Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Oktober 2009

Enterprise 2.0: Genossenschaften made by digital natives

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Wer sich mal etwas eingehender auf den Gedankenkosmos von Peter Kruse einlässt, der wird jede Menge Anregungen finden, etwa zur DNA von digital natives, dem Unternehmen 2.0, dem raschen Wandel von Produkten und Marken durch Webcommunities und dem Resonanzprinzip im Internet. Eine seiner Kernthesen lautet: Die digitalen Erdenbürger verhelfen dem Genossenschaftsmodell auf spielerische und unideologische Weise zu einem neuen Auftrieb.

Optisch gesehen wirkt der Mann wie das angestaubte Überbleibsel einer etwas anderen Zeit, in der die Menschen noch in ein unmittelbar an die Realwirtschaft angedocktes ökonomisches Haus eingebettet schienen. Trotzdem gehört der Experte mit dem Moses-Bart zu den Vor- und Querdenkern in der deutschen Managementszene. Die Rede ist von Professor Peter Kruse. Er hat zahlreiche Auszeichnungen und Würdigungen erhalten, nicht immer haben alle allen seinen Thesen zugestimmt.  Hier eine kurze Einführung in seine Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Kruse

Spannend ist etwa seine geistige Verknüpfung in Richtung Genossenschaftsprinzip, und wie die ins Netz hin ein geborenen digitalen Nativen die etwas verstaubten Prinzipien wieder beleben und auf eigene Weise adaptieren. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar, wer sich das 4-Minuten-Video auf Youtube zum Thema „Neue Unternehmensformen“ mal in Ruhe anhört:

Welche Rolle Genossenschaften made by digital natives künftig spielen werden, wird mittlerweile auch in jedem ordentlichen Buchladen deutlich. Soziale Nachhaltigkeit gehört ja schon zum offiziellen Regierungsprogramm aller Parteien. Man muss also das folgende Werk eines Professors von der Technischen Universiät Berlin nicht unbedingt gelesen haben: Norbert Bolz: Profit für alle. Soziale Gerechtigkeit neu denken, Murmann Verlag, 192 Seiten, 18 Euro.

Aber es empfiehlt sich, mal kurz in die Rezension beim Deutschlandradio reinzulesen:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1056461/  

Auszug: Die vier Kapitel stehen für vier verschiedene Blickwinkel. Der erste ist der einzelne Bürger mit seinen Wünschen und Bedürfnissen, der zweite die alles veränderte Technologie des Internets, der dritte die Rolle der Unternehmen und der vierte die Rolle des Staates. Zum zweiten Punkt setzt Bolz die Duftmarke wie folgt : Das Internet liefert dabei die Plattform, auf der sich diese Veränderungen noch beschleunigen. Waren Gesellschaften früher stabiler, so werden die sozialen Bindungen durch das Internet lockerer, so die These. Statt durch Inhalte entsteht schon durch die Art der Vernetzung ein neues, eigenes Profil. Es entsteht völlige Transparenz, die „Weisheit der Vielen“ löst das vereinzelte Expertenwissen ab, stärkt also den Teamgeist. 

Und hier kommt bereits Kritik ins Spiel, bilanziert Deutschlandradio: Allerdings bleiben Fragen. So erliegt Bolz sichtlich der derzeitigen Internet-Euphorie und der angeblich heilenden Kräfte virtueller sozialer Netzwerke. Es stimmt zwar, dass das Netz neue Bezüge schafft. Aber nötige neue Kontrollen bei Wikipedia zeigen, dass sich ganz offensichtlich eben nicht automatisch eine „Schwarmintelligenz“ einstellt, wenn sich 200.000 statt 200 Mitarbeiter an einer Enzyklopädie beteiligen. Im übrigen lösen die lockeren Beziehungsverhältnisse im Netz die alten starken, familiären Bande nicht etwa ab, sondern ergänzen sie nur. Wo diese Ergänzung nicht gelingt, entwickeln sich eher soziale Zombies, die gar nicht mehr in der Lage zu Beziehungen mit gegenseitigen Verpflichtungen sind, so der Deutschlandfunk. 

Fazit: Wieder ein Buch mehr, das auf den allgemeinen Trend aufspringt und alle Begriffe ins Spiel bringt, die gerade Mode sind. Siehe dazu auch das folgende Interview mit dem Autor Norbert Bolz:

http://planet-interview.de/interview-norbert-bolz-14052009.html

Eine weitergehende Auseinandersetzung mit Blick auf das Internet und Social Communities müsste beispielsweise hier ansetzen: Das Ausnutzen von kollektiver Schwarmintelligenz ist alles andere als ein Selbstläufer, und schon gar nicht auf den Finanz- und Kreditmärkten dieser Welt, wie ich in einem früheren Beitrag zum „Financial Croudsourcing“ beleuchtet habe:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/09/30/financial-croudsourcing-2-0-wie-gut-ist-die-schwarmintelligenz-wirklich/

Weiterer Punkt: Auch faire Austauschbedingunen zwischen den Nutzern, die Produkte über ihre Netzbeteiligung mitgestalten, sind alles andere als ein Selbstläufer. Neben der Frage, wie die Betreiber eines solchen Netzwerks die Beteiligung produktiv steuern, gibt es eine weitere Preisfrage: Wer sich mit eigenen Beiträgen an der Gestaltung der Bank 2.0  beteiligt, der sollte auch von niedrigeren Transaktionskosten proftieren.

