen Nachhaltigkeit vom „Spendenbegriff“ zum „produktiven Investieren“ eingehend beleuchtet:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31487/1.html

Aber das ist leider nur die eine Seite der Medaille. Es gibt auch die „Gesetzesbrecher“, Individualisten, die Eklektizisch-Konsumorientierten, die Nerds – und wie der neue Lebensstilmix sonst noch heißt, den auch oder gerade die digitale Netzgeneration hervor gebracht hat. Geld kann verbinden, es kann aber auch trennen, jeder achtet auf „Seins“.   

Plakativer ausgedrückt: Social Banking kann „sozial“ und „ökologisch“ sein, es kann aber auch ganz „egoistisch“ sein, weshalb das Thema zunächst tatsächlich ohne jegliche „Wertediskussion“ betrachtet werden sollte. Es geht darum, erstmal einige Scheuklappen abzulegen. Wer sich dazu die Zeitreise in die „neue Vorstellungswelt der sozialen Medien und Netzwerke“ ansehen will, der wird hier – reichhaltig bebildert – bei Chip online fündig:

http://www.chip.de/bildergalerie/Social-Media-Zeitreise-Vom-Bulletin-Board-System-zu-Twitter-Galerie_38931140.html

Nicht jeder digital Native wird sich indes gleich ein 100.000 US-Dollar teures Elektroauto der Marke Tesla kaufen können – oder sich dem nicht immer sozialverträglichen psychologischen Spagat zwischen „Business-Punk“ und „Social Entrepreneur“ widmen können. Wer sind Sie, und wenn ja wieviele, wie kann man beides gleichzeitig sein? – Hier geht es zu meinem nicht ganz ernst gemeinten Persönlichkeitstest:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/12/personlichkeitstesxt-sind-sie-business-punker-oder-social-entrepreneur/

Die Diskussion, wie scharf der Begriff Social Banking sein kann, ist übrigens für alle Leser eine passende Steilvorlage, sich an dem von Social Banking 2.0 iniziierten „freundlichen Banken-Manifest“ zu beteiligen -, in welcher Form auch immer, in Wortbeiträgen, Kunstprojekten, also in unterschiedlichen kreativen Ausdrucksweisen, die eine neue Sichtweise auf das Thema Umgang mit Geld in Verbindung mit dem Lebensstil geben können. 

Aber ich bin sicher, es gibt eine neue Bewegung, die versucht, Bankdienstleistungen von der Wurzel her kreativer und frischer zu gestalten. Die Nutzer hauchen dem Begriff „Social Banking“ schließlich richtiges Leben ein, jenseits akademischer Diskussionen – oder dem bislang fast ausschließlich von Social Media Strategen geprägten Buzzwording.

Written by lochmaier

November 19, 2009 at 9:53 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Fidor: Interview – Was ist eigentlich „Community Banking“?

with 4 comments

Erst vor kurzem hat das Münchner Unternehmen die neue Brokerage-Plattform ibrokr.de gestartet, zu der bald auch die Domain www.ibrokr.com gehört. Die Rede ist von der Fidor Bank AG. Ein Artikel in der Financial Times Deutschland erklärt, worum sich das Rad bei dem innovativen Anbieter von internetbasierten Bankdienstleistungen dreht.

Und hier erklärt Vorstandssprecher Matthias Kröner im Gespräch mit Social Banking 2.0, was es mit dem Community Banking so alles auf sich hat.

Social Banking 2.0: Fidor setzt auf „Community Banking“ – Was ist das eigentlich?

 Community Banking zeichnet sich durch eine Reihe von Faktoren aus:

–          Die User kennen sich, bzw. können sich kennen.

–          Sie tauschen sich zu Geldthemen aus, teilen Erfahrungen mit, geben Tipps und Ratschläge.

