Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Universalbanken: Hackordnung nicht mehr von USA dominiert

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Künftig werden die großen Schwellenländer China, Indien und Brasilien die Kapitalströme in der Wirtschaft wesentlich stärker mitbestimmen. Dies geht zu Lasten der USA, beschreibt Investment-Guru Mark Möbius in einem Interview mit dem Spiegel:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,653652,00.html

Wer hat wirklich das Sagen in der künftigen Bankenwelt? Möbius stellt die These auf, die großen Banken zu zerschlagen und die Investment- von den Geschäftsbanken zu trennen. Das klingt wie so oft bei gebetsmühlenartigen moralischen Appellen an die Akteure rhetorisch brilliant, nur klappt das vermutlich nicht wirklich. Im Gegenteil: Die Konzentrationstendenzen halten ungeachtet dem Leitmotiv an, keine Bank darf so groß sein, dass der Rest der Welt daran zerbrechen könnte. 

Und das mit dem Geldverdienen funktioniert ja doch wieder oder noch immer prächtig bei den Großbanken dieser über der Realwirtschaft angesiedelten Parallelwelt. Wer eine Übersicht über die aktuellen Rankings der weltweit erfolgreichsten Banken in der nach wie vor von Universalbanken geprägten Finanzwelt sucht, der wird hier fündig:

http://www.die-bank.de/banking/im-zeichen-der-krise

Dennoch: Die Branche wird sich umkrempeln. Erstes Zeichen: Die Leitwährung US-Dollar bröckelt. Hedge-Fonds Legende George Soros hält die US-Banken für praktisch „pleite“:

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:fragile-konjunkturerholung-soros-haelt-amerikanische-banken-fuer-quasi-bankrott/50019327.html

Da der Dollar weiter an Bedeutung verliert, gibt es bereits durchaus seriöse Wissenschaftler, die über eine neue „Weltwährung“ spekulieren. Dazu gehört Prof. Robert A. Mundell, kanadischer Volkswirt und Nobelpreisträger: Er sagt: Eine Weltwährung wäre ein Gewinn für die Geldpolitik von zwei Drittel aller Länder.

Denn in einer „dollarisierten“ Welt hätten alle Länder die gleiche Inflationsrate und ähnliche Zinssätze. handel, Produktivität und Integration würden mit Hilfe einer neuen weltweit einheitlichen Leitwährung zunehmen, argumentiert Mundell.

Auch Prof. Kenneth Rogoff, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds unterstützt zu Teilen diese These: Jedoch sollt es noch drei bis vier Leitwährungen in der Finanzwelt geben. Eine Weltzentralbank müsste außerdem die natürlichen Regulierungsfunktionen übernehmen. Das klingt allerdings nach einem komplexen, vielleicht sogar unsteuerbaren „Verwaltungsmonster“. Mehr zu den Thesen Rogoffs gibt es bei der Financial Times Deutschland:

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:geldpolitik-sorgenkind-dollar/50020587.html

Nun kann man sicherlich jede Menge von Gegenargumenten ins Feld führen, um die Sichtweise einer neuen „Weltwährung“ zu entkräften. Es gibt eigentlich mehr Argumente dagegen als dafür in der derzeitigen neuen Unübersichtlichkeit. Das Thema ist übrigens schon lange auf der Agenda, wie ältere Artikel vom Jahr 2004 aus Heise Telepolis bzw. dem Spiegel zeigen:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18902/1.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,330187,00.html

Dennoch: Die Vormachtstellung der USA bröckelt an vielen Fronten, und man darf gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren  verändern wird. In der Praxis wird jede Art von Umsetzung und Harmonisierung – das hat schon der Euro gezeigt – von komplizierten wirtschaftlichen aber auch gesellschaftlichen Austauschprozessen begleitet sein. Immerhin: Auch in Asien ist bereits von einer Art „Asiaeuro“ die Rede:

http://www.china-observer.de/090928-140004/Konvertierbarkeit-von-Chinas-Waehrung-darf-nicht-ueberstuerzt-werden.html

Wie war das doch gleich mit dem Satz ‚wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte‘. Es ist schwer Progonosen anzustellen, vor allem, wenn es sich um die Zukunft dreht. Aber eines steht fest: Es kommt meist anders als auch viele selbst ernannte Experten dies sich vorzustellen mögen.

Wie fragwürdig bestimmte, ad-hoc im jeweiligen Fluss des Zeitgeistes formulierte generalisierte Thesen über die Banken- und Wirtschaftswelt der Zukunft sind, wenn man sie auf der Zeitachse schon ein paar Monate später rückblickend betrachtet, siehe dazu etwa die Buchrezension zu Fareed Zakaria: Der Aufstieg der Anderen  – das Postamerikanische Zeitalter in der Berliner Zeitung vom März dieses Jahres:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0314/leipzigerbuchmesse/0062/index.html  

Fazit: Schuster, bleib bei deinen Leisten, wer hat denn das gesagt?

http://de.wikipedia.org/wiki/Schuster,_bleib_bei_deinem_Leisten#Schuster.2C_bleib_bei_deinem_Leisten.21

Wie die US-Banken jenseits von Gier und leeren moralischen Plattitüden nach einem (angeblichen) dritten Weg Ausschau halten und nach öffentlicher Akzeptanz buhlen, beschreibt ein Artikel im heutigen Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/finanzen/handelsblatt-kommentar/us-banken-suchen-nach-akzeptanz;2470402

In den USA ist die Bevölkerung aufgebracht, teilweise über sich selbst, weil sie alles auf Pump finanziert haben – aber auch über die Banken, weil sie sich wie die Made im Speck bereichert haben. Neue Spielregeln sind gefragt, und die lauten das Geschäftsmodell konsequent aufs Social Banking auszurichten.

https://lochmaier.wordpress.com/2009/09/25/pittsburgh-social-banking-ist-der-gegenentwurf/

Zum Abschluß noch ein Youtube-Video, das in den USA immerhin bereits eine halbe Million Nutzer anklickten. Vielsagender Titel: Debtors revolt begins now:

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Written by lochmaier

Oktober 19, 2009 um 7:33 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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