Wie also lässt sich das Resonanzprinzip in Netz, bei dem digital natives dem Genossenschaftsprinzip zu einer neuen Blüte verhelfen, auf die Finanzmärkte übertragen? Ganz einfach: Im Zeitalter von Social Banking 2.0 wird man die Betreiber daran messen müssen, ob und in welcher Form sie die auf ihrem Konto verbuchten Effizienzgewinne auch an die „finanzielle Netzwerkgemeinschaft“ ausschütten, ohne im Hintergrund einen Wasserkopf in der Verwaltung mitlaufen zu lassen, bei dem wieder undurchsichtige Geschäftsverbandelungen bestehen.

Written by lochmaier

Oktober 27, 2009 at 7:26 am

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Klimagipfel drängt Silicon Valley ins Abseits: Next Exit to Shanghai?

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Man kann durchaus die Frage aufwerfen, wo in der Welt künftig das grüne Herz beheimatet sein könnte. Sicherlich ist es nicht unbedingt Masdar City, wo die Scheichs mit viel Geld eine teure exklusive Ökostadt aus dem Boden stampfen – komplett mit Erneuerbaren Energien versorgt. Viel spannender ist diese Frage: Übernimmt jetzt China auch in der Forschung das Kommando? Zusatzfrage: Lösen Shanghai und Peking auch gleich noch die Wall Street als führende Drehscheibe an den Finanzmärkten ab?   

Zunächst einmal: Masdar City soll neue Standards beim ökologischen Wohnen und Verkehr setzen, berichtet lobend die UN:

http://www.nachhaltigkeit.org/200910193263/stadtplanung-bauen/nachrichten/un-loben-masdar-city

Nun ja, alle großen Firmen dieser Welt einschließlich der deutschen Siemens mischen kräftig mit bei dem Milliardenprojekt. Wirtschaftsblog Cleanthinking nennt ein paar Details, die Bewohner werden alle so richtig intelligente Kühlschränke bekommen – zumindest beim amerikanischen Konzern General Electric werden ein paar grüne Lampen leuchten:

http://www.cleanthinking.de/masdar-city-und-ge-echtzeit-studie-zur-energieeffizienz/2510/   

Das führt direkt zur Frage, welche Region uns eigentlich physisch und geographisch ins neue Ökozeitalter führen wird. Im Silicon Valley jedenfalls liegt die Arbeitslosenquote bei überdurchschnittlichen zwölf Prozent. Das Wall Street Journal spöttelte vor kurzem über den ausgeträumten kalifornischen Traum, da Energieeffizienz technisch doch viel komplizierter sei als es ein nettes Liedchen der 60er-Jahre mal suggerierte (California Dreamin – on such a winter day, möchte man hinzu fügen): 

http://blogs.wsj.com/environmentalcapital/2009/10/22/california-dreaming-is-energy-efficiency-really-that-easy/

Die Zweifel wachsen schon seit längerem im Tal der Ahnungslosen, ob der „brain drain“ im sonnigen Kalifornien anhält, und die Besten dieser Welt sich anderen, ungleich spannenderen Schauplätzen dieser Welt zuwenden – die einen frischen und wachen Geist haben, statt über gelenkte Forschungsgelder (häufig aus dem Verteidungshaushalt) in unsägliche Machenschaften mit den bislang dominanten Finanzrevieren dieser Welt verstrickt zu sein. Eine vage Andeutung, was das bedeutet, findet sich in der Financial Times Deutschland:  

http://www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:undichte-stellen-insiderhandel-skandal-ist-weckruf-fuer-silicon-valley/50025830.html

Mehr zur Historie des industriellen-militärischen Komplexes rund ums Silicon Valley in den USA findet sich hier:

http://www1.bpb.de/publikationen/U6A0BW,3,0,Der_neue_Milit%E4rischIndustrielle_Komplex_in_den_USA.html

Die Blogger vom amerikanischen Venture Beat werfen jetzt die Frage auf, ob nicht Shanghai die Rolle des amerikanischen Silicon Valleys als weltweit führendes Forschungs El Dorado für neue Technologien übernehmen wird (nun ja, halten wir erstmal fest, dass dort der militärisch-industrielle Komplex nicht weniger einflussreich ist):

http://green.venturebeat.com/2009/10/23/will-shanghai-become-the-silicon-valley-of-green-revolution/

Nachdenklich stimmt bislang, dass man auch hierzulande relativ wenig von dem neuen Umweltminister Steven Chu hört, seines Zeichens immerhin ein ausgesprochen renommierter Physiker und Naturwissenschaftler. Den USA scheint die Luft gerade bei der grünen Revolution angesichts der selbst größtenteils verursachten Finanz- und Wirtschaftskrise auszugehen.

Und China hat andererseits das Potential, die blanke Notwendigkeit und auch die von oben verordnete Machtstellung, seine Probleme auch mit Hilfe von grünen Umwelttechnologien anzugehen und neue Märkte zu schaffen. Ob es am Ende reicht, den Klimawandel drastisch zu stoppen, wird sich zeigen. Aber dass die Musik in der Forschung künftig nicht mehr vom Silicon Valley bestimmt wird, ist absehbar. Das dürfte sich auch auf die blank gewienerte Welt der Finanzmärkte niederschlagen. 

Übrigens stammt Steven Chu aus einer chinesisch-stämmigen Akademikerfamilie die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eingewandert war.  Bilaterale Wurzeln sind also vorhanden. Nomen est Omen. Heute ist jedenfalls in einigen deutschen Medien bereits zu lesen, dass US-Präsident Barack Obama seine Teilnahme am Klimagipfel in Kopenhagen von substanziellen Fortschritten beim Kampf gegen die Erderwärmung abhängig macht. 

