Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Gastbeitrag: Blicklog über s(c)hillernde Risikowelt…

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Robert Shillers Risikomanagement für alle

Von Dirk Elsner*

Es ist kein Geheimnis, dass der Blick Log ein großes Interesse für Beiträge des US-Ökonomen Robert Shillers mitbringt. Nein, nicht weil Shiller, wie in den Medien gern kolportiert wird, die aktuelle Krise vorausgesehen hat (das hat er nämlich nicht). Viel interessanter finde ich Shillers Berücksichtigung verhaltenswissenschaftlicher Ansätze (siehe z.B. Die Krise ist vor allem ein psychologisches Phänomen) in der ökonomischen Forschung und seine Beiträge für ein neues Verständnis zum Risikomanagement.

 So hat sich Shiller intensiv mit der Anwendung moderner Risikovorsorge auf unser tägliches Leben befasst. In seinen Werken “Macro Markets” und “Die neue Finanzordnung” hat er gut fundierte Entwürfe für einen neuen finanzwirtschaftlichen Rahmen und neue Instrumente vorgelegt, mit denen wirtschaftlichen Risiken auf neue Art und Weise abgesichert werden können. Shiller ist davon überzeugt, dass eine neue Kultur des Risikomanagements es ermöglichen kann, vorhandenen ökonomischen Institutionen so zu vernetzen, dass sie Wohlstandsmotor und Sicherheitsnetz in einem werden.

Er schlägt vor, die Instrumente, die die Finanzindustrie zum Umgang mit Risiken entwickelt hat, auf weitere Bereiche anzuwenden. Die Kernidee ist: Möglichst viele Einzelrisiken werden gebündelt, gemischt und in kleinen Tranchen an diejenigen weitergereicht, die sie am besten tragen können. Shiller will damit nicht Errungenschaften der Finanzwissenschaften abschaffen, sondern sie erweitert anwenden. In einem Interview mit der FAZ sagte er dazu:

 “Die Instrumente und Erkenntnisse der Finanzwissenschaften zum Thema Risikoabsicherung werden bisher nur auf wenige Märkte und Risiken angewendet. Damit beraubt man sich vieler Möglichkeiten, individuelle Risiken abzusichern und damit Wachstum und Wohlstand zu fördern. Ich plädiere dafür, daß auch normale Menschen von den Errungenschaften dieses Fortschritts profitieren und ein professionelleres Risikomanagement betreiben können.”

In einem Beitrag im Handelsblatt unter der Überschrift: „Kapitalismus für alle verfasst“, plädiert Shiller dafür, aus den offengelegten Schwächen im Risikomanagement zu lernen und das Finanzsystem auszubauen, zu demokratisieren und zu modernisieren, um so die Risiken besser in den Griff zu bekommen. Er bedauert, dass der letzte G20-Gipfel dazu wenig Beiträge geleistet hat und schreibt u.a.:

“Die G20 hätte sich lieber damit befassen sollen, wie man das Finanzsystem so gestalten kann, dass es tatsächlich den Menschen nützt, und zwar in einer neuen Form, die wissenschaftliche Erkenntnisse besser berücksichtigt. In ihrer Charta verlangt Merkel eine Wirtschaft, die „den Menschen dient“. Das ist im G20-Dokument festgehalten. Um das zu erreichen, müssen die Finanzinstitutionen aber ein höheres Niveau erreichen. Und das erfordert eine umfangreiche Planung.

 Wir müssen unsere Institutionen weiterentwickeln, um künftige Krisen zu vermeiden. Wichtig ist vor allem, die Risiken von Blasen auf den Immobilienmärkten in den Griff zu bekommen – davon ist die Krise ja ausgegangen. Ein anderes Kernproblem sind die starken Schwankungen des Bruttosozialprodukts, die Folge der Krise waren. Aber diese Themen standen nicht auf der Liste des G20-Dokuments.”

Shiller bedauert den negativen Unterton gegenüber den Finanzinstitutionen, weil er befürchtet, so könnten Fortschritte beim Risikomanagement verlangsamt werden. Shiller hält es außerdem für wichtiger, Instrumente und Mechanismen zu entwickeln, um Risiken aufzudecken. Das nämlich helfe Managern, diese Risiken besser in den Griff zu bekommen. Weiter schreibt er:

Die derzeitige Finanzkrise wurde ausgelöst durch ein fehlerhaftes Risikomanagement im Umgang mit Börsen-, Immobilien-, Energie- und anderen Blasen. Viele Privatleute, Unternehmen und Staaten waren diesen Risiken zu stark ausgesetzt. Die Finanztheorien, die einen Schutz vor solchen Risiken empfahlen, wurden nicht vernünftig umgesetzt. Die Theorien an sich sind nicht falsch. Aber die Institutionen und die Produkte der Finanzwelt sind einfach nicht weit genug entwickelt und einem breiteren Querschnitt der Weltbevölkerung nicht zugänglich gemacht worden. …

Eine moderne Finanzbranche ist ein wesentlicher Baustein unseres Wohlstands. Wenn wir aber weiterkommen und die bedrückenden wirtschaftlichen Probleme von Milliarden Menschen lösen wollen, brauchen wir eine Demokratisierung des Finanzsystems. Es muss wirklich allen Menschen zugänglich gemacht werden. …

 Wir fürchten uns vor Finanzpleiten, wir planen unser Leben so, dass wir mit fortschrittlichen Finanzprodukten nicht in Berührung kommen müssen. Aber wir verpassen zugleich Gelegenheiten für Fortschritt, weil wir keine modernen Technologien anwenden. Um die Analogie abzuschließen: Wir befinden uns ungefähr in den 20er-Jahren, was die vernünftige Nutzung von Finanzprodukten betrifft. …

 Die Finanzkrise geht eindeutig auf das unzulängliche Risikomanagement zurück, vor allem im Immobiliensektor, das zur Subprime-Krise an den Hypothekenmärkten 2007 geführt hat. Das war der Katalysator für eine signifikante Belastung im gesamten Finanzsektor. Trotz dieser Krise haben wir es noch nicht geschafft, moderne Finanzinstrumente zu schaffen, um diese Risiken zu managen.

> Shiller ist also durchaus ein Befürworter moderner Finanzinstrumente. So sieht er die Verbriefung von Hypotheken und die Verteilung der Risiken auf verschiedene an der Nachfrage der Investoren ausgerichtet Tranchen als eine wirkliche Innovation im Finanzsystem an. Er kritisiert aber auch den Mangel an Erfahrung sowohl bei den Erfindern als auch bei den Regulierern dieser Produkte.

Bereits in seinem Buch “Die neue Finanzordnung” machte er konkrete Vorschläge, wie sich Immobilienkäufer gegen Preisschwankungen absichern könnten. In dem aktuellen Beitrag im Handelsblatt äußert er die Vermutung, Futures auf Wohnimmobilien hätten den Preisverfall möglicherweise abmildern können.

“Erst 2006 wurde ein neuer Anlauf für einen Futures-Markt für Einfamilienhäuser unternommen. Die Chicago Mercantile Exchange schuf in Zusammenarbeit mit mir und meinen Kollegen von MacroMarkets LLC Futures-Märkte für zehn US-Städte und einen aggregierten Index, der die S&P/Case-Shiller-Hauspreisindizes nutzte, die Karl Case und ich ursprünglich entwickelt hatten. Diese Märkte hatten zunächst bescheidenen Erfolg. Bemerkenswert ist, dass der Futures-Markt praktisch von Anfang 2006 an den Fall der Hauspreise voraussagte.

 Man fragt sich, was die Erwartungswerte gewesen wären, hätte es solche Märkte während des Hauspreisbooms in den Jahren 2003, 2004 und 2005 gegeben. Es ist absolut möglich, dass die Märkte die Immobilienkrise vorausgesagt hätten, wie 2006. Das hätte die Blase geschwächt und Bauunternehmen wie Käufer von falschen Entscheidungen abgehalten. Die Handelsplattform bei der CME existiert noch, doch es gibt keine Marktmacher mehr. Die Aktivität ist fast auf null gesunken.”

Im Juni diesen Jahres hat Shiller mit Kollegen von MacroMarkets LLC den ersten an der Börse gehandelten Markt für Preise von Einfamilienhäusern auf der Arca-Plattform der New Yorker Börse gestartet, mit denen langfristig denkende Investoren das Risiko, das vom Immobilienmarkt ausgeht, mindern können. Ein Immobilieneigentümer konnte sich bislang nicht gezielt gegen einen Wertverfall seines Eigenheims absichern, z.B. durch den Kauf von Wertpapieren, deren Wert steigt, wenn die Immobilienpreise sinken.

In seinem Buch “Die neue Finanzordnung” weitet Shiller den Einsatz von Derivaten zu Absicherung übrigens noch aus auf andere “Lebensrisiken”.

 Abschließend geht Shiller in dem Beitrag auf den Ruf der Derivate ein.

Der schlechte Ruf, den Derivate in jüngster Zeit angehängt bekommen haben, ist schlichtweg fehl am Platz. Derivate sind, wenn sie richtig eingesetzt werden, wie eine Versicherung und helfen, unser Leben zu verbessern. Über Jahrhunderte hinweg haben wir allmählich gelernt, unsere Finanzinstitutionen zuverlässiger zu machen und sie in unserem Interesse arbeiten zu lassen. Dieser Prozess ist alles andere als abgeschlossen und muss nach der Krise überarbeitet werden.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Dirk Elsner.  Er betreibt das private Weblog „Blicklog„, das sich Themen aus Wirtschaft, Finanzen und Management widmet. Beruflich berät Dirk Elsner im Auftrag der Beratungsgesellschaft Innovecs GmbH mittelständische Unternehmen in betriebswirtschaftlichen und finanziellen Fragen, sowie Banken zu organisatorischen Themen, vorwiegend im Wertpapiergeschäft.

Quellverweis: http://www.blicklog.com/2009/10/29/robert-shillers-risikomanagement-fr-alle/  

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Written by lochmaier

November 3, 2009 um 8:03 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] Mitte heraus einen Lösungsansatz vorzustellen, unternimmt immerhin Robert Shiller – hier beleuchten Social Banking 2.0 bzw. der Blicklog seinen Ansatz – in einem Beitrag auf […]


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