Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Smava: Interview – Gründer nimmt Stellung zur Studie von DB Research

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Es mutet schon etwas seltsam an, wenn die Deutsche Bank mit Hilfe ihres „Forschungsarmes“ DB Research die Existenz von Peer-to-Peer-Kreditmarktplätzen im Internet in einer aktuellen Studie mit der Überschrift „Welcome to the Machine“ betitelt. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass die Bank selbst in dem „Geschäft mit dem Tod“ ein recht eigenartiges Geschäftsmodell etabliert hat.

Der Spiegel berichtet aktuell über den damit verbundenen kleinen „Anlegeraufstand“ von durch die Deutsche Bank wohl nicht ganz unwissentlich irregeleiteten Menschen:

Die geschlossenen Fonds kauften Lebensversicherungen in den USA ein, die die eigentlichen Inhaber loswerden wollten. Stirbt der ursprüngliche Police-Nehmer, geht die Auszahlungssumme an die Fonds, lautete das Kalkül dahinter.

Rund eine halbe Milliarde Euro sammelte die Deutsche Bank für das makabere Geschäft bei Kunden ein. Doch die Anlage wurde zum Megaflop. Bis heute gab es keine einzige Ausschüttung, zum Schluss bangten die Anleger um ihre gesamten Einlagen.

Fazit: Wer wie die Deutsche Bank im Glashaus sitzt, sollte nicht blind mit Steinen nach anderen werfen.

Widmen wir uns deshalb jetzt den „lebenden Untoten“, einer der in der Studie von DB Research angesprochenen P2P-Kreditbörsen, dem immerhin von der Stiftung Warentest mehrfach als „seriös“ ausgezeichneten Berliner Anbieter Smava.  Hier können die Leser nochmals zu den Basisresultaten der Studie von DB Research abbiegen: 

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/13/p2p-kredite-diskussion-zur-studie-von-db-research-gewinnt-fahrt/  

Im Gespräch mit Social Banking 2.0 erläutert nun der Gründer von Smava, Alexander Artopé, seine Sichtweise auf menschliche Netzwerke zum Zwecke der Kreditvergabe, statt maschinell gesteuerten „Provisionsmaschinen“:

Social Banking 2.0: DB Research behauptet, dass die Innovation von P2P-Lending darin bestehe, den Computer über den Menschen zu stellen, also eine Art „technisch blinde Kreditvergabe“ vorzunehmen, statt ein ausgereiftes Risikomanagement zu betreiben. Was antworten Sie auf den Vorwurf, dass Nutzer es bei Smava mit einer Art „maschineller Black Box“ zu tun haben?

Artopé: Jeder Anleger entscheidet bei smava auf Basis seiner Vorstellungen. Einigen geht es primär um die Rendite, anderen eher um das Thema. Dabei kann man – unabhängig ob man Gebotsassistenten verwendet oder persönlich bietet – diese Vorstellungen quantativ und qualitativ präzise festlegen. Zusammenfassend läßt sich festhalten, dass Anleger vollständig selbst entscheiden, wie sie Geld anlegen und wem sie das Geld geben. Ob man dabei eine Erleichterung für die Gebotsabgabe nutzt, beeinflusst diese Selbstbestimmung nicht.

Das ganze Interview erscheint morgen auf Social Banking 2.0.

Auch ein Blick nach Großbritannien zeigt, dass an den menschlichen Kreditbörsen doch etwas mehr dran sein muss, als der rein finanzielle Aspekt  – z.B. wie groß oder klein fällt die „soziale Extrarendite“ aus, wenn, statt über die Bank, die Konditionen mit anderen Anlegern und Kreditnehmern direkt ausgehandelt werden.

„Totgesagte“ leben also manchmal doch etwas länger als gedacht. Zum Abschluß deshalb noch ein Filmtrailer aus dem Jahre 1968: Die Nacht der lebenden Untoten. So harmlos kann eine von DB Research aufgetischte „Horrorgeschichte“ nämlich sein, in der Menschen zu willenlosen Maschinen hochstilisiert werden:

Written by lochmaier

November 23, 2009 um 1:21 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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