Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Finanzstrukturvertriebe: Wem es beim AWD-Berater in den Ohren klingelt

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Der Missbrauch mit Kundendaten beim Finanzdienstleister AWD ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn die gravierendste Manipulation erfolgt mit dem Geld der Kunden. Wir reden von einem so harmlos daher kommenden Wort, dem Strukturvertrieb in der Finanzbranche.

Dabei sind die netten Damen und Herrn, die zu Hause unverdächtig – mal mit und mal ohne Einladung – an der Türe klingeln, doch eigentlich nur an ihrem Besten interessiert.  Nämlich an Ihrem Geld, das leider durch den besagten Besuch ein bisschen weiter in der Substanz schmilzt, während dessen Sie das Wohl der freien Finanzberater mehren. Hat’s geklingelt?

Eine längere Dokumentation im WDR beleuchtet die Praktiken der Branche, in der sich so illustre Namen wie AWD, Deutsche Vermögensberatung usw. versammeln. Einige zehntausend Menschen finden dort immerhin Lohn und Brot, oder zumindest die Chance, in ihrem Bekanntenkreis als Drückerkolonnen zu agieren und die Chefs reicher zu machen. Denn nur eine kleine Elite verdient wirklich beim Strukturvertrieb:

http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2009/1012/index.jsp

Hier Infos von Verbraucherschützern, die einige Klischess um die „unabhängige Finanzberatung“ widerlegen:

http://verbraucherschutz.wtal.de/strukturvertriebe-checkliste.htm

Wie die blühenden Gärten in der „politischen Landschaftspflege“, bei denen es einem wirklich in den Ohren klingeln sollte, wirklich aussehen, beschreiben diese beiden Artikel hier:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31182/1.html

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31214/1.html

Wem es jetzt noch nicht reicht, der findet hier weitere aktuelle Neuerscheinungen, die die Methoden der vermeintlich so seriösen Finanzberater beschreiben:

http://www.amazon.de/Abkassiert-Die-skandal%C3%B6sen-Methoden-Finanzbranche/dp/3498006622

Gibt es Auswege aus der Beratungsmisere? Die Welt braucht seriöse Alternativen, wie man das Geld einerseits sicher anlegen oder verleihen kann, aber auch gleichzeitig eine ökologische und soziale Extrarendite erzielen kann. Als neuer Spieler auf der Beobachtungsliste rund ums Social Banking, aus der Ecke der nachhaltigen Banken, tritt die NOA Bank in Erscheinung.  Deren Struktur und eine Kurzbeschreibung über die Gründer sieht wie folgt aus:

http://www.noabank.de/noabank/struktur

Man darf gespannt sein, ob es jenseits von etablierten und seriös agierenden Ökobanken und Nachhaltigkeitsspezialisten wie der GLS Bank, Triodos oder der Ethikbank überhaupt noch Platz für weitere Institute wie der NOA Bank gibt, die einerseits von durchaus erfahrenen Bankspezialisten gegründet worden ist. Preisfrage: Springen jetzt viele auf  den Hype auf, denn wirklich aussagekräftig und transparent ist das Community-Modell bei NOA noch nicht wirklich. Aber kommen wir erst einmal zum praktischen Teil, der Analyse des Geschäftsmodells: 

Überhaupt: Ein wirklich seriöses Geschäftsmodell beim Social Banking 2.0 ist nur dasjenige, das der Community gegenüber alle relevanten Informationen offen legt, auch wie die Wertschöpfung und Gewinnerzielung seitens der Betreiber im Hintergrund konkret funktionieren. Angelockt werden sollen die potentiellen Kunden der NOA Bank mit einem derzeit ganz guten Zinssatz fürs Tagesgeld (2,2 Prozent) und vier unterschiedlichen Festgeld-Varianten (Leben, Planet, Kultur, Nähe) –  dessen Zinswachstum zum Beispiel im Falle von Festgeld Leben an ein Lifestyle- und Wellness-Element angedockt ist, sprich in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen der Gesundheits- und Medizin-Branche investiert. Namen werden keine erwähnt, die Bank präsentiert sich wie eine „Black Box“.

Klingt außerdem nach einer ganz herkömmlichen Festzins-Variante mit je nach Laufzeit von bis zu drei Prozent Verzinsung, ist es das wirklich? Die Einlagensicherung für die noa bank GmbH & Co. KG  – schon dieses unternehmerische Konstrukt klingt wie jemand, der haftungsrechtlich nicht wirklich zu greifen ist – erfolgt zwar nach der vom Gesetz vorgeschriebenen Grundabsicherung, ausgerichtet an der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB). Aber weiter unten ist zu lesen, dass das Sicherungsverfahren sich nicht auf Genussrechte der „Citizen Partners“ erstreckt.

http://www.noabank.de/aktuelles/infoeinlagensicherheit

Wer dann nochmal genauer in die Führungsrichtlinien (Corporate Governance) reinschaut, stellt fest, dass das Geschäftsmodell in einem Drei-Säulen-Modell aufgebaut ist, bei der über der Bank eine Beteiligungs-GmbH sitzt, und unter der Bank die Citizen Partner, die als Genussrechtsinhaber fungieren. Als Komplementär gibt es dazu noch eine Verwaltungs-GmbH.  Zur Grundfunktion von Genussrechten, bei der immerhin ein kompletter Totalverlust der Anlage drin ist, siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Genussrecht

http://www.emissionsmarktplatz.de/em-going-public/html/Genussrecht_3_37_42.php

Es besteht hier mit Blick auf die Noa Bank also akuter Erklärungsbedarf. Wer sich zudem noch mühsam durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchliest, dem stößt schon mal die eine oder andere weitere Passage sauer auf, hier die Übersicht über die AGB’s:

http://www.noabank.de/download/noabank_agb.pdf

Auf Seite 16 Absatz III wird etwa das Preis- und Leistungsverzeichnis beim Girokonto mit dem Zusatz erklärt, dass dieses jederzeit telefonisch beim Bank-Kundenbetreuer abgefragt werden kann. Bald soll es auch im Internet stehen. Aha, super. Da steht es ja jetzt schon an anderer Seite mit dem Hinweis, dass die Kontoführung kostenlos sei. Perfektes Verwirrspiel. Das macht  misstrauisch: Denn warum steht dieses Preisverzeichnis – wie üblich – nicht als integrierter Bestandteil direkt in den AGB’s, wo dies doch in der Regel zu einem soliden Geschäftsbetrieb einschließlich aller offen gelegten Neben- und Folgekosten dazu gehört. Bei einem nachhaltigen Geschäftsmodell doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder?  

Soweit also, und man möchte hinzu fügen, so schlecht. Ein transparentes Geschäftsmodell ist fundamental, denn erfolgt dies nicht, sind wir wieder da, wo wir ganz oben in dem heutigen Beitrag schon mal angekommen waren, nämlich beim Finanzstrukturvertrieb, in diesem Fall mit dem nur vermeintlich coolen Außenanstrich vom Mitmachweb der Marke 2.0.

Bilanzieren wir also: Wir dürfen weiter der geballten Kompetenz von seriösen Experten aus der wissenschaftlich maskierten Vertriebsszenerie vertrauen, wie Bert Rürup, einem Wirtschaftsweisen und Berater der Regierenden, der jetzt längst einträglich die Fronten gewechselt hat, und dort ist, wo dieser heutige Beitrag ansetzte, nämlich beim Finanzdienstleister AWD:

http://www.awd.de/awdde/de/home/aktuelles/finanznews/Bert_Ruerup.html

Written by lochmaier

Oktober 20, 2009 um 6:44 am

Veröffentlicht in Uncategorized

4 Antworten

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  1. […] Jozic, die am 7.11. in Deutschland an den Start gehen will, offiziell Stellung zu meiner vorläufigen Analyse  (2. Teil des Weblog-Eintrags vom 20.10.09) der bislang dargebotenen Internetseiten. Er erläutert […]

  2. […] das Institut freilich nicht daher, wie Lothar Lochmaier in einem Beitrag festgestellt hatte. Damals beklagte er, dass Eigentümerstruktur und Geschäftsmodell noch nicht transparent sei. Bemerkenswert, wie ernst die Bank die Webwelt nimmt, denn Gründer […]

  3. […] dazu auch meinen Artikel auf Heise Telepolis, in dem ich nach einem kritischen Artikel in meinem Weblog – und einem klärenden Gespräch mit dem Gründer Francois Jozik die […]


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