Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Community Banking: Wie kann Geld Freundschaft stiften?

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Neben der deutschen Smava oder dem amerikanischen Pendant Prosper gibt es in unzähligen Ländern weitere kleine Pflänzchen, die danach trachten, sich im Marktsegment von Social Banking 2.0 zu etablieren. Wer etwa die historische Entwicklung und Tradition der britischen Peer-to-Peer-Bank Zopa verstehen möchte, kommt nicht umhin, sich mit deren sozial- und wirtschaftsgeschichtlichem Rahmen zu befassen.

Denn alles begann im zerklüfteten britischen Empire mit dem Grundkonzpet einer „friendly Society“. Dieses beinhaltete jedoch keinen Akt von reiner Menschenfreundlichkeit, sondern war letztlich ein Konzept von gemeinschaftsbasierten Finanzdienstleistungen für weniger einkommensstarke Schichten. Zum Hintergrund:

http://en.wikipedia.org/wiki/Friendly_society

http://www.friendlysocieties.co.uk/

Aber auch das vermeintlich so stimmige Konzept der „friendly society“ hat Sand im Getriebe nach der Finanzkrise:

http://www.dailymail.co.uk/money/article-1222870/JEFF-PRESTRIDGE-Societies-losing-friends.html

Die Merger-Tendenzen halten weiter an:

http://www.dailymail.co.uk/money/article-1221069/Britains-biggest-friendly-societies-poised-10bn-merger.html

Auf der Fachtagung „Die Welt des Vermögens“ erläutert  Vorstandssprecher Thomas Jorberg im persönlichen Gespräch mit Social Banking 2.0 soeben folgendes zur Rolle des Bankiers, neudeutsch Bankers – oder anders ausgedrückt:

Die wahre Rolle der Banken – Gutes Geld unterstützt die Realwirtschaft – sie sieht so aus:

Die Gewinnmaximierung kann nicht das oberste Ziel der Wirtschaft (und Banken) sein. Die Herausforderung und Kernaufgabe liegt darin, die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen. Und die Kunden wollen heute mehr als nur die Höhe des Zinssatzes wissen.   

Mehr zum Trend bei der „grünen“ Geldanlage heute in der FTD: http://www.ftd.de/finanzen/alternativen/:gruenes-geld-anleger-entdecken-oekobanken/50032433.html

Soweit Thomas Jorberg von der GLS Bank – Zu hoffen, dass sich aus der Branche heraus selbst eine neue nachhaltige Philosophie entwickeln wird, wäre derzeit zu viel erwartet. Das jedenfalls verdeutlicht auch die aktuelle Bewertung am Puls eines Bankertreffs, die im Bankingclub veröffentlicht ist. Fazit: Im Westen nichts Neues! (wohl auch im Osten nicht). Siehe dazu mehr:

http://www.bankingnews.de/20091023/im-westen-nichts-neues/

Wer sich dennoch mit den neuen Spielvarianten einer bankenbezogenen Wirtschaftsethik vertraut machen möchte, der wird möglicherweise in dem neuen wissenschaftlich ausgerichteten Buch von Peter Koslowski fündig, der sich immerhin vorsichtig an erste Schlußfolgerungen aus der Finanzkrise herantraut:

http://www.amazon.de/Ethik-Banken-Folgerungen-aus-Finanzkrise/dp/3770547659

Peter Koslowski zieht folgendes Fazit: Die Finanzkrise 2008 war mehr als eine Rezession. Sie war der Zusammenbruch des Bankensystems der Welt, der nur durch die Intervention der Staaten hinausgeschoben werden konnte. Noch weiß niemand, ob der Zusammenbruch nur verzögert oder ob er abgewendet worden ist. Billionen oder gar Trillionen – niemand scheint ihre wahre Dimension zu kennen – von Derivatewetten vagabundieren im Weltbankensystem um den Globus. Ist die Krise die Folge eines Versagens der Banken und ihrer Finanzethik? Die Banken und Finanzintermediäre hielten sich zur ungehemmten Bereicherung für berechtigt. Sie vernachlässigten ihre treuhänderischen Pflichten gegenüberihren Kunden. Sie förderten die Hyperspekulation und überzogene inanzwetten. Sie verabschiedeten die Idee, dass die Finanzwirtschaft eine Dienstfunktion hat zugunsten der Maximierung ihrer Einkommen und des Shareholder Value ihrer Aktionäre. Der Vertrauens-und Reputationsverlust der Finanzinstitutionen ist tiefgreifend. Markiert er das Ende des finanzorientierten Kapitalismus? Peter Koslowski zeigt, dass die reinökonomische Ökonomie der Finanzwirtschaft an ihrem Ende angelangt ist und durch eine ethische Ökonomie ersetzt werden muss. Er entwickelt eine Ethik der Banken und der Finanzmärkte für Kredit, Kapital, Unternehmenskontrolle und Derivate. Die Krise ist auch eine Chance für einen Neuanfang, für eine neue Finanzethik des Banken- und Finanzsystems.

> Und wer jetzt noch ein praktisches Anschauungsbeispiel erleben will, warum es erstens zu viel Geld gibt, und dieses zweitens in die falschen Kanäle fließt, der sollte sich das Video zur Geschichte der Märklin-Eisenbahnen und dem gleichnamigen Unternehmen anschauen. Es zeigt, wie Familienunternehmer sich in private Zwistigkeiten verstrickt und die Bodenhaftung verloren haben, es zeigt, wie sich Finanzinvestoren einer gesunden Kernmarke bemächtigt haben, und wie Geld letztlich nur noch in unproduktive Kanäle gelangt, die sich dann unmittelbar gegen die menschliche Arbeitskraft und Kreativität kehren. 

http://www.swr.de/betrifft/-/id=98466/did=5571886/pv=video/nid=98466/1y48087/index.html

Man gewinnt den Eindruck, dass der kapitalmarktgesteuerte Kapitalismus eigentlich ohne Mensch und Natur ganz gut funktionieren könnte…. Wer spielt eigentlich künftig noch mit der Eisenbahn?

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Written by lochmaier

November 5, 2009 um 1:23 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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