–          Die Zielsetzung ist, dass man so – ohne den Einfluss einer Vertriebs-Organisation – zu einer validierten Meinung in Sachen Geld kommt. Der Claim hierzu: „Gemeinsam mehr Geld“ bringt diese Zielsetzung zum Ausdruck. Es besteht die Meinung, dass man durch die Vermeidung von Fehlberatung und Abverkauf eine Menge Geld sparen kann.

–          In diesen Diskurs ausdrücklich eingeschlossen sind „Geld-Berater“, die bereits sind, sich in diesem transparenten Umfeld zu bewegen und zu behaupten.

–          Darüber hinaus: Die User werden bei der Produkterstellung befragt, integriert. Der Kunde ist somit von Anfang an Bestandteil der Wertschöpfungskette. Dies betrifft die Gestaltung von Produkten, es betrifft aber auch die Gestaltung von Preisen.

–          Technisch gesehen bedeutet es den Betrieb einer eigenen Fach-Community. Aber, es bedeutet auch, dass man sich auf den großen Social-Media Seiten zeigt und dort den Usern entgegen geht, die Diskussion rund um Geld auch dorthin bringt.

–          Letztlich bedeutet für uns der Begriff Community Banking auch die technische Möglichkeit für die User, miteinander Transaktionen durchzuführen (peer-to-peer Banking). Dies als veritable Alternative und Ergänzung zu dem eher klassischen Bank-to-Consumer Angebot.

Social Banking 2.0: Kann man das Rad in der Finanzindustrie neu erfinden und den Kunden an die Spitze der Innovationspyramide stellen?

Ja. Ich wüsste nicht, warum das nicht klappen sollte. Natürlich ist uns bewusst, dass nur ein kleiner Teil der User das aktiv nutzen wird – wie es derzeit ja auch schon geschieht. Aber, für den größeren Teil der User ist es wichtig zu sehen, dass es ginge wenn man wollte…  Es geht hier also um die faktische Dokumentation einer kulturellen Grundeinstellung von Seiten des Managements der Bank.

Social Banking 2.0: Wie lässt sich das Konzept der kollektiven Schwarmintelligenz für nach Web-2.0-Prinzipien gestaltete Bankdienstleistungen konkret nutzen?

In erster Linie geht es um das Finden einer Lösung, einer Lösungsalternative. Was meine ich damit? Ich habe (aus welchem Grund auch immer) das Gefühl, dass ich einen Entscheidungsbedarf zu einem gewissen geld.thema habe. Weil ich beispielsweise etwas in der Zeitung gelesen, oder aber, weil ich am Ende des Geldes immer noch etwas Monat übrig habe. Im Rahmen unserer „GELDFRAGE“ hat der User die Möglichkeit, anonym genau diesen Sachverhalt mit eigenen Worten darzustellen. Abhängig vom Thema erhält der User eine Reihe von Antworten, die ihm nun inhaltlich einen gewissen Weg vorzeigen. Mit besonders guten Antwortgebern kann der User auch gerne das persönliche Gespräch suchen.

Im zweiten Schritt geht es um die Validierung einer Meinung. Im Neudeutschen nennt sich das „second opinion“. Warum nicht über die Community eine second opinion einholen, beispielsweise zu dem Ratschlag eines Beraters. Wenn diese Möglichkeit in der Vergangenheit bestanden hätte, dann wäre das ein oder andere an Fehlberatung unterblieben.

Generell bin ich nicht der Meinung, dass man einen Ratschlag unvalidiert einfach so umsetzen sollte. Das gilt für Tipps aus der Community ebenso, wie es auch für den Vorschlag eines Beraters gilt.

Social Banking 2.0: Ist es überhaupt realistisch, dass die Nutzer selbst neue Bankprodukte „erfinden“ und gestalten – oder bleibt hier die große Masse nicht passiv außen vor, wer also treibt wie die Entwicklung voran, wer folgt?

Ich denke, es ist (und wird auch so bleiben) ein Wechselspiel, bei dem mal einige wenige User, mal aber auch das Management der Bank die treibende Kraft ist. Wichtig dabei ist, dass die Bank selbst auch bereit ist, Produktideen verstärkt erst im Netz zu diskutieren und dann umzusetzen.