Die grüne Luft ist dünn geworden.

http://www.tagesspiegel.de/politik/international/klima/Klimagipfel-Barack-Obama;art1118,2932657  

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,657258,00.html

Written by lochmaier

Oktober 26, 2009 at 4:15 pm

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Smava: Virtuelle Kreditbörse 2.0 etabliert sich als Marktführer

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Dass Smava unter den nach menschlichen Kriterien von den Nutzern selbst gestalteten Kreditmarktplätzen eine feste Größe ist, und sich als Marktführer etabliert hat, zeigt eine weitere Auszeichnung vom Finanzmagazin EURO – nachdem schon vor einem Monat die Stiftung Wartentest den Anbieter zum dritten Mal in Folge als „seriös“ mit einer grünen Ampel versehen hatte. 

Offizielle Info vom Betreiber dazu: Neun Kreditportale wurden unter die Lupe genommen, ein Anbieter konnte den Test des Finanzmagazins Euro klar für sich entscheiden: Testsieger ist die Kreditbörse smava. In der aktuellen November-Ausgabe bewertet die Euro-Redaktion das Angebot des deutschen Marktführers mit vier Sternen. Besonders positiv wurde die Transparenz des Angebots, die verwendeten Sicherungsinstrumente und die breite Anlegergemeinde bewertet.

Die Bewertung der verschiedenen Angebote erfolgte nach folgenden Kriterien: Telefonische Erreichbarkeit, Bonitätsprüfung, Identitätsprüfung, Sicherung der Anleger durch Anlagepools (Pooling), Inkasso bei Kreditausfällen, Gebühren für Kreditnehmer, Gebühren für Kreditgeber, Laufzeiten der Kredite, vermitteltes Kreditvolumen und Anzahl der Anleger und Kreditnehmer. Dabei entsprachen nur drei der neun Anbieter den Mindeststandards. Die genannten Testkriterien wurden nach Risikomanagement (40%), Transparenz (35%), Gebühren (20%) und Navigation auf der Website (5%) gewichtet. Mehr Infos gibt’s hier:

http://www.presseportal.de/pm/65820/1499520/smava_gmbh

Written by lochmaier

Oktober 26, 2009 at 9:46 am

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Subsistenzökonomie 2.0: Wenn alles schief geht…

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Dass die Turbulenzen der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nur ein laues Lüftchen waren – sondern nachhaltige Folgen im Bewusstsein der Menschen bewirkt haben, zeigt eine Fernsehreportage auf ORF, bei der Menschen konkret nach Alternativen jenseits von rein profitgetriebenen Banken Ausschau halten:

http://tv.orf.at/program/orf2/20091016/457305601/278083/

http://programm.ard.de/programmvorschau/121143016866/22102009-0455-3sat/Falls-alles-schief-geht

Einige Beispiele: Nach der Wirtschaftskrise wird die Welt schlagartig anders aussehen, da ist sich Werner Obermüller ganz sicher. Deshalb hat er nun nicht, wie ursprünglich geplant, ein Wochenendhaus gemietet, sondern vorsichtshalber einen ehemaligen Bundesheerbunker. Derzeit ist er eifrig am Renovieren des Stahlbetonkellers und hofft, dass er noch rechtzeitig fertig wird. Erich Fintsches ist 83 und hat schon einige Krisenzeiten miterlebt – und daher seit eh und je Obst und Gemüse angebaut. Auf seinem Hausdach wachsen Paprika, Tomaten und Zucchini. „Wer sich in Krisenzeiten auf den Staat verlässt, der ist eh verlassen“, meint er.

Noch rechtzeitig bevor der ganz große Crash kommt, hat auch der Handwerker Stefan Zoglits reagiert. Weil die Grenzen des Wirtschaftswachstums längst erreicht seien, rechnet er jeden Tag mit einem Kollaps des weltweiten Finanzsystems. Um ganz sicher zu gehen, hat er schon begonnen, seine Euroscheine in Gold zu wechseln und seinen Schatz an einem sicheren Ort zu verstecken.

Ausblick: Das alles sind Vorboten eines Gegentrends – nicht nur zu den herrschenden Banken oder zu hoch verschuldeten Staatsgebilden mit einem Schattenhaushalt, pardon, Nebenhaushalt, sondern auch generell zu den ökonomischen Spielregeln angeblich unausweichlicher Marktbedingungen in der Globalisierung. 

Sicherlich: Die Globalisierung ist auch positiv, je mehr sich die Wirtschaft weltweit vernetzt, je mehr Austausch zwischen den Kulturen, umso größer der „Airbag“ gegen die kulturelle Konfrontation zwischen einzelnen Regionen oder Religionen.

Aber es prosperieren auch kreative Spielarten von regionalen Wirtschaftskreisläufen – einer Art „Subsistenzökonomie 2.0“, bei der Menschen andere Wege jenseits des konsumorientierten Mainstreams einschlagen.  

Letztlich ist auch Social Banking 2.0 solch ein kreativer Ausdruck. Jedoch kommt dort noch eine andere Mixtur hinzu: Das spielerische Testen neuer Varianten jenseits moralischer Kategorien oder gespeist durch einen gesellschaftlichen Paradigmenwandel. Sprich: Was zählt, sind niedrigere Transaktionskosten – und Leute mit Geld als Investoren jenseit sozialer Klischees und Alterskategorien, die den Aspekt einer „sozialen Extrarendite“ neben der finanziellen zu schätzen wissen.  

Übrigens ist der Marktführer Smava in der deutschen Szene – in der Kreditvergabe ohne Banken von Mensch-zu-Mensch – vor kurzem erneut von der Stiftung Warentest als einzig wirklich seriöser Anbieter hierzulande ausgezeichnet worden:

http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/meldung/-Kredite-von-privat/1814502/1814502/1816923/

http://www.smava-blog.de/2009/10/20/finanztest-11-2009-beim-anbieter-smava-stimmt-das-konzept/    

Es wird indes noch einige Zeit ins Land gehen, bis auch andere Anbieter im Peer-to-Peer-lending oder Peer-to-Peer-Banking mit weniger seriösem Geschäftsgebaren aussortiert sind, und das eine oder andere Modell sich für alle Beteiligten mit integrierter Airbag-Funktion tatsächlich als wirtschaftlich solide und transparent erwiesen hat. Aber: Wer keine Visionen hatte, muss nicht unbedingt gleich zum Arzt gehen.

Written by lochmaier

Oktober 26, 2009 at 7:49 am

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Schuldenfalle: Amerikanische Mittelklasse im Stresstest

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Der kleine Mann träumte lieber vom El Dorado, als seine eigenen Möglichkeiten im Blick zu behalten, und die Bankenindustrie hat diesen Illusionen kräftig Nahrung gegeben. Wie die amerikanische Mittelklasse mit den Folgen eines auf Pump finanzierten Lebensstils in der Schuldenfalle zurecht kommen muss, darüber berichtet das Weblog „Nakedcapitalism“:

http://www.nakedcapitalism.com/2009/10/debt-stress-in-middle-class-america.html

Es gibt auf Youtube außerdem ein recht aufwändig gemachtes Musikvideo von Drag Queen zur „Bohemian Bankruptcy“, das die allgemeine Stimmungslage bissig-ironisch wiedergibt:

Written by lochmaier

Oktober 25, 2009 at 10:26 am

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Walgreen: Mehr Erfolg mit behinderten Menschen im Unternehmen

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Das Unternehmen Walgreen Co. ist eine im amerikanischen Deerfield angesiedelte Einzelhandelskette, die Pharmazieprodukte vertreibt. Der jährliche Umsatz beträgt immerhin rund 15 Milliarden US-Dollar. Auch auch diese nackte Zahl klingt auf den ersten Blick eher langweilig. Aber „Walgreen rocks“, wie die Amerikaner sagen – es macht dadurch auf sich aufmerksam, dass der Chef Randy Lewis über 40 Prozent der Belegschaft in einem Logistikzentrum aus behinderten Menschen rekrutiert. Und das mit großem Erfolg, denn was Nachhaltigkeit und Sozialorientierung wirklich bedeuten kann, verdeutlicht ein Video auf Youtube:

Ein Beispiel, das hoffentlich auch bei uns den einen oder anderen Nachahmer finden wird. Schließlich darf man in der derzeitigen Ökonomie der Ellbogenflitzer keine Schwäche zeigen, dabei sind es letztlich nicht die Großtaten, die Menschen im Leben weiter bringen, sondern das Lernen aus Fehlern, wozu auch das gelegentliche Scheitern gehört. Die triste Realität sieht wohl eher so aus:

Auch der DGB kritisiert den Negativtrend bei Behinderten am Arbeitsplatz:

http://www.dgb.de/2009/02/18_behinderte/

Die Lösung, um die ewige Diskussion über vernachlässigte Randgruppen in der Gesellschaft zu entkrampfen ist gar nicht so schwer : Die Ökonomie und deren Gestalter sollten direkt in Menschen investieren, damit diese sich produktiv vernetzen – statt in Beton oder in luftige Wolkenkratzer. Das Internet macht dies möglich, dass Unternehmer in sinnvolle Projekte investieren, z.B. in Studenten, denen damit Bildung und Studium möglich werden.

http://www.wiseclerk.com/group-news/countries/us-vittana-video-how-p2p-loans-helped-students-in-nicaragua/

http://www.vittana.org/about

Written by lochmaier

Oktober 25, 2009 at 8:20 am

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Reputationsmanagement 1.0: Wie die HSH Nordbank als Black Box agiert

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Wer sich anschauen will, wie eine Bank in und mit der Öffentlichkeit Vabanque spielt, ohne selbst zur Aufklärung in der Finanzkrise beizutragen, der konnte kürzlich bei einer gespenstischen fast virtuell anmutenden Pressekonferenz der HSH Nordbank ein neues Kapitel in der Geschichte der Imagepflege – neudeutsch Reputationsmanagement – bewundern. „Vabanque“ bedeutet übrigens sinngemäß „es gilt die Bank“.

Genauso mussten es die zahlreich erschienen Journalisten in den Vorhöfen empfunden haben, denen an diesem Tag nicht mal ein konkreter Termin für den Auftritt der Chefetage um den Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher mitgeteilt worden war. Passenderweise berichtet das NDR-Magazin „Zapp“ von dieser neuen Kreativität in der Bankenkommunikation, die die Gäste wie Asylanten behandelt, als ob diese sich unberechtigterweise Zutritt zu einer nicht für sie bestimmten glamourösen Welt hätten verschaffen wollen.

Bekanntlich lässt man solche Gäste lieber draußen im Regen stehen, und genau das passierte. Der NDR berichtet dazu folgendes:

Es war der Moment auf den Journalisten monatelang gewartet haben. Die Manager der HSH Nordbank stellen sich der Presse. Nach ewigem Schweigen der Manager hatten sich so viele Fragen bei den Journalisten angehäuft. Vor allem an den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher. Aber beantwortet wurde keine. Statt Statements gab es Schnittchen, statt Antworten Apfelsaft. So unverschämt geht man mit dem berechtigten Interesse der Öffentlichkeit um.

