Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Michael Best: Wie der ARD-Börsenmann mit Kapitalismuskritik reloaded viel Kohle macht

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Reden wir Klartext und nehmen den Begriff „Kapitalismus reloaded“ mal ganz wörtlich: Es sind nicht nur die Banken, sondern auch andere Wirtschaftsreviere, in denen sich gewisse Exzesse in der wundersamen Geldvermehrung vollziehen. So manch einer unter den neuen Glückspropheten, die uns, wie ARD-Börsenexperte Michael Best in seinem Buch, einen besseren „Kapitalismus reloaded“ nach der neoliberalen Marktglobalisierung versprechen, entpuppt sich nämlich beim genauen Hinsehen nur als ziemlich geschickter Selbstvermarkter.

Dazu gehört – das ist leider jetzt eine ziemlich deutliche Kritik an den derzeitigen Spielregeln in der Medienindustrie – auch Michael Best von der ARD-Börsenredaktion. Denn schließlich ist der Experte mit unseren Steuermillionen „groß“ geworden. Der Gebührenzahler darf dann im Gegenzug kurz vor der Tagesschau den sicherlich solide-bodenständigen Marktanalysen zum Börsengeschehen des studierten Volkswirtschaftlers und Philosophen lauschen.   

Aber warum müssen wir dafür eigentlich doppelt bezahlen? Michael Best wird von uns doch schon über die Steuergelder subventioniert, und kann auf dieser Basis, indem wir ihn als Fernsehzuschauer aufs hohe Ross heben, dann sein Buch zum „Kapitalismus reloaded“ überhaupt erst schreiben, und hochpreisig mit entsprechender Auflage verhandeln und vermarkten. Aber: Auch dafür kassiert Michael Best ein hohes Honorar, das er praktisch dem Steuerzahler verdankt. Spendet er das nun komplett an die Gemeinschaft zurück?

Wohl kaum. Und dem ganzen setzt das hier noch ein kleines Highlight oben drüber: Denn er kassiert auch noch gutes Geld für seine Vorträge zu diesem Buch. Über derartige Exzesse von Journalisten, die die öffentlich-rechtlichen Medien nur als Vehikel zur Selbstvermarktung benutzen, hatte vor kurzem schon das Medienmagazin Zapp berichtete. Da mutiert das eigentliche Gehalt doch glatt zur „ordnungsgemäß angemeldeten Nebentätigkeit“.

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/ethik_journalismus/nebenverdienste102.html

Einer aber blieb bislang außen vor: Michael Best. Denn auch er steht auf der Referentenliste von Econ, wo auch schon andere wohl klingende prominente Namen – nicht selten aus dem „Ersten“ und „Zweiten“ – vertreten sind:

http://www.econ-referenten.de/redner/best-michael-fernsehjournalist-boersenexperte   

Zwischen fünf und 25.000 Euro werden da beim kreativen Gedankenskizzieren schon mal fällig.

Wie hoch fällt wohl für Michael Best das bescheidene kleine Zusatzhonorar aus, für das wir Steuerzahler gleich dreimal zahlen: 1. Fernsehgebühren“; 2. Kauf des Buches; 3. Honorare für Vorträge.

Okay, letzteres übernehmen die Firmen oder sonstigen Veranstalter, die solche Koryphäen natürlich benötigen, um a) den Schein zu wahren – und b) den Eindruck nach draußen ans Volk zu vermitteln, wir können uns sogar diesen hochdekorierten Experten leisten. Und drittens: Das zeigt, wir spielen in der Wirtschaft ganz vorne mit, wir sitzen in der „ersten Reihe“.

Wenn das keine gewinnträchtigen Synergien für die Beteiligten sind. Da sind keine Kurschwankungen wie an den Börsen zu befürchten. Will heißen: Die Mechanismen der Banken- und der Finanzkrise lauern überall, auch wenn wir ein Buch kaufen, das uns eine vermeintliche Alternative zum renditegierigen Kapitalismus aufzeigt.

Wie die Nebentätigkeit für die Öffentlich-Entrechteten aussieht, darüber berichtet Michael Best am 20.11.09 in der ARD um 19.55 Uhr – die Börse sei heiß wie der „Tanz auf dem Vulkan“:

http://boerse.ard.de/idx_tv.jsp?go=tv

Aber vielleicht tun wir dem ARD-Börsenexperten Michael Best ja jetzt gänzlich unrecht, und er spendet (fast) alles von seinen zusätzlichen Honoraren (das ARD wird ihm ja auch noch irgendwie ein bisschen Geld für seine Auftritte kurz vor der Tagesschau geben). Es wäre aber schön, darüber eine klare Auskunft zu erhalten. Waren nicht mehr „Transparenz“ und „Selbstregulierung“ jetzt das Zauberwort der Stunde in der Bankenbranche, worüber wir ja, dem epochalen Meisterwerk „Kapitalismus reloaded“ folgend, gebannt den Worten von Michael Best andächtig zulauschen sollten? 

