Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank greift an: Wir sind alle Opfer der großen Banken

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Vorrücken auf Los – Eine neue Bank betritt das Terrain: Die Noa Bank – Das Weblog Social Banking 2.0 hatte das Geschäftsmodell der gerade frisch gestarteten in Frankfurt ansässigen „Social Bank“ zunächst kritisch unter die Lupe genommen, der Gründer Francois Nozic hatte daraufhin mit einem Statement reagiert:

 

https://lochmaier.wordpress.com/2009/10/23/noa-bank-grunder-reagiert-und-erlautert-geschaftsmodell/

Ein heute erschienener Artikel in die WELT zeigt nun, wie ein 36-jähriger Belgier mit einem neuen Institut deutsche Privatkunden gewinnen will:

http://www.welt.de/die-welt/finanzen/article5104878/Wir-sind-alle-Opfer-der-grossen-Banken.html

Siehe auch der Beitrag in der Süddeutschen Zeitung (jetzt.de) „Ein Kleiner wills den Großen zeigen“:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/490033

Einige Auszüge:

Was für ein Kontrast bildet die Noa-Truppe zu den Gründern der Ökobank in den 1980er Jahren. Es waren Überzeugungstäter, die aus der Umweltbewegung kamen und es sich in den Kopf gesetzt hatten, eine alternative Wirtschaft zu fördern. Einige Jahre später ging die Bank dann jedoch pleite und wurde teils von der GLS Bank übernommen – sie ist die älteste ethisch-ökologische Bank in Deutschland; daneben gibt es noch die Umwelt- und die Ethikbank. Zusammen kommen sie auf rund 150 000 Kunden.
Durch die Krise seien die Menschen sensibilisiert für die Arbeitsweise der Banken, sagt Jozic. Er präsentiert Zahlen einer Forsa-Studie, die er beauftragt hat: 61 Prozent aller Anleger in Deutschland halten sich demnach für unzureichend darüber informiert, was ihre Bank konkret mit ihrem Geld macht. Davon wünscht sich immerhin jeder Zweite mehr Informationen darüber.
 
Quelle: Süddeutsche Zeitung 

 

Einige Auszüge und das Fazit des Beitrags aus die WELT: 

Die Noa Bank werde immer zu den ersten zehn Tagesgeldanbietern gehören. Zum Start bietet sie 2,2 Prozent. Hinzu kommen ein gebührenfreies Girokonto und eine Beteiligung aller Sparer am Gewinn der Bank. „Wir werden den Gewinn zur Hälfte an die Eigentümer, zur Hälfte an die Kunden ausschütten, im Verhältnis zur Höhe ihrer Einlagen“, sagt Jozic, der ohne Anzug so gar nicht wie ein Banker wirkt.

Das alles sind viele Versprechen für einen Neuling. Kaum weniger ambitioniert klingen die Ziele: 500 000 Kunden sollen es in fünf Jahren sein. Die drei genannten sozial-ethischen Banken kommen nach vielen Jahren am deutschen Markt nicht einmal auf 200 000. Schon 2011 will Jozic in der Gewinnzone sein. 50 Mio. Euro an Einlagen reichten dafür. Was viele Privatanleger auch noch interessieren dürfte: Die Noa Bank bietet über den gesetzlichen Rahmen von bis zu 50 000 Euro hinaus keine weitere freiwillige Einlagensicherung.

Quelle: www.welt.de

Statt diesem Fazit von WELT und Süddeutsche Zeitung unisono zu folgen  – der neue Spieler im sozialen Bankenweb beansprucht übrigens auch, nicht nur ein Auge auf die Privatkunden zu werfen, sondern will in der Kreditklemme auch eine Alternative für kleine Unternehmen sein -, und die Noabank entweder ins Reich der Hölle zu verdammen,  oder in den Himmel voller Geigen hochzuheben – stellen wir doch mal vorsichtig folgende Frage:

Neue Bankenphilosophie? Woher kommt der Name „Noa“bank?