Quelle und mehr Infos:

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_wirtschaft/hshnordbank360.html

Und hier gibt’s das komplette Video – mit der Grundlektion in  angewandtem Reputationsmanagement der Marke „Black Box“, in die keiner reinschauen darf und soll:

http://www3.ndr.de/flash/zapp/interactivePlayer.html?xml=zappsendung144-interactiveBroadcasts.xml&sr=zapp

Übrigens – Was ist eigentlich Reputationsmangement? Es umfasst die Gesamtheit aller systematischen Unternehmensaktivitäten, die dem Aufbau, der Erhaltung und Verbesserung einer positiven Unternehmensreputation dienen. Ziel ist es, damit den Unternehmenswert nachhaltig zu steigern.

Reputationsmanagement ist aber auch – und jetzt wird es interessant – eine fortlaufende Verpflichtung zu einer verantwortungsvollen Kommunikation mit allen Interessensgruppen – und es reflektiert somit auch die Unternehmenskultur. Aha, das liest sich wie der Satz des Pythagoras aus dem „Leerbuch“.

Doch ist die Realität weit spannender, denn wo es derzeit wohl keine Unternehmenskultur gibt, braucht man auch keine nach außen zu vertreten. Insofern rückt sich das präsentierte Bild wieder gerade. 

Dass dieses Verwirrspiel aber auch noch von Hilmar Kopper – dem Ex-Chef der Deutschen Bank unterstützt wurde – spottet der derzeitigen Entwicklung noch zusätzlich Hohn.  Man könnte sagen: Das Reputationsmanagement ist ein Peanuts-Problem, das Unwort des Jahres von 1994, das ja bekanntlich auf Hilmar Kopper zurückgeht. 

Ein Wunder, dass sich manche Journalisten angesichts dieser wirklich zuvorkommenden Behandlung da überhaupt noch zu einer kleinen neutralen Randnotiz ohne Häme in der Berichterstattung durchringen konnten:

http://www.zeit.de/newsticker/2009/10/20/iptc-hfk-20091020-101-22745848xml

Zurück zum Reputationsmanagement 1.0: Passenderweise existiert jetzt übrigens angeblich sogar ein Gutachten, das die Führungsspitze von einigen Vorwürfen entlastet, berichtet jedenfalls das Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/gutachten-entlastet-fuehrung-der-hsh-nordbank;2471432

Warum wurde auf der Pressekonferenz nicht darüber gesprochen? Schließlich darf und muss sich der Rest der Gesellschaft nicht mit einfachen Antworten nach der Finanzkrise begnügen. Sicherlich, auch die Medienvertreter tragen dazu bei, manchmal an einem simplen Schwarz-Weiß-Schema in der Wahrnehmung der Welt mitzustricken. Die Hauptsache, die Quote stimmt, mag sich da manche in die Kritik geratene Bank denken. So macht man es sich einfach mit dem eigenen Machterhalt. 

Außerdem: Es gibt auch jede Menge von Journalisten, die mit offenen Fragen nach Antworten für ihre Leser suchen. Und solche Medienvertreter haben deutlich mehr verdient, als nur in der Vorhalle mit Ausflüchten abgespeist zu werden.

Fazit: Reputationspflege bedeutet im Gegensatz zu einer in der Black Box agierenden Bank mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis oder die reine Fassadenpolitur mit ein paar Wundermitteln zum Wegbeten der Krankheit. Ein Wunder, dass überhaupt noch jemand aus der Journaille in die Tasten griff.

Und hier die ultimate abschließende Empfehlung an die üblicherweise in der Vorstandsetage angesiedelte Stabsabteilung zur Fassadenpolitur, und zwar, ohne einen Cent für die kleine Horde an externen Kommunikations- und Strategieberater ausgeben zu müssen:  Wer nichts sagen möchte, und erst recht nicht ohne vorheriges Briefing durch einen teuren Rechtsanwalt, der sollte lieber schweigen, als eine Medienposse zu inszenieren. Das Motto lautet: Umsonst und draußen ist für alle da.

Falls es nun im digitalen Nirwana doch jemanden gibt, der sich diese „Best Practices“ lieber nicht zu eigen machen will – und stattdessen lieber auf das Reputationsmanagement der Marke 2.0 in offenen Netzwerken setzt, dem sei hier eine Einführung empfohlen:

http://klauseck.typepad.com/prblogger/reputationsmanagement.html

Auch der Autor dieses Weblogs hat das Thema einer glaubwürdigen Imagepflege von Banken im Web und jenseits des Netzes schon einmal ausführlich beleuchtet:

http://www.die-bank.de/archiv/2008/042008/web-reputation-management-guter-ruf-in-gefahr

Wie Banker Vertrauen zurück gewinnen könnten, das beleuchtet auch ein Fachbeitrag auf Harvardbusinessmanager:

http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-638722.html

Any questions left? Hier gehts’s zum Wissensportal – über das Leitbild für ehrbare Kaufmänner und Kauffrauen:

http://www.der-ehrbare-kaufmann.de/zum-leitbild-des-ehrbaren-kaufmanns/

Written by lochmaier

Oktober 24, 2009 at 7:29 am

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Xingianer: Hitzige Diskussion – Wozu brauchen wir Banken?