Hier als kleiner Denkanstoß und irgendwie auch als Nachweis, dass all dies nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zwei Beispiele von derzeit mit dem Referenten Michael Best hochkarätig ausstaffierten Veranstaltungen. Darunter befindet sich beispielsweise die Frankfurt School of Finance. Sieht nach einem ziemlich vollen Terminkalender aus – Michael Best spricht etwa hier am 3. Dezember:

http://www.frankfurt-school.de/content/de/news/newsfolder/2009/12/03122009_v 

Es gibt viel in der knappen Freizeit zu tun, um ein Buch wie dieses auszuarbeiten. Der normale Job vor der Tagesschau läuft aber vielleicht auch schon zu gut, quasi wie geschmiert. Einen Tag zuvor referiert der ARD-Börsenexperte nämlich als „Stargast“, und zwar bei der auf ökologische Nachhaltigkeit spezialisierten Triodos Bank Deutschland, die am 1. Dezember in Frankfurt offiziell an den Start gehen wird. Darüber hat Social Banking 2.0 bereits hier berichtet.

So also sieht unsere plötzlich komplett auf ökologische Nachhaltigkeit umgestellte Finanzwirtschaft aus. Stellen wir deshalb abschließend mal folgende harmlose Frage: Kommt das von Michael Best vereinnahmte Geld nur dem Ferienhaus im Süden und der eigenen Familie bzw. blutsnahen Verwandtschaft zugute, oder erhält der Steuerzahler auch etwas von dem vor allem durch ihn hauptsächlich mit gesponserten Geld zurück – das nun – zumindest bis wir anderes hören werden – ausschließlich als privat vereinnahmter Kuchen endet?

Wie war das noch? Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren, das machen nicht nur Banken, auf die man gerne mal als die derzeit einzig bösen Buben zeigt. Dann atmen alle auf – wir sind  beim Bankenbashing fein raus und können ungeniert weiter im Verborgenen unser Unwesen treiben. Die wahre Ware ist aber die: Nur allzu viele Besitzstandwahrer und Vermögensmaximierer wahren immer den schönen „Schein“, Political Correctness at it’s worst case. 

Übrigens: Das mehr oder minder stilvoll inszenierte „Bluffen“ konnten schon die einen oder anderen unter den „Alt-68-ern“ mit ihrer Kapitalismuskritik ganz gut: Auch sie praktizierten jene Doppelmoral, die Spielregeln zu kritisieren, von denen nicht wenige darunter ganz gut lebten. Motto: Ich singe nicht Euer Lied, aber ich nehme das Brot, das ihr mir reicht. 

Wie geht es weiter mit unserer „verruchten“ Welt, die fast überall aus dem vernünftigen Gleis gesprungen ist. Ein (fast) leistungsloses Grundeinkommen für alle übermäßig Privilegierten, das wird nicht mehr lange so funktionieren. Der dritte Weg wird kommen, aber anders, als viele sich dies derzeit vorstellen, die auf der (finanziell) sicheren Seite des Lebens stehen, der nur vermeintlich ökologisch beschienenen Sonnenseite.

Und damit sind wir endgültig wieder bei der Analogie zwischen Berliner Mauer und der Finanzindustrie und allen anderen gut gepolsterten Machtrevieren: Die Lösungspfade der Zukunft, sie werden nicht von den etablierten Eliten gesetzt werden, sondern Innovationen, ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich, sie entstehen durch kreative Menschen, die einer neuen „geistigen Elite“ entstammen, die sich auch und gerade im Zuge der Finanzkrise gebildet hat. 

Nicht jeder Dichter und Denker statt Bachelor und Banker will nämlich die bisherigen Spielregeln weiterspielen, die Frage ist nur, wie groß der Einfluß der neuen Stiltreiber in der Bankenwirtschaft ausfällt. Viele werden jetzt abwinken, wird schon nicht so schlimm kommen. Aber Kleinvieh macht auch Mist. Das Motto der neuen Elite: Kleine Inseln verbinden, statt die große, leicht zur Schlagseite neigende Lippe riskieren.

Spielen wir doch zum Abschluß – wie die kleinen Kinder – das große Bankenspiel: Denn Kinder und Narren sagen bekanntlich (fast) immer die Wahrheit. Übrigens ist der folgende Beitrag auch ein Produkt der Öffentlich-Rechtlichen Medien (NDR), deren besten Programme tatsächlich diejenigen sind, die für die kleinen und noch gänzlich unmündigen Staatsbürger gemacht sind.   

Dieser Beitrag ist Bestandteil eines weiteren Weblogs-Eintrages zum Thema:

Was darf’s denn heute sein: Kapitalismus 2.0 oder gleich 3.0?

Diesen können Sie in kompletter Form hier nachlesen:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/22/was-darfs-denn-heute-sein-kapitalismus-2-0-oder-gleich-3-0/

Den ergänzenden Kommentar zum Thema: „Triodos – Warum die führende Ökobank ARD-Börsenmann Michael Best in Frankfurt zur Einweihung verpflichtet“ – finden Sie hier:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/11/23/triodos-warum-verpflichtet-europas-fuhrende-okobank-ard-borsenmann-michael-best/

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Written by lochmaier

November 22, 2009 um 11:57 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Best als ein kleines Puzzleteil im großen Spiel mit dazu gehört, hat Social Banking ausführlich hier […]


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