Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Quelle-Pleite und Ethisches Banking: Anleihen aus anderen Kulturen aufnehmen?

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Schaut man sich die Pleite von Quelle an, dann wird durchaus deutlich, wie eine Chefetage über Jahre hinweg die Probleme ignorierte und nur in die eigenen Taschen wirtschaftete, während die Mitarbeiter kurzfristig ins Abseits gesetzt werden, ohne Abfindung versteht sich:

http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:aus-fuer-versandhaus-quelle-wird-rasant-abgewickelt/50026268.html

Brauchen wir einen neuen „Katalog“ für die Manager? Die Linke im Bundestag titelt dazu:

„Für alle Beschäftigten muss es einen Übergang und eine soziale Abfederung geben. Es wäre ein verheerendes Signal, wenn die Bankmanager zu Weihnachten ihre Boni einstreichen, während sich die Quelle-Beschäftigten arbeitslos melden müssen.”

http://www.sozialticker.com/quelle-aus-ist-eine-krachende-niederlage-fuer-guttenberg-2_20091021.html

Wo liegt die Alternative, ohne gleich in die Sackgassendiskussion zu gelangen, ob nun das beste aus den Welten Sozialismus plus gebremster Kapitalismus uns aus der ethischen Krise führt? Auf der Suche nach einer neuen Moral im Finanz- und Wirtschaftssystem rückt derzeit der islamische „Ansatz“ immer mehr ins Bewusstsein der westlichen Finanzwelt. Dass ethisches Banking mehr als ein leeres Versprechen sein kann, beleuchtet die Süddeutsche Zeitung anhand eines Vergleichs mit dem Islam:

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/841/490220/text/ 

Etwas kritisch beleuchtet der Spiegel das Thema, anhand von Sharia-Richtlinien seien nicht selten abenteuerliche unternehmerische Konstruktionen damit verbunden, die die Banken – da der Trend auch nach Deutschland herüber schwappe – nicht nur moralisch vor große Herausforderungen stellten:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,656021,00.html

Auch das ZDF widmet sich einem „Finanzsystem ohne Krise“, siehe das Video auf Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=mYVUTuM5Bds&feature=player_embedded

Was ist wirklich dran an den ethischen Prinzipien? Denn eines dürfte wohl kaum realistisch sein: Sich dem Gebot der „Sharia“ gänzlich anzunähern, in dem es verboten ist, in Geldprodukte zu investieren, die nur auf Zinsen basieren und Geld aus Geld machen.

Deren Eckpfeiler bilden die drei Elemente eines allgemeinen Zins- und Spekulationsverbot sowie der Ausschluss von Glücksspiel. Auch bei Investitionsvorhaben gibt es Ausschlusskriterien wie die Förderung der Prostitution, der Handel mit Alkohol, Schweinefleisch oder pornographischen Produkten. Das wäre schon mehr als eine kleine Kulturrevolution, wenn die westliche Welt sich diesen Gesetzen unterwerfen würde…… Aber wie sagt schon eine alte  Weisheit diesseits des Rheins: Geld hat keinen Geschmack und keine Farbe, außer man besitzt es. Insofern darf man kritisch begleiten, inwieweit sich die Investmentbranche tatsächlich von Kriterien jenseits der eigenen Einflusssphäre leiten lässt.

Soeben gab der Familienunternehmer Wolfgang Grupp – das ist der, der immer vor der Tagesschau für sein Unternehmen Trigema wirbt, auf einem Logistikkongress in Berlin ein relativ eindeutiges Statement ab, das viel besser in unseren Kulturkreis passt: Es gelte, regionale Wertschöpfungsketten zu beachten, und kleinere Wirtschaftseinheiten zu schaffen – statt Leuten, die nur daran interessiert seien, das große Rad zu drehen. Dafür sorgten die kleinen und mittelständischen Unternehmer. Die übrigen solle man haftungsrechtlich in die Schranken weisen, sprich, diejenigen unter den Managern, die die hohen Gewinne für sich beanspruchen, sollten auch für  die Verluste gerade stehen, und nicht auch noch mit hohen Abfindungen für ihr Scheitern belohnt werden.

Ein ganz einfaches Prinzip des bodenständigen Unternehmers, der seinen Mitarbeitern und Kunden in die Augen blicken kann. Da erübrigt sich doch jeder weitere Rückgriff auf moralische Leitlinien aus anderen Kulturen. Erst wenn ein Teil dieser Umsetzung klappt und eigene Hausaufgaben erledigt sind, sollte man hierzulande nach exotischen Unternehmensanleihen  aus dem Islamic oder Buddistic Banking Ausschau halten.

Dass all dies leider derzeit nur Wunschträume sind, das zeigt auch ein Interview mit Ben Tellings, Chef der Direktbank Ing-Diba in Deutschland. Frage:

Hat sich (durch die Finanzkrise) etwas geändert?

Am Anfang der Krise hatte ich Hoffnung. Aber sie schwindet. Gerade hat ein Vorstand einer großen deutschen Bank gesagt, er hoffe, dass das Kurzzeitgedächtnis der Deutschen gut funktioniere. Der Kunde soll schnell vergessen, damit man ihm wieder unsinnige Produkte andrehen kann. Es ist unglaublich.

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Ben-Tellings-Banken;art271,2905171

Wie sagte schon der Ökonom Walter Eucken: Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.

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Written by lochmaier

Oktober 21, 2009 um 12:38 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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