Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Kommentar: Banker zum Anfassen – So sieht die Direktbank 2.0 aus?

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Es gibt sie also doch: Die Banker, die aus der „Black Box“ namens anonyme Bankgesellschaft heraustreten. Bislang sah man sie nur hinter versteckten Gardinen. Denn die Strippenzieher in der großen Finanzindustrie arbeiteten gerne im Verborgenen, ähnlich wie eine Schattenwirtschaft. Keiner von uns normalen Bürgern sollte und wollte sich allzu viele Gedanken machen, in welchem Ausmaß die Billionen-Jongleure wirklich die Fäden in der Hand hielten.

Das hat sich seit der Finanzkrise etwas geändert. Der Umgang mit Geld rückt plötzlich in die Mitte des öffentlichen Bewusstseins. „Was macht Ihre Bank mit Ihrem Geld?“ – so lautete der Titel einer Werbekampagne von der Noa Bank, die Social Banking 2.0 bereits mehrfach ausführlich vorgestellt hat.

Der neue Firmenchef der Noa Bank, Francois Jozic, er kommt zum Beispiel ganz ohne strenge Kravatte daher, sicherlich auch für manchen Journalisten noch ein ungewohntes Bild. Ebenso gilt dies für die Gründer von Smava oder Fidor. Denn ein Banker muss schon eine große Distanz zum Volke ausstrahlen, sonst glaubt man ihm nicht(s). Und jetzt erst recht nicht, wenn die Banker jetzt als „lockere Typen“ daher kommen. Das kann und darf nichts Seriöses sein?  

Und jetzt startet auch noch der niederländische Anbieter Triodos mit einer deutschen Niederlassung in Frankfurt durch. Es tut sich was, sicherlich die großen Geschäfts- und Privatbanken streuben sich noch anzuerkennen, dass der Kunde plötzlich in der Bankenwelt gemeinsam mit Ihnen die Regie führen könnte.

Irgendwann werden auch sie sich mit der neuen Realität auseinandersetzen müssen. Es gilt nicht, dem Social Banking Paroli zu bieten, sondern zu lernen, wie man die Geldkreisläufe wieder nah am Puls der Realwirtschaft platzieren kann. Eine Art Vorbildfunktion nehmen in Deutschland sicherlich die Genossenschaftsbanken und die Öko- und Ethikbanken ein, denen man aber mit den Worten des großen Dichters Goethe zurufen möchte:

Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen

Dieser Satz gilt aber auch in gleicher Weise für die Direktbanken, die zwar die erste Internetrevolution mit einem maßgeschneiderten Vertriebsmodell eingeleitet haben, den Trend des sozialen Internets aber bislang komplett ignorieren. Die Gründe dafür habe ich in einem längerem Beitrag vor kurzem hier auf diesem Weblog dargelegt.

Sicherlich, die Kommunikation zum Kunden haben Erfolgsgaranten wie die Ing-Diba auf eine transparente und effiziente Grundlage gestellt. Jetzt braucht es aber deutlich mehr, um auch künftig am Markt jenseits guter Zinsen fürs Tages- und Festgeld zu bestehen – die intelligente Kommunikation zwischen effizienten Vertriebswegen, und kreative Ideen, wie sich nachhaltige Dienstleistungen am Markt platzieren lassen.

Geld kann plötzlich sexy sein, und auch ein Banker darf das, zumindest ein bisschen. Die von oben herab staatsmännisch zelebrierte Distanz, der große Vorhang zum Volk, bei dem keiner hinter die Kulissen der Bankenwirtschaft blicken sollte, er fällt allmählich, und es kommt etwas Neues zum Vorschein.

Aber es ist auch eine Reise ins Unbekannte: Der Kunde bleibt unberechenbar, neue Lebensstile und Umgangsformen mit Geld erschweren den Machern, die Zielscheibe in Marketing und Werbung wirklich fein zu justieren. Das ist ja gerade das Spannende. Die Zukunft ist nicht die Gegenwart, alte sozialen Klischees haben ausgedient, Lebensstile und Anlageverhalten gehen Symbiosen ein, die sich manche bislang kaum vorzustellen wagen.

Was ist Social Banking? Diese spannende Frage werden die Kunden selbst beantworten, denn sie sitzen in diesem Theater künftig mit an den Hebeln der Regie. Sie orchestrieren die Dramaturgie. Die Bank der Zukunft wird nicht in kalten gläsernen Wolkenkratzern erfunden, sie wird auch nicht in der kleinen Filiale um die Ecke geprägt.

Die nachhaltige Bankenwelt kann auch nicht durch mehr staatliche Regulierung und Überwachung herauf beschwört werden. Dazu ist vieles gesagt, aber noch nicht von jedem. Die Bank der Zukunft kann sich nur aus der Mitte der Gesellschaft heraus bilden, wenn möglichst viele dem Leitstern einer „modernen und nachhaltigen Direktbank“ folgen.

Die Diskussion um den Begriff „Social Banking“ soll deshalb für alle Leser dieses Weblogs eine passende Steilvorlage sein, sich an dem von Social Banking 2.0 iniziierten „freundlichen Banken-Manifest“ zu beteiligen -, in welcher Form auch immer, in Wortbeiträgen, Kunstprojekten.

Kurzum: Beteiligen Sie sich in ganz unterschiedlicher, in kreativer und undogmatischer Weise, die einen neuen Blickwinkel und neue Antworten auf unseren Umgang mit Geld in Verbindung mit dem eigenen Lebensstil geben könnten. Denn wir wissen: Die Bank sind wir – und der einzige systemimmanente Rettungsfallschirm in der Bankenwelt ist die menschliche Kreativität und Arbeitskraft.   

        

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Written by lochmaier

November 20, 2009 um 8:19 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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