Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social plus Banking: Geht das überhaupt zusammen?

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Kann eine Bank unternehmerisch, sozial und ökologisch agieren – und einen Gleichklang zwischen Renditezielen und der gesellschaftlichen Verantwortung herstellen? Nennen wir diesen Trend einmal Social Banking. Eine von der Wirtschaftszeitung Handelsblatt Anfang September veranstaltete Tagung über zwei Tage versprach jedenfalls die Auflösung der Quadratur des Kreises. Nämlich der brennenden Frage: Sind BANKING  UND MORAL  EIN UNAUFLÖSBARER WIDERSPRUCH?

In den beiden Tagen sollte der Blick jedoch vor allem nach vorne gerichtet sein und weniger nach hinten. Sicherlich eine gute Idee, die Zeit heilt alle Wunden, denkt sich so mancher – vor allem soll die Solidargemeinschaft der haftenden Bürger rasch vergessen.

Der Tenor der Veranstaltung lautete also eher Vorwärts – wie auch immer: „Was kommt? 

Auch die zuletzt von Bankenseite viel beschworene Moral sollte zur Sprache kommen.

Der Eindruck zurück zum „Business as usual“ ist durchaus angebracht,…

http://www.handelszeitung.ch/artikel/Unternehmen-_Ohne-die-grossen-Banken-geht-nichts_602155.html 

… der sich vielen Beobachtern und der Öffentlichkeit angesichts von bereits wieder sprudelnden Boni-Zahlungen aufdrängt – wenige Monate nach dem Fast-Zusammenbruch einer ganzen Branche.

Und Privatbanker Friedrich von Metzler gab schon mal die Antwort, dass die Verantwortlichen durchaus aus der Krise gelernt hätten, siehe folgendes Interview:

http://www.cio.de/news/wirtschaftsnachrichten/897495/index.html?r=555612732151529&lid=52721

Fazit: Kurzfristige Bonuszahlungen werde es aber in Zukunft nicht mehr in der Form geben. „Über Ländergrenzen hinweg wird heute diskutiert, dass die Ergebnisse der Managertätigkeit über einen Zeitraum von mehreren Jahren bewertet werden müssen und nicht, wenn kurzfristig Gewinne erzielt werden“, sagte Metzler. Es könne sogar so kommen, dass bereits ausgezahlte Boni gestrichen würden, wenn sich herausstelle, dass die Gewinne keinen Bestand hätten.

 Quelle: CIO 

Wer sich am Puls der staatlichen und nicht-staatlichen Regulierungsmaschinerie einen Überblick über die aktuelle Diskussion „Banken im Umbruch“ verschaffen will, der wird beim Handelsblatt fündig:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/deutsche-banken-laufen-sturm;2454513

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/ackermann-will-in-deutschland-zukaufen;2454210

http://www.handelsblatt.com/finanzen/handelsblatt-kommentar/banken-bloss-nicht-einknicken;2454527

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/coba-gibt-milliarden-garantien-zurueck;2454729

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/zu-guttenberg-warnt-vor-kreditklemme;2455078

Fazit: Ob die Gegenpole „Social“ plus „Banking“ wirklich zusammen passen, das scheint im Moment mehr denn je fraglich. Ein gesellschaftlich nachhaltiger Entwurf wird sicher kaum von den etablierten Banken voran getrieben werden, sondern allenfalls, wenn ein allgemeiner Bewusstseinswandel einsetzt, und die Kunden ihre Ansprüche an die Finanzwirtschaft stellen.  

Mündige und selbstbewusste Verbraucher wären die beste Voraussetzung. Offenbar haben einige zuvor in der Irreführung von Kunden sehr aktive Banken erkannt, welcher Sprengstoff hier trotz dem vorzeitig ausgerufenen Ende der Wirtschaftskrise zumindest im Bereich von Private Banking weiter schlummert. Andere Bereiche wie Hedge Fonds sind ja längst wieder auf Wachstumskurs:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,647805,00.html

Aber die Gefahr lauert in einem gesellschaftlichen Paradigmenwandel. So erklärt – gerade frisch aus der Druckerpresse aber leider noch nicht online verfügbar – Franz Josef Nick, Vorstandsvorsitzender der Citibank Deutschland (jener Bank, die Anlegern gerne vorgaukelte, sie mit Lehmann-Zertifikaten in einen sicheren Hafen in der Altersvorsorge zu führen), in einem Namensartikel in der aktuellen Ausgabe (09/2009) der Fachzeitschrift „die bank“ – www.die-bank.de  folgendes:

„Es nützt nichts, die Bedeutung von Kundenwünschen zu postulieren und gleichzeitig den Vertrieb von Produkten zu incentivieren. Die Incentive-Systeme müssen künftig den Aufbau langfristiger, auf Dauer angelegter Kundenbeziehungen belohnen.“

Quelle: www.die-bank.de

Das wäre eine Revolution – Im Klartext: Die kurzfristige Abzocke und Gier nach hohen Provisionen, frei nach dem Motto „nach uns die Sintflut“ hätten ausgespielt. Demnach soll der Kunde nun so ernst genommen werden wie das Ehe- oder Lebenspartner tun. Genau, diesen Begriff  „Lebenspartner“ hat Franz Josef Nick selbst ins Spiel gebracht.

Ob diese Sinn stiftendende Ehe wohl gut geht? Starke Worte – die Institute werden jedoch an ihren Taten zu messen sein.  Gelingt die Gratwanderung zwischen „Social“ und „Banking“  nicht, das wissen auch die Strippenzieher von Private Banking Strategien in den Chefetagen, dann werden Social Communities im Netz und Kreditmarktplätze ohne Beteiligung einer Bank zu immer größeren Konkurrenten im Wettbewerb, sofern sie ihr Geschäftsmodell auf seriöse Füße stellen.

Insofern besteht das Rad der buddistischen Selbsterkenntnis zur neuen Bescheidenheit nicht in einem neuen Selbstverständnis von „Gutmenschenbank(i)er“, sondern schlicht in der Einsicht in die neuen „Sachzwänge“ des Marktes.

Die neuen Spielregeln lauten schlicht so: Autonom und selbst verantwortlich agierende Internetverbraucher lassen sich nur noch bedingt an der Nase herum führen – und in der bis dato von sich selbst verwöhnten Bankenszene nicht mehr als eine zu vernachlässigende Randgruppe abqualifizieren. Der Markt wird es schon richten, aber vielleicht anders als viele sich dies erträumten…

 

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Written by lochmaier

September 10, 2009 um 7:20 am

Veröffentlicht in Uncategorized

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