Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Business-Vordenker orakeln: Nach der Finanzkrise der Informationscrash?

with one comment

Wer das Buch von Max Otte – Der Crash kommt – vor der Finanzkrise gekauft hatte, der hätte sein Geld vielleicht noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Hätte, könnte, müsste, viele wenn und abers. Und hier noch eines mehr: Denn in seinem neuen Buch sieht der Finanzflüsterer, dessen Aus- und Voraussagen oftmals, jedoch nicht immer, zutreffen, die nächste Blase heraufziehen – das Handelsblatt darf, ziemlich lässig bebildet und aufgemacht, die nicht ganz so frohe Botschaft verkünden:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/strategie/max-otte-der-informationscrash-wer-uns-alles-fuer-dumm-verkauft;2483651

Geahnt haben wir es schon immer – es gibt noch unzählige andere Baustellen, die nach den gleichen Regeln wie die Finanzindustrie funktionieren. Doch ob das Sinnbild des Informationscrashes das Richtige ist?

Immerhin liegt Max Otte damit schon mal irgendwie auf einer gewissen Frontlinie mit dem Webquer- und Havas-Media-Lab- Vordenker Umair Haque, der noch dazu gleich eine Spekulationsblase der digitalen Desinformationsmarke 2.0 heraufziehen sieht:

http://blogs.harvardbusiness.org/haque/2009/11/facebooks_scam_ads_and_the_loo.html

Zu diesem Beitrag von Haque gab es neben viel Zustimmung auch ein paar kritische Kommentare. Denn man kann schon ein bisschen anzweifeln, wenn einige Experten heute zu Glückspropheten hoch stilisiert werden, um am Tage darauf wieder den Weltuntergang zu beschwören.

Für mich ist dieser Pferdewechsel, ständig auf ein noch schnelleres zu wechseln, zu rasant. An einem Tag kommt der „Kapitalismus 2.0„, der den „Zombiekapitalismus“ ablöst, am nächsten Tag wird der „Capitalism zwopointzero“ dann wieder gleich zur nächsten Spekulationsblase in spe ausgerufen. Das alles und noch viel mehr gab es in letzter Zeit von Haque zu hören. Angesichts einer derart massiven Polarisierung klicke ich mich aus.

In der Substanz freilich gibt es einiges Bedenkenswertes am Informations-Overkill, bei dem wir längst die Kontrolle verloren haben. Ins Kreuzfeuer bei Umair Haque gerät vor allem das soziale Netzwerk Facebook. Sicherlich, Facebook und die angehängte „Add-on-Wirtschaft“ ist noch nicht das letzte Rad der digitalen Wirtschaft.

Aber allzu vieles läuft derzeit nach dem Motto: Mediale Aufmerksamkeit erzeugt das Hochloben und  das Verdammen des Internets, möglichst beides noch am gleichen Tag – aber vielleicht liegt die Wahrheit ja zur Abwechslung mal irgendwo in der Mitte.

So der so – über alles lässt sich trefflich spekulieren. Zurück bleibt ein verängstigter Verbraucher wie das Kaninchen vor der Schlange. Vielleicht wird er ja doch mündig und etwas frecher, wie ich mit Blick auf die Banken in diesem Beitrag hier gezeigt habe, der die Reise zum Mittelpunkt der Erde via Corporate Social Media etwas differenziert jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei unter die Lupe zu nehmen versucht.  

Was die Spekulationsblase und den Informationscrash 2.0 angeht, also, wie wir vor, im und neben dem Netz systematisch für dumm verkauft werden, so hat mir übrigens ein Kommentar zum Artikel von Umair Haque ganz gut gefallen. Lassen wir also die Gedanken eines „verloren gegangenen Lesers“ namens Sean abschließend zu Wort kommen, der übrigens die Plattform Parkparadigm betreibt:

Umair you lost me on this one. I love your ‚unnovation‘ meme but think sometimes your comments get a bit shrill/hysterical; makes for compelling reading but verging on (Glenn) Beck-esque…

I don’t understand what is wrong with Google buying AdMob. And I’m not sure (although I’m not really very knowledgeable on this front) I agree that innovation in advertising is non-existent. And while I don’t have any ’stars-in-my-eyes‘ reverence for Facebook (or Google), I don’t think either is evil, or even driven by cynical bad faith. As you know, I worked in investment banking for 16 years (and still have contact with the sector) and good, bad and ugly – the companies you cite aren’t even in the same solar system (in terms of sharp, cynical competitive behavior), which is probably a good thing.

And I don’t see anything wrong with Farmville (or other social games), and disagree with you that they are unnovation. The dodgy monetization schemes are ugly sure, but let’s not throw out the baby with the bath water.

Finally, ads aren’t mortgages – and a „sub-prime ad crisis“ even if true, would not pose an existential threat to the economy. I get your race to the bottom point, and I am equally appalled by some of the worst practices that have emerged; but unlike some of your other commenters, I find the new advertising landscape much more useful to me, and less wasteful/obnoxious (than the landscape as it was 20 years ago.) Not perfect, but better.

Basically, the main reason I wanted to comment was that I think you have a unique and important point of view and a good story to tell, and your voice needs to be heard. I think it would be a disaster if some of the leaders you try to influence were to tune you out.

Wie wir uns jenseits von Weltuntergang und Hallelujah mit „Alice im Wunderland“ allmählich in Richtung „Finance 2.0“ bewegen könnten, und was sich hinter dieser Vision verbergen könnte, das verdeutlicht  Parkparadigm übrigens hier:

http://www.parkparadigm.com/2009/10/16/wonderland/

Written by lochmaier

November 16, 2009 um 12:57 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Das klingt oberflächlich betrachtet schlüssig und brilliant. Allerdings ist diese von Umair Haque vorgetragene Zukunftsvision erst ein recht vager Entwurf um einen „virtuellen Kapitalismus 2.0″. Etwas befremdlich mutet an, wenn Haque dann auch noch erklärt, dass wir wohl einer Spekulationsblase 2.0 durch soziale Netzwerke entgegenstreben. Social Banking 2.0 berichtete hier. […]


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