 

Es gibt jede Menge Ideen, wie man eine Bank nennen kann. Die in Deutschland gerade gestartete Noabank knüpft mit ihrer Namensgebung an der Kultur der in Neuseeland beheimateten Maori an. „Noa“ bedeutet frei übersetzt „gewöhnlich“, aber nicht im Sinne von trivial, sondern ein kulturell für alle Menschen verbindliches Arrangement, also eine gesamtgesellschaftliche Übereinkunft über die Wertewelt, denen die ganze Gemeinschaft folgen möchte. Aber lesen Sie doch selbst:  Die Maori Neuseelands –Gebräuche und Religion1. Zentrale Begriffe zum Weltbild – mana, tapu, noa

 

Ähnlich vielen anderen polynesischen Gruppen besitzen die Maori Neuseelands ein umfangreiches kosmologisches Weltbild. Auf zentralen Begriffen mit weitgreifenden Bedeutungen gestützt, trägt dieses zur Erhaltung der ethnischen Identität bei.Im Maoritanga (te reo Maori: Maorikultur, -Gesellschaft) finden sich bekannte Vokabeln wie das tatauieren (Eine Variante des Tätowierens, bei dem durch Einritzen der Haut mit in Farbe getauchten Nadeln die bekannten moko [Gesichtsbilder] geschaffen werden) oder das hongi
(Die Berührung zweier Menschen mit ihren Nasen und der Stirn. Dies gilt als Zeichen der Verbundenheit und besitzt eine hohe zwischenmenschliche Qualität).Elementar für das alltägliche Miteinander waren und sind auch heute noch die Begriffe des mana, des tapu und des noa.Während die Ehre, das Ansehen und damit die gesellschaftliche Stellung eines jeden maia oder toa [Krieger] durch sein mana bestimmt wurde, regelten die beiden anderen Begriffe den Handlungsraum eines jeden Maori. Ob beim Bau eines waka (Kanu, Boot) oder eines whare (Haus, Gebäude), beim Zubereiten von Speisen oder der Kriegsführung – immer war der korrekte Umgang mit tapu und noa lebensentscheidend. Umgangssprachlich und vereinfachend werden die beiden Begriffe oftmals mit „Heilig“ und „Gewöhnlich“ übersetzt.

2. Gesellschaftliche Bedeutung und praktische Auswirkungen

Dies, also tapu und noa mit „Heilig“ und „Gewöhnlich“ zu übersetzen, entspricht jedoch nur sehr eingeschränkt den Gegebenheiten. Der Status des tapu verhinderte den Nahrungserwerb von Plätzen auf denen Schlachten stattgefunden hatten und Diebstähle von Gegenständen die damit versehen waren. Auf die gleiche Weise verhinderte das Hindurchkriechen der Krieger unter den Beinen der Häuptlingstochter, das diese als Mitglieder der Gruppe die Gräueltaten begehen mussten. Da die Häuptlingstochter mit einem starken noa versehen war, erlaubte das Hindurchkriechen den Kriegern sich für die Kriegszeit aus der Gemeinschaft zu nehmen und so frei von deren Regeln und Restriktionen zu sein. Durch die Wirkung des noa dem normalen Miteinander entzogen, war es möglich Krieg zu führen, ohne die Mitglieder der eigenen Gruppe später mit den außergewöhnlichen Taten zu belasten.Das tapu hatte aber auch im Alltag seine Besonderheiten – so war es einem Chief nicht möglich sein Essen selbst zum Mund zu führen. Hätte er dies getan, so wäre entweder sein eigener Status durch das „einfache“ Essen verunreinigt worden, oder aber das Essen für ihn aufgrund seines höheren tapu Status ungenießbar geworden. [Im Te Papa in Wellington ist eine kleine Auswahl der Fütterhörner zu sehen. Mittel diesen konnte das Essen ohne direkten Kontakt zu sich genommen werden] Das gesamte Miteinander im alltäglichen Umgang und auch den rituellen/sakralen Zeremonien regelte sich unter Berücksichtigung von mana/noa/tapu. Es wird sogar davon berichtet wie der Verzehr einer Kartoffel von einem mit starkem tapu versehenen Grabplatz, das Mitglied einer Reisegruppe (offensichtlich nicht mit der Umgebung vertraut) in den Tod brachte. (vgl. Greschat, 1980: 80 f.)Das mana eines Maori innerhalb seiner Gruppe wiederum, beeinflusste ausschlaggebend seine Stellung und das Gewicht seiner Meinung. Besaß ein Krieger viel davon, wurde seinen Ausführungen Gehör geschenkt und er besaß damit die Möglichkeit Andere um sich zu scharen und auf diese Weise das Geschick der eigenen Gruppe mitzubestimmen.Verlor er jedoch seine Position durch fehlerhaftes Verhalten konnte dies fatale Auswirkungen für ihn haben – Bestes Beispiel dafür ist der berühmte Kulturheroe Te Waru, welcher nach einer Liäson mit der Frau eines Anderen seine Position verlor und in der Schlacht von seinen Männern verlassen wurde.Gleiches galt für die Begriffe noa und tapu: Aufgrund eines starken tapu unantastbar zu sein barg in sich die Möglichkeit einer gehobenen Stellung und den damit einhergehenden Annehmlichkeiten. Wurde diese Stellung jedoch durch unangemessenes Verhalten oder das Anderer gestört, so kam es auf das mana desjenigen an – war es stark, so vermochte das Problem durch bloße Präsenz geklärt werden. Reichte der Status jedoch nicht aus, hatte die Person den Verlust seiner Position und jeglicher Ehren zu befürchten.Gelang es zum Beispiel einem Anderen auf den Kopf eines Chief zu urinieren, war dieser vollständig entehrt und konnte mitunter aus seiner Gemeinschaft vertrieben werden. (Vgl. Greschat, 1980: 80)In aufwendigen Zeremonien war es ausgewählten tohunga (Oftmals als Priester / Schamane übersetzter Begriff des te reo Maori. Ausschlaggebend für diesen Titel ist jedoch vor allem die Spezialisierung und besondere Fähigkeit in wichtigen Handwerken und Künsten. So gab es zum Beispiel auch tohunga tarai waka [Kanubauer, vgl. Evans, 2000] oder tohunga whare [Hausbauer]) möglich die Konflikte zwischen noa und tapu zu beheben. Um die anderen Mitglieder nicht zu gefährden, wurde dabei mitunter die gesamte Habschaft des Individuums vernichtet. Zu groß war die Gefahr selbst Opfer zu werden.