Social Banking 2.0: Besteht nicht das Risiko, durch Voting-Systeme im Community Banking einen neuen Herdentrieb ähnlich dem an der Börse zu generieren, der dann die Rendite für den einzelnen Geldanleger letztlich wieder ins Minus drückt?

Nein, das Thema sehe ich bei „Personal Finance“ Themen nun überhaupt nicht. Bei der Börse schon. Da aber nicht. Im Gegenteil: Ähnlich wie beim Einkauf von Konsumgütern können wir bei dieser Art von Produkten den Preis umso effizienter machen, je mehr User/Kunden daran teilnehmen. Insofern klare Antwort: Das Gegenteil ist der Fall. Es geht hier nicht um Informationsvorsprung, sondern um effiziente Produktion.

Social Banking 2.0: Wie kann das von Fidor propagierte Motto „Banking unter Freunden und Gleichgesinnten “ funktionieren. Eigentlich hört doch meist beim Geld die Freundschaft auf, selbst in der eigenen Familie (spätestens wenn es ans Verteilen der Erbschaft geht), oder?

Na ja, das geht in manchen Familien mal so, in anderen anders. Auch sehen wir doch eine klare Bewegung hin zur Nachhaltigkeit. Aber, darauf wollen wir uns nicht alleinig verlassen.

Die Technik des Internets und dabei herausragend des Web 2.0 funktioniert, wenn sie richtig angewendet wird, wie eine regionale Vor-Ort-Community. Nennen wir es DORF. In einem Dorf ist jeder mehr oder weniger gezwungen sich nachhaltig zu verhalten, da er ansonsten aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird. Ohne das Bild zu weit zu strapazieren, weil da ansonsten sehr schnell auch die falschen Assoziationen hochkommen, kann man sagen, dass das im Web 2.0 auch funktioniert.

Denn letztlich kann es im Internet bei Fehlverhaltensweisen zu ähnlichen Gesprächen kommen, wie auch in einem Dorf. Das Beispiel eBay zeigt, wie das geht, indem Käufer und Verkäufer sich bewerten können. Das geht ja bereits in diese Richtung und wird von uns sicher aufgegriffen werden.

Social Banking 2.0: Welche Produkte und Dienstleistungen kann und sollte „Community Banking“ beinhalten?

In erster Linie natürlich das, was der Kunde möchte. Vielleicht eine scheinbar doofe Antwort. Aber eine ernst gemeinte. Der Kunde ist ja Bestandteil der Wertschöpfungskette wie eingangs beschrieben. Dann: Produkte, die dem Kunden helfen. Wobei braucht er Hilfe? Unsere Meinung ist, der Kunde muss sich massiv um die eigene Kaufkraft sorgen machen. Die vor uns liegenden Zeiten werden hart. Insofern muss dieses Szenario van Banken berücksichtigt werden. Und: Produkte, die Spaß machen. Das ist aber unser Geheimnis, was wir darunter verstehen 😉

Social Banking 2.0: Wie sieht seitens Fidor ein für beide Seiten profitables Geschäftsmodell aus, das sowohl für die Community, aber auch für den Betreiber funktioniert und sich für beide rechnet?

Ganz einfach: Für eine gewisse Art des Peer-to-Peer Bankings bekommt die Bank Commission Income. Ansonsten: Bilanz. Einlagen auf der einen Seite, Kredite auf der anderen.

Social Banking 2.0: Welche Zukunftsvision verfolgen Fidor und Sie persönlich, wäre das P2P-Banking oder Community Banking nicht auch ein Modell für die ganze Wirtschaft, zum Beispiel im Bereich von Unternehmensfinanzierungen für kleine und mittelständische Betriebe?

