Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Was darf’s denn heute sein: Kapitalismus 2.0 oder gleich 3.0?

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Die Debatte um die Zukunft unseres Bankensystems kann manchmal ganz schön ermüdend sein. Vor allem, wenn immer mehr Schlagworte durch den Raum geistern, wie etwa die so eleganten Wortschöpfungen „Kapitalismus 2.0“ und „Kapitalismus 3.0“. Jetzt wird verbal endgültig das große Rad gedreht, wenn der Spiegel darüber berichtet, wie Wolfgang Schäuble die Finanzkrise mit dem Fall der Berliner Mauer vergleicht.

Wolfgang Schäuble hat das Talent, alle Entwicklungen überwachen zu können, jetzt eben als Finanzminister. O-Ton:

Die Finanzkrise wird die Welt so stark verändern wie der Fall der Mauer. Die Gewichte zwischen Amerika, Asien und Europa verschieben sich dramatisch. Und diese Entwicklung ist längst nicht zu Ende.

Quelle: Spiegel online

Auf die Idee, eine Analogie zwischen scheinbar unverkettbaren Ereignissen herzustellen, kam der Autor dieses Weblogs übrigens auch schon selbst – und zwar in diesem Artikel hier: zur Gründung  der Noa Bank. Die Botschaft darin ist allerdings etwas anders pointiert, als jene der staatsmännisch altklug daher kommenden Top-Entscheider, Top-Wissenschaftler und Top-Politiker. Die wissen letztlich auch nicht mehr darüber wie jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand, wie sie unser turbokapitalistisch überhitztes Wirtschaftssystem wieder auf Normaltemperatur bringen können.

Damit sind wir bei des „Pudels Kern“ angekommen, den der Songwriter Ulrich Roski schon so trefflich ironisch im Jahr 1975 beschrieben hatte:

Nun ja, des Pudels Kern haben wir noch gar nicht gefunden – wir sind immer noch im Kapitalismus 1.0 gefangen, dem so renditegierigen, mit dem alleinigen Schielen auf den Shareholder-Value. Aber es gibt zumindest dem ersten Anschein nach Menschen, die über den engen Gartenzaun hinaus blicken.

Ob sich dadurch die Spielregeln im kapitalistischen Wirtschaftssystem wandeln, ist eine offene Frage. Einer der Vordenker in der interaktiven Geschäftswelt ist Umair Haque. Er leitet die amerikanische Denkfabrik Havas Media Lab. Das neue über das Internet abgespulte Wirtschaftssystem bezeichnet der Medienexperte als „Capitalism 2.0“. Damit gemeint ist nicht nur, dass die Konsumenten künftig die Regie über die Produkte führen und diese im Mitmachweb maßgeblich beeinflussen.

Mehr noch: Die Unternehmen selbst veränderten sich, indem sie sich kritischen Einflüssen und Kommentaren jenseits der Firmenpforte öffnen. Umair Haque sieht danach eine neue Form des „konstruktiven Kapitalismus“ herauf ziehen. Die Eckpfeiler dieser neuen Wirtschaftsordnung für das 21. Jahrhundert beschreibt er wie folgt: An die Stelle von Ausbeutung trete das Prinzip „Erneuerung“, das Streben nach Einnahmen werde um eine „Sinnebene“ erweitert. Als wesentliches Bindeglied dazu sieht der Experte mehr „demokratische Mitbestimmung“, wenn etwa Kunden die Produkte mit gestalteten und unmittelbar über die Geschicke von Unternehmen mit entschieden.

Das klingt oberflächlich betrachtet schlüssig und brilliant. Allerdings ist diese von Umair Haque vorgetragene Zukunftsvision erst ein recht vager Entwurf um einen „virtuellen Kapitalismus 2.0“. Etwas befremdlich mutet an, wenn Haque dann auch noch erklärt, dass wir wohl einer Spekulationsblase 2.0 durch soziale Netzwerke entgegenstreben. Social Banking 2.0 berichtete hier.

