Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Honorarberatung: Diskussion um Provisionsverbot geht am neuralgischen Punkt vorbei

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Wer sich die Diskussion um die Honorarberatung in der Bankenszene anschaut, findet derzeit jede Menge Anschauungsmaterial. Die Öffentlichkeit wird geradezu torpetiert mit Artikeln in der Finanz- und Wirtschaftspresse.

Jetzt hat sogar die Commerzbank über die angeschlossenen Direktbanken Cortal Consors bzw. Comdirect ein konkretes Preis-Leistungs-Modell angekündigt, mit dem sie die Kunden künftig beglücken will:

http://www.boerse-online.de/finanzen/aktuell/:Honorarberatung–Da-waren-es-schon-mal-drei/513562.html

So sieht das Modell laut Börse online konkret aus: Das Preismodell der Beratung besteht bei Comdirect aus zwei Komponenten: Zum einen zahlen Kunden 0,6 Prozent des Portfoliovolumens pro Jahr oder 0,05 Prozent pro Monat, mindestens werden 24,90 Euro pro Monat fällig. Hinzu kommt für jede Order – auch bei Fonds – die herkömmliche comdirect-Preisstaffel: Sie beträgt 4,90 Euro plus 0,25 Prozent des Ordervolumens, mindestens 9,90 Euro, maximal 59,90. Hinzukommen noch etwaige Fremdspesen. Wie bei Honorarmodellen üblich, bekommen Kunden sämtliche Vergütungen zurückerstattet, die die Bank von Produktanbietern erhält, etwa Bestandsprovisionen bei Fonds.

> Alles klar? Das klingt gut – aber wie ich schon in einem früheren Beitrag gezeigt habe – alles ist nur ein eleganter Verschiebebahnhof der Kosten vom einen Posten auf den anderen, bei dem der Kunde am Ende erneut draufzahlt.

Oder anders ausgedrückt: Es handelt sich um ein marketingtechnisches Blendwerk, bei dem ganz im Stile der bisherigen Produktdiktate von oben immer neue Nebelkerzen gezündet werden. Ein kreativer Methodenmix, der die Grenzlinie zwischen festen und variablen Gebühren verwischt.

Gibt es Alternativen? Und wenn ja, welche? Derzeit beackert als einziger neuer Spieler die Quirin Bank das Terrain der Honorarberatung konsequent. Ein Schritt in die richtige Richtung – siehe die ausgedehnte Werbekampagne gegen die Bundeskanzlerin Angela Merkel:

http://quirinnews.de/honorarberatung-weltweit-auf-dem-vormarsch/

In der Community sorgt derzeit vor allem diese Petition von Qurin-Bank-Chef Karl Mathäus Schmidt für reichlich Diskussionsstoff:

„Das Geschäftsmodell vieler Banken basiert darauf, ihren Kunden Produkte mit hohen Provisionen zu verkaufen, statt sie unabhängig, fair und transparent zu beraten. Der Anreiz, zum eigenen Vorteil zu handeln, ist systembedingt. Hohe Provisionen bedeuten hohe Einnahmen für die Bank, aber nicht zwingend für den Anleger. Ein Dilemma, das mit dem herkömmlichen Provisionsmodell nicht auflösbar ist.

Die Folgen: Banken machen auch dann Gewinn, wenn der Kunde Verluste erwirtschaftet. Diese Falschberatung verursacht nach einer Untersuchung des Bundesverbraucherschutzministeriums einen volkswirtschaftlichen Schaden von 30 Milliarden Euro pro Jahr. Das Provisionsmodell ist eine der wesentlichen Ursachen für die hohen Anlegerverluste, und es hat die aktuelle Finanzmarktkrise mit verursacht.

Unser Ziel: Der Gesetzgeber muss Schluss machen mit versteckten Gebühren und Provisionen im Privatkundengeschäft. So wird der Weg frei für ein transparentes Vergütungssystem und so kommen Bankkunden in den vollen Genuss ihrer erwirtschafteten Gewinne.

Nur auf diese Weise lässt sich das Vertrauen zwischen Kunden und ihren Banken zurückgewinnen und auf Dauer erhalten.

Deshalb appellieren wir an die neue Bundesregierung, Provisionen im Banksystem gesetzlich zu untersagen. Ähnlich, wie es die britische Finanzaufsicht FSA bereits 2012 in Großbritannien umsetzen wird.

Unterstützen Sie uns! Gemeinsam für ein faires und transparentes Banksystem in Deutschland! Unterzeichnen Sie unsere Petition an den Gesetzgeber.“

Andere Spieler in der neuen Szenerie rund ums Social Banking haben das Thema aufgegriffen, wie Fidor. Auf deren Community-Seiten gibt es einige interessante Kommentare zum „Provisionsverbot“:

http://community.fidor.de/geldfrage/597

Fazit: Sicherlich gibts zurecht viel Beifall für derartige Vorschläge – Nur leider: Ein Provisionsverbot ist so wenig realistisch wie die Umkehr der Beweislast in der Bankberatung. Die Welt wird nicht dadurch besser, indem wir uns virtuell eine andere zurecht biegen.

Ich fürchte also, die Diskussion geht am eigentlichen Problem vorbei. Auch Aufklärung bringt letztlich nicht weiter, wenn die Alternativen fehlen, denen die breite Masse vertrauen kann. Welches sind die spannenden Produkte hinter jeder Beratungsdientleistung, unabhängig davon, ob diese anhand von Provisionen oder fortlaufend honoriert wird?

Ein Blog-Leser von Social Banking 2.0 kommentiert das so: 

„Also ich habe mich für eine honorarberatung entschieden und bin eigentlich ganz zufrieden! Letztendlich verdient jeder Banker: ob nun mit festem Honorar oder über Ausgabeaufschläge (kann auch gern mal 5% vom vermögen sein), Verkaufsprovisionen (2-3%) und Kick-backs. Ich glaube preislich gibts dann im endeffekt keinen unterschied. aber wie die Qualität der Beratung war?! Da denke ich einfach mal an die vielen Lehman- und Zertifikate-Opfer…..“

Bilanzieren wir also kurz und knackig: Die Honorarberatung ist der Weg und die Brücke, und nicht das Ziel! So gesehen lautet mein Statement: „Pro-Vision“ – Neu wäre etwas anderes, nämlich die Innovationspyramide und den Wertschöpfungsprozess in der Bankenindustrie auf den Kopf zu stellen, und den Kunden nach oben zu setzen.

Das ist in der Praxis aber kein einfaches Unterfangen, denn die kollektive Schwarmintelligenz auf den Finanzmärkten ist nicht leicht zu realisieren. Es gibt noch keinen Generalschlüssel dazu, jeder Anbieter der dies behauptet, stapelt die Kartons reichlich hoch. Siehe meinen früheren Eintrag:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/09/30/financial-croudsourcing-2-0-wie-gut-ist-die-schwarmintelligenz-wirklich/

Dennoch: Die Bank nach dem Leitmotiv Financial Croudsourcing 2.0 wird kommen, in kleinen Schritten, wir gehen spannenden Zeiten entgegen. 

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Written by lochmaier

Oktober 29, 2009 um 8:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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