Um den konkreten Teil der Frage konkret zu beantworten: Wir sehen sogenanntes Crowdsourcing sicherlich als Bestandteil des zukünftigen Angebots. Wird es der Königsweg der Finanzierung werden? Nein, glaube ich nicht. Aber man muss den ersten Schritt in diese Richtung gehen.

Darüber hinaus: Meine Vision ist es, eine internationale, im Web agierende moderne Bank zu bauen, die hauptsächlich durch die Kunden gestaltet und getrieben ist. WIR SIND DIE BANK!  Das sollte der Ausruf aus Kundensicht sein… 😉

Interview: Lothar Lochmaier

© Textbüro Lochmaier

Written by lochmaier

November 19, 2009 at 8:32 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Kreditkartendiebstahl: Was tun beim größten Fall in der Nachkriegsgeschichte?

leave a comment »

Es rauscht gewaltig im physischen und digitalen Blätterwald +++  100.000 deutsche Kreditkarten werden eingezogen +++ Größter Fall in der Nachkriegsgeschichte +++  Normalerweise gehört es nicht den Aufgaben dieses Weblogs Social Banking 2.0, über Kreditkartendiebstahl und Abwehrmaßnahmen zu spekulieren. Aber in diesem Fall vielleicht mal eine Ausnahme, sind es doch auch „soziale Wesen“, sprich die Bankkunden, die davon elementar betroffen sein können. Hier einige Verzweigungen zu Presseartikeln, damit alle verstehen, worum es geht:

http://www.welt.de/finanzen/article5251635/Kreditkarten-Datenklau-trifft-alle-deutschen-Banken.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,661909,00.html

http://www.flensburg-online.de/blog/2009-11/rheinische-post-ungutes-gefuhl-bei-kreditkarten-kommentar-von-georgwinters.html

Originalquelle: Rheinische Post

Was tun – Panikmache? Ignorieren? Kreditkarte sperren?

Das rät die Märkische Allgemeine: Fürchten Kreditkarteninhaber illegale Abbuchungen, können sie die Karte zentral über die Rufnummer 116 116 sperren lassen. Oder Sie sollten sich an ihren Kartenherausgeber wenden, rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11659702/7250027/Kreditkarte-sperren-So-koennen-Verbraucher-handeln.html

Noch ein einfacher Tipp: Ansonsten kann man auch die eigene Bank anrufen, um sich zu erkundigen, ob da Gefahr in Verzug ist. Zur Beruhigung: Für den Schaden kommen übrigens die Kreditkartenindustrie bzw. die Banken auf.

 

Written by lochmaier

November 18, 2009 at 8:59 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Social Media: Warum Direktbanken das soziale Internet verschlafen

with 5 comments

Charakteristisch für das Bankwesen in Deutschland ist seine „Drei-Säulen-Struktur“. Damit gemeint ist die organisatorische Trennung zwischen Genossenschaftsbanken (Kreditgenossenschaften und genossenschaftliche Zentralbanken), öffentlich-rechtliche Institute (Sparkassen und Landesbanken) sowie Privatbanken.

Nach diesem drögen Einstieg immer noch Lust weiterzulesen? Wir sind dem sozialen Internet zugeneigt, und das ist auch gut so. Neben den per Satzung auf das Gemeinwohl verpflichteten Genossenschaftsbanken und öffentlich-rechtlichen Instituten hat sich seit den siebziger Jahren mit den Umwelt, Öko- und Ethikbanken nämlich ein weiteres „informelles Spielfeld“ zum Drei-Säulen-Modell etabliert. Der gesellschaftliche und finanzielle Aktionsradius blieb bislang begrenzt, trotz des in jüngster Zeit gewachsenen Kundenzuspruchs. 

Noch immer empfindet der Anleger den sozialen und ökologischen Aspekt als etwas, was die eigene Rendite nicht allzu sehr schmälern darf. Schließlich wird weiter oben in der Gesellschaft ja auch kräftig „abgesahnt“, und wir sollen unser Gewissen damit begnügen, hohe Steuern für die Beseitigung der Finanzkrise zu zahlen und unseren Abfall in der grünen Tonne zu entsorgen?  