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Auf der Plattform Xing, die Geschäftskontakte verbandelt, ist eine interessante Diskussion um folgendes Thema entbrannt: Kein Mensch will Bankprodukte – das zumindest behauptet ganz provokativ der Autor Helmut Muthers, der damit zumindest eine kleine Resonanzlawine ausgelöst hat, mit zahlreichen und durchaus vielsagenden Kommentaren, auch aus der Bankenbranche selbst.

Hier der Link, der jedoch nur funktioniert, wenn man sich vorher als Mitglied eingeloggt hat (deshalb im Nachgang gleich der Beitrag in voller Länge abgedruckt):

https://www.xing.com/net/bankingclub/vertrieb-marketing-1682/kein-mensch-will-bankprodukte-24300821/

Kein Mensch will Bankprodukte

Mit dieser Aussage will ich eine Diskussion über den Produkt-Wahnsinn anstoßen, der sich in Banken und Sparkassen in den letzten Jahrzehnten breitgemacht und für soviel Unheil gesorgt hat. Je weiter die Gründungsidee der verschiedenen Institute zurückliegt, um so mehr verabschieden sie sich von ihrer eigentlichen Aufgabe (Probleme lösen, Bedürfnisse befriedigen, Kunden erfolgreich machen etc.), mit all den bekannten Problemen, die heute zu bewältigen sind – und mit den herkömmlichen Strategien nicht mehr bewältigt werden können.

Noch wehrt sich eine ganze Branche mit Leidenschaft – und horrenden Unterstützungszahlungen – gegen die Veränderung. Es wird ihr aber nichts anderes übrig bleiben, will sie nicht das Schicksal der Stahlindustrie, der Schuster, Schmiede, Tante-Emma-Läden usw. erleiden. Was dem Kunden nichts nützt, schadet der Bank.

Kein Mensch will Produkte. Menschen wollen keine Waschmaschinen, sie wollen saubere Wäsche. Sie gehen nicht in die Kneipe um Bier zu trinken, sie suchen Unterhaltung. Sie wollen keine Baufinanzierung, sondern ein Haus, kein Autodarlehen, sondern das Auto, keine Lebensversicherung, sondern ihren Lebensstandard und ihre Lebensqualität im Alter sichern. Der oft starrköpfige Fokus auf Produkte als Problemlösung hat den Denkhorizont eklatant verengt. Produkte sind nur Vehikel und Mittel zum Zweck, Produkte sind Abfall, lästiges Beiwerk, um die eigentlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Und – hier liegt die Ursache für die ruinösen Preiskämpfe – Produkte sind austauschbar, weil sie alle die gleiche Bezugsgröße – nämlich Geld – haben. Da nützen auch alle kreativen Marketingspielchen und die Erfindung immer neuer Namen für immer gleiche Produkte wenig. Wollen Banken aus diesem Teufelskreis von Austauschbarkeit und Preisfalle heraus, müssen sie sich von der Produktorientierung trennen. Die viel beschworene Kundenorientierung und die tatsächlich gelebte Produktorientierung schließen sich gegenseitig aus.

Beispiel: Wen ein Kunde seinen Lebensstandard im Alter sichern will, hat er dazu viele Möglichkeiten jenseits der Bankprodukte. Die Bank, die das erkennt, erkennt auch die damit verbundenen Chancen für neue Geschäfte und neue Erträge. Wer kundenorientiert arbeitet, zeigt dem Kunden über das Sparen hinaus andere Möglichkeiten auf und berät z. B. gemeinsam mit Kooperationspartnern – im Sinne des Kunden – Aspekte wie

* Länger arbeiten
* Existenzgründung im Alter
* Kaufkraftoptimierende Wohnortberatung (z. B. im Ausland)
* Bücher schreiben
* Hobby zum Beruf machen usw.

Wer sich auf Produkte konzentriert, wird derartige Möglichkeiten für den Kunden nicht in Erwägung ziehen und Chancen liegen lassen. Jetzt werden sich möglicherweise viele Leser fragen, was das mit Bankgeschäft zu tun hat – und sie haben recht. Nichts. Aber genau hier liegt die Chance. So wie Tchibo sich aus dem Kaffeegeschäft gelöst hat oder die Preussag sich in TUI transformierte, weil sie erkannten, dass die Musik künftig woanders spielte. Es wird höchste Zeit, den arroganten Glauben an die Unsinkbarkeit der alten Finanzbranche aufzugeben. Unzählige Banken und Sparkassen sind gescheitert und untergegangen. Dresdner Bank – Gott hab sie selig.

Ich habe 8 Jahre Banken saniert und die Fehlentwicklung der Bankstrukturen kennen gelernt. Auf diesem Wissen aufbauend haben wir anschließend Leistungen entwickelt, die für Kunden nützlich waren. Als eine der ersten Banken in D wurden Honorare für die Baufinanzierungs- und Altersvorsorgeberatung, die Regelung der Erbangelegenheiten und im Firmenkundengeschäft realisiert. Das war vor rund 20 Jahren – und die Branche träumt immer noch.

Ein einfaches Praxisbeispiel – seit mehr als 10 Jahren realisiert – soll die Zusammenhänge deutlich machen. Ziel war es, die Baufinanzierung aus der Austauschbarkeit mit den Angeboten der Wettbewerber heraus zu entwickeln. Das Ergebnis vorweg: Die Bank finanzierte vorher 20 Prozent der Neubauten in ihrem Geschäftsgebiet, vier Jahre später rund 80 Prozent.

