Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Innovationen in der Finanzindustrie sind ein schmaler Grat

leave a comment »

Flop oder Top? Manchmal ist die Gratwanderung ausgesprochen schmal. Das gilt auch für die Finanzindustrie, die geradezu von einem religiösen Glauben an die Segnungen der modernen Informationstechnologie beseelt ist. Dabei sind Menschen doch deutlich mehr als ein Kosten- und Produktionsfaktor, sondern gelegentlich auch Kunden.

Das gilt auch für die Mitarbeiter, die von den Segnungen mobiler Arbeitsplätze im trauten Heim überzeugt werden sollen. Das spart schließlich auch Kosten, obwohl der Arbeitgeber weniger kontrollieren kann, was die Angestellten dort treiben.

Doch auch das ist Schnee von gestern, als ich über folgende Pressemeldung stolperte, die zeigt, dass die Citibank sehr viel aus der Finanzkrise gelernt hat. Fragt sich nur in welche Richtung – Aber lesen Sie selbst: 

Dank Biometrie können beispielsweise Mitarbeiter der Citi Bank auch sensible Arbeitsvorgänge vom Schreibtisch zu Hause bearbeiten. Die Heimarbeiter melden sich an ihrem Rechner mit ihrer Stimme an. Zudem erkennt eine marktübliche Webcam das Gesicht des Mitarbeiters und gleicht es mit dem hinterlegten Bild in einer Datenbank ab. Erst dann kann der Heimarbeiter das System der Bank nutzen. Verlässt der Mitarbeiter seinen Schreibtisch oder schaut ihm eine unberechtigte Person bei der Arbeit über die Schulter, so werden PC und Monitor sofort gesperrt.

   Quelle: Bitkom

Der Report mit dem gerade beschriebenen Beispiel (Seite 16) kann hier heruntergeladen werden:

http://www.bitkom.org/files/documents/Biometrie_Referenzbroschuere_2009.pdf

Fazit: Auf den ersten Blick fühlt sich diese biometrische Killerapplikation tatsächlich wie eine bahn brechende Technologie an. Es könnte bloß sein, dass „in dem Bereich des Computers, der nur für den Nutzer freigegeben ist“, gerade der spielende kleine Sohn oder die Tochter den Raum betritt. Eine wirklich böse Überraschung, wenn dann der PC automatisch blockiert, obwohl diese Unterbrechung doch gar nicht so schlimm ist.

Oder die Ehefrau oder der Ehemann betritt den Raum – wow – was passiert dann?   Passen Sie also auf, wenn Ihnen eine unberechtigte Person bei der Arbeit am PC von hinten über die Schulter schaut, denn es könnte sich dabei um eine soziale Phishing-Attacke handeln. Aber vielleicht lässt sich ja das biometrische Profil des Kindes vorher einscannen, um diesen neuen Nutzer als „autorisiert“ freizuschalten.

Denn Kinder haben manchmal ein besseres Gespür, was sinnvoll und nützlich ist. Kein Wunder angesichts solcher Innovationen, dass moderne, sozial wie ökologisch aufgeschlossenere Bankmitarbeiter der Marke Social Banking 2.0 ein weniger hierarchisches Umfeld bevorzugen, in dem mehr Kreativität und Offenheit gefragt sind, statt fragwürdig teurer Finanzinnovationen, die zudem vom „Lidl-Touch“ der sozialen Kontrolle geprägt sind.

http://bankervision.typepad.com/bankervision/2009/09/my-first-days-at-the-dwp.html

Zurück zu unserem Beispiel: Der biometrisch getunte Computer könnte auch automatisch abgeschaltet werden, wenn der Mitarbeiter am heimischen PC eine bestimmte Aufgabe nicht binnen einer definierten Zeit erledigt hat. Dann landet der „work in progress“ einfach beim nächsten freien Angestellten, während er oder sie noch hastig das Brötchen hinunter schluckt. Alarmstufe Rot im interaktiven Web 2.0. 

Mit schon eher relevanteren Neuerungen in der Bankenindustrie befasst sich die Tagung „Finnovate“ im Herzen der Finanzwelt in New York Ende September:

http://www.finovate.com/flagship09/agenda.html

Nur ein kleines Beispiel, was eine Innovation ausmachen könnte:

Peer-to-peer: You can’t really cut out the middleman entirely in financial services; a trusted third-party is needed to authenticate both parties. However, the third-party may not always be a traditional financial institution.

Mehr dazu:

http://www.netbanker.com/2009/09/whos_innovating_in_2009_finovate_preview.html

Und ein praktisches Beispiel statt eines technologischen „Overkill-Szenarios“ gleich dazu, wie Hersteller Nokia über eine mobile Anwendung über das Mobiltelefon per SMS kleine Beträge via direkte Banküberweisung zwischen den Nutzern ermöglichen will:

http://www.nokia.com/press/press-releases/showpressrelease?newsid=1337248

Advertisements

Written by lochmaier

September 3, 2009 um 10:23 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: