Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Smava: Interview – Gründer sieht selbstbestimmte Anleger-Netzwerke auf dem Vormarsch

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Im Gespräch mit Social Banking 2.0 erläutert der Gründer von Smava, Alexander Artopé, seine Sichtweise auf menschliche Netzwerke zum Zwecke der privaten Kreditvergabe, statt maschinell gesteuerten “Provisionsmaschinen“:

Social Banking 2.0 – Herr Artopé: Was halten Sie denn mit Blick auf Smava von der Expertise aus der Forschungsabteilung DB Research der größten deutschen Universalbank Deutsche Bank?

Artopé: Erstens spricht es für die Deutsche Bank, wenn sie interessante Themen analysiert. Zweitens sind die Ergebnisse wohl eher für eine Zielgruppe, die sich mit dem Thema strategisch beschäftigt. Meines Erachtens findet man aktuelle Informationen vor allem in Blogs, wie dem Ihrigen, oder bei p2p-kredite.com, oder auch bei Anbietern selbst wie http://www.smava-blog.de/.

Social Banking 2.0: Wie sehen Sie denn die sachlichen Argumente, dass sich Smava, was die Kreditkonditionen angeht, nur im Mittelfeld der deutschen Anbieter befindet?

Artopé: Erstens ist dabei nicht berücksichtigt, dass außer smava keine Kreditbank in Deutschland die Konditionen der vergebenen Kredite transparent auf seiner Webseite veröffentlicht. Und wie oft beschrieben von der Presse, gilt es „Lockvogelangebote“ und tatsächliche Konditionen zu unterscheiden. Selbst die Kalkulation mit Durchschnittswerten bringt deshalb nur bedingt Transparenz. Zweitens ist dabei nicht berücksichtigt, dass bei smava auch Personen einen Kredit bekommen, die durch das normale Raster der Banken fallen, insbesondere Selbständige wie Freiberufler und Gewerbetreibende.

Social Banking 2.0: Oder anders gefragt: Welche Vorteile, etwa mit Blick auf die Transaktionskosten, bietet Smava, die andere klassische Kreditanbieter nicht offerieren können?

Artopé: Direkte Geldgeschäfte ohne eine teure Organisation dazwischen. Dadurch kann man bei smava günstige Kredite erhalten und bessere Renditen als bei vergleichbaren festverzinslichen Geldanlagen erzielen.

Social Banking 2.0: Bei welchem Prozentsatz sehen Sie bei smava die Schmerzgrenze, was die Ausfallrate von Krediten angeht, die infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise und damit einher gehender erhöhter Risikofreude und Turbulenzen für die privaten Verbraucher steigen könnte?

Artopé: Einen Einfluss der Finanzkrise auf das Risiko haben wir bisher nicht beobachten können. Unabhängig davon ist bei smava die für Anleger relevante Kennziffer nicht die kumulierte Ausfallrate, sondern ihre erwartete Rendite, die man immer aktualisiert in seinem smava-Konto einsehen kann. Und da sind wir bisher im Plan.

Social Banking 2.0: DB Research behauptet, dass die Innovation von P2P-Lending darin bestehe, den Computer über den Menschen zu stellen, also eine Art „technisch blinde Kreditvergabe“ vorzunehmen, statt ein ausgereiftes Risikomanagement zu betreiben. Was antworten Sie auf den Vorwurf, dass Nutzer es bei Smava mit einer Art „maschineller Black Box“ zu tun haben?

Artopé: Jeder Anleger entscheidet bei smava auf Basis seiner Vorstellungen. Einigen geht es primär um die Rendite, anderen eher um das Thema. Dabei kann man – unabhängig, ob man Gebotsassistenten verwendet oder persönlich bietet – diese Vorstellungen quantativ und qualitativ präzise festlegen. Zusammenfassend läßt sich festhalten, dass Anleger vollständig selbst entscheiden, wie sie Geld anlegen und wem sie das Geld geben. Ob man dabei eine Erleichterung für die Gebotsabgabe nutzt, beeinflusst diese Selbstbestimmung nicht.

Social Banking 2.0: Kann denn Peer-to-Peer-Lending oder Banking national wie international jemals eine signifikante Zielgröße in der Bankenwirtschaft einnehmen, jenseits von „Peanuts“, um im Jargon eines früheren Chefs der Deutschen Bank zu bleiben?

Artopé: Wir sehen das nicht so sehr aus der Perspektive „wie schnell erreichen wir eine signifikante Zielgröße“, sondern eher „wie können wir Kunden zufrieden machen, damit sie wieder zu uns kommen und uns weiterempfehlen“. Wenn uns das dauerhaft gelingt, dann wird sich die zweite Frage selbst beantworten. Dabei ist smava eine der Antworten auf die veränderten Rahmenbedingungen (Bankenkrise, Entwicklung Web 2.0, etc.) und die neuen Kundenbedürfnisse (Transparenz, Fairness, Selbstbestimmung).

Interview: Lothar Lochmaier

Hintergrundinformation: Wie funktioniert smava?

smava ist ein Online-Marktplatz für Kredite von Mensch zu Mensch. Genau wie Privatpersonen bei eBay Sachen verkaufen und kaufen können, ermöglicht smava das Verleihen und Leihen von Geld im Internet. smava ermöglicht den direkten Kontakt zwischen Anlegern und Kreditnehmern. Der Kreditmarktplatz ermöglicht es Anlegern und Kreditnehmern, sich die bei Bankgeschäften übliche Spanne zwischen Einlagen- und Kreditzins zu teilen. Davon profitieren sowohl der Anleger als auch der Kreditnehmer. smava ist keine Bank.

Quelle: smava

Written by lochmaier

November 24, 2009 um 7:30 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Lochmaier hat gestern in seinem Social Banking 2.0 Blog ein neues Interview mit Alexander Artopé, dem Geschäftsführer von Smava, […]


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