Oder ein bisschen für die „Dritte Welt“ zu spenden, die uns jetzt bedrohlich nahe rückt? Das reicht nicht, wenn wir mal ehrlich sind, aber wir können uns trösten: Die große Politik versemmelt ja auch einen Klimagipfel nach dem nächsten. Jeder „Selbst und Ständige“ und jeder zwangsläufig innovativ handelnde Unternehmer wäre schon längst pleite, würde bei jeder Diskussion so wenig herum kommen, so wie vermutlich auch beim nächsten Staatsgipfel zum Weltklima in Kopenhagen  – siehe diesen Artikel in der FAZ hier.  

Wer sich mal das von mir zur kollektiven Nachbearbeitung verfasste „Freundliche Banken-Manifest“ näher angesehen hat, wird vielleicht die bittere feine Ironie in folgendem „Artikel“ bemerken:

16. Wir werden die Welt retten, müssen es aber nicht (gleich sofort tun).   

Möchten Sie sich beteiligen, hier geht’s zur virtuellen „Mitmachbank“:

https://lochmaier.wordpress.com/diskussion-banken-manifest/  

Wieder zurück zum eigentlichen Thema: Ein gutes Umweltgewissen über die individuelle Geldanlage muss man sich aus der sicheren Schlagdistanz zu den eigenen existenziellen Alltagsnöten leisten können. Jedoch mehren sich die Zeichen, dass Anleger zum Umdenken bzw. Umschwenken bereit sind, sofern sich die Konditionen für Standardprodukte wie Festzins- und Tagesgeldanlagen jenen der etablierten Geschäftsbanken angleichen.

Das tun sie aber noch nicht ganz. Die neuen „Sozialbanken“ wie Noa Bank (Tagesgeld und Festzins) sowie Fidor können hingegen mithalten, siehe die heutige Pressemitteilung von Fidor, mit verbesserten Konditionen für Festzinsanlagen (z.B. 2,55 % für 1 Jahr).

Direktbanken erobern das Terrain

Mit der DiBa, heute zum niederländischen Konzern ING zugehörig (ING-DiBa), etablierte sich in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt ein Zugpferd, das heute nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Kunden hat. Im Prinzip wären reine Online-Anbieter auch prädestiniert dafür, den Markt fürs Social Banking zu dominieren. Genau dies passiert jedoch erstaunlicherweise nicht. Warum auch? Die Direktbanken würden ihr eigenes Geschäftsfeld „kannibalisieren“, wenn sie dem Nutzer zu viel Kreativität und Freiraum überließen.

Denn die in klassischen internetbasierten Vertriebsstrukturen gefangenen Anbieter sind bislang zwar in der Lage, auf effiziente und kostengünstige Art einfache Geldtransaktionen und Anlageprodukte in den Markt zu schleusen. Sie sind jedoch aus durchaus nachvollziehbaren Gründen nicht in der Lage, die sozialen Bedürfnisse der potentiellen Zielgruppen von Social Banking in ihren Produktphilosophien nachzubilden.

Warum also nutzen sie kein „Social Media“? Bislang bieten Direktbanken eine nutzerorientierte Gestaltung der Webseiten. Immer stehen dabei jedoch die eigenen Produkte im Vordergrund. Blogs, Wikis oder andere soziale Netzwerkfunktionen finden kaum oder gar keinen Raum. Es bleibt meist bei der telefonischen Hotline für Rückfragen. Hoffentlich kommt man gleich durch, aber das klappt bei den Direktbanken meist nicht so schlecht wei bei den Leuten von der segensreichen Telekommunikation, oder wenn man sich erdreistet, den Internetanbieter zu wechseln.   

Für eine ausgiebige Kommunikation mit dem Kunden bleibt aber auch bei den Direktbanken keine Zeit, das würde sich kaum rechnen – zumal die Internet-Direktbanken primär auf den Bereich günstigen Tagesgeld- und Festzinsanlagen fokussiert sind.

Bilanzieren wir in der Mitte dieses Beitrag etwas provokativ: Die Privat- und Geschäftsbanken wollen das soziale Internet nicht nutzen, die Direktbanken können es nicht einsetzen, und die Öko-, Ethik- und Genossenschaftsbanken sind bei all ihren „Verdiensten“ zu sehr in einem konzeptionellen „Add-on-Ansatz“ von Social Media verhaftet. Keine der drei Gruppen sieht vor, den Nutzer direkt am Geldkreislauf und der Produktentwicklung zu beteiligen.

Also: Das Produktdesign bei der Geldwertschöpfung und dem „Supply Chain“ behält sich „die Bank“, welcher Couleur auch immer, als zentrale Instanz vor. Sicherlich gibt es hier auch von der einen oder anderen Seite eine Gegenrede, aber letztlich sitzt die Bank am langen Hebel, der Kunde kommt im Idealfall in den Genuss von mehr Transparenz und einer besseren Information. Das ist ja auch schon was.  

Andererseits bleibt den neuen Spielern im „Social Banking“ ein derart rascher Aufstieg wie den Direktbanken ab Ende der neunziger Jahre verwehrt. Zu komplex und erklärungsbedürftig ist eine dezentral gesteuerte Dienstleistung, die Prozesse zwischen einzelnen Personen oder Gruppen bei der Kreditvergabe oder der Geldanlage relativ aufwändig koordinieren und harmonisieren soll.

Vieles hängt außerdem vom seriösen Geschäftsgebaren der neutralen Zwischeninstanz ab, dem Plattformbetreiber. Es dürfte also noch ein paar Jahre dauern, bis sich zumindest ein Teil der Öffentlichkeit an den Gedanken gewöhnen wird, die eigene Gestaltungsmacht nicht mehr direkt an die Bank abzugeben, um Geld zu verleihen, und dass man auch gemeinsam mit anderen Internetnutzern sein Geld kreativ und produktiv anlegen kann. Das kann Spaß machen, ist aber auch anstrengend. Trotzdem darf behauptet werden: Die Zeit ist reif dafür. Erst recht, falls die Banken weiterhin im Glashaus sitzend, mit Steinen auf die Allgemeinheit werfen, sprich die nächste Spekulationsblase auf uns zu käme, wie das Handelsblatt hier in einem Interview andeutet. Andererseits ist das vielleicht nicht einmal mehr die zentrale Frage, wenn die Deutsche Bank selbst schon einräumt, dass sie die Aufgabe, die Unternehmen mit Krediten zu versorgen, kaum mehr nachkommen kann, wie kurz und knapp auf Spiegel online hier nachzulesen ist 

Und so fällt die bisherige Statusmeldung zur Gründung der Noa Bank recht positiv aus. Was das Blatt- und Netzrauschen angeht, so begrüßen die Marktbeobachter überwiegend die Gründung der Noa Bank. Tenor: Das musste und sollte ja so kommen. Hier eine ganz interessante Bewertung zum Geschäftsmodell auf dem Entwicklungshilfe-Blog (interessant auch der Leserkommentar ganz unten):

http://www.entwicklungshilfe-blog.de/2009/11/social_banking_noabank/

Spekulieren wir doch abschließend mal ein bisschen: Für ein Viertel bis ein Drittel der zivilen Bürgergesellschaft dürfte die Kreditvergabe und Geldanlage über soziale Netzwerke eine auch mit dem eigenen Lebensstil gekoppelte attraktive Zusatzvariante in der Diversifizierung der Geldbörse sein. Warum das ganze Vermögen an abstrakte Institutionen wie die Banken vergeben, noch dazu, wenn diese den finanziellen Mehrwert für sich allein reklamieren?

Die in der Tradition des kosteneffizienten Internet-Vertriebskanals groß gewordenen Direktbanken sind indes nicht in der Lage, diese neue Kundenklientel zu bedienen, weshalb neue Spieler wie die Noa Bank auf den Plan treten, die sich zudem jenseits der gängigen historischen Traditionslinien positioniert haben -, in einer Art undogmatischen Nische zwischen dem Drei-Säulen-Modell, den Öko- und Sozialbanken und den Direktbanken.

Diese Nische ist gar nicht so klein, sondern trifft durchaus den Nerv des Zeitgeistes. Der Gründer der Noa Bank, Francois Nozik, weist deshalb in seinem gestrigen Blogeintrag nicht ganz zu Unrecht auf eine Art „Wahrnehmungslücke“ in der deutschen Bankenlandschaft hin:

http://www.anderebank.de/blog/artikel/warum-brauchen-wir-eine-neue-bank/

Haben die alten und neuen Banken übersehen, was der Kunde wirklich will? Die potenzielle Marktnische einer von den seit Jahrzehnten etablierten Banken noch nicht abgebildeten modernen und zeitgemäßen Lebensstilkomponente dürfte recht groß sein. Diese Klientel freilich jenseits des Marketings zu erschließen und zu binden, das ist jedoch alles andere als ein Selbstläufer.

Und hierin liegt beim Social Banking und beim Social Lending der Kontrast zu den Direktbanken, die vor einem Jahrzehnt los legten, und die zunächst keiner so richtig ernst nahm. Das Geschäftsmodell a la Diba war quasi ein „sich selbst erklärendes“. Schließlich war es ziemlich bequem, Tagesgelder und Festzinsanlagen übers Online-Banking vorzunehmen, und für die verwaltungstechnisch schlank aufgestellten Betreiber wie die heutige Ing-Diba rechnet sich das Ganze auch noch.

Insofern sind die Einstiegshürden deutlich höher, beim Social Banking der zweiten internetbasierten Generation, bei der die Nutzer selbst mittel- oder unmittelbar die Regie führen. Dies wird nur dann eine Innovation für den Massenmarkt sein, wenn es gelingt, den Einsatz von Social Media mit einem über längere Zeit konsistenten, transparenten und attraktiven Geschäftsmodell zu verbinden. Der Gründer der Noa Bank, Francois Nozik beschreibt die Vorteile der Noa Bank wie folgt:

• Keine Spekulation – Geld wird nur der Realwirtschaft geliehen

• Volle Transparenz  Mitwirkung und Beteiligung
• Ein universeller Ansatz – keine Spartenbank
• Eine moderne Vision über die Welt
• Attraktive Konditionen

Quelle: www.anderebank./blog

Das klingt schon mal nicht schlecht – wer würde da widersprechen? Die eigentliche Herausforderung steht freilich noch bevor, nämlich den Einsatz von Social Media mit der Platzierung der Geldeinlagen direkt und kreativ am Puls der Realwirtschaft erfolgreich zu bewältigen. Dies ist freilich eine Aufgabe, mit der wir uns alle „nach“ oder inmitten der Finanzkrise alle gemeinsam konfrontiert sehen. Oder populärwissenschaftlich ausgedrückt: Die Bank sind wir, da wir ohnehin den letzten „Rettungsfallschirm“ im maroden Finanzsystem darstellen. Siehe dazu die folgende Analyse von Social Banking 2.0:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/16/corporate-social-media-wohin-geht-die-reise-zum-mittelpunkt-der-erde/

Written by lochmaier

November 18, 2009 at 8:06 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Prosper.com: Treiben hohe Ausfallraten Plattform in den Ruin?

leave a comment »

American Banking News veröffentlich zwar heute die Meldung, dass Prosper.com, einer der Marktführer in den USA in der Kreditvergabe über finanzielle soziale Netzwerke, jetzt von der obersten Regulierungsbehörde SEC erneut formal grünes Licht erhalten hat:

http://www.americanbankingnews.com/2009/11/17/prosper-com-begins-offering-hardship-arrangements-to-delinquent-borrowers/

Der bittere Wermutstropfen folgt jedoch sogleich: Denn die hohen Ausfallraten auf der Plattform Prosper.com bei der sozialen Kreditvergabe, die der Branchendienst zwischen 10 und 40 Prozent ansetzt, könnten in absehbarer Zeit das endgültige Aus bedeuten.  

Mit anderen Worten: Wirtschaftet Prosper nicht mindestens so gut wie jede reguläre Bank, dann erweist der Betreiber dem „Community Banking“ oder „Social Lending“ letztlich einen Bärendienst. Ursprünglich hatte sich Prosper durch einen „Zweitmarkt für Kredite“ mehr Spielraum und Flexibilität bei der Gestaltung der geschäftlichen Tätigkeit erhofft. 

Aber wer kauft schon nach der Finanzkrise gerne Schulden auf, die sich kaum mehr bewerten und eindeutig zuordnen lassen? „Zweit- und Drittmärkte“, auf denen die Akteure ausgefallene Kredite zur Restverwertung an externe Spieler weiter reichen, das erinnert doch sehr an das gängige Strickmuster der „Kreditblase“ in der etablierten Banken- und Finanzindustrie, die über die Wall Street ausgelöst worden war.

Insofern rächt es sich, dass Prosper.com bereits ein Jahr vor der beginnenden Finanzkrise in den USA im Jahr 2007 an den Start ging, und offenbar seitdem keine „gelernten Lektionen“ mit Blick auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell in das Managementteam Einzug stattgefunden haben. Statt das Kerngeschäft auf eine solide Grundlage zu stellen, schlägt sich Prosper.com mit Dutzenden von Regulierungsfragen um.  

Bekommt die Plattform ihre Probleme nicht bald in den Griff – offiziell weist der Betreiber immerhin seit Gründung ein vermitteltes Kreditvolumen von 183 Millionen US-Dollar und 880.000 Mitglieder aus – dann dürfte der wichtigste Mitbewerber Lendingclub dieses Spielfeld in dem US-Geschäft wohl für sich allein reklamieren, zumal sich Virgin Money offenbar ohnehin aus dem Markt zurück ziehen möchte.

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/16/social-lending-steigt-virginmoney-aus-us-geschaft-aus/

Zumindest, so scheint es, hat Lendingclub schon mal den Vorteil von etwas mehr Transparenz auf seiner Internetseite. So kann der Anleger die Statistiken vom Betreiber etwa hier genauer einsehen:

https://www.lendingclub.com/info/statistics.action

Leider sind auch derartige Statistiken nur die halbe Wahrheit, denn es befindet sich offenbar auch eigenes Kapital vom Unternehmen mit im Spiel, wie sich auf der Plattform P2P-Kredite in einem Eintrag vom März dieses Jahres nachlesen lässt:

http://www.p2p-kredite.com/lending-club-nutzt-eigenes-geld-um-kredite-mit-zu-finanzieren_2009.html   

Offiziell läuft nur allzu vieles in den USA nach dem Motto „the show must go on“, denn die Plattform Tradingmarkets hat heute verlauten lassen, dass das generierte Kreditvolumen bei Prosper.com im September sogar um 65 Prozent gewachsen sei. Als quasi semi-wissenschaftlicher Beleg wird sogar die jüngst eine von Deutsche Bank erstellte Marktanalyse zu den Peer-to-Peer-Kreditbörsen herangezogen – dabei fiel gerade deren Fazit in der Überschrift nicht gerade freundlich aus:

http://www.tradingmarkets.com/.site/news/Stock%20News/2659901/

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/12/welcome-to-the-machine-db-research-nimmt-p2p-lending-ins-kreuzfeuer/

Fazit: Im Social Lending, der Kreditvergabe innerhalb von finanziellen Netzwerken, gibt es noch einiges für die Beteiligten jenseits und diesseits des großen Ozeans zu lernen.

Written by lochmaier

November 17, 2009 at 4:22 pm

Veröffentlicht in Uncategorized