So regelte sich der Alltag durch die Präsenz oder aber des Fehlens eines tapu und mitunter notwendigen Zeremonien zur Besänftigung eines stattzufindenden Aktes. Dem Fällen eines Baumes zum Beispiel ging stets eine Zeremonie zur Versöhnung mit Tane (der Entität des Waldes – es wird bewusst die Bezeichnung Gott oder Geist vermieden) voraus, um auf diese Weise einen tapu-Bruch vorzubeugen.Obwohl mit Beginn des Kontaktes mit den pakeha [das sind alle Nicht-Maori, vor allem aber die Menschen mit west-europäischen Ursprung] durch die zunehmende „Verwestlichung“ neue Werte ihren Einzug in die Gesellschaft hielten, wird die Tradition in hohen Ehren gehalten. Mit zahlreichen Büchern, Kongressen und nicht zuletzt durch die lebendige Gemeinschaft werden jungen Maori die Werte und kulturelle Identität vermittelt. (Vgl. Shirres, 1997 und Scott, 1975)So erscheinen in unregelmäßigen Abständen Lexika in denen zeitgenössische Neologismen des te reo Maori [die Sprache der Maori] aufgegriffen und in den offiziellen Wortschatz aufgenommen werden. (Vgl. Maori Language Commission, 1996). Dazu ist das te reo Maori zweite offizielle Amtssprache und findet vor allem bei der Benennung von Städten und besonderen Orten Anwendung.Insbesondere auf den hui, den Gemeinschaftstreffen in den whare whenui [Versammlungshaus] und auf dem marae [Dorfplatz, Gemeinschaftsplatz vor dem Versammlungshaus] werden die eigenen Werte und Ideen lebendig gehalten. (Vgl. Karetu, 1993 und Tauroa, 1986). Nach wie vor ist es den Menschen wichtig die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft und damit zur eigenen Vergangenheit zu wahren und demonstrieren.Und wie stark die Beziehung eines Maori zu seinen Wurzeln ist, mag derjenige schmerzhaft erfahren, der seine Ahnen beleidigt…Quelle: http://www.nzvillage.com/newzealand/cms/front_content.php?idcat=82

 

Zurück zur rauen Wirklichkeit.

Wir brauchen also tatsächlich eine neue nicht nur „Bankenphilosophie“ , die mehr als auf Rendite ausgerichtet ist. Abschließend zu diesem Beitrag deshalb ein positiver Kommentar zur Neugründung der Noabank auf der Plattform Stock-World:

Und so lese ich mit Freude, dass sich in Frankfurt eine neue Bank gegründet hat. Die Noa Bank, die als GmbH & Co KG firmiert. Ein 36 Jahre alter Belgier wagt diesen mutigen Schritt. Sein Geschäftsmodell? Gänzlicher Verzicht auf Spekulations- und Kapitalmarktgeschäfte. Und Transparenz, die sich darin äußert, dass der Kunde bestimmen kann, was mit seinen Einlagen passiert. Er kann nämlich entscheiden, ob sein Geld in für Unternehmensfinanzierungen in den Bereich Zukunftsbranchen, den Gesundheitssektor, die Kulturindustrie oder Unternehmen aus der Region investiert werden.

Den ganzen Kommentar gibt es hier:

http://www.stock-world.de/analysen/3121776-Mehr_als_nur_Rendite.html

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Written by lochmaier

November 6, 2009 um 8:29 am

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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