Unter Beachtung von Gesundheitsaspekten und ökologischen Gesichtspunkten hatte ein Mitarbeiter kurz vor Projektbeginn mit seiner Familie ein Eigenheim fertig gestellt. Er konzentrierte sich auf die Zielgruppe: „Junge Familie mit Kindern, Bauabsichten auf gesundheitlicher und ökologischer Grundlage“. Im Zielgruppentest stellte er fest, dass die Menschen Informationsbedarf haben, der weit über die traditionellen Vorstellungen hinausgeht und bereits auftritt, lange bevor die Finanzierungsfrage ansteht. Die von der Bank als das Wichtigste angesehene Finanzierungsfrage wurde von den Kunden eher als lästiges Übel empfunden. U. a. wurden folgende Themen als relevant für die Gestaltung einer neuen Leistung („Prinzip der vollständigen Problemlösung“) aufgenommen: Wasseradern, Elektrosmog, Wohngifte, Erdstrahlen, Energie, Störfelder (Lärm, Hochspannungsleitungen usw.), Allergien, Farben und Licht, Lebensgewohnheiten (Raumordnung usw.), Sicherheit, Baustoffe usw.

Der Mitarbeiter baute sich ein Netzwerk mit Kooperationspartnern auf: z.B. Wünschelrutengänger, Präventivmediziner, ökologisch arbeitende Architekten, Feng-Shui-Experten, Institut zur Messung von Elektrosmog und anderen Störfeldern, Energieberater der Landesregierung; Licht- und Farbexperten und ein Holzspezialist, der Holz nach Mondphasen schlägt. Die Partner gestalten u. a. Vorträge und Seminare. Weitere Schritte waren die Einrichtung einer Informationsbörse, Literaturhinweise, Experten-Verzeichnisse, eine Fotosammlung von Muster-Häusern, Standortinformationen und Immobilienangebote, die dem Gesundheitsanspruch gerecht werden. Der Mitarbeiter gründete Gesprächskreise zwischen Menschen, die bereits gebaut haben und solchen, die noch bauen wollen. Ergänzend schreibt er Kolumnen in einer regionalen Tageszeitung und in einer Ärzte-Zeitschrift.

Er wurde zum Dreh- und Angelpunkt für Fragen rund um die Gesundheit beim Bauen und Wohnen. Die Finanzierung von Grundstück oder Hausbau ist für die Zielgruppe keine offene Frage mehr. Der Marktanteil hat sich in wenigen Jahren vervielfacht. Kunden anderer Banken nehmen die Angebote in Anspruch und finanzieren über ihn. Die Preissensibilität hat sich deutlich verringert. Der Mitarbeiter ist zur Marke geworden. Sein Bekanntheitsgrad ist hoch. Die Marketingkosten sind gering. Die Konzentration auf das Thema hat sich „ausgezahlt“. Je mehr sich die Bank den Bedürfnissen der Kunden gewidmet hat, umso mehr Baufinanzierungen wurden gekauft. Nicht als Ziel, sondern als Folge nutzenorientierter Lösungen für den Kunden. Die Frage heißt nicht mehr „Wie verkaufen wir die meisten Baufinanzierungen?“ sondern „Was können wir tun, damit der Kunde gesund baut und wohnt?“

Eine andere Bank organisiert im Netzwerk für Unternehmer über 50 deren Gesundheits-Management. Bis hin zu Flügen zum Jakobsweg, dem Snow-Kite-Kurs am Dachstein, Rückenschulen, Nordic-Walking-Kursen, Seminaren und Vorträgen wird für die Zielgruppe alles angeboten, was zur ihrer Gesundheit beiträgt. Natürlich gegen Bezahlung. Mehr als 400 Personen sind im Programm dabei. Die neue Leistung ist konkurrenzlos, laufend wird in der Presse darüber berichtet. Die Umsätze mit den Kunden haben sich deutlich erhöht, viele neue Kunden wurden gewonnen.

Es gibt keinen Grund dafür, dass eine Bank in der Austauschbarkeitsfalle hängen bleibt und dazu verdammt ist, nur noch über den Preis zu konkurrieren. Es gibt keinen Grund dafür, dass Zinsspannen sinken und Erträge dahin schmelzen wie Schnee in der Sonne. Es gibt keinen Grund dafür, dass destruktive Kosteneinsparung und Entlassungen zum legalen Mittel der Geschäftspolitik werden. Es gibt keinen Grund dafür, dass die Banken ein so desaströses Image haben. Das alles lässt sich ändern. Aber ohne die Bereitschaft zur Neuorientierung gibt es keine Neuorientierung.

Banker verhalten sich wie jemand, der auf einer Eisscholle vom Nordpol Richtung Süden rudert. Als das Eis zu schmelzen beginnt, erhöht er die Schlagzahl und rudert schneller … Richtung Süden. Das kann man tun – auch als „Strategie des Mehr-vom-Bisherigen“ bekannt – ist aber grober Unfug.

„Was würde der Welt, Ihrer Region, Ihren Kunden fehlen, wenn es Ihre Bank nicht (mehr) gäbe?“ Das ist die Frage nach der Existenzberechtigung, die plausibel beantwortet werden muss. Die Dresdner Bank – fehlt sie wirklich?

Also: Innehalten, die bisherige Geschäftsstrategie vorbehaltlos überprüfen (lassen), weiterentwickeln – anders als bisher, anfangen. Es ist ein Entwicklungsprozess – aber er lohnt sich. Und vor allem, was ist die Alternative, so weiter machen wie bisher?

Die Chancen sind gewaltig. Aber, soviel Zeit wie beim Angeln oder beim Schach gibt es nicht mehr.