Wie denn jetzt? Das Internet spiegelt schließlich die ganze Bandbreite der realen Welt wieder. Legale wie kriminelle Aktivitäten halten sich dort ebenso die Waage wie im „richtigen“ Leben. Warum sollte man das Netz angesichts der Tendenzen in Richtung Tummelplatz für die Drahtzieher von Cybercrime glorifizieren, warum sollte das Netz besser sein können als der Rest der Welt? Ob sich also anhand verbesserter Möglichkeiten zur Partizipation von Menschen eine neue Spielvariante von Kapitalismus 2.0 bildet, das erscheint zunächst in der Tat eine gewagte Spekulation, die Haque keineswegs schlüssig auflösen kann. Gibt es in der Wirtschaft und Politik mehr Demokratie durch die direkte Beteiligung der Nutzer? Oder ist das alles nur ein einziges Marketingtool?

Die Gefahr besteht: Zumal sich große Wirtschaftsunternehmen immer mehr in soziale Netzwerke einkaufen und das Risiko besteht, dass die Werbeindustrie auch dort das Kommando übernimmt und die Rechte der Nutzer untergräbt. Eines aber steht jenseits von großen philosophischen oder gesellschaftlichen Zukunftsentwürfen fest: Das Internet verändert die Art und Weise, wie globale Finanzströme auf unterschiedlichen Spielfeldern investiert, kreditiert und verwaltet werden. Welche Elemente bereiten also einer funktionierenden „Geldcommunity“ im Mitmachnetz den Weg, in welcher Form macht diese überhaupt Sinn?

Gehen wir also mal einen Schritt weiter zum „Kapitalismus 3.0“ – Jawohl, auch der ist möglich, zumindest in der Theorie. Wer gleich ein ganzes Buch zum Kapitalismus 3.0 lesen will, der wird hier bei dem cleveren Geschäftsmann Peter Barnes fündig, der freundlicherweise das ganze Buch gleich zum online Lesen hier eingestellt hat:

http://www.boell.de/downloads/publikationen/Barnes_Kapitalismus_3-0_komplett_Endf.pdf

Worum geht es in wenigen Worten: Es sei Aufgabe der Commons (der ganzen Weltgemeinschaft), den Kapitalismus „vor sich selbst zu schützen“ (S.95), sagt der Unternehmer und Autor Peter Barnes in seinem Buch „Kapitalismus 3.0 – Ein Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter.“

Barnes geht davon aus, dass die Gemeingüter der Gemeinschaft (den Gemeinschaften) gehören und dass der aus ihnen geschöpfte Reichtum, uns allen zusteht sowie für den Erhalt des Gemeingutsektors eingesetzt werden muss. Er beschreibt zahlreiche Fälle, in denen „der gestiegene Wert des Privatvermögens“ nichts anderes als „erborgter gesellschaftlich geschaffener Wert ist“ (S. 99).

Der Ausweg: Barnes schlägt einen einfachen Mechanismus zur Erweiterung des Gemeingutsektors vor und er durchdenkt die Institutionenfrage, basierend auf einem einfachen Prinzip: Eine Person – Ein Anteil. (statt: Ein Dollar – Ein Anteil.) Er bringt spannende Beispiele eines vitalen Gemeingutsektors. Beispiele, die Mut machen und zum Weiterdenken anregen sollen.

Quelle: http://commonsblog.wordpress.com/2008/10/17/kapitalismus-30-in-der-diskussion/

Mehr zu Peter Barnes gibt es übrigens hier nachzulesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Barnes_(Unternehmer

Es gibt sie also immerhin, die Diskussion über die neuen „Gemeinschaftsgüter“, die der Autor als Ausweg aus unserer systembedingten Dauerkrise vorschlägt. Das klingt toll, ist aber schwer umzusetzen, so schwer wie jede Form der dezentral gesteuerten Demokratie. Auch die gewählten Beispiele sind sehr grobmaschig gestreckt, ein bisschen viel amerikanischer Pathos und Sendungsbewusstsein. Geht man näher ins Detail, wirkt der Ansatz brüchig. Besser wäre es, wenn es der „Markt selbst richten“ würde, oder noch besser: Die Menschen als Marktteilnehmer, die den Markt nach anderen Kriterien gestalten.  

Rücken wir nun deshalb endgültig vor auf „Los“: Gefährdet das Bankensystem die Demokratie?

Große Worte und dramatische Warnungen waren es, mit denen die Frankfurt Euro Finance Week in der Alten Oper zu Ende ging. Nicht weniger als das Fortbestehen der Demokratie sieht der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet gefährdet, sollten die Steuerzahler die Banken in naher Zukunft noch einmal mit derart großen Summen für ihre eigenen Fehler unterstützen müssen.

Deswegen sollten die Banker sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die Krise gründlich aufzuarbeiten und Lehren daraus zu beherzigen. „Wir sind zum Erfolg verpflichtet“, rief er den versammelten Spitzen der Finanzwelt im Mozartsaal. Es sei zu früh, schon über das Ende der Krise zu jubeln, berichtete die FAZ hier

Spannend ist doch dabei die Frage, welche Selbstregulierungsmechanismen aus der Branche heraus selbst iniziiert werden. Und da wirft Chris Skinner auf seinem Weblog Financial Services die Frage auf: Was hat MiFid für die Demokratie gebracht?

Zur Erklärung: Die MiFID (Markets in Financial Instruments Directive, deutsch: Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, ebenso amtlich als Kurzform auch: Finanzmarktrichtlinie) ist eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt. So bewertet Skinner den Status Quo:

Where, in all the developments of MiFID and its best execution, transparency and competitiveness objectives, was the mention of risk?

Where is the focus on real-time risk reporting?

Where, in all the developments of MiFID and its best execution, transparency and competitiveness objectives, was the mention of risk?

Where is the focus on real-time risk reporting?

http://thefinanser.co.uk/fsclub/2009/11/what-has-mifid-done-for-democracy.html

Das wird also wohl nix, mit dem von oben oktroyierten Kapitalismus 2.0 oder 3.0. Des Pudels Kern dürfte wohl auch nicht  in der mehr oder minder freiwilligen Selbstregulierung und Selbstbeschränkung der Bankenbranche selbst liegen. Den Versuch, aus der pragmatischen Mitte heraus einen Lösungsansatz vorzustellen, unternimmt immerhin Robert Shiller – hier beleuchten Social Banking 2.0 bzw. der Blicklog seinen Ansatz – in einem Beitrag auf Manager Magazin online:

Einige Kernaussagen aus dem Interview mit Robert Shiller

US-Senator Christopher Dodd hat jüngst ein Gesetz eingebracht, das eine Verbraucherschutzagentur vorsieht. Das ist Teil der Demokratisierung des Finanzsystems, wenn Finanzprodukte, die an Endkunden verkauft werden, zuerst getestet werden, ob sie ausbeuterisch oder betrügerisch sind. Die Emittenten von Wertpapieren dürfen nicht mehr gute Noten bei den Ratingagenturen einkaufen. Da lag wirklich einiges im Argen. Die Demokratisierung des Finanzwesens sollte viel revolutionärer sein als das, was bisher läuft. Ich habe vorgeschlagen, Finanzberatung für jedermann zu subventionieren.

Aber dieser Vorschlag hier klingt wenig praktikabel:

Jeder sollte einen persönlichen Berater haben, der ihn über die Jahre begleitet, keine Produkte verkauft und keine Provisionen bekommt, nur einen vom Staat bezuschussten Stundenlohn. Das ist nur eine der Ideen, wie man das Finanzwesen in den Dienst der Menschen stellen kann. Auch die vielgeschmähten Derivate würde ich nutzen, damit die breite Bevölkerung sich genauso gegen Risiken versichern kann wie die Banken es jetzt schon tun. 

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,661821,00.html

Was also tun? Wo liegt des Pudels Kern? Finden wir es doch einfach selbst heraus: Der Kunde übernimmt beim Social Banking 2.0 selbst die Regie. In einem Interview legt Matthias Kröner von Fidor schon mal eine erste Fährte für die Pilzsucher im Walde, die vor lauter Bäumen selbigen nicht mehr erkennen:

Social Banking 2.0: Wie kann das von Fidor propagierte Motto „Banking unter Freunden und Gleichgesinnten “ funktionieren. Eigentlich hört doch meist beim Geld die Freundschaft auf, selbst in der eigenen Familie (spätestens wenn es ans Verteilen der Erbschaft geht), oder?

Na ja, das geht in manchen Familien mal so, in anderen anders. Auch sehen wir doch eine klare Bewegung hin zur Nachhaltigkeit. Aber, darauf wollen wir uns nicht alleinig verlassen.

Die Technik des Internets und dabei herausragend des Web 2.0 funktioniert, wenn sie richtig angewendet wird, wie eine regionale Vor-Ort-Community. Nennen wir es DORF. In einem Dorf ist jeder mehr oder weniger gezwungen sich nachhaltig zu verhalten, da er ansonsten aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wird. Ohne das Bild zu weit zu strapazieren, weil da ansonsten sehr schnell auch die falschen Assoziationen hochkommen, kann man sagen, dass das im Web 2.0 auch funktioniert.

Denn letztlich kann es im Internet bei Fehlverhaltensweisen zu ähnlichen Gesprächen kommen, wie auch in einem Dorf. Das Beispiel eBay zeigt, wie das geht, indem Käufer und Verkäufer sich bewerten können. Das geht ja bereits in diese Richtung und wird von uns sicher aufgegriffen werden.

Quelle: https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/19/fidor-interview-was-ist-eigentlich-community-banking/

Also – ich traue dem global-lokalen Dorf mehr zu als den großen Staatslenkern, vor allem wenn diese sich, wie die Deutschen Abgeordneten im Deutschen Bundestag, sich „Luxus-Füllfederhalter im Wert von 68.000 Euro je Stück leisten, wie der Spiegel hier berichtet. Wer so schön schreibt, braucht sich um die eigene Zukunft keine Sorgen zu machen, benimmt sich aber wie der französische Landadel vor der Revolution. Hier geht’s zum „Geheimnis des Luxus“, den sich der Bundestag gönnt, der aber auch allzu leicht wieder vom Tisch rutschen kann, wie dieses kleine Video auf Youtube zeigt:

Durchgerutscht? So sieht die „Mont Blanc Boheme“ nochmals zum Anfassen aus:

Reden wir Klartext und nehmen den Begriff „Kapitalismus reloaded“ mal ganz wörtlich: Es sind nicht nur die Banken, sondern auch andere Wirtschaftsreviere, in denen sich gewisse Exzesse in der wundersamen Geldvermehrung vollziehen. So manch einer unter den neuen Glückspropheten, die uns, wie ARD-Börsenexperte Michael Best in seinem Buch, einen besseren „Kapitalismus reloaded“ nach der neoliberalen Marktglobalisierung versprechen, entpuppt sich nämlich beim genauen Hinsehen nur als ziemlich geschickter Selbstvermarkter.

Dazu gehört – das ist leider jetzt eine ziemlich deutliche Kritik an den derzeitigen Spielregeln in der Medienindustrie – auch Michael Best von der ARD-Börsenredaktion. Denn schließlich ist der Experte mit unseren Steuermillionen „groß“ geworden. Der Gebührenzahler darf dann im Gegenzug kurz vor der Tagesschau den sicherlich solide-bodenständigen Marktanalysen zum Börsengeschehen des studierten Volkswirtschaftlers und Philosophen lauschen.   

Aber warum müssen wir dafür eigentlich doppelt bezahlen? Michael Best wird von uns doch schon über die Steuergelder subventioniert, und kann auf dieser Basis, indem wir ihn als Fernsehzuschauer aufs hohe Ross heben, dann sein Buch zum „Kapitalismus reloaded“ überhaupt erst schreiben, und hochpreisig mit entsprechender Auflage verhandeln und vermarkten. Aber: Auch dafür kassiert Michael Best ein hohes Honorar, das er praktisch dem Steuerzahler verdankt. Spendet er das nun komplett an die Gemeinschaft zurück?

Wohl kaum. Und dem ganzen setzt das hier noch ein kleines Highlight oben drüber: Denn er kassiert auch noch gutes Geld für seine Vorträge zu diesem Buch. Über derartige Exzesse von Journalisten, die die öffentlich-rechtlichen Medien nur als Vehikel zur Selbstvermarktung benutzen, hatte vor kurzem schon das Medienmagazin Zapp berichtete. Da mutiert das eigentliche Gehalt doch glatt zur „ordnungsgemäß angemeldeten Nebentätigkeit“.

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/ethik_journalismus/nebenverdienste102.html

Einer aber blieb bislang außen vor: Michael Best. Denn auch er steht auf der Referentenliste von Econ, wo auch schon andere wohl klingende prominente Namen – nicht selten aus dem „Ersten“ und „Zweiten“ – vertreten sind:

http://www.econ-referenten.de/redner/best-michael-fernsehjournalist-boersenexperte   

Zwischen fünf und 25.000 Euro werden da beim kreativen Gedankenskizzieren schon mal fällig.

Wie hoch fällt wohl für Michael Best das bescheidene kleine Zusatzhonorar aus, für das wir Steuerzahler gleich dreimal zahlen: 1. Fernsehgebühren“; 2. Kauf des Buches; 3. Honorare für Vorträge.

Okay, letzteres übernehmen die Firmen oder sonstigen Veranstalter, die solche Koryphäen natürlich benötigen, um a) den Schein zu wahren – und b) den Eindruck nach draußen ans Volk zu vermitteln, wir können uns sogar diesen hochdekorierten Experten leisten. Und drittens: Das zeigt, wir spielen in der Wirtschaft ganz vorne mit, wir sitzen in der „ersten Reihe“.

Wenn das keine gewinnträchtigen Synergien für die Beteiligten sind. Da sind keine Kurschwankungen wie an den Börsen zu befürchten. Will heißen: Die Mechanismen der Banken- und der Finanzkrise lauern überall, auch wenn wir ein Buch kaufen, das uns eine vermeintliche Alternative zum renditegierigen Kapitalismus aufzeigt.

Wie die Nebentätigkeit für die Öffentlich-Entrechteten aussieht, darüber berichtet Michael Best am 20.11.09 in der ARD um 19.55 Uhr – die Börse sei heiß wie der „Tanz auf dem Vulkan“:

http://boerse.ard.de/idx_tv.jsp?go=tv

Aber vielleicht tun wir dem ARD-Börsenexperten Michael Best ja jetzt gänzlich unrecht, und er spendet (fast) alles von seinen zusätzlichen Honoraren (das ARD wird ihm ja auch noch irgendwie ein bisschen Geld für seine Auftritte kurz vor der Tagesschau geben). Es wäre aber schön, darüber eine klare Auskunft zu erhalten. Waren nicht mehr „Transparenz“ und „Selbstregulierung“ jetzt das Zauberwort der Stunde in der Bankenbranche, worüber wir ja, dem epochalen Meisterwerk „Kapitalismus reloaded“ folgend, gebannt den Worten von Michael Best andächtig zulauschen sollten? 

Hier als kleiner Denkanstoß und irgendwie auch als Nachweis, dass all dies nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zwei Beispiele von derzeit mit dem Referenten Michael Best hochkarätig ausstaffierten Veranstaltungen. Darunter befindet sich beispielsweise die Frankfurt School of Finance. Sieht nach einem ziemlich vollen Terminkalender aus – Michael Best spricht etwa hier am 3. Dezember:

http://www.frankfurt-school.de/content/de/news/newsfolder/2009/12/03122009_v 

Es gibt viel in der knappen Freizeit zu tun, um ein Buch wie dieses auszuarbeiten. Der normale Job vor der Tagesschau läuft aber vielleicht auch schon zu gut, quasi wie geschmiert. Einen Tag zuvor referiert der ARD-Börsenexperte nämlich als „Stargast“, und zwar bei der auf ökologische Nachhaltigkeit spezialisierten Triodos Bank Deutschland, die am 1. Dezember in Frankfurt offiziell an den Start gehen wird. Darüber hat Social Banking 2.0 bereits hier berichtet.

Nachhaltigkeit umgestellte Finanzwirtschaft aus. Stellen wir deshalb abschließend mal folgende harmlose Frage: Kommt das von Michael Best vereinnahmte Geld nur dem Ferienhaus im Süden und der eigenen Familie bzw. blutsnahen Verwandtschaft zugute, oder erhält der Steuerzahler auch etwas von dem vor allem durch ihn hauptsächlich mit gesponserten Geld zurück – das nun – zumindest bis wir anderes hören werden – ausschließlich als privat vereinnahmter Kuchen endet?

Wie war das noch? Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren, das machen nicht nur Banken, auf die man gerne mal als die derzeit einzig bösen Buben zeigt. Dann atmen alle auf – wir sind  beim Bankenbashing fein raus und können ungeniert weiter im Verborgenen unser Unwesen treiben. Die wahre Ware ist aber die: Nur allzu viele Besitzstandwahrer und Vermögensmaximierer wahren immer den schönen „Schein“, Political Correctness at it’s worst case. 

Übrigens: Das mehr oder minder stilvoll inszenierte „Bluffen“ konnten schon die einen oder anderen unter den „Alt-68-ern“ mit ihrer Kapitalismuskritik ganz gut: Auch sie praktizierten jene Doppelmoral, die Spielregeln zu kritisieren, von denen nicht wenige darunter ganz gut lebten. Motto: Ich singe nicht Euer Lied, aber ich nehme das Brot, das ihr mir reicht. 

Wie geht es weiter mit unserer „verruchten“ Welt, die fast überall aus dem vernünftigen Gleis gesprungen ist. Ein (fast) leistungsloses Grundeinkommen für alle übermäßig Privilegierten, das wird nicht mehr lange so funktionieren. Der dritte Weg wird kommen, aber anders, als viele sich dies derzeit vorstellen, die auf der (finanziell) sicheren Seite des Lebens stehen, der nur vermeintlich ökologisch beschienenen Sonnenseite.

Und damit sind wir endgültig wieder bei der Analogie zwischen Berliner Mauer und der Finanzindustrie und allen anderen gut gepolsterten Machtrevieren: Die Lösungspfade der Zukunft, sie werden nicht von den etablierten Eliten gesetzt werden, sondern Innovationen, ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich, sie entstehen durch kreative Menschen, die einer neuen „geistigen Elite“ entstammen, die sich auch und gerade im Zuge der Finanzkrise gebildet hat. 

Nicht jeder Dichter und Denker statt Bachelor und Banker will nämlich die bisherigen Spielregeln weiterspielen, die Frage ist nur, wie groß der Einfluß der neuen Stiltreiber in der Bankenwirtschaft ausfällt. Viele werden jetzt abwinken, wird schon nicht so schlimm kommen. Aber Kleinvieh macht auch Mist. Das Motto der neuen Elite: Kleine Inseln verbinden, statt die große, leicht zur Schlagseite neigende Lippe riskieren.

Spielen wir doch zum Abschluß – wie die kleinen Kinder – das große Bankenspiel: Denn Kinder und Narren sagen bekanntlich (fast) immer die Wahrheit. Übrigens ist der folgende Beitrag auch ein Produkt der Öffentlich-Rechtlichen Medien (NDR), deren besten Programme tatsächlich diejenigen sind, die für die kleinen und noch gänzlich unmündigen Staatsbürger gemacht sind.   

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Written by lochmaier

November 22, 2009 um 9:18 am

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] so stellt Social Banking 2.0 hier mit etwas bissiger Ironie die Frage: Was darf’s denn heute sein: Kapitalismus 2.0, oder […]


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