Herzliche Grüße aus dem sonnigen Rheinland

Helmut Muthers

www.muthers.de

www.wettlauf-um-die-alten.com

Written by lochmaier

Oktober 24, 2009 at 7:26 am

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NOA Bank: Gründer reagiert und erläutert Geschäftsmodell

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Vor kurzem habe ich mit der NOA Bank das Geschäftsmodell eines neuen Players auf  dem wachsenden Markt der Dienstleistungen rund um „Social Banking“  unter die Lupe genommen. Also einer Bank, die für Geldanleger eine Alternative zu den herkömmlichen Geldinstituten sein will. Und zwar mit einem seriösen und fairen Mix zwischen finanzieller, sozialer und ökologischer Rendite. Kurzum: Einer Bank mit ethischem Charakter statt ethischem Window Dressing: 

http://www.girokonto-news.de/noa-bank-kostenfreies-girokonto-mit-ethik-charakter/

Jetzt nimmt der Gründer der NOA Bank Francois Jozic, die am 7.11. in Deutschland an den Start gehen will, offiziell Stellung zu meiner vorläufigen Analyse  (2. Teil des Weblog-Eintrags vom 20.10.09) der bislang dargebotenen Internetseiten. Er erläutert das Geschäftsmodell in einem offenen Brief an Social Banking 2.0, den ich den Lesern natürlich im Sinne einer transparenten Diskussion nicht vorenthalten möchte, an der sich jeder beteiligen kann.

Denn schließlich gilt im neuen Zeitalter nachhaltiger Finanzdienstleistungen vor allem ein Motto: Die Bank sind wir! – Und das erfordert auch vom Anleger die Anstrengung, aktiv mitzudenken und mitzugestalten, um die Geldanlage nicht wie bislang einer „Black Box“ zu überlassen, die oftmals wie ein Müllschlucker funktioniert, bei dem hinten für die Akteure „end-of-pipe“ (die Kleinanleger) deutlich weniger rauskommt als vorne reinging.  Hier nun die Stellungnahme: 

Dear Mr Lochmaier,

My name is Francois Jozic. I am 36. I am the founder of noa bank.

I have read your comments regarding noa and I would like to thank you for giving your frank opinion about the business model of the bank.

I agree with your points regarding transparency. To be fair, this is the main point I am working on at the moment.

The official launching date of noa is the 7th of November. For that date, noa bank will provide full transparency on what is being done with the money of the depositors and full transparency on the bank itself. I still need a bit of time.

The use of a GmbH & Co. KG sounds indeed inadequate to noa bank. It is however part of the vestige of the bank. A more responsible legal form will be adopted as soon as possible.

I have founded noa bank in reaction to the financial crisis and to the obscene attitude of the banks. This is a citizen approach. Indeed, I believe that if we, the citizen, are victims of the banks` attitude, we are also responsible: we give them our money blindly without asking any questions.

However if we want to become responsible, we need an alternative.

Noa bank wants to be this alternative.

No speculation, only financing the real economy. Transparency. Possibility to choose what is being done with your money (democracy of money). Humanity.

I agree that the first version of the noa bank website is not yet perfect. Realising my vision is a work in progress though, and as you yourself have said:” Warum aber eigentlich nicht? Nicht jeder, der Visionen hat, sollte unbedingt gleich einen Arzt aufsuchen.”.

“Wo ist die Bank, der man vertrauen kann?”

I hope noa bank is the answer. Maybe you can even help me to make sure that it is the answer.

Kind regards,

Francois Jozic

Fazit: Francois Jozik ist auch hierzulande in der Branche kein Unbekannter und in Aktivitäten unterschiedlicher neuer Spieler auf dem Markt eingebunden wie Quorum und Targas. Es ist nur gut, dass eine rege Diskussion in Gang kommt, von der alle Beteiligten nur profitieren können. Wer sich aktiv an der Diskussion um Führungs- und Gestaltungsprinzipien beteiligen möchte – wie eine ethische Bank aussehen soll – ist über die Kommentarfunktion gerne dazu eingeladen.

 

Written by lochmaier

Oktober 23, 2009 at 8:19 am

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Auch das gibt’s: Reichendemo protestiert für freiwillige Geldabgabe

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Wer die Welt nur in Schwarz-Weiß-Kategorien einteilt, die guten Menschen unten und die bösen Kapitalisten oben, der übersieht die vielen spannenden Töne dazwischen. So gibt es durchaus auch Menschen im gehobenen Gesellschaftssegment, die bereit wären, mehr von ihrem Reichtum abzugeben, berichtet der Tagesspiegel aus Berlin. Die Betonung liegt leider auf dem Konjunktiv, denn die letzten Regierungen (einschließlich SPD und Grüne) haben die eingehenden Geldströme im Top-Segment nur allzu gerne an der langen Leine gelassen.

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schwarz-Gelb-Tiergarten;art270,2929389

Weitere Infos zu der Berliner Initiative:  www.appell-vermoegensabgabe.de

Gegen guten Verdienst wäre ja nichts einzuwenden – aber was passiert, wenn die Leine tatsächlich zu lange ist, das beschreibt ein Interview mit dem Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann in der Süddeutschen Zeitung  „Boni machen Mitarbeiter zu Marionetten“:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/653/491024/text/

Im Klartext: Wenn das Geld zu viel ist, es zu schnell läuft, und noch dazu auf den Konten weniger landet, dann kriegt es irgendwann die nächste Blasen aufgrund Überhitzung, so dass dann wieder wir alle den Büßer-Gang nach Canossa antreten dürfen.

Written by lochmaier

Oktober 22, 2009 at 